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Mein Hanf

Armin Spree

Mein Hanf

Das verrückte Tagebuch des Jose Sanjues


Hinweis: Der Autor distanziert sich ausdrücklich von dem hier beschriebenen Gedankengut und teilt es nicht. Das Buch ist als Mahnung und im Gedenken an die Opfer der nationalsozialistischen Herrschaft geschrieben: Auf das sich ein Hitler nicht wiederholen kann.


BookRix GmbH & Co. KG
80331 München

I

Polizeistation - Santiago de Chile

 

„Ich sagte Ihnen doch, dass ich nur geredet habe, vor dem Volk“, sagte ein alter Mann mit einem Schnäuzer.

„Für uns ist das Vagabundieren“, sagte ein Polizist.

„Ich habe eine historische Mission zu erfüllen und daran können Sie mich nicht hindern, denn die Vorhersehung hat mehr Einfluss, junger Freund, als Ihre lächerliche Uniform“, sagte Mittler.

„Name und Adresse“, sagte der Polizist scharf.

„Adolf Mittler, Berlin, derzeit in den chilenischen Anden“, gab Mittler bereitwillig zu Protokoll.

„In Ihrem Pass steht aber Sanjues, Jose. Ich warne Sie, auf Vagabundieren und das Halten von aufwiegelnden Reden steht Gefängnis“, sagte der Polizist.

„Wenn Sie nicht verstehen können, dass ich mich sowieso nicht mehr lange in diesem Land aufhalten werde und Ihr Verhalten in der Zukunft schwere Konsequenzen für das diplomatische Klima zwischen England und Chile haben wird, dann verlange ich auf der Stelle, Ihren Vorgesetzten zu sprechen. In meiner aktiven Zeit hätte ich Sie erschießen lassen“, sagte Mittler.

Der Polizist verließ die kleine Verhörzelle und ging in ein Nebenzimmer, in dem ein Spiegel angebracht war, der einseitig durchsichtig war. Durch den verglasten Spiegel konnten die Polizisten Mittler beobachten. Der Polizist sagte zu seinem Vorgesetzten: „Was ist das denn für ein schräger Vogel? Der ist komplett durchgedreht.“

„Was wirft man ihm vor?“, sagte der Vorgesetzte.

„Wir haben den vagabundierenden Mann auf dem Marktplatz verhaftet. Er stand da auf einer selbst errichteten Tribüne und hielt Reden. Wir sind von einem Bürger angerufen worden, dass der alte Mann sich völlig verausgabt und gegen Afrikaner hetzt. Zudem gibt er einen falschen Namen an und redet wirres Zeug“, sagte der Polizist.

„Das soll es ja geben, dass einer denkt, ein anderer zu sein. Ist er denn gewalttätig?“, fragte der Vorgesetzte.

„Nicht bis jetzt. Wenn man mal von seinen Hasstiraden absieht, die der vom Stapel lässt“, sagte der Polizist.

„Wir sollten da mal unseren Psychologen konsultieren. Das ist wohl eher ein Fall für die Klapse. Schicken Sie Herrn Bunitas mal zu ihm. Der kann sich den dann mal ansehen“, sagte der Vorgesetzte und veranlasste, dass Mittler in eine kleine Zelle verlegt wurde.

 

Bunitas erfuhr nur, dass er einen alten Mann explorieren sollte, der sich merkwürdig verhielt. Er war Polizeipsychologe. Er hatte schon viele Fälle begutachtet. Psychopathen, Exhibitionisten und Schizophrene. Als er die Zelle betrat, sah er Mittler am Tisch sitzen.

„Guten Tag, ich heiße Bunitas. Dr. Bunitas.“

„Guten Tag.“

„Herr Sanjues?“, sagte der Psychologe.

„Wenn Sie so wollen“, sagte Mittler.

„Oder wer sonst?“, stieg der Psychologe gleich in die Suggestionsfragen ein.

„Es ist doch absolut uninteressant, wie ich heiße“, sagte Mittler.

„Ist es nicht, Herr Sanjues. Der Name ist wichtiger Teil unserer Identität. Das ist schon wichtig, wie wir heißen. Sie gaben noch einen anderen Namen zu Protokoll bei Ihrer Vernehmung heute früh. Was hat es mit diesem Namen auf sich?“, sagte der Psychologe.

„Ein Alias, nichts weiter“, sagte Mittler abwiegelnd.

„Ein merkwürdiger Alias, Herr Sanjues. Sie sagten, Sie seien Adolf Mittler“, insistierte der Arzt.

„Und wenn schon“, verschloss sich Mittler.

„Aber um Ihnen gleich den Wind für Ihre lächerlichen Versuche, mich zu psychiatrieren, aus den Segeln zu nehmen“, sagte Mittler bestimmt, um fortzufahren, „ich werde mich von keinem Wald- und Wiesenarzt hier zum Wahnsinnigen stempeln lassen. Ich sage grundsätzlich immer das, was ich denke. Dies ist das ureigene Recht jedes Menschen. Wenn ich also gesagt habe, dass ich Mittler heiße, dann wird das auch so sein. Es soll wohl mehr als einen Menschen geben, der mehrere Namen besitzt. Dies gibt es bei Schriftstellern. Dies gibt es bei Diplomaten. Dies gibt es bei mir.“

„Mag sein. Aber dennoch gibt es wenige, die vorgeben, einen derart bekannten Namen zu haben. Sie müssen zugeben, dass dies nicht normal ist. Oder was meinen Sie, Herr Sanjues?“

„Bekannt oder nicht bekannt. Ich bin eh nicht mehr lange in diesem primitiven Land“, erwiderte Mittler.

„Was machen Sie denn beruflich?“, fragte der Psychologe.

„Ich bin Hanfbauer. Ich gehe einer ehrlichen und männlichen Arbeit nach. Wenn ich auch in meinem Leben eher mit dem Kopf als mit der Hand gearbeitet habe, so ist es für keinen Menschen eine Schande, sich mannhaft zu ernähren“, sagte Mittler.

„Das ist es sicher nicht. Aber ich würde gerne mehr über Ihren Alias-Namen erfahren. Warum sagten Sie, dass Sie Adolf Mittler heißen?“

„Junger Mann, es mag ja sein, dass Sie auf einer dieser Universitäten gelernt haben, wie man Messer und Gabel hält, und ferner mag es auch sein, dass Sie glauben, ein schlauer Kopf zu sein. Ich versichere Ihnen aber, dass Sie sich an mir Ihre gelehrten Zähne ausbeißen werden. Denn ich bin klar und deutlich. Ich habe in meinem Leben eine Menge Erfahrungen gesammelt, die man an keiner Universität lernen kann. Wie eh das Gelehrte sich immer am Wert für die Gemeinschaft messen muss. Was nutzt uns denn eine Bildung, wenn sie nicht auch den Menschen formt und dazu ermächtigt, Dinge richtig einzuordnen und sinnvoll einzusetzen. Die Bildung heutiger Tage erscheint mir da, mit Verlaub, nichts Anderes zu sein als dahingeklatschtes Wissen ohne Verankerung zu einem Wert, ohne emotionalen Bezug zu irgendeiner rationalen Idee.

Wie sollte das auch anders sein, wenn die Bildung nur von Menschen gelehrt wird, die selbst zum Leben nur rudimentär tüchtig sind und selbst kaum ein Wissen über das Gesamte haben. Es ist für mich keine Bildung, wenn man das nachbetet, was sich die Machthaber, je nach Gutdünken, zusammengereimt haben. Es ist doch ein ganz normaler Vorgang, dass man immer nur das auch lernen darf, was politisch opportun ist. So glauben Sie doch wohl nicht, dass bei den Römern irgendeine Bildung stattfand, die über den damaligen Wertekanon des römischen Weltreiches hinausging. Das wäre auch geradezu dumm, wenn die Herrscher einer Ideologie die Bildung zuließen, die sie selbst hinterher schwächt. Das liegt doch auf der Hand und auch ich habe natürlich in meinem Leben immer wieder mit Nachdruck und Konsequenz darauf peinlichst geachtet, dass der Pimpf nur das lernt, was er lernen soll, dass das Mädel nur das lernt, was es lernen darf.

Bei den Völkern, die wir erobert haben, sind wir noch weiter gegangen. Wir haben die Menschen ihre eigene Sprache vergessen lassen, indem wir eine Rechtschreibreform nach der anderen eingeführt haben. Das hat die Menschen so verwirrt, dass sie hinterher ihre eigenen Bücher nicht mehr lesen konnten. Das war ein wirksames Mittel, um die sogenannten intellektuellen Eliten davon abzuhalten, ihr Wissen an die jüngeren Generationen weiterzugeben. So wie es für ein Sklavenvolk eben auch völlig ausreicht, wenn es bis 10 zählen kann und seinen Namen schreibt. Mehr brauchen Sklaven nicht.

Im eigenen Interesse aber muss man natürlich die Forschung und die militärische Entwicklung forcieren und jede Art von Kreativität dulden, wenn sie denn der Machterhaltung und Machtausdehnung dienlich ist. So lebt das Bildungssystem immer mit dem Widerspruch, dass der Kluge mit dem Dummen gar nicht lernen kann. Deshalb muss man auch den Dummen nicht fördern und den Klugen zu den Eliten stecken. Das muss man konsequent machen.

Denn was nutzt einem denn ein dummer Mensch, der den Klugen daran hindert, zu den Höhen aufzusteigen, die seine intellektuelle Ressource hergibt. Deshalb haben wir auch peinlichst darauf geachtet, dass wir da ganz früh aussieben. Wir haben die Klugen in Eliteschulen gesteckt und die Dummen sehr schnell einer Arbeit zugeführt, die körperlich vom Dummen zu leisten war.

Es gibt keinen größeren Quatsch als die Annahme, dass man jemanden fördern kann, der dazu keine Anlage hat. Ich kann einen unbegabten Menschen fünfhundert Jahre Klavier lernen lassen, der wird doch niemals ein Klavierkonzert spielen können. Wenn ich aber einen begabten Menschen da ranlasse, dann hat der innerhalb kürzester Zeit ein Ergebnis vorzuweisen.

Wenn dann heute behauptet wird, dass man die Schwachen fördern muss, und wenn dann da Millionen und Milliarden in die Defizitärenförderung gesteckt werden, dann ist das der größte Unsinn, den sich eine Gesellschaft leisten kann. Würde man nur ein Zehntel davon in die Förderung der Eliten stecken, dann wäre das Ergebnis brauchbar und für die Gemeinschaft nützlich. Alles Andere ist nur rausgeschmissene Energie und verschwendetes Geld.

Ich glaube aber nicht, und da denke ich grundlegend anders als viele konservative Menschen, dass Bildung nur etwas für die Reichen ist. Es hat sich immer wieder gezeigt, dass es nicht nur die Reichen und sogar oft gerade nicht die Reichen sind, die eine vernünftige Bildung verdienen. Auch an meinem Beispiel sieht man deutlich, dass es durchaus möglich ist, dass mitten aus dem Volk eine außergewöhnliche Begabung erwächst. So was muss man erkennen. Da ist jeder Lehrer gefragt, egal in welchem Umfeld, da muss gesiebt und genau hingesehen werden. Wenn wir nur einen verlieren, wenn wir nur einen dieser Rohdiamanten auf dem Weg verlieren, dann ist das ein unermesslicher Verlust für alle. Deshalb haben wir auch alles getan, um die Klugen von den Dummen abzugrenzen. Es gibt im Übrigen ein sehr probates Mittel, um einem Dummen auch eine Lebensaufgabe zuzuweisen, die ihn ausfüllt und glücklich macht. So hängen Sie doch einem Dummen eine Binde um und geben Sie ihm einen Rang. Sie werden sehen, wie schnell sich der Dumme diese Rolle aneignen und wie gewissenhaft er seine Aufgaben erledigen wird“, monologisierte Mittler.

Der Psychologe war erstaunt. Mit einem solchen Vortrag hatte er nicht gerechnet. Der Mann redet gerne, dachte sich Bunitas und wusste, dass er von diesem Mann alles erfahren konnte, was er zur Exploration benötigte. Wie ein offenes Buch würde dieser Mann am Ende sein und er konnte aus dem Wortschwall sicher viele Informationen filtern, die ein abgerundetes Gesamtbild ergeben würden.

„Sie scheinen sich mit diesen Dingen beschäftigt zu haben?“, heuchelte Bunitas Vertrauen.

„Ach, junger Mann. Ich musste mich mit allem beschäftigen. Das war doch gerade die Aufgabe, die ich mir mit eiserner Disziplin und ohne Rücksicht auf meine eigene Person aufgelastet habe. Aber ich tat dies nicht aus eigenem Gusto. Es war die Vorhersehung, die mir mehr als einmal diese verantwortungsvolle Aufgabe andiente, und wer wäre ich denn gewesen, wenn ich nicht uneigennützig dieser Mission große Teile meines Lebens geopfert hätte?

Was hätten Sie denn getan, wenn man Ihnen diese Rolle quasi in den Schoß gelegt hätte? Es hat sich gezeigt, dass 42 Attentatsversuche bei mir nicht fruchteten. Dies war nicht nur mein Instinkt, der immer einen Führer auszeichnet, sondern es waren auch die Bestimmung und die göttliche Vorhersehung, die nicht wollte, dass ich meine Aufgaben nicht zu Ende bringe.

Als der Stauffenberg damals mit einer verräterischen Clique versuchte, den Ausgang der Weltgeschichte zu verändern, da hat sich doch gezeigt, dass Gott nicht wollte, dass dies alles vorzeitig endet. Ich habe spätestens an diesem Punkt endgültig begriffen, dass mich die Vorhersehung niemals aus meiner Verantwortung entlassen würde. Ich wusste ja, dass man den ganzen Zinnober früher oder später hinter sich lassen muss. Aber es war damals nicht an der Zeit und die feigen Verräter wurden ihrer gerechten Strafe zugeführt. Man hat es im Bürgerbräukeller versucht, man hat es in Museen versucht, man hat es in Flugzeugen versucht und man hat es auf Veranstaltungen versucht. Niemals aber konnte einer dieser Verbrecher einen Erfolg verbuchen. Dies ist aber auch dem Umstand zuzuschreiben, dass mein Instinkt mich nie verlassen hat. Sie können mir glauben, dass es keinen Führer gibt, der ohne diesen Instinkt auch nur zwei Minuten in der Politik überlebt“, fabulierte Mittler.

„Sie sind ein Führer, Herr Sanjues?“

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