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Merlin, Artus und die Ritter der Tafelrunde Band 1 Der Dreizehnte Ritter

Merlin, Artus und die Ritter der Tafelrunde Band 1 Der Dreizehnte Ritter

Tomos Forrest

Published by BEKKERpublishing, 2019.

Inhaltsverzeichnis

Title Page

Merlin, Artus und die Ritter der Tafelrunde | Band 1 | Der Dreizehnte Ritter | von Tomos Forrest | Fantasy-Roman

Klappentext:

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About the Publisher

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Klappentext:

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König Artus plagen schwere Sorgen, denn der Sachsenkönig Hilderich ist mit seinem Heer an der britannischen Küste gelandet und beginnt seinen Eroberungszug. Doch nicht genug mit diesem gefährlichen Feind – da ist auch noch die Fürstin der Finsternis, Morgana le Fay, die Halbschwester Artus’. Sie bringt mächtige Kräfte ins Spiel, um Artus zu besiegen, und Merlin, der alte Zauberer, muss alles aufbieten, um Morgana zu bändigen. Und schließlich sind da noch die kriegerischen Bergvölker, deren Rolle in dem neuen Konflikt nicht geklärt ist ...

***

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1.

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Der Hirsch sprang über den breiten Graben und hetzte durch das Unterholz, dass es nur so prasselte. Es war ein prächtiges Tier mit einem samtroten Fellkleid und einer nahezu perfekt weiß gefärbten Blume. Sechzehn Zacken wies sein Geweih auf, aber das war nicht der Grund, weshalb er gejagt wurde.

Die königliche Jagdgesellschaft war schon einige Stunden unterwegs und wenig erfolgreich gewesen. Ein paar Hasen, ein Reh, fünf Enten – das war für die Größe der Gruppe nicht gerade eine große Strecke. Dann trat der Hirsch aus dem Unterholz, groß, mächtig, edel – ein König seines Volkes. Und er stand genau König Artus gegenüber, sah ihm ins Gesicht, als fordere er ihn heraus. Artus war nicht in der Lage, schnell zu reagieren, denn dieser Blick schien ihn gefangen zu halten. Es mochten nur ein paar Wimpernschläge gewesen sein, aber dem König erschien es wie eine Ewigkeit. Endlich konnte er dem Bann entsagen, hob die Hand mit dem Bogen und zog die Sehne auf. Doch zu diesem Zeitpunkt war der Hirsch wieder verschwunden, wie er aufgetaucht war. Plötzlich war die Stelle, an der er eben noch gestanden hatte, leer.

„Niemand rührt mir den Hirsch an!“, rief Artus den anderen zu und spornte seinen Hengst Gráda an. Mit einem wilden Wiehern nahm das Tier die Verfolgung auf, schien sich selbst über diese Herausforderung zu freuen. Doch so sehr sich das edle Pferd auch anstrengte, der Abstand zwischen ihm und dem prächtigen Hirsch verringerte sich nicht. Artus stellte sich in den Steigbügeln auf, den gespannten Bogen in der Hand, und musste immer wieder einsehen, dass die Gelegenheit für einen sicheren Schuss einfach nicht vorhanden war.

Völlig unvermutet tauchte das Flussbett vor ihm auf, und nur einen Wimpernschlag lang zögerte der Hirsch. Das genügte seinem Jäger, zwei Pfeile in rascher Folge abzuschießen, die sich beide tief in sein Fleisch bohrten. Der erste traf ihn in den Hals, der zweite direkt auf dem Blatt, aber noch einmal schüttelte sich der prächtige Bursche, als wären es nur einfache Stiche eines lästigen Insektes. Gleich darauf spannte er seine Sehnen an und flog über einen breiten Graben vor dem eigentlichen Fluss, während der Verfolger dicht zu ihm aufschloss. Noch einmal flog ein Pfeil von der Sehne und traf seinen Hals, sodass ein Zittern durch das edle Tier lief. Noch ein paar Yards schleppte es sich weiter, dann brach es zum ersten Mal in die Knie ein.

Mit einem Jubelschrei überquerte auch der Rappe des Königs den breiten und mit Wasser gefüllten Graben, und endlich konnte er dem verendenden Tier die Lanze direkt ins Herz stoßen.

Röchelnd verendete es nach wenigen Schritten direkt auf der Lichtung. Der König riss die Arme hoch und stieß einen Triumphschrei aus. Den Mann mit dem Bogen zwischen den Kiefern sah er nicht, und als der Pfeil die Sehne verließ, schnellte ein dunkler Schatten nach vorn, und ein gewaltiger Lichtstrahl erhellte die Lichtung zwischen König Artus, dem Bogenschützen und seinem unerwarteten Retter. Kein menschliches Auge konnte wahrnehmen, was da gerade geschah. Der Pfeil aus dem Hinterhalt wurde im Flug von einem anderen in der Mitte getroffen und zerbrach in zwei unschädliche Hälften.

Für den König sah es vollkommen anders aus. Artus sah weder den Meuchelmörder zwischen den Bäumen, noch den Lichtstrahl seines Retters. Seine Augen wurden weit aufgerissen, als plötzlich etwas Schwarzes sich über ihn senkte, blitzschnell, so, als hätte jemand die Sonne verdunkelt und den König in ein schwarzes Loch geworfen.

Artus hob verwirrt die Hand mit dem Bogen, hatte rasch einen weiteren Pfeil aufgelegt und versuchte, sich in der Dunkelheit zu orientieren. Doch das war ihm nicht möglich, nur ein seltsamer Laut in der ihn umgebenden Schwärze drang an sein Ohr, und rasch schoss er einen Pfeil in die Richtung. Helles, spöttisches Lachen ertönte, irgendetwas streifte ihn mit Eiseskälte. Wie der Hauch des Eisriesen kam es ihm vor, unter dem alles Leben erstarren musste.

Noch ein Pfeil flog von der Sehne, und erneut schien das seltsame Lachen aus dem Nichts zu antworten. Artus ließ den Bogen fallen und riss sein Schwert aus der Scheide.

Excalibur – das geheimnisvolle, mystische Schwert, das er einst aus dem Stein gezogen hatte, in den es Merlin verbannt hatte. Das Schwert wirbelte im unglaublichen Tempo um seinen Kopf und das Schwarz um ihn schien zu weichen. Jetzt erkannte Artus Einzelheiten, sah einen Ritter im Kampf mit einem riesigen, schwarzen Körper, einer gewaltigen Schlange nicht unähnlich. Schon im nächsten Moment kehrte die vollständige Finsternis zurück, in der ein gleißender Blitz dem König in die Augen stach und ihn vom Pferd stürzen ließ. Gleich darauf verlor er das Bewusstsein, und sein letzter, klarer Gedanke war: Morgana!

Der König lag auf dem Waldboden, während um ihn her ein wilder Kampf tobte. Der kräftige, sich immer wieder neu um ihn schlängelnde Körper wurde genauso wieder durch die heftigen Schwerthiebe des Ritters, dessen Rüstung auf seltsame Weise in der Dunkelheit silbern schimmerte, zurückgedrängt. Bei jedem Schwerthieb auf den Körper des Angreifers ging ein Leuchten über die schuppige Panzerhaut des Wesens, und es schien sich rasch wieder zu erholen. Doch hageldicht fielen die Schläge des Ritters, und das Leuchten wurde nach jedem Hieb schwächer und schwächer, bis es sich schließlich mit einem langgezogenen Seufzer zurückzog. Die längliche Schwanzspitze, die eben noch ein Bein des Königs erfasst hatte, löste sich davon, und mit einem Rascheln im Unterholz verschwand das seltsame Wesen, das durch Artus Beschützer verjagt wurde.

Der Ritter selbst hob sein Schwert steil über den Kopf.

Wer ihn jetzt beobachtet hätte, wäre wohl sein restliches Leben lang von Zweifeln geplagt und von Albträumen verfolgt worden. Denn erneut brach ein Blitz durch die Dunkelheit und fuhr in die Schwertspitze, die gleich darauf glühend rot aufleuchtete. Schließlich war alles vorüber, die Dunkelheit wich langsam zurück, und das Sonnenlicht, das zuvor die britannische Landschaft durchflutet hatte, brach sich wieder Bahn.

König Artus lag friedlich schlafend im Moos, etwas weiter rupfte sein Rappe von dem Gras, das sich auf dieser Lichtung ausgebreitet hatte. Unruhig warf er plötzlich den Kopf hoch, als ihm gegenüber ein leises Rascheln erklang und gleich darauf ein gewaltiger Hirsch auf die Lichtung trat. Der Rappe verhielt in seiner Bewegung und beobachtete das prächtige Tier, wie es langsam auf die Lichtung kam und dabei zu dem ruhenden König hinüberwindete. Plötzlich hatte er ihn wahrgenommen, schrak zusammen und jagte im nächsten Augenblick zurück in den Wald, aus dem nur noch das Prasseln im Unterholz zu hören war. Danach senkte sich erneut tiefe Stille über die Lichtung, und als sich Artus regte, trafen die ersten Reiter seiner Jagdgesellschaft ein.

Erschrocken sprangen die Ritter aus dem Sattel und eilten zu ihrem König, der in diesem Moment erwachte und sich verwundert umsah.

„Percival – was machst du hier?“, erkundigte sich Artus mit belegter Stimme und richtete sich auf.

„Seid ihr in Ordnung, mein König?“, kam die Antwort des treuen Ritters, der sich sofort an seine Seite gekniet hatte und mit besorgten Blicken nach einer Verletzung Ausschau hielt.

„Natürlich, weshalb denn nicht? Ich war nur müde geworden und muss hier eingeschlafen sein!“

„Müde? Eingeschlafen?“, antwortete Percival höchst erstaunt. „Artus, wir befanden uns auf einer Hirschjagd, und als ein kapitaler Bursche vor uns erschien, seid ihr ihm sofort gefolgt! Was ist passiert, seid ihr gestürzt?“

Artus sah erstaunt an sich herunter.

„Nein, unmöglich – ich habe hier gehalten, bin aus dem Sattel gestiegen und dann – erinnere ich mich an gar nichts mehr, außer an diese unglaubliche Müdigkeit, die mich zwang, einen Moment auszuruhen. Als ich aufsehe, kniest du an meiner Seite – mehr kann ich dazu nicht sagen!“

„Was ist mit eurem Stiefel geschehen?“, rief jetzt Sir Galahad und deutete auf das rechte Bein des Königs.

„Seltsam, was ist das?“ Artus bückte sich und tippte mit dem behandschuhten Finger darauf, roch an der grünlichen Substanz und verzog das Gesicht. „Es riecht jedenfalls wie aus der Kloake!“

Als wäre diese Auskunft ein geheimes Signal, zogen sämtliche Ritter ihre Schwerter und stellten sich im Kreis schützend um König Artus, der jedoch abwehrend die Hände hob und lachte.

„Freunde, ihr seht doch nicht etwa Geister? Ich bin irgendwo hineingetreten, als ich aus dem Sattel stieg! Was soll es sonst anderes sein?“

Mit diesen Worten putzte Artus beide Stiefel im Gras ab, aber seine Ritter waren keineswegs seiner Meinung.

„Das ist ein Zauber gewesen, der den König angegriffen hat!“, raunte Lancelot dem neben ihm stehenden Gareth zu. Selbst der, der von allen immer als der sachliche, nüchtern denkende Ritter bezeichnet wurde, stimmte ihm jetzt zu.

„Lasst uns zurück nach Camelot reiten, Freunde, der Platz ist mir zu unsicher geworden!“

„Und der Hirsch? Ich hatte ihn fast schon!“, warf Artus ein.

„Bitte nicht – hier ist etwas geschehen, das unerklärlich ist, Sire. Wir sollten so schnell wie möglich zurückreiten und Merlin um Rat fragen!“

Der König sah seine Ritter an, schließlich stimmte er zu, auch wenn er anderer Meinung war.

Alle saßen rasch wieder auf und formierten sich so um Artus, sodass er nach allen Seiten geschützt war. Doch der Ritt zurück auf die prächtige Burg blieb ereignislos, und als sie anschließend an der Tafel saßen und gemeinsam von ihren Jagderlebnissen berichteten, dazu fleißig dem guten Wein und dem gebratenen Wild zusprachen, war es eigentlich ein völlig normaler Abend.

Nur Artus dachte immer wieder an die seltsame Substanz an seinem Stiefel. So etwas hatte er schon einmal gesehen, konnte sich aber nicht darauf besinnen, wo das war.

In der Nacht schrak er aus einem leichten Schlaf auf.

Ihm war eingefallen, an welchem Ort er dieses seltsame, grüne, stinkende Zeug schon einmal gesehen hatte. Es ließ ihm keine Ruhe mehr, Artus warf sich den Waffenrock über und trat auf den Flur hinaus, wo ihn die Wache erstaunt musterte. Den Gürtel knotete er im Licht der brennenden Fackeln. Nur ein kräftiger Dolch war daran befestigt, und Artus nickte dem Wachtposten zu.

„Alles in Ordnung, ich gehe nur hinüber in das Scriptorium. Mir ist noch etwas eingefallen, das ich unbedingt niederschreiben muss – morgen könnte ich das schon wieder vergessen haben!“

Die Wache salutierte, als der König den Gang hinuntereilte und die Tür zur Schreibstube öffnete. Rasch schlug er mit Stahl und Zunder Feuer, entzündete die Öllampe und ging damit zu dem großen Tischleuchter, um auch dort die großen Kerzen anzubrennen.

Das Licht reichte aus, um das mächtige Regal mit den Schriftrollen, Karten und den Folianten gut zu erkennen. Artus tastete eine Weile auf einem Regalboden herum, schließlich vernahm er das leise Klicken, gleich darauf drehte sich die Wand auf einer unsichtbaren Achse und gab eine dunkle Öffnung dahinter frei. Der König zögerte keinen Augenblick, ergriff den Leuchter und ging hinein, dabei den rechten Arm mit dem Leuchter weit ausgestreckt vor sich haltend.

Es ging eine ganze Strecke sehr schräg nach unten, und die Felsenwände mussten vor uralten Zeiten bearbeitet worden sein, um diesen Weg zu schaffen. Endlich spürte Artus einen leichten Luftzug und blieb stehen. Der Leuchter wurde an die hohe Decke gehalten, und jetzt sah er die schmale Abzweigung. Dieser Gang erlaubte nur einem einzigen Mann den Durchschlupf, und schon nach wenigen Yards wurde auch die Decke so niedrig, dass der groß gewachsene König gerade so ...

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