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Maresciallo Bonanno und die dunkle Botschaft des Verführers

Inhalt

  1. Cover
  2. Weitere Titel von Roberto Mistretta
  3. Die Serie
  4. Der Ermittler
  5. Über dieses Buch
  6. Über den Autor
  7. Titel
  8. Impressum
  9. Widmung
  10. Zitat
  11. Eins
  12. Zwei
  13. Drei
  14. Vier
  15. Fünf
  16. Sechs
  17. Sieben
  18. Acht
  19. Neun
  20. Zehn
  21. Elf
  22. Zwölf
  23. Dreizehn
  24. Vierzehn
  25. Fünfzehn
  26. Sechzehn
  27. Siebzehn
  28. Achtzehn
  29. Neunzehn
  30. Zwanzig

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Maresciallo Bonanno und das falsche Spiel des Fischers

Maresciallo Bonanno und der kalte Blick der Rache

Maresciallo Bonanno und das tödliche Gelübde

Die Serie

Maresciallo Saverio Bonanno ermittelt auf Sizilien – ein italienischer Kriminalbeamter mit reichlich Temperament, untrüglichem Spürsinn und etwas Übergewicht.

Die perfekte Urlaubslektüre – für Italien-Liebhaber, Krimileser und Fans von Commissario Caselli und Commissario Montalbano.

Der Ermittler

Saverio Bonanno ist ein temperamentvoller Sizilianer in den besten Jahren. Er lebt mit seiner verwöhnten Tochter Vanessa und seiner herrschsüchtigen Mutter im beschaulichen Örtchen Villabosco in der Nähe von Palermo. Bonanno liebt seinen Job als Maresciallo bei den Carabinieri – und die süßen Dinge des Lebens. Zu seinem Leidwesen sieht man ihm das auch an. Er hasst seine Waage und Diäten, und wenn sein Horoskop ihm Schlechtes prophezeit, vermiest ihm das schon mal den Tag. Sein hitziges Temperament steht ihm mehr als einmal im Weg – er flucht laut und oft –, aber sein Spürsinn und seine eigenwilligen Ermittlungsmethoden verhelfen ihm noch immer zur Klärung des Falls.

Über dieses Buch

Der sizilianische Maresciallo Bonanno löst seinen zweiten Fall – mit Scharfsinn und gesegnetem Appetit

Just nachdem sich der Capitano der sizilianischen Carabinieri auf unbestimmte Zeit beurlauben lassen hat, sorgt ein mysteriöser Mord im Rotlichtmilieu für Aufruhr in Villabosco. Wieder mal steht Maresciallo Saverio Bonanno mit den Ermittlungen allein da. Trotzdem gelingt es Bonanno, die Nerven zu bewahren und einer skrupellosen Organisation auf die Spur zu kommen, die ihre dunklen Botschaften übers Internet verbreitet. Aber als Bonanno herausfindet, wer hinter der Organisation steckt und dass ihre Opfer noch Kinder sind, ringt er nicht nur einmal um Fassung …

Über den Autor

Roberto Mistretta, geb. 1963, ist Journalist und Romanautor und lebt mit seiner Familie in seiner sizilianischen Heimatstadt Mussomeli. Nachdem er zuvor meist Kinderbücher geschrieben hat, von denen einige prämiert wurden, hat er inzwischen das Krimigenre für sich entdeckt: Mit Saverio Bonanno, einem heißblütigen sizilianischen Carabiniere, hat Mistretta eine unverwechselbare, sympathische Ermittlerfigur geschaffen.

Roberto Mistretta

Maresciallo Bonanno und die dunkle Botschaft des Verführers

Sizilien-Krimi

Aus dem Italienischen von Katharina Schmidt

Weh dem, der die Verführungen verschuldet! Es wäre besser für ihn, man würde ihn mit einem Mühlstein um den Hals ins Meer werfen, als dass er einen von diesen Kleinen zum Bösen verführt.

(LUKAS 17,2)

Eins

Maresciallo Saverio Bonanno spuckte Feuer wie die Krateröffnungen im Mongibello. Sogar an diesem Morgen überschüttete ihn sein verdammtes Horoskop geradezu mit schlechten Nachrichten, schlimmer konnte es gar nicht kommen: »Jupiter übt einen negativen Einfluss auf die Beziehung zu Ihren Kindern aus, Neptun auf die zu Freunden und Verwandten. Uranus bringt Probleme im Beruf, das betrifft besonders die in der zweiten Dekade Geborenen.«

»Also das ist wirklich die Höhe«, sagte er resigniert und ging zu seinem Fiat Punto. Natürlich war er ausgerechnet in dieser Dekade geboren. Und die Auseinandersetzung mit Vanessa, die er gerade hinter sich gebracht hatte, bestätigte, dass das Horoskop auch diesmal den Nagel auf den Kopf getroffen hatte. Wie üblich war Ringhio der Anlass gewesen. Vor ein paar Monaten hatte Bonanno seiner Tochter den Setter geschenkt. Sie hatte sich einen Hund gewünscht, der weder braun noch grau sein sollte. Obwohl das liebe Tierchen eine gemütliche Hundehütte im Garten hatte, jaulte und bellte es so lange, bis Bonanno aufstand und es ins Haus ließ, damit die Nachbarn ihn nicht anzeigten.

»Womöglich noch bei den Carabinieri, darüber würden die in der Kaserne sich bestimmt totlachen.«

Stinkende Pipipfützen und zerbissene Sofas, dazu überall Haare, dieser Anblick erwartete ihn jeden Morgen nach dem Erwachen. Eine Katastrophe von unglaublichen Ausmaßen, wenn man dabei berücksichtigte, wie klein dieser Hund eigentlich war. Bonanno verfluchte sich pausenlos, dass er sich selbst in dieses Chaos gestürzt hatte. Und er hatte nicht die leiseste Ahnung, wie er sich daraus befreien sollte.

Mit Ringhio nahmen seine schlimmsten Albträume Formen an, und er konnte nicht einmal jemand anderen dafür verantwortlich machen: Er selbst hatte seiner Tochter den Hund geschenkt, und deshalb holte er ihn jede Nacht herein, damit er aufhörte, so einen Lärm zu veranstalten. Bonannos Leben war zum Heulen. Das wusste Vanessa genau, und deshalb vermied sie es morgens meist, dieses Thema anzusprechen. Es war doch nicht ihre Schuld, wenn Großmutter Alfonsina und sie einen festen Schlaf hatten und das nächtliche Gejaule des armen Ringhio nicht hörten. Entschuldigungen wie diese ließen den Maresciallo in die Luft gehen, und als er sich auf den Weg zur Arbeit machte, hing der Haussegen schiefer als ein krumm eingeschlagener Nagel.

Um seine mehr als feindselige Stimmung etwas aufzuhellen, hielt Bonanno an der Bar Excelsior. In diesem schäbig wirkenden Vorstadtlokal gab es einen einzigen Glanzpunkt: Die Hörnchen mit einer Füllung aus dunkler Schokolade, die die Frau des Barmanns zubereitete. Diese Frau hatte eigentlich nichts Weibliches an sich. Sie sah aus wie ein gebogener Besenstiel, hatte dunkle Ringe unter den Augen, und ihre Haare waren so dünn und glatt wie Zwirnsfäden. Aber sie verfügte über gesegnete Hände. Die gesegneten Hände einer Hausfrau, mit deren Hilfe sie wahre Köstlichkeiten zauberte. Mit ihren eckigen Fingern bereitete Signora Maruzza eine dickflüssige Schokoladenmasse, deren Duft allein schon genügte, um Blinden das Augenlicht wiederzugeben. Damit füllte sie die Hörnchen, die sie abends aus dem Tiefkühlschrank holte und über Nacht aufgehen ließ.

Bonanno lief schon das Wasser im Mund zusammen. Als er seine Zähne in die cremige Masse versenkte, empfand er aufrichtige Verehrung für den Erfinder der Schokolade. Genüsslich ließ er jeden Bissen ganz langsam im Mund zergehen, damit er sich danach nicht noch ein Hörnchen genehmigte. Aus dem Augenwinkel erspähte er etwas im Hintergrund des Raumes, das halb hinter dem Kühl- und Gefrierschrank sowie einem Haufen Pralinenschachteln verborgen war: Eine gottverdammte Personenwaage, die auch Horoskope ausgab, zwinkerte ihm quasi zu. Fast wäre er daran erstickt. Der Fortschritt verdarb ihm sogar in den heruntergekommensten Bars die schönsten Momente.

»Trinkst du heute Morgen keinen Espresso, Saverio?«

Auch ohne sich umzudrehen erkannte Bonanno seinen Freund Tonio, der in der Apotheke Cusumano arbeitete. Er freute sich, ihn zu sehen.

»Zwei starke Espressi«, bestellte der Maresciallo. Als er Tonios scheinheiligen Blick bemerkte, der an dem winzigen Rest klebte, der von Bonannos Hörnchen noch übrig war, fügte er hinzu: »Und ein Hörnchen für meinen Freund hier. Den Espresso für mich bitte mit Süßstoff«, sagte er und bereute es sofort.

Tonios Gesichtsmuskeln entspannten sich. Bonanno begriff, dass jetzt gleich wieder eine seiner sarkastischen Bemerkungen folgen würde, und kam ihm zuvor: »Wenn du es wagst, auch nur andeutungsweise zu lachen, dann spucke ich dir in die Tasse«, sagte er ohne nachzudenken. »Was glaubst du denn, Saverio ... ich wollte dir nur erzählen, dass wir gestern diese Wunderkapseln erhalten haben, davon nimmst du eine am Tag und nach zwei Wochen fühlst du dich wie ein neuer Mensch, das ist doch mal was ganz anderes als eine Diät.«

»Nimmt man davon wirklich ab?«, fragte Bonanno interessiert. Er hatte sich in letzter Zeit etwas gehen lassen, auch sein Urlaub auf Ustica hatte dazu beigetragen, und bekam seinen Bauch kaum noch in den Griff, nicht einmal mit der Uniform, die ihm sonst passte.

»Sicher, Savè, es genügt, wenn du den ganzen Tag nichts anderes als Pillen in deinen Wanst füllst, und alles ist geritzt. Dazu darfst du dann eine Tomate essen, die am besten grün sein sollte, und zwei Liter Wasser am Morgen und am Abend trinken. Eine Diät aus Neuseeland mit Erfolgsgarantie: Mindestens zehn Kilo weniger, und außerdem ein netter Aufenthalt im Krankenhaus, damit du dich von deinem Kreislaufkollaps erholst.«

Wenn Blicke töten könnten, hätte Tonio den Genuss seines Espresso in Gesellschaft von Engeln und Seraphim im Himmel beendet. Verärgert ging Bonanno zu seinem Punto, ohne sich vorher richtig von seinem Freund zu verabschieden. Dieses verdammte Horoskop verdarb ihm noch den ganzen Tag. Zum Glück hatte er keine Geschwister, wer weiß, welche Verwicklungen er sonst noch erlebt hätte, bevor es Abend wurde.

Als er die Kaserne betrat, hatte er noch schlechtere Laune als zu Hause. Jetzt wurde es schwierig. Uranus hatte sich gegen ihn verschworen und verhieß Auseinandersetzungen mit Kollegen. Obwohl er dafür eigentlich jeden Tag einen Grund gefunden hätte. Da war dieser Mistkerl Marcelli, sein Kollege, der die Wache leitete. Seine Dienstzeit war nur zwei Monate kürzer als Bonannos, und er konnte es einfach nicht ertragen, dass man in Abwesenheit des leitenden Offiziers den Befehl über die Kompanie an Bonanno gegeben hatte.

Dabei hätte er sich diese lästige Sache doch niemals freiwillig aufgebürdet. Als Leiter des Einsatzkommandos von Villabosco war ihm schon genug Ärger beschieden, und nun hatte man ihm auch noch acht Kommandos aufgehalst, die über das ganze Montanvalle verteilt lagen, und das bei den Straßen! Einmal ganz abgesehen von Steppanis Fahrstil, für den man ihn sofort einsperren und den Zellenschlüssel wegwerfen sollte. Aber wenn jemand schon unter einem Unglücksstern geboren war ...

Capitano Basilio Colombo, der Glückliche, hatte die schöne Witwe geheiratet. Eine leidenschaftliche Frau, mit einem Mund so heiß wie ein Bügeleisen, und Bonanno war wieder mit dem Kommando über die Carabinieri von Villabosco beauftragt worden.

Nach seiner Heirat hatte sich der Capitano nach Avellino versetzen lassen. Colonnello Eugenio Latella hatte Bonanno mitgeteilt, ein neuer Kommandant würde frühestens in ein paar Monaten ernannt werden, aber er, der über einen Bulleninstinkt verfügte, hatte schon den Braten gerochen und ergab sich in sein Schicksal. Offiziere wurden nur im Sommer versetzt, und jetzt war es gerade mal November. Bonanno bereitete sich auf ein unangenehmes Jahresende vor. Das sagte ihm sein Instinkt.

Der junge Hilfscarabiniere bedachte ihn mit einem zackigen, militärischen Gruß. Er schlug diensteifrig die Hacken zusammen. Bonanno knurrte ein »Stehen Sie bequem« und ging hinauf in sein Büro. Er bemerkte, dass er seine Zigarette an der Kippe der eben gerauchten anzündete. Plötzlich erfasste ihn Ekel und er schleuderte sie weit weg, während ihm ein böser Husten den Brustkorb zerriss und seinen Mund mit gallebitterer Flüssigkeit füllte.

»Dieses Unglück schickt mir Marcelli, seinetwegen könnte ich ruhig tot und begraben sein. Aber den Gefallen tue ich ihm nicht und wenn ich mir dafür das Rauchen abgewöhnen muss.«

Drei Minuten später stürmte Steppani in Bonannos Büro. Sein Gesicht sprach Bände. Bonanno begriff sofort, dass der Tag noch schlimmer zu werden versprach, als er begonnen hatte.

Unzählige Sterne strahlen am nächtlichen Himmel um die Wette, Tausende funkelnder Punkte beleben den dunklen Mantel, der sich über Mandel- und Olivenbäume gelegt hat. Aspanu »Caccialesto« fährt zufrieden durch die Nacht. Seine Geschäfte gehen glänzend, seit er Angilina zwei lebenssprühende junge Fohlen an die Seite gestellt hat, denen das Blut heiß in den Adern pulsiert. Zwei geile Weiber, eine aus Ghana, die andere aus Albanien, mit Kurven am rechten Fleck. Nicht nur die jungen Männer sind verrückt nach ihnen. Das Geschäft blüht besonders bei den älteren Honoratioren.

Aspanu wurde erst vor ein paar Monaten aus dem Gefängnis entlassen. Er war in Drogengeschäfte verwickelt, eine Dummheit, die ihn zwei Jahre hinter Gittern gekostet hatte. Aspanu hieß mit Nachnamen eigentlich Calì, aber unter diesem Namen kannte ihn niemand in Villabosco. Für alle war er nur Aspanu »Caccialesto«, das hieß so viel wie »Schneller Jäger«, wegen seines ungeheuren Glücks bei Frauen, deren Gunst ihm augenblicklich zufiel.

Aspanu war bestimmt nicht schön, aber etwas an seinem Verhalten und seinen Worten ließ die Frauen dahinschmelzen. Daher stammte auch sein Spitzname. Er trug ihn, seit ihn der Rektor seiner Schule dabei erwischt hatte, wie er gemeinsam mit dessen Frau, einer nicht zu verachtenden Fünfzigjährigen, »ihre Briefmarkensammlung betrachtete«.

Als der Betrogene mit gesenktem Kopf auf beide zustürmte, sprang Aspanu aus dem Fenster, die Ehebrecherin packte eilig ihre Koffer, und von da an hieß der Rektor für seine Schüler nur noch »Ginu Cammarata, der Gehörnte«. Das hatten sie in riesengroßen Buchstaben über das Schultor gesprüht, und zwar mit feuerrotem Lack, in derselben Farbe wie der des Lieblingslippenstifts seiner Ehefrau. Damals war Caccialesto sechzehn. Sein ganzes Leben ließ sich mit diesem Spitznamen umschreiben: Aspanu, Sohn eines unbekannten Vaters und einer nicht eben treusorgenden Mutter, hatte es schnell geschafft, sich in Schwierigkeiten mit der Justiz zu bringen und im Anschluss Bekanntschaft mit dem Erziehungsheim zu machen. Aber auch dort überschlugen sich seine Geliebten fast dabei, ihn mit Zigaretten und Liebe zu versorgen – je nachdem, welche gerade an der Reihe war. Aspanu machte seinem Spitznamen alle Ehre, indem er sich im Gegenzug bei der ersten Gelegenheit mit typisch männlicher Diskretion zurückzog. Es ist ja bekannt, dass Namen einen oft ins Unglück stürzen können.

Dann versuchte er zusammen mit mehreren Kumpanen eine üble Sache. In einer Bank außerhalb ihres Einzugsgebiets schlugen sie unmaskiert zu und benutzten dabei Taschenmesser, um nicht vom Sicherheitssystem der Bank aufgehalten zu werden. Unter den Angestellten war eine seiner Exflammen, »die schöne Onorata«. Die Frau sah ihn verwirrt an, die Augen quollen ihr fast aus dem Kopf. Mit diesen schönen Augen hatte sie ihn in den Armen einer anderen erwischt. Das war vor ein paar Monaten passiert. Damals war Onoratas Friseurtermin geplatzt, sie war früher nach Hause gekommen und hatte gedacht, ihrem Liebhaber damit eine schöne Überraschung zu bereiten. Deshalb war sie zu Aspanus Haus gegangen, das außerhalb des Dorfes lag. Der war zur gleichen Zeit damit beschäftigt, mit Händen, Mund und was ihm die Natur noch geschenkt hatte, an den saftigen Melonen der schönsten Evastochter von ganz Villabosco zu kleben. Wenn diese Kleine durch die Gegend stolzierte, verfinsterten ihre Hinterbacken die Sonne, und ihr Busen wippte so heftig, dass sie Steine zum Seufzen brachte.

Um diese Demütigung zu vergessen, hatte Onorata sogar die Stadt verlassen. Sie sagte als Erste bei dem verblüfften Maresciallo aus und nannte ihm mit typisch weiblicher Genauigkeit Vornamen, Nachnamen und Spitznamen dieses Mistkerls Aspanu.

Damals hatten sich für Aspanu die Türen des Gefängnisses zum ersten Mal geöffnet und ihn aufgenommen. Nach knapp drei Jahren war er wieder draußen. Er erklärte, mit Banken hätte er abgeschlossen, und fing an, mit Marihuana zu handeln, erstklassiger Ware. Manchmal kaufte er auch ein paar Gramm Heroin dazu, um die Zahl seiner Stammkunden hochzuhalten. Auch diesmal ging es schief, und er landete wieder im Knast. Zu seinem Glück setzte man in der Berufungsverhandlung seine ursprüngliche Strafe von sechs Jahren auf zwei Jahre herab. Als er diesmal aus dem Gefängnis kam, beschloss er, Vernunft anzunehmen und seine Wirkung auf Frauen auszunutzen.

Sein erstes Opfer hieß Angilina, sie hatte vor acht Monaten ihren Mann, einen Schläger und Alkoholiker, begraben. Aspanu erwies sich seines Spitznamens würdig und schaffte es mühelos, die immer noch ansehnliche Witwe zu erobern und sie davon zu überzeugen, sich für sie beide zu opfern, indem sie in ihrem Bett einsame alte Männer empfing. Nach einer ziemlich heißen Woche, in der die beiden das Bett kaum verlassen hatten, war Angilina ihm zuliebe zu allem bereit. Er hatte ihr nämlich in Aussicht gestellt, gemeinsam mit ihr nach Amerika gehen, sobald sie genügend Geld beiseitegelegt hätten.

So stellte Aspanu ein neues Geschäft auf die Beine. Ein paar Monate später bemerkte er aber, dass die arme Angilina schon alles gegeben hatte, was sie zu bieten hatte. Jetzt brauchte er frische Ware, am besten von auswärts, mit viel Fantasie und üppigen weiblichen Formen ausgestattet für die besonderen Spielchen, die die lüsternen Dörfler zusätzlich erwarteten.

Aspanu suchte Kontakt zu Gaunern aus Palermo und Umgebung. Mit dem Segen des lokalen Bosses, »zu Angiolo«, nahm er an jedem Wochenende zwei Mädchen in seiner Wohnung auf, die etwas außerhalb des Zentrums lag. Die Geschäfte gingen glänzend. Junge und nicht mehr ganz junge Männer, auch aus den benachbarten Dörfern, gaben sich bei ihm die Klinke in die Hand. Alle wollten sie die Reize der beiden Schönen am eigenen Leib erfahren. Aspanu hatte seinen Weg gefunden: Er fühlte sich als Wohltäter. Die armen Mädchen kamen aus Ländern, die durch Kriege oder Not zerstört waren, kassierten für jeden Fick hundert Euro, und ihm mussten sie lediglich dreißig Prozent für seine Gastfreundschaft abgeben.

Dafür tat Aspanu denen aus Palermo manchen Gefallen. Bei Bedarf stellte er ihren Freunden, die sich nicht öffentlich zeigen wollten, seine Wohnung für Treffen in aller Abgeschiedenheit zur Verfügung. Allein an den letzten drei Wochenenden hatten die Mädchen, während sie durchschnittlich dreißig Männer pro Nacht befriedigten, mehr als dreißigtausend Euro zusammenbekommen. Und er hatte jeweils ein Drittel erhalten. Eine echte Goldgrube.

Es gab nur einen Haken bei der Sache: An diesen beiden Tagen musste er bei Angilina übernachten, die ihn immer sehr glücklich empfing. Auch in dieser Nacht, es war zwanzig nach zwei, fuhr Aspanu gerade mit seinem brandneuen Kombi zu ihr. Er fluchte stumm in sich hinein und sagte sich immer wieder, dass er bald eine Lösung für diese außerdienstlichen »Liebesspiele« finden musste. Vielleicht würde er sich eine kleine Wohnung kaufen. Dort konnte er dann in Ruhe schlafen.

Während er darüber nachdachte und so durch die Nacht fuhr, tauchte plötzlich eine Limousine vor ihm auf. Instinktiv bremste Aspanu, weil ihn die Scheinwerfer des anderen Wagens blendeten. Er riss das Steuer heftig herum, um einen Zusammenstoß zu vermeiden, die Reifen seines Wagens verbissen sich in die Erde am Rand der dunklen Straße. Die Fahrt des Kombis endete in einem Stück Ackerland, das vor kurzem gepflügt worden war. Braune Erde bedeckte die Steine, und man sah einen großen Johannisbrotbaum.

»Was zum Teufel ...«, zischte Aspanu und stieg wütend aus seinem Wagen. Vor Schreck wurden ihm die Beine so weich wie Ricotta.

Der Fluch blieb ihm im Hals stecken. Ein heftiger Schlag traf genau seine Nieren, stieg die Wirbelsäule hinauf und explodierte in seinem Hirn und seinen Augen, vor denen Tausende Funken aufleuchteten, während er seinen Atem weit in die Nacht hinausspuckte.

Ein zweiter schrecklicher Schlag traf ihn wie ein fahrender Zug, prallte gegen seinen Magen und schien ihn durchstoßen zu wollen. Rippen brachen, seine Lunge wurde zusammengedrückt. Aspanu landete mit dem Bauch auf dem Boden, stammelte unzusammenhängende Worte und bekam keine Luft mehr. Furcht und Überraschung trafen ihn gleichermaßen vernichtend. Wer waren diese beiden riesigen Schatten mit den Killerfäusten?

»Was zum Teufel wollt ihr denn von mir, ihr Bastarde?«, gelang es ihm endlich, mit gebrochener Stimme zu fragen. Die feste Spitze eines Schuhs zerschlug ihm Lippen und Zähne, er sah den Mond am Himmel tanzen und blutrot anlaufen, aber vielleicht war das auch die Farbe seines stummen Leidens. Aus der Ferne hörte man streunende Hunde kläffen. In solchen Nächten klangen die Stimmen von Mensch und Tier manchmal zum Verwechseln ähnlich.

Die Tortur zog sich unendlich lang hin. Aspanu wurde ohnmächtig. Die kräftigen Schattengestalten überzogen seinen Körper systematisch mit unzähligen Schlägen. Sie ließen erst von ihm ab, als sich ein eigentlich mit sich und der Welt zufriedener Zuhälter innerhalb von wenigen Minuten in einen blutigen Haufen aus gebrochenen Knochen und offenen Wunden verwandelt hatte. Aspanus zerschlagenem Mund entwand sich ein schwacher Klagelaut, aber niemand hörte ihn. Sogar die streunenden Hunde hatten sich entfernt.

Der dickere der beiden Schläger sagte: »Für dieses Mal hat der Scheißkerl seine Lektion erhalten, hol den Wagen und dann nichts wie weg.«

Während der andere die Limousine holen ging, knöpfte der Dicke den Hosenschlitz auf, holte sein schlaffes Glied heraus und spritzte einen warmen stinkenden Strahl über Aspanus mit Blutergüssen überzogenes und unkenntlich gewordenes Gesicht. Mit Mühe öffnete Aspanu die zugeschwollenen Augen, der Schmerz ließ jede Faser seines Körpers stumm aufschreien, ein Bein und beide Handgelenke waren gebrochen, sieben Rippen zertrümmert, und sein Mund war nur noch eine breiige Masse.

»Hör gut zu, du Stück Scheiße, wenn wir uns noch einmal begegnen sollten, wird man gerade deine Leiche mit Weihwasser besprengen. Denk daran, bevor du das nächste Mal versuchst, den Falschen übers Ohr zu hauen«, bedrohte ihn der Mann mit Donnerstimme und pisste ihm dabei weiter ins Gesicht.

Das war das Letzte, was Aspanu hörte, bevor er in ein Meer glühender Kohlen eintauchte, die ihn verbrannten, und ihm seine weiche Haut abzogen. Er fiel in einen flammenden Abgrund, in dem geballte Fäuste auf jeden Teil seines Körpers einschlugen. Auch Bewusstlosigkeit kann manchmal die Hölle auf Erden bedeuten.

Zwei

»Guten Morgen, Maresciallo, haben Sie gut geschlafen? Hat Ringhio sich wie ein braves Hündchen benommen oder wurden Sie wieder gestört?«

Bonanno warf seinem Untergebenen einen vernichtenden Blick zu.

»Es gibt drei Neuigkeiten: Eine richtig gute, eine so in der Mitte und eine schlechte. Welche wollen Sie zuerst hören?«, plapperte der oberste Brigadiere des Einsatzkommandos von Villabosco munter drauflos ohne zu ahnen, welches Gewitter sich über seinem Kopf zusammenbraute.

Bonanno wollte schon etwas Beleidigendes entgegnen, aber dann hielt er sich doch zurück. Stattdessen begnügte er sich damit, den Brigadiere anzusehen, als hätte er eine Landplage vor sich und keinen Menschen, und zischte: »Die in der Mitte.«

»Und da ist sie: Ein wunderbares Schreiben von Ihrem lieben Freund, dem Bürgermeister Totino Prestoscendo. Ich lese Ihnen den Erlass wortwörtlich vor: ›In Kenntnisnahme, dass es sich als notwendig erweist, den städtischen Dienst der Sammlung von festen Abfällen in den dafür aufgestellten Containern zu optimieren, und um zu vermeiden, dass die Abfälle tagsüber schlechte Gerüche oder Bakterien erzeugen, und die Anwesenheit von Insekten oder streunenden Tieren hervorrufen könnten, wird angeordnet, dass alle Bürger verpflichtet sind, ihre Abfälle jeden Tag zwischen 21 Uhr und 7 Uhr in die Container einzugeben.««

Bonanno beobachtete ihn finster. Der Brigadiere las genauso gern wie er schrieb. Steppani hörte auf, den Text zu überfliegen und fuhr fort: »Sogar wir müssen jetzt auf die Uhr gucken, bevor wir den Müll wegbringen. Wenn es noch nicht neun Uhr abends ist, müssen wir die Säcke in der Kaserne stehen lassen. Das Gleiche gilt dann natürlich für einen Sonnabend oder Feiertag, wenn die Müllmänner freihaben, und im August werden die Abfälle dann anfangen zu stinken«, beschloss er seine Rede und schwenkte das Fax unter der Nase Bonannos, der schnaubte wie ein gereizter Stier.

Als er den Namen des ersten Bürgers von Villabosco nur hörte, sandten Bonannos Augen gefährliche Blitze aus, die Vorboten eines drohenden Gewitters. Steppani übersah sie großzügig. Der Maresciallo hatte noch eine Rechnung mit dem Bürgermeister offen, weil der die Müllkippe von Raffello nur ein paar Schritte von den archäologischen Stätten entfernt errichtet hatte. Als Steppani den Rest las, blitzten nicht nur Bonannos Augen, jetzt bewegte der Maresciallo auch noch nervös seine Hände, als wollte er Geige spielen.

Bonanno gelang es kaum noch, sich zurückzuhalten, er zündete sich eine Zigarette an und fragte: »Würdest du bitte die Güte haben, mir zu erklären, was zum Henker wir mit diesem Erlass zu tun haben? Hält uns der Herr Bürgermeister etwa für die Müllpolizei? Nur zu deiner Information: Der da ist nicht mein Freund und wird es auch nie werden.«

Steppani fügte auf eigene Gefahr hinzu: »Der Bürgermeister beschließt sein Schreiben mit der Ankündigung, jeder, der dem Erlass zuwiderhandelt, wird mit Strafen bis zu fünfhundert Euro belegt, und er beauftragt die städtische Polizei und uns damit, zu überwachen, dass seinem Erlass Folge geleistet wird. Das bedeutet also, Maresciallo, wir müssen den Leuten eine Geldstrafe auferlegen, wenn sie außerhalb der vorgesehenen Zeit ihren Müll abladen. Was meinen Sie, soll ich einen Streifendienst organisieren, der die Unversehrtheit der Container bewacht?«

Bonannos Wutschrei erfüllte den Raum. Steppani floh Hals über Kopf.

Eine halbe Minute später kam er mit einer dampfenden Tasse in der einen Hand zurück, in der anderen hielt er ein Tütchen Süßstoff.

»Das ist jetzt die gute Nachricht. Seit gestern haben wir hier eine neue Maschine, die diesen köstlichen Espresso produziert. Was halten Sie jetzt von einer guten Tasse Kaffee, Maresciallo?«

Bonanno fand keine Worte. Seine Wangen glühten noch wegen der schlechten Nachricht vom Bürgermeister und er wusste nicht, ob er sich wirklich aufregen oder in ein reinigendes Gelächter ausbrechen sollte. Wer weiß, was dieser Tag noch für ihn bereithielt, wenn er so weiterging, wie er angefangen hatte. Ein paar lange Augenblicke über war er nur damit beschäftigt, sich an dem unverwechselbaren Duft des dunklen Sizilianers zu berauschen, einer Kaffeemischung aus Catania, die genau auf den Punkt geröstet war und nach Lava duftete. Er versuchte, sich zu entspannen: »Ich sollte dir eigentlich Dauernachtdienst aufbrummen, Steppà ... wage es ja nicht noch einmal, diese Kakerlake im dunklen Anzug als meinen Freund zu bezeichnen.«

»Kosten Sie, Maresciallo, bitte kosten Sie. Ach, ich habe übrigens eigens für Sie eine doppelte Menge von Süßstofftütchen gekauft. Sie liegen da, unter der Espressomaschine.«

Bonanno probierte einen Schluck. Dichter, dunkler Espressoschaum breitete sich aus und er behielt ihn lange im Mund, um seine entzückten Geschmacksknospen zu kitzeln.

»Diesmal ziehen wir vielleicht noch an ihm vorbei«, sagte der Maresciallo und sog mit einem anerkennenden Zungenschnalzen den Espresso bis zum letzten Tropfen ein.

»Was meinen Sie, Maresciallo?«

»Purer Nektar, Steppani, der deine Gedanken erfreut und dich sogar die kompliziertesten Dinge klar erkennen lässt. Also, fassen wir noch mal zusammen. An wen ist der Erlass des Bürgermeisters gerichtet?«

Diesmal war Steppani verblüfft.

»Los, lies schon, Steppà, lass dich nicht lange bitten.«

»Natürlich, Maresciallo!«

»Bravo, du hast es erfasst! Das fällt in die Kompetenz des Leiters der Verwaltung. Und deshalb trabst du jetzt zu Marcelli und haust ihm diesen Wisch, wohin du willst. Wir müssen uns mit ernsteren Dingen beschäftigen als mit dem Müll, den der Bürgermeister auf seinen Hörnern trägt.«

»Genau, Maresciallo. Ich habe hier den Bericht von Cacici und Giarratana, die heute Nacht auf Streife waren. Während ihrer Kontrollfahrt haben sie unweit des Dorfes eine dunkle Gestalt bemerkt. Sie lag neben einem Kombi, der von der Straße abgekommen war. Die beiden sind misstrauisch geworden, weil die Scheinwerfer brannten und die Wagentür weit offen stand. Sie haben sich mit der Waffe in der Hand genähert und ... ihn gefunden.«

»Einen Ermordeten?«

»Nicht wirklich.«

»Einen Betrunkenen, der sich überschlagen hat?«

»Das kommt der Sache schon näher.«

»Steppà, willst du, dass mir der Espresso im Hals stecken bleibt, den du mir gebracht hast? Los, sag schon, was haben diese beiden Hilfssheriffs gefunden?«

»Cacici und Giarratana haben sich mit schussbereiten Waffen genähert, aber das war völlig unnötig, denn der Typ dort war übler zugerichtet als Christus am Kreuz. Als sie begriffen hatten, was los war, haben sie die Ambulanz gerufen. Der sind sie bis ins Krankenhaus gefolgt, wo man das Opfer identifiziert hat. Es handelt sich um Gaspare Calì. Jemand, der ihn wohl ganz besonders gern mag, hat ihn brutal zusammengeschlagen.«

»Wer?«, fragte Bonanno verblüfft.

»Aspanu Caccialesto, Marescià, der Kerl, der mit Angilina Cardonaci zusammenlebt. Angilina, die Schlampe, Sie wissen schon.«

»War das wirklich nötig, das so lange hinauszuzögern?« Bonanno zündete sich die x-te Zigarette an, aber ein neuerlicher Hustenanfall brachte ihn davon ab, eine zu rauchen. »Haben wir überhaupt keine Ahnung, wer es gewesen sein könnte? Gibt es Zeugen? Beweise?«

»Nicht die Spur.«

»Na gut, vielleicht war jemand mit Angilinas Diensten unzufrieden und hat ihm die Hucke vollgehauen. Wenn jemand nie den Rücken krumm macht und noch nie gekostet hat, wie ehrliche Arbeit schmeckt, dann ist es das Mindeste, was ihm passieren kann. Umso schlimmer für ihn. Wenn er Anzeige erstatten will, gut, sonst ...«

»Ich glaube, wir müssen auf jeden Fall kurz mit ihm reden.«

Bonanno sah Steppani gereizt an und fragte: »Aus welchem Grund?«

»In primis, nach dem, was uns in letzter Zeit über ihn zu Ohren gekommen ist, hat Caccialesto seine Geschäfte ausgeweitet und arbeitet mit illegal eingewanderten Mädchen. In secundis sprechen die Ärzte von mindestens sechzig Tagen Krankenhausaufenthalt und deshalb müssen wir offiziell in der Sache vorgehen.«

»Haben sie ihn etwa mit einem Traktor überfahren? Was für einen Mist erzählst du mir eigentlich heute Morgen?« Steppani ignorierte die zweite Frage und fuhr unbeirrt fort: »Schlimmer, Maresciallo, viel schlimmer. Cacici hat mir sogar berichtet, dass der Verwundete nach Urin gestunken hat, man hätte kotzen mögen. Und in tertiis ...« Bonanno sah ihn aus zusammengekniffenen Augen an, die vor Wut zu rauchen schienen.

»... gibt es noch einen Grund«, redete Steppani schnell weiter. »Ich glaube, jemand wollte ihm ordentlich eins überziehen, vielleicht hat er sich an Geschäfte gewagt, die eine Nummer zu groß für ihn waren, oder er ist einem Paten auf die Füße getreten.«

»Schon gut, hol den Wagen, wir fahren ins Krankenhaus.« »Ich eile«, sagte Steppani und war im selben Moment auch schon aus der Tür. Autofahren war seine Leidenschaft. Wenn er ein Steuer in der Hand hielt, wurde jeder Räuber, Mörder oder Zuhälter zur Nebensache.

Bonanno hatte den Geruch nach Desinfektionsmitteln in Krankenhäusern noch nie ertragen können. Er blieb ihm in der Kehle haften, als versperrte ein Stück Watte dem Speichelfluss den Weg. Kaum hatte er einen Fuß in das vom Zahn der Zeit gezeichnete Gebäude gesetzt, bereute er auch schon heftig seinen Entschluss, Aspanus Aussage persönlich aufzunehmen. Sein Mund war so ausgetrocknet wie ein Steinbruch.

Steppani parkte den Wagen in seiner bekannt »sportlichen« Art. Zahlreiche Patienten stürzten besorgt an ihre Fenster.

Zufrieden stieg er aus und ging zum Maresciallo, der den diensthabenden Arzt in der Notaufnahme befragte. »Ja, er ist heute Nacht hier eingeliefert worden. Sie finden ihn in der Chirurgie, dritter Stock.«

»Warum ist er in der Chirurgie? Hat man ihn nicht auf die Unfallchirurgie gebracht?«, fragte Steppani.

»Wenn mein Kollege von heute Nacht das so entschieden hat, wird er wohl gute Gründe dafür gehabt haben. Er hat einen Bericht geschrieben, der einem Angst einjagen kann, darin spricht er sogar von einem Schädeltrauma und befürchtet einen Milzriss, aber das wissen Sie sicher schon.«

»Natürlich«, meinte Bonanno, der den Bericht noch nicht einmal von weitem gesehen hatte. »Los, Bewegung, Steppani, sonst treffen wir ihn vielleicht nicht mehr lebend an.«

»Marescià, ich möchte lieber hier warten, der Wagen steht nicht gut, er könnte jemanden stören.«

»Hör mal, Steppà, wenn du dir diese blöde Sache mit den Autos nicht aus dem Kopf schlägst, wird es dir einmal schlecht ergehen, das sagt dir jemand, der deinetwegen langsam graue Haare bekommt. Jetzt setz dich in Bewegung, das ist ein Befehl, du kommst mit.«

Steppani schlich hinter ihm her wie ein geprügelter Hund. Bonanno tat er leid, er mochte den Jungen, aber seine idiotische Autoleidenschaft würde ihn noch ruinieren. Wenn ein Mann von Leidenschaften zerfressen ist, zerstören sie ihn am Ende.

In der Chirurgie gab es einen Männer- und einen Frauentrakt. Der Mittelteil des Gebäudes wurde vom Personal genutzt, das seine Aufenthaltsräume, einschließlich der Krankenstation und dem Zimmer der Oberschwester hierhin verlegt hatte. Ohne zu zögern, ging Bonanno auf diesen Raum zu. Steppani wurde sichtlich nervöser.

Die Oberschwester war eine junge Frau. Seit einigen Monaten vertrat sie ihre Kollegin, die in Mutterschutz gegangen war. Sie trug ihre Haare hochgesteckt unter der Haube und einen eng anliegenden Kittel, der ihre hohe Gestalt schlanker wirken ließ.

»Guten Tag, Signora, ich bin Maresciallo Bonanno. Wir sind hier, um Gaspare Calì zu befragen. Können Sie mir sagen, wie es ihm geht?«, fragte Bonanno.

Die Oberschwester schoss flammende Blicke auf die beiden Carabinieri ab und zischte: »Das nennt man wirklich Frechheit!«

Bonanno erstarrte: »Was haben Sie gesagt?«

»Erst mal bin ich keine Signora, sondern eine Signorina, und, nur zu Ihrer Information, ich bin hier die Oberschwester!«

»Einverstanden, Signorina Oberschwester, würden Sie jetzt so freundlich sein und mir sagen, wie es Signor Calì geht und wo sein Bett steht, oder muss ich Ihnen das erst schriftlich geben?«, sagte Bonanno und verfluchte stumm Uranus und alle ihm bekannten Planeten des Sonnensystems.

»Wie soll es einem Mann in diesem Zustand Ihrer Meinung nach gehen? Er ist fix und fertig, im wahrsten Sinne des Wortes. Das dort ist sein Zimmer, das letzte auf der rechten Seite«, meinte die Frau abschließend und ging. Bonanno glaubte, in ihren Augen ein verdächtiges Aufleuchten bemerkt zu haben. Steppani schluckte, er war so rot angelaufen wie ein Tonkrug im Brennofen.

»Darf ich dich etwas fragen, Steppà?«

»Später, Maresciallo, später.«

»Nein, lieber sofort, dann können wir es vergessen. Kannst du mir vielleicht erklären, aus welchem verdammten Grund diese Signorina immer dich angeschaut hat, während sie mit mir gesprochen hat? Ehrlich gesagt hatte ich den klaren Eindruck, sie hätte dich am liebsten erschossen. Heraus mit der Wahrheit, lief da etwas zwischen euch?« »In gewisser Weise ...«

»Was heißt das? Ja oder nein?«

»Ich habe sie vor ein paar Wochen kennen gelernt, während ich mit Cantara Dienst hatte. Ich habe sie wegen einer Kontrolle angehalten und daraus ... ist dann eine Art Freundschaft entstanden. Sie hatte ein Auto, Marescià, eine richtige Granate. Ein kobaltblauer Opel Tigra, das reinste Wunderwerk der Technik ... wenn man aufs Gas trat, drückte einen die Geschwindigkeit in den Sitz zurück, was für eine Beschleunigung, was für ein Zug, was für ein Wagen, Marescià!«

»Würdest du mir vielleicht erklären, was die Oberschwester mit dem Wagen zu tun hat?«

Diesmal war es an Steppani, Bonanno überrascht anzusehen: »Der Wagen hat auch sehr bequeme umklappbare Sitze, Marescià, aus weichem Leder ...«

»Aha, und wie kam es dann ...«

»Letzte Woche hat sie den Wagen an ihre Cousine verkauft und deshalb ...«

Bonanno fluchte stumm und steckte instinktiv die Hände in die Taschen. Erst nachdem er seine Zigaretten herausgeholt hatte, erinnerte er sich wieder, dass er sie dorthin gesteckt hatte. An diesem Morgen lief einfach alles schief. Wütend schaute er seinen Untergebenen an und zischte ganz leise: »Ich möchte dir etwas sagen, Steppà. Ich hoffe für dich, dass du niemals hier im Krankenhaus behandelt werden musst. Wenn dir das wirklich passiert, dann durchlöchert dir diese Frau so oft den Hintern, dass du dich bis ans Ende deiner Tage daran erinnern wirst.«

Der Raum wurde von Sonnenlicht durchflutet. Dort auf dem blütenweißen Bett wirkte Aspanu Caccialesto mehr tot als lebendig. Sein Gesicht war völlig entstellt von zahlreichen Blutergüssen, die Lider, die sich violett verfärbt hatten wie Auberginen, lagen geschlossen über den Augen. Sein Mund war nur noch ein blutiger Spalt, die Lippen entsetzlich angeschwollen. Ein Arm war eingegipst, der andere voller Schläuche, die an einen Tropf angeschlossen waren. Aspanus Brustkorb wurde von einer Elastikbinde geschützt, um die gebrochenen Rippen zusammenzuhalten.

Das eine Bein hatte man hochgehängt, die Gewichte hingen am Fußteil des Bettes hinunter. Bonanno fragte sich, was man wohl empfinden mochte, wenn man Haken an seinen Gliedern hat, die ständig nach unten ziehen.

Angilina saß neben dem Bett. Sie hatte die ganze Nacht geweint, ihre Augen waren so geschwollen, als hätte sie sie mit Zwiebeln eingerieben. Als sie die Carabinieri bemerkte, verbarg sie schamhaft das Gesicht in den großen Händen und fing wieder an zu schluchzen.

Dottor Calcedonio Arcadipane, der Assistenzarzt, hielt Bonanno und Steppani an der Tür auf: »Verzeihung, wen suchen Sie?«

»Den, der hier im Bett liegt, wir möchten mit ihm reden, wenn es möglich ist.«

»Ich glaube wirklich, da müssen Sie mindestens vierundzwanzig Stunden warten«, antwortete der Arzt.

»Wegen seines Mundes? Sicher, bedenkt man seinen Zustand, so wird es sicher schwierig für uns, mit Aspanu zu reden, aber wir haben Geduld«, entgegnete Bonanno.

»Das meinte ich nicht«, sagte der Arzt lächelnd. »Sondern die einfache Tatsache, dass der Patient noch unter dem Einfluss der Narkose steht. Er ist gerade erst aus dem Operationssaal gekommen. Dort haben wir ihm die Milz entfernt. Sie war völlig zerquetscht.«

»Das waren vielleicht Prügel ... na gut, dann kommen wir eben morgen wieder. Hören Sie, Dottore, was ist Ihrer Meinung nach passiert? Könnte es sich um einen Verkehrsunfall handeln? Oder vielleicht ...«

Der Arzt zog eine Braue hoch und Bonanno verstand, dass er auf ihn wie ein Idiot wirkte, der blöde Fragen stellte.

»Das glaube ich nicht«, sagte der Arzt nur.

»Können wir irgendwo in aller Ruhe reden?«, fragte Bonanno.

»Bitte, ich gehe mal voraus«, sagte der Arzt und forderte sie auf, ihm in sein Zimmer zu folgen. Einen Augenblick lang begegneten sie der Oberschwester auf dem Flur. Die Augen der Frau schleuderten wild zuckende Blitze gegen Steppani. Sie hatte Rache geschworen!

Eine Viertelstunde später hatte Bonanno jeden vernünftigen Zweifel ausgeräumt. Bestimmt hatte keiner der vielen streunenden Hunde Aspanu Caccialesto ins Gesicht gepinkelt. Sie liefen in den letzten Jahren völlig ungestört in der Gegend herum, besonders seit eine chaotische Rechtsprechung dem Tierschutz und den Gemeinden einander überschneidende Aufgaben beim Einfangen der Tiere zugewiesen hatte. Nun schob jeder dem anderen die Verantwortung zu, niemand griff ein, und die Streuner durchstreiften die Gegend auf der ständigen Suche nach Nahrung.

Nachdem er diese, wenn auch nur schwache Möglichkeit ausgeschlossen hatte, nahm der Maresciallo zur Kenntnis, dass Aspanu nicht willkürlich zusammengeschlagen wurde, sondern dazu noch richtig gezeichnet. Eine weitere Demütigung. Wer ihn so brutal verprügelt hatte, wollte ihn nicht etwa berauben oder gar töten, obwohl er nah dran gewesen war. Das sah aus, als hätte ihm jemand eine ordentliche Lektion erteilen wollen. Der Arzt bestätigte, dass Aspanu zusammengeschlagen wurde, und versicherte ihnen, er würde langsam, aber sicher genesen, immer vorausgesetzt, es traten keine Komplikationen auf, natürlich.

»Natürlich«, meinte Bonanno abschließend.

Sie verabschiedeten sich von dem Arzt und verließen zu Steppanis großer Erleichterung das Krankenhaus. Der startete den Wagen wie eine Rakete, sodass ein Pfleger, der gerade aus einem Krankenwagen gestiegen war, vor Schreck beiseite sprang.

Aspanus Haus lag am hinteren Ende einer nicht mehr asphaltierten Straße, die zu einem großen freien Platz außerhalb des Dorfes führte. Ein bequemes Heim, verborgen vor neugierigen Blicken. Dort ruhten sich zwei Mädchen in einem breiten Bett von den nächtlichen Lustkämpfen aus.

Es war Samstagmorgen. Sie hielten sich dort wie abgesprochen an zwei Tagen der Woche auf, und zwar freitags und sonnabends, an den sogenannten Wochenendtagen des Dorfes, denn in dieser Gegend verbrachten ihre treuen Kunden den Sonntagnachmittag mit der Familie oder Verwandtenbesuchen, und am Abend gab es dann Pizza.

»Also, Maresciallo, das dort ist das Haus. Soweit wir wissen, wird hier seit einiger Zeit Freitag- und Samstagnacht ganz schön scharf geschossen. Ich glaube, die Mädchen sind noch da. Greifen wir zu?«

Bonanno bedeutete ihm, weiterzufahren. Er sagte immer noch kein einziges Wort. Aus der Art, wie Bonanno rauchte, schloss Steppani, dass er blitzschnell überlegte.

»Können wir uns auf die Information verlassen?«

»So ziemlich.«

»Was heißt so ziemlich, Steppani?«

»Wir haben einige Bestätigungen dafür bekommen, unter anderem von einer Dame, die gestern Nachmittag in die Kaserne kam und sich über ihren Ehemann beschwerte. Er hat sie seit langer Zeit nicht mehr im Bett aufgesucht, und sie wusste auch, warum. Daran seien nur diese afrikanischen Nutten schuld, hat sie gemeint, und fast hätte sie von uns noch verlangt, ihren Ehemann wegen unterlassenem Beischlaf zu verhaften.«

»Und weiter?«

»Nichts weiter, Maresciallo. Maresciallo Marcelli befasst sich mit diesem Fall. Ich habe nur ganz zufällig davon erfahren. Heute Morgen hatte Maresciallo Musicchia Dienst, und zwischen zwei seiner tragischen Krankheitsgeschichten hat er mir alles darüber erzählt.«

Diese Information traf Bonanno mindestens so schmerzhaft wie ein Schlag ins Gesicht: »Das hat mir gerade noch gefehlt«, beklagte er sich.

»Das glaube ich auch. Arbeiten wir hier weiter?«

»Jetzt nicht, Steppani. Komm, zeig mir lieber, wo Caccialesto zusammengeschlagen wurde, und inzwischen sag mir etwas von Mann zu Mann: Wie gut macht sich die Cousine der Oberschwester am Steuer?«

Der Maresciallo ist doch ein richtiger Mistkerl, dachte Steppani.

Aspanus Gedanken kamen und gingen in der Dunkelheit wie Lichtfunken, unfähig, sich zu einer festen Form zu verdichten. Sie huschten im Raum umher wie Gespenster, die sich danach sehnten, menschliche Gestalt anzunehmen. In den wenigen Augenblicken klaren Bewusstseins, die die Narkose und die schreckliche Tracht Prügel seinen grauen Zellen zubilligten, quälte ihn eine einzige Frage, wie ein Stilett, das einem in die Seite gestoßen wird: Warum hatte jemand den Auftrag erteilt, ihn zusammenzuschlagen? Aus welchem Grund nur?

Er war doch immer mit der nötigen Vorsicht vorgegangen, hatte jede Woche bezahlt, niemand konnte sich beklagen, der Handel mit jungen ausländischen Körpern brachte allen etwas ein. Wozu also dieses Blutbad, wer hatte etwas gegen ihn?

Cavaliere Angiolo Lo Sicco, genannt »zu Angiolo«, hatte ihm für seine Tätigkeit im Montanvalle seinen Segen erteilt, die Freunde aus Palermo verdienten daran, auch die Mädchen, die Männer vögelten, und bezahlten zufrieden, was also war passiert? Wer hatte ein Interesse daran, ihn so zuzurichten?

Zu Angiolo wusste bestimmt schon, was ihm zugestoßen war, dem entging nichts. Sicher hatte er schon befohlen, die Mistkerle aufzuspüren, die sich seinen Mann zur Brust genommen hatten. Aber wer mochte das sein? Wer hatte sie geschickt?

Diese bohrenden Fragen quälten Aspanu heftiger als das Meer von Schmerzen, in dem er sich seit Stunden bewegte.

Doch so sehr er sich auch bemühte, er fand keine Antwort. Die Wut zerfraß ihn, unruhig wälzte er sich in seinem Bett hin und her. Angilina streichelte fürsorglich seine Hand und flüsterte etwas, das er nicht verstand.

Drei

Halbdunkel hüllt ihn ein. Er hat die Tür zweimal abgeschlossen. Das scharf gezeichnete Profil hebt sich dunkel vor dem matten Widerschein des Bildschirms ab, während sich die Leere mit Erwartung erfüllt, als der klagende Ruf durch die Luft hallt. In seinen Ohren klingt er wie liebliche Musik, wie der Gesang ferner, unwiderstehlicher Sirenen. Er hat ihn Das Lied des Wiedehopfs getauft.

Er hat einen historischen Decknamen für sich gewählt, seine Anhänger kennen ihn nur als Salomo. Aber kein König ist so weise wie er, keiner verfügt über so ungeheure Schätze, so beeindruckende Tempel seiner Herrschaft, einen so großen Harem. Genauso wie der Herrscher über die Israeliten strebt er danach, seinem Gott einen bedeutenden Tempel zu errichten. Ein Gott, der sich sehr von dem unterscheidet, den die Menschen auf der Erde anbeten sollen.

Salomo genießt die Vorfreude, sie kitzelt ihn mit gierigen Fingern: Er fühlt, wie sich sein Unterleib heftig zusammenzieht, als die Bilder klar und deutlich vor seinen lüsternen Augen ablaufen. Sein Penis schwillt prall und dunkelrot an, Salomo genießt das Schauspiel. Schweigend sieht er zu.

Ein anonymer Raum wird von hellen Scheinwerfern erleuchtet. Lichtstrahlen fallen messerscharf herab wie Klingen. Dicke Vorhänge bedecken die Fenster, an der Wand hängen Peitschen, schwarze Handschuhe, Stiefel und Sporen, Reitgerten und Zaumzeug. In diesem Zimmer kennt die Angst keine Grenzen, die Furcht ist unendlich und stumm, wie eine Kehle, die ihrer Stimme beraubt ist, jeglicher Laute und Gefühle.

Die Angst hat feste Formen, sie ist ein roter Klumpen, die leuchtende Glut der Zigarette, die zwei schmächtige Männer, die aus irgendeinem Land dieser Welt kommen, auf dem wehrlosen Opfer ausdrücken, das seine Qual zum Himmel schreit. Es ist wirklich sehr jung, bestimmt nicht älter als sechs Jahre. Seine Gesichtszüge sehen asiatisch aus. Vielleicht stammt das Kind aus Thailand, Laos oder Vietnam.

Was bedeutet schon Herkunft? Der Junge hat alles, was man braucht: Hände, um Vergnügen zu bereiten, und Körperöffnungen, um etwas aufzunehmen. Und genug Unschuld, die er in dem Schauspiel verströmen kann, das man für ihn vorgesehen hat. Vielleicht hat man ihn verkauft oder gestohlen, oder nicht einmal das. Seine Augen wirken wunderbar sanft, dunkel und klein. Diese Augen schauen sich nun ängstlich um, suchen vergeblich nach einem Fluchtweg.

Das Kind schreit etwas in seiner unverständlichen Sprache, die beiden Männer grinsen und entblößen dabei ihre gelben Zähne. Ihre Bewegungen haben etwas Obszönes, das über die Gewalt, die sie anwenden, hinausgeht. Sie drehen dem Jungen die Hände hinter den Rücken, zwingen ihn, sich hinzuknien, stopfen ihm eine Bissstange in den Mund wie einem Pferd. Einer steigt auf seinen Rücken, das Gewicht erdrückt das Kind fast, es bricht zusammen, glänzende Sporen verletzen seine Seiten. Und während schon das Blut an ihm herunterläuft, schreit der Junge, obwohl er weiß, dass es sinnlos ist.

Salomo glaubt, seinen stechenden Geruch riechen zu können. Er leckt sich über die trockenen Lippen, seine Hand bewegt sich schnell auf dem geschwollenen Penis auf und ab, während das Kind vor Schmerzen fast ohnmächtig wird, als einer der Männer ihm von hinten mit einem Bambusrohr das zarte Fleisch zerreißt.

Für Salomo ist dies heute ein gewinnbringender Tag. Sein erhabenes Unternehmen wächst, sein Tempelbau nimmt feste Formen an. Hunderte haben sich ihm angeschlossen, wie die beiden, die jetzt wie hungrige Fliegen auf dem Körper des Kindes hocken und ihn schänden. Salomo weiß, dieser Gruß gilt nur ihm persönlich.

Als sie die Kaserne erreichten, gingen Bonanno und Steppani schnell ins Büro und schlossen die Tür hinter sich. Dabei versuchten sie, Marcelli aus dem Weg zu gehen. Es regnete. Der November wirkte im Montanvalle noch melancholischer als woanders, oft zog Nebel auf und hüllte Dinge und Menschen ein, so sah der Ort fast unwirklich, verwunschen aus. Das stand alles in ziemlichem Widerspruch zu dem Hundeleben, das sie führten. Bonanno gab der Nebel nicht gerade heitere Gedanken ein. Während er rauchte und hustete, krampfte sich eine boshafte Faust um seine Lunge und versuchte, sie von der Verstopfung zu befreien, die jahrelang in großen Mengen eingeatmetes Nikotin ausgelöst hatte.

Ich muss mit dieser Raucherei aufhören, ich muss es endlich lassen, dachte er, aber gleichzeitig wusste er genau, dass er es nie wirklich schaffen würde. Und er wusste auch, wem er die Schuld daran geben musste. Die Erinnerung an sie,

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