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Mein Hundewissen

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Gestatten, Günther Bloch. Kölsch-Kanadier. Aufgewachsen als rheinische Frohnatur im heiteren, radikal liberalen und leicht chaotischen Köln. Dort habe ich schon mit der Muttermilch die Lebenseinstellung der Domstadt eingesogen: »Jeder Jeck es anders.« Verdammt lang her, trotzdem gilt dieser Slogan auch heute noch – und zwar gleichermaßen für Mensch und Hund. Unverwechselbare Persönlichkeiten sind wir doch alle. Zumindest bilden wir uns das ein.

Privat bin ich durch und durch »hundebekloppt« und ein musikbegeisterter Natur- und Tierliebhaber. Zurzeit lebe ich mehr als 1100 Meter über dem Meeresspiegel im künstlerisch kunterbunten Kimberley. Die höchstgelegene Stadt Kanadas hat rund 7500 Einwohner, eine autofreie Fußgängerzone, und darf wohl als eine der kinder- und hundefreundlichsten Kleinstädte Kanadas bezeichnet werden. Das Leben ist gut hier.

In meiner eigentlichen Heimat, der Bergwelt der Rocky Mountains, bin ich umgeben von wilden Wölfen, Bären, Pumas und zahlreichen Hirschherden, die ich im Rahmen meiner »Bloch-Tours« als Naturreisebegleiter auch anderen näherbringen möchte. Schwerpunkt: ethische Tierbeobachtungen. Meine Hauptaufgabe sehe ich darin, Laien vorzuleben und bis ins kleinste Detail zu erklären, wie man sich gegenüber Wildtieren umsichtig und respektvoll verhält.

Schon als kleiner Junge schaute ich mir im Schwarz-Weiß-Fernseher Tierfilme an. Mit Riesenaugen und hellauf begeistert. Einer davon handelte in Kanada. Ich fragte meinen Vater, wo denn diese Tiere wohnen würden. Er antwortete: »In einem traumhaften Land – weit, weit weg.« Diese Worte gingen mir nie wieder aus dem Kopf. Heute endlich lebe ich meinen Traum. Kanada. Für immer. Bin glücklich. Besser könnte es nicht sein. Tierbeobachtungen sind nämlich wahre Glücksmomente mit einzigartigen Dopamin-Kicks. Was für eine Lebensqualität.

HUNDEMENSCH DURCH UND DURCH

Vom Kölsche Jung zum Kanidengucker

In diesem Buch geht es allerdings primär darum, wie ich zum Hundemenschen wurde. Und was man von mir, einem Studenten des Lebens mit reichhaltiger Tiererfahrung, wie ich gerne sage, lernen kann. Insbesondere im Umgang mit Hunden. Schlussendlich zeigen uns hundeartige Tiere nämlich am besten, wie (Über-)Leben funktioniert.

Gleich zu Beginn darf ich aufgrund meiner bewegten Biografie vollmundig versprechen, mit diesem Buch ein sehr ungewöhnliches Werk verfasst zu haben. Es ist kein Erziehungsratgeber, und doch enthält es viele praktische Tipps zu einem strukturierten Leben mit Hund. Es ist keine wissenschaftliche Abhandlung, und doch steckt es voller Informationen aus meiner aktiven Forscherzeit. Es ist kein theoretisches Buch, und dennoch bietet es in seiner Gesamtheit einen Leitfaden für ein zufriedenes Miteinander von Mensch und Hund. Außerdem wurde dieses Buch von einem passionierten Schallplattensammler geschrieben, der sich selbst im Rentenalter mit fast 67 Jahren noch auf Rock- und Pop-Konzerten herumtreibt. Live dabei sein ist alles. Jeder hat eben so seinen Tick. Und meiner heißt Tiere und Musik. Sie sind die Essenz meines Lebens. Meine Grundzufriedenheit.

Für mich und sämtliche Bloch-Hunde ist das Leben recht unkompliziert und daher lebenswert. Keiner von uns läuft miesepeterisch und mit verbissenem Gesichtsausdruck durch die Landschaft. Daher werde ich, »Kölsche Jung«, wie ich eben bin, auch in diesem Buch manchmal geradewegs ins leicht Scherzhafte abdriften. Manche werden dafür nur eine abwertende Bemerkung übrighaben. Na und? Ich bin so, wie ich bin. Eine meiner zentralen Lebensweisheiten lautet: Ohne Fröhlichkeit, Verspieltheit und Albernheit kein gutes Leben. Ich für meinen Teil bin froh, mir zeitlebens meine kindliche Seite bewahrt zu haben.

JEDE MENGE PRAXISERPROBTE RATSCHLÄGE

Den einen wahren Weg gibt es aber nicht

Wie man schon merkt, neige ich zu deutlich formulierten Meinungsäußerungen. Ein »Kontrolletti-Charakter« wie ich nennt die Dinge nun mal glasklar beim Namen und geht dabei nicht selten bis an die Schmerzgrenze. A-Typen, das sind die forschen, wagemutigen, spontan handelnden, extrovertierten, kontroll- und erkundungsfreudigen Grundcharaktere, haben eben immer Hummeln im Po. Die gute Nachricht: A-Typen sind berechenbar. Die schlechte: Sie sind anstrengend. Ich denke, Sie wissen also, mit wem Sie es zu tun haben.

Meine Liebe zum Sarkasmus habe ich übrigens von John Lennon von den Beatles gelernt. Und ich möchte mich bereits an dieser Stelle schon mal dafür entschuldigen, dass ich es in all den Jahren leider nicht geschafft habe, irgendwelche Patentrezepte für die ultimativ gültige Hundeverhaltenstherapie zusammenzustellen. Daher weiß ich leider auch nicht, wie man sämtliche Sofawölfe Deutschlands auf immer und ewig glücklich macht. Genauso muss ich leider alle enttäuschen, die in diesem Buch fieberhaft nach dem superneuen Geheimtipp für die Hundeerziehung suchen. Sie werden ihn hier nicht finden. Nochmals Entschuldigung. Aber dem ganz normalen Hundehalter ein X für ein U vorzumachen war noch nie mein Ding. Inwiefern ihm meine praxiserprobten Ratschläge und Lebensweisheiten nutzen, die ich im vergangenen halben Jahrhundert von so manchen Hippies und Naturwissenschaftlern und nicht zuletzt von den Hundeartigen selbst übernommen habe, muss jeder Leser selbst entscheiden. Meiner Meinung nach wollen so manche Experten, die vorgeben, besonders tierlieb zu handeln, uns in Wirklichkeit nur ihr eigenes Weltbild aufzwingen. Nichts läge mir ferner. Ich möchte kein Moralimperialist sein, der den einzigen wahren Weg zu dem idealen Hundeleben kennt. Und Moralpredigten möchte ich auch nicht halten.

Meine Grundprinzipien als Hundemensch habe ich in einer Sammlung eigener Erfahrungen so präzise wie möglich ausbuchstabiert. Ich bin froh, dass ich Erlebnisse, wie einige der hier exemplarisch erzählten Geschichten über Jahrzehnte hinweg niedergeschrieben habe. In einer Art Protokollstil. In langen Nächten oder an verregneten Tagen. In knackiger Kurzform. Man schreibt ja nicht, um zu schreiben. Man schreibt ja, um Erlebtes nicht gänzlich zu vergessen. Aufgeschrieben habe ich tatsächlich weit über zweihundert Erlebnisse, von denen es jedoch nur ein Bruchteil in dieses Buch geschafft hat. Ich hoffe, es ist mir gelungen, die kurzweiligsten herauszufiltern.

Genau wie meine vierbeinigen »Studienobjekte« brauchen auch unsere Haushunde nach wie vor ein soziales Gruppengefüge. Mit Struktur und klaren Regeln. Als Gegenmodell zu Drama und Hysterie um die vermeintliche Wahrheit. Leider schlagen hier die Emotionen immer noch hoch, und Begriffe wie »Rudelführer« und »Dominanz« machen ziemlich unreflektiert die Runde. Meiner Auffassung nach brauchen wir anstelle von hundepolitischer Selbstüberschätzung in Weltretterattitüde eine Rückbesinnung auf alte Grundwerte. Das Ganze möglichst unspektakulär. Gruppenregeln sind dazu da, gemeinschaftliches Leben erträglich zu gestalten. Ohne übertriebenes Heiteitei oder Gewalt.

Trotz alledem ist das menschlich-hundliche Familienleben heutzutage sehr facettenreich und zu Recht weit entfernt von starren, in Stein gemeißelten »Rudelregeln«. Die gab es, wie ich während langer Jahre Live-Filmerei beobachten konnte, bei wild lebenden Tieren ohnehin nie. Stattdessen lernte ich in der Realwelt eine Grundordnung mit flexiblen Rahmenbedingungen kennen und schätzen. In diesem Sinne wäre ich schon froh, wenn jeder Leser sein Leben mit dem eigenen Hund, anstatt auf die allerneueste Hundeerziehungsmethode hereinzufallen, an der Kernbotschaft des unvergessenen Frank »The Voice« Sinatra ausrichten würde: I did it my way!

DER ERSTE »DOGSITTER« KÖLNS

Mit Hunden instinktiv natürlich spazieren gehen

Meine berufliche Prägungsphase begann im Jahre 1975, als ich, ein waschechter Jungschnösel, mit meiner ersten Hündin Mirja und bis zu acht weitestgehend nicht kastrierten Hunden von Bekannten und Freunden in diversen Stadtparks herumspazierte. Dogsitter nannte man das später irgendwann einmal. Damals konnte man mit einer Horde frei laufender Vierbeiner in Deutschland noch gut und gerne leben. Derartige Mensch-Hund-Geschwader von beachtlichem Umfang, die ohne »Alpha-Ambitionen« oder »Gutmensch-Leckerchentüten« einfach so zusammen spazieren gingen, waren durchaus an der Tagesordnung. Das war normal. Nicht normal war der Zwang zum therapeutisch verklärten »Social Walk«. Der kam erst Jahrzehnte später. Trotzdem fluppte es mit den Hunden ganz gut. Ohne geistig hochwertige »Schnüffel-Spaziergänge«. Vor einigen Dekaden schnüffelten Hunde noch relativ unkommentiert und mehr oder weniger selbstständig vor sich hin. Ob sie dabei zu viel Stress hatten, ist leider nicht überliefert. Pardon, aber ein Bloch-Buch ohne viel Sarkasmus wird es wohl niemals geben.

Vor meiner Zeit als Hundeausführer lebte ich zwar offiziell noch bei meinen Eltern, war aber ständig unterwegs. Versackt irgendwo in der Künstlerszene Kölns. Spätestens seit Mitte 1971 hielt ich mich als Schlagzeuger unserer 1969 gegründeten Rockband »The Nowhere Men« monatelang in diversen Musikerkommunen auf. Eine tolle Zeit. Sporadische Live-Auftritte als recht passabler Bongotrommler hatte ich unter anderem 1970 im spanischen Barcelona, 1971 im niederländischen Amsterdam, 1972 auf Ibiza und in der Tipic Bar auf Formentera. Ich liebte das alte Formentera. Selbst die Mannen von Pink Floyd nahmen dort an den einmal jährlich stattfindenden Mondscheinpartys teil. Überall gab es alternative WGs mit speziellen Musizierkellern oder Garagen. Und abends am Strand trommelte ich unser aller Musiker-Hymne bis aufs I-Tüpfelchen korrekt nach: »You go back, Jack – do it again« von Steely Dan. Zeitlos.

1972 hatte ich meine dreijährige Lehre zum Reisebürokaufmann abgeschlossen. Während der gesamten Lehrzeit trug ich tagsüber eine Kurzhaarperücke, um mich als seriöser Vernunftsmensch zu tarnen. Kein Scherz. Es war zwar nicht gerade angenehm, jeden Tag mit dieser Haube auf dem Kopf im Büro zu sitzen. Eher wahnsinnig. Aber was tut man nicht alles, um feierabends wieder mit offenem langem Haar als authentisches Blumenkind in die Szene eintauchen zu können. Von innen Hippie, nach außen im (total unbequemen) Anzug. Dr. Jekyll und Mr. Hyde. Wie ich es jemals schaffen konnte, meine Ausbildung zu beenden, ist mir heute noch ein Rätsel.

Eigentlich war es beschlossene Sache, dass ich als Vollblutmusiker ein international geachteter Schlagzeuger werden würde. Letzten Endes hinderten mich daran nur meine Finanzen. Ständig klamm zu sein war eher suboptimal. Aber nur wer an seine Grenzen geht, lernt sich selbst kennen. Irgendwann dämmerte es mir, dass ich im realen Leben deutliche Abstriche hinnehmen müsste. Und die beste Voraussetzung, um machbare Lösungen für mein weiteres Berufsleben zu finden, war offenen Auges, statt faktenresistent, die Musikmacherei »kurzfristig« an den Nagel zu hängen. Sehr bedauerlich.

Dann kam das Jahr 1975. Und mit ihm die Notwendigkeit, aus dem hobbymäßigen Ausführen von Hunden in absehbarer Zukunft eine willkommene Einnahmequelle zu machen. So kam es, wie es kommen musste: Aus dem brotlosen Trommler Bloch wurde Anfang der Achtzigerjahre der »Hundekümmerer« Bloch, der finanziell ganz gut über die Runden kam. Mit der Konsequenz, ab 1979 als Chef der Hunde-Farm »Eifel« nicht nur Führungsverantwortung für Hunde übernehmen zu müssen, sondern auch für Praktikanten und Angestellte. Bis zu acht Mitstreiter hatte ich in Hochzeiten – bis letztendlich Anfang 1992 aus dem Firmenchef ein viel beachteter »Kanidengucker« wurde.

Aus dem wolfssüchtigen Freilandforscher ist heute wieder ein enthusiastischer Musikhörer geworden, ein recht farbenfroh gekleideter Althippie und tierliebender Reiseorganisator. Wenn Sie es so wollen, bin ich also doch wieder zu meinen alten Reisebürokaufmannszeiten zurückgekehrt. Sogar die künstlerische Bearbeitung von Bongotrommeln steht wieder auf dem Tagesprogramm. Zum Leidwesen meiner Frau. C’est la vie!