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Mein griechischer Boss – und Geliebter?

PROLOG

Katie sah aus dem Fenster. Die Sonne legte einen rosigen Dunstschleier über die Dächer Londons. Vielleicht bin ich gar nicht schwanger. Sie war nur eine Woche zu spät dran, und ihr Zyklus war ohnehin ziemlich unregelmäßig.

Sie sollte endlich diesen Test machen. Jetzt war der perfekte Zeitpunkt, die Telefone hatten aufgehört zu klingeln, und die Büros waren wie ausgestorben.

Und was soll ich machen, wenn der Test positiv ist?

Sie stützte die Stirn gegen das kühle Glas.

Keine Frage, ihr Boss war der attraktivste und aufregendste Mann, dem sie je begegnet war. Und ja, sie hatte die Affäre mit ihm genossen. Aber mehr als das war es auch nicht gewesen – eine Affäre.

Alexi hatte kein Interesse an einer dauerhaften Beziehung, das hatte er von Anfang an klargemacht. Und sie war damit einverstanden gewesen und hatte geglaubt, damit zurechtkommen zu können. Doch jetzt betrachtete sie ihre Affäre mit Alexi in einem völlig anderen Licht, und was sie sah, beunruhigte sie.

Sie wollte gerade nach ihrer Tasche greifen, da erinnerte sie ein Geräusch aus dem Vorraum daran, dass sie nicht allein war. Als sie aufsah, stand Alexi in der Türöffnung.

Wie immer schienen bei seinem Anblick ihre Sinne Karussell zu fahren.

„Hast du nicht gemerkt, dass alle anderen schon nach Hause gegangen sind?“

„Ich musste noch ein paar Zahlen überprüfen.“ Sie versuchte, sich auf das Geschäftliche zu konzentrieren, und ließ sich auf ihrem Stuhl zurücksinken. „Ich bin fast fertig. Noch ein paar Tage, und das Geschäft ist unter Dach und Fach.“ Ein paar Tage noch, und ihre Zeit hier war zu Ende.

Als er näher kam, musterte sie ihn von oben bis unten. Ihr gefiel seine Art, sich zu kleiden, doch es war nicht allein sein exquisiter Stil, der sie anzog, und auch nicht der große, muskulöse und gebräunte Körper, sondern etwas anderes. Er strahlte Macht aus, und seine kühle und schon fast rücksichtslose Art hatte ihre Aufmerksamkeit gefesselt. Sie wünschte, er möge nicht diese Wirkung auf sie haben und sie mit solcher Leichtigkeit um den Verstand bringen, aber so war es nun einmal.

Eilig versuchte sie, ihre Gefühle zu unterdrücken, als er vor ihrem Schreibtisch stehen blieb.

„Du hast deine Sache sehr gut gemacht. Hast du dir schon überlegt, wie es in Zukunft weitergeht?“

Sprach er von ihrer Affäre? Sie schluckte und brachte kein Wort hervor.

„Ich möchte, dass du bleibst.“

Die leise ausgesprochenen Worte erweckten Emotionen in ihr, die sie nicht genauer zu analysieren wagte. Stattdessen musterte sie ihn mit wachsamem Blick. „In welcher Funktion?“

„In derselben wie jetzt. Ich werde eine neue Firma kaufen, und ich will, dass du die Leitung für ein ähnliches Projekt übernimmst.“

Sie versuchte, den Anflug von Enttäuschung zu ignorieren. Natürlich hatte er nicht von seinen Gefühlen gesprochen, dieses Thema war auf jeden Fall tabu. Er war zuerst und vor allem Geschäftsmann.

„Und was ist mit … uns?“, zwang sie sich zu fragen.

„Wir können so weitermachen wie bisher, oder nicht?“ Mit dunklen Augen musterte er sie, dann lächelte er.

Nickend versuchte sie, möglichst gleichgültig auszusehen. „Darüber können wir ja später noch einmal reden.“

Er runzelte die Stirn, als hätte er nicht mit so einer Antwort gerechnet. „Die nächste Frage lautet …“, er beugte sich vor und stützte sich mit den Händen auf ihrem Tisch ab, „… gehen wir zu dir oder zu mir?“

Die Verwandlung vom Geschäftsmann zum Lover verursachte Katie ein Kribbeln im Bauch. Sie wollte alles andere vergessen und nur noch von ihm in den Armen gehalten werden.

Doch Alexi hatte nicht vor, sie einfach nur festzuhalten. Er wollte sie bis zur Besinnungslosigkeit lieben, bis sie so erfüllt war, wie sie es sich nie hätte vorstellen können. Dann würde er sie zufrieden anlächeln und ihr sagen, wie großartig sie sei, ehe er das Gespräch wieder auf die Arbeit lenkte.

Zum ersten Mal, seit sie ihre Affäre begonnen hatten, glaubte Katie, diese Situation nicht ertragen zu können. „Bist du heute Abend nicht mit dem Direktor von Transworth verabredet?“, fragte sie, um Zeit zu gewinnen.

„Ja, aber das wird nicht lange dauern. Vermutlich werden wir gegen zehn fertig sein.“ Er kam zu ihrer Seite des Schreibtischs und setzte sich auf die Kante.

Die körperliche Nähe steigerte ihr Unbehagen noch. „Alexi, es war ein anstrengender Tag heute. Ich hatte keine Pause, und …“

„Hast du keine Lust auf mich?“ Er klang nicht verärgert, eher amüsiert. „Ich fürchte, nein.“ Sie wich seinem Blick aus. „Ab und zu muss ich auch mal schlafen.“

Er streckte die Hand aus und hob ihr Kinn an, bis sie ihn ansehen musste. Zum Glück war das Licht im Büro nur noch gedämpft, denn manchmal meinte sie, er könnte die Geheimnisse ihre Seele ergründen, indem er sie nur anschaute.

„Dafür, dass du so müde bist, siehst du ziemlich umwerfend aus“, murmelte er heiser. Die Berührung ließ sie beinahe schwach werden. „Aber ich werde dir heute Abend freigeben, wenn du mir versprichst, über meinen Vorschlag mit der Projektleitung nachzudenken.“

Sie versuchte, flapsig zu klingen. „Du bist zu liebenswürdig!“

Sanft streichelte er ihre Wange und ließ langsam die Finger in der Fülle ihres dunklen Haares verschwinden. Als er sich vorbeugte und seine Lippen zärtlich auf ihre legte, holte sie tief und zitternd Luft.

Wenn er nur nicht so teuflisch gut küssen könnte! Er schaffte es, dass sie von innen her zu leuchten schien und dass sie sich so sehr nach ihm sehnte, wie sie es nie zuvor erlebt hatte. In den letzten Monaten hatte sie sich ihm vollständig hingegeben. Sie hatte die heftigen, überschäumenden Gefühle geliebt, die er stets in ihr wachrief, aber heute jagte ihr die Macht, die er über sie besaß, Angst ein.

Ich will nicht mehr so empfinden, dachte sie vage, doch unwillkürlich beugte sie sich vor und gab sich der Verlockung des Augenblicks hin.

Sein Handy klingelte und durchbrach die Stille. Einen Moment lang ignorierte er die Störung, ehe er sich abrupt abwandte. „Tut mir leid.“

Achselzuckend tat sie, als würde es ihr nichts ausmachen.

„Hi, Mark, wie läuft’s in New York?“

Wie schaffte er es, so leidenschaftlich zu küssen und im nächsten Moment absolut kontrolliert zu klingen?

Weil es für ihn dabei nicht um Gefühle geht. Sie beantwortete sich die Frage selbst und riss sich zusammen. Energisch strich sie sich die Haare aus dem Gesicht und nahm ihre Handtasche.

„Bin gleich wieder da“, flüsterte sie, als sie Alexis Blick auffing.

Er nickte. „Kümmere dich darum, Mark“, sagte er scharf. „Ich gebe dem Kerl keine zweite Chance, er hat alles vermasselt.“

Katie ging den Korridor entlang. Alexi war ein rücksichtsloser Geschäftsmann, das wusste sie. Und sie hatte genug über ihn in diversen Boulevardzeitungen gelesen, um zu wissen, dass er sich privat nicht anders verhielt. Er war einmal verheiratet gewesen, und seit der Scheidung hatte er Frauen gewechselt wie andere Männer ihre Hemden. Wenn sie schwanger war, würde sie allein damit fertig werden müssen. Gerüchteweise hatte sie gehört, dass die Ehe gescheitert war, weil er im Gegensatz zu seiner Exfrau keine Kinder wollte.

Und was war schon eine kleine Affäre wie ihre im Vergleich zu einer Ehe?

Wie hatte sie nur so dumm sein können! Sie war ohne Vater aufgewachsen, und das war hart gewesen. Selbst jetzt noch quälten sie die Erinnerungen. Wenn der Test negativ ist, werde ich mir die Lektion hinter die Ohren schreiben. Und sie würde ein für alle Mal mit Alexi Schluss machen.

1. KAPITEL

Aufgeregt betrat Katie das eindrucksvolle Foyer von Madison Brown. Es war der erste Tag in ihrem neuen Job, und sie konnte es kaum abwarten, endlich anzufangen.

Einen Monat lang hatte sie gesucht und Jobanzeigen studiert, bis sie den perfekten Posten fand. Endlich, denn ohne Beschäftigung hatte sie viel zu viel Zeit, um über Alexi nachzudenken und ihn zu vermissen, und das wollte sie nicht.

Allein der Gedanke an ihn löste einen dumpfen Schmerz in ihr aus, und ärgerlich versuchte sie, ihn zu unterdrücken. Das war doch lächerlich! Sie hatte gewusst, worauf sie sich einließ, und die Entscheidung, Demetri Shipping zu verlassen, war genau richtig gewesen. Ebenso wie der Entschluss, die Affäre mit Alexi zu beenden.

„Hallo!“ Sie lächelte der Empfangsdame zu. „Ich bin Katie Connor, die neue Projektmanagerin.“

„Hallo, Ms. Connor. Der neue Geschäftsführer möchte gerne mit Ihnen sprechen, bevor Sie anfangen. Direkt im obersten Stockwerk.“

Katie ging zu den Aufzügen und versuchte, die typische Nervosität am ersten Arbeitstag zu ignorieren. Alles wird gut! Man hatte sie für diesen Job förmlich angeworben. Der Mann von der Vermittlungsagentur hatte ihr erzählt, dass man ganz beeindruckt von ihr sei. Außerdem hatte er ihr mitgeteilt, dass Madison Brown demnächst Teil eines großen Konzerns namens Tellesta werden würde.

Hier würde sie ein weites Betätigungsfeld für ihr Organisationstalent finden, und sie würde Gelegenheit bekommen, die Niederlassungen in Paris und New York zu besuchen. Sie freute sich auf die Herausforderungen, die vor ihr lagen.

Die Aufzugtüren öffneten sich im obersten Stockwerk, und sie ging zum Tresen am anderen Ende des Raumes, hinter dem eine junge Frau gerade den Computer einschaltete.

„Hallo, mein Name ist Katie Connor. Ich bin …“

„… die neue Projektmanagerin“, beendete die junge Frau den Satz für sie und lächelte. „Ich bin Claire, und ich soll Ihnen Ihr Büro zeigen.“

Interessiert sah Katie sich um, während sie der Frau durch den langen Flur folgte. Die modernen Büros boten einen spektakulären Blick über London. „Fantastisch“, murmelte Katie beeindruckt.

Am Ende des Korridors öffnete Claire eine Tür. „Das ist Ihr Reich.“

Katie konnte ihr Glück kaum fassen. Es handelte sich um ein Eckbüro mit Blick über Canary Wharf, den modernen Gebäudekomplex, der die ehemaligen Docks verdrängt hatte. Nur mit Mühe konnte sie sich von der Aussicht losreißen und sich dem Schreibtisch zuwenden, auf dem bereits ein Stapel Papiere auf sie wartete.

„Ich sollte schon einmal ein paar Unterlagen für Sie heraussuchen“, sagte Claire, während Katie die obersten Blätter überflog. „Um zehn Uhr haben Sie ein Treffen mit dem Vorstand im Konferenzraum.“

Katie nickte. „Wollte der neue Geschäftsführer mich nicht zuerst sprechen?“

„Ja, aber er musste kurzfristig weg. Er sagte, er würde Sie beim Meeting treffen, und bittet Sie, sich die Zahlen anzusehen und einen vorläufigen Bericht zu erstellen. Er möchte, dass Sie dem Vorstand noch heute erste Verbesserungsvorschläge unterbreiten.“

„Ich soll den Bericht bis zehn Uhr fertig haben?“ Katies Nerven begannen zu vibrieren.

„Ich fürchte, ja.“ Claire verzog das Gesicht. „Er hat es ziemlich eilig.“

„Das kann man wohl sagen!“

Nachdem Claire gegangen war, zog Katie ihre Kostümjacke aus und hängte sie an einen Haken neben den Aktenschränken. Ich habe es so gewollt, sagte sie sich, als sie den Stapel Unterlagen in Angriff nahm. Einen Job, der sie herausforderte und sie von der Vergangenheit ablenkte.

Die ständige Aufregung in ihrem letzten Job hatte sie elektrisiert. Oder lag es an der knisternden Spannung, die zwischen ihr und Alexi geherrscht hatte? Rasch schob sie den Gedanken beiseite. Diese Affäre war ein Fehler gewesen. Verärgert arbeitete sie sich durch die Kalkulationen und versuchte sich zu konzentrieren. Aber einen Moment lang konnte sie an nichts anderes außer an Alexi denken. Wie er sie küsste, sie liebkoste …

Sie schloss die Augen und holte tief Luft. Sie rief sich ins Gedächtnis, wie besorgt sie gewesen war, als sie befürchtete, schwanger zu sein. Doch zum Glück war das Testergebnis negativ gewesen. Als sie Alexi mitgeteilt hatte, dass sie nicht länger für ihn arbeiten würde, hatte er sie beinahe kalt angesehen.

„Ist das eine private Entscheidung oder eine berufliche?“

„Spielt das eine Rolle?“

„Ja. Denn wenn du aus privaten Gründen gehst, bedeutet es, dass du nicht mehr klar denken kannst.“ Diese Logik war so typisch für ihn, dass sie gelacht hatte. Dann hatte sie das Kinn in die Höhe gereckt und seinen Blick trotzig erwidert. „Ich möchte den Job nicht, den du mir anbietest, weil es Zeit für mich ist weiterzuziehen. Ich brauche neue Herausforderungen.“ Es war ihr gelungen, ebenso sachlich und ruhig zu klingen wie er. Doch in ihrem Inneren war sie – damals wie heute – zutiefst verletzt.

Sie spürte den Schmerz noch immer, denn sie hatte sich gewünscht, Alexi würde ihr gegenüber ein Fünkchen Gefühl, einen Hauch von Zärtlichkeit zeigen. Aber er hatte ihr lediglich mitgeteilt, dass er ihre Stelle nicht sofort neu besetzen würde, für den Fall, dass sie es sich noch einmal anders überlegte. Anschließend hatte er ihr alles Gute für die Zukunft gewünscht und war gegangen.

Sie schaute auf die Unterlagen vor sich auf dem Schreibtisch. Warum verschwendete sie ihre Zeit damit, über Alexi nachzudenken, obwohl die Zeit drängte und sie einen wichtigen Bericht für ihren neuen Boss schreiben musste? Die Affäre mit Alexi war vorbei, und natürlich hatte er sich nie etwas aus ihr gemacht. Hatte sie das nicht immer gewusst? Sie hatten „ein wenig Spaß gehabt“, wie er es nannte. Um Liebe war es dabei nie gegangen.

Katie zog den Stapel dichter zu sich heran und zwang sich zur Konzentration. Sie war vierundzwanzig Jahre alt und studierte Betriebswirtin, keine liebeskranke Närrin. Sie hatte einen Fehler gemacht, als sie glaubte, sie könnte eine Beziehung eingehen und die Gefühle dabei außen vor lassen. Doch das hatte nicht funktioniert, und jetzt musste sie damit fertig werden. Energisch holte sie tief Luft. Sie betrachtete die Papiere vor sich und kreiste einige Diagramme ein, die ihr ungewöhnlich vorkamen. Anschließend analysierte sie ihre Strukturen und machte sich Notizen. Um Viertel vor zehn hatte sie einen kurzen Bericht zusammengestellt. Er war nicht perfekt, aber es war das Beste, was sie in der kurzen Zeit zustande bringen konnte. Sie war auf einige interessante Punkte gestoßen, die sie bei dem Meeting zur Sprache bringen konnte.

Sie hatte noch ein paar Minuten Zeit, also stand sie auf und ging zu dem Wasserspender im Korridor, der ihr am Morgen aufgefallen war.

Neben dem Gerät hing ein Spiegel, und sie warf kurz einen prüfenden Blick hinein. Sie hatte mehr Make-up als gewöhnlich aufgelegt, um zu verbergen, dass sie nicht gut geschlafen hatte. Die blauen Augen wurden durch den rauchgrauen Lidschatten sehr betont, und der helle Lippenstift passte hervorragend zu ihrem Teint und den dunklen Haaren.

Als sie in ihr Büro zurückkehrte und die Tür aufstieß, blieb sie wie angewurzelt stehen. Im ersten Moment meinte sie, sich im Raum geirrt zu haben, denn hinter ihrem Schreibtisch saß jemand. Sie konnte nicht sehen, wer es war, denn er wandte ihr den Rücken zu und blickte aus dem Fenster. Alles, was sie erkennen konnte, waren ein Paar lange, ausgestreckte Beine und eine Hand, die ihr Telefon hielt. Der hat ja Nerven, sich hier so häuslich niederzulassen! Sie runzelte die Stirn. Und er hatte ihre Notizen gelesen, wie sie feststellte, als sie sah, was er in der anderen Hand hielt.

„Entschuldigen Sie bitte!“ Sie räusperte sich. „Kann ich Ihnen irgendwie behilflich sein?“

„Ich melde mich wieder bei dir, Ryan. Ich muss kurz mit der neuen Mitarbeiterin sprechen.“ Die Stimme war samtweich und nüchtern zugleich. Katie erkannte sie auf Anhieb.

Mit der Erkenntnis setzte ein lähmendes Gefühl ein. Der Schreibtischsessel schwang herum, und sie sah sich dem Mann gegenüber, der ihre Welt auf den Kopf gestellt hatte – Alexander Demetri. Mit einem Mal war ihr Mund wie ausgedörrt, und ihr Magen schien sich zu verknoten.

Leide ich unter Halluzinationen? Sie hielt den Atem an. Hatte sie in den letzten Wochen so intensiv an ihn gedacht, dass sie sein Bild heraufbeschworen hatte?

Dann legte er das Telefon zurück, lehnte sich im breiten Ledersessel zurück und lächelte sie an.

„Hallo, Katie.“

Ein Irrtum war ausgeschlossen – der kühle, herablassende Ton und das Funkeln in den dunklen Augen waren ihr nur zu vertraut. Das war nicht irgendein Traum, es war der totale Albtraum.

2. KAPITEL

„Was machst du denn hier?“ Ihre Stimme klang gepresst, und er verzog den Mund zu einem Lächeln.

„Sieht so aus, als hätte ich dich für einen Job engagiert, von dem du behauptet hast, du würdest ihn nicht haben wollen. Merkwürdig, wie das Leben manchmal spielt, nicht wahr?“

Im Gegensatz zu ihr selbst wirkte er ausgesprochen ruhig. Ihre Gedanken überschlugen sich, aber sie bekam keinen einzigen davon zu fassen.

„Ich verstehe nicht …“, flüsterte sie. „Der Job, den du mir angeboten hast, war doch bei Demetri Shipping, oder nicht?“

„Tellesta und damit Madison Brown gehören Demetri Shipping“, informierte er sie. „Ich habe das Unternehmen vor sechs Wochen gekauft.“ Während er sprach, musterte er sie von oben bis unten. Sie sieht gut aus, dachte er zerstreut. Die weiße Bluse und der schwarze Rock wirkten sachlich und verführerisch zugleich. Der breite Gürtel betonte ihre schmale Taille, und die Lippen schimmerten rot. Sie war schon immer viel zu anziehend gewesen, als dass er sie einfach hätte ignorieren können.

Katie spürte seinen Blick und verspannte sich noch mehr. Woran denkt er gerade? Freut er sich, mich zu sehen? Kaum hatte sie sich diese Frage gestellt, schalt sie sich eine dumme Gans. An so etwas verschwendete Alexi keine Gedanken. Sie war nur eine weitere Trophäe in seiner Sammlung.

„Das wusste ich nicht. Ich meine, als ich mich um den Job hier beworben habe, wusste ich nicht, dass du der Boss bist.“

„Das habe ich gemerkt.“

Er war so verdammt selbstsicher! Zu gern würde sie erleben, wie er seine arrogante Maske fallen ließ, nur ein einziges Mal! Aber was sie wirklich wütend machte, war: Sie freute sich tatsächlich, ihn wiederzusehen. Sie hasste sich dafür und redete sich ein, sie sei eben von Natur aus weichherzig. Schließlich war sie inzwischen über die Affäre mit Alexander Demetri hinweg.

Sicher, sie fand ihn immer noch attraktiv, aber das war nur natürlich. Sie müsste aus Stein sein, wenn der Anblick dieses schlanken, muskulösen Mannes sie kaltließe. Jede Frau mit einem Fünkchen Leben in sich musste sich von ihm angezogen fühlen.

Sie bemühte sich, ihn nicht zu eingehend zu mustern. Trotzdem fiel ihr auf, dass sein dichtes schwarzes Haar ein Stück länger geworden war und jetzt den Kragen seines mitternachts-blauen Jacketts berührte. Sein gebräuntes Gesicht wirkte eine Spur kantiger, doch die Linie seiner Lippen war noch genauso sinnlich wie zuvor. Bei dem Anblick seines Mundes erinnerte sie sich daran, wie es war, von ihm geküsst zu werden. Wie es sich anfühlte, wenn seine raue Haut über ihre weiche rieb und er sich leidenschaftlich und ohne Widerspruch zu dulden nahm, was er wollte.

„Wusstest du, dass ich diesen Job bekommen habe?“, fragte sie ihn unvermittelt. „Natürlich!“ Die Frage schien ihn zu amüsieren. „Vor fast einer Woche landete dein Name auf meinem Schreibtisch.“ „Und was sollen wir jetzt machen?“ Ihre Stimme klang ein wenig rau. „Ich kann nicht wieder für dich arbeiten!“

Mit schmalen Augen betrachtete er sie, und ein seltsames Gefühl überkam ihn, das er nicht richtig einordnen konnte. Er vermutete, dass es sich um Ärger handelte. Obwohl er wusste, dass es ihm nicht zustand, war er unglaublich zornig gewesen, als sie sein Angebot ausgeschlagen hatte, weiter für seine Firma zu arbeiten, und einfach gegangen war. Dieser Zorn war in den letzten Wochen nicht weniger geworden, im Gegenteil. Alexi war es gewohnt, zu bekommen, was er wollte; andere Menschen tanzten stets nach seiner Pfeife. Doch Katie hatte ihn verlassen, bevor er bereit war, sie gehen zu lassen.

„Du überraschst mich.“ Er machte eine Pause und wog seine Worte sorgfältig ab. „Ich hätte dich für professioneller gehalten. Du hast gerade einen Viermonatsvertrag mit Madison Brown unterschrieben. Ich dachte, dir läge etwas an dem Job.“

Sie funkelte ihn an. Wie konnte er es wagen, ihr Unprofessionalität zu unterstellen? Es lag ihr auf der Zunge, zu sagen, dass er sich auch nicht gerade an die Regeln gehalten hatte, als er sie, seine Angestellte, verführte! Doch sie hielt sich zurück. Es war sinnlos, in der Vergangenheit herumzustochern, und vermutlich würde er ihr ohnehin nur vorhalten, dass sie genauso verantwortlich dafür war. Und er hätte recht damit. „Ja, ich wollte den Job“, sagte sie also stattdessen und hatte ihre Stimme wieder fest unter Kontrolle. „Aber da wusste ich noch nicht, dass das Unternehmen dir gehört.“

„Was spielt das für eine Rolle?“ Er zuckte die Schultern. „Ich bin bereit, dich wieder einzustellen. Wo also ist das Problem?“

Sie spürte Panik in sich aufsteigen wie aus einer eiskalten Quelle. Er hat keine Schwierigkeiten damit, weil es für ihn nicht um Gefühle ging, für sie aber schon … wenn auch nur an der Oberfläche, wie sie sich hastig einredete. Trotzdem konnte sie mit dem, was geschehen war, nicht so pragmatisch umgehen, wie es ihm offensichtlich gelang. Das war einer der Gründe, warum sie sein Jobangebot ausgeschlagen hatte.

Wahrscheinlich kann er so locker bleiben, weil er so etwas gewöhnt ist, begriff sie wie betäubt. Er verführte Frauen und verschwendete anschließend keinen weiteren Gedanken mehr an sie. Sie selbst hingegen war vollkommen unerfahren in diesen Dingen. Eigentlich war allein die Tatsache, dass sie sich auf eine Affäre eingelassen hatte, völlig untypisch für sie. Vor Alexi hatte sie erst einen einzigen Freund gehabt.

„Ich habe kein Problem damit, ich wollte bloß weiterkommen“, sagte sie.

Alexi beobachtete, wie sie auf diese entschlossene Art das Kinn hob, die so typisch für sie war, und spürte ein leichtes Ziehen in seinem Inneren. Gewöhnlich war er derjenige, der mit einer Frau Schluss machte. Doch Katie hatte ihm gleich zweimal die kalte Schulter gezeigt, und das gefiel ihm überhaupt nicht.

„Wir hatten eine ziemlich gute Abmachung. Sie hat uns beiden gefallen.“

„Das schon, aber Menschen entwickeln sich weiter. Was einem in einem Moment gefällt, kann im nächsten Augenblick nicht mehr das Richtige sein.“

„Gut erkannt.“ Erneut wurden seine Augen schmal. „Und genau deshalb sind wir beide uns sehr ähnlich.“ Katie wollte ihm energisch widersprechen, doch sie hielt ihre Zunge im Zaum.

„Wir sind uns wohl beide einig, dass wir eine Menge Spaß hatten.“ Er hob die Schultern. „Wo also ist das Problem? Ich wollte dich für diesen Job, weil ich glaube, dass du die Beste dafür bist. Es ging mir allein ums Geschäft.“

„Das ist mir klar.“ Wütend funkelte sie ihn an. „Ich war mir nur nicht sicher, ob du es auch weißt.“

Einen Augenblick sah sie in seinem Blick etwas aufflackern, Wut oder vielleicht auch Verwirrung. Sie hatte es geschafft, seine gleichgültige Fassade einzureißen, und darüber war sie so froh, dass sie ein leichtes Hochgefühl empfand.

Doch ihre Freude war nur von kurzer Dauer, denn er sagte lediglich achselzuckend: „Glaub mir, Katie, die Arbeit steht für mich an erster Stelle. So war es immer, und so wird es immer sein.“

Seine Worte regten sie auf, obwohl sie es nicht sollten. Schließlich kannte sie die Regeln. Trotzdem tat es weh, und ihr kurzes Triumphgefühl verschwand so rasch, wie es gekommen war.

„Dann ist ja alles in Ordnung.“ Mühsam versuchte sie, Haltung zu bewahren. „Gut.“ Überraschend lächelte er. „Nachdem wir das geklärt haben, können wir also wieder neu anfangen.“

Neu anfangen …? Katie war nicht sicher, ob ihr der Unterton seiner Worte gefiel.

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