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Mission Nordkorea

J. R. Cock

Mission Nordkorea

Im Auftrag des Vatikan


Allen Jenen gewidmet, die mit Unterdrückung und Terror - ganz egal in welchen Systemen - nicht einverstanden sind. Ein besonderer Dank an meine liebe Gattin, die mir mit ihrer optimistischen Art und Lebensfreude seit Jahren immer wieder Kraft und Zuversicht gibt.


BookRix GmbH & Co. KG
81669 München

Vorwort

Fast alle nachstehenden Ereignisse und Personen sind frei erfunden und haben keinen Bezug zur Vergangenheit oder zur Jetztzeit. Einige in diesem Buch erwähnten Organisationen wie etwa das Collegium Russicum und auch der Staat Nordkorea sind allerdings real.

Real ist auch, dass Pfarrer Kim Dong-shik aus den USA im Jahr 2000 aus der chinesischen Stadt Yanji entführt wurde und ein Jahr später in Nordkorea an den Folgen von Folter gestorben wurde. Auch wurden im gleichen Land nach 1960 zehn Christen zur öffentlichen Abschreckung mit Benzin übergossen und am Hauptplatz lebendig verbrannt.

Am 29. November 1987 explodierte der Korean-Airlines Flug 858 über der Andamanensee, wobei alle 115 Insassen ums Leben kamen. Die Attentäterin, die nordkoreanische Geheimagentin Kim Hyon-Hui, sagte in ihrem Geständnis aus, sie habe die Bombe auf Weisung Kim Jong-Ils an Bord geschmuggelt.

Das Christentum ist die Religion, die am häufigsten verfolgt wird. Nach dem Weltverfolgungsindex ist seit Jahren Nordkorea das Land mit der stärksten Christenverfolgung, gefolgt vom Iran, Saudi-Arabien und Somalia.

Mein besonderer Dank gilt an dieser Stelle meiner Frau, die mir durch ihre Zuversicht, ihren unerschütterlichen Glauben an dieses Werk und ihre Fachkenntnis eine riesengroße Unterstützung war.

J. R. Cock August 2014.

Collegium Russicum

Das Collegium Russicum liegt in der Via Napoleone 3 in Nähe der Basilika Santa Maria Maggiore. Der dreistöckige Bau macht von außen her einen unscheinbaren Eindruck und unterscheidet sich nicht viel von anderen Häusern der Gegend. Offiziell ist das Collegium Russicum eines der vielen Priesterseminare der römisch-katholischen Kirche unter der Leitung der Jesuiten (Die Ordensgemeinschaft Societas Jesu, gegründet 1534 von Ignatius von Loyola) in Rom.

Neben den üblichen drei Ordensgelübden – Armut, Ehelosigkeit und Gehorsam – verpflichten sich die Jesuiten durch ein außergewöhnliches Gelübde zu besonderem Gehorsam gegenüber dem Papst und zur völligen Unterwerfung unter die Heilige Schrift sowie die Lehren der katholischen Kirche (ich werde jetzt, in der Gegenwart des allmächtigen Gottes, der gebenedeiten Jungfrau Maria, des gesegneten Erzengels Michael, des seligen Johannes des Täufers, der heiligen Apostel Petrus und Paulus und all der Heiligen und heiligen, himmlischen Heerscharen und zu dir, meinem geistlichen Vater, dem oberen General der Vereinigung Jesu, gegründet durch den Heiligen Ignatius von Loyola, in dem Pontifikalamt von Paul III. und fortgesetzt bis zum jetzigen, hervorgebracht durch den Leib der Jungfrau, der Gebärmutter Gottes und dem Stab Jesu Christi, erklären und schwören, dass seine Heiligkeit, der Papst, Christi stellvertretender Vize-Regent ist; und er ist das wahre und einzige Haupt der katholischen und universellen Kirche über die ganze Erde; und dass aufgrund des Schlüssels zum Binden und Lösen, der seiner Heiligkeit durch meinen Erlöser Jesus Christus, gegeben ist, er die Macht hat, ketzerische Könige, Prinzen, Staaten, Republiken und Regierungen aus dem Amt abzusetzen, die alle illegal sind ohne seine heilige Bestätigung, und dass sie mit Sicherheit vernichtet werden mögen. Weiter erkläre ich, dass ich allen oder irgendwelchen Vertretern deiner Heiligkeit an jedem Platz, wo immer ich sein werde, helfen und beistehen und sie beraten und mein Äußerstes tun, will, um die ketzerischen protestantischen oder freiheitlichen Lehren auf rechtmäßige Art und Weise oder auch anders auszurotten, und alle von ihnen beanspruchte Macht zu zerstören. Ich verspreche und erkläre auch, dass ich nichtsdestoweniger darauf verzichte, irgendeine ketzerische Religion anzunehmen, um die Interessen der Mutterkirche auszubreiten und alle Pläne ihrer Vertreter geheim und vertraulich zu halten, und wenn sie mir von Zeit zu Zeit Instruktionen geben mögen, sie nicht direkt oder indirekt bekannt zu geben durch Wort oder Schrift oder welche Umstände auch immer; sondern alles auszuführen, das du, mein geistlicher Vater, mir vorschlägst, aufträgst oder offenbarst ... Weiter verspreche ich, dass ich keine eigene Meinung oder eigenen Willen haben will oder irgendeinen geistigen Vorbehalt, was auch immer, selbst als eine Leiche oder ein Kadaver, sondern bereitwillig jedem einzelnen Befehl gehorche, den ich von meinem Obersten in der Armee des Papstes und Jesus Christus empfangen mag. Dass ich zu jedem Teil der Erde gehen werde, wo auch immer, ohne zu murren, und in allen Dingen unterwürfig sein will, wie auch immer es mir übertragen wird ... Außerdem verspreche ich, dass ich, wenn sich Gelegenheit bietet, unbarmherzig den Krieg erkläre und geheim oder offen gegen alle Ketzer, Protestanten und Liberale vorgehe, wie es mir zu tun befohlen ist, um sie mit Stumpf und Stiel auszurotten und sie von der Erdoberfläche verschwinden zu lassen; und ich will weder vor Alter, gesellschaftlicher Stellung noch irgendwelchen Umständen haltmachen. Ich werde sie hängen, verbrennen, verwüsten, kochen, enthaupten, erwürgen und diese Ketzer lebendig vergraben, die Bäuche der Frauen aufschlitzen und die Köpfe ihrer Kinder gegen die Wand schlagen, nur um ihre verfluchte Brut für immer zu vernichten. Und wenn ich sie nicht öffentlich umbringen kann, so werde ich das mit einem vergifteten Kelch, dem Galgen, dem Dolch oder der bleiernen Kugel heimlich tun, ungeachtet der Ehre, des Ranges, der Würde oder der Autorität der Person bzw. Personen, die sie innehaben; egal, wie sie in der Öffentlichkeit oder im privaten Leben gestellt sein mögen. Ich werde so handeln, wie und wann immer mir von irgendeinem Agenten des Papstes oder Oberhaupt der Bruderschaft des heiligen Glaubens der Gesellschaft Jesu befohlen wird.) Der Eid der Jesuiten aus 1534.

Diesen Verpflichtungen werden die Jesuiten auch bis heute streng gerecht. In Wahrheit befindet sich hier die Zentrale eines der effektivsten Geheimdienste der Welt; mit besten Verbindungen zum israelischen Mossad, zur CIA und fast allen anderen westlich orientierten Geheimdiensten. Das Collegium hat die Aufgabe sich für die Verbreitung des römisch-katholischen Christentums einzusetzen und dies mit allen Methoden und auch mit allen Mitteln.

Papst Pius XI. gründete das Institut am 15. August 1929, angesichts der Verfolgung der christlichen Kirchen und der Religion im Allgemeinen durch den sowjetischen Staat. Noch in den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts wurden die Absolventen des Collegium als geweihte Priester unter falschen Namen in verschiedene Gemeinden des ehemaligen Ostblocks gesandt, um dort die Menschen im Sinn des Katholizismus zu indoktrinieren.

Vor ihrer Mission erhielten diese Priester die heiligen Sakramente einschließlich der Letzten Ölung und wurden vom Papst und dem Ordensgeneral der Jesuiten in geheimer Audienz empfangen und verabschiedet. An dieser Regelung hat sich bis heute Nichts geändert, dafür aber die Aufgaben der Absolventen. Eine bedeutende Rolle hatte das Collegium etwa bei der Zerschlagung der kommunistischen Regime in Osteuropa. Es waren meist Jesuiten vom Collegium, die im Untergrund emsig tätig waren, diese Regime zu untergraben.

Ein Jesuit

Pater Prof. Dr. Timothy Warren, der gegenwärtige Leiter des Collegium war gerade in die Lektüre eines Berichtes über Afghanistan und die bedrohliche Entwicklung einer Sekte, die sich als islamische Fundamentalisten oder auch Taliban bezeichneten, vertieft, als es klopfte und sein Sekretär und Leibwächter Frederic deBur hereinplatzte. „Könntest du nicht wenigstens warten, bis ich herein sage?“, so schnauzte er den blonden Mittdreißiger an.

„Verzeiht, ehrwürdiger Vater“, kam die Antwort. „Aber das solltet ihr unbedingt gleich lesen. Es ist soeben aus Seoul gekommen.“ Mit diesen Worten kniete er vor Warren nieder, küsste ihm die Hand und reichte ihm eine Telefaxnachricht. Stirnrunzelnd griff Warren danach und begann zu lesen.

Man sollte sich jetzt nicht täuschen. Warren und deBur waren zwar als Patres in der Kirchenhierarchie am unteren Ende angesiedelt und somit auch Gleichgestellte. Jedoch auch in unteren Hierarchien gibt es Gleiche und Gleichere. Warren war jedenfalls einer der Gleicheren. Nur dem Papst und seinem Ordensgeneral unterstellt, war er der inoffizielle Geheimdienstchef des Vatikan und in dieser Funktion einer der wichtigsten Mitarbeiter des Papstes.

Schnell hatte er die Nachricht überflogen und sein Gesicht nahm dabei einen noch traurigeren Ausdruck an, als es ohnehin schon von Natur aus hatte. Lächeln hatte ihn in den letzten 15 Jahren (solange saß er dem Collegium schon vor) eigentlich noch niemand gesehen.

Er spürte einfach mehr und mehr die drückende Last der Verantwortung auf seinen Schultern und verzweifelte insgeheim auch an der anscheinenden Nutzlosigkeit seiner vielen Gebete. Er bekreuzigte sich: „Ist das wirklich sicher? Ganz sicher?“

DeBur nickte: „Sie haben es in Seoul genau überprüft. Es gibt keinen Zweifel. Es ist Kim Dong. Die Kommunisten haben ihn fürchterlich zugerichtet und ihm sogar bei lebendigem Leib die Hoden entfernt. Dann haben sie ihn blutend ins Meer geworfen. Wohl mit der Hoffnung, dass er nie gefunden werde und vielleicht ein Hai ... Wenn die Strömung ihn nicht in Richtung Yeonpyeong …“.

„Hör auf“, unterbrach ihn Warren. Sein zerfurchtes Gesicht hatte plötzlich eine rote Farbe angenommen. Er erinnerte sich an den kleinen Koreaner, der die Fröhlichkeit gepachtet zu haben schien. Kim wollte sich zuerst in der chinesischen Kleinstadt assimilieren, um dann von dort irgendwann in Nordkorea einzusickern. Und nun so ein Ende. Warren schlug neuerlich ein Kreuz und faltete die Hände „Der Herr sei seiner Seele gnädig. Er ist als Märtyrer gestorben. Beten wir für ihn“.

Beide knieten zum Gebet nieder. Doch unter dem Eindruck dieser Meldung gelang keinem der beiden, sich so richtig auf ein Gespräch mit Gott zu konzentrieren. Ihre Gedanken waren nicht bei Gott, sondern bei Kim Dong.

P’yöngyang

Seit gestern Abend goss es in P’yŏngyang, der Hauptstadt Nordkoreas, wie in Strömen. So, als ob der Himmel alle seine Wasservorräte auf diesen Fleck der Erde konzentrieren wolle. Vorher war es über Gebühr heiß gewesen und dann so um etwa zweiundzwanzig Uhr brach das nasse Inferno los.

Die wenigen Menschen, die außerhalb des modernen Stadtviertels Chung-guyok – das war das, was man den wenigen Touristen präsentierte - auf den schlechten Straßen noch herumirrten, beeilten sich in ihre Hütten oder Häuser zu kommen.

Außerhalb des Chung-guyok gab es fast keine asphaltierten Straßen. Lediglich gestampfte Wege, die die Wassermassen gar nicht aufnehmen konnten. Ein übler Geruch hatte sich breitgemacht; aus übergelaufenen Sickergruben und auch aus den wenigen Kanälen, die nicht mehr in der Lage waren, die Wassermassen aufzunehmen. Einige ertrunkene Katzen und andere Kleintiere wurden von der Strömung mitgeschwemmt. Auch einige Strohhüte trieben im Wasser. Es war nicht ganz klar, ob sie noch auf Menschenköpfen saßen oder allein dahin trieben. Vereinzelt brüllten Kühe und Schweine in ihren Ställen und gackerten Hühner und Enten aufgeregt. Auch ihnen war die nasse Pracht zu viel.

Das sollten mal die Klugscheißer von der UNO erleben, dachte sich Majorarzt Dr. Cho Gwang-Jo, klatschnass auf einem in China hergestellten Mopeds sitzend und damit auf dem Weg zu ihrer Arbeitsstelle. Dann würden vielleicht die Millionen zu sprudeln beginnen, die das Land und seine Menschen so dringend benötigten.

Freilich, der große Präsident, der unbestrittene Führer des Landes, würde einen Großteil dieser Gelder wieder in den weiteren Ausbau der Armee stecken müssen, um gegen mögliche Aggressoren - die es aber gar nicht gab. Im Gegenteil: Weltweit wurde er als Gefahr angesehen - gerüstet zu sein. Aber er macht seine Sache doch ganz richtig, dachte sie sich. Würde er denn sonst vom ganzen Volk - oder zumindest dem größten Teil – so geliebt und verehrt?

Alljährlich zu seinem Geburtstag zogen Hunderttausende Jubler durch die Straßen, vorbei an der Tribüne, wo er stand und ihnen freundlich zuwinkte. Einmal da dabei sein zu dürfen, war der Traum vieler Menschen des Landes. Also wird schon alles seine Richtigkeit haben, dachte Cho und verdammte sich insgeheim selber, wegen ihrer Zweifel - die sie nie laut ausgesprochen hätte - am gottgleichen Präsidenten.

Begegnung

Voll von Einsatzfreude und mit Elan betrat sie ihr kleines Büro, das sie mit vier Anderen teilte, griff nach einem dünnen Schnellhefter und einem chinesischen Kugelschreiber. Dann ging sie damit in den nächsten Raum.

Dieser machte einen sehr vernachlässigten Eindruck und vermittelte ein Gefühl von Angst und Bedrückung. Die irgendwann weiß gewesenen Fliesen, die fast bis zur grau getönten Decke reichten, waren teilweise brüchig, herausgefallen oder hatten die Patina der Zeit angenommen.

Der Plastikboden war ebenfalls in die Jahre gekommen. Auch das eifrigste Schrubben hätte da Nichts mehr verändern können. Aber er sah ohnehin so aus, als wäre er schon lange nicht mehr dieser Prozedur unterzogen worden.

In der einen Ecke stand ein Metallkübel mit einem Deckel, der anscheinend als behelfsmäßige Toilette diente. Zumindest stank er danach! Um ihn herum einige verstreute und mehrheitlich beschmutzte Blätter Zeitungspapier.

Die andere Ecke dominierte ein älterer leerer Schreibtisch, auf dem ein Telefon und eine Lampe standen. Weiters eine seltsam aussehende Apparatur mit vier wegführenden Kabeln und einem etwas größeren Schaltknopf! Dahinter ein abgewetzter Ledersessel und oberhalb an der Wand das obligate Bild des Präsidenten, das in jedem Raum zu finden war.

Für die meisten anderen Länder hatte dieser Präsident den Status eines Raubtieres, dem man sich besser nicht ungeschützt nähert.

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