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Mein wildes Herz

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1. KAPITEL

England, 1842

Leif zitterte unter der dünnen Decke, die alles war, womit er seinen fast nackten Körper gegen die Kälte schützen konnte. Der Frühling ließ auf sich warten, und die Landstraßen waren aufgeweicht vom Schneematsch oder teilweise noch gefroren. Ab und zu tauchte eine fahle Sonne hinter den Wolken auf. Dann erhellten kurz ein paar Sonnenstrahlen die Straße.

Ein scharfer Wind zerrte an der Decke, und Leif zog sie enger um sich. Er wusste nicht, wo er sich befand, sondern erinnerte sich nur, dass er auf holprigen, von niedrigen Steinmauern eingefassten Wegen durch eine endlose Landschaft gezogen war, in der manchmal Dörfer auftauchten. Seit mehr als vier Monden war er jetzt schon in diesem Land, und langsam verlor er jedes Zeitgefühl. Das Einzige, was er mit Sicherheit wusste, war, dass sein kleines Schiff irgendwo nördlich von hier an einer felsigen Küste zerschellt war und seine neun Kameraden mit sich ins nasse Grab genommen hatte. Er allein war mit gebrochenen Knochen zurückgeblieben.

Ein Schäfer hatte ihn in der eisigen Brandung gefunden, mit nach Hause genommen und während des brennenden Fiebers gepflegt. Leif war mehr tot als lebendig gewesen, als Händler gekommen waren, den Schäfer mit Silbermünzen bezahlt und Leif mit sich geschleppt hatten.

Sie wollten ihn, weil er so anders aussah, anders als alle Männer in diesem fremden Land. Er konnte ihre Sprache nicht sprechen und auch kein Wort von dem verstehen, was sie sagten. Das schien sie jedoch zu amüsieren und seinen Wert sogar noch zu steigern. Er war mindestens fünf Zoll größer als die meisten Männer, und sein Körper war viel muskulöser. Und wenn einige auch blond waren wie er, so trugen nur wenige Bärte und keiner einen so langen und zottigen Bart wie Leif. Außerdem waren ihre Haare kurz geschnitten, während seine ihm bis über die Schultern fielen.

Als man ihn in einen Wagen gehievt und ihn von der Schäferhütte weggebracht hatte, war Leif zu schwach gewesen, um sich zu wehren. Doch nachdem seine Kräfte langsam zurückgekehrt waren, fürchteten ihn die Leute, die ihn mitgenommen hatten, und fesselten ihn an Armen und Beinen mit schweren Eisenbändern. Er war in einen Käfig gesteckt worden, in dem kaum genug Platz war für einen Mann seiner Größe. Dort musste er sich auf den mit Stroh bedeckten Boden kauern wie ein Tier.

Leif galt als eine Abnormität, die man vor den Bewohnern der Gegend zur Schau stellte. Was für eine grausame Art der Unterhaltung. Er wusste, dass man bezahlte, um ihn sehen zu dürfen. Der fette Mann mit der Narbe auf der Stirn, der ihm immer das Essen brachte, sammelte Geld ein bei den Leuten, die sich um seinen Käfig scharten. Dieser Mann – sie nannten ihn Snively – schlug und provozierte Leif, um ihn in Raserei zu versetzen. Denn das schien der Menge, die bezahlt hatte, um ihn sehen zu dürfen, zu gefallen.

Leif hasste den Mann. Er hasste sie alle.

Dort, wo er zuvor gelebt hatte, war er ein freier Mensch gewesen, ein Mann, der unter seinen Landsleuten einen hohen Rang innehatte. Sein Vater hatte ihn gebeten, die sichere Heimat nicht zu verlassen, aber das Verlangen, die Welt jenseits seiner Insel kennenzulernen, ließ Leif keine Ruhe.

Seitdem hatte er allerdings nur wenig von der Welt außerhalb seines Käfigs gesehen. Der Hass und die Wut nagten an ihm wie ein wildes Tier. Täglich flehte er die Götter um eine Gelegenheit zur Flucht an, um die Kraft, auszuharren, bis seine Zeit kommen würde. Es war alles, was ihn noch am Leben hielt.

Doch als die Tage vergingen und sich keine Gelegenheit zur Flucht ergab, wuchs die Verzweiflung in ihm. Ihm war, als verwandle er sich langsam in das Tier, zu dem sie ihn machen wollten. Nur im Tod würde er noch Frieden finden.

Trotzdem kämpfte Leif gegen die dunkle Verzweiflung an und klammerte sich an die schwache Hoffnung, eines Tages wieder frei zu sein.

2. KAPITEL

London, 1842

Mädchen, ich sage dir, es ist an der Zeit, dass du deine Pflicht tust!“ Heftig schlug der Earl of Hampton mit der knotigen Hand, auf der die Adern dick hervortraten, auf den Tisch.

Der dumpfe Knall ließ Krista Hart auffahren. „Meine Pflicht? Es ist wohl kaum meine Pflicht, einen Mann zu heiraten, den ich nicht ausstehen kann!“ Sie befanden sich auf einem Ball im Stadtpalais des Duke of Mansfield. Durch die Wände der Bibliothek konnte man das achtköpfige Orchester hören, das oben in dem verschwenderisch mit Spiegeln ausgestatteten Ballsaal spielte.

„Was stimmt denn nicht mit Lord Albert?“ Ihr Großvater – ein leicht gebeugter, großer, silberhaariger Mann – sah sie mit seinen hellen blauen Augen an. „Er ist jung und sieht nicht schlecht aus und ist der zweite Sohn des Marquess of Lindorf, Mitglied einer der bekanntesten Familien Englands.“

„Lord Albert ist nichts anderes als ein Speichellecker. Der Mann ist eitel, zimperlich und überaus selbstgefällig. Er ist eingebildet, nicht sehr intelligent, und ich habe nicht das geringste Interesse daran, ihn zu heiraten.“

Das faltige Gesicht ihres Großvaters lief rot an. „Gibt es eigentlich in ganz London einen Mann, der dir gefällt, Krista? Du bist verpflichtet, mir einen Enkel zu schenken – und allmählich läuft dir die Zeit davon!“

„Ich kenne meine Pflicht, Großvater. Man hat sie mir gegenüber ja oft genug erwähnt.“ Durch eine besondere Verfügung des letzten Königs konnte der Titel der Hamptons, wenn kein männlicher Erbe vorhanden war, auch durch ein weibliches Familienmitglied auf den ersten männlichen Nachkommen übertragen werden. „Ich bin einer Heirat nicht abgeneigt, es ist nur …“

„Dass du zu sehr mit deiner verflixten Zeitung beschäftigt bist. Dein Vater tolerierte den törichten Wunsch deiner Mutter, wie eine Bürgerliche zu arbeiten. Und dir gegenüber zeigt er jetzt die gleiche Nachsicht. Mein Gott, keine anständige Frau unseres Standes hat einen Beruf oder macht sich mit den unteren Ständen gemein, wie du es tust, indem du dein lächerliches Blatt herausgibst.“

Heart to Heart ist kein lächerliches Blatt. Unsere Artikel sind nicht nur informativ, sie haben auch eine erzieherische Wirkung, sind offen und ehrlich, wie der Name schon sagt, und ich bin äußerst stolz auf die Arbeit, die wir leisten.“

Ihr Großvater schnaubte verächtlich. „Lassen wir einmal deine dumme Zeitung beiseite. Du bist meine einzige Enkelin. Es ist an der Zeit, dass du an deine Zukunft denkst und mir endlich den Erben schenkst, den ich brauche.“

Als Krista zu ihm ging, raschelten die Unterröcke unter ihrem pflaumenfarbenen Kleid. Diese Unterhaltung hatte schon so oft stattgefunden und immer mit dem gleichen Ergebnis geendet. Aber Krista liebte ihren Großvater und wollte ihm nicht missfallen.

Sie küsste ihn auf die Wange. „Ich wünsche mir das fast so sehr wie Sie, Großvater. Doch ich weigere mich, einen Mann wie Lord Albert zu heiraten. Ich glaube, ich werde noch rechtzeitig den richtigen Mann treffen.“

Vielleicht hatte sie ihn schon getroffen. Letzte Woche hatte sie einen Freund ihres Vaters namens Matthew Carlton kennengelernt. Matthew war außerordentlicher Professor, zweiter Sohn des Earl of Lisemore und genau die Art von Mann, wie ihn sich ihre Familie als Gatten für Krista wünschte. Matthew schien zudem an einer Fortführung ihrer Bekanntschaft interessiert zu sein.

Trotzdem wagte Krista es nicht, ihrem Großvater von ihm zu erzählen. Vielleicht würde er sie und auch Matthew dann unter Druck setzen.

Der Earl sah ihr in die Augen. „Ich will ja nicht, dass du unglücklich wirst. Das weißt du doch, nicht wahr?“

„Natürlich. Mit der Zeit wird sich sicher alles richten.“ Zumindest hoffte sie es. Aber sie war anders als die Frauen ihres Standes: größer, als es dem Schönheitsideal entsprach, kräftiger – und unabhängiger. Die Verehrer standen nicht Schlange, und ihr Großvater wusste das.

„Zeit“, schimpfte er, „ist etwas, das ein alter Mann wie ich nicht mehr hat.“

Sie ergriff seine schmale Hand. „Das stimmt nicht. Sie sind immer noch sehr rüstig.“ Doch als sie ihn jetzt betrachtete, sah sie, dass er zweifellos gealtert war. Wenn sie nicht bald heiratete, konnte der Titel, wie der Earl es befürchtete, auf irgendeinen entfernten Cousin übergehen.

Der alte Mann seufzte. „Du strapazierst meine Geduld, Mädchen“, grollte er.

„Es tut mir leid, Großvater. Ich werde mein Bestes tun.“

Sie hauchte ihm einen Kuss auf die Wange und schritt durch die Tür in Richtung des fröhlichen Lärms, der aus dem Ballsaal drang. Aber sie war nicht länger in der Stimmung zu tanzen und so zu tun, als würde sie sich gut unterhalten.

Während sie auf der Suche nach ihrem Vater und ihrer besten Freundin Coralee Whitmore durch das Haus ging, dachte sie über Matthew Carlton und die Möglichkeiten nach, die er ihr bot.

Leif lehnte sich an die Stäbe seines Käfigs. Aus der Entfernung drangen die seltsamen, gefühlvollen Töne der Musikmaschine zu ihm herüber, die immer dann spielte, wenn die fahrende Truppe in einem Dorf einzog. Die Sonne war herausgekommen, doch sie wärmte ihn nur wenig, da man seinen Käfig an einem schattigen Platz abgestellt hatte. Ein eisiger Wind fuhr darüber und verursachte ihm eine Gänsehaut. Das einzige Kleidungsstück, das er am Leib trug, war ein getüpfeltes Fell, gerade groß genug, um seine Scham zu bedecken.

Gedankenverloren zupfte er einen Strohhalm aus dem feuchten Mist, der den Käfigboden bedeckte. Er hatte die Welt jenseits seiner Heimat sehen wollen. Und er hatte seltsame Dinge in diesem fremden Land entdeckt: Tiere, die keinem Tier ähnlich sahen, das ihm je zu Augen gekommen war; Häuser, die größer waren als sein ganzes Heimatdorf. Es gab Menschen verschiedener Hautfarben, Menschen verschiedenster Gestalten und Größen. Hätte man ihn nicht in diesen Käfig gesperrt, er wäre von all den Sehenswürdigkeiten und all den Orten dieser neuen, fremden Welt fasziniert gewesen. Doch so blieb er ein Gefangener, eingesperrt und gehalten wie ein Tier.

Seit er verkauft worden war, war er verlacht und verhöhnt, mit Steinen beworfen und geschlagen worden. Die Leute glaubten, er wäre verrückt, und an manchen Tagen glaubte er es selbst. Schlimmer noch waren aber diejenigen, die Mitleid mit ihm hatten. Er hatte Frauen gesehen, die wegen der Gräuel, die man ihm antat, in Tränen ausgebrochen waren. Leif jedoch wollte ihr Mitleid nicht. Aber vielleicht waren nicht alle Menschen in diesem Land wie jene, die ihm seine Freiheit gestohlen hatten. Vielleicht würde er eines Tages jemanden finden, der bereit war, ihm zu helfen. Wenn er sich den Leuten doch nur verständlich machen könnte.

Wie jeden Tag sprach er ein stilles Gebet zu den Göttern und bat sie, ihm beizustehen.

Vielleicht würden sie ihm ja eines Tages helfen. Vielleicht schon heute.

Er klammerte sich an diesen Gedanken, während die Menge sich langsam um seinen Käfig versammelte.

Der Himmel war klar in dieser Nacht, und der Vollmond erhellte Londons Straßen. An die Samtpolster der Kutsche gelehnt, lauschte Krista dem Klappern der eisenbeschlagenen Pferdehufe und war dankbar, dass der Abend endlich zu Ende ging.

„Lieber Gott, wie ich diese Gesellschaften hasse.“ Seit dem Streit mit ihrem Großvater in der Bibliothek des Duke of Mansfield war Krista pflichtbewusst auf jeder Soiree und jeder Party erschienen, zu der man sie einlud. Im Augenblick kehrte sie von einer musikalischen Soiree bei der Marquess of Camden zurück.

Sie musste an Matthew Carlton denken. Ihre Bemühungen schienen Erfolg zu haben.

Ein verträumter Seufzer erscholl in der Kutsche. „Ich finde, diese Party war wundervoll.“ Auf dem Platz neben Krista kuschelte sich Coralee Whitmore in die tiefen Samtpolster, ihre beste Freundin seit der gemeinsamen Zeit auf der Briarhill Academy. „Wenn wir morgen nicht so viel zu tun hätten, dann hätte ich bis zum Morgengrauen durchgetanzt.“

Im Gegensatz zu Krista, die sehr groß und blond war, war Coralee zierlich, mit Haaren von der Farbe dunklen Kupfers, grünen Augen und einem schmalen, feinen Gesicht. Sie liebte Bälle und Gesellschaften und schien ihrer nie müde zu werden. Doch die Wochenzeitung, die Krista und ihr Vater herausgaben, kam für die beiden jungen Frauen an erster Stelle, auch wenn es bedeutete, dass sie einen der beliebtesten Bälle bereits kurz nach Mitternacht verlassen mussten.

Obwohl es viel länger zurückzuliegen schien, hatte Kristas Mutter doch erst vor sechs Jahren die Zeitung gegründet, gegen den Willen ihrer Familie und gegen die ungeschriebenen Gesetze, welche den Platz einer Frau in der Gesellschaft bestimmten. Drei Jahre später war sie krank geworden und gestorben. Ihr langes, qualvolles Siechtum hatte Krista erschüttert und traurig zurückgelassen. Ihr Vater hatte unter dem Verlust noch mehr gelitten.

Genau an dem Tag, an dem sie auf dem Friedhof neben ihrem leise weinenden Vater am Grab ihrer Mutter stand, war Krista achtzehn Jahre alt geworden. Und da sie wusste, wie wichtig ihrer Mutter die Gazette gewesen war, hatte sie beschlossen, die Zeitung weiterzuführen. Bald merkte sie, dass die Arbeit ihr half, den Schmerz zu überwinden, und sie war entschlossen, Heart to Heart zum Erfolg zu führen.

Vom Sitz gegenüber war ein Geräusch zu hören, und Krista musste beim leisen Schnarchen ihres Vaters lächeln. Sir Paxton Hart war emeritierter Professor für Geschichte und von der Königin für seine Verdienste um die Entschlüsselung alter Sprachen zum Ritter geschlagen worden. Sein Spezialgebiet war die alte nordische Sprache der frühen skandinavischen Siedler, wobei sein besonderes Interesse den Überlieferungen der Wikinger galt. Seit dem Tod seiner Frau hatte er sich völlig in seine Arbeit vergraben.

„Da siehst du, wie sehr er den Abend genossen hat“, sagte Krista zu Corrie und betrachtete ihren Vater, der auf dem Sitz zusammengesunken dasaß, während sein Kopf in einer etwas unbequemen Haltung auf dem Polster ruhte. Er war ein großer, dünner Mann mit einer geraden, etwas zu langen Nase und braunen Haaren, die langsam grau wurden.

„Die Sprachstudien machen deinem Vater auf jeden Fall mehr Spaß.“

Krista setzte sich bequemer zurecht und versuchte, die Korsettstäbe unter ihrem Ballkleid aus blassgrünem Taft zu ignorieren, die sich ihr in die Taille bohrten. „Wenn er und Großvater nicht wild entschlossen wären, einen Ehemann für mich zu finden, wäre er erst gar nicht mit auf den Ball gegangen.“

„Ich nehme an, der aktuelle Kandidat heißt Matthew Carlton“, neckte Corrie ihre Freundin. „Du hast heute Abend mindestens dreimal mit ihm getanzt. Vermutlich hat er deinen Vater um Erlaubnis gebeten, dir den Hof machen zu dürfen.“

Matthew, der inzwischen noch mehr Interesse an ihr zeigte, hatte letzte Woche mit ihrem Vater gesprochen. Er gefiel Krista, und sein Interesse schmeichelte ihr. Doch sie brauchte Zeit, um ihn kennenzulernen.

„Es hätte schlimmer für dich kommen können“, meinte Corrie, während sie durch die Dunkelheit rollten und die Laternen die Kutsche innen in ein weiches gelbes Licht tauchten. „Immerhin sieht der Mann gut aus, ist intelligent und …“

„Groß?“, warf Krista ein und hob die goldblonden Brauen.

Corrie lachte. „Das wollte ich nicht sagen.“

Doch tatsächlich hatten die meisten Männer keine Lust, eine Frau zu heiraten, die größer war als sie. Das tat man einfach nicht. „Ich wollte sagen, dass er auch noch der Sohn eines Earls ist.“

Aber der gesellschaftliche Rang spielte für Krista keine Rolle. Es war Corrie, die im Gesellschaftsleben aufblühte. Sie war von Kopf bis Fuß eine Dame, die Tochter eines Viscounts und inmitten von Reichtum und Adel aufgewachsen. Coralee liebte schöne Kleider, Bälle und zeigte sich gern in der Oper und im Theater.

Das Einzige, was Corrie noch mehr mochte, war das Schreiben. Und deshalb hatte Krista, nachdem sie die Zeitung übernommen hatte, ihre Freundin dazu überredet, über all die Dinge zu schreiben, die sie liebte. Corrie hatte ihrer Familie getrotzt und die Stellung angenommen. Im Moment war sie für die Frauensparte der Zeitung zuständig, die einen großen Teil des Wochenmagazins ausmachte.

Die Kutsche bog in eine kiesbestreute Einfahrt ein und kam vor dem überdachten Eingang von Corries Zuhause zum Stehen, einem eleganten, dreistöckigen steinernen Gebäude am Grosvenor Square.

„Ich sehe dich dann morgen in der Redaktion“, sagte sie, während ein Diener ihr über das eiserne Trittbrett half. „Und vergiss nicht, dass du mir versprochen hast, am Sonntag mit mir den Zirkus zu besuchen.“

„Ich werde es nicht vergessen.“ Corrie wollte einen Artikel über den Zirkus Leopold schreiben und hatte Krista gebeten, sie zu der Vorstellung zu begleiten. Da Krista seit ihrer Kindheit keinen Zirkus mehr besucht hatte, würde es bestimmt ein großer Spaß werden.

Corrie winkte ihr zum Abschied, und der Diener geleitete sie die breite Steintreppe zu dem schweren Eingangsportal des herrschaftlichen Anwesens hinauf. Dann kehrte er auf seinen Kutschsitz zurück. Als die Kutsche weiterfuhr, regte sich Kristas Vater und streckte die langen Beine aus.

„Sind wir schon zu Hause?“

„Bald, Vater. Wir müssen nur noch um die Ecke.“ Wie Coralee entstammte auch Krista einer reichen Familie, zumindest mütterlicherseits. Margaret Chapmann Hart war die Tochter eines Earls gewesen. Obwohl sie Paxton Hart geheiratet hatte, einen Gelehrten, der damals fast keinen Penny besaß, ermöglichte ihre Stellung als Mitglied der Aristokratie Krista den Zugang zu den höchsten Rängen der Gesellschaft.

Was Krista selbst betraf, so empfand sie das eher als eine Bürde denn als einen Gewinn.

Einige Minuten später erreichten sie ihr Stadthaus. Milton Giles, der Butler, öffnete die Tür, und als sie eingetreten waren, half er ihrem Vater aus seinem seidengefütterten Umhang und Krista aus ihrem Kaschmircape mit Kapuze.

„Es war ein langer Abend“, sagte sie. „Ich gehe zu Bett.“ Sie raffte ihre weiten Röcke und begann, die gewundene Treppe hinaufzusteigen. Dann wandte sie sich noch einmal um. „Kommst du nicht, Vater?“

„Gleich. Da ist doch dieser altnordische Text, an dem ich gerade arbeite. Es gibt dort einen Abschnitt, den ich mir noch einmal anschauen möchte, bevor ich mich zur Ruhe begebe. Es dauert nur einen Moment.“

Krista wusste, wie lange die „Momente“ ihres Vaters dauern konnten. Sie erinnerte ihn daran, dass er seinen Schlaf brauche, wusste jedoch, dass es zwecklos war. Genauso leidenschaftlich, wie sie sich ihrer Zeitung widmete, widmete sich ihr Vater seinen Studien.

Sie dachte an den Artikel, den sie am nächsten Morgen noch beenden musste, bevor das Blatt in Druck ging, und stieg die Treppe hinauf.

Das dreistöckige Backsteinhaus, das Heart to Heart, die wöchentliche Gazette für die Dame beherbergte, befand sich in einer schmalen Straße ganz in der Nähe des Picadilly. Die Seele der Zeitung, die schwere Stanhope-Druckpresse, eine der modernsten Pressen der Zeit, stand neben einer Kiste, in der Metalllettern lagerten, Buchstaben, Nummern und Zeichen, die zum Drucken gebraucht wurden.

Krista ging zu der Holzkiste hinüber. Sie hatte den Artikel für diese Wochenausgabe beendet, und abgesehen von einer winzigen Änderung konnte sie am nächsten Morgen in Druck gehen.

Außer Krista, ihrem Vater und Corrie gehörten zur Belegschaft noch Bessie Briggs, die sich hauptsächlich um den Drucksatz kümmerte, ein Drucker namens Gerald Bronner, sein junger Lehrling Freddie Wilkes und einige Teilzeitkräfte, die all das erledigten, was notwendig war, damit die Zeitung die Abonnenten erreichte.

Wie immer, bevor die Gazette in Druck ging, arbeitete die Belegschaft noch bis spät in die Nacht. Draußen war es schon lange dunkel. Kaum jemand war noch auf den Straßen, und von der Themse blies ein scharfer Aprilwind herüber. Krista stand bei der Druckerpresse und setzte eine Reihe Lettern ein. Als draußen auf dem Kopfsteinpflaster vor dem Fenster der Druckerei Schritte zu hören waren, drehte sie sich um. Glas splitterte, und eine der Frauen schrie auf, als ein schwerer Ziegelstein in den Raum flog und dabei Kristas Kopf nur um ein paar Zoll verfehlte.

„Gütiger Himmel!“, keuchte Corrie.

Der Ziegel krachte auf den Boden und schlitterte noch ein Stück weit, während Krista zum Fenster lief.

„Kannst du ihn sehen?“ Corrie eilte zu ihr. „Erkennst du, wer es war?“

Das Licht einer Laterne etwas weiter unten an der Straße beschien einen Burschen in Kniehosen aus grobem Stoff, der blitzschnell davonrannte. Einen Augenblick später war er um die nächste Ecke verschwunden.

„Es war nur ein Junge“, sagte Krista und wandte sich vom Fenster ab, wobei sie sich mit einem Lumpen die Druckerfarbe von den Händen wischte. „Er ist schon fort.“

„Schau, da ist eine Botschaft!“ Vorsichtig kniete Corrie sich zwischen den Glasscherben auf den Boden und löste ein Stück Papier von dem Ziegel, das mit einem Stück Schnur daran festgebunden war.

„Was steht darauf?“ Krista trat neben sie.

Corrie strich das zerknitterte Papier glatt. „Halte dich aus Männergeschäften raus. Wenn nicht, wirst du dafür bezahlen.“

Krista seufzte. „Jemand muss den Jungen dafür bezahlt haben.“ Es war nicht die erste Warnung, die Heart to Heart erhielt, seitdem Krista den Schwerpunkt der Zeitung etwas verändert hatte. Es gab jetzt auch Leitartikel und Berichte über Erziehung und soziale Themen.

Zusammen mit den üblichen Artikeln über Mode und häusliche Themen hatte es letzte Woche auch einen Artikel gegeben, der Mr. Edwin Chadwicks Bericht über die Hygienebedingungen lobte. In diesem Bericht forderte Chadwick Verbesserungen des Londoner Abwassersystems und sauberes Wasser aus allen Wasserleitungen. Er glaubte, dass solche Veränderungen bei der Verhütung von Krankheiten eine Rolle spielen würden.

Der Kosten verursachende Vorschlag war bei den Wassergesellschaften, den lokalen Obrigkeiten und den Steuerzahlern äußerst unpopulär, und sie hielten dagegen, dass sie das Geld für solche Verbesserungen nicht aufbringen könnten.

„Es wird immer jemanden geben, der nicht unserer Meinung ist“, sagte Krista zu Corrie und nahm ihrer Freundin das Papier aus der Hand.

„Du wirst diese Botschaft doch deinem Vater zeigen, nicht wahr?“ Corrie warf ihr einen warnenden Blick zu. Sie wusste, wie selbstständig Krista handelte und wie sehr sie es hasste, den Professor mit Problemen zu belästigen, die die Zeitung betrafen. „Krista …?“

„Schon gut, ich werde sie ihm zeigen.“ Sie sah zu dem Loch in der Fensterscheibe, durch das die kalte Aprilluft hereindrang. „Jemand soll ein Brett davornageln und das Glas zusammenfegen.“ Die Botschaft in der Hand, eilte sie zur Treppe. „In einer Minute bin ich zurück.“

In den Nächten, in denen Krista noch spät arbeitete, bestand ihr Vater darauf, sie nach Hause zu begleiten. So auch an diesem Abend. Er war einige Stunden zuvor gekommen und arbeitete jetzt oben in seinem provisorischen Studierzimmer. Es gab auch noch einen Raum für Geschäftsbesprechungen und einen mit einer schmalen Liege, wo man ein Nickerchen machen konnte, wenn es gar zu spät wurde.

Sie klopfte an seine Tür, wartete und klopfte erneut. Endlich gab sie es auf, öffnete die Tür und betrat den hohen Raum, dessen Wände mit Büchern bedeckt waren.

„Es tut mir leid, Sie zu stören, Vater, aber …“

„Mir war, als hörte ich jemanden.“ Er nahm die Brille ab und sah von den Büchern auf, die aufgeschlagen vor ihm auf dem Tisch lagen. Er war dürr und außerordentlich groß. Krista hatte ihre überdurchschnittliche Größe von den Eltern geerbt. Doch das blonde Haar, die grünen Augen und die üppige, vollbusige Figur war das Erbe ihrer hellhaarigen Mutter.

„Ich war so sehr in diese Übersetzung vertieft“, erklärte der Professor. „Sind wir fertig? Ist es Zeit, nach Hause zu gehen?“

„Wir sind noch nicht ganz fertig, aber bald.“ Sie durchquerte den Raum und gab ihm die Nachricht. „Ich dachte, es ist besser, wenn ich Ihnen das hier zeige. Jemand hat diese Botschaft an einen Ziegelstein gebunden und ihn durch das Fenster geworfen. Vermutlich hat diesen Leuten mein Artikel über Mr. Chadwicks Bericht nicht gefallen.“

„Allem Anschein nach nicht.“ Der Professor sah sie an. „Weißt du, was du da tust, Liebes? Deine Mutter hatte zu einigen Themen ihre unumstößlichen Ansichten, doch sie ließ sie nur selten drucken.“

„Das ist wahr, aber sie hätte es gerne öfter getan. Und die Zeiten haben sich in den vergangenen paar Jahren geändert. Seitdem wir ein neues Format haben, wächst unsere Leserschaft ständig.“

„Ich glaube, der Kampf für einen guten Zweck ist ein kleines Risiko wert. Sei nur vorsichtig und treibe es nicht zu weit.“

„Das werde ich nicht. Nur noch einen Artikel, in dem ich auf die Notwendigkeit von innerstädtischen Wasserleitungen und einer Verbesserung der Abfallbeseitigung hinweise, dann kehre ich zu unserer Kampagne für bessere Arbeitsbedingungen in den Minen und Fabriken zurück.“

Amüsiert verzog der Professor das Gesicht. „Wenn ich mich recht erinnere, hast du mit diesen Artikeln ebenfalls in ein Wespennest gestochen.“

Krista verkniff sich ein Lächeln. Sie wusste, dass er recht hatte. „Und wenn auch, ich glaube, unsere Anstrengungen bewirken etwas.“ Sie ging um den Tisch herum und sah ihm über die Schulter. „Woran arbeiten Sie?“

„An einigen isländischen Tabellen aus dem zehnten Jahrhundert, mit deren Hilfe man für jede Woche des Jahres die Höhe der Sonne am Mittag berechnen kann. Sie sind bemerkenswert exakt. Zuvor hatte ich mir noch einmal eine Übersetzung des Heimskringla-Textes angesehen.“

Der Text war, wie Krista sah, in Altnordisch geschrieben, einer Sprache, die ungefähr von dem Jahr achthundert bis ins frühe fünfzehnte Jahrhundert, der Zeit, in der die letzten bekannten Wikinger aus Grönland verschwanden, in den skandinavischen Siedlungen gesprochen worden war. Ihr Vater beherrschte diese schon lange tote Sprache.

Krista dachte an all die Stunden, die sie als Kind im Studierzimmer ihres Vaters verbrachte, wie sie seinen Erzählungen über die Wikinger gelauscht und sogar ein wenig deren Sprache gelernt hatte. Sie und ihr Vater hatten zusammen geübt, und weil sie ihm eine Freude machen wollte, hatte Krista sich sehr bemüht, ihre Sprachkenntnis zu verbessern. Überhaupt hatte sie eine weit bessere Erziehung genossen als die meisten Frauen. Neben ihren sozialen Ideen waren es das Leben und die Kultur der Nordländer, die auf sie wie auf ihren Vater eine große Faszination ausübten.

„Du hast eine gute Portion Wikingerblut in deinen Adern“, sagte er immer, wenn sie sich über ihre Größe beklagte und die Tatsache, dass alle Männer in ihrem Bekanntenkreis kleiner waren als sie. „Deine Mutter konnte ihre Ahnenreihe bis zu den Dänen zurückverfolgen. Du solltest stolz auf dein Erbe sein.“

Aber Krista wünschte sich eigentlich nur, dass ihr Aussehen sich nicht gar zu sehr von dem anderer Frauen unterscheiden würde.

Ihr Vater schob einige der Papiere zusammen, die auf seinem Schreibtisch herumlagen, schloss das Buch, in dem er gelesen hatte, und sah auf. „Wie ich höre, gehst du mit Coralee am Sonntag in den Zirkus?“

„Möchten Sie gerne mit uns kommen?“, fragte sie, erstaunt über sein Interesse.

Ihr Vater lachte in sich hinein. „Tatsächlich habe ich ernsthaft daran gedacht. Ich denke, du hast schon von der Hauptattraktion gehört, dem Mann, den sie ‚den letzten Barbaren‘ nennen.“

Krista lachte. „Ja, wahrscheinlich ist er Teil des Begleitprogramms.“ Jetzt verstand sie. „Man hält ihn für einen Wikinger.“ Alles, was mit Wikingern zu tun hatte, weckte das Interesse ihres Vaters. „Man sagt, er sei über sieben Fuß groß und von Kopf bis Fuß mit blonden Haaren bedeckt.“

Lachend schüttelte der Professor den Kopf. „Natürlich ist das alles Unsinn, den man nur verbreitet, um noch mehr Zuschauer anzulocken. Trotzdem könnte es interessant werden. Er soll ein entsetzliches Untier sein, und schon ein Blick auf ihn in seiner ungeheuren Wut sei das Eintrittsgeld wert. Ich wette, es ist irgendeine bedauernswerte Kreatur, die aus Bedlam ausgebrochen ist, sicher ein armer Verrückter.“

„Wahrscheinlich. Doch da er Sie zu interessieren scheint, verspreche ich, ihm einen Besuch abzustatten. Er könnte gut in Corries Artikel passen.“

Ihr Vater nickte. „In der Zwischenzeit versuche bitte nicht, die ganze Londoner Männerwelt in Aufruhr zu versetzen.“

Krista lächelte. „Ich vermute, meine Artikel haben genauso viele Befürworter wie Gegner, Vater. Vielleicht sogar mehr.“

„Vielleicht. Doch die meisten der Befürworter sind in einer weit weniger einflussreichen Position.“

Das stimmte leider. Es waren die Männer und Frauen der armen Arbeiterklasse, welche sich die Verbesserungen wünschten, nicht die reichen Fabrikbesitzer, die sie würden bezahlen müssen.

Krista verließ das Studierzimmer ihres Vaters und hatte ein schlechtes Gefühl, wenn sie an die Botschaft dachte. Wie weit Menschen wohl gehen würden, um eine Stimme zum Schweigen zu bringen, die sich für die Kanalisation und eine Verbesserung der entsetzlichen Bedingungen einsetzte, unter denen die Arbeiterklasse leiden musste?

Doch im Grunde war es ihr egal, denn sie würde ihren Weg gehen. Außerdem hatten die Artikel die Auflage der Zeitung um mehr als zwanzig Prozent in die Höhe getrieben.

Heart to Heart würde diesen Weg auch weiterhin beschreiten und daneben seinen Leserinnen natürlich auch den Fortsetzungsroman und die Nachrichten aus der feinen Gesellschaft bieten, die ebenfalls gern gelesen wurden.

Während Krista hinunterging, um die letzten Handgriffe für die Ausgabe dieser Woche zu erledigen, spürte sie, dass sie sich auf den Tag, den sie mit ihrer Freundin im Zirkus verbringen würde, freute.

3. KAPITEL

Am Sonntag stand Coralee Whitmore pünktlich zur verabredeten Zeit bei den Harts vor der Tür, um Krista zu ihrem Ausflug in den Zirkus abzuholen. Eine frische Frühlingsbrise wehte, und die noch schwache Sonne beschien den Fluss, an dem der Zirkus seine Wagen abgestellt und das Zelt aufgebaut hatte.

Krista trug einen kurzen Mantel über ihrem malvenfarbig und schwarz gestreiften seidenen Tageskleid, während Corrie in ein hellblaues, mit rosa Tressen besetztes Seidenkleid mit dazu passender rosa Seidenhaube gekleidet war.

„Es ist so aufregend“, sagte Corrie und schien wie immer voll unerschöpflicher Energie. „Ich war noch nie in einem Zirkus. Du etwa?“

„Als ich noch ein kleines Mädchen war, hat mein Vater mich einmal mitgenommen. Jetzt erscheint mir aber alles ganz anders.“

Vielleicht lag es auch an diesem Zirkus. Der Zirkus Leopold kam aus dem Norden, aus Newcastle-upon-Tyne. Durch kleine Städte und Dörfer war die Truppe zuerst Richtung Südwesten nach Manchester gezogen, dann in den Süden bis nach Bristol und hatte so schließlich London erreicht.

Krista und Corrie spazierten umher, bis es Zeit für die Nachmittagsvorstellung war. Sie genossen die Atmosphäre unter dem Zelt aus schwerem Segeltuch mit der einfachen Manege, in der hauptsächlich Tierdressuren gezeigt wurden. Es gab zwei Tanzbären, die rote Satinröckchen mit passenden Hüten trugen, und ein paar entzückende Affen, die schnatternd die Zeltstangen hinaufkletterten. Die jungen Frauen sahen Jongleuren, Akrobaten, einem Paar lustig gekleideter Clowns und drei Kunstreitern zu, die auf den Rücken galoppierender Pferde ihre Sprünge und Saltos zeigten.

Der Geruch nach Sägemehl erfüllte die Luft, und der Klang einer Zirkusorgel wehte über das offene Feld, zusammen mit den Rufen der Marktschreier, die vor dem Hauptzelt ihre Waren verkauften. Es war eine interessante Art, den Nachmittag zu verbringen, doch Krista verwunderte es ein wenig, wie heruntergekommen alles aussah.

Beim näheren Hinsehen waren die prächtigen Kostüme abgenutzt, der große Apfelschimmel alt und tattrig. Die Zirkusleute selbst schienen geschwächt zu sein und hatten allem Anschein nach schon bessere Tage gesehen.

Trotzdem war der Zirkus eine Neuheit in London, ein Ereignis, das den Frühling ankündigte.

„Ich würde gerne dem Besitzer ein paar Fragen stellen“, sagte Corrie, die entschlossen war, alles in einem positiven Licht zu zeigen. „Er heißt Nigel Leopold. Lass uns schauen, ob er in seinem Wagen ist.“

Sie gingen in die entsprechende Richtung. Corrie ließ den Blick schweifen und notierte sich im Geiste alles, was sie sah. Sie besaß ein erstaunliches Gedächtnis für Einzelheiten. Das war auch einer der Gründe, warum sie in ihrem Beruf so gut war.

„Mir haben die Bären wirklich gut gefallen“, sagte sie. „Sie schienen den ganzen Tanz über zu lächeln.“

Krista sagte nichts dazu, doch als sie an dem Käfig vorbeigegangen war, hatte sie gesehen, wie der Dompteur den Tieren die Lippen mit einer dünnen Schnur zurückgebunden hatte.

Als sie sich umsah, bemerkte sie einige Darsteller, die zu ihren Wagen gingen, um sich auf den nächsten Auftritt vorzubereiten. Einer der Dompteure führte fünf große graue Pferde fort.

„Irgendetwas stimmt nicht mit diesem Zirkus“, meinte Krista. „Alles scheint ein wenig … schäbig zu sein.“

„Ja, das habe ich auch schon bemerkt. Das viele Herumreisen ist vermutlich ziemlich hart für die Pferde und schadet der ganzen Ausstattung.“

„Vermutlich.“ Doch es bedrückte Krista, dass alle Tiere in einer so schlechten Verfassung zu sein schienen. Bei den Ponys konnte man durch das dicke Winterfell hindurch die Rippen sehen, und die Bären ließen die Köpfe hängen, als hätten sie gar nicht mehr die Kraft, sie zu heben.

Krista und Corrie bahnten sich ihren Weg durch die Menschenmenge, die aus dem Zelt strömte, und bemerkten, dass sich vor einem der bunt bemalten Zirkuswagen eine Gruppe bildete. An dem Wagen waren Käfigstäbe angebracht, und Krista fragte sich, was für ein Tier dort wohl gehalten wurde.

„Lass uns sehen, was es dort gibt“, sagte Corrie und zog ihre Freundin in die Richtung. Sie waren ein seltsames Paar: die eine klein, die andere groß; die eine blond, die andere mit feuerrotem Haar. Und doch waren sie schon seit Langem die besten Freundinnen.

Da Krista so groß war, konnte sie selbst von ihrem Standort aus erkennen, dass die Kreatur in dem Käfig keinesfalls ein Tier war. Über dem Käfig stand geschrieben: „Der letzte Barbar“. Und darunter: „Vorsicht! Nähertreten auf eigene Gefahr!“

„Das ist er!“ Corrie schrie fast. „Komm, lass uns näher hingehen.“

Ja, das war der Mann, den Kristas Vater erwähnt hatte. Er stand vornübergebeugt in dem Käfig, der zu niedrig war, als dass er sich hätte aufrichten können, und war bis auf ein Fell, das ihm als Lendentuch diente, nackt. Wie ein Verrückter rüttelte er an den Gitterstäben. Krista sah, dass ein bulliger Mann mit einer Narbe über der Wange einen langen spitzen Stab schwang, mit dem er immer wieder auf ihn einstach.

Der an Händen und Füßen gefesselte Mann im Käfig tobte und wütete. Krista war überzeugt, dass er fluchte, auch wenn das Kauderwelsch, das er von sich gab, keinen Sinn machte.

Doch er war sicher weder sieben Fuß groß, noch war sein Körper mit dichtem blonden Haar bedeckt. Trotzdem war er größer als jeder Mann ihres Bekanntenkreises, hatte langes, zotteliges Haar, das ihm über die breiten Schultern fiel, und einen ungekämmten Bart, der bis zu seiner Brust reichte, auf der dick die Muskelstränge hervortraten. Auch seine Arme und Schenkel waren muskulös und seine Augen …

Selbst aus dieser Entfernung konnte sie die Wildheit darin erkennen, den brennenden Hass, der in ihren unglaublich blauen Tiefen brannte. Noch nie zuvor hatte Krista eine so intensive Farbe gesehen.

„Großer Gott“, sagte Corrie ehrfurchtsvoll. „Wir müssen näher hingehen.“

Den Blick immer noch auf die Kreatur in dem Käfig gerichtet, folgte Krista Corries Drängen, und sie bahnten sich einen Weg durch die Menge. Krista verspürte in ihrem Herzen Mitleid mit dem Mann, und etwas in ihr wünschte sich, den Käfig nie entdeckt zu haben.

Lieber Gott, der schlimmste Verbrecher verdiente es, besser behandelt zu werden als der Mann im Käfig.

Zum zweiten Mal traf der Stock Leifs Rippen, und er stieß ein Brüllen aus, packte die Eisenstäbe und rüttelte daran. Denn wenn er es nicht tat, würde der Stock wieder sein Ziel finden, das wusste er. Leif hatte Narben an Armen und Beinen, Narben auf seinem Rücken und von den Fesseln, die er tragen musste, Narben an den Handgelenken und Knöcheln.

Ein Teil von ihm spürte die Schmerzen schon gar nicht mehr. Dieser Teil seines Selbsts brachte kaum mehr den Willen auf, jeden Morgen aufzustehen und einem weiteren höllischen Tag entgegenzusehen. Diesen Teil seines Selbsts kümmerte es nicht mehr, ob er lebte oder starb.

Doch der andere Teil seines Selbsts, in dem sein wilder Lebenswille ungebrochen war, ließ ihn weitermachen; noch eine Minute, noch eine Stunde.

Er ließ ihn hoffen, irgendwie doch noch eine Fluchtmöglichkeit zu finden.

Ohne auf das Gebrüll der Menschen zu achten, die sich vor seinem Käfig versammelt hatten – einige deuteten auf ihn und lachten, andere zogen Grimassen –, sah er zu dem kleinen Wesen hin, das zwischen den Stäben hindurchschlüpfte, um ihm Gesellschaft zu leisten. Einen Affen nannten sie es. Er nannte es Alfinn – kleiner Kobold. Er war der einzige Freund, den Leif in dieser gottverlassenen Welt besaß, in die er hineingestolpert war, und ihm bedeutete diese Freundschaft viel.

Leif sprach zu dem Affen, als könnte der ihn verstehen, und machte sich über die Leute lustig, die sich über ihn lustig machten, auch wenn sie seine Worte natürlich nicht verstanden. Eines Tages, sagte er sich, würde er einen Weg aus diesem Käfig finden, würde frei sein von den Fesseln, die ihn so machtlos gegenüber seinen Feinden sein ließen. Eines Tages würde er dem fetten Snively den Stock entreißen und ihm diesen in seine verrotteten Eingeweide rammen.

Aufgeregt schnatternd hüpfte der Affe auf und ab, als Snively wieder auf Leif einstach, bis der einen Wutanfall bekam. Die Menge brüllte auf und wich zurück. Einige der Frauen schrien voller Angst.

Leif gefiel es, dass sie Angst vor ihm hatten.

Es war die einzige Macht, die er in einer Welt besaß, in der er ansonsten machtlos war, in der ihm sein Leben nicht länger gehörte.

Nach und nach zerstreute sich die Menge. Die Leute hatten gesehen, weswegen sie gekommen waren. Als Leif wieder nach draußen schaute, waren nur noch zwei Frauen übrig geblieben. Eine davon war rothaarig, kleiner als der Durchschnitt und auch hübscher, auch wenn sie nicht zu den Frauen gehörte, die anziehend auf ihn wirkten. Dazu ähnelte sie zu sehr einem Kind.

Er erinnerte sich daran, wie es war, eine Frau in den Armen zu halten, eine richtige Frau, die das Blut eines Mannes in Wallung bringen konnte.

Die Blonde war so eine Frau. Groß, üppig, reif für einen Mann, mit cremeweißer Haut und einem Mund, der für die Leidenschaft geschaffen zu sein schien. Er fühlte seine Männlichkeit erwachen. Es tat gut zu wissen, dass es seinen Feinden nicht gelungen war, ihn völlig zu brechen, sosehr sie es auch versucht hatten. Und es tat gut zu wissen, dass er immer noch ein Mann war.

Leif grinste dem Affen zu. „Na, das ist mal eine Frau … eine richtige Frau“, sagte er. „Mit einem einzigen Blick dieser hübschen grünen Augen könnte sie das Blut eines Mannes zum Kochen bringen.“

Alfinn schnatterte, als würde er ihn verstehen. Die Blonde sagte etwas zu der Frau neben ihr, drehte sich dann um und wollte gehen. Leif beobachtete, wie ein Windstoß ihr die Haube vom Kopf wehte. Goldblond schimmernde Locken fielen ihr rechts und links auf die Schultern. Sie reckte sich, um den Hut noch zu erwischen, und obwohl die voluminöse Kleidung ihre weiblichen Formen verhüllte, konnte er ihre schmale Taille und ihr hübsch gerundetes Hinterteil erkennen.

„Schau dir das an, Alfinn. Ein Hintern, wie geschaffen zum Vergnügen eines Mannes. Wäre ich nicht in diesem Käfig, ich würde ihr einen Ritt verschaffen, den sie so bald nicht vergisst, einen Ritt, der uns beide befriedigen könnte.“

Das Grinsen wich aus seinem Gesicht, als die Blonde herumwirbelte und ihn ansah. Ihre Wangen waren jetzt flammend rot, und ihre grünen Augen sprühten Feuer. Wie ein Falke auf seine Beute stürzte sie auf ihn zu, und unwillkürlich wich Leif von den Gitterstäben zurück.

„Wie kannst du es wagen!“

Sekundenlang stand er wie erstarrt da und fragte sich, ob die Frau vielleicht seine Gedanken lesen konnte.

„Du bist ein grobes, ungeschlachtes Tier! Und ich habe auch noch Mitleid mit dir gehabt – was war ich doch für eine Närrin!“ Mit einem Blick, der wilder war als alle Blicke, die er selbst in die Menge geworfen hatte, funkelte sie ihn an. Und noch bevor ihm klar wurde, dass sie ihm in der gleichen Sprache geantwortet hatte, in der er zu ihr gesprochen hatte, drehte sie sich um und eilte zu ihrer Freundin zurück.

„Warte!“, rief er hinter ihr her. „Geh nicht fort! Verzeih mir, was ich gesagt habe. Ich wusste nicht, dass du mich verstehen kannst. Ich wollte dich nicht beleidigen. Ich schwöre, ich habe noch nie eine Frau beleidigt!“

Sie hob zwar ein wenig den Kopf, doch sie ging weiter und ihre Freundin ebenfalls.

„Bitte, ich flehe dich an! Ich brauche deine Hilfe.“ Er verspürte einen Kloß in der Kehle. Mit jedem Tag war er näher daran, den Verstand zu verlieren. Verwirrt fragte er sich, ob das alles überhaupt geschehen war. „Bei den Göttern, bitte komm zurück. Ich flehe dich an.“ Seine Stimme brach. „Du bist meine … einzige Hoffnung.“

Endlich hielt sie an und blieb einige Sekunden lang mit dem Rücken zu ihm stehen. Dann drehte sie sich um und kam zum Käfig zurück. Sie hatte ihn wirklich verstanden, also war er doch nicht verrückt. Leif merkte nicht, dass ihm die Tränen in den Augen standen, bis er blinzeln musste und sie ihm in seinen dichten Bart rannen.

Rasch wischte er sie fort, bevor das Mädchen sie bemerken konnte.

„Es tut mir leid“, sagte er, als sie den Käfig erreicht hatte. „Ich weiß, ich habe dich beleidigt, doch das war nicht meine Absicht. Du sprichst meine Sprache. Niemand sonst versteht sie. Ich bin hier ein Gefangener und brauche dringend deine Hilfe.“

Er sah, wie sie die Stirn runzelte. Sie war nicht länger zornig. „Die Sprache, die du da sprichst … wo hast du sie gelernt?“ Sie sprach die Worte deutlich aus, wenn auch nicht perfekt, doch gut genug, dass er sie verstehen konnte.

„Dort, wo ich herkomme, spricht man so.“

„Das ist nicht möglich. Seit mehr als dreihundert Jahren hat keiner mehr Altnordisch gesprochen.“

„Auf der Insel Draugr ist das unsere Sprache.“

„Die Insel Draugr? Von der habe ich noch nie gehört.“

Leif schlug das Herz bis zum Hals. Er wusste, ein Ausrutscher, eine falsche Bewegung, und die Frau würde verschwinden und mit ihr vermutlich seine einzige Chance, die Freiheit wiederzuerlangen. „Von dort bin ich vor sechs Monaten losgesegelt. Weit im Norden von hier zerschellte mein Schiff an den Felsen, und ich wurde schwer verletzt an Land gespült.“

„Du hast Schiffbruch erlitten?“

Er nickte. „Als ich gesund genug war, um zu wissen, was geschehen war, wurde ich gefangen genommen und an den Mann verkauft, der mich in diesen Käfig steckte.“

Die Blonde biss sich auf die vollen, rosigen Lippen. Es erstaunte ihn, dass er erneut Verlangen nach ihr verspürte. Nachdem er die letzten sechs Monate wie ein Tier hatte leben müssen, hätte er das nicht für möglich gehalten.

„Ich heiße Leif.“

Sie blickte auf sein Handgelenk und sah das dünne Blutrinnsal, das dort, wo die Fessel die Haut wund rieb, hinunterlief.

„Mein Vater spricht deine Sprache viel besser als ich, Leif. Er wird mit dir reden können und dir helfen, aus diesem Käfig herauszukommen.“

Leif zwang sich, nicht näher zu ihr zu treten. Denn er wollte nichts tun, was ihr bedrohlich erscheinen mochte, da er es sich nicht leisten konnte, sie zu verjagen.

„Dann wirst du wiederkommen und deinen Vater mitbringen?“

„Ja.“

„Wie ist dein Name?“

„Mein Name ist Krista Hart.“

„Schwörst du es bei deiner Ehre, Krista Hart?“

Einen Augenblick lang schien sie überrascht zu sein. „Ja, ich schwöre es bei meiner Ehre.“

Er nickte knapp. Während er ihr nachsah, fühlte er sich mit einem Mal erschöpft. Er wusste, dass die Hoffnung ihn schwächte, die ihn plötzlich erfasste. Das Wenige, das er besaß, hatte er verloren. Jetzt glaubte er, dass er es nicht überleben würde, wenn sie nicht wiederkam.

Müde setzte er sich in seinem Käfig auf den Boden, und der kleine Affe Alfinn kletterte auf seine Schulter. Zusammen würden sie auf den Mann, der Snively hieß, und auf dessen Helfer warten. Die Männer würden ihn in einen größeren Käfig bringen, ihn wie ein Tier füttern und tränken, ihn mit eiskaltem Wasser abspritzen, um ihn zu säubern, und dann für die nächste Vorstellung in den kleinen Käfig zurückschaffen.

Leif wurde die Brust eng. Vielleicht würde die Frau morgen kommen.

Er dachte an ihr dickes goldblondes Haar, das lockig ein hübsches Gesicht mit lebhaften grünen Augen umrahmte. Und er dachte an einen göttlichen Körper und betete, dass sie mehr war als nur eine schöne Frau.

Er betete, dass Krista Hart eine Frau von Ehre war.

4. KAPITEL

Hastig eilte Krista in ihr Stadtpalais in Mayfair und lief den Gang hinunter zum Zimmer ihres Vaters. Da sie geradewegs aus dem Zirkus kam, hatte sie Coralee im Schlepptau.

Krista klopfte, und ohne lange abzuwarten, stieß sie die Tür zum Studierzimmer ihres Vaters auf. „Vater, Sie werden es nicht glauben …“

Wie angewurzelt blieb sie stehen, als Matthew Carlton sich vom Stuhl vor dem Schreibtisch des Professors erhob. Wenn Matthew in letzter Zeit auch immer häufiger bei ihnen erschienen war, hatte sie ihn dennoch nicht erwartet.

Auch ihr Vater stand auf. „Was ist, Liebes? Doch kein neuer Ärger mit der Gazette?“

Sie blickte zu Matthew. Inzwischen machte er ihr deutlich den Hof, aber Krista war sich ihrer wahren Gefühle für ihn immer noch nicht sicher. Doch Matthew war intelligent und ein guter Gesprächspartner. Außerdem sah er mit seinen hellbraunen Haaren und den ebenmäßigen Zügen gut aus. Ihr Vater glaubte, dass er einen guten Ehemann abgeben würde. Und Matthew war auch der Ansicht, dass sie beide bestens zueinander passen würden.

Natürlich war es gut möglich, dass sein Interesse von Kristas beachtlicher Mitgift und dem Erbe ihrer Mutter angestachelt wurde.

„Nein, Vater, es hat nichts mit unserer Zeitung zu tun.“ Wieder schaute sie zu Matthew. Sie wusste nicht, warum sie zögerte, in seiner Gegenwart zu sprechen.

„Es tut mir leid“, sagte Krista zu ihm, „aber ich muss mit meinem Vater reden. Unter vier Augen.“

„Natürlich.“ Als Gentleman ließ Matthew sich zwar nichts anmerken, doch Krista wusste, dass es ihm nicht gefiel, wie ein Kind fortgeschickt zu werden.

Höflich neigte er den Kopf. „Wenn Sie mich entschuldigen wollen …“

„Vielleicht haben Matthew und Miss Whitmore Lust, im Salon eine Erfrischung zu sich zu nehmen“, schlug ihr Vater diplomatisch vor.

„Das wäre nett.“ Corrie schenkte Matthew ein zauberhaftes Lächeln, während sie ins Studierzimmer schwebte und seinen Arm ergriff. Sie warf Krista einen Blick zu, der besagte: „Dafür schuldest du mir etwas“, dann führte sie Matthew den Gang hinunter.

Kaum hatte sich die Tür hinter ihnen geschlossen, als Krista auch schon von ihrem Zirkusabenteuer und dem wilden Mann im Käfig erzählte.

„Es war erstaunlich, Vater. Der Mann spricht Altnordisch. Deswegen verstand auch keiner, was er sagte. Zuerst hatte ich auch Schwierigkeiten.“ Krista versuchte, nicht zu erröten bei der Erinnerung an die obszönen Bemerkungen des großen Mannes.

Der Professor setzte die Brille ab. Seine Neugier war geweckt. „Sagte er, wie er die Sprache erlernte?“

„Das ist es ja. Er sagte, er komme von einer Insel, die sie Draugr nennen, und dass dort jeder Altnordisch spräche.“

Der Professor machte große Augen. „Die Insel Draugr? Bist du sicher, dass er das gesagt hat?“

„Ja, natürlich. Kennen Sie sie?“

„Auf Altnordisch heißt draugr Geist. Es gibt eine Legende über die Geisterinsel. Man erzählt sich, es sei ein von Nebel umhüllter Ort, ein felsiges Stück Land, voller Gefahren für einen unvorsichtigen Kapitän und sein Schiff. Die meisten meinen allerdings, dass dieser Ort überhaupt nicht existiert.“

„Was hat es mit dieser Legende auf sich?“

„Mal angenommen, die alten Wikinger, die in Grönland lebten, starben nicht zu Anfang des sechzehnten Jahrhunderts aus, wie die meisten Gelehrten glauben. Als ihre Anzahl durch Krankheiten und todbringendes Wetter immer kleiner wurde, flüchtete sich das Volk in die Sicherheit einer Insel irgendwo im Norden der Orkneys.“

„Die Insel Draugr?“

Er zuckte die schmalen Schultern. „Keiner weiß es wirklich. Doch so sagt es die Legende.“

Krista dachte an den Mann im Käfig. „Es ist gut möglich, Vater, dass es weit mehr als nur eine Legende ist.“

Sie berichtete ihm von dem Schiffbruch und dass der Mann erzählte, man habe ihn gefangen genommen und in die Sklaverei verkauft. „Es war mitleiderregend. Keiner sollte behandelt werden wie dieser arme Kerl.“

Seine braunen Augen strahlten, als der Professor jetzt hinter dem Tisch hervortrat. „Und du glaubst nicht, dass er geisteskrank ist … einer, der die Sprache vielleicht irgendwie gelernt hat und jetzt nur so tut als ob?“

„Ich weiß nicht, was ich glauben soll. Aber ich versprach, dass wir ihm helfen würden. Ich gab ihm mein Wort.“

„Dann sollten wir ihm auch helfen.“ Ihr Vater ging zur Tür und öffnete sie. Er wartete, bis Krista auf den Gang hinaustrat. „Wir werden uns bei Matthew entschuldigen und Coralee auf unserem Weg zum Zirkus zu Hause absetzen.“

Krista fühlte sich erleichtert. Sie hatte ihr Wort gegeben, und sie war entschlossen, es auch zu halten.

Leif war für die Spätnachmittagsvorstellung wieder zurück in seinen Käfig gebracht worden. Der fette Snively musste ihn nicht stechen, damit er die Menge voller Wut anbrüllte. Leif brauchte sich nur vorzustellen, dass die Frau, mit der er gesprochen hatte, ihr Wort brechen und nicht wiederkommen würde. Er musste nur daran denken, wie er den Rest seiner Tage zusammengekauert auf dem Boden eines eisernen Käfigs verbringen würde, und die Verzweiflung in ihm verwandelte sich in heiße Wut.

Die übliche Menschenmenge versammelte sich vor dem Käfig, und Alfinn erschien. Anscheinend spürte er, dass Leif während dieser Zeit seine Gesellschaft brauchte. Leif hob die gefesselten Fäuste und hämmerte gegen die Stäbe. Einer aus der Menge warf einen Stein nach ihm. Einige andere machten es ihm nach, und der scharfe Schmerz, den die Steine ihm verursachten, steigerte Leifs Wut.

Snively grinste. Er war hingerissen von der Vorstellung, und das stachelte Leifs Wut nur noch mehr an. Er tobte und beschimpfte die Zuschauer mit Ausdrücken, die nicht für das Ohr eines anständigen Menschen gemacht waren. Da erhaschte er einen Blick auf leuchtend blondes Haar im Hintergrund der Menge.

Sein Herz machte einen Sprung und hämmerte dann wie wild in seiner Brust. Sie war gekommen. Diese große blonde Frau, die alle anderen überragte, diese Frau mit der glatten Haut und den strahlend grünen Augen konnte man nicht verwechseln. Leif schluckte die Worte hinunter, die er der Menge noch hatte zubrüllen wollen. Einmal hatte er die Frau bereits beleidigt. Er würde es nicht wieder tun. Schweigend beobachtete er, wie sie auf ihn zukam, gefolgt von einem noch größeren, sehr dünnen Mann. Er trug einen dieser komischen hohen Hüte, die die Männer hier zu mögen schienen. Leif zwang sich, geduldig zu warten, obwohl er doch vor Freude und voll neuer Hoffnung laut hätte schreien mögen. Da trat Snively vor den Käfig und hinderte den Mann und die Frau am Näherkommen.

Leif wusste, dass er sie vor der Gefahr warnte.

Der dünne Mann lächelte nur und sprach dann mit Snively. Doch Leif verstand nicht, was er sagte. Während der ganzen Zeit ließ die Frau Leif nicht aus den Augen, und ihr Gesichtsausdruck wurde immer finsterer. Der Dickwanst sagte etwas und ging dann fort. Schaudernd vermutete Leif, dass er wohl zu seinem Herrn lief. Man nannte ihn Leopold, und er war noch grausamer als der fette Snively.

Leif richtete nun seine ganze Aufmerksamkeit auf das Paar vor seinem Käfig.

„Mein Name ist Paxton Hart“, sagte der dünne Mann, und Leif verstand jedes Wort.

„Ich bin Leif von Draugr. Dort komme ich her.“

„Meine Tochter erzählte mir einen Teil deiner Geschichte. Ich würde gerne den Rest hören.“

Leif blickte über die Schulter zu dem Wagen, in dem sich Leopold wahrscheinlich aufhielt. Aber er sah niemanden kommen. Rasch erzählte er Paxton Hart seine Geschichte.

„Ich war ein freier Mann, jetzt bin ich ein Sklave. Ich hoffe, du kannst mir helfen.“

„In England gibt es keine Sklaven“, erklärte Paxton. „Hier kann kein Mann einen anderen besitzen.“ Er wandte sich an die Frau, von der er sagte, sie wäre seine Tochter, und sprach Worte, die Leif nicht verstand. Als er Schritte hörte, blickte Leif auf und sah, dass Leopold herbeieilte. Sosehr er sich auch zu beherrschen versuchte, begann er doch innerlich zu zittern.

„Sind Sie der Besitzer des Zirkus?“, fragte der Professor.

Der Mann hatte schwarze Haare und war in den Vierzigern. Er machte eine übertriebene Verbeugung. Als er sich wieder aufrichtete, lag ein schmieriges Lächeln auf seinem Gesicht. „Nigel Leopold, zu Ihren Diensten. Und Sie sind …?“

„Professor Paxton Hart.“

Sir Paxton Hart“, fügte Krista hinzu, in der Hoffnung, dass der Titel ihnen irgendwie helfen würde.

„Erfreut, Sie kennenzulernen, Sir Paxton.“ Leopold ließ wieder sein falsches Lächeln aufblitzen.

Krista empfand sofort Abneigung gegen den Mann. „Mr. Leopold“, sagte sie. „Sie halten einen Mann gegen seinen Willen fest. Er behauptet, Sie hätten ihn entführt. Damit machen Sie sich eines entsetzlichen Verbrechens schuldig.“ Sie deutete auf den Käfig. „Lassen Sie ihn sofort frei.“

Leopold lachte. „Der Kerl floh aus Bedlam. Ich tue ihm nur einen Gefallen. Aber wenn Sie wünschen, dass er zurückgebracht wird …“

„Ihm fehlt überhaupt nichts“, erwiderte Kristas Vater. „Er spricht nur eine fremde Sprache.“

„Unsinn – das behauptet er nur. Der ist völlig verrückt. Hier verdient er sich wenigstens seinen Unterhalt. Wir füttern ihn dreimal am Tag und geben ihm einen trockenen Schlafplatz.“

„Er ist kein Tier“, meinte Krista scharf. „Und er verdient nicht, wie eines behandelt zu werden.“

„Der Mann ist verrückt. Wie ich schon sagte, ich tue ihm nur einen Gefallen.“

Stirnrunzelnd betrachtete der Professor den Zirkusbesitzer. „Ich glaube, ich verstehe jetzt, wo das Problem liegt. Für wie viel würden Sie ihn freilassen?“ Immerhin war Leif eine einzigartige Attraktion. „Der letzte Barbar“ zog sehr viele Leute an, die einiges an Geld da ließen. Leopold wollte ihn nicht verlieren. Leif die Freiheit zu erkaufen würde also nicht billig sein.

„Glauben Sie mir, mein Freund, den Preis können Sie nicht aufbringen“, sagte Leopold.

Krista blickte zu dem gefesselten blonden Mann, der in dem viel zu kleinen Käfig kauerte. Auch wenn es an diesem Tag recht warm war, blies doch ein scharfer Wind, und mit so wenig Kleidung am Körper musste er frieren. Einen Augenblick lang trafen sich ihre Blicke und hielten einander fest. In seinen Augen lag ein so verzweifelter, gequälter Ausdruck, dass Krista vor Mitleid das Herz schwer wurde. Ganz gleich, was es kostete, es kam nicht infrage, dass sie ein menschliches Wesen in diesem Käfig ließ.

Ihr Vater nannte eine mehr als angemessene Geldsumme, doch Leopold lächelte nur und schüttelte den Kopf. „Sie müssen keine Angst haben. Wie ich schon sagte, er verdient sich seinen Unterhalt.“

„Dann werden wir wohl andere Maßnahmen ergreifen müssen“, sagte Krista. „Erstens möchte ich Sie daran erinnern, dass mein Vater von der Königin zum Ritter geschlagen wurde. Zweitens, mein Name ist Krista Chapmann Hart. Mein Großvater ist der Earl of Hampton.“

Auch wenn er seine Gesichtszüge rasch wieder in der Gewalt hatte, schossen Leopolds schmale schwarze Augenbrauen doch für einen kurzen Moment nach oben.

„Außerdem“, fuhr Krista fort, „hat der Mann im Käfig Sie eines Verbrechens bezichtigt. Mein Vater und ich sprechen beide seine Sprache, und wir wären mehr als glücklich, wenn wir vor Gericht bezeugen dürften, dass Sie ihn entführt haben und ihn hier gegen seinen Willen festhalten. Und dass Sie ihn aus Selbstsucht zu Ihrem eigenen Profit versklaven. Wir werden der Obrigkeit unwiderruflich klarmachen, dass Sie, Mr. Leopold, der Mann sind, der hinter Gitter gehört.“

Leopolds Gesichtsfarbe wechselte zu einem lebhaften Rot. „Sie können mir nicht drohen!“

„Meine Tochter hat Ihnen nicht gedroht“, sagte der Professor. „Sie hat nur die Tatsachen festgestellt. Wenn Sie dem widersprechen wollen, so steht Ihr Wort gegen unseres.“

Ein schmieriger Zirkusbesitzer gegen einen Ritter des Königreichs und ein Mitglied der Aristokratie. Fast musste Krista lächeln.

„Sie haben die Wahl“, fuhr ihr Vater fort. „Entweder akzeptieren Sie einen vernünftigen Geldbetrag als Gegenleistung für die Auslagen, die Sie in den letzten sechs Monaten für Mr. Draugrs Wohlergehen hatten, oder Sie stellen sich dem Zorn der Obrigkeit. Wie entscheiden Sie sich?“

Leopold fluchte vor Wut. Er ballte die Hand zur Faust und schüttelte sie gegen Krista. Im Käfig hinter ihr hörte sie, wie Leif drohte, Leopold die Zunge herauszuschneiden, sollte er Hand an einen von ihnen legen.

Wieder hätte sie fast gelächelt. Doch als sie sich umdrehte, sah sie die großen, gefesselten Hände des Mannes die Gitterstäbe umklammern, als wollte er sie durch bloße brutale Gewalt zerbrechen, und seine Augen versprachen Rache.

War er wirklich so gefährlich, wie der Zirkusdirektor behauptete?

„Mr. Leopold …?“, drängte ihr Vater.

„Schon gut, schon gut. Sie haben gewonnen. Geben Sie mir das verdammte Geld. Nehmen Sie den verfluchten Bastard. Dann bin ich ihn Gott sei Dank los. Besser, wenn keiner von euch sich hier wieder blicken lässt.“

Der Professor räusperte sich. „Ich befürchte, dass ich nicht so viel Geld bei mir trage. Wir werden hier warten müssen, bis meine Tochter mit der Summe zurückkehrt.“

Leopold fluchte und stapfte davon.

Krista eilte zur Kutsche. Eine halbe Stunde später kehrte sie mit einem Beutel voll goldener Sovereigns zum Zirkus zurück. Ihr Vater brachte das Geld zu Mr. Leopolds Wagen und kam dann mit dem dicken Mann, den Krista zuvor schon gesehen hatte, zum Käfig zurück. Es war der Mann mit der Narbe auf der Wange.

Leise fluchend steckte der Kerl den rostigen Eisenschlüssel ins Schloss und öffnete die Tür, um Leif von der Insel Draugr freizulassen.

Krista stand dabei, als die Käfigtür aufschwang und der blonde Riese die Holzstufen herunterkletterte. Als er sich zu seiner vollen Größe aufrichtete, sah sie, dass er mindestens sechs Zoll größer war als sie. Zum ersten Mal in ihrem Leben fühlte sie sich wirklich klein.

Ruhig stand er vor ihrem Vater, während der dicke Mann sich niederkniete, um die Fesseln an seinen Fußknöcheln und dann die an seinen Handgelenken zu lösen. Kaum war er frei, packte Leif den Mann knurrend am Hemd und hob ihn hoch. Er schüttelte den Burschen derart, dass Krista befürchtete, er würde ihm das Genick brechen.

„Leif! Halt ein! Wenn du ihn verletzt, werden sie dich mit Sicherheit wieder in den Käfig stecken!“, schrie sie auf Altnordisch.

Er sah sie an. In seinen Augen konnte sie den Sturm erkennen, der in seinem Innern tobte. Einen Augenblick später schienen ihre Worte seine Wut durchdrungen zu haben, und er warf den kräftigen Burschen fort wie einen Sack Müll.

„Mein Freund“, sagte der Professor zu Leif, „wenn du unter zivilisierten Menschen leben willst, musst du lernen, dieses ungezügelte Temperament zu beherrschen.“

„Ich beherrsche mich bereits“, antwortete Leif. „Sonst wäre dieser Hurensohn jetzt tot.“

Krista unterdrückte ein Schmunzeln.

„Ich glaube, das ist jetzt der richtige Moment für uns zu gehen“, verkündete ihr Vater.

„Ich gehe nicht ohne meine Sachen.“ Leif starrte Snively, der sich gerade wieder aus dem Schmutz aufrappelte, wütend an. „Sagt ihm, ich will mein Schwert und den Rest meines Besitzes, den sie mir gestohlen haben.“ Er warf einen Blick auf den winzigen Affen, der an den Gitterstäben hing. „Und sagt ihm, dass Alfinn mit mir kommt.“

„Alfinn?“, wiederholte Krista.

Er deutete auf das kleine Tier, das nicht viel größer war als seine Hand. „Alf ist der einzige Freund, den ich in den letzten sechs Monaten hatte. Ich werde ihn nicht hierlassen.“

Krista seufzte. „Ich will sehen, was ich tun kann.“ Sie übersetzte die Worte des blonden Mannes und deutete dabei auf den Affen. Snively brummte etwas, was sie nicht ganz verstand.

Als Leif einen drohenden Schritt auf Snively zumachte, wich der mit erhobenen Händen zurück. „Sagen Sie dem Kerl, er kann den verdammten Affen haben. Sagen Sie ihm, ich gehe jetzt seine Sachen holen.“

Leif griff nach Alfinn. Der kletterte an seinem Arm hoch, setzte sich auf seine Schulter und sah dabei sehr erfreut aus, was äußerst komisch wirkte. Krista musste zugeben, dass er ein niedlicher kleiner Bursche war, auch wenn sie nicht wusste, was sie mit ihm anfangen sollten.

Aber sie hatte auch keine Ahnung, was sie mit Leif anfangen sollten.

Wenige Minuten später kam der bullige Mann zurück. Er legte Leifs schweres Schwert auf den Boden, das in einer dicken Lederscheide steckte, zusammen mit einem mit geschnitztem Hirschhorn verzierten Gehänge und einem Armband, das Leif offensichtlich ebenfalls gehörte.

„Sagen Sie ihm, dass seine Kleider von den Felsen zerfetzt wurden.“

Krista nickte, übersetzte für Leif, und der Mann eilte davon. Ihr Vater brach auf, und Leif folgte ihm, nachdem er seine Habseligkeiten eingesammelt hatte. Krista ignorierte die Leute, die sie anstarrten, als sie an ihnen vorbeigingen: zwei Männer, einer davon fast nackt, und eine Frau, die so groß war wie ein Mann. Bei der Kutsche blieben sie stehen.

„Nun, Vater, was schlägst du vor, was wir jetzt tun sollen?“

„Wie? Oh ja … ja, darüber müssen wir reden.“ Er sah zu dem riesigen blonden Mann hoch. „Du hast keinen Ort, wohin du gehen könntest, Leif of Draugr. So viel ist klar. Bis du eine Lösung für dein Problem gefunden hast, kannst du bei uns bleiben.“

Leif schien über den Vorschlag nachzudenken. „Ich brauche ein Schiff, um nach Hause zurückkehren zu können.“ Sein Blick schweifte über die belebten Londoner Straßen. „Der Ort hier, an dem ihr lebt … wie heißt der?“

„London“, entgegnete der Professor.

„Auf Draugr träumten die jungen Männer jahrelang davon, ferne Orte zu sehen … Orte, von denen unsere Vorfahren in den Sagas erzählten. Aber es gab keinen Wald mehr. Man konnte keine Segelschiffe bauen, wie unsere Vorväter es taten, die zu ihrer Zeit große Wikingerkrieger waren. Dann strandete ein Schiff auf den Felsen am nördlichen Ende der Insel, und wir erhielten endlich die Gelegenheit, auf die wir gewartet hatten.“

Seine Augen suchten Krista, und sein Blick war so intensiv, dass sie meinte, ihn auf der Haut spüren zu können. Dann wandte er sich wieder an ihren Vater. „Ich verließ die Insel, um die Welt zu erkunden … um alles zu lernen, was ich lernen konnte. Bis jetzt habe ich nur Grausamkeit kennengelernt. Aber ich glaube, man kann hier auch Gutes finden. Mehr denn je muss ich also noch lernen. Willst du mich unterrichten?“

Der Professor strahlte förmlich. „Wir beide schließen einen Handel ab. Ich werde dich unterrichten – wenn du mich unterrichtest!“

Auf dem Gesicht des blonden Mannes erschien ein Lächeln, und in seinem dichten Bart blitzten blendend weiße Zähne auf. Das Lächeln verwandelte seine Züge und ließ ihn jünger aussehen.

Fast nackt stand er da, und zum ersten Mal sah Krista ihn als Mann. Er besaß den Körper eines Wikingerkriegers, eine erstaunlich männliche Statur, die Krista einen kleinen Schauer über den Rücken jagte.

Ihrem Vater musste aufgefallen sein, wohin sie schaute, denn er öffnete den Schlag, holte eine Decke unter dem Sitz hervor und legte sie Leif um die mächtigen Schultern. Einen Moment lang wich der kleine Affe zur Seite und kauerte sich dann wieder auf seinen Platz.

„Ich glaube, die Leute haben dich genug angestarrt.“

Leif nickte nur und umklammerte die Decke, während Krista in die Kutsche stieg und Platz nahm.

Als Nächster stieg der Professor ein, gefolgt von Leif. Mit seiner großen Gestalt schien er das Innere des Wagens auszufüllen. Als die Kutsche anfuhr, ertappte Krista sich dabei, wie sie sein Gesicht betrachtete, die hohen Wangenknochen und die unglaublich blauen Augen.

Sie fragte sich, wie alt er war und wie er wohl ohne die langen Haare und den ungepflegten Bart aussehen mochte.

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