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Mimmi

Inhaltsverzeichnis

1. Kapitel

2. Kapitel

3. Kapitel

4. Kapitel

5. Kapitel

6. Kapitel

7. Kapitel

8. Kapitel

9. Kapitel

10. Kapitel

11. Kapitel

12. Kapitel

13. Kapitel

14. Kapitel

15. Kapitel

16. Kapitel

17. Kapitel

18. Kapitel

19. Kapitel

20. Kapitel

21. Kapitel

22. Kapitel

23. Kapitel

24. Kapitel

25. Kapitel

26. Kapitel

27. Kapitel

28. Kapitel

29. Kapitel

30. Kapitel

31. Kapitel

32. Kapitel

33. Kapitel

34. Kapitel

35. Kapitel

36. Kapitel

37. Kapitel

38. Kapitel

39. Kapitel

40. Kapitel

41. Kapitel

42. Kapitel

43. Kapitel

44. Kapitel

45. Kapitel

46. Kapitel

47. Kapitel

48. Kapitel

49. Kapitel

50. Kapitel

1. Kapitel

Ein schwarzes Kätzchen mit goldgelben Augen liegt in der hintersten Ecke auf dem großen Schlafzimmerschrank. Irgendwas stimmt in ihrem neuen Zuhause nicht.

„Mauu“ was ist denn nun schon wieder los. Erst werde ich von meiner Familie und meiner besten Freundin Oma getrennt und muss in dieser engen Kiste bleiben und jetzt bringen diese Dosenöffner alles durcheinander.

Die Menschen packen Umzugskisten. Sie wollen von der kleinen Wohnung in ein großes Haus ziehen. Sie erwarten bald Nachwuchs und brauchen dadurch mehr Platz und die Katze nur zum Mäusefangen.

Ach war das Zuhause bei Mama schön!

Übrigens ich heiße Mimmi und bin, wie die Dosenöffner sagen, mit acht Monaten eigentlich viel zu alt um in ein neues Zuhause zu kommen. Bei meiner Familie war ich sehr glücklich. Als alle meine Geschwister abgeholt waren, habe ich mich mit Oma, wie alle sie nannten, angefreundet. Sie hatte ein Stück Land, Garten, wie sie meinte, wo sie Pflanzen pflegte. Sie war sehr klug. „Whaarr“ jetzt bin ich hier und wünsche mich weit weg. Im Garten von Oma war es so friedlich. Sie hat mir gezeigt, welche Pflanzen gut für ein sind und welche ein krank Machen können und welche einfach nur lästig sind. Ich habe ihr gern geholfen die Lästigen raus zuziehen, damit die Anderen besser wachsen konnten. Ich war glücklich bei ihr sein zu dürfen. Dann kam der Tag, an dem man mich holte! Oma und ich waren sehr traurig. Oma sagte: „Du wirst es bestimmt gut haben.“ Ob sie das wirklich so meinte? Oder wünscht sie es sich nur für mich? Nun bin ich jedenfalls hier und alles macht mir Angst! Es ist viel zu klein, zu laut und es stinkt. Das Futter ist eklig und macht Bauchweh. Und der Höhepunkt ist jetzt noch diese Aufregung. Alles was in den großen Kisten ist packen sie in kleine und stellen den schon wenigen Platz damit zu. Was das wohl wird. Hauptsache sie lassen mich hier in Ruhe und stecken mich nicht wieder in die Kiste, in der sie mich hier hergebracht haben. Diese Nacht war nicht sehr erholsam. Alles wackelte rum und es fiel sogar was runter. Zum Glück traf es mich nicht. Kaum das die Dosenöffner wach sind, geht es wieder los, dieses Hin und Her rennen. Und was jetzt noch dazu kommt, sie machen all die großen Kisten kaputt, sogar ihren Schlafplatz und was das Schlimmste ist, meinen auch. Kaum das sie damit fertig sind kommen lauter Fremde und tragen alles raus. Das Umzugsunternehmen ist da um die Sachen einzuladen und zum neuen Haus zu bringen. „Ich will auch raus!“ Wie ich es auch versuche, immer ist da jemand, der aufpasst, dass ich nicht abhaue. So ‘n Mist, jetzt haben die mich doch erwischt und stecken mich in diese kleine Kiste, in der sie mich hierher gebracht haben. Jetzt komme ich hier raus und kann doch nicht rumlaufen. Tun kann ich doch nichts, die sind viel stärker als ich.

Die Besitzer laden sie ins Auto und fahren los.

Wie beim ersten Mal kann ich sehen, wie die Welt an mir vorbeirast. Ich versuche mich zu erinnern, was ich von Oma gelernt habe, um mir die Zeit zu vertreiben. Ehrlich, ich möchte nicht darüber nachdenken müssen was die mit mir vorhaben.

Die Fahrt aus der Stadt raus aufs Land dauert sehr lange.

Lange waren wir unterwegs, doch jetzt bleiben sie endlich stehen. Ich habe Durst, Hunger und ich muss ganz dringend. Sie steigen aus. Hoffentlich kann ich gleich raus, sonst nehme ich diese olle Kiste auseinander. Wo sind wir hier? Was ist passiert? Hier sieht es ganz anders aus, fast wie bei Oma und es riecht viel besser als in der großen Kiste vorher. Sie bringen mich in das „Haus“ wie sie es nennen. Endlich machen sie diese winzige Kiste auf und ich darf raus. Doch wo ist das Klo? Jetzt muss ich auch noch suchen? Kommt ja gar nicht infrage! Egal was die davon halten die nächste Ecke ist meine und alles egal.

Gedacht getan, alles ging so schnell, das die Dosenöffner sich zwar erschreckten, aber, zur Verwunderung von Mimmi, nicht böse waren.

Was ist denn mit denen los, die sind ja so nett, was soll das werden? Irgendwie ist hier alles anders. Nur die Kisten, die sind alle wieder da. Trotzdem riecht es hier merkwürdig vertraut und doch anders. Jetzt geht das Spiel von vorne los, nur andersrum. Hoffentlich hat das bald ein Ende.

2. Kapitel

Jetzt sind wir schon einige Tage hier und alles normalisiert sich. Hier kann ich aus dem Fenster gucken, ohne das es aussieht, als wenn ich von einem riesigen Baum herunter sehe. Gern würde ich nach draußen gehen, aber immer halten sie mich fest. Der eine Dosenöffner muss ein Mädchen sein und trächtig. Sie hat immer Hunger, wie meine Mutter kurz bevor man mich wegholte. Sie konnte mir grade noch alles Erklären. Also muss der Andere ein Junge sein. Auch wenn sie mit mir spielen und sich wirklich Mühe geben mich zu beschäftigen, ist mir nur langweilig. Draußen riecht es so gut, das Wetter ist herrlich und die Sonne ist wunderbar warm. Was passiert wohl, wenn ich vor der Tür sitze und weine?

Gedacht getan; „Maumiaumrau …“ Schön laut sitzt Mimmi vor der Tür zum Garten und jammert so kläglich vor sich hin, wie sie nur kann. Umso länger keiner sie beachtet umso lauter wird sie. Langsam tut sich etwas. Ein Dosenöffner kommt und nimmt sie auf den Arm. „Komm Kleines, sei still. Du darfst noch nicht raus. Erst musst du zum Tierarzt, damit du nicht krank wirst.“

Was will der von mir? Ich war noch nie krank, und wenn ich noch bei Oma wäre, in ihrem Garten, dann hätte ich alles, was ich brauche. Was ist ein Tierarzt?

Ihr Dosenöffner nimmt sie mit zu seinem Platz, wo er sich immer ausruht. „Morgen hast du schon deinen Termin und in ein paar Tagen darfst du dann auch raus.“ er setzt sich und fängt an mit ihr zu spielen. Den Rest des Tages verbrachten ihre Menschen damit, es ihr recht machen zu wollen.

Der nächste Tag kam und nach den morgendlichen Ritualen holte er die Transportkiste raus. Alles war ruhig, wie immer, seid sie hier sind. Nur eins war ungewöhnlich, wenn man vergessen hatte, ihr abends Essen zu geben bekam sie es morgens. Auch zogen sich beide zum Rausgehen an. Dann kam das Schlimmste! Sie nahmen Mimmi hoch und ohne zu zögern, steckte man sie in die Kiste. Widerstand zwecklos! Ab ins Auto und? Die Fahrt war kurz.

Was soll das? Wollen sie mich loswerden, weil bald das Kleine kommt?

Als sie ausstiegen, wurde ihr sofort schlecht. Es stank erbärmlich. Sie bekam schreckliche Angst. Sie versuchte nicht nachzudenken, aber das viel ihr schwer vor lauter Angst. Sie gingen rein. Alles war so neu, die Geräusche klangen merkwürdig, es stank hier noch schlimmer wie draußen und hier waren auch viele Leidensgenossen. Man stellte ihre Kiste auf den Boden. Eine andere Katze steht neben ihr. Die andere Katze sieht sie an und fragt: „Zum ersten Mal hier?“ Mimmi schaut verlegen und sagt: „Ja.“ „Ich heiße Muhsch und bin regelmäßig hier.“ „Ich heiße Mimmi.“ Ein wenig Ruhe kehrt in die kleine Katze. Wenn eine so große Katze wie Muhsch keine Angst hatte, brauchte sie es auch nicht. Doch plagten sie viele Fragen und nach einer Weile nahm sie ihren ganzen Mut zusammen und sprach Muhsch an. „Entschuldige bitte, darf ich dir ein paar Fragen stellen?“ „Natürlich. Was willst du wissen? Lass mich raten, du willst vor allem wissen, was ein Tierarzt ist. Das Fragen alle als Erstes.“ „Du bist wohl sehr klug. Wie lange kommst du schon hier her?“ „Seit ich auf der Welt bin. Der Arzt ist mein Freund und damit ist deine erste Frage schon beantwortet.“ „Und was will er von uns?“ „Er achtet darauf, dass wir gesund bleiben oder wieder werden.“ „Kennt er sich denn so gut mit Kräutern aus?“ „Was sind Kräuter?“ „Mit Kräutern behandelt man Krankheiten!“ „Wie sehen diese Kräuter denn aus?“ „So ähnlich wie die Pflanzen vor der Tür.“ „Nein, so was hat der Arzt nicht.“ Die Kiste von Muhsch wurde angehoben. „Entschuldige mich bitte, ich bin jetzt dran.“ Nun war sie wieder allein und machte sich so ihre Gedanken. Dann kam sie dran. Der Raum, in den sie kam, war sehr hell und roch unangenehm scharf. Ihre Kiste wurde auf den Tisch gestellt und die Dosenöffner begannen zu reden. Nach einer Weile durfte sie raus, doch musste sie auf dem Tisch bleiben. Sie ließ alles geduldig über sich ergehen, auch wenn das meiste sehr wehtat. Und dann wurde es plötzlich dunkel.

Als sie wieder aufwachte, war ihr ganz merkwürdig. Das Aufstehen fällt schwer, die Umgebung ist zu hell und der Platz zu wenig.

Wo bin ich? Was ist geschehen? Warum tut mir mein Bauch weh?

Vorsichtig schaut sie sich um. Es war schon wieder eine Kiste, größer als die, in der sie herkam und es war ein Klo drin. Sie war nicht allein, rechts und links von ihr waren noch andere, die entweder noch schliefen oder wie sie zwar schon wach waren, aber nur dalagen und jammerten. Sie fragt sich, ob man sie hier vergessen hat. Mit den anderen kann man nicht sprechen, die sind apathisch oder aggressiv. Ein Dosenöffner kommt und schaut überall rein. Er meint: „Schön, fast alle schon wach. Dann können wir ja die Besitzer anrufen, damit sie euch abholen.“

Bloß nicht nachdenken.

Sie legt sich wieder hin und ist traurig. Sie hat Angst hier bleiben zu müssen. Doch dann kam einer ihrer Dosenöffner mit der kleinen Kiste und nahm sie wieder mit. Sie war so erleichtert wieder zuhause zu sein das sie sich nur noch in ihre Schlafecke legte. Nicht mal essen wollte sie.

Am nächsten Tag wachte sie mit heftigen Bauchschmerzen auf. Sie versucht vorsichtig aufzustehen, um zu ihrem Klo zu gehen. Vorsichtshalber haben ihre Besitzer es schon neben ihren Schlafplatz gestellt. Auch ihr Futter war ganz nahe, damit sie nicht soweit laufen muss.

Von Tag zu Tag wurde es besser und sie hatte schon verdrängt, was passiert war, als sie wieder eingepackt und zum Arzt gebracht wurde. Dort wurde sie nochmal untersucht und die komischen Dinger von ihrem Bauch wieder entfernt. Diesmal durfte sie gleich wieder mit nachhause. Am nächsten Tag dürfte sie das erste Mal in den Garten!

3. Kapitel

Den ersten Tag draußen genoss Mimmi in vollen Zügen. Sie lief durch den Garten und schnupperte an allen Pflanzen, um zu schauen, welche Kräuter dort wuchsen. Es war ein schöner Garten aber nur sehr wenig Kräuter. Dafür roch es hinter dem Zaun sehr verlockend.

Die ersten Tage saß sie nur am Zaun und überlegte. Als sie von einer Biene gestochen wurde, nahm sie ihren ganzen Mut zusammen und sprang auf die andere Seite. Ganz vorsichtig schnuppernd und lauschend lief sie los. Immer der Nase nach, nach dem richtigen Kraut suchend um den Stich zu behandeln.

Schön ist es hier, hier könnte ich mich wohlfühlen.

Sie legte sich in die Sonne, behandelte ihren Bienenstich und genoss den schönen warmen Sommertag. Wie sie da so lag, fiel ihr ein, dass sie ja schon Geburtstag hatte und nun mit einem Jahr erwachsen war. In dem Moment dachte sie auch wieder an ihre beste Freundin.

Wie es ihr wohl geht?

Lange lag sie dort und merkte nicht, wie die Zeit vergeht, bis sie plötzlich hochschreckte. Wurde da grade ihr Name gerufen? Sie schaute sich um und bekam einen Schreck. Es war schon dunkel geworden, wahrscheinlich sogar schon Zeit zum Schlafen. Schnell lief sie los nachhause. Doch als sie in ihrem Korb lag, satt und warm, dachte sie an ihren Ausflug und nahm sich vor am nächsten Tag wieder auf die große Wiese hinter dem Zaun zu gehen.

Gesagt getan, gleich nach dem Aufstehen drängelte sie, um nach draußen zu kommen. Erst schaute sie sich um, ob man sie beobachtete. Als sie sicher war, dass niemand etwas sah, sprang sie rasch über den Zaun und schlich auf „Ihre“ Wiese. Da stand sie nun. Die Wiese war umrandet, auf der einen Seite von einem Wald, auf der anderen war ein Feld, vor ihr eine Straße und hinter ihr der Garten ihrer Dosenöffner. Sie entschloss sich, mit der Erkundung beim Feld zu beginnen. Als sie so lief, sah sie eine Maus und war sofort auf dem Sprung.

„Mmmh!“ Das war gut und nun ein paar Kräuter für den Magen, obwohl ich keine Probleme mehr habe.

Sie ging weiter und dachte noch eine ganze Weile darüber nach. Sie fand alle Kräuter, die sie bei ihrer Freundin schon kennen gelernt hatte. Sie brauchte etwas mehr als den halben Tag um sich mit allem vertraut zu machen. Am Waldrand fand sie eine Baumhöhle, groß genug für sie und mit ein wenig Moos und duftenden Kräutern bestimmt auch sehr bequem. Vorsichtig lief sie ein Stück in den Wald, um Moos zu suchen. Schnell fand sie auch welches. Als ihr Nest fertig war, legte sie sich hin und dachte über alles nach, was in den letzten Monaten passiert war. Als ihr das mit ihrem Bauch wieder einfiel, konnte sie sich einfach nicht erklären, was das bedeutete. Die Sonne war schon zur Hälfte hinter dem Horizont verschwunden, als sie sich auf den Weg zum Haus machte.

Die Zeit verging, das Junge ihrer Dosenöffner wurde geboren, die Tage immer kürzer und sie blieb immer länger in ihrem Nest im hohlen Baum. Vor einer Weile fiel ihr ein, dass sie, seit sie beim Arzt war, keine Kräuter für ihren Bauch mehr gebraucht hatte. Es wurde immer kälter und sie nahm ihre Decken aus ihrem Korb im Haus mit nach draußen. Sie sammelte Kräuter, um sie für den Fall der Fälle zu trocknen.

4. Kapitel

Der Winter kam, trotzdem blieb Mimmi immer öfter auch über Nacht in ihrer Höhle. Einmal hatte man sie noch zum Arzt gezerrt, wo allerdings nicht viel passierte.

Einen Tag kam sie gerade vom Haus zurück, wo sie etwas gegessen hatte und roch etwas Neues. Neugierig folgt sie der Spur. Sie führte weit in den Wald. Nach einer Weile stand Mimmi auf einer kleinen Lichtung, auf der eine andere Katze lag. Sie ging vorsichtig auf die Andere zu. Diese erhob sich langsam aus dem Schnee und schaute Mimmi mit ruhigem Blick an. Mimmi setzte sich etwas entfernt. Die andere Katze stand daraufhin auf und kam auf sie zu. Mimmi schlug das Herz bis in den Hals und ihr Fell sträubte sich, als sie die Größe der Anderen sah. Es war eine schwarz, rot, braun gefleckte Katze mit weißen Vorderpfoten. Die beiden saßen sich erst eine Weile schweigend gegenüber als plötzlich: „Ich heiße Buntfell. Und du?“ „Mimmi.“ kam es schüchtern zurück. „Wo kommst du her?“ „Ich gehöre in das Haus am Rand der Wiese.“ „Also ein Hauskätzchen. Was suchst du dann soweit hier draußen?“ „Ich habe den Geruch von dir auf den Weg zu meinem Schlafplatz wahrgenommen und bin ihm gefolgt.“ „Dein Schlafplatz?“ „Ja, der hohle Baum am Waldrand, dort schlafe ich. Im Haus ist es zu laut und hektisch. Und ich kann dort auch meine Kräuter aufbewahren.“ es gab eine kurze Pause. Mimmi hatte sich ein wenig beruhigt. „Warum bist du mir gefolgt?“ Mimmi dachte einen Moment lang nach, fand aber keine gute Antwort, also sagte sie ganz ehrlich: „Ich weiß es nicht.“ „Du bist entweder sehr mutig oder sehr dumm.“ Die große Katze stand auf und ging mehrfach um Mimmi rum, setzte sich dann wieder und sah sie nachdenklich an. Dann fragte sie: „Du kennst dich mit Kräutern aus?“ „Ja“, sagte Mimmi erstaunt und leicht verwirrt, was diese, anscheinend wilde Katze, mit dieser Frage meinte. „Wie kommt es, dass ein Hauskätzchen so was kann?“ „Ich habe es von meiner Freundin gelernt, da wo ich geboren wurde!“ „Du warst also nicht immer in diesem Haus?“ „Nein! Ich bin erst vor wenigen Monaten zu diesen Dosenöffnern gekommen und wir sind auch noch nicht lange hier in dieser Gegend, erst seit Sommerende.“ „Wie kommt es dann, dass ich dich vorher nie bemerkt habe und auch heute nicht?“ „Ich weiß nicht. Auch ich habe nur zufällig deine Spur gefunden.“ „Kennst du dich gut auf der Wiese aus?“ Mimmi wurde es langsam zu viel. „Was sollen all diese Fragen? Wer bist du, dass du mich so aushorchst?“ Eine ganze Weile war es mucksmäuschenstill. Selbst der Wind und das Rascheln im Unterholz waren verstummt. Mimmi schauderte es. Dann, ganz plötzlich, sodass Mimmi vor Schreck zusammenzuckte. „Ich werde dir deine Fragen beantworten, aber nicht hier und nicht mehr heute. Wir treffen uns morgen bei Sonnenhoch auf der Wiese!“ Dann machte die große, schlanke Katze einen Riesen Satz und war im Unterholz verschwunden. Mimmi drehte sich um und trottete langsam zu ihrem Schlafplatz im Baum. Als sie zu ihrem Nest im Baum kam, war es schon dunkel. Sie rollte sich zusammen und dachte noch eine Weile über das, was gerade geschehen war, nach, bevor sie einschlief.

Als sie wieder wachwurde, war es schon hell draußen. Sie streckte sich ausgiebig und widmete sich dann ihrer Morgentoilette. Es war noch früh und sie hatte Hunger, also ging sie zum Haus. Es war bis Sonnenhoch noch weit und sie würde schon rechtzeitig da sein. Sie war viel zu neugierig. Diese andere Katze war so geheimnisvoll.

Wo sie wohl wohnt? Ist sie auch allein? Von was wird sie jetzt bei diesem Wetter satt? So viele Fragen.

Nach dem Essen schaute sie noch überall nach dem Rechten und ging dann wieder nach draußen, was seit Kurzem ganz einfach war, da sie eine eigene Tür bekommen hatte. Bevor sie wieder über den Zaun sprang, schaute sie auch im Garten noch nach dem Rechten. Sie wollte nicht, dass eine Maus oder sogar Ratte dem Jungen der Dosenöffner etwas tat.

Es war schon fast Mittag, also Sonnenhoch, als sie über die Wiese lief. Am Waldrand bewegte sich etwas. Sie lief langsam in diese Richtung. Aus dem Gebüsch, das dort stand, kam die Katze vom Vortag, aber nicht allein. Eine schwarzweiße etwas kleinere Katze (die trotzdem immer noch größer war wie sie selbst) die ein wenig älter schien begleitete sie. Die beiden begrüßten sie freundlich aber auf eine Art, die sie nicht kannte. Etwas verwirrt stand Mimmi da, denn so kannte sie das nicht. „Du bist also das Hauskätzchen, das sich mit Kräuter auskennt.“ „Ja, und wer bist du?“ „Fragen kannst du vielleicht später stellen, jetzt antwortest du nur!“ „Sei nicht so schroff zu ihr. Sie ist ahnungslos. Gib ihr zeit zu lernen.“ sagte Buntfell beschwichtigend. „Ach Schnickschnack.“ Schnauzte die Alte und fuhr dann an Mimmi gerichtet fort: „Wo hast du gelernt und bei wem?“ Mimmi fühlte sich mit einem Mal unwohl. Sie machte sich noch kleiner, als sie schon war, bevor sie sich traute zu antworten. „Dort wo ich geboren wurde bei meiner Freundin Oma.“ kam es schnell, kurz und knapp. „Hast du einen Vorrat?“ „Ja.“ „Zeig ihn mir.“ Mimmi drehte sich vorsichtig um und lief auf ihren Baum zu. Die beiden folgten ihr mit ein wenig Abstand. Sie ging in ihr Nest und nahm von allen Kräutern ein wenig und brachte sie der Alten. Diese beschnupperte die Kräuter gewissenhaft.

Währenddessen klärte Buntfell Mimmi über die Alte auf. „Das ist Löwenblatt, die Jüngste der Ältesten und unsere Heilerin. Sie sucht eine Nachfolgerin oder einen Nachfolger. Mit den Letzten hatte sie viel Pech gehabt.“ „Und was hat das mit mir zu tun?“ „Kannst du es dir nicht denken?“ „Meinst du etwa das ich?“ Mimmi schaute Buntfell erstaunt an. „Was ist mit den Anderen geschehen?“ Buntfell schaute zu Boden. „Sie sind alle tot.“ Mimmi schaute Buntfell erschrocken an, traute sich aber nicht etwas zu sagen. Mimmi schaute verlegen zu Löwenblatt und hatte plötzlich Mitleid mit ihr.

Kein Wunder, das sie so ist. Wie sehr sie wohl leiden musste.

Buntfell sprach derweil weiter: „Es gab lange Zeit noch einen anderen Heiler, ihren ersten Schüler. Nachdem er getötet worden war, war auch ihr Glück fort. Kein anderer Schüler lebte danach lange genug, um ein Heiler zu werden und das waren nicht wenige.“

Löwenblatt kam zu den beiden und setzte sich demonstrativ vor Mimmi. „Gute Auswahl. Doch was fängst du mit diesen an?“ sie hatte zwei Kräuter vor sich in den Schnee fallen lassen. Mimmi schaute sich die Kräuter an, schnupperte kurz und sagte: „Dieses ist gut für den Magen und heißt Rosmarin und dieses, gemischt mit anderen ist gut für die Nerven, damit man besser schlafen kann, nennt man Hopfen.“ „Hast du alle Kräuter, die du kennst zu liegen?“ „Nein. Als ich herkam, war es für viele schon zu spät um sie zu ernten.“ „Du scheinst eine ganze Menge zu wissen, vielleicht sogar mehr wie ich.“ Mimmi sah Löwenblatt ungläubig an. Löwenblatt schnurrte freundlich: „Ich komme Morgen wieder, dann wirst du unsere Entscheidung erfahren.“ sie drehte sich um, gab Buntfell ein Zeichen und sie verschwanden im Wald. Da saß Mimmi nun. Ihr Kopf drehte sich. Auch wenn es noch nicht Zeit war, ging sie in ihr Nest und legte sich schlafen.

Sie schlief unruhig. Der Traum, den sie hatte, war erschreckend real. Auch wenn sie nur als Zuschauer am Rand dabei war, bekam sie ganz reale Angst. Sie saß am Waldrand und sah auf ihre Wiese hinaus. Dort tobte ein Kampf. Die Wiese war rot von Blut und die Luft roch nach tot. Ihr fielen zwei kleine Katzen, etwas entfernt von sich, zusammen mit einer erwachsenen auf.

Ist das nicht Löwenblatt und die eine kleine, ist das nicht Buntfell? Was ist hier los?

Plötzlich hörte sie ihren Namen und drehte sich in die Richtung, wo es herkam. In diesem Moment wachte sie auf, vor ihr stand Löwenblatt. Verwirrt schaute sie Löwenblatt an, rappelte sich auf und fragte verblüfft: „Löwenblatt. Du hier? Wie spät ist es? Habe ich verschlafen? Was ist passiert?“ „Keine Angst Mimmi, es ist alles in Ordnung. Du hast nicht verschlafen, es ist noch Nacht.“ Löwenblatt zog sich ins Freie zurück und Mimmi folgte ihr. Draußen setzten sich beide. Mimmi fing an sich zu putzen und Löwenblatt begann: „Ich bin schon jetzt gekommen, weil ich einen Traum hatte, der mich beunruhigte.“ „Ich hatte auch gerade einen merkwürdigen Traum“, meinte Mimmi daraufhin. Löwenblatt schaute sie kurz ernst an und forderte sie dann auf zu erzählen. Als Mimmi mit erzählen fertig war schaute Löwenblatt noch eine Weile vor sich hin. Endlich meinte sie: „Das ist fast das Gleiche, was ich träumte, nur das der Kampf schon vorbei war und ich die Verletzten behandelte. Ich habe dich nicht gesehen, aber ich fühlte, dass da noch jemand war. Wenn es die Ahnen waren, die uns diese Träume geschickt haben?“ Löwenblatt dachte nach. Mimmi sah das, konnte aber nicht warten und fragte: „Wer sind die Ahnen und wie können sie uns Träume schicken?“ Löwenblatt sah sie an: „Das erkläre ich dir später. Darf ich den Rest der Nacht bei dir bleiben? Morgen möchte ich dich mitnehmen. Wir gehen bei Sonnenaufgang, wenn es dir recht ist.“ Mimmi dachte kurz nach und meinte: „Ich komme gern mit. Vorher muss ich nur kurz durch den Garten meiner Dosenöffner schauen, dass dort keine Mäuse oder Ratten sind. Das Junge von ihnen wurde kurz, nachdem es ins Haus kam beinahe gebissen. Ich möchte nicht, dass so etwas nochmal geschieht.“ „Nun gut. Wenn du dich für seine Sicherheit verantwortlich fühlst, dann gehen wir erst dort vorbei. Du wirst aber vielleicht erst in zwei Tagen zurück sein.“ „Dann ist es umso wichtiger, im Garten nachzuschauen.“ Ohne ein weiteres Wort ging Mimmi in ihr Nest und gab Löwenblatt ein Zeichen ihr zu folgen. Sie legten sich hin und schliefen sofort ein.

Mimmi schreckte kurze Zeit später wieder hoch, als Löwenblatt sie weckte. Ein schmaler Streifen Sonne war am Horizont zu sehen. Schnell verrichteten die beiden ihre Morgentoilette und gingen dann los zum Garten. Die ganze Zeit hatten sie geschwiegen, erst im Garten fragte Löwenblatt: „Wie lange wird es wohl dauern, alles abzusuchen?“ „Nicht lange, der Garten ist nicht groß. Ich gehe erst kurz ins Haus, um nach dem Rechten zu sehen. Dort gibt es zwei Stellen, wo die Viecher von unten rein können. Wenn die Löcher nicht mehr richtig verschlossen sind, markiere ich sie, damit er es in Ordnung bringen kann.“ Rasch schlüpfte sie rein. Löwenblatt schaute sich vorsichtig um, ob jemand sie sehen könnte. Als sie sich sicher fühlte, ging sie weiter in den Garten hinein. Alles roch nach Zweibeiner. Vorsichtig roch sie mal hier und mal dort. Hier, an dieser Stelle, ein Strauch nahe dem Haus, ist vor kurzen eine Ratte vorbeigekommen. Dem Geruch nach war sie in Richtung Zweibeinernest gelaufen. Löwenblatt folgte der Spur. Da war sie, eine schöne fette Ratte, genau das richtige zum Frühstück. Rasch hatte sie die Ratte gefangen und legte sie neben den Zaun als Mimmi kam. „Wo kommt die denn her?“ Erschrocken sah sie das tote Tier an. „Sie lief dort hinten rum. Ich dachte, das wäre ein gutes Frühstück.“ antwortete Löwenblatt ganz ruhig. „Hast du noch mehr gesehen oder gerochen? Diese Biester sind nie allein unterwegs.“ „Nein, sie war allein. Es ist nur eine Späherin. Wenn die nicht nachhause kommt, trauen sich die anderen für Monate nicht mehr hier her und erst recht nicht, wenn sie eine Katze aus meinen Clan riechen.“ „Wie meinst du das?“ „Du wirst alles erfahren, wenn es soweit ist. Jetzt wird erst einmal gefrühstückt.“ Löwenblatt teilte die Ratte und begann zu essen. Als sie fertig waren sprang Löwenblatt über den Zaun, Mimmi folgte ihr wortlos. Löwenblatt rannte in einem solchen Tempo, das Mimmi es schwer hatte mitzuhalten. Es dauerte nicht lange, bis Mimmi vor Erschöpfung stehen blieb. Löwenblatt stoppte ein ganzes Stück später. Sie hatte es nicht gleich bemerkt. Sie sprang schnell zurück, um nachzuschauen. „Was ist passiert?“ „Nichts. Ich bin nur völlig außer Atem.“ „Gut. Dann machen wir eine kleine Pause. Es ist nicht mehr weit, wir können uns ein wenig Zeit lassen sonst kommen wir an, wenn noch alle schlafen.“ Löwenblatt lachte leise setzte sich und schaute Mimmi frech an. „Seit ihr alle so schnell und ausdauernd?“, fragte Mimmi. „Ja natürlich, sonst würden wir nicht überleben. Unser Jagdgebiet ist groß und die Beute schnell. Wenn man ein Clan ernähren muss, kann man sich nicht auf sein Glück verlassen.“ „Wie viele seit ihr?“ „Das wirst du gleich sehen. Sobald wir im Lager angekommen sind, werden sich die meisten Fragen von allein beantworten. Wieder fit für das letzte Stück?“ „Ja.“ Und schon ging es weiter. Endlich im Lager angekommen staunte Mimmi nicht schlecht. Nachdem sie unter einem umgestürzten Baum durchgeschlüpft waren, standen sie auf einer Lichtung, die von Brombeersträuchern umgeben war. Es gab gut verteilt einige Büsche und einen Felsen fast in der Mitte. Plötzlich kamen von überall Katzen und schauten neugierig, wen Löwenblatt da wohl mitgebracht hat. Staunend stand Mimmi da, unfähig sich zu bewegen oder was zu sagen. Auf einmal ging ein leises Miauen durch die Menge und alle gingen zur Seite. Sie bildeten eine Gasse in Richtung Felsen. Dort oben saß majestätisch ein klar weißer Kater. Mimmi fühlte sich unter seinem Blick unwohl. Löwenblatt stupste sie von hinten an, als Aufforderung näher zu ihm zu gehen. Langsam, mehr stolpernd als laufend, ging sie vor. Auf einmal sagte der Kater: „Stopp, das reicht!“ Erschrocken blieb sie stehen und legte sich sofort auf den Boden. Soviel Angst wie in diesen Moment hatte sie noch nie gehabt. Der Kater sprang vom Felsen und ging mit hoch erhobenem Kopf auf sie zu. Sie wünschte sich nur noch, dass sich doch endlich der Boden auftäte, um sie zu verschlucken. Erst lief er nur um sie rum, dann beschnupperte er sie ausgiebig. Als er sich dann vor sie setzte, meint er: „Setz dich doch bitte auf, damit wir uns besser unterhalten können.“ Vorsichtig setzte Mimmi sich. Seine Stimme war ruhig und sanft aber doch so, dass es kein Widerspruch erlaubte. „Nun da ich deine Augen sehen kann, können wir uns doch viel besser unterhalten. Ich nehme an, dass du sehr viele Fragen hast. Da ich von dir schon mehr weiß wie du von uns, erlaube ich dir anzufangen.“ Mimmi war völlig überrascht und musste erst einen Moment nachdenken. Dann fiel ihr auf, dass sie noch gar nicht seinen Namen wusste, also war ihre erste Frage: „Wie heißt du und wer bist du?“ „Eine gute Frage für den Anfang. Ich bin Schneesturm der Anführer dieses Clans.“ „Was ist ein Clan?“ „Ein Clan kannst du dir wie eine große Familie vorstellen, nur das nicht alle miteinander verwandt sind. Ich möchte dir später gern eine Frage stellen. Überlege aber gut, was du antworten willst. Ich möchte auch nicht, dass du es heute tust. Erst sollst du dich in Ruhe umsehen und dir alle Fragen beantworten lassen.“ er drehte sich um und ging. Wie auf ein geheimes Zeichen kam Löwenblatt zu ihr. „Du scheinst ihn doch beeindruckt zu haben, sonst hätte er dir nicht erlaubt Fragen zu stellen. Erst dachte ich schon, er würde dich einfach davon jagen. Komm ich stelle dich erst einmal jene vor, die dir die wichtigsten Fragen beantworten können.“ Dann lief sie los, in Richtung einer Gruppe in der Mimmi Buntfell erkannte. Kaum waren sie angekommen, begrüßte Buntfell sie überschwänglich. „Mimmi, ich freue mich, dass du gekommen bist. Ich hatte schon Angst, dass du keine Zeit hättest oder sogar vielleicht nicht kommen willst. Ach, wie ich mich freue.“ Mimmi wurde immer verwirrter. Sie kannten sich doch eigentlich gar nicht und trotzdem war ihr, als würden sie sich schon seit Jahren kennen. Mimmi hatte so viele Fragen, aber brauchte nicht eine stellen denn alle denen sie vorgestellt wurde erklärten ihr genau, was sie gerade taten. Als Mittag schon vorbei war, kam der Anführer zu ihr. „Es wird Zeit für den Rückweg. Doch frage ich dich, könntest du dir vorstellen, unserem Clan beizutreten? Überlege gut, Buntfell wird dich eine Zeit lang regelmäßig besuchen kommen und nach deiner Antwort fragen. Und nun geht.“ er drehte sich wieder um. Dieses Mal war es Buntfell, die zu ihr kam. „Dann wollen wir mal, aber vorher wird noch was gegessen.“ Damit legte sie zwei Mäuse hin und nahm sich eine. Als sie merkte, das Mimmi sich nicht so recht traute, schob sie, sie ihr zu. Als dann auch Mimmi fertig war, gingen sie endlich los.

Wieder auf Mimmis Wiese angekommen verabschiedete sich Buntfell genau so herzlich und überschwänglich, wie schon bei der Begrüßung und verschwand. Es war schon dunkel. Mimmi schaute Richtung Haus, wo noch Licht brannte. Dann drehte sie sich um und ging völlig erschöpft in ihr Nest, legte sich hin und schlief sofort ein.

5. Kapitel

Als Mimmi am nächsten Morgen aufwachte, stand Buntfell schon mit einer Maus vor dem Höhleneingang. Mit freudiger Erwartung schaute Buntfell, wie sie raus kam. Verschlafen setzte sich Mimmi und putzte sich erst einmal. Als Mimmi mit ihrer Morgenwäsche fertig war und die Maus gegessen hatte schaute sie Buntfell an und fragte: „Seit wann bist du schon hier?“ „Noch nicht lange. Ich kann schlecht warten, daher bin ich früher los, als ich sollte.“ „Kommst du jetzt jeden Tag so früh hierher?“ „Nein, das wird nicht gehen. Ich habe noch Pflichten, die ich erledigen muss. Ich werde auch nicht jeden Tag kommen können, aber sooft ich kann, werde ich hier sein und ein Nein wird nur dafür sorgen, dass ich immer weiter komme, außer unser Anführer verbietet es mir, dann ist es vorbei.“ „Wie soll ich mich entscheiden, wenn ich nicht einmal weiß, worum es genau geht. Man hat mir zwar gestern viele meiner Fragen beantwortet aber trotzdem, ich muss doch wenigstens erfahren, zwischen was ich mich Endscheiden soll.“ „Eigentlich darf ich nicht darüber sprechen. Aber wenn du hoch und heilig versprichst, niemanden etwas zu sagen werde ich dich aufklären!“ „Ich verspreche dir niemandem etwas von unserer Unterredung zu erzählen, ansonsten darfst du mich bestrafen wie es dir angemessen erscheint!“ Aufrecht saß Mimmi vor ihr und schaute ihr fest in die Augen. Buntfell überlegte noch einen Moment, dann: „Gut. Als Erstes, wir sind verwandt. Deine Mutter ist die kleinste Schwester meiner Mutter. Ich habe dich einmal gesehen, als du noch die Augen geschlossen hattest. Danach ist mein Clan von dort weggegangen, hier her. Ich habe dich gleich wieder erkannt. Dein Geruch hat sich zwar ein klein wenig geändert, aber trotzdem bist es du.“ Mimmi schaute sie mit großen Augen an. „Du bist also, wie mit mir verwand?“ „Ich bin deine Cousine!“ „Und wie kommt es, dass du nicht bei einem Dosenöffner wohnst?“ „Nacheinander, jetzt erst einmal zu dem, weswegen du dich entscheiden sollst. Es ist eigentlich ganz einfach. Du sollst dich zwischen hier und uns entscheiden. Jetzt ist es raus. Und was sagst du dazu?“ Buntfell schaute Mimmi erwartungsvoll an, die völlig verdattert da saß und erst einmal gar nichts sagen konnte. Nach einer Weile stand Buntfell auf und meinte: „Ich muss jetzt gehen. Ich bin schon zu spät, wenn ich mich beeile, wird die Strafe aber nicht so schlimm. Ich versuche Morgen wieder zu kommen. Vielleicht hast du dich dann schon entschieden.“ Mit diesen Worten drehte sie sich um und verschwand. Da saß Mimmi nun, der Kopf schwirrte ihr. Sie hatte Verwandte, die wild lebten. Verwirrt stand sie auf und machte sich auf den Weg zum Haus, um dort wie jeden Morgen nach dem Rechten zu sehen. Es war alles klar und sie ging rein, um etwas zu essen und sich ein wenig aufzuwärmen.

Als sie so dalag und nachdachte viel ihr auf, wie ruhig es war. Sie stand auf, um nachzusehen. Er war nicht da, wie immer um diese Zeit und sie saß mit dem Kleinen im Arm auf dem Schaukelstuhl. Mimmi ging näher ran, um besser sehen zu können. Etwas stimmt nicht mit dem Kleinen. Es war ganz schlapp und rot. Mimmi erkannte gleich, was los war. Sie rannte, so schnell sie konnte, zu ihrem Baum und durchsuchte die Kräuter. Sie fand schnell, was sie suchte, nahm es und rannte zurück. Wieder im Haus angekommen ging sie in die Küche. Bei Oma hatte sie mal gesehen, wie man die Kräuter für Zweibeiner zubereitet. Nur wie sollte sie das machen? Kurz überlegte sie und legte dann die Kräuter auf den Tisch, schob den Kessel unter den Wasserhahn und warf dann die größte Kaffeetasse runter, die sie fand. Der Lärm war im ganzen Haus zu hören, doch nichts geschah. Sie warf noch eine runter und endlich reagierte jemand. Das Kleine weinte. Daraufhin stand die Mutter auf und kam mit dem weinenden kleinen auf dem Arm in die Küche. „Was ist denn hier los, was soll das? Ach ja, du kannst es ja nicht verstehen.“ Als die Frau die Küche wieder verlassen wollte, stellte Mimmi sich ihr vor die Füße. Wütend wollte die Frau Mimmi treten, da fing der Kleine wieder an zu weinen und sie ging zurück in die Küche, um eigentlich Milch warmzumachen. Doch Mimmi schob sie sanft in Richtung Kessel. Die Frau schaute sie verwirrt und etwas nachdenklich an, ging dann aber mit, weil Mimmi sich durch nichts von ihrem Vorhaben abbringen lies. Als sie begriff was Mimmi wollte bereitete sie die Kräuter zu. Als sie fertig war und den Sud in Mimmis Napf gießen wollte, schob Mimmi ihn beiseite und ging zur Flasche des Kleinen. Verwirrt schaute die Frau Mimmi an, goss dann aber etwas vom Sud in die Flasche und gab noch kaltes Wasser dazu, damit es nicht zu warm ist. Mimmi stupste sie sanft an, damit der Kleine es zu trinken bekam. Nach einer Weile sah der Kleine schon besser aus.

Gegen Mittag kam endlich der Arzt, um den Kleinen zu untersuchen. Aufmerksam schaute und hörte Mimmi zu, als die Frau ihm erzählte, was am Morgen geschehen war. Als der Arzt fertig war, ließ er sich die Reste der Kräuter zeigen. Verwundert nahm er von jedem Kraut etwas, steckte es in Tüten und legte diese in seine Tasche. Er sprach noch kurz mit der Frau und ging dann. Dem Kleinen ging es schon viel besser, also rollte sich Mimmi auf ihrer Decke zusammen, um endlich in Ruhe nachdenken zu können.

Was für ein Tag. Erst das mit Buntfell und dann der Kleine. Wie soll ich mich da entscheiden können. Irgendwas muss mir einfallen. Ich möchte gern den Clan besser kennen lernen, aber ich kann den Kleinen nicht im Stich lassen. Was soll ich nur machen?

Mit diesen Gedanken schlief sie ein.

Mimmi lag auf ihrer Wiese in der warmen Mittagssonne, um sie herum die vielen duftenden Kräuter. Neben ihr tauchte eine bunte Katze auf. „Hallo Buntfell, wie schön dich zu sehen.“ „Ich bin nicht Buntfell.“ Mimmi stand auf und schaute die Katze verwirrt an, als sie bemerkte, dass es ein Kater war. „Wer bist du?“ „Ich heiße Herbstblatt und muss dringend mit dir reden. Es ist sehr wichtig für den Clan. Wenn du Fragen hast oder so dann stelle sie bitte erst, wenn ich fertig bin.“ „Gut, worum geht’s denn?“ „Auch wenn es nicht so aussieht, der Clan ist in großer Gefahr. Ich kann nicht genau sagen, was die Gefahr ist, aber sie kommt von den Zweibeinern auf der anderen Seite des Waldes. Um dein Problem zu lösen; du brauchst dich nicht für eine Seite entscheiden. Du sagst, dass du bei ihnen bleibst, um noch mehr zu lernen! Du musst dir natürlich Mühe geben, auch wirklich dazuzulernen. Besonders wichtig ist die Sprache der Zweibeiner. Gebe dir sehr viel Mühe, damit der Clan gerettet werden kann.“ „Du meinst, dass das Wohl des Clans in meinen Pfoten liegt und wenn ich mich nicht anstrenge, herauszufinden was die von der anderen Seite des Waldes wollen, Schuld habe, wenn der Clan auseinandergerissen wird?“ „Er wird nicht auseinandergerissen, das wäre schlimm, aber nicht so schlimm. Nein, sie werden alle sterben.“ Erschrocken schaute Mimmi ihn an. Sie wusste nicht, was sie dazu sagen sollte. Doch bevor sie sich doch dazu durchringen konnte, noch etwas zu sagen meint er. „Entschuldige bitte, aber unsere Zeit ist zu Ende. Ich komme wieder zu dir, wenn es etwas Neues von meiner Seite zu berichten gibt.“ Damit war er weg, einfach in Luft aufgelöst.

Mimmi schreckte hoch, als es an der Tür klingelte. Verwirrt schaute sie sich um. Sie war im Haus, und als sie aus dem Fenster schaute, sah sie, dass es noch Winter war.

War das nur ein Traum? Dafür war er ganz schön echt, mit dem was da passiert ist.

Sie schaute nach, wer da gekommen war. Es war ein Mann, den sie vorher noch nie gesehen hat. Sie wurde neugierig. Was der wohl wollte? Langsam lief sie zu ihm hin, um ihn sich genauer anzusehen. Als er sie sah, wich er zurück. Erstaunt schaute sie erst zu ihrer Dosenöffnerin und dann zu ihm. Sie sprachen miteinander, und auch wenn sie nicht alles verstand, merkt sie, dass es etwas Schlimmes sein musste. Er musste etwas sehr Schlimmes gesagt haben denn die Frau wurde sehr sehr wütend und setzte ihn kurzerhand vor die Tür. Mimmi stand da und schaute was jetzt wohl passieren würde. Auf einmal nahm die Frau sie in den Arm, sowie sie es sonst nur mit dem Kleinen machte. Mimmi wurde immer verwirrter, obwohl es ihr doch gefiel, so in ihrem Arm zu liegen. Als sie so dalag, fiel ihr der Traum wieder ein. Vielleicht war das ja doch kein Traum, jedenfalls nicht so wie die, die sie sonst hatte. Das war schon das zweite Mal, das ein Traum so anders ist.

Wenn das alles stimmt, was im Traum gesagt wurde, dann muss ich sofort mit den anderen sprechen. Doch es ist dunkel draußen und ich würde den Weg schon kaum im hellen finden. Was mach ich nur?

Da es schon dunkel war, blieb sie erst einmal im Haus und schlief dort auf ihrer Decke, die immer für sie bereitlag.

Nach einer kurzen, traumlosen Nacht wachte sie noch im Dunkeln auf. Rasch wusch sie sich, aß eine Kleinigkeit und rannte los zu ihrem Baum. Als sie dort ankam, wurde es langsam hell. Sie saß aufgeregt da und wartete doch Buntfell kam nicht. Sie wurde wohl doch heftiger bestraft.

Was mach ich jetzt nur. Ich kann doch nicht warten, bis jemand kommt. Und wenn Buntfell erst morgen wieder vorbeikommen darf? Was mache ich bis dahin. Und was ist, wenn schon etwas passiert ist. Ich muss da hin egal wie.

Fest entschlossen ging Mimmi los zum Clan. Sie schnupperte überall und versuchte sich an den Weg zu erinnern. Nach einer Weile, sie wollte schon aufgeben, fand sie eine Spur, die sie kannte. Es war Löwenblatts und sogar noch ganz frisch. Vor lauter Freude miaute sie laut los. Sie hatte ihre erste Spur gefunden, jetzt konnte nichts mehr schief gehen, dachte sie. Eine Weile war es kein Problem ihr zu folgen, doch dann kam ein kleiner Bach, an dem sie sich verlor. Mimmi bekam Angst, sie war beim ersten Mal an keinen Bach vorbeigekommen. Sie schaute sich um und begriff, dass sie sich verlaufen hatte. Als sie so dasaß und überlegte, was sie jetzt tun konnte, nahm sie eine Bewegung im Augenwinkel wahr. Langsam drehte sie sich in Richtung der Bewegung und kauerte sich tief auf den Boden. Sie verharrte ganz still, ihr Herz begann, vor Aufregung, zu rasen. Plötzlich kam eine Katze aus dem Gebüsch vor ihr. Es war Löwenblatt. „Hallo Mimmi, was machst du hier so weit draußen im Wald und das auch noch ganz allein?“ „Ich habe nach euch gesucht. Ich muss ganz dringend mit Schneesturm, Buntfell und dir sprechen.“ „Was kann so dringend sein, das du allein versuchst, uns zu finden?“ „Die Sicherheit des Clans, aber das möchte ich erzählen, wenn die anderen auch dabei sind!“ Ohne ein weiteres Wort zu verlieren, lief Löwenblatt los und Mimmi hinterher. Im Lager angekommen brachte Löwenblatt Mimmi zum Bau des Anführers und bat sie zu warten, damit sie den beiden anderen Bescheid sagen kann. Dann lief sie wieder los. Es dauerte nicht lange, bis die Drei, auftauchten und Mimmi erst einmal ordentlich begrüßten. Sie gingen nun alle in den Bau zwischen den Steinen am großen Felsen, wo es trocken und sogar wärmer als draußen war. Mimmi fing fast sofort an zu erzählen, was alles am gestrigen Tag geschehen war. Dabei sparte sie die Unterhaltung mit Buntfell geschickt aus. Der Traum und die Begegnung mit dem Fremden waren eh wichtiger. Als sie fertig berichtet hatte, saßen alle schweigend da und sahen Löwenblatt fragend an. Die schaute eindringlich zu Mimmi und fragte: „Du bist dir sicher, dass es Herbstblatt war?“ „Ja, das bin ich.“ Dann wandte sich Löwenblatt an Schneesturm. „Es ist deine Entscheidung. Ich kann nur sagen, dass sie als meine Nachfolgerin richtig ist, wenn sich sogar Herbstblatt schon an sie wendet. Er ist immerhin der Hüter der Katzen, die zu den Sternen gehen. Wenn alles stimmt, werden schwere Zeiten auf uns zukommen.“ Schneesturm schloss die Augen. Er war sich unsicher, was er jetzt genau tun sollte. Als er die Augen dann endlich wieder öffnete, schaute er fest auf Mimmi. „Fühlst du dich dieser Aufgabe gewachsen?“ Mimmi prickelte das Fell. Trotzdem saß sie aufrecht und stolz vor Schneesturm und sagte ganz knapp: „Ja!“ „Gut, dann ist es beschlossene Sache. Du wirst für den Clan und den Zweibeinern da sein. Lerne viel, damit die Prophezeiung sich zum Guten für den Clan wendet.“ Ohne sich noch weiter damit zu beschäftigen, ging er hinaus stieg auf den Felsen und rief alle Katzen zusammen. „Ich habe etwas Wichtiges zu verkünden! Wir haben ab heute ein neues Mitglied in unserem Clan. Mimmi ist ab sofort die Nachfolgerin von Löwenblatt. Sie wird aber nicht in unserem Lager wohnen. Es wird jedem noch mitgeteilt, wo genau sich ihr Nest befindet und wenn sie nicht dort ist, wo man sie dann finden kann. Nun begrüßt unsere neue Heilerin!“ Alle kamen auf einmal auf Mimmi zu. Erschrocken von so vielen Katzen auf einmal drückte sich Mimmi dicht an den Stein hinter sich. Alle freuten sich und sie feierten ein Fest. Als es dunkel wurde, wollte Mimmi nachhause doch es war schon zu spät. Löwenblatt nahm sie mit in ihr Nest und beide schliefen zufrieden und glücklich schnell ein.

6. Kapitel

Als Mimmi am nächsten Morgen aufwachte, war sie zuerst ein wenig verwirrt. Doch als sie Löwenblatt sah, fiel ihr, schlagartig wieder ein, was gestern geschehen war. Leise schlich sie nach draußen. Es war noch dunkel und doch sah sie eine andere Katze. Rasch ging sie zu ihr. „Hallo, entschuldigst du bitte?“ „Ach hallo Mimmi, was suchst du denn schon hier draußen?“ „Ich habe Durst und müsste mal wohin.“ „Kein Problem komm, einfach mit, ich zeig es dir.“ „Danke! Was machst du eigentlich schon hier?“ „Ich gehöre zur Nachtwache. Damit Füchse und Hunde uns nicht überraschen können, müssen immer zwei von uns Nachtwache halten. Du brauchst es natürlich nicht, denn du bist Heilerin und du hast das Kämpfen nicht gelernt und brauchst es auch nicht.“ „Wie heißt du eigentlich?“ „Ich bin Irma.“ „Es sind viele Katzen im Clan, wie ich gestern mitbekommen habe.“ „Ja, und wenn eine Neue kommt und bleiben möchte nehmen wir sie auf. Schneesturm sagt immer ›Keine Katze soll seinem Schicksal allein begegnen müssen, außer die, die es wollen.’ Man kann nicht jeden retten, oder?“ Irma blieb stehen und kratzte auf dem Boden. Mimmi schaute interessiert zu wie Wasser sichtbar wurde. „Hier trink. Das Wasser ist aber sehr kalt, also trink nicht zu schnell.“ Mimmi schnupperte und leckte vorsichtig daran. Es war zwar wirklich eiskalt, aber schmeckte sehr gut. Als ihr Durst gelöscht war, gingen sie weiter. Am weitest entfernten Platz der Lichtung war eine große Sandkuhle, in der mindestens zehn Katzen Platz hatten. „Such dir eine Stelle aus ich gehe da drüben“, sagte Irma und verschwand. Mimmi ging ein Stück am Rand entlang und schaute sich erst einmal um. An einer Stelle wuchs Kamille, dort ging sie sich erleichtern. Da Mimmi nicht mehr schlafen konnte, lief sie durch das Lager und schaute sich an, wo wer schlief. Sie fand auch die Stelle, wo das Essen für den Winter aufbewahrt wurde.

Als dann langsam die Sonne aufging, erwachte auch das Lager.

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