Logo weiterlesen.de
Mein spanischer Traummann

1. KAPITEL

Emma hängte ihren Mantel auf und blickte niedergeschlagen auf die vielen Bücherwagen. Auf ihnen stapelten sich Unmengen an Büchern und warteten darauf, zurück in die Regale sortiert zu werden. Als Margaret den Posten der Chefbibliothekarin bekommen hatte, hatte Emma schon geahnt, dass es kompliziert werden würde. Sie waren beide in der engeren Auswahl gewesen, aber sie hatte nicht damit gerechnet, dass Margaret nachtragend sein würde. Es war eine knappe Entscheidung zugunsten Margarets gewesen, und diese nutzte ihre Position nun schamlos aus und machte Emma das Leben schwer, wo es nur ging. Janette, die andere Bibliothekarin, hatte so getan, als ob sie sich über Margarets Beförderung freue. Diese dankte es ihr, indem sie Emma provozierte und ihr Aufgaben zuwies, die eigentlich von Janette erledigt werden sollten. Als Emma fragte, warum sie nun auch noch Janettes Arbeit übernehmen musste, bekam sie lediglich die Antwort, Janette sollte Margaret unterstützen.

Emma entschied sich nach einer neuen Stelle zu suchen – die Lage hier würde sich nicht verbessern. Es hätte auch keinen Sinn, sich zu beschweren. Ihre Vorgesetzten würden annehmen, sie nörgle herum, weil sie keine Beförderung bekommen hatte. Sie liebte ihre Arbeit, und sie würde sie vermissen – auch die Menschen, mit denen sie zu tun hatte. Einige Stammkunden der Bibliothek kamen immer mal wieder auf einen Plausch, obwohl sie nichts ausleihen wollten. Jobs für jemanden mit ihrer Qualifikation waren nicht gerade zahlreich gesät. Sie hatte sich schon für einige Stellen in der Umgebung beworben. Die meisten davon waren zwar nicht für eine ausgebildete Bibliothekarin zugeschnitten, aber immerhin für Tätigkeiten, bei denen sie ihre Fähigkeiten nutzen konnte.

Sie betrachtete die Bücherstapel und gab sich einen Ruck. Ihr dichtes kastanienbraunes Haar umspielte ihre schmalen Schultern, während sie auf den Bücherwagen zusteuerte. Es gab keinen Grund, sich Sorgen zu machen oder sich zu ärgern. Sie würde versuchen optimistisch zu sein und hoffen, dass sich bald etwas Neues ergab. Ihren Anteil an Büchern hatte sie bereits am Freitag weggeräumt, bevor sie Feierabend gemacht hatte. Die Bücher, die nun auf dem Wagen lagen, sollten eigentlich von Janette eingeräumt werden. Allerdings hatte Margaret ihr diese Aufgabe quasi in letzter Minute zugeschoben. Emma begann sie zu sortieren. Ihre Finger bewegten sich flink, fast schon automatisch, während sie die vertraute Aufgabe erledigte. Schließlich machte sie eine kleine Pause, befüllte die Kaffeemaschine, und bald schon verbreitete sich der beruhigende Duft von frisch gebrühtem Kaffee durch die Räume.

Die Bibliothek hatte noch nicht geöffnet, und Janette und Margaret waren noch nicht da. Da die Fenster über das ganze Wochenende verschlossen geblieben waren, war die Luft in den Räumen mit den hohen Decken etwas stickig. Emma schob den ersten Bücherwagen in Richtung der Hauptausleihbereiche und öffnete eine der Doppeltüren, die auf die Corn Street hinausführten. Die Luft draußen war frisch und angenehm, obwohl der Himmel voller grauer Wolken hing. Emma trödelte ein wenig herum, blickte die leere Straße hinunter und betrachtete die nicht wirklich akkurat geschnittenen Büsche im gegenüberliegenden Park. Um diese Uhrzeit war es überall noch still, nur das Lied einer Amsel erklang aus der Nähe.

Sie ging zurück, und einige Minuten später hatte sie die erste Ladung an Büchern in die richtigen Regale sortiert. Nun schenkte sie sich im Büro einen frischen Kaffee ein, kam mit ihrem Becher wieder hinaus und lehnte sich an den alten, etwas in die Jahre gekommenen Schalter. Sie genoss den würzigen Geschmack des Kaffees und den stillen Moment – trotz der beklemmenden Aussichten auf das, was dieser Tag wahrscheinlich mit sich bringen würde.

Gerade hatte sie ihre Tasse wieder abgestellt, um den nächsten Bücherstapel in Angriff zu nehmen, da wurde sie plötzlich von dem Geräusch schneller Schritte aufgeschreckt. Irgendjemand stürmte förmlich die Stufen der Bibliothek hinauf. Noch bevor ihr Gehirn richtig verarbeiten konnte, was geschah, eilte ein großer dunkelhaariger Mann durch den Raum. Er blickte kurz über die Schulter, während er auf sie zukam. Dicht vor ihr blieb er stehen. Er sprach atemlos: „Ich muss mich vor den Journalisten verstecken – keine Zeit für weitere Erklärungen.“

Er war etwa Mitte dreißig und sah extrem gut aus. Emma starrte ihn einen Moment lang an, bevor sie es schaffte „Wie bitte?“ zu sagen.

„Wo kann ich mich verstecken?“, drängte er ungeduldig.

Er kam ihr entfernt bekannt vor, aber sie konnte nicht wirklich festmachen, wo sie ihn schon einmal gesehen haben könnte. Sein Gesicht war leicht von der Sonne gebräunt, mit markanten Zügen und intensiven dunklen Augen. Seine Kleidung war für einen Kriminellen zu teuer – ohnehin eine dumme Annahme, er könnte ein Verbrecher sein. Emma handelte impulsiv und spürte, dass er weder für sie noch für jemand anderen eine Gefahr darstellte. Sie hörte, wie sich erneut Schritte näherten, und öffnete die Tür des kleinen Büros.

„Hier hinein“, flüsterte sie, „und seien Sie still!“

Er benötigte keine weitere Einladung und drängte an ihr vorbei, wobei sie einen Hauch seines würzigen Aftershaves wahrnahm. Sie schloss die Tür mit der Milchglasscheibe und zog den halb beladenen Bücherwagen davor – gerade noch rechtzeitig. Einige Männer stürmten in das Gebäude, schwangen Kameras und fuchtelten mit Notizblöcken und Mikrofonen herum. Sie nahm irgendein Buch in die Hand und musste nicht vorgeben, bei dem Anblick der Journalisten, die sich gegenseitig anrempelten, erstaunt zu sein. Einige begannen den Saal mit den dicht stehenden Bücherregalen zu durchsuchen. Die meisten kamen allerdings erwartungsvoll auf sie zu und überschlugen sich fast im Kampf um ihre Aufmerksamkeit.

„Wo ist er? Wohin ist er gegangen?“

Ein Reporter hielt ein großes Mikrofon vor ihr Gesicht. „Sie müssen ihn gesehen haben!“

Emma verbarg ihre Nervosität hinter Gegenfragen. „Von wem sprechen Sie? Das ist eine öffentliche Bibliothek. Nach wem suchen Sie?“

Aus den hinteren Reihen kam eine ungeduldige Stimme: „Damián Alvarez! Er war uns nur um einige Minuten voraus. Er muss hier sein!“

„Alvarez?“ Emma nahm die Neuigkeiten zur Kenntnis und stellte fest, dass sie einen Prominenten im Büro versteckte. Sie schaute angemessen verwirrt drein und verlangte nach weiteren Informationen. „Sie meinen den Golfspieler Alvarez? Du lieber Himmel! Was sollte der hier verloren haben?“

Ein Journalist in einem schäbigen Regenmantel antwortete. „Wir waren hinter ihm her, und diese Tür hier war offen.“ Er rieb sein Kinn. „Wenn er nicht hier hereingekommen ist, muss er weitergerannt sein.“

Sie setzte einen irritierten Blick auf. „Die Tür steht offen, aber ich beobachte nicht die Leute, die vorbeigehen. Ich habe zumindest niemanden gesehen.“ Was ja auch stimmte. Damián Alvarez war nicht vorbeigelaufen; sie hatte ihn ins Büro geschickt.

Einer der Reporter war neugierig genug zu fragen: „Was ist da drin?“ Er deutete auf die Tür des Büros.

Ein Hauch von Rosa verfärbte ihre Wangen, als Emma ihn offen anblickte. „Das ist das Büro des Bibliothekars. Es ist verschlossen, und niemand betritt es ohne Erlaubnis. Und Sie sollten auch nicht hier drin sein. Die Bibliothek hat noch nicht geöffnet.“

Ein dicklicher Journalist kratzte sich an der Wange, kaute nachdenklich auf seinem Kaugummi und murmelte. „Er muss hier sein. Die Straße verläuft schnurgerade, und die anderen Geschäfte sind noch geschlossen.“

„Was ist mit dem Park? Er könnte dort sein, oder? Wie auch immer, was hat er getan und warum verfolgen Sie ihn?“

Die Journalisten betrachteten zunächst aufmerksam Emma, dann beäugten sie sich gegenseitig misstrauisch, um dann wie eine Horde Lemminge aus der Tür und über die Straße zu stürmen. Die wenigen, die in der Hoffnung, eine sensationelle Entdeckung zu machen, durch die Räume gestreift waren, rannten ihren Kollegen hinterher.

Emma nahm ihren Becher und nippte an dem inzwischen lauwarmen Kaffee, während sie zusah, wie die letzten verschwanden. Sie ging durch alle Räume, um sicherzustellen, dass sie leer waren, und verschloss dann den Haupteingang. Sie war aufgeregt. Es fühlte sich an, als ob sie in einem Film mitspielte. Sie ging zum Büro, schob den Bücherwagen beiseite und öffnete schwungvoll die Tür. Ihr Besucher saß hinter dem Tisch und hielt eine Kaffeetasse in der Hand. Ein Bein hatte er lässig auf die Tischkante gelegt.

Er blickte auf und schenkte ihr ein Lächeln. „Danke! Ich konnte alles mit anhören, Sie haben das sehr gut gemacht.“ Er stand auf und streckte ihr seine große Hand entgegen. „Damián Carlos Leandro Alvarez – ich stehe in Ihrer Schuld!“

Emma gab ihm ihre Hand, die in seiner verschwand. In früheren Zeiten hätte sich ein spanischer Grande genau so vorgestellt. Seine rabenschwarzen Augen funkelten. Sein markantes Kinn zeugte von einem starken Willen, und seine Augen ließen seine Ehrlichkeit erahnen. Ihre Bedenken zerstreuten sich ein wenig, obwohl sie sich an einen ziemlich negativen Zeitungsartikel erinnerte, in dem es über die Jet-Set-Kreise, denen er angehörte, und sein persönliches Verhalten ging.

Sie verschränkte die Arme und fragte: „Würde es Ihnen etwas ausmachen, Mr Alvarez, mir zu erklären, was all das soll?“

Er ging zur Kaffeemaschine, die leise blubbernde Geräusche von sich gab. Er war sehr groß und hatte den gut gebauten Körper eines Sportlers. Nachdem er seine Tasse noch einmal aufgefüllt hatte, drehte er sich zu ihr herum. Emma musste zu ihm aufblicken.

„Nichts, worüber man sich Gedanken machen müsste! Ich war gestern Nacht bei Lydia Maynard. Haben Sie schon mal von ihr gehört?“

Emma schüttelte den Kopf. Angesichts der Tatsache, dass sie aus zwei verschiedenen Welten kamen, hätte er das ahnen können.

„Sie ist Witwe und war die Ehefrau eines der reichsten Bankiers Englands.“ Beiläufig fuhr er fort: „Gerüchten zufolge hassten sich die beiden, aber sie tolerierten sich, da eine Trennung für beide Seiten unvorteilhaft gewesen wäre. Es ging um zu viel Geld.“ Er trank einen Schluck schwarzen Kaffee. „Der ist gut! Wie auch immer, Lydias Ehemann starb letzte Woche unerwartet an einem Herzanfall. Gestern wurde er beerdigt. Lydia ist nicht wirklich gut darin, die trauernde Witwe zu spielen, also rief sie mich an und lud mich gestern Abend zu einer Dinner-Party ein. Da ich nichts anderes zu tun hatte, nahm ich die Einladung an. Zu meiner Überraschung war ich der einzige Gast. Irgendwie hat die Presse Wind davon bekommen. Sie haben ohne Unterbrechung an die Tür gehämmert. Sie können sich ihre Freude vorstellen, als Lydia dummerweise die Tür öffnete und nur mit sehr spärlicher Unterwäsche bekleidet war.“

Emma verzog keine Miene, obwohl es sie einiges an Anstrengung kostete.

Er fuhr fort: „Ich habe es geschafft, sie aus der Tür zu schieben und sie zuzumachen. Lydia wurde hysterisch. Zum ersten Mal, seit wir uns kennen, bekam sie Skrupel. Sie machte sich Sorgen, was ihre Mutter wohl denken könnte, und sie fragte sich, wie sie das alles ihren Kindern erklären sollte, die aus irgendeinem Klatschblatt von ihren Eskapaden erfahren würden.“ In trockenem Ton sagte er: „Ich bin dort geblieben und habe gehofft, dass sich die Lage beruhigt, aber Lydia drehte durch, und die Presse hämmerte weiter an die Tür. Vielleicht war es feige von mir, aber ich habe beschlossen, mich diskret über die Regenrinne zurückzuziehen. Fast hätte es geklappt, aber leider hat mich einer der Reporter durch ein Seitenfenster gesehen. Als ich am Boden angekommen bin, konnte ich sie lange genug abschütteln, bis ich die Wohnung eines Freundes erreichte, doch sie gaben nicht auf. Als ich mich heute Morgen auf den Weg machen wollte, warteten einige von Ihnen noch dort. Deshalb bin ich losgerannt – und hier gelandet.“

Er hatte einen leichten Akzent, obwohl sein Englisch perfekt war. Emma erinnerte sich an all die Artikel in den Medien, in denen über die amourösen Verwicklungen des enfant terrible des Golfs berichtet wurde. Glaubte man den Zeitungen, war er ein fantastischer und einer der am höchsten bezahlten Golfer. Sein sportlicher Erfolg hielt ihn allerdings nicht davon ab, ein schillerndes Leben abseits des Golfplatzes zu führen.

Ihr Gesichtsausdruck war ernst, aber sie bemühte sich, nicht zu kritisch zu klingen. „Ich verstehe.“

Sein Mund verzog sich zu einem unmerklichen Lächeln. „Keine Sorge! Aus Erfahrung kann ich fast versprechen, dass sie nicht zurückkommen werden. Sobald sich die Meute abkühlt, geben sie auf und suchen nach einem anderen Opfer.“

Trotz allem, was sie über ihn gelesen hatte, war sie fasziniert. Ihre Augenbrauen hoben sich, und sie fragte neugierig: „Macht es Ihnen nichts aus, von den Paparazzi gejagt zu werden?“

Seine Augen blitzen amüsiert. „Natürlich macht es mir etwas aus.“ Er klang ernster, als er aussah. „Sie haben ein Bild von Damián Alvarez erschaffen, das nicht der Wahrheit entspricht. Aber ich bin nun einmal reich, Single und genieße das Leben – und bin somit ein perfektes Opfer. Die Wahrheit ist, dass ich ein ziemlich normales Leben führe, nun ja, die meiste Zeit zumindest. Doch sie verzerren die Dinge und berichten ungenau über Ereignisse.“

Sie zögerte, aber nur für einen Moment. Sie konnte es sich erlauben, zu sagen, was sie dachte – sie würde ihn nie wiedersehen. „Es ist nicht überraschend; sie bekommen einen Haufen Geld für exklusive Geschichten und Fotos. Zum Beispiel letzte Nacht. Es passiert kaum täglich, dass man Sie beim Dinner mit einer Prominenten trifft, die nur einen Tag zuvor ihren Ehemann beerdigt hat. Vor allem, wenn Sie zur selben Zeit in Ihrer Unterwäsche herumhüpfen!“

Er schaute in ihre hellbraunen Augen, die von langen dunklen Wimpern umsäumt waren. Ein breites Lächeln legte sich auf sein Gesicht. „Lydia trug Unterwäsche, ich war anständig bekleidet, so wie jetzt. Ich bin wirklich davon ausgegangen, dass es ein harmloses Dinner werden würde. Ich habe keine Ahnung, warum, aber solche Sachen passieren mir ständig.“ Grinsend sagte er: „Vielleicht sollte ich zwischen den Turnieren in einem Kloster unterkommen und die Presse ab und zu ablenken?“

Etwas irritiert aufgrund der Tatsache, dass er nichts ernst zu nehmen schien, antwortete Emma: „Seien Sie nicht albern! Sie haben dasselbe Recht auf ein Privatleben wie jeder andere auch, und es geht keinen etwas an, was Sie tun. Sie müssen dabei nur diskret sein. Die Presse hat Sie in eine bestimmte Schublade gesteckt, aber das auch nur, weil Sie sich selbst die ganze Zeit in Schwierigkeiten bringen.“

Er musterte ihr Gesicht und ihre leicht gerundeten Hüften, die durch den karamellfarbenen Rock gut zur Geltung kamen. Ihm gefiel, was er sah. Ihre Intelligenz und der offene, feste Blick trugen ein Weiteres dazu bei. „Sie hören sich genauso an wie Carmelita!“

Emma wollte nicht fragen, wer diese Carmelita war, also wartete sie.

Er fuhr fort: „Was meinen Sie, wie soll ich es anstellen, nicht in Schwierigkeiten zu geraten? Aus irgendeinem Grund ziehe ich solche Situationen magisch an. Übrigens, wie heißen Sie?“

Sie antwortete sofort: „Emma – Emma McKay.“ Ungeduldig fuhr sie fort: „Sie sind zwar kein Mitglied einer Königsfamilie oder ein Filmstar, aber Sie stehen im öffentlichen Interesse, und die Presse geht davon aus, dass die Chancen für eine pikante Meldung gut stehen, wenn Sie im Spiel sind. Deshalb legen sie sich auch so ins Zeug, um Sie zu finden. Wieso machen Sie es ihnen nicht schwerer?“

Er fuhr sich mit der Hand durch das dichte schwarze Haar. Es fiel sofort wieder zurück in seine Form. „Lady, das ist nicht so einfach, wie es klingt. Mein Leben ist ein einziger öffentlicher Terminkalender. Ich reise von einem Turnier zum nächsten. Jeder, der über ein Minimum an Intelligenz verfügt, kann herausfinden, wo ich mich gerade befinde – an jedem Tag des Jahres. Diese Typen von der Presse sind wie Blutegel.“

„Aber wenn Sie diskret vorgehen, müssen sie nicht unbedingt erfahren, wo Sie wohnen oder was Sie tun, wenn das Turnier vorbei ist, oder was Sie abends unternehmen. Andere Prominente schaffen es, Beruf und Privatleben zu trennen, wieso können Sie das nicht?“ Er blinzelte, antwortete aber nicht. „Wie auch immer, sie sind nicht ständig in den Schlagzeilen. Die meisten Prominenten versuchen ihr Privatleben bedeckt zu halten.“

Aus irgendeinem Grund wollte er seine Situation erklären. Fast entschuldigend antwortete er: „Ich versuche unauffällig zu bleiben und sie auszutricksen, aber sobald ich ein Hotel betrete, geht es los. Zugegeben, ich habe einen gewissen Ruf, aber die Hälfte von dem, was sie schreiben, ist frei erfunden, und die andere Hälfte ist ungenau. Es ist zwecklos.“ Er ging schnell zum Eingang, spähte um die Ecke und schloss dann wieder die Tür. Mit langen, energischen Schritten kam er wieder auf sie zu. Das Mitternachtsblau seines Abendanzugs passte perfekt zu seiner gebräunten Haut. Emma konnte verstehen, warum Frauen ihn so attraktiv fanden. Sie dachte angestrengt nach und hörte ihn sagen: „Die Luft scheint rein zu sein, aber ich warte noch ein paar Minuten, bevor ich gehe. Ich hoffe, das ist in Ordnung?“

„Natürlich!“

Er blickte sich in dem stillen Raum um und betrachtete die langen Regale voller Bücher. „Ich nehme an, Sie sind Bibliothekarin?“ Er bemerkte, wie weich ihre Haut aussah und wie das rotbraune Haar ihre Schultern umspielte. Sie war klug und spontan – und sie war verdammt gut anzusehen. In ihren braunen Augen leuchteten goldene Pünktchen in der Iris. Ihre Figur war schlank und geschmeidig, mit Kurven an genau den richtigen Stellen. Sie reichte ihm bis ans Kinn. Ihm gefiel, dass sie offensichtlich sehr sparsam mit Make-up umging. Die meisten Frauen, die er kannte, legten jeden Morgen eine regelrechte Maske auf. Ihre Stimme unterbrach seine Gedanken.

„Aber hoffentlich nicht zu lange.“

„Wieso nicht?“

Emma schüttete ihm ihr Herz aus. Es half, mit ihm darüber zu sprechen, und es fiel ihr erstaunlich leicht. Er hörte ihrem Dilemma mit Interesse zu. Sie war sich dessen bewusst, dass die meisten Menschen einfach annehmen würden, sie sei schlichtweg neidisch, daher fügte sie schnell hinzu. „Ich leugne gar nicht, dass Margaret gut ist, in dem was sie macht, aber ich habe nicht mit diesem anschließenden Rachefeldzug gerechnet, nur weil wir uns um dieselbe Stelle beworben haben. Ich kann mich nicht einmal bei den anderen Vorgesetzten beschweren, da sie annehmen werden, dass ich verbittert und nachtragend bin.“

Er betrachtete sie mit einem rätselhaften Ausdruck und nickte mitfühlend. „Schwierig. Ich denke, es wird das Beste sein, hier aufzuhören und nach einem neuen Job zu suchen.“

„Genau das habe ich vor, aber es ist nicht einfach, etwas Passendes zu finden; vor allem heutzutage bei der großen Arbeitslosigkeit.“

Nachdem er einen kurzen Blick auf seine rechteckige Schweizer Uhr geworfen hatte, stellte er die Tasse mit einem leisen Klappern auf dem Tablett ab. Er musterte sie kurz und sagte: „Was halten Sie davon? Wenn Sie eine Idee für eine todsichere Methode haben, wie ich mir die Presse vom Hals halten kann, gebe ich Ihnen einen Job, verdopple Ihr Gehalt und garantiere Ihnen, dass Sie ein spannenderes Leben als jetzt führen werden.“ Er schenkte ihr ein warmes Lächeln.

Emma wollte schon zum Protest ansetzen – ihr Leben war interessant genug, aber sie hatte keine Chance. Er schnappte sich einen Notizblock, kritzelte eine Telefonnummer darauf, riss das Papier heraus und reichte es ihr. „Das ist meine Handynummer! Ich bin bis Freitag hier, dann fahre ich zu einem Turnier nach Wales. Wenn Ihnen bis dahin eine brillante Idee kommt, rufen Sie mich an!“ Er schenkte ihr ein weiteres Lächeln, bei dem blendend weiße Zähne sichtbar wurden. „Danke nochmals, dass Sie mich gerettet haben!“

Leicht verwirrt entgegnete sie sein Lächeln und sah ihm nach, als er auf den Haupteingang zuging. Schnell lief sie ihm hinterher. „Viel Glück beim nächsten Turnier!“

„Danke, Emma McKay!“ Er strahlte sie an und nickte kurz. Nachdem er sich vergewissert hatte, dass niemand auf der Straße war, trat er hinaus und ging ohne Eile in die Richtung, aus der er gekommen war.

Emma sah ihm hinterher, bis er die Straßenecke erreicht hatte und nicht mehr zu sehen war. Sie schloss die Tür und lehnte sich dagegen. Während sie die gekritzelten Zahlen auf dem kleinen Zettel betrachtete, fragte sie sich, ob sein Angebot wohl ernst gemeint und ob das tatsächlich seine Telefonnummer war.

Wenig später traf Margaret ein und fragte: „Irgendetwas Besonderes?“

Emma war gerade dabei, im Internet nach einer Information für einen ihrer Stammkunden zu suchen. Sie sah vom Bildschirm auf. „Nein, nichts Besonderes! Oh, doch – ich hätte es fast vergessen, ein Mr Hawkins von der Hauptverwaltung hat angerufen. Er wollte Sie sobald wie möglich sprechen.“

Nachdem sie schnell ihren Mantel ausgezogen hatte, eilte Margaret zum Telefon und durchsuchte ihr Adressbuch. Bald war sie in ein angeregtes Gespräch vertieft.

Schließlich tauchte auch Janette auf und beschwerte sich zuerst über die fast leere Kaffeekanne. „Du hast schon eine ganze Kanne Kaffee getrunken? Seit wann trinkst du so viel Kaffee?“ Ohne eine Antwort abzuwarten, füllte sie Wasser nach.

Emma lächelte vor sich hin und fuhr fort im Internet nach Fakten über einen seltenen Schmetterling zu suchen. Hin und wieder dachte sie an Damián Alvarez und darüber, wie man ihm effektiv zu mehr Privatsphäre verhelfen konnte.

Am nächsten Morgen erhielt sie einen Brief von einer der Firmen, bei denen sie sich beworben hatte. Sie schrieben, dass sie momentan keine freie Stelle hätten, aber gerne ihre Bewerbungsunterlagen behalten würden, um sie bei der nächsten freien Stelle kontaktieren zu können. Sie würden sich sobald wie möglich mit ihr in Verbindung setzen, um ein Vorstellungsgespräch zu arrangieren. „Sobald wie möglich“ erschien Emma zum momentanen Zeitpunkt wie eine Ewigkeit. Margaret und Janette nahmen ab morgen an einer bezahlten Fortbildung in einem bekannten Hotel teil. Die Tatsache, dass sie nun alleine die Arbeit verrichten sollte, die normalerweise für drei Angestellte vorgesehen war, verstärkte ihren Entschluss, ernsthaft nach einem neuen Job zu suchen.

Nach Feierabend besuchte Emma ihre Eltern und berichtete ihnen, wie sie Damián Alvarez vor der Presse versteckt hatte und erzählte von seinem beiläufigen Angebot. Sie hatten beide schon von ihm gehört. Die Sportteile der Zeitungen priesen seine Fähigkeiten auf dem Golfplatz, und die Klatschblätter überschlugen sich mit Kolumnen über sein Privatleben.

„Ich habe nachgedacht und eine Lösung gefunden“, sagte Emma. „Ich werde ihn anrufen. Vielleicht hat er es ernst gemeint und bietet mir tatsächlich einen Job an.“

Mrs McKay blickte ihre Tochter besorgt an. Als sie sprach, unterstrichen ihre Hände lebhaft ihre Worte. „Aber wird deine Idee funktionieren? Kann er überhaupt diskret sein? Hat er das, was er gesagt hat, ernst gemeint? Sei vorsichtig, mein Kind!

Wollen Sie wissen, wie es weiter geht?

Hier können Sie "Mein spanischer Traummann" sofort kaufen und weiterlesen:

Amazon

Apple Books

ebook.de

Thalia

Weltbild

Viel Spaß!



Kaufen