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Meine Abenteuer als Schul-Ninja (1) - Nichts für Feiglinge

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Wie ist das Leben eines Ninjas? Ich kann mir denken, was du dir vorstellst: Ein Ninja führt ein super­cooles Agentenleben im Verborgenen, beherrscht krasse Ninja-Techniken und vollführt atemberaubende Klettereien. Naja, da ist was dran. Ich werde dir keine Lügen auftischen – so ein Leben ist einfach der Hammer.

Doch es war nicht immer so.

Vielleicht überrascht dich das, aber man sieht uns Ninjas oft als die Bösen. Komisch, oder? Ich hatte auch keinen blassen Schimmer davon, bis ich selbst ein Ninja wurde. Obwohl, rückblickend betrachtet, hätte ich die Vorzeichen schon früh erkennen müssen. Aber du weißt ja, hinterher ist man immer klüger.

Dies ist also meine Geschichte – mein Tagebuch, ähm, meine Chronik. Ich habe das Gefühl, dass ich anderen erzählen sollte, was ich in meiner Schule erlebt habe. Geschichte sollte nicht nur weitergegeben werden, man sollte auch aus ihr lernen. Sonst wiederholt sich alles Schlechte immer wieder. Und das kann ich nicht zulassen!

Ich heiße Christian Maier, genannt Chris, und bin elf Jahre alt. Ich lese gerne Comics und schaue gern alte Horrorfilme mit meinem Vater. Wenn du mich auf der Straße sehen würdest, würdest du mir wohl aus dem Weg gehen. Ich bin ziemlich dürr. Wenn ich im Internet die ganzen Artikel über Abnehmen und Diäten sehe, kann ich nur staunen. Ich würde gerne zunehmen, um stark zu sein. Neuerdings trainiere ich mit meinem Vater, aber ich kann kaum mit ihm mithalten.

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»Gefährlicher Ninja« ist wohl das Letzte, was du bei meinem Anblick denken würdest. Ich bin nicht gerade der beliebteste Junge in der Schule, das steht schon mal fest. Ich hatte noch nie eine Freundin und ich mache keinen Sport, außer im Sportunterricht in der Schule. Gar nicht wahr – in der dritten Klasse war ich mal in einem Fußballverein! Aber da stieg ich wieder aus, nachdem ich einen Schienbeinschoner ins Gesicht bekommen und mir die Nase gebrochen hatte.

Also: Ich bin dürr und unbeliebt. Was kann ich noch hinzufügen, um das traurige Bild von mir zu vervollständigen?

Den ersten Schultag nach den Sommerferien. Aber halt! Nehmen wir das noch mal eine Million – ich war nämlich auch noch der Neue auf der Schule. Meine Eltern hatten beschlossen, ans andere Ende der Stadt zu ziehen, damit wir in einem etwas größeren Haus wohnen konnten. Wie egoistisch ist das denn, bitte? Ein größeres Haus haben, aber meinen sozialen Tod in Kauf nehmen! In einem neuen Stadtteil zu wohnen bringt viele neue Schüler mit sich, die ich alle nicht kenne.

Na gut, das stimmt nicht ganz. Ich kenne Zoe.

Sie ist genauso alt wie ich, aber das zählt nicht richtig, weil sie meine Cousine ist. Sie war ziemlich verblüfft, mich an dem ersten Schultag nach den Sommerferien zu sehen. Ich erinnere mich noch sehr gut daran – es war ein Montag und der Tag, an dem ich zum ersten Mal die Ninjas zu Gesicht bekam.

»Chris?«, fragte Zoe erstaunt. Sie trug eine Sport­hose und ein Top mit dem aufgedruckten Schulmaskottchen.

»Hi, Zoe«, sagte ich.