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Mein heiß geliebter Feind

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PROLOG

Aus dem Tagebuch Jessamine Goldens

4. November 1910

Liebes Tagebuch,

heute ist mir das Herz gebrochen worden.

Ich dachte, dass zur Liebe Vertrauen gehört. Ich liebe Sheriff Brad Webster über alles, aber er glaubt nicht, was ich ihm erzählt habe. Er vertraut mir nicht und hört auf die Anschuldigungen der anderen Leute. Ich bin ehrlich zu ihm. Es tut so weh, dass er anderen mehr Glauben schenkt als mir.

Ich weiß, dass der Bürgermeister sich das Gold genommen hat, das ich angeblich geraubt haben soll. Edgar Halifax. Er hat jeden in dieser Stadt zum Narren gehalten! Sogar den Sheriff. Und ich dachte, sein Herz würde ihm sagen, wem er vertrauen sollte.

Jetzt bin ich todunglücklich. Je stärker meine Liebe zu Brad geworden ist, desto mehr Probleme mit dem Gesetz habe ich bekommen. Vor Kurzem hat ein Pokerspiel mit einem fürchterlich hohen Einsatz stattgefunden. Gerüchten zufolge soll Nicholas Devlin Richard Windcroft betrogen haben. Das ist die Wahrheit! Ich weiß, dass Nicholas auf die Hilfe des Bürgermeisters zählen kann. Später habe ich mit einer List Nicholas dazu gebracht, seinen Betrug zuzugeben. Er hat mir auch gesagt, er wisse, dass Edgar das Gold gestohlen und mir die Schuld an dem Raub in die Schuhe geschoben hat.

Nicholas kennt die Wahrheit. Ich dachte, ich könnte ihn dazu bewegen, sie Brad … Sheriff Webster zu offenbaren. Allein beim Schreiben seines Namens beginnt mein Herz schneller zu schlagen. Wie sehr ich mich danach sehne, Mrs Brad Webster zu sein! Mein teuerster Brad – du wirst niemals wissen, wie sehr ich dich liebe. Mein Herz gehört Sheriff Brad Webster, der nur sieht, dass ich gegen das Gesetz verstoßen habe, das er vertritt.

Mein liebes Tagebuch, meine Tränen tropfen beim Schreiben auf das Papier. Nicholas Devlin, meine einzige Hoffnung, ist ermordet worden. Ich bin sicher, dass Edgar das getan hat. Aber ich habe keinerlei Möglichkeit zu beweisen, wer der Mörder war.

Edgar Halifax – welch niederträchtiger und böser Mensch!

Letzte Woche habe ich Edgar das Gold weggenommen und ihm eine Nachricht zukommen lassen, dass ich die Tat begangen habe. Er kann mich schließlich nicht doppelt beschuldigen, oder? Meine Nachricht sollte ihn herausfordern, sich mir zu stellen.

Doch Bürgermeister Halifax hat nichts über das Gold verlauten lassen.

Mir bleibt keine Wahl. Ich werde von hier fortgehen. Ich habe den Goldschatz und werde am späten Abend verschwinden. Ich liebe dich, Brad Webster. Ich bin am Boden zerstört und unsagbar traurig, dich zu verlassen …

1. KAPITEL

Werde ich die Geschichte neu schreiben?, fragte sich Thomas Devlin, als er an einem kühlen Novembertag mit seinem roten Pick-up vom Highway abbog und auf die mit Eisentoren versehene Einfahrt zur Farm der Windcrofts fuhr. Als er sich umsah, wurde ihm bewusst, dass seit mehr als hundert Jahren kein Devlin mehr einen Fuß auf die Pferdefarm der Windcrofts gesetzt hatte. Die Familien trugen seither eine bittere Fehde aus, und jetzt war er darin verwickelt.

„Du kannst immer noch umkehren und nach Hause fahren“, sagte er laut zu sich, als er den Blick über das Grundstück der Windcrofts schweifen ließ, das dem der Devlins zu gleichen schien. Auf schier endlosen Feldern bogen sich Mesquitebäume im auffrischenden Wind. Tom gefielen die Weite des Landes und die atemberaubenden Sonnenuntergänge hier. Er wollte sich in der Umgebung niederlassen und hatte sich bereits eine Ranch gekauft, denn er mochte die warmherzigen Menschen in Royal und seine Familie. Sein Onkel, Lucas Devlin, war ein freundlicher und guter Mann. Lucas hielt Toms Friedensmission am heutigen Morgen für ziemlich verrückt, weil seine eigenen Bemühungen, mit Will Windcroft Frieden zu schließen, absolut nichts gebracht hatten. Doch nur wer wagt, gewinnt, dachte Tom.

Windcroft, das war kein besonders häufiger Name. Tom erinnerte sich an eine Windcroft, die er vor fünf Monaten auf einer Computertagung in Houston getroffen hatte. Dort war er als Hauptredner aufgetreten. Mit der achtundzwanzigjährigen Schönheit, die ihm wegen ihrer veilchenblauen Augen und der schwarzen Haare sofort aufgefallen war, hatte er eine unglaublich leidenschaftliche Nacht verbracht. Obwohl es ihm normalerweise leichtfiel, danach wieder seiner Wege zu gehen, hatte er diese Frau zu seiner Überraschung nicht wieder vergessen können. Sie hatten vorgehabt, ihre Telefonnummern auszutauschen. Aber er war ganz unerwartet von einem seiner Kunden angerufen worden und hatte eilig abreisen müssen. Tom fiel wieder ein, dass Rose Windcroft in Dallas lebte, und er hatte sich vorgenommen, sie ausfindig zu machen.

Die erotischen Erinnerungen an Rose lenkten ihn ab. Er hatte noch sehr klar den Moment vor Augen, als er ihr das schwarze Kleid abgestreift hatte. Voller Verlangen hatte er ihre vollen Brüste und ihren wundervollen Körper betrachtet. Der Spitzen-BH und der winzige Stringtanga hatten kaum etwas verborgen. Sie war wild und leidenschaftlich in seinen Armen gewesen, und sie hatten die ganze Nacht lang Sex gehabt. Seitdem hatte er sich sehr oft gewünscht, ihre Telefonnummer zu haben.

Notgedrungen begann er, sich wieder auf das bevorstehende Treffen mit den Windcrofts zu konzentrieren, das wahrscheinlich nicht einfach werden würde. Der Kiesweg führte nach einer Kurve an einem kleinen Bach vorbei. Daneben parkte ein schwarzes Auto vor dem parallel zum Kiesweg verlaufenden weißen Zaun. Ein Dutzend Pferde tummelte sich auf der Weide dahinter. Nur eins der Tiere stand ganz still, während eine Frau es streichelte. Ob die Frau Nita Windcroft Thorne war, die an dem Treffen teilnehmen sollte, überlegte Tom und warf ihr im Vorbeifahren einen Blick zu.

Sie sah kurz über ihre Schulter. Ihre langen schwarzen Haare glänzten in der Sonne. Die gut sitzenden Jeans betonten ihre langen Beine. Sie trug ein blaues Hemd und eine Jeansjacke. Ihr Blick folgte seinem Wagen.

Tom stockte der Atem, und sein Herz begann heftig zu klopfen. Er kannte sie. Selbst aus dieser Entfernung konnte er die blauen Augen sehen. Sofort trat er auf die Bremse. Als er zurücksetzte, beobachtete sie ihn weiterhin. Lucas hatte Nita Windcroft mehrmals erwähnt, aber nie Rose. Rose Windcroft, die so verführerisch und sexy war. Und wenn sie hier auf dem Land der Windcrofts stand, musste sie zur Familie gehören!

Er hielt und stieg aus, während sein Puls immer schneller schlug. Rose Windcroft. Sie war es. Die Frau, die nach einer wunderbaren Nacht immer wieder in seinen erotischen Träumen aufgetaucht war und nach der er sich so sehr gesehnt hatte. Er bemerkte, wie ihr vor Erstaunen der Mund offen stehen blieb, und wusste, dass ihre Überraschung, ihn zu sehen, noch viel größer sein musste als seine.

Sie wurde rot und blinzelte, als würde sie ihren Augen nicht trauen. „Was machst du denn hier?“, fragte sie, etwas außer Atem.

Nachdem er sie noch einmal mit einem langen Blick bedacht hatte, lächelte er. „Ich schaue die erotischste Frau in Texas an und denke, dass heute mein Glückstag ist“, sagte er mit heiserer Stimme. Ihre bloße Gegenwart rief körperliche Reaktionen in ihm hervor.

Sie errötete noch mehr, nahm sich dann aber zusammen. „Das beantwortet keinesfalls meine Frage“, meinte sie kühl, und ihr Auftreten verwirrte ihn.

„Du bist eine Windcroft.“

„Das weißt du doch.“

„Du hast mir aber erzählt, du lebst und arbeitest in Dallas. Ich wusste nicht, dass du ein Familienmitglied der hiesigen Windcrofts bist.“

„Ich bin nach Hause gekommen, weil mein Vater und meine Schwester ein paar Probleme haben.“

Tom ging zu ihr. Er nahm den Duft ihres Parfüms wahr und musste gegen das Bedürfnis ankämpfen, sie in die Arme zu schließen.

„Was machst du hier?“, fragte Rose erneut in einem Ton, als hätte ein Unbefugter das Grundstück betreten.

„Ich treffe mich wegen der Fehde mit deiner Familie“, gab er geduldig zurück. Er war sicher, dass sie das bereits wusste.

„Du bist mit den Devlins verwandt.“ Sie wurde blass, zuckte zusammen und trat erschrocken einen Schritt zurück. Dann musterte sie ihn. „Meine Güte, du bist ein Devlin!“, wiederholte sie.

„Ja, ich bin ein Devlin. Ist das nicht eine Überraschung? Ich bin Lucas’ Neffe. Nach meiner Geburt hat meine Mutter mich zur Adoption freigegeben. Offen gesagt bin ich echt froh, meine richtige Familie gefunden zu haben.“ Neugierig fragte er sich, ob sie dieser alten Fehde wirklich eine solche Bedeutung beimaß. „Du wirst mich wegen der Fehde doch jetzt nicht als Feind betrachten, oder?“

„Das beschreibt nicht im Geringsten, wie geschockt ich bin.“ Ihre Augen funkelten wütend.

„Als wir uns damals begegneten, hatte ich keine Ahnung über meinen wahren familiären Hintergrund.“ Er war überrascht, dass diese seit Generationen schwelende Fehde ihre Gefühle derart aufrührte. Tom erkannte, wie sinnlos dieser Streit war – warum konnte Rose das nicht, wo sie noch nicht einmal hier lebte? Sie holte tief Luft, und als er sah, wie sich ihre Brüste unter dem Hemd abzeichneten, vergaß er die Unterhaltung sofort wieder. Er ließ den Blick zu ihrem sinnlichen Mund wandern, und ihm wurde heiß. Er konnte die magnetische Anziehung zwischen ihnen regelrecht spüren.

„Für ein Adoptivkind, das gleich nach der Geburt weggegeben wurde, ist es ziemlich schwer, seine richtigen Eltern zu finden.“ Tom bemerkte, dass ihr aufgeknöpftes Hemd den Blick auf das Dekolleté und den Ansatz ihrer vollen Brüste freigab. Als er ihr die Hand auf den Arm legte, verdunkelte sich ihr Blick, und sie schnappte nach Luft. Sein Verlangen nach ihr wuchs. „Lucas hat mich schließlich aufgespürt. Aber deinem Blick nach zu urteilen, wäre es dir wohl lieber, wenn er mich nicht gefunden hätte.“

„Ich bin überrascht“, meinte Rose zögerlich und sah dann weg.

Er fragte sich, was sie vor ihm zu verbergen hatte. Sie schien sorgsam darauf bedacht zu sein, was sie sagte.

„Niemand hat jemals einen Tom Morgan erwähnt. Es ging immer nur um Tom Devlin.“ Sie schaute ihn forschend an.

„Ja, ich benutze jetzt den Namen Devlin, da ich offiziell zur Familie gehöre.“

„Weißt du eigentlich, dass seit mehr als hundert Jahren kein Devlin mehr einen Fuß auf dieses Land gesetzt hat?“

„Dann wird es aber Zeit. Das heutige Treffen findet statt, um diese Fehde zu beenden. Davon möchte ich deinen Vater, deine Schwester und hoffentlich auch dich überzeugen.“

„Das ist unmöglich! Die Devlins haben uns jetzt bereits seit Monaten sehr geschadet. Aus diesem Grund bin ich letztendlich auch zurückgekehrt.“

Sein Puls schlug wieder schneller. „Du wohnst jetzt hier?“

„Ja. Ich bin nach Hause gekommen, um meiner Familie bei den Problemen beizustehen. Mein Vater hat sich wegen eines Devlin das Bein gebrochen“, fuhr Rose ihn aufgebracht an.

„Wir sind nicht für die Schwierigkeiten verantwortlich, mit denen deine Familie zu kämpfen hat. Mein Onkel und mein Cousin schwören, dass sie nicht darin verwickelt sind, und ich glaube ihnen. Ich gebe dir mein Wort, dass wir nichts damit zu tun haben.“

„Ich hoffe, du meinst, was du da sagst“, erklärte sie mit weicher Stimme.

„Na endlich.“ Tom senkte die Stimme. „So habe ich dich in Erinnerung. Die Nacht, die wir miteinander verbracht haben, war die fantastischste meines Lebens.“ In Gedanken sah er sie nackt in seinen Armen. Sie hatte einen tollen Körper, und er sehnte sich danach, ihn zu spüren.

Sie fuhr sich mit der Zunge über die Lippen. „Es war etwas Besonderes“, flüsterte sie.

„Lass uns zusammen zum Abendessen ausgehen“, schlug er vor. Sie zögerte und runzelte die Stirn, was ihn verwirrte. Er betrachtete sie. „Irgendetwas stimmt doch nicht. Hast du einen anderen Mann getroffen?“ Es überraschte ihn, wie wichtig das für ihn war.

Rose schüttelte den Kopf. „Du bist ein Devlin, auch wenn du dich Tom Morgan genannt hast.“

„Diese Fehde hat doch nichts mit uns zu tun. Vor dir steht ein Devlin, der keinerlei Abneigung gegen die Windcrofts hegt.“

„Die Windcrofts hatten und haben keine Beziehungen mit den Devlins.“

„Dann lass uns die Ersten der beiden Familien sein, die damit beginnen“, erwiderte er mit Nachdruck und schaute auf die Uhr. „Ich möchte nicht zu spät kommen. Lass uns im Farmhaus weiterreden. Bist du dort untergebracht?“

„Ich wohne im Gästehaus“, antwortete Rose nach einem kurzen Zögern.

Er vermutete erneut, dass sie etwas verbergen wollte. „Auch ich wohne auf der Devlin-Ranch im Gästehaus. Aber wenn ich mich jetzt nicht auf den Weg mache, werde ich zu dem Treffen mit deinem Vater und deiner Schwester zu spät kommen.“ Dennoch sehnte er sich danach, sie zu küssen. „Verdammt, komm her, Rose.“ Er umfasste ihre Taille und zog sie an sich. Als sie ihm die Hände auf die Oberarme legte und die Lippen leicht öffnete, wusste Tom, dass auch sie sich nach einem Kuss sehnte. Er legte die Arme noch fester um sie. In dem Moment, als er ihre Lippen berührte, stieg heftiges Verlangen in ihm auf, und er vertiefte den Kuss.

Sie schlang die Arme um seinen Hals und vergrub die Hände in seinem Haar. Er stellte sich vor, wie sie sich ihm hingab, als er ihre sanften Rundungen wahrnahm. Das Zungenspiel machte ihn so heiß, dass er in Versuchung geriet, sie hier und jetzt zu lieben, ohne die Konsequenzen zu bedenken.

Rose erwiderte seinen Kuss, schmiegte sich an ihn und stöhnte leise. Ihre leidenschaftliche Reaktion verführte ihn dazu, mit den Händen unter ihre Jeansjacke zu fahren und über ihre Brustspitze zu streichen. Durch den Stoff hindurch spürte Tom, wie sehr sie ihn ebenfalls begehrte. Er öffnete die oberen Knöpfe ihres Hemdes, glitt mit der Hand darunter und umfasste ihre Brust.

Sie bebte, hielt sein Handgelenk fest und stemmte sich mit der anderen Hand gegen seine Brust.

Er schaute sie an. „Wären wir nicht hier draußen und hätte ich keine Verabredung mit deiner Familie, dann würde ich deine Einwände einfach mit Küssen aus der Welt schaffen.“ Er küsste sie auf den Hals und das Ohr. „Ich möchte jeden einzelnen Zentimeter von dir kosten.“

Sie lehnte sich zurück. Einen Moment lang war in ihren Augen ein solches Verlangen zu sehen, dass er sie wieder an sich ziehen wollte. Doch sie schüttelte den Kopf und trat zurück, während sie ihre Bluse zuknöpfte.

„Du hast ja keine Ahnung, was du mit mir anstellst“, flüsterte er.

„Du musst jetzt los“, erwiderte sie und wurde rot.

Tom schaute sie begehrlich an, bevor er zu seinem Pick-up ging. Dann drehte er sich noch einmal zu ihr um. Sie hatte eine Hand in die Hüften gestemmt und beobachtete ihn. Sie raubte ihm den Atem, und er musste sich dringend wieder abreagieren, ehe er bei dem Treffen erscheinen konnte.

Heute Nacht werde ich mit Rose zusammen sein. Als er einstieg, wunderte er sich über sich selbst. In der Vergangenheit hatte er nie Probleme damit gehabt, eine Frau zu verlassen und zu vergessen. Er hatte immer gewusst, dass ihm bald eine andere über den Weg lief – die Welt war voller Frauen. Aber nachdem er Rose begegnet war, hatten alle anderen keinem Vergleich mit ihr standgehalten. Sie hatte er nicht vergessen können. Als er losfuhr, sah er im Rückspiegel, dass sie ebenfalls in ihr Auto stieg und ihm folgte. Sie würde also an dem Treffen teilnehmen – daran hätte Tom nicht einmal im Traum gedacht.

Schon bald sah er das Farmhaus, den Hauptstall, Scheunen, Koppeln, Zucht- und Trainingspferche. Die Farm machte einen friedlichen Eindruck. Doch er wusste, wie viele schlimme Dinge den Windcrofts zugestoßen waren. Nach Toms Ansicht versuchte wohl jemand, auf diese Weise die Familie von ihrem Land zu vertreiben.

Er bog in die kreisförmige Einfahrt zum Farmhaus ein. Die Veranda mit den Schaukelstühlen und den Blumentöpfen wirkte sehr einladend. Er stieg aus, wartete auf Rose und betrachtete eine alte Eiche in der Nähe, die bestimmt genauso alt war wie der Streit zwischen den Devlins und den Windcrofts.

Die hundert Jahre alte Familienfehde ging auf ein Pokerspiel zurück, bei dem Richard Windcroft die Hälfte seines Landes an Nicholas Devlin verloren hatte, der mit gezinkten Karten gespielt hatte. Dann wurde Devlin ermordet, und man verdächtigte Windcroft der Tat. Zu dieser Zeit raubte Jessamine Golden, Royals berüchtigte Banditin, einen Goldschatz und verließ die Stadt. Als der Bürgermeister spurlos verschwand, kursierten Gerüchte, Jessamine hätte ihn umgebracht. Es gab Hinweise darauf, dass der Schatz auf dem Grundstück der Windcrofts vergraben worden war. Toms Onkel vermutete, dass diese Spekulationen der Grund für die Probleme waren, mit denen die Windcrofts in letzter Zeit zu kämpfen hatten. Er sah sich um. Wenn Jessamine Goldens Schatz wirklich hier bei den Windcrofts versteckt war, könnte er überall sein – auch unter dem Haus oder dem Stall.

Während Tom auf Rose wartete, parkte sie ihr Auto und eilte auf ihn zu. Ihr verführerischer Gang erhöhte seinen Pulsschlag. „Dieser Morgen hat eine Wendung genommen, die ich niemals erwartet hätte.“

„Du wirst meinen Daddy nie dazu bringen, einem Frieden zwischen den beiden Familien zuzustimmen.“

„Abwarten. Ich werde versuchen, ihn dazu zu überreden.“

Als sie über die Veranda gingen, wurde die Tür geöffnet. Tom stand einer Frau gegenüber, die Rose Windcroft ähnlich sah. Er war sicher, dass es ihre Schwester Nita war. Mit hocherhobenem Kopf nahm sie ihn in Augenschein, und er hatte keinen Zweifel daran, dass diese Frau in der Lage war, die Farm zu führen.

„Nita, das ist Tom Devlin“, sagte Rose. „Tom, meine Schwester Nita Thorne.“

„Wie geht es Ihnen?“ Er schüttelte ihr die Hand.

„Kennt ihr euch?“ Nita sah Rose an.

„Wir sind uns auf einer Computertagung vor ein paar Monaten begegnet“, antwortete Rose in beiläufigem Tonfall. „Komm herein und lerne meinen Daddy kennen“, sagte sie zu Tom.

Tom war neugierig zu sehen, wo Rose groß geworden war. Er betrat das Haus, das modern und fast luxuriös wirkte. Im großen Foyer führte eine breite Treppe in den ersten Stock. Die hohen Fenster, die fast bis unter die Decke reichten, ließen viel Licht in das Wohnzimmer. Auf einer Ottomane neben dem Steinkamin saß ein Mann mit einem Gipsbein.

„Daddy, das ist Tom Devlin, der Neffe von Lucas Devlin“, stellte Rose ihn vor. „Tom, Will Windcroft.“

„Sie können von Glück reden, dass ich ein Gipsbein habe, sonst würde ich Sie auf der Stelle von hier verjagen“, fuhr Will ihn an.

„Ich bin hier, um Frieden zu schließen“, erklärte Tom höflich und schaute Will an. Die Augen in dem vom Wetter gegerbten Gesicht des Mannes mit den grau melierten Haaren funkelten so zornig, als würde er Tom am liebsten einen Kinnhaken verpassen. „Hören Sie mich zumindest an. Die Leute hier halten Sie für einen vernünftigen Mann. Deshalb wollte ich mich auch mit Ihnen treffen. Meine Familie würde die Fehde gerne beenden.“

„Und wie sie das will“, schnauzte Will ihn an. „Sie unternimmt alles, um sie anzuheizen. Wer sonst sollte unsere Zäune niedergerissen, unser Futter vergiftet und Erdlöcher gegraben haben, sodass mein Pferd gestürzt ist? Verschwinden Sie aus meinem Haus. Ich habe diesem Treffen nicht zugestimmt.“ Er warf Nita einen wütenden Blick zu.

„Daddy“, meinte Nita, „wenn Connor hier wäre, würde er darauf dringen, dass du Tom zuhörst.“

„Nur einen Moment, Daddy“, bat Rose.

„Wir sind es nicht, die den Windcrofts diese schlimmen Sachen angetan haben“, äußerte Tom geduldig. „Geben Sie mir eine halbe Stunde. Ich habe Informationen, die Ihre Meinung ändern könnten.“

„Ich denke auch, dass wir ihm zuhören sollten“, beharrte Nita. „Connor glaubt Tom.“

„Das kommt daher, weil beide im Cattleman’s Club sind. Und du glaubst Connor, da du ihn gerade erst geheiratet hast. Ich werde mir diesen Mist nicht anhören. Und Sie verlassen jetzt unser Haus!“, fügte er mit hochrotem Gesicht hinzu.

„Sir“, sagte Tom mit Nachdruck, „wenn Sie mich nicht anhören, haben Sie eine Menge zu verlieren. Ihr Unfall hätte sehr viel böser ausgehen können. Das nächste Mal, wenn Rose oder Nita etwas Schreckliches zustößt und Sie erfahren werden, dass die Devlins nicht dafür verantwortlich sind, werden Sie sich dafür hassen, dass Sie nicht alles getan haben, um eine Tragödie zu verhindern. Wenn Sie mir zuhören, können Sie nur gewinnen.“

Will schaute Tom nur voller Zorn an.

„Sie wissen ja, dass bereits jemand ermordet wurde – Jonathan Devlin“, fuhr Tom fort. „Onkel Lucas glaubt nicht, dass ein Windcroft seinen Großvater getötet hat. Vielleicht geht es hier überhaupt nicht um den Streit zwischen den Devlins und den Windcrofts.“

Will seufzte. „In Ordnung. Setzen Sie sich und lassen Sie mich hören, was Sie zu sagen haben.“

2. KAPITEL

„Danke, Mr Windcroft“, sagte Tom und warf Rose einen Blick zu.

Als Tom ihr in die Augen sah, stockte ihr der Atem. Es war wie bei ihrer ersten Begegnung auf der Computertagung in Houston. Sie war unfähig wegzuschauen und beobachtete, wie er das Zimmer durchquerte. Er war groß, und seine grauen Augen hatten etwas sehr Verführerisches. Heute trug er eine lässige Lederjacke, ein rotblau gemustertes Hemd und Jeans. Er streckte Will die Hand entgegen.

Doch Will schüttelte ihm nicht die Hand, sondern funkelte ihn wütend an. „Sagen Sie mir, was Sie zu erzählen haben.“

Tom war ein Devlin! Rose war immer noch fassungslos. Ein Schock jagte den anderen. Sie strich über ihren Bauch. Wie hatte sie nur ihr Leben so durcheinanderbringen können? Mit diesem gut aussehenden und unwiderstehlichen Mann hatte sie eine leidenschaftliche Nacht verbracht und war schwanger geworden! Er hatte Kondome benutzt. Sie wusste, dass die manchmal kaputtgehen konnten, doch sie hätte nie gedacht, dass ihr so etwas passieren könnte. Ihrer Familie hatte sie noch nichts über ihren Zustand gesagt. Und jetzt war Tom Morgan, beziehungsweise Tom Devlin, erneut in ihrem Leben aufgetaucht und wohnte auf einer Ranch in der Nähe.

Heute Morgen hatte sie entschieden, ihre Familie über ihre Schwangerschaft zu informieren, weil sie diese nicht noch länger verheimlichen wollte. Nun würde sie es auch Tom bald sagen müssen. Davor fürchtete sie sich, weil sie auf keinen Fall einen Mann wollte, der sie lediglich aus einem Pflichtgefühl heraus heiraten würde. Sie erinnerte sich daran, dass Tom und sie vorgehabt hatten, ihre Telefonnummern auszutauschen. Aber sie hatte die Computertagung wegen des Abschlusses eines Vertrages, zu dem sich ein Kunde kurzfristig entschlossen hatte, früher verlassen müssen.

Während sie Tom musterte, bemerkte sie, wie sehr sie sich nach seiner Nähe sehnte. Als er vorhin erschienen war, hätte sie sich ihm am liebsten in die Arme geworfen.

„Es tut mir leid, dass all das passiert ist.“ Tom nahm Will gegenüber in einem Sessel Platz.

Rose bezweifelte, dass ihr Vater Tom wirklich zuhörte, denn ihm war sein Widerwillen deutlich anzusehen. Während die beiden Männer miteinander redeten, dachte sie an Toms Einladung zum Abendessen. Obwohl ihr Herz vor Erwartung laut klopfte, wusste sie, dass sie nicht wieder mit ihm ausgehen sollte. Auch wenn die Familien ihre Fehde begruben, würde es schwierig sein, Zeit mit einem Devlin zu verbringen. Denn sie war damit groß geworden, die Devlins zu hassen. Als sie Tom einen Blick zuwarf, erwiderte der ihn so intensiv, dass ihr ein Schauer über den Rücken lief. Sie versuchte, sich darauf zu konzentrieren, was er zu ihrem Vater sagte.

„Wir haben nichts mit den Vorkommnissen zu tun, die hier in letzter Zeit passiert sind. Beide Familien müssen herausfinden, wer dahintersteckt und warum“, sagte Tom. „Wir können dem Täter mit vereinten Kräften auf die Spur kommen.“

„Ich weiß nicht, was Sie dadurch zu gewinnen glauben. Aber ich falle nicht auf die Lügen eines Devlin herein“, erwiderte Will barsch.

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