Logo weiterlesen.de
Millionäre küsst man nicht

MILLIONÄRE KÜSST MAN NICHT

Es war Abneigung auf den ersten Blick. Na ja, jedenfalls bei Molly di Perretti. George Hunter nahm die Sache eher spielerisch, wie sie schon bald herausfand.

Molly war die beste PR-Fachfrau bei „Culp & Christopher“, Londons erfolgreichster Public Relation Agentur. George Hunter wiederum war genau der Typ Kunde, für den sie nicht gern arbeitete. Am liebsten hätte sie ihn zum Teufel gejagt.

Und das wusste er. Sie hatte es gesagt - und er hatte es mitbekommen.

Pech für ihn. Normalerweise verirrten sich die Kunden von „Culp & Christopher“ nicht dorthin, wo ihr Schreibtisch stand. Das war einer der Gründe, warum es Spaß machte, für die Agentur zu arbeiten. Man konnte Dampf ablassen und brauchte sich keine Gedanken darüber zu machen, ob das jemand hörte, für dessen Ohren es nicht bestimmt war. Und Molly ließ gern mal Dampf ab.

Sie hatte auch kein Blatt vor den Mund genommen bei dem Telefonat mit ihrem Chef Jay Christopher. „Den Fall übernehme ich nicht“, erklärte sie bestimmt. „Millionäre kann ich nicht ausstehen. Mit denen kannst du doch nichts Vernünftiges auf die Beine stellen!“

Um ihren Worten Nachdruck zu verleihen, trat sie mit den Absätzen gegen den schwarz-silbernen Barhocker, auf dem sie saß. Ihm verdankte sie - davon war sie überzeugt - viele gute Einfälle.

Doch Jay Christopher ließ ihren Einwand nicht gelten.

„Okay“, erwiderte Molly großmütig, um Gerechtigkeit walten zu lassen. „Ich persönlich kann nichts für einen Millionär tun. Ich bin dafür einfach zu kreativ.“

Jay protestierte.

„Millionäre haben es gern behaglich und bequem“, wandte Molly ein. „Wenn die einen PR-Berater engagieren, kann das doch nur einen Grund haben: Er soll die Leute vergessen lassen, wie sie zu ihrem Geld gekommen sind.“

Die blonde Sam Smith, die Molly gegenüber an ihrem Schreibtisch saß, zuckte zusammen. Auf dem Papier war sie Mollys Vorgesetzte, aber solche Hierarchien galten in der Agentur nicht viel. Sam konnte ihr Temperament auf jeden Fall besser zügeln als Molly. Jetzt meinte sie bedeutungsvoll: „Er ist ein Freund von Jay.“

Molly verdrehte die Augen. „Na, toll. Das ist also ein Kumpel von dir, Jay? Was ist sonst noch los mit ihm? Lass mich raten. Er ist ein Umweltsünder? Er lässt in Billiglohnländern fertigen und beutet Kinder aus? Er raucht?“

„Nichts von alledem“, antwortete ein Mann hinter ihr. Die Stimme klang in Mollys Ohren wie ein Saxophon in einem verräucherten Jazzlokal in New Orleans.

Molly drehte sich erschrocken um und wäre dabei beinahe von ihrem Barhocker gefallen.

Er fing sie auf und brachte sie auf dem Stuhl in Positur, als wäre sie ein kleines Mädchen. Es gefiel ihm offensichtlich, dass er sie so aus der Fassung gebracht hatte. Ja, er weidete sich geradezu an ihrem Anblick.

Alle im Büro hielten den Atem an. Jeder wusste, dass Molly auf ihrem Gebiet ein kleines Genie war. Genauso wusste aber auch jeder, dass sie einmal einem Kunden, der ihr zu nahe getreten war, eine Tasse Kaffee über das teure Seidenhemd gegossen hatte. Und es war offensichtlich, dass sie im Moment ziemlich übel gestimmt war.

Doch der Fremde blieb gelassen. „George Hunter“, stellte er sich vor und hielt ihr die Hand hin. „Gründer von ‚Orun Software‘.“

Molly gab ihm die Hand. Sie war völlig benommen.

Und das war nur zu verständlich. Zum einen hatte dieser Mann hier als Kunde ja überhaupt nichts zu suchen, zum anderen war sein Anblick ganz einfach umwerfend: seine breiten Schultern, die schmalen Hüften, der sinnliche Mund, der einen sofort ans Küssen denken ließ, sein viel versprechender Blick.

„Jay sagte, ich dürfe mich gern mal in der Agentur umschauen“, erklärte George und strahlte sie entwaffnend an.

Mollys futuristisch gestylter hennafarbener Haarschopf leuchtete. „Sie meinen wohl, Jay hat Sie hergeschickt, damit Sie mich umstimmen“, entrüstete sie sich. Sie wandte sich um und sprach demonstrativ laut in den Hörer: „Ich sage trotzdem Nein, Jay! Millionäre sind nicht mein Ding!“

Weiter kam sie nicht. George Hunter ging einfach an ihr Telefon, und schon war das Gespräch unterbrochen.

Ihre Kolleginnen Abby und Sam tauschten Blicke aus.

„Ich denke, wir sollten uns in Ruhe über die Sache unterhalten“, meinte er, und seine Stimme klang dabei wieder so aufregend rauchig. „Gehen wir einen Kaffee trinken, einverstanden? Dabei könnten Sie mir nur so zum Spaß erklären, wie Sie aus einem langweiligen alten Millionär wie mir einen sympathischen Typ machen.“

Langweilig? Alt?

Molly schluckte. Sie merkte, dass er sich über sie lustig machte. Zur Überraschung der anderen - und zu ihrer größten Verärgerung - errötete sie bis zu den Haarwurzeln.

George Hunter schmunzelte. Ganz Gentleman, nahm er ihren Arm und führte sie aus dem Büro.

Wollen Sie wissen, wie es weiter geht?

Hier können Sie "Millionäre küsst man nicht" sofort kaufen und weiterlesen:

Amazon

Apple iBookstore

ebook.de

Thalia

Weltbild

Viel Spaß!



Kaufen