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Milliardär sucht Traumfrau

1. KAPITEL

Ihr Gegner war mehr als attraktiv, das musste Fiona sich eingestehen. Mit schiefergrauen Augen, dunklen Haaren und aristokratischen Gesichtszügen war er jeder Zoll ein schottischer Gutsherr.

Sie schüttelte ihm die Hand. „Freut mich, dass wir uns kennenlernen. Ich bin Fiona Lam.“

„James Drummond.“

Ich weiß. Sie lächelte ihr bezauberndstes Lächeln.

Sein Händedruck war fest, die Haut angenehm kühl. Nur fühlte sich ihre eigene Hand plötzlich so seltsam heiß an, dass sie sie am liebsten zurückgezogen hätte.

Das Partytreiben um sie herum verblasste. Eine international operierende Bank hatte zu dem Cocktailempfang eingeladen, aber in diesem Moment hatte Fiona kein Auge für die anderen teuer gekleideten Gäste. „Ich bin neu in Singapur“, erklärte sie. „Gerade von San Diego hierhergezogen.“

„Wirklich?“ Interessiert zog er die elegant geschwungenen Augenbrauen hoch.

„Ich habe mein Geschäft verkauft und halte nach neuen Möglichkeiten Ausschau. Arbeiten Sie hier?“

„Gelegentlich“, antwortete er, ohne ihre Hand loszulassen. Kein Wunder, dass er als Frauenheld galt. „Ich habe einen Landsitz in Schottland.“

Sie hatte von seinen herrschaftlichen Ländereien gehört, interessierte sich jedoch nicht dafür. Ihre Hand wurde immer heißer, und ein unliebsames Prickeln erfasste ihren Körper.

Sie drückte fest zu, und mit einem verbindlichen Lächeln ließ er die Hand los.

„Schottland soll sehr schön sein.“

„Wenn man neblige Heidelandschaften mag.“ Der Blick aus seinen stahlgrauen Augen verriet nicht die geringste Gefühls­regung. Sicher einer der Gründe, weshalb er im Geschäftsleben als gefürchteter Gegner galt.

„Und Sie mögen sie wohl nicht besonders?“, fragte sie.

„Ich bin dort aufgewachsen und habe mir nie Gedanken darüber gemacht. Möchten Sie etwas trinken?“

„Champagner, bitte.“

Als er sich umwandte, um einen Kellner herbeizurufen, fühlte sie sich regelrecht erleichtert. James Drummond schien ein Mann zu sein, der intensive Gefühle weckte. Was aber okay war – sie brauchte ihn ja nicht zu mögen.

Aber er musste sie mögen!

Er kam mit zwei Champagnergläsern wieder und reichte ihr eines. Niemand hatte sie vorgewarnt, dass er so irritierend gut aussah. Ihrer Erfahrung nach waren die meisten Risikokapitalanleger Männer über sechzig mit grauen Schläfen. Sie nippte an ihrem Glas, und die feinperlige Flüssigkeit kribbelte eigenartig in ihrem Hals. Alkoholische Getränke waren nicht unbedingt ihre Welt, aber natürlich wollte sie sich den Anschein feiner Lebensart geben. Der Lebensart, die ein Mann wie er gewohnt war.

„Und was führt Sie nach Singapur?“, wollte er wissen.

„Wie gesagt, ich suche nach neuen geschäftlichen Möglichkeiten.“

„Ich bin auch geschäftlich hier. In welcher Branche sind Sie tätig?“

„Die Firma, die ich verkauft habe, stellt Aufkleber her, die gute Laune verbreiten. Smileworks.“ Normalerweise lächelten die Menschen bei diesem Namen. Sie selbst lächelte auch, und der Verkauf der Firma machte sie noch immer ein bisschen traurig. Nicht allerdings das viele Geld, das sie dafür bekommen hatte.

„Ich habe davon gelesen. Glückwunsch! Ein guter Deal.“ Seine Augen funkelten aufmerksam.

„Danke! Es hat Spaß gemacht, die Firma aufzubauen. Aber jetzt ist es Zeit für etwas Neues.“

„Und was schwebt Ihnen da so vor?“, fragte er interessiert und beugte sich näher zu ihr.

Sie zuckte die Schultern. Ärgerlicherweise hatten sich ihre Brustspitzen unter dem schwarzen Cocktailkleid aufgerichtet! Jetzt konnte sie nur hoffen, dass es ihm nicht auffiel. „Weiß noch nicht. Mal sehen, was mich anspricht.“

Im Moment war das ganz eindeutig James Drummond in seinem anthrazitfarbenen Anzug. Ihre Fantasie ging mit ihr durch, ohne dass sie etwas dagegen tun konnte. Gerade weil er so reserviert wirkte, erschien ihr der Gedanke, ihm das blütenweiße Hemd vom Leib zu reißen oder die Haare zu zerwühlen, ganz besonders verlockend.

Natürlich war es keine gute Idee, mit dem Gegner ins Bett zu gehen, aber ein kleiner Flirt würde sicher nicht schaden. Sie musste sein Vertrauen gewinnen und herausfinden, wie sie die Fabrik ihres Vaters zurückkaufen – oder, wenn es sein musste, auch stehlen – konnte.

Wieder nippte sie an dem ungewohnten Getränk. Jetzt galt es, voll konzentriert zu bleiben. Ihr Dad brauchte sie; endlich konnte sie ihm beweisen, wie wichtig er ihr war. Schließlich war es nicht ihre Schuld, dass sie neuntausend Meilen voneinander entfernt lebten und sie einen anderen Mann Daddy nannte.

Auf die ersten beiden Jahrzehnte ihres Lebens hatte sie keinen Einfluss nehmen können – auf das, was jetzt kam, schon. Und genau das hatte sie auch vor. Sie würde einiges von dem, was Walter Chen widerfahren war, wiedergutmachen. Und bei dem Unrecht, das auf James Drummonds Konto ging, würde sie anfangen.

Gemeinsam verließen Fiona und James die Cocktailparty. James’ Fahrer brachte sie ins Rain, ein angesagtes Spitzenrestaurant, in dem man nur mit den entsprechenden Beziehungen einen Tisch bekam.

„Schön ist es hier! Ich wusste gar nicht, dass Singapur ein so vielfältiges Nachtleben hat.“ Sie sah sich in dem minimalistisch dekorierten und grün beleuchteten Restaurant um. „Wahrscheinlich sollte ich wirklich mehr ausgehen.“

„Man muss den vielen Menschen, die hier arbeiten, schon etwas bieten, damit sie nicht alle irgendwo anders hinfliegen.“

Er saß ihr gegenüber und sah sie wohlgefällig an. Was für eine angenehme Überraschung, mit einer so schönen Frau zu Abend zu essen! Dabei kannte er sie erst seit ein paar Stunden. Fiona interessierte ihn. Ihr Unternehmen, Smileworks, hatte international Furore gemacht – zum einen mit modernen ansprechenden Designs, zum anderen mit neuen, unkonventionellen Anbringungsmöglichkeiten der Aufkleber, zum Beispiel auf Wänden. Dass sie die Firma bereits wieder verkauft und dabei einen Millionengewinn gemacht hatte, beeindruckte ihn sehr.

Und sie war nicht nur klug, sondern auch ausgesprochen attraktiv – mit ausdrucksvollen dunklen Augen unter geschwungenen Brauen und einem Mund, der zum Küssen einlud.

Ihr amerikanischer Akzent war sicher nur eines ihrer Geheimnisse. Sie verkörperte voll und ganz den Typ Frau, den er sich vorstellen konnte zu heiraten.

Und er musste heiraten.

Der Kellner brachte die glänzend schwarz eingebundenen Speise­karten.

Mit gesenkten Lidern las Fiona darin. Dann sah sie James mit ihren strahlenden Augen an. „Können Sie mir etwas empfehlen?“, erkundigte sie sich.

„Es ist alles sehr gut, aber den Seeigel finde ich ganz besonders lecker.“

„Ich hatte ja keine Ahnung, dass Seeigel essbar sind!“, erwiderte sie verblüfft.

Als der Kellner den Wein eingegossen hatte, beugte James sich zu ihr. „Beim letzten Mal hatte ich Taube. War auch sehr gut. Die Köche hier können wirklich alles unglaublich köstlich zubereiten. Wahrscheinlich wäre hier sogar Sumpfgras eine Delikatesse.“

„Kurz angebraten, mit Salz, Pfeffer und einer Spur Knoblauch?“, fragte sie vergnügt, und ihre Augen funkelten. Dann nippte sie an ihrem Wein. „Sehr gut.“

Er lächelte. „Für vierhundert Dollar pro Flasche darf man das auch erwarten. Ich trinke ihn sehr gerne.“

„Sie verbringen mehr Zeit in Singapur als in Schottland?“, wollte sie wissen, während sie sich die Serviette auf den Schoß legte.

„Ja. Schottland ist in geschäftlicher Hinsicht nicht gerade der Nabel der Welt.“ Eigentlich komisch, dass sie ihn nicht gefragt hatte, was genau er machte. Richtiggehend herzerfrischend! Da sie neu in Singapur war, hatte sie anscheinend noch nichts von ihm gehört, was ebenfalls ein Vorteil war. Denn allmählich war er es leid, den Leuten zu erklären, dass Risikokapitalanleger keine Aasgeier waren, beziehungsweise dass Geier zum Kreislauf des Lebens dazugehörten. „Außerdem … heutzutage kann man von überall aus arbeiten. Ich mache viel übers Internet.“

„Ich auch, aber es geht nichts darüber, den Menschen von Angesicht zu Angesicht gegenüberzustehen.“

Fionas Gesicht jedenfalls war zauberhaft. Die glatte, sanft schimmernde Haut bildete einen reizvollen Kontrast zu den dichten dunklen Haaren, die ihr fast bis auf die Schultern reichten. Es fiel ihm schwer, nicht die Hand nach ihr auszustrecken und sie zu streicheln.

Aber wenn alles nach Plan lief, würde er das schon bald tun dürfen.

„Seltsam, dass Sie einen schottischen Vornamen haben, wo doch gar nichts Schottisches an Ihnen ist.“

Mit hochgezogenen Brauen sah sie ihn leicht herausfordernd an. „Oh, ich mag Karos. Vor ein paar Tagen habe ich mir sogar Schuhe mit Karomuster gekauft. Was ist an Ihnen schottisch?“

„Gute Frage. Ich kann mich nicht erinnern, dass das schon mal jemand hat wissen wollen. Aber ich glaube, ich bin der einzige Mensch, der Single Malt Whisky wirklich mag.“

Sie zog die Nase kraus. „Mir ist jedenfalls noch niemand außer Ihnen begegnet. Ich habe das Zeug mal probiert, und ehrlich gesagt reicht mir ein Mal.“

„Ich betrachte den Whisky mit gebührendem Respekt, denn er hat einen beachtlichen Teil meiner Vorfahren auf dem Gewissen.“

„Waren sie Trinker?“

„Trinker, Kämpfer, zu schnelle Fahrer – alles Männer, die sich vor lauter Übermut in ihr Unglück stürzten.“

Ihre Augen funkelten neugierig, und die Erregung, die er schon die ganze Zeit gespürt hatte, machte sich deutlicher bemerkbar.

„Und Sie sind anders?“, fragte sie.

„Ich ziehe es vor, gut auf mich achtzugeben.“

Als Reaktion hätte er ein Lachen erwartet oder zumindest ein Lächeln, aber Fiona dachte einfach nur über seine Worte nach. „Ich glaube, das ist vernünftig. Haben Sie Angst, so zu enden wie Ihre Vorfahren?“

„Eigentlich nicht. Obwohl ich neuerdings ständig E-Mails und Briefe einer angeheirateten Cousine aus Amerika bekomme, die unbedingt einen alten Fluch von uns Drummonds abwenden will. Dazu müssen anscheinend drei Teile eines verloren gegangenen Pokals wieder zusammengesetzt werden.“

Erstaunt sah sie ihn an. „Ein Fluch, sagen Sie? Meinen Sie, da ist was dran?“

„An solchen Unsinn glaube ich nicht.“

„Aber wenn Ihre Vorfahren das Unglück regelrecht angezogen haben – vielleicht ist das Ganze dann doch nicht aus der Luft gegriffen.“ Sie machte eine kurze Pause. „Wo soll dieser Pokal denn sein?“

„In der letzten E-Mail meiner Cousine steht, dass zwei Teile bereits gefunden wurden. Eines war im Haus ihres Zweigs der Familie in New York – sie ist wie gesagt eine eingeheiratete Drummond –, das andere gehörte zu einem dreihundert Jahre alten Piratenschatz eines vor Florida gesunkenen Schiffes. Meine Cousine glaubt, dass das dritte Teilstück von einem meiner Vorfahren zurück nach Schottland gebracht wurde.“

„Das klingt ja spannend!“ Als sie sich zu ihm beugte, nahm er ihre verführerisch blumige Duftnote war. „Und … werden Sie danach suchen?“

Durch ihre offensichtliche Begeisterung wurde auch sein Interesse an der Sache geweckt. Dabei hatte er die ständigen Bitten seiner Cousine und die seiner Tante Katherine Drummond beinahe schon wieder vergessen. Nicht einmal darauf geantwortet hatte er. „Ich weiß nicht. Finden Sie, ich sollte?“

„Unbedingt. Das klingt alles so romantisch.“ Ihre Augen funkelten vor Begeisterung.

Romantik war gut. Soweit es Fiona betraf, hatten sich seine Gedanken und Wünsche bereits deutlich in diese Richtung verlagert. Ihr schwarzes Cocktailkleid betonte ihre schlanke, überaus ansprechende Figur. „Diese Cousine glaubt, das Teilstück befindet sich auf meinem Anwesen in Schottland. Sogar eine Belohnung hat sie ausgesetzt. Ich musste einen Sicherheitsdienst beauftragen, um die Schatzsucher davon abzuhalten, den Rasen umzugraben und auf die Zinnen zu klettern.“

Fiona lachte. „Und Sie selbst haben noch gar nicht danach gesucht?“

Er schüttelte den Kopf. „Ich kenne bessere Wege, ein paar Tausend Dollar zu verdienen.“

„Aber das ist doch ein echtes Abenteuer.“ Sie strahlte, ja glühte regelrecht. Und auch seine eigene Körpertemperatur schien anzusteigen. Er widerstand gerade noch dem Impuls, seine mit einem Mal zu enge Krawatte zu lockern.

„Irgendwie finde ich, die Suche ist es wert“, sagte sie. „Wer weiß, was für fabelhafte Dinge passieren, wenn das Teil gefunden und der Pokal tatsächlich wieder zusammengesetzt wird!“

„Ich bin auch so mit meinem Leben zufrieden.“

„Trotzdem … Ich wette, es gibt mindestens einen verbesserungswürdigen Aspekt.“

Ja, den gab es in der Tat: Er brauchte eine Ehefrau. Natürlich würde er ihr das nicht auf die Nase binden. Aber in Singapurs konservativ orientierter Businesswelt wurde ein sechsunddreißigjähriger unverheirateter Mann mit einer gewissen Skepsis betrachtet. Einmal hatte sich ein potenzieller Geschäftspartner aus einem vielversprechenden Projekt zurückgezogen – weil er James’ Lebensstil missbilligte.

Aber was hieß schon Lebensstil? Nur weil er sich um seine eigenen Angelegenheiten kümmerte und unabhängig Entscheidungen traf, war er noch lange kein Weiberheld. Aber auch wenn er zurzeit immer nur eine Frau datete, hatte sich die Anzahl über die Jahre ganz beachtlich summiert.

An Frauen, die bereit waren, ihn zu heiraten, bestand nun wirklich kein Mangel. Sie waren auf seine Ländereien in Schottland und sein beträchtliches Vermögen scharf. Doch was er wirklich brauchte, war eine ebenbürtige Partnerin, die in jeder Situation einen kühlen Kopf behielt. Eine Frau, der er vertrauen konnte und mit der er die vertragliche Vereinbarung treffen konnte, die eine moderne Ehe für ihn bedeutete.

Eine Frau wie Fiona Lam?

Mit der Zungenspitze leckte sie einen Tropfen Wein von ihrer Unterlippe. Welch erregender Anblick!

Er atmete tief durch und zog sein Jackett aus. Fiona war eine sehr attraktive Frau, wobei ihre Intelligenz sie für ihn noch anziehender machte als ihre wohlgeformten Lippen oder schlanken Beine.

„Oder täusche ich mich da?“ Sie lehnte sich zurück und musterte ihn. „Gibt es irgendetwas, was Sie sich wünschen, aber noch nicht haben?“

Er lachte. „Oh ja! Das ist mein Antrieb, jeden Morgen aufzustehen.“

„Und was ist es? Der Reiz der Jagd …?“

„… lässt das Herz eines Risikokapitalanlegers höher schlagen.“

„Vielleicht unterscheiden Sie sich doch nicht so sehr von Ihren schottischen Vorfahren. Nur dass Sie sich für andere Dinge begeistern.“

„Damit könnten Sie recht haben. Sie waren vielleicht auf einen Hirsch aus oder auf den Besitz des Nachbarn, und ich will ein nettes internationales Unternehmen mit Wachstumspotenzial.“

„Sie sind ein unterhaltsamer Gesprächspartner.“ Leicht neigte sie den Kopf zur Seite, und die glänzenden schwarzen Haare fielen ihr auf die Schultern. „Warum haben Sie nie geheiratet?“

Er stutzte. „Wie kommen Sie darauf?“, fragte er. Wusste sie mehr von ihm, als sie zugab?

„Sie tragen keinen Ehering.“

Er entspannte sich wieder. Bei seinem Bekanntheitsgrad neigte er eben zur Vorsicht, wenn er jemanden neu kennenlernte, auch wenn es gar nicht nötig war. Außerdem konnte man die wichtigsten Daten seiner Vita in jedem Businessmagazin nachlesen. Es ging ja nicht um geheime Informationen. „Ich habe nie die Richtige getroffen.“

„Zu wählerisch?“

„So was in der Art. Außerdem ist eine Ehe keine Investition, bei der man gern ein Risiko eingeht, weil man weiß, dass man jederzeit wieder rauskommt.“

„Heraus kommt man immer, nur kann es teuer werden.“ Sie lächelte.

Er erwiderte ihr Lächeln. „Keine guten Aussichten für einen besonnenen Investor.“

„Also sind Sie zu vorsichtig, um zu heiraten?“

Er nickte. „Oder es liegt doch an unserem Familienfluch.“

Sie lachte auf, ein angenehmes Lachen mit einem hellen Klang, das ihn zu seiner Überraschung an die Kirchenglocke in seiner schottischen Heimat erinnerte.

„Ich finde, Sie sollten das fehlende Teil suchen. Das ist auch eine Art Jagd.“ Sie beugte sich vor, stützte die Ellbogen auf den Tisch und legte das Kinn auf die verschränkten Hände.

Da kam ihm eine verrückte Idee. „Machen Sie doch bei der Suche mit!“

„Was?“ Überrascht riss sie die Augen auf.

„Kommen Sie mit nach Schottland. Ich muss demnächst hinfliegen, um ein paar Grundstücksangelegenheiten zu regeln. Machen Sie doch mal Pause vom ewigen Konkurrenzkampf, und genießen Sie die frische Luft der Highlands.“

Während sie nachdachte, strahlten ihre Augen vor Begeisterung. Kein Zweifel, die Vorstellung faszinierte sie „Aber ich kenne Sie doch noch gar nicht richtig“, wandte sie ein.

„Ich bin bekannt hier in Singapur. Hören Sie sich ruhig um.“

„Und was würde ich da so erfahren?“, fragte sie und sah ihn todernst an.

„Dass ich nach meinen eigenen Regeln spiele, aber immer zu meinem Wort stehe.“ Er zögerte. „Und dass ich am glücklichsten bin, wenn sich mir neue geschäftliche Möglichkeiten bieten.“ Seinen Ruf als angeblicher Frauenheld verschwieg er lieber.

Da sie ernsthaft über sein Angebot nachdachte, spürte er sein Herz schneller schlagen, und er begriff, wie viel ihm an ihrer Zusage lag. Selbst die Aussicht auf sein großes düsteres Schloss und die vielen Aufgaben, die ihn dort regelmäßig erwarteten, erschien ihm mit Fiona als Begleiterin weitaus angenehmer.

„Gut“, sagte sie ruhig.

„Heißt das, Sie kommen mit?“, versicherte er sich ungläubig.

„Ja. Genau.“ Sie lehnte sich zurück und blieb völlig ernst. „Ich wollte schon immer mal nach Schottland, und die Suche nach dem Pokalstück finde ich ausgesprochen spannend. Außerdem habe ich im Moment eh nichts Besseres vor. Also … warum nicht?“

„Eben. Warum nicht!“ Schon nach wenigen Minuten waren die Einzelheiten der Reise besprochen. Während das Essen serviert wurde, schickte James seinem Piloten eine E-Mail.

Zum ersten Mal in seinem Leben fand er etwas anderes aufregender als einen Geschäftsabschluss. „Alles klar dann. Morgen fliegen wir.“

„Sehr gut!“ Nun fühlte sich Fiona doch leicht verunsichert. Alles ging viel schneller als erwartet! „Wer hätte das gedacht? Ich probiere Seeigel und fahre nach Schottland – und das innerhalb von nur einer Woche.“

Was würde ihr Dad sagen, wenn sie so bald nach ihrer Ankunft schon wieder abreiste? Der Hauptgrund für ihre Anwesenheit in Singapur war die Beziehung zu ihrem Vater. Die Lage hatte sich kaum so weit entspannt, dass sie vernünftig miteinander reden konnten – und jetzt reiste sie mit seinem Todfeind ans andere Ende der Welt!

Sie würde ihrem Dad ihre Absichten erklären, und er würde verstehen, dass sie es nur für ihn tat. Wie würde er sich erst freuen, wenn sie einen Plan hatte, wie sie seine Fabrik aus James Drummonds gefürchteten Klauen befreien konnte! Irgendjemand musste diesen Mann aufhalten, und sie hatte keine Angst vor ihm!

„Bleiben Sie dann bei mir?“, fragte sie. Er hatte sie gebeten, nach dem Pokal zu suchen, und natürlich würde es einen Riesenspaß machen, in seinem altehrwürdigen Schloss herumzustöbern, aber ihr Hauptziel erforderte es, in James’ Nähe zu sein.

„Selbstverständlich. Ich würde nie einen Gast einladen und mich dann aus dem Staub machen.“ Er runzelte die Stirn. „Ich muss nur Zeit für einige Treffen einplanen. Ein Landadliger wie ich darf die Leute nicht enttäuschen.“

„Ist das tatsächlich noch so?“

Er nickte. „Ja, von mir wird so einiges erwartet: Blumenarrangements beim Dorffest begutachten, an Festtagen Bankette eröffnen …“

„Klingt nicht gerade fortschrittlich“, sagte sie, fand die Vorstellung aber ausgesprochen sexy. Was nur bewies, wie verrückt sie sein musste. James jedenfalls verbrachte die meiste Zeit in Singapur, wahrscheinlich um sich alldem zu entziehen. „Lassen Sie auch Leute hinrichten, die Ihnen im Weg stehen?“, scherzte sie.

„Habe ich nie versucht.“ Um seinen ausdrucksstarken Mund spielte ein Lächeln. „Ich glaube, so sehr ist mir noch niemand in die Quere gekommen.“

Abwarten, vielleicht würde sie die Erste sein. Sie lächelte geheimnisvoll. „Stehen Sie nicht unter dem Druck, eine passende Frau und künftige Schlossherrin zu finden?“

Er lachte. „Das wagt zum Glück niemand zu fordern.“ Ernster fügte er hinzu: „Aber insgeheim denken bestimmt viele so.“

Fiona überlegte. Über sie, die Amerikanerin mit singapurischen Wurzeln, würden kaum Begeisterungsstürme losbrechen. Eine Schottin mit rotblonden Haaren würde zweifelsohne viel besser zu ihm passen.

Natürlich nahm James sie nicht mit, um ihr den Hof zu machen. Im Grunde konnte sie sich gar nicht vorstellen, warum er sich von ihr begleiten ließ. Nachdenklich betrachtete sie ihn. Seine Augen schienen zu lächeln und ließen sie … ja was? Erschauern? Aufregung, Angst und heiße Lustgefühle vermischten sich.

Ging es ihm wirklich um den Pokal? Oder wollte er nur mit ihr ins Bett?

Letzteres! Der Glanz in seinen Augen ließ kaum Zweifel daran. War er womöglich ein Frauenheld? Dann würde er aber enttäuscht sein, wenn sie sich nicht in die Liste seiner Eroberungen einreihte.

Sie kostete von ihrem Seeigel, den sie überraschend zart und wohlschmeckend fand. James verwirrte sie. Es war dringend erforderlich, dass sie sich auf ihr Ziel konzentrierte, und das war die Rückgabe der Fabrik an ihren Vater. „Mmh, schmeckt wirklich gut!“

„Hab ich ja gesagt. Jetzt wissen Sie wenigstens, dass Sie mir trauen können.“

Sie lachte, vor allem weil er das so unschuldig gesagt hatte. Wenn sie nichts von seinem Ruf als skrupellosem Kapitalhai gehört hätte – er wäre ihr einfach nur sympathisch erschienen. Jedenfalls wirkte er großzügig und begeisterungsfähig. Gut, dass sie sich im Voraus über ihn informiert hatte. „So schnell vertraue ich niemandem. Aber ich habe eine Schwäche für Abenteuer. Es freut mich riesig, nach Schottland zu kommen.“

„Wenn Sie den Pokal finden, bekommen Sie die Belohnung.“

„Das Geld würde ich für wohltätige Zwecke spenden. Nach dem Verkauf von Smileworks bin ich darauf wirklich nicht angewiesen.“

„Und was haben Sie sich als Nächstes vorgenommen?“

Das würde er noch früh genug herausbekommen! Sie zuckte mit den Schultern. „Mal sehen, wozu ich Lust habe. Mich drängt ja niemand.“ Vielleicht sollte sie ihn zu überzeugen versuchen, ihr die Fabrik zu einem symbolischen Preis zu überlassen. Ihr war eh nicht klar, was ihn überhaupt zu dem Kauf veranlasst hatte. „Und was ist Ihr nächstes Projekt?“, fragte sie.

„Im Moment finde ich Immobilien interessant. Früher oder später wird es der Wirtschaft wieder besser gehen. Dann wird der Trend mehr denn je zu größer, schöner, neuer gehen.“

„Und daraus werden Sie Kapital schlagen.“

Er nippte an seinem Wein. Ein ausdrucksstarker Mund wie seiner hätte einem Rockstar alle Ehre gemacht. „Man muss auf alles vorbereitet sein.“

Die Fabrik ihres Vaters lag mitten in einem alten Industriegebiet, in dem die meisten Gebäude inzwischen zu Lofts umgebaut waren. Sie stammte aus den Fünfzigerjahren des zwanzigsten Jahrhunderts und sah aus wie eine überdimensionale Schuhschachtel. Bis vor sechs Wochen hatten dort achtzehn Menschen gearbeitet.

Über andere Einkommensquellen verfügte ihr Vater nicht. Mithilfe irgendwelcher Tricks hatte James die örtliche Regierung dazu gebracht, ihm die Fabrik wegen angeblicher Steuerschulden für einen Apfel und ein Ei zu verkaufen. Die Beschäftigten waren entlassen worden.

Nun stand ihr Dad kurz vor dem Ruin. Die Uhr tickte …

Früher hatte er eine Restaurantkette besessen, aber davon war offensichtlich nichts mehr übrig. Nach dem Umzug in die Vereinigten Staaten hatten ihre Mutter und sie nur noch wenig Kontakt zu ihm gehabt.

Jetzt hatte Fiona ihn wiedergefunden, aber der erfolgreiche Selfmademan von einst war kaum noch wiederzuerkennen.

Schon immer hatte sie sich gewünscht, ihm zu zeigen, wie ähnlich sie ihm war. Aber kaum hatte sie ihre ersten Millionen verdient, war ihr Erfolg von seinem Niedergang überschattet worden. Jetzt sah es so aus, als wäre sie eigens nach Singapur gekommen, um über den Mann zu triumphieren, der sie damals im Stich gelassen hatte. Dabei lagen ihre Motive genau entgegengesetzt.

Ihr Herz krampfte sich zusammen. Sie war ohne ihren Dad aufgewachsen, und ganz sicher wollte sie ihn nicht noch einmal verlieren. „Ja, das finde ich auch“, bestätigte sie. „Aber darauf, dass ich mit einem Fremden nach Schottland fahre, war ich nicht vorbereitet.“

Er hob das Glas, um ihr zuzuprosten. „Dann also auf das Unerwartete.“

Lächelnd stieß sie mit ihm an. Wenn er wüsste …!

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