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Messer, Gabel, Schere, Mord

Über die Autorin

Ann Granger war früher im diplomatischen Dienst tätig. Sie hat zwei Söhne und lebt heute mit ihrem Mann in der Nähe von Oxford. Bestsellerruhm erlangte sie mit der Mitchell-und-Markby-Reihe und den Fran-Varady-Krimis. Nach Ausflügen ins viktorianische England mit den Lizzie-Martin-Romanen, knüpft sie mit der Serie um Inspector Jessica Campbell wieder unmittelbar an die Mitchell-und-Markby-Reihe an.

ANN GRANGER

MESSER, GABEL, SCHERE, MORD

Mitchell & Markbys vierter Fall

Ins Deutsche übertragen von Axel Merz

BASTEI ENTERTAINMENT

Anmerkung der Autorin

Der Name Springwood Hall ist angelehnt an ein viktorianisches Landhaus, in dessen Seitenflügel mein Ehemann als kleiner Junge gelebt hat. Leider wurde das Gebäude bereits vor vielen Jahren vollständig abgerissen. Ich weiß nichts von einem anderen Haus dieses Namens, und ganz gewiss ist jeder Verweis auf ein solches Haus, sollte es tatsächlich existieren, nicht beabsichtigt.

A. G.

 KAPITEL 1 

›Springwood-Hall-Hotel-Restaurant‹. Der Name prankte in stolzen Lettern auf einem brandneuen, glänzenden Schild. ›Eröffnung in Kürze‹ stand diskret auf einem kleineren Schild darunter.

Der Lieferwagen der Elektrizitätswerke ratterte daran vorbei und ignorierte gleichermaßen stolzen Namen und diskrete Ankündigung. Er bog in ein frisch gestrichenes schmiedeeisernes Tor mit goldenen Schnörkeln und donnerte über die neu gekieste Zufahrt. Es war nur einer von mehreren Aufträgen auf einem engen Terminplan.

Der Lieferwagen hielt vor dem Gebäude an, und ein junger Mann in einem Overall kletterte vom Fahrersitz, nachdem er seine Werkzeugkiste gepackt hatte. Während er die Fahrertür zuknallte, musterte er das verwinkelte, im gotischen Stil erbaute viktorianische Herrenhaus mit seinen falschen Türmen und den Regenrohren, die aus den Mündern fratzenschneidender Wasserspeier ragten. Das Bauwerk war ganz aus einheimischem honigfarbenem Stein errichtet, der erst vor kurzem gereinigt worden war. Bar jeglicher verhüllender Patina, die Flechten, Zeit und Wetter über es gebracht hatten, wirkte es seltsam nackt und hatte seine vorherige Harmonie mit der Landschaft eingebüßt. Der Widerspruch zwischen architektonischem Stil und gewähltem Baumaterial wurde unvorteilhaft betont. Rein technisch betrachtet, hatten die Restaurateure ausgezeichnete Arbeit geleistet, auch wenn das Ergebnis empfindlichere Seelen eher abschreckte.

Der junge Elektriker sah jedenfalls nichts, was ihn sonderlich beeindruckt hätte. Gleichmütig zuckte er die Schultern und wandte sich laut pfeifend ab, um auf einen Handwerkerkollegen zuzugehen, der ein paar Yards zur Seite an einem Gebäude arbeitete, das als »Indoor Swimming Pool« ausgewiesen war. Hier hatten die Restaurateure großflächige Doppelverglasung im Überfluss eingebaut, sodass man von draußen den Pool sehen konnte, gesäumt von weißen Fliesen, Topfpalmen und Korbsesseln, und, im Hintergrund, die Türen zu den Umkleideräumen und Duschen. Doch Alter, Ort und Größe dieses unscheinbareren Gebäudes zeigten an, dass es sich um die einstige Remise handeln musste. Der Handwerker, ein Maler, trug die letzte Lackschicht auf den Türrahmen auf. Er beobachtete, wie der Neuankömmling näher kam, ohne sich nach außen hin etwas anmerken zu lassen.

»Elektriker!«, verkündete der Mann von den Stadtwerken.

Er signalisierte seine Bereitschaft zu einem Schwätzchen, indem er in seiner Arbeit innehielt, einen Schritt zurücktrat und mit zur Seite gelegtem Kopf sein Werk begutachtete.

Und der junge Elektriker war endlich doch noch beeindruckt angesichts des Swimmingpools hinter den Scheiben. »Schicke Bude«, brachte er vor und fügte mit einem Wink der freien Hand in Richtung Haupthaus hinzu: »Ist alles ein wenig hergerichtet worden, seit ich das letzte Mal hier war. Ein gruseliger alter Kasten war das! Muss ’n Vermögen gekostet haben.«

»Geld«, erklärte der Maler umständlich, »Geld spielt keine Rolle, wie man so sagt.«

»Schätze, ’s passt zu reichen alten Opas und Omas, aber mir ist schleierhaft, warum sie so viel Zeit und Geld für die Renovierung ausgeben mussten. Ich meine, ’s ist immer noch eine aufgetakelte alte Ruine, eh? Sie haben nichts gemacht, um den Kasten zu modernisieren. Besser, sie hätten das ganze Ding abgerissen und etwas Vernünftiges hochgezogen. Wann soll das Hotel eigentlich eröffnen?«

»Samstag. Alle schwirren durcheinander wie ’n Haufen Schmeißfliegen, um rechtzeitig fertig zu werden. Sollen ja jede Menge Berühmtheiten kommen. Fernsehleute und alles, hab ich gehört.«

»Ach, ehrlich?« Der Mann von den Stadtwerken zeigte erwachendes Interesse.

»Keiner, von dem man je gehört hätte«, sagte der Maler empört. »Irgendwelche Typen, die in den dicken Zeitungen über Essen schreiben. Dann noch Architekten und so was. ’n paar geldgeile Oberklassenutten mit festen Titten, wahrscheinlich um zu zeigen, dass sich auch die Kerle mit der entsprechenden Kohle hier rumtreiben.« Gnädig wandte er sich endlich seinem Gesprächspartner zu. »Wenn du was wissen willst, dann gehst du am besten nach hinten zur Küche. Da findest du sie noch am ehesten, obwohl ich nicht weiß, ob du irgendwas von dem verstehst, was sie dir erzählen. Da drin geht’s zu wie in einem Irrenhaus! Pass auf, dass du nicht mit dem Chefkoch aneinander gerätst, der ist so ’ne Art Mädchen für alles. Ein Schweizer. Haben ein paar verdammt scharfe Messer rumliegen in ihrer Küche, also halt ich mich lieber fern! Und achte auf den Typ, dem das alles hier gehört, auch ’n Schweizer. Aber der ist im Augenblick sowieso nicht hier.«

In dieser Sekunde durchschnitt ein grässliches Geräusch die Stille, ein Zwischending zwischen einem Kreischen und einem Bellen; es schwoll immer mehr an, bis es wie eine gequälte Seele klang, die ihren Todeskampf herausschrie. Dann wurde es wieder leiser und verklang.

»Mensch, was war das?«, fragte der erschrockene Elektriker.

Der Maler zeigte sich ungerührt und nahm seine Arbeit mit langsamen, vorsichtigen Strichen wieder auf. »’n Esel.« Er nickte in Richtung der offenen Landschaft hinter dem Hallenbad. »Steht ’ne ganze Weide voll mit den Biestern da unten. Nicht alles Esel, um Gottes willen, nein! Zwei Gäule stehn auch noch da und ein oder zwei Shetlandponys. Heruntergekommene alte Mistviecher, die dich schon beißen, wenn du auch nur in ihre Richtung siehst! Ich halt mich hübsch von ihnen fern. ’n Stall steht auch noch da, aber der sieht aus, als könnt er jeden Augenblick zusammenstürzen, und ’ne Mieze kümmert sich um die Biester.«

Der Elektriker erinnerte sich an den Grund seines Hierseins und daran, dass er Rechenschaft über seine Zeit ablegen musste. »Bis dann mal«, sagte er und ging in Richtung Rückseite des Hauses und Küchentrakt davon.

Gut zehn Minuten später kam ein großer Mercedes die Zufahrt herauf und hielt vor dem Haupteingang. Ein Mann sprang heraus, nicht mehr als mittelgroß, aber massiv gebaut, mit breiten Schultern, gebräuntem Gesicht und kurz geschnittenem dunklem Haar. Er war umgeben von der Aura des erfolgreichen Geschäftsmannes oder, wahrscheinlicher noch, des ehemaligen Sportlers, der seine Aufmerksamkeit und seine Talente nun dem Geschäftsleben zugewandt hatte. Und genau so war es auch. Eric Schuhmacher war zu seiner Zeit ein ausgezeichneter Eishockeyspieler gewesen. Die Muskeln hatten eben erst angefangen zu erschlaffen, wie das bei ehemaligen Sportlern die Regel ist, doch er besaß noch immer eine beeindruckend kraftvolle Gestalt und war gewiss niemand, den man leichtfertig zu einem Streit herausforderte.

»Da ist er«, murmelte der Maler und blickte Eric hinterher, der zielstrebig in teuren weißen Kalbsledermokassins in Richtung Küche marschierte. »Wilhelm Tell höchstpersönlich!« Der Maler wischte seinen Pinsel sauber und setzte sorgfältig den Deckel auf den Farbtopf zurück. »Ho! Ich schoss ’nen Pfeil hoch in die Höh’: Er kam zurück, ich weiß nicht wö!« Er kicherte fröhlich über seinen gelungenen Spottvers.

Im engen Vestibül auf der Rückseite des Hauses kam Eric Schuhmacher auf dem Weg zur Küche an der offenen Tür vorbei, hinter der eine Treppe in die Kellerräume führte. Er runzelte die Stirn und fragte sich, wer dort unten sein mochte. Er hatte den Eingang zum Keller verlegen müssen, was sich schon jetzt als ständiges Ärgernis erwies. Der alte Kellereingang in der Küche war im Weg gewesen, als die neuen Arbeitsflächen installiert worden waren, und eine neue Tür war draußen vor dem Küchenbereich in die Wand des Vestibüls gebrochen worden. Umständlich zu erreichen, wenn Lieferungen eintrafen, und schlimmer noch: nicht in Sichtweite des Küchenpersonals.

Eric betrat die Küche und fand eine Szene vor, die von Brueghel hätte stammen können. Im ersten Augenblick ein heilloses Durcheinander, das sich bei näherer Betrachtung auflöste in hektische Souschefs, Berge von Feinkost, riesige, glänzende, brodelnde Kochtöpfe und unzählige geheimnisvolle Flaschen. Über allem schwebte ein Duft nach Knoblauch, Schweiß, Wein, Fleischsäften, Zwiebeln und siedenden Knochen.

Eric näherte sich einem kleinen, untersetzten, schwitzenden Mann mit langen Armen und niedriger Stirn. Seine hoch gekrempelten Ärmel gaben den Blick frei auf muskulöse Unterarme, die von einem dichten lockigen Pelz schwarzer Haare bedeckt waren und sein affenartiges Aussehen noch verstärkten.

»Grüezi, Ulli!«, begrüßte ihn Eric mit einem Schlag auf die muskulöse Schulter. »Samstag wird der größte Tag in meiner Karriere – unserer Karriere, Ulli.«

»Ja, Herr Schuhmacher!«, grollte der Küchenchef.

Doch Eric hatte bereits einen Missstand entdeckt. Plötzlich schoss er davon und stürzte sich auf eine Kiste Pfirsiche. »Wer hat diese Lieferung angenommen? Bis Samstag sind die längst verdorben!«

»Tut mir leid, Herr Schuhmacher«, entschuldigte sich einer der Souschefs.

»Tut mir leid reicht nicht, Mickey! Du weißt ganz genau, was ich für dieses Hotel anstrebe! Vier Sterne! Und eines Tages vielleicht sogar fünf! Das ist es, was ich möchte! Und wie bekommt das Springwood-Hall-Hotel seine Sterne? Indem wir unsere Aufmerksamkeit auf jedes Detail richten, Mickey. Jedes Detail!«

Er kehrte zu Ulli Richter zurück, der schwitzend über einem Marmorblock mit einem makabren abgetrennten Tierkopf stand.

»Ich kann meine Augen nicht überall haben, Herr Schuhmacher!«, sagte Ulli. »Wir werden bis Samstag fertig, aber nur, wenn Gott es will! Der große Ofen macht schon wieder Zicken, und irgendjemand nimmt mir ständig meine Messer weg!«

Das war eine ernste Beschuldigung, und Schuhmacher blickte gehörig entrüstet drein. Das persönliche Messerset eines Meisterkochs war heilig, und jeder in der Küche wusste das. Schuhmacher wandte sich zum Rest seiner Mitarbeiter um, die ausnahmslos ihre jeweilige Tätigkeit unterbrachen und in den verschiedensten Posen erstarrten, mit halb erhobenen Beilen, schräg gehaltenen Kochlöffeln, und ihre gesamte Aufmerksamkeit auf ihn richteten.

»Am Samstagnachmittag werden unsere Ehrengäste früh hier eintreffen, und sie werden herumgeführt. Genau wie die Fernsehleute. Ich möchte keine Unordnung, nichts von diesem Chaos! Ich will Ordnung und absolute Sauberkeit, keine ungewaschenen Schüsseln, keine schmutzigen Lappen! Und jeder hat zu lächeln!«

»Ja, Herr Schuhmacher«, erwiderten sie gehorsam im Chor, mit Ausnahme von Ulli Richter, der lediglich mit den buschigen Augenbrauen zuckte.

»Gut. Zurück an die Arbeit!« Schuhmacher wandte sich wieder zu seinem Küchenchef um. »Scheinen alle hier zu sein, Ulli. Aber wer ist dann unten im Weinkeller? Die Tür steht offen.«

Ulli überlegte einen Augenblick. »Ein junger Mann mit einer Werkzeugkiste ist vor zehn Minuten nach unten gegangen. Ein Elektriker. Die neue Beleuchtung macht Ärger, und ohne Licht sieht man dort unten nicht die Hand vor Augen.«

Schuhmacher erbleichte. »Allein?« Er rannte zur Tür, und seine Stimme wurde zu einem wütenden Heulen. »Allein in einem Keller voller edelster Weine! Einige davon große Klassiker, die fast nicht mehr zu beschaffen sind! Und niemand ist mit ihm gegangen? Herr im Himmel, muss ich denn alles selbst machen?« Er verschwand durch die Tür.

»Was bin ich verdammt noch mal froh«, murmelte Mickey, der Souschef, »wenn erst der Samstagabend vorbei ist.«

Ulli Richter tat, als hätte er nichts gehört. Er nahm ein Schlachterbeil zur Hand, schwang es hoch, und mit einem widerlich dumpfen Geräusch krachte es auf den Block. Sauber gespalten zerfiel der Kalbskopf in zwei Hälften, wie ein aufgeschlagenes Buch, und gab den Blick frei auf ein wirres Durcheinander pinkfarbenen Hirns.

»Wir verschwenden unsere Kraft und Zeit, meine Freunde«, sagte Charles Grimsby. »Diese Schlacht ist verloren. Gürten Sie Ihre Lenden für die nächste.«

»Unsinn!«, widersprach Hope Mapple in ihrer Eigenschaft als Vorsitzende der Gesellschaft zur Bewahrung des Historischen Bamford fest.

Zoë Foster betrachtete Hopes stattliche Gestalt und stellte sich im Geiste vor, wie sie Charles’ Bemerkung wörtlich nahm. Sie unterdrückte ein Kichern.

»Was ist los, Zoë?«, erkundigte sich Hope verärgert.

»’tschuldigung. Heuschnupfen. Meine Nase läuft.«

»Ich habe gar nicht bemerkt, dass der Pollenflug heute so stark gewesen wäre«, sagte Grimsby. »Ich leide selbst an Heuschnupfen, und normalerweise bin ich der Erste, der es spürt.« Seine blassblauen Augen musterten Zoë misstrauisch durch eine randlose Brille hindurch.

Zoë sank in ihren Stuhl zurück. Der Augenblick der Erheiterung war vergangen, und geblieben war nur tiefe Depression.

Zoë war das jüngste Mitglied der Gesellschaft, deren Ziel die Rettung der alten Monumente rings um Bamford war, und sie war nur beigetreten, weil die Gesellschaft auch gegen Eric Schuhmacher und seine Pläne für Springwood Hall zu Felde zog. Der Alice-Batt-Schutzhof für Pferde und Esel war auf einem Stück Land untergebracht, das zu dem Herrenhaus gehörte. Der Schutzhof und seine alten Bewohner waren Zoës Leben. Sie hatte es nicht gegründet. Das war Miss Batt selbst gewesen, vor vielen Jahren. Zoë war die Letzte in einer langen Reihe von Helfern, die sich willig für Alice Batt abgemüht hatten, und als die alte Dame sich schließlich selbst nach Bournemouth in ein Pflegeheim für Menschen begab, hatte Zoë das Ruder übernommen.

»Ich übergebe Ihnen den Hof zu treuen Händen«, hatte Miss Batt gesagt. »Ich weiß, Sie werden mich nicht enttäuschen, Zoë, und wichtiger noch, Sie werden unsere vierbeinigen Freunde nicht im Stich lassen!«

Zoë hatte ihr Bestes getan. Der Schutzhof verfügte nie über genügend Geld, wie konnte es anders sein, doch sie kam zurecht. Ein einheimischer Tierarzt verzichtete auf seine Bezahlung, und das half ein wenig. Doch die Tiere waren in der Regel wenig attraktiv wegen ihres Alters und zahlreicher Behinderungen, und einige waren in der Folge vorangegangener Misshandlungen ausgesprochen übellaunig. Es machte das Sammeln von Spenden umso schwieriger.

Unter der Ägide des vorhergehenden Herrenhausbesitzers hatte ihnen kurz das Glück zugelächelt. Er war selbst Pferdeliebhaber gewesen und hatte sich nicht nur dazu bereit erklärt, den rein symbolischen Pachtzins zu akzeptieren, den der Schutzhof zahlen konnte, sondern sogar bescheidene Subventionen beigesteuert.

Mit Schuhmachers Ankunft hatte sich all das geändert. Und wie es das Pech wollte, war zur gleichen Zeit auch der Pachtvertrag zur Erneuerung fällig gewesen. Der Schweizer betrachtete die altersschwache Ansammlung von Pferden und Eseln sowie den baufälligen Stall nicht gerade als Gewinn in dieser engen Nachbarschaft zu seinem Luxushotel, ganz zu schweigen vom charakteristischen Geruch. Schuhmacher besaß nicht die Absicht, den Pachtvertrag zu erneuern. Der Schutzhof hatte sechs Monate Zeit, um neues Land und Räumlichkeiten zu finden, und falls das nicht gelang, was wahrscheinlich war, musste er schließen.

Zoë schloss die Augen und versuchte, die schrecklichen Visionen zu verdrängen, was mit all ihren armen, kahl werdenden, grantigen, auskeilenden, schlappohrigen, gelbzahnigen und innig geliebten Schutzbefohlenen geschehen würde.

»Tut mir leid für Sie, wenn es Ihnen nicht gut geht, meine Liebe«, sagte Hope Mapple. »Können Sie wenigstens weiter Notizen machen? Oder möchten Sie, dass Charles Sie als Schriftführer für dieses Treffen ablöst?«

»Nein, mir geht es gut, wirklich. Ich musste niesen, das ist alles.«

Robin Harding verlor wieder einmal die Geduld mit ihnen allen, wie es bei ihm häufig geschah – nur Zoë war bisher verschont geblieben. »Und was sollen wir Ihrer Meinung nach unternehmen, Hope?«, fragte er barsch. »Der Laden öffnet am Samstag mit einem gewaltigen Aufwand an Publicity! Feine Küche, Champagner aus Magnumflaschen und Berühmtheiten in Designerkostümen und schwarzen Anzügen! Und zum Abschluss ein Feuerwerk mit Musik von Händel! Keine Spur von schlechtem Geschmack, meiner persönlichen Meinung nach. Hinzu kommt die Tatsache, dass Sie und ich und der Rest unserer fröhlichen Bande ungefähr so viel Eindruck machen, als wären wir Gipszwerge. Es ist sinnlos! Bis zu dem Tag, an dem wir uns das Essen dort leisten können«, endete er bitter.

»Denis Fulton wird dort sein«, sagte Grimsby und fügte unsicher hinzu: »Ich habe eins von seinen Büchern.«

»Der Kochheini?« Robin winkte ab. »Nichts als ein aufgeblasener Sack voller heißer Luft!« Ein Anflug von Verachtung huschte über sein sommersprossiges, stupsnäsiges Gesicht.

»Er ist berühmt!«, sagte Grimsby gekränkt.

»Ich glaube nicht, dass er so gut ist wie Paul Danby«, warf Zoë ein und stellte sich hinter Robin. Außerdem half Paul Danbys Tochter Emma regelmäßig im Schutzhof, ohne einen Penny dafür zu verlangen. Sie mistete die Ställe aus und striegelte die Tiere, weil es ihr Spaß machte. »Seine Artikel über das Kochen sind praktisch und machen Freude. Ich weiß überhaupt nicht, warum sie diesen Fulton einladen mussten, wo wir hier doch unseren eigenen Mann haben. Paul Danbys Urteil über das neue Restaurant würde den Einheimischen eine Menge mehr bedeuten!«

»Aber nicht der so genannten feinen Gesellschaft, in der Schuhmacher die Nachricht von seinem neuen Fresstempel verbreiten möchte. Pauls Klientel ist unbedeutend …« Grimsby blickte selbstzufrieden drein. »Fulton hat eine eigene Fernsehsendung, und er ist zufällig mit Leah Keller verheiratet.«

»Hören Sie auf!«, befahl die Vorsitzende entschlossen. »Hören Sie auf mit diesem leeren Geschwätz über Essen. Das ist ja widerlich! Hier geht es um unser kulturelles Erbe! Wir wollten über unsere Vorgehensweise reden.«

Eine schlanke, dunkelhaarige Frau in der Ecke streckte die Arme über den Kopf, und eine Sammlung silberner Armreifen klimperte laut, während sich der rote Pullover über ihrer Brust spannte. »Wir haben keine, Hope«, murmelte sie mit leicht nasaler Stimme.

Hope Mapple musterte Ellen Bryant mit unverhohlener Abneigung. Sämtliche Mitglieder des Komitees wussten, dass Hope und Ellen sich gegenseitig nicht ausstehen konnten. Ellen machte Hope wütend, und zwar mit Absicht. Vielleicht war Mrs. Bryants schlanke elegante Erscheinung genug, um Miss Mapple gegen sie aufzubringen. Zoë fragte sich nicht zum ersten Mal, was für ein Mann Mr. Bryant sein mochte. Ellen erwähnte ihn nie, und niemand hatte ihn je gesehen. Doch sie trug stets ihren Ehering, ein schweres goldenes Ding. »Ellens Schlagring«, nannte Robin es.

»Hope schon!«, sagte Robin unerwartet. »Sie haben doch einen Plan, oder? Kommen Sie schon, Hope, spucken Sie’s aus!«

Miss Mapple erhob sich, um ihre bedeutsame Erklärung abzugeben. Die Atmosphäre war elektrisch aufgeladen. Der Kontrast zwischen Hope und Mrs. Bryant hätte nicht deutlicher zutage treten können. Es war nicht klug von Hope, diese weiten geblümten Hosen zu tragen, dachte Zoë. Und das knallige pinkfarbene Haltertop aus Jersey half auch nicht. Irgendjemand sollte Hope sagen, dass es so etwas wie Büstenhalter gab. Es war richtiggehend peinlich.

Robin starrte ebenfalls auf Hopes unförmige Gestalt und murmelte: »Diese Frau braucht ein Gerüst!«

»Still!«, zischte Zoë.

Sie befanden sich immerhin in Hopes winziger Wohnung und tranken Hopes katastrophalen Tee, und man beleidigte seinen Gastgeber nun einmal nicht. Außerdem teilten Hopes drei Pekinesenhunde den Raum mit ihnen. Ihr Geruch hing in der Luft, und ihre Haare klebten an jedermanns Kleidung. Ellen Bryant hatte längst angefangen, ihren Pullover ostentativ sauber zu pflücken. Einer der Hunde lag eingekeilt zwischen Charles Grimsby und der Armlehne auf dem Sofa. Charles wagte nicht, sich zu bewegen, weil der Köter ein bissiges kleines Mistvieh war und alle drei Pekinesen Charles aus irgendeinem unbekannten Grund häufiger anbellten als jeden anderen.

Miss Mapple deutete mit der Hand in Richtung Fernseher. Auf dem Gerät stand ein Foto der drei Hunde. »Sie werden am Samstag dort sein!«, verkündete sie dramatisch.

»Nicht die verfluchten Köter!«, ächzte Grimsby erschrocken.

»Nein, doch nicht meine armen Jungs! Sie wären völlig verängstigt wegen all der fremden Leute! Also wirklich, Charles. Nein, ich meine die Leute vom Fernsehen! Schuhmacher und die Mächte des Mammons mögen in gewisser Hinsicht gewonnen haben, doch das letzte Wort ist noch nicht gesprochen! Wir werden in Glanz und Gloria ausziehen, nicht unterwürfig und gewiss nicht von kommerziellen Interessen besiegt! Wir werden es ihnen zeigen! Wir werden demonstrieren. Am Eröffnungstag, vor laufenden Fernsehkameras, sodass die gesamte Nation unseren Protest sehen kann!«

»Schön und gut«, sagte Grimsby und setzte sich gerade auf, wobei er versehentlich den Pekinesen anstieß. Ein Knurren war die Reaktion. »Wir werden aussehen wie eine Bande von Blödmännern! Zehn zu eins, dass Sicherheitsleute dort draußen rumlaufen, bei all den Berühmtheiten! Schläger ohne Hals und mit Schultern von einer Wand zur anderen. Sie werden uns packen, bevor wir auch nur zucken können. Ganz bestimmt schneller, als wir unser Spruchband ausrollen können. Das wir sowieso nicht unbemerkt hineinschmuggeln könnten, genauso wenig wie ein Plakat – woher also sollen die Zuschauer wissen, warum wir demonstrieren?«

»Daran habe ich auch schon gedacht«, sagte Miss Mapple. »Ich selbst werde das Spruchband hineinschmuggeln. Ich binde es mir unter dem Hänger um den Leib.«

Betäubtes Schweigen breitete sich aus.

»Wäre das praktikabel, Hope?«, erkundigte sich Zoë. »Ich meine, wie wollen Sie es unbemerkt hervorholen?« Robin schüttelte sich in stummer Heiterkeit, doch Zoë fuhr fort und ignorierte ihn entschlossen. »Sie können sich ja wohl kaum auf dem Rasen ausziehen und das Spruchband von Ihrer Taille wickeln, oder?«

Erneutes Schweigen. Robins Schultern beruhigten sich wieder, und er blickte erschrocken zu Hope. »Meine Güte, Hope, das würden Sie doch wohl nicht tun?«

»Und ob ich das tun werde!«, rief Miss Mapple, dass es in ihren Ohren dröhnte. »Mehr noch, ich werde Nägel mit Köpfen machen!«

»Hope!«, riefen sie unisono.

»Ich werde mich ganz ausziehen!«, kreischte ihre Anführerin.

Vielleicht spürten die drei Pekinesen die schiere emotionsgeladene Atmosphäre, die mit einem Mal den Raum erfüllte, denn alle drei schraken unvermittelt hoch und begannen wild zu kläffen.

»Ich halte das für eine gemeine Herabwürdigung deiner Person!«, sagte Laura Danby heftig.

Ihr Ehemann Paul stand am Küchentisch und war mit der Zubereitung frischer Mayonnaise beschäftigt. Liebevoll blickte er zu der Gestalt auf, die mit in die Hüften gestemmten Fäusten im Eingang stand, und lächelte sie an. Am Morgen noch ein Bild kompetenter Effizienz, hatten ein langer Arbeitstag im Büro und die Beaufsichtigung der jüngeren Kinder beim Baden ihren Zoll von Laura gefordert. Ihr blondes Haar war nicht länger ordentlich frisiert, sondern hing wirr in ihr gerötetes Gesicht. Sie hatte das strenge Schneiderkostüm der Anwältin abgelegt und trug Shorts und ein gestreiftes Matrosenhemd.

»Du siehst sehr sexy aus«, sagte Paul.

»Denis Fulton!« Sie wollte sich nicht ablenken lassen. »Was weiß er schon über das Kochen! Er hat dein Rezept geklaut!«

»Er hat mich um Erlaubnis gebeten, und ich habe es ihm nur zu gerne überlassen. Und nachdem man ein Rezept erst veröffentlicht hat, ist es zum Allgemeingut geworden. Du bist doch Anwältin; ich bin überrascht, dass du mit wilden Anschuldigungen um dich wirfst.«

»Pah, von wegen wild! Vielleicht nicht illegal, aber hinterhältig. Er hat dich ausgequetscht! Wenigstens hätte er dir Anerkennung zollen müssen! Wer nicht imstande ist, eine derartige Lappalie zuzugeben, wird auch andere Sachen verschweigen!« Sie nickte bekräftigend.

»Er ist eigentlich ziemlich gut. Besitzt Sachkenntnis und einen großen Namen.«

»Du bist genauso gut wie Fulton! Wenn er so eine Kanone ist, dann soll er sich doch seine eigenen Rezepte ausdenken!«

Es war reine Zeitverschwendung, mit ihr zu diskutieren, wenn sie emotional so aufgeladen war wie jetzt. Ablenkung war die bessere Alternative. Paul klopfte den Mayonnaiselöffel gegen den Schüsselrand.

»Ich kenne jemanden, der besser ist als wir alle beide. Dieser Küchenchef von Eric Schuhmacher, Ulli Richter. Ich freue mich schon jetzt auf Samstagabend, auch wenn es praktisch kein freier Abend ist! Ich habe gehört, die Inneneinrichtung des Hauses soll ganz wunderbar sein. Schuhmacher hat angeblich Victor Merle als Berater hinzugezogen, den Kunsthistoriker, weißt du? Immer nur das Beste, in jeder Hinsicht! Es wird sicher ein bemerkenswerter Abend, Liebling!«

»Wie kannst du nur so reden? Wie kannst du nur Witze darüber machen?«

Der Schrei war nicht von Laura gekommen, sondern von jemandem hinter ihr. Emma Danby platzte mit all dem rechtschaffenen Zorn einer Elfjährigen in die Küche. Sie trug eine schmutzige Reithose und ein Sweatshirt mit einem Pferdekopf darauf. Ihr sommersprossiges Gesicht war rot vor Erregung, und der schwache Pferdegeruch, der an ihr haftete, ließ vermuten, dass sie gerade von ihrer Arbeit beim Alice-Batt-Schutzhof kam. Beide Eltern starrten ihre Tochter entgeistert an.

»Wir machen keine Witze, Darling«, beeilte sich Laura zu sagen. »Dad und ich wissen sehr gut, wie du dich fühlen musst …«

»Nein, das tut ihr nicht! Ihr redet immer nur vom Essen!« Emma legte eine derartige Verachtung in das Wort, dass ihr Vater zusammenzuckte. »Dieser schreckliche Mann will den Schutzhof schließen!« Tränen strömten über Emmas Wangen. »Alle Tiere müssen eingeschläfert werden, weil niemand sie haben will! Sie sind zu alt und zu hässlich und können nicht mehr arbeiten! Wartet nur, bis ihr selbst alt und hässlich seid und niemand euch mehr will und ihr nicht mehr arbeiten könnt! Ich hasse Eric Schuhmacher und diesen Kunstheini! Ich hoffe wirklich, dass am Samstag etwas Schreckliches passiert, das den ganzen elenden Eröffnungsabend verdirbt! Ich hoffe, irgendjemand fällt tot um, und alle geben dem Koch die Schuld!«

 KAPITEL 2 

»Hätten Sie einen Augenblick Zeit, Sir?«

»Ist es dringend?« Chief Inspector Markby ging weiter auf die Treppe zu, die in sein Büro führte.

Woman Police Constable Jones blieb hartnäckig. »Ja, Sir. Ich denke, das ist es.«

Markby blieb stehen. WPC Jones war eine Beamtin, vor deren Urteilsvermögen Markby einen gesunden Respekt empfand. »Also gut, schießen Sie los. Aber machen Sie’s kurz.«

»Er ist zurück, Sir«, sagte Jones ruhig. »Der Scheißkerl, der sich letztes Jahr vor den Schulen herumgedrückt und die Kinder angesprochen hat.«

»Oh, ist er das?«, erwiderte Markby grimmig. »Ja, Sie haben Recht, Jones. Es ist wichtig.«

Die Protokollbücher der meisten Polizeireviere waren voll mit Perversen jeder Couleur; mehr oder weniger wöchentlich wurden neue vorgeladen oder zum Gegenstand polizeilicher Ermittlungen. Angefangen bei entsprechenden Tagträumern, Exhibitionisten und obszönen Anrufern – teils mitleiderregend, teils offen geistesgestört – bis hin zu ausgemachten Hardcore-Zirkeln von widerlicher Lasterhaftigkeit.

Die gefährlichsten von allen waren diejenigen, die Kindern auflauerten. Oft hielten sie sich schon eine ganze Weile in einer Gegend auf, bevor irgendjemand ihre Aktivitäten meldete. Sie waren diejenigen, die sich vor Schulen und Spielplätzen herumtrieben und nach Kindern Ausschau hielten, die allein waren. Oder mit ihren Wagen durch die Straßen streiften und Kindern anboten, sie ein Stück mitzunehmen, manchmal sogar versuchten, sie in ihr Fahrzeug zu zerren. Sie waren der Albtraum eines jeden Polizisten. Nur zu häufig endeten derartige Vorfälle mit dem Leichnam eines missbrauchten kleinen Kindes und einer zerstörten Familie.

Im vergangenen Jahr hatten besorgte Eltern berichtet, dass sich ein Mann in der Nähe von Schuleingängen herumtrieb oder Kinder auf Spielplätzen beobachtete. Keiner von der Sorte, die im Wagen herumfuhren. Dieser hier war zu Fuß unterwegs und wurde als schmuddelig beschrieben. Er war Ende vierzig, mit dünner werdendem Haar, und er trug eine navyblaue Bomberjacke mit roten und weißen Streifen auf dem Ärmel sowie Jeans. Zweimal hatten Zeugen ihn mit einem alten Proviantbeutel von der Art gesehen, wie man sie in Militarialäden kaufen konnte, und die Schlussfolgerung all dessen war, dass er wohl im Freien schlief.

Trotz einer eifrigen Suche im Anschluss an die zu Protokoll gegebenen Beobachtungen hatten sie ihn nicht finden können. Offensichtlich hatten sie ihn verschreckt, und er wurde eine ganze Weile nicht mehr gesehen. Seine Beschreibung wurde an die benachbarten Reviere weitergegeben, und eigentlich waren alle davon ausgegangen, dass er sich in Bamford nicht mehr sehen lassen würde. Scheinbar hatten sie sich getäuscht.

»Der Direktor der King-Charles-Schule hat deswegen angerufen.« Jones hielt einen Notizblock hoch. »Er glaubt, es handelt sich um den gleichen Mann. Er trägt noch immer diese Bomberjacke mit den Streifen, und er ist noch schmutziger. Und er trägt inzwischen eine Kappe. Er hat ein paar Kinder angesprochen – die alte Geschichte, ob sie Lust hätten, ein paar Hundewelpen anzusehen, doch dann tauchte eine der Mütter auf, und er ist davongerannt. Die Mutter, eine Mrs. Mayhew, hat einem Lehrer in der Schule davon erzählt. Und …«

Jones blätterte in ihrem Notizblock eine Seite weiter. »… und einer der einheimischen Farmer hat diesen Morgen angerufen und gemeldet, dass er einen primitiven Unterschlupf auf seinem Land gefunden hat, eine Art Versteck. Irgendjemand hat erst vor ganz kurzer Zeit dort gehaust. Er hätte sich eigentlich nicht weiter darum gekümmert – eine Menge Leute wandern durch das Land und schlafen im Freien. Aber dann kam ein Bettler zur Farm, und die Frau des Farmers hatte ein merkwürdiges Gefühl. Der Bursche gefiel ihr nicht, und sie denkt, dass er in Wirklichkeit nur nachsehen wollte, ob es etwas zu stehlen gab. Und jetzt kommt’s. Sie hat ihn als Burschen mittleren Alters beschrieben, unrasiert und mit einer sehr schmutzigen navyblauen Bomberjacke mit Streifen auf den Ärmeln. Klingt ganz danach, als wäre es haargenau unser Mann, Sir.«

»Verdammt!«, schimpfte Markby mit Nachdruck. »Also schön. Sämtliche Beamten im Streifendienst sollen nach ihm Ausschau halten und alles melden, was ihnen wichtig erscheint. Sie werden alles koordinieren, Jones. Sagen Sie Sergeant Harris, dass ich zum Unterrichtsschluss vor jeder Grundschule einen Beamten stehen haben möchte. Außerdem starten wir am besten wieder unsere Übung. Einer unserer Beamten geht in den Unterricht, spricht mit den Kindern und warnt sie vor Fremden. Zudem möchte ich, dass einer zur Farm hinausfährt und einen Blick auf diesen Unterschlupf oder was auch immer wirft. Rufen Sie die umliegenden Farmen an und bitten Sie die Leute, die Augen offen zu halten. Und setzen Sie sich mit dem Hauptquartier in Verbindung. Sie sollen sämtliche bekannten Sexualstraftäter überprüfen. Vielleicht war einer, auf den die Beschreibung passt, irgendwo anders in der Gegend aktiv.«

»Ich hoffe nur, wir erwischen das Schwein diesmal«, murmelte Jones. »Eine Schande, dass er uns beim letzten Mal entwischen konnte.«

»Solange wir ihn kriegen, bevor er wirkliche Probleme macht. Auf der anderen Seite möchte ich nicht, dass wir ihn diesmal wieder aus dem Distrikt verscheuchen wie beim letzten Mal. Diesmal will ich ihn haben.«

Markby sprintete die Treppe hinauf und platzte in sein Büro, wo Sergeant Pearce die Fußballseiten der Lokalzeitung las.

»Haben Sie nichts zu tun?«, erkundigte sich Markby freundlich.

Pearce sprang von seinem Stuhl auf und faltete hastig das Boulevardblatt zusammen. »Nein, Sir … nun ja, im Augenblick ist es ein wenig ruhig.«

»Hoffen wir, dass es so bleibt, wie? Ich habe gerade unten mit Jones gesprochen, und sie hat mir erzählt, dass unser Kinderschänder wieder in der Gegend ist. Also wird es vermutlich wieder einmal nichts mit einem ruhigen Wochenende.« Markby ging zum Fenster und blickte in den Himmel.

»Wollten Sie im Garten arbeiten, Sir?«

»Nein, ich gehe zur Eröffnung des Springwood-Hall-Hotels. In Schmuck und Schale.«

»Ich wünschte, ich könnte auch dorthin«, sagte Pearce wehmütig.

»Offen gestanden fühle ich mich in dieser Umgebung nicht besonders wohl. Ich bin Schuhmacher vorletzte Woche in der Stadt zufällig über den Weg gelaufen. Wir haben uns vor ein paar Jahren flüchtig kennen gelernt, und ich dachte eigentlich, dass er mich längst vergessen hätte; ich hätte ihn jedenfalls nicht daran erinnert. Aber er hat mich begrüßt wie einen verlorenen Bruder und mir zwei Einladungen zu seiner Eröffnungsfeier in die Hand gedrückt.«

»Zwei …« murmelte Pearce.

»Eine für mich und eine für die Dame meiner Wahl, Pearce. Und ganz gleich, wie sehr ich meine Fantasie auch anstrenge, das sind Sie nicht.«

»Nein, Sir.« Pearce grinste. »Also kommt die Lady aus dem Foreign Office, Mrs. Mitchell, für diese Fete aus London?«

»Genau das.«

Um die Wahrheit zu sagen, verspürte Markby ein schlechtes Gewissen. Er war am Telefon nicht ganz offen zu Meredith gewesen. Die Einladung zur Eröffnungsfeier des Springwood-Hall-Hotels war noch der leichtere Teil gewesen. Es war das andere Problem, das ihm auf dem Magen lag, und es war nicht leicht, am Telefon darüber zu sprechen. Er würde mit ihr reden, wenn sie angekommen war. Aber nicht am Samstag. Am Samstag würden sie essen und trinken und sich amüsieren, alles auf Erics Kosten. Nein, am Sonntag. Wenn der Trubel sich gelegt hatte – und falls seine Polizeiarbeit es ihm ermöglichte, wie immer.

Pearce ließ nicht locker. »Ich habe gehört, das alte Herrenhaus soll nicht mehr wiederzuerkennen sein!«, sagte er.

»Schuhmacher hatte einen Kunsthistoriker als Berater, diesen Merle. Er hatte sogar eine eigene Fernsehserie, auf Kanal 4, vielleicht kennen Sie sie?«

»Ich sehe nicht oft Kanal 4«, gestand Pearce. »Aber ich weiß noch, wie das Herrenhaus früher ausgesehen hat. Wie aus Hammers Haus des Horrors kam es mir immer vor. All diese Türme und Steinköpfe.« Er runzelte die Stirn. »Ich glaube, ich habe im Lokalblatt etwas darüber gelesen. Die Veränderungen, meine ich. Eine einheimische Gesellschaft veranstaltet ein Theater …«

»Die Gesellschaft zur Bewahrung des Historischen Bamford«, half Markby ihm.

»Ich hätte nie gedacht, dass Bamford historisch ist«, sagte Pearce.

Nun, das ist es auch nicht, dachte Markby. Jedenfalls nicht auf den ersten Blick. Es war nicht auf den Touristenkarten verzeichnet, und dafür war er dankbar. Doch Bamford besaß eine ganze Reihe alter Gebäude, und die Hauptstraße war richtiggehend malerisch, sofern man die modernen Schaufensterfronten ignorierte und den Blick nur auf die oberen Stockwerke der Häuser aus der Zeit von Königin Anne gerichtet ließ. Markby mochte Bamford. Das war auch der Grund, aus dem er sich bisher standhaft geweigert hatte, sich versetzen zu lassen, auch wenn Dienstalter und Rang ihn für ein größeres und abwechslungsreicheres Revier qualifizierten.

Genau darin liegt das Problem … Das war es, was Markby mit Meredith besprechen wollte, und er war gespannt, was sie dazu sagen würde.

Viele Leute hätten Meredith als Karrierefrau bezeichnet, doch sie wusste die wirklich wichtigen, wenn auch kleinen Dinge des Lebens immer noch zu schätzen, Dinge, die die persönliche Befriedigung in einem Beruf ausmachten. Meredith gehörte zu den seltenen Menschen, die sowohl sensitiv als auch sensibel waren, und sie wusste, wie Markby über Bamford dachte. Er wünschte, auch sie würde so über seine kleine, stille Stadt auf dem Land denken und hierher zurückziehen, um in Bamford zu leben. Vermutlich gab es keine Möglichkeit, sie aus ihrer Wohnung in London zurückzuholen. Sie war schließlich erheblich bequemer für Meredith, die jeden Tag nach Whitehall zur Arbeit musste.

Es belastete Markby, dass sie ihn von seiner vertrauten Stelle in Bamford abziehen und mit einer gebührenden Beförderung in irgendein größeres, geschäftigeres Revier katapulieren wollten, und vielleicht landete er irgendwann sogar im berühmten Hauptquartier. Er hatte seine Arbeit zu gut gemacht, und er hatte zu viele Dienstjahre auf dem Buckel. Höher und weiter, hieß es – nicht von ihm, von anderen. Markby leistete grimmigen Widerstand.

Es war alles streng geheim. Soweit er feststellen konnte, war nicht der leiseste Hinweis auf diese mögliche verheerende Umwälzung in seinem Leben nach außen gedrungen. Nirgendwo auf dem Bamforder Revier begrüßten ihn wissende Blicke, wenn er auftauchte. Soweit Markby feststellen konnte, ließ WPC Jones, ansonsten unermüdlich in solchen Dingen, noch nicht heimlich den Hut herumgehen, um ein Abschiedsgeschenk für ihn zu organisieren. Pearce, der verstohlen wieder in seine Sportseiten schielte, blickte trügerisch unschuldig drein und ein wenig dümmlich dazu … eine Schande, weil Pearce ein außerordentlich intelligenter junger Mann war. Der leere Ausdruck, der sich so häufig über Pearces Gesichtszüge legte, hatte jedoch auch seine nützliche Seite. Pearce hatte in der Vergangenheit mehr als einmal ahnungslose Schurken zu fataler Vertrauensseligkeit verführt. Pearce strebte nach seiner Beförderung. Und Pearce würde ganz ohne Zweifel schon bald befördert werden. Aber Markby gefiel, was er war: Chief Inspector der Kriminalpolizei und Leiter seiner eigenen kleinen Abteilung in dieser alten, unromantischen, ländlichen Stadt. Markby wollte keine Veränderung. Jedenfalls nicht in diesem Bereich seines Lebens.

Die einzige Veränderung, die er sich wirklich herbeiwünschte, betraf seine Beziehung zu Meredith, doch diese stand wiederum nicht zur Debatte. Murphys Gesetz war einmal mehr bei der Arbeit.

»Ich fand diesen alten Kasten immer schrecklich gespenstisch«, sagte Pearce. »Die Art von Haus, wo man jederzeit damit rechnet, dass einem eine Leiche entgegenfällt, wenn man einen Schrank öffnet.«

Markby drehte sich vom Fenster weg und fixierte Pearce mit stählernem Blick. »Danke sehr. Das ist das Letzte, was ich mir wünsche, insbesondere, wenn ich angezogen wie ein Pinguin mit dem Glas in der Hand daneben stehe.«

»Es wird bestimmt eine ausgezeichnete Fete«, sagte Pearce, der zwar nie die Gesellschaftskolumnen las, aber die Vorzeichen für eine gute Feier zu deuten wusste.

»Ja. Wahrscheinlich ein Abend, an den man sich ewig zurückerinnert.« »Denis, Darling?«

Der Mann, der vollkommen in sich versunken und mit gerunzelter Stirn über dem Textverarbeitungssystem saß, blickte auf, blinzelte und identifizierte nach einer spürbaren Zeitspanne seine Frau. »Entschuldige, Leah, ich habe dich nicht hereinkommen gehört.«

»Wie kommst du mit deinem neuen Spielzeug zurecht?« Leah Fulton beugte sich herab und gab ihrem Mann einen leichten Kuss auf die Stirn.

Er streckte die Hand aus und tätschelte geistesabwesend ihr Hinterteil. »Das verdammte Ding stürzt ständig ab. Ich weiß nicht, was ich falsch mache. Ich habe das Handbuch zum x-ten Mal gelesen, aber es scheint von einer dieser verdammten Maschinen geschrieben zu sein. Man braucht einen Chiffrierspezialisten vom MI5, um auch nur ein Wort zu verstehen. Ich lese einen Absatz mit Anweisungen, und ich denke, ich habe alles verstanden. Dann lese ich ihn erneut, und mir kommt alles spanisch vor, ich begreife nicht ein Wort. Ich weiß überhaupt nicht, warum ich diesen verdammten Apparat gekauft habe! Ich kam prima zurecht mit meiner altmodischen Schreibmaschine!«

»Dein Steuerberater hat sie dir empfohlen, Süßer. Ich wünschte, ich könnte dir helfen, aber ich habe selbst keine Ahnung von diesen Dingern. Du wirst dich schon daran gewöhnen.«

»Das bezweifle ich!« Denis stand auf und stieß dabei seinen Stuhl zurück. »Jedes fünfjährige Kind in diesem Land kann heutzutage mit einem Computer umgehen, aber ich bin offensichtlich viel zu alt, um es noch zu lernen! Ich könnte einen Drink gebrauchen. Du wahrscheinlich auch, nicht wahr? Wie war das Essen mit Elizabeth?«

Er musterte seine Frau mit einem Seitenblick. Sie wirkte entspannt und glücklich, während sie mit den Papieren auf seinem Schreibtisch hantierte und sie zurechtrückte. Seine gewohnheitsmäßige Unordnung war ihr ein Gräuel. Leah war eine ordentliche Seele, und sie war nicht schlecht darin, andere Menschen zu organisieren. Warum sah sie so verdammt zufrieden mit dem Leben aus? Andererseits: Warum nicht? Aber was hatte dieses ständige schwache Lächeln um ihre Mundwinkel zu bedeuten? War es überhaupt ein Lächeln? Oder bildete er sich alles nur ein? Um Gottes willen, die arme Frau durfte doch wohl noch lächeln, oder vielleicht nicht? Was für ein Monster von Ehemann war er nur?

Er wartete auf ihre Antwort, während er seine unwürdigen Verdächtigungen verdrängte und sich bemühte, unbekümmert dreinzublicken, in der Hoffnung, völlig normal zu klingen.

»Das Essen war in Ordnung, und Lizzie war … Lizzie eben. Ich liebe sie, natürlich, aber selbst als kleines Mädchen war sie nicht die Sorte Tochter, die sich großartig hätte bemuttern lassen. Und jetzt … ich sehe sie an und denke, ist es möglich, dass sie erst neunzehn ist? Sie sieht aus wie eine Frau von dreißig, spricht wie eine von vierzig, und offen gestanden, sie macht mir Angst! Aber die Pflicht ist getan, und wir haben wieder einen Monat Zeit, in dem wir uns nicht sehen müssen.«

Während sie sprach, führte sie ihren Mann aus dem Arbeitszimmer und in Richtung Salon. Denis folgte ihr und warf einen verstohlenen Blick in den Spiegel. Er zog seine Krawatte zurecht. Leah war, wie üblich, von Kopf bis Fuß makellos gekleidet und frisiert. Wahrscheinlich hatte es dem verstorbenen Marcus Keller so gefallen. Wo immer er auch jetzt sein mochte, sein Schatten wachte unheilvoll über seiner einstigen Gattin und ihrem neuen Gemahl und wartete darauf, dass ihre Persönlichkeit langsam zerfiel – sicher lediglich eine Frage der Zeit, seit er sich nicht mehr um sie kümmern konnte und alles einem Vollidioten wie Denis überlassen blieb.

Dass Leah ihn geheiratet hatte, obwohl sie wahrscheinlich jeden hätte haben können, blieb nicht nur für Denis eines der unlösbaren Geheimnisse des Lebens, sondern auch für all ihre gemeinsamen Bekannten.

Manchmal – genau genommen ein Dutzend Mal am Tag – fragte sich Denis, warum Leah ihn überhaupt geheiratet hatte. Geld war ausgeschlossen – davon hatte sie mehr als genug. Oder besser gesagt, sie verfügte über einen großen Teil von Marcus Kellers Geld. Mehr als Denis besaß oder jemals besitzen würde. Seine Arbeit brachte nicht so viel ein, wie manche Leute vielleicht glauben mochten. Der verstorbene Mr. Keller zahlte aus dem Jenseits immer noch die Haushaltsrechnungen.

Denis war auch nicht jung (zweiundfünfzig) oder attraktiv (sein Haar wurde dünner, und um die Taille hatte er einen Rettungsring angesetzt) beziehungsweise in irgendeiner anderen Hinsicht einzigartig. Schön und gut, er hatte bescheidene Erfolge mit dem, was er tat, nämlich über Essen und Trinken schreiben, und die entsprechende Fernsehserie hatte seinen Namen zu einem Begriff gemacht. Doch es war nicht gerade die Art von Beruf, der Denis’ Meinung nach das Interesse der Witwe eines Multimillionärs weckte, der zu seinen Lebzeiten die Finanzwelt dominiert hatte und dessen Porträt noch immer die Vorstandszimmer fast der Hälfte aller Finanzinstitute der Stadt zierte, soweit Denis es beurteilen konnte.

Sie waren im Salon angekommen. Es war Leahs Haus, und all die wunderschönen Möbel hatte sie ausgesucht und mit Marcus Kellers Geld bezahlt. Alles war nach Leahs Geschmack eingerichtet. Sie hatte eine Vorliebe für Perlgrau, rauchiges Blau und lachsfarbenes Rosé. Denis liebte eher den starken Kontrast, Schwarz und Weiß, dazu Scharlachrot und tropisch üppiges Grün, empfand die gedämpften Farben als erdrückend und einschläfernd. Er konnte sich einfach nicht daran gewöhnen und fühlte sich häufig wie ein Untermieter in einer hochklassig möblierten Wohnung. Schlimmer noch, inmitten der malvenfarbenen und vergoldeten Rokokomöbel ihres ehelichen Schlafzimmers kam er sich manchmal vor, als hätte er sich in ein Oberklassenbordell verlaufen, das er sich niemals leisten konnte.

Leah hatte sich in einem Sessel niedergelassen und die wunderschönen Beine übereinander geschlagen. Sie warf das lange, kastanienbraun glänzende Haar zurück und sagte schmeichlerisch: »Ich nehme G und T, Schatz.«

Denis war schließlich der Experte für Alkohol, und er mixte stets ihre Drinks. Jetzt ging er zum Barschrank und wünschte sich nicht zum ersten Mal, er würde sich mehr wie ein Mann fühlen, der sich in seinem eigenen Heim entspannte, und nicht wie ein Keeper hinter einem Tresen. Es war nicht Leahs Schuld. Es war eine verdammt dämliche Neurose, an der er litt. Um es ganz offen zu sagen: Er konnte es einfach nicht fassen, Leah eingefangen zu haben – und mit ihr all die Millionen Kellers. Er befürchtete ständig, aufzuwachen und festzustellen, dass Leah – und mit ihr alles andere – verschwunden wäre. Oder irgendetwas könnte geschehen, das alles zerstörte. Vielleicht stand es kurz bevor … oder war schon passiert. Gott, er fühlte sich so verdammt schuldig.

»Denis? Du bist ja schon wieder geistesabwesend!« Leah gab ein reizvoll glucksendes Lachen von sich.

»Äh, ’tschuldige … der erste Drink ist fertig.«

Er durchquerte den Raum und reichte ihr das Glas, dann kehrte er zurück und goss sich einen Scotch aus. Als er ihr gegenüber Platz genommen hatte, den Tumbler in beiden Händen, und sich eine Zigarette herbeiwünschte (er hatte das Rauchen vor sechs Monaten aufgegeben, bei seiner Hochzeit mit Leah), sagte sie: »Machst du dir wegen irgendetwas Sorgen, Denis? Ich meine, abgesehen von dem schrecklichen Textverarbeitungssystem?«

»Nein … Warum, sehe ich so aus?«

»Offen gestanden – ja. Und du hast angefangen, im Schlaf zu reden …«

»Entschuldige …«

»Und du entschuldigst dich andauernd bei mir, und das macht mich nervös.«

»Entschul … Ich meine, das war mir nicht bewusst.«

»Hat es mit der Eröffnungsparty von Eric Schuhmachers neuem Hotel zu tun?«

Denis verschüttete seinen Scotch. Er zog ein Taschentuch hervor und rieb damit über die feuchte Stelle am Knie. »O Gott, nein, warum sollte es? Ich meine, die Sache ist doch einfach. Eric möchte, dass ich ihm eine gute Kritik schreibe, und wenn nicht irgendetwas wirklich Schreckliches passiert, werde ich das auch tun.« Er verstummte und kaute auf der Lippe. Etwas wirklich Schreckliches … für wen? Für Eric?

»Denis …« Inzwischen klang Leah weniger besorgt als verärgert. »Also wirklich, du musst zu einem Arzt!«

»Warum denn das?«, entgegnete er trotzig.

»Weil du ein nervöses Wrack bist!« Leah hielt inne. »Es hat doch wohl nichts mit mir zu tun?«

»Nein!« Er schrie das Wort fast heraus.

»Ich vergesse immer wieder, dass du zum ersten Mal verheiratet bist. Ich bin schon daran gewöhnt. Zuerst Bernie, dann Marcus und jetzt du. Aber für dich … du musst dich fühlen, als wäre jemand in dein Leben eingedrungen.«

»Ich bin sehr glücklich!« Denis beugte sich vor und umklammerte den Tumbler. »Ich schwöre, Leah, ich war in meinem ganzen Leben noch nicht so glücklich.«

»Nun, dann lass dir um Himmels willen etwas davon anmerken! Oder sag es! Das eine oder das andere – vorzugsweise beides!«

»Es ist nur … ich bin nicht wie Bernie oder Marcus. Ich bin kein Finanzmagier, kein Ellbogenmensch, und ich bin kein Genie mit messerscharfem Verstand, bei dessen Annäherung gewöhnliche Sterbliche erzittern. Ich bin ein kleiner Schreiberling, der nicht einmal seinen eigenen Computer beherrscht, und ich fühle mich …«

Leah sprang auf und kam zu ihm herüber. Sie legte die Hände auf seine Schultern und beugte sich zu ihm herunter. Ihr langes kastanienfarbenes Haar berührte seine Wange, und sie küsste ihn. Ihr Parfum stieg in seine Nase, und die Wärme ihres Körpers sickerte in seine Haut. Er spürte, wie er von Kopf bis Fuß erbebte, wie immer, wenn sie ihn so berührte. Er stellte das Glas ab und packte sie, um sie auf seinen Schoß zu ziehen.

»Ich liebe dich«, flüsterte sie und schlang die Arme um seinen Hals.

»Und ich liebe dich auch, Leah«, antwortete er verzweifelt. »Ich liebe dich so sehr, dass es wehtut.«

»Margery?« Ellen Bryant hielt vor einer Schauvitrine inne und ordnete einen Stapel teurer Angorawolle. »Ich mache am Samstag frei. Du kommst allein im Laden zurecht, nicht wahr? Bei diesem heißen Wetter ist sowieso nicht viel los. Keiner sitzt zu Hause herum und strickt, wenn die Sonne vom Himmel brennt.«

›Needles‹ lautete der Name des Geschäfts, das Ellen auf der Bamforder Hauptstraße betrieb. Sie verkaufte Wolle und Strickzubehör für Hobby und Beruf, und Ellen führte nur das Beste in ihrem Sortiment. Nichts, was es hier zu kaufen gab, war billig, doch die Menschen kamen aus weitem Umkreis her, um Wolle und all die anderen tausend Kleinigkeiten zu kaufen, die man zum Stricken brauchte.

Ellen blickte sich selbstzufrieden in ihrem Laden um, einem wunderbaren Schatzkästlein, das in den juwelengleichen Farben der verschiedensten Woll- und Seidengarne glänzte. Direkt vor ihr stand ein spezieller Schaukasten mit Farben in Malve und Pink, auf den sie besonders stolz war. Ellen war geschickt darin, die Dinge von ihrer besten Seite zu zeigen. Und sie wusste, wie sie ihre eigenen natürlichen Vorzüge am vorteilhaftesten zur Geltung brachte. Ohne bewusst darüber nachzudenken, straffte sie ihren Pullover und schob die Ärmel hoch. Ihre Armreifen klimperten melodisch.

»Oh, sicher, Ellen«, sagte Margery Collins hastig. Sie schob eine widerspenstige Locke aus dem Gesicht und blickte ihre Arbeitgeberin eifrig durch ihre große runde Brille mit dem Stahlrahmen an.

Die unverhohlene Heldenverehrung in Margerys braunen Augen hätte die meisten Menschen verlegen gemacht, doch Ellen akzeptierte sie üblicherweise mit stiller Belustigung und, offen gestanden, als vollkommen gerechtfertigt. Margery war eine richtige graue Maus, aber sie besaß wenigstens genügend Verstand, um es zu erkennen. Ganz im Gegensatz zu Hope Mapple; was für eine fürchterliche Frau sie war! Hopes Reaktion auf Ellen war von Anfang an nackte Eifersucht gewesen. Was auch nicht anders zu erwarten gewesen war, dachte Ellen gleichmütig. Doch irgendetwas an Margerys Bewunderung irritierte sie in diesem Augenblick.

»Sperr einfach ab wie üblich – und wir sehen uns am Montagmorgen wieder«, entgegnete sie daher ein wenig schroff.

»Ganz recht«, hauchte Margery und fügte mutig hinzu: »Ich hoffe, Sie amüsieren sich gut – wohin auch immer Sie gehen.«

»Das bezweifle ich!«, antwortete Ellen brüsk, und die arme kleine Margery wirkte erschrocken angesichts ihrer Kühnheit, überhaupt etwas gesagt zu haben.

Ellen wohnte über dem Geschäft. Es war eine komfortable Wohnung, und als sie die Tür aufschloss, blickte sie sich mit dem gleichen zufriedenen Gefühl um, das sie auch in ihrem Laden empfand. Sie dachte an ihr großes Glück, während sie die Wendeltreppe nach oben stieg. Das Gebäude war ungewöhnlich für diese Gegend, in der fast alle Häuser aus Stein erbaut waren. Es war ein aus Holz errichtetes Fachwerkhaus, schwarz und weiß, mit einem vorspringenden Obergeschoss, getragen von in Kopfform geschnitzten Sattelhölzern, die den Passanten Fratzen schnitten. In Bamford war es unter dem Namen »Tudor-Haus« berühmt und, abgesehen von der Bamforder Kirche, das älteste Gebäude, das in seiner annähernd ursprünglichen Form und Gestalt überlebt hatte. Sein Aussehen half sicherlich mit, Kundschaft in den Laden zu locken.

Ellen verdiente gutes Geld mit ›Needles‹, und sie zahlte Margery keinen allzu großzügigen Lohn. Ganz ehrlich, niemand außer ihr hätte Margery überhaupt eingestellt, so unansehnlich war sie und ohne jegliche Interessen außer dem Laden und ihrer ultra-strenggläubigen religiösen Sekte, zu deren Veranstaltungen sie jeden Sonntag ging. Ellen wusste, dass sie ihre Gehilfin ausbeutete und schikanierte, doch sie beruhigte ihr Gewissen damit, dass sie alles eines Tages gegenüber Margery wieder gutmachen würde. Nicht, dass Margie etwas geahnt hätte. Es würde eine große Überraschung werden. Aber bis dahin war es noch eine ganze Weile. Hoffentlich!, dachte Ellen, während sie die Tür ihres Wohnzimmers hinter sich schloss.

Sie verdrängte jeden Gedanken an Margery Collins. Es gab weiß Gott andere Dinge, über die sie nachdenken musste. Denn Ellen war keinesfalls so zufrieden mit ihrem Leben, wie es nach außen hin scheinen mochte oder wie es noch vor einem Jahr der Fall gewesen war. Unzufriedenheit hatte sich eingeschlichen, ein winziger Wurm in der Mitte des Apfels, der an ihrem geistigen Frieden nagte. Ellen war keine Frau, die die Hände tatenlos in den Schoß legte, und so hatte sie etwas dagegen unternommen … damals fest überzeugt, dass es gut und richtig war und ihr zustand. Doch dann war nicht alles so gelaufen, wie sie sich das vorgestellt hatte. Vielleicht hätte sie die Dinge besser planen müssen. Die ganze Angelegenheit hatte sich zu einem verdammten Ärgernis entwickelt. So sehr, dass sie sich wünschte, niemals damit angefangen zu haben. Und dann war da noch Hope und ihre dämliche Entschlossenheit, bei der Eröffnung von Springwood Hall eine Szene zu machen. Doch Ellen würde trotzdem an jenem Samstag dort sein. Auch wenn sie ihre eigenen Gründe dafür hatte und diese Gründe nicht das Geringste mit der Errettung alter Mausoleen zu tun hatten.

Sie nahm den Umschlag von der Briefablage auf dem Schreibtisch und zog das dünne Blatt Papier hervor. Sie hatte den Brief so häufig gelesen, dass das Papier bereits angeschmuddelt war. Die Maschine geschriebene Nachricht war unangenehm direkt, und sie war nicht unterzeichnet.

»Wir besprechen das besser persönlich«, stand dort. »Sicherlich ergibt sich am Samstag eine Gelegenheit im SH. Ich erwarte Sie dort und lasse Sie wissen, wenn die Möglichkeit einer privaten Unterhaltung gekommen ist. Ich gehe davon aus, Sie dort zu treffen. Ich denke wirklich, Sie sollten diese Gelegenheit nicht versäumen.«

Der Tonfall war eine Mischung aus Zwanglosigkeit und Befehlston. »Was für eine Frechheit!«, murmelte sie zum wiederholten Mal. »Mich in diesem Ton zu einem Treffen zu bestellen!«

Immerhin war der Schreiber offensichtlich darauf bedacht gewesen, zumindest den Anschein von Höflichkeit aufrechtzuerhalten. Trotzdem war Ellen nicht gewohnt, dass andere Menschen in diesem Tonfall mit ihr redeten. Sie achtete immer darauf, dass sie es war, die den Ton angab, und sie war stolz darauf. Die Tatsache, überhaupt auf Gegenwehr zu stoßen, bedeutete einen richtiggehenden Schock für sie – nicht, dass sie damit nicht klargekommen wäre.

»Ich gehe hin«, murmelte Ellen. »Warum nicht?« Sie zerknüllte den Brief in den Händen und warf ihn achtlos in den Papierkorb in der Ecke. Er prallte vom Rand ab und rollte unbemerkt unter das Element, in dem ihre Musikanlage stand.

»Ich habe keine Angst, von Angesicht zu Angesicht darüber zu reden! Schließlich bin ich es, die sämtliche Trümpfe in der Hand hält!«

 KAPITEL 3 

Meredith Mitchell verlagerte ihr Gewicht vorsichtig von einem Fuß auf den anderen. Möglicherweise war es nicht so klug gewesen, Stöckelabsätze für eine Stehparty auf dem Rasen anzuziehen. Wohin auch immer sie ging, sie hinterließ eine Spur von kleinen Löchern in der weichen Nabe. Nicht, dass sie die Veranstaltung nicht genoss, im Gegenteil – bisher hatte ihr der Tag sogar ausgesprochen gut gefallen. Sie hoffte, dass Alan genauso empfand, auch wenn er hin und wieder ein wenig abgelenkt wirkte, als beschäftigte ihn irgendetwas. Ohne Zweifel würde er mit ihr darüber sprechen, sobald er dazu bereit war. Es war einer der großen Vorzüge ihrer Beziehung, dass sie die notwendige Privatsphäre des anderen respektierten.

Sie hob das Gesicht und ließ die letzten wärmenden Strahlen der spätnachmittäglichen Sonne darauf spielen, während die sanfte Brise ihr durch die Haare fuhr. Vor ihren Augen leuchteten die honigfarbenen Steine von Springwood Hall im sanften Licht, und in seiner Umgebung aus gepflegten Rasenanlagen und geschnittenen Hecken sah das Herrenhaus nahezu perfekt aus. Sie hob ihr Glas in Richtung des alten Hauses und sagte laut »Cheers!«

»Ich will mich einfach nur irgendwo setzen«, sagte Laura Danby.

Sie waren von einem stolzen und unermüdlichen Eric Schuhmacher durch die gesamte Anlage geführt worden. Sie hatten Schränke geöffnet und Farbkombinationen bewundert. Sie hatten die Sauna besichtigt und den Swimmingpool in der ehemaligen Remise, sie waren in einer artigen Zweierreihe durch die Küche gewandert, wo das Personal in makellosen Jacken, Hüten und Schürzen gestanden und begierig darauf gewartet hatte, seine unterbrochene Arbeit fortzusetzen. Sie waren unter ehrfürchtigen Ausrufen in den Weinkeller geleitet worden – ehrlich gesagt hatte Meredith diesen Teil weniger genossen. Es war zu kühl gewesen für ihren Geschmack.

Hinterher wurde Tee serviert. Und anschließend hatten sich alle in die verschiedenen Zimmer zurückgezogen, die ihnen zur Verfügung gestellt worden waren, um ihre Abendgarderobe anzulegen. Und jetzt standen sie alle hier, hielten Gläser in den Händen und betrieben Konversation vor einer Szenerie aus alten Bäumen und Blumenbeeten, während ein verheißungsvolles Dinner für sie vorbereitet wurde.

»Es erinnert mich ein wenig an Glandebourne«, sagte sie. »All dieses Herumstehen im Garten, und dann die Abendgarderobe, viel zu früh für die Tageszeit. Das war ein Quartett, das dort drüben seine Instrumente hineingetragen hat, oder?«

»Eric lässt sich die Sache einiges kosten«, gestand Alan.

»Eine interessante Ansammlung von Leuten«, fuhr Meredith fort. »Dieser vornehme Gentleman dort ist Victor Merle. Ich kenne ihn, weil ich eine seiner Vorlesungen besucht habe. Ich konnte mich kurz mit ihm unterhalten, während wir herumgeführt wurden. Der kahl werdende Bursche dort mit dem Bauchansatz ist, wenn ich mich nicht irre, Denis Fulton. Er sieht aus, als hätte er ein paar Feinschmeckermahlzeiten zu viel gegessen.«

»Er hat Pauls Rezept geklaut«, sagte Laura energisch.

»Fang doch nicht schon wieder damit an«, sagte Paul müde. »Er hat es nicht gestohlen, sondern ausgeliehen. Und er hat mich vorher angeschrieben und um meine Erlaubnis gebeten, was er nicht gemusst hätte. Ich habe seinen Brief aufbewahrt, und wenn wir wieder zu Hause sind, hole ich ihn hervor und zeige ihn dir. Vielleicht hörst du dann endlich auf, darauf herumzureiten.«

»Sicher, er hat dich angeschrieben und gefragt, aber er wusste, dass du nicht nein sagen würdest. Nicht nein sagen konntest

»Ich finde Mrs. Fulton viel interessanter«, sagte Alan Markby und unterbrach damit den Beginn eines häuslichen Streits zwischen seiner Schwester und ihrem Mann. »Wie ich von Leuten höre, die die gesellschaftlichen Ereignisse verfolgen, soll sie die Witwe von Marcus Keller sein, dem Multimillionär. Eine bemerkenswerte Lady, findet ihr nicht auch?«

»Von Marcus Keller zu Denis Fulton!«, sagte Laura in einem Tonfall, dem deutlich zu entnehmen war, wie sehr Leah Keller bei der Sprecherin in Ungnade lag. »Dann muss Denis heutzutage ja wohl nicht mehr für sein Essen singen gehen. Meinetwegen, vielleicht ist er ja tatsächlich so ein furchtbar netter Bursche, wie Paul es beharrlich behauptet und ich es ebenso beharrlich bezweifle. Aber offen gestanden hätte ich nicht vermutet, dass er ihr Typ sein könnte.«

»Fragt man sich so was nicht bei jedem Paar?«, meinte ihr Bruder leise.

Meredith wusste, dass er sie dabei ansah und dass die Frage eigentlich ihr gegolten hatte, wandte sich ab und musterte die bezaubernde Mrs. Fulton, frühere Keller. Und hatte sie davor nicht noch einen ersten Mann gehabt? Meredith neigte dazu, sich von dieser Art gesellschaftlichem Geschwätz durcheinander bringen zu lassen, weil es sie im Grunde genommen herzlich wenig interessierte. Jedenfalls stand dort Leah Keller Fulton, schlank, elegant und so bezaubernd, dass sich jeder nach ihr umblickte.

Neben seiner hübschen Frau sah Denis Fulton nervös aus. Meredith konzentrierte sich auf Denis, und bald hatte sie Leah vergessen. Er wirkte unglücklich, ja gehetzt. Ob er sich Gedanken machte, was er in seinem Artikel schreiben sollte? Er bemühte sich nach Kräften, so zu tun, als wäre alles in bester Ordnung, doch er war kein guter Schauspieler.

Leah Fulton bewegte sich von der Gruppe weg, in der sie mit ihrem Mann gestanden hatte, und ging zur anderen Seite des Rasens, wo Victor Merle sie begrüßte. Meredith sah, wie der Kunsthistoriker seinen von einer silbernen Lockenmähne umrahmten Kopf verneigte, Leahs Hand nahm und sie kurz zu seinen Lippen hob. Um so etwas zu tun, brauchte ein Mann wirklichen Stil und Selbstsicherheit, und Merle besaß beides. Denis hingegen wirkte, als sei ihm genau in diesem Augenblick bewusst geworden, dass es ihm an beidem ermangelte. Zumindest erweckte er diesen Eindruck und blickte dementsprechend elend drein. Er scharrte mit den Füßen, rückte krampfhaft seine Smokingschleife zurecht, rieb heftig an seinem Jackenärmel, als sei dort plötzlich ein Fleck aufgetaucht, und warf abwechselnd seiner Frau immer wieder zweifelnde und Merle unheilvolle Blicke hinterher, als wäre er ihnen am liebsten nachgeschlichen, um jedes Wort zu belauschen, wenn er sich nur getraut hätte.

Schließlich entschuldigte er sich bei seinen Begleitern und ging davon, um sich zu einer anderen Gruppe von Gästen zu gesellen. Dabei warf er seiner Frau immer noch gelegentlich unglückliche Blicke hinterher. Meredith fragte sich, was ihn quälte. Es dauerte nicht lange, bis ein weiterer Wechsel der Gesprächspartner stattfand. Diesmal war es Merle selbst, der das kurze Stück Rasen überquerte und sich zu Merediths Gruppe gesellte.

»Das Haus ist nicht mehr wiederzuerkennen«, sagte Markby zu ihm. »Ich bin sehr beeindruckt von den Arbeiten, und ich habe gehört, dass Sie Erics Ratgeber für den gesamten Umbau gewesen sind? Dieses Haus war früher fast zu einer Ruine heruntergekommen.«

»Ja, und es ist auf seine Art ein hübsches altes Haus«, antwortete Merle in seiner leicht professionellen Art. So, wie er hier auf dem Rasen stand, mit einem Glas in der Hand, so hatte er sich auch im Vorlesungssaal voller Studenten verhalten, erinnerte sich Meredith. Obwohl er aus der Nähe betrachtet vielleicht noch imposanter wirkte. »Doch es ist keineswegs bedeutend«, fuhr der Kunsthistoriker fort. »Die Architektur ist ein Mischmasch aus modischen Stilen der damaligen Zeit, und der Architekt ist unbekannt. Vermutlich war es ein einheimischer Maurer, der sich ein wenig mit Entwürfen auskannte und in Büchern nach Ideen gesucht hat. Jedenfalls ist es schierer Blödsinn, diesen Bau als bedeutsame viktorianische Residenz zu betrachten und jeden Ziegelstein zu schützen und zu erhalten, wie es diese Gesellschaft zur Erhaltung des Historischen ...

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