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Mama, jetzt nicht!

 

Inhalt

 

7Die bessere Hälfte

8Mahlzeit

9Grüß Gott

10WC-Surrealismus

11Mouskouri-Therapie

12Österreich zuerst!

13Einseitiges Kennen

14Es ist, wie es ist (I)

15Es ist, wie es ist (II)

16Grantprofis

17Gackerlsackerl

18Was ist Montenegro?

19Wo ist die Donau?

20Die ersten Worte

21Lukas und der Polizist

22Jahr der Jägerinnen

23Der Boudi

24Abenteuer Café

25Beim alten Friseur

26Männerhort

27Mama, jetzt nicht!

28Herzvolle Linien

29Geknickte Billets

30Weihnachtsaufschub

31Westenstation

32Üble Erfinder (I)

33Üble Erfinder (II)

34Roquefort auf Reise

35Bettelkatalog

36Versprungene Zeit

37Tequila ohne (sich)

38Familiensauna (I)

39Familiensauna (II)

40Metallgesichter

41Moretti tat es

42Es werde Nebellicht

43Sperr’ ma zua!

44Unendlicher Splitt

45Gipfel des Staubes

46Gehsteuer

47Handyrasselsteuer

48Feriale Energie

49Valerie ist keine Biene

50Kundenkartenterror

51Wilde Erdbeeren

52Wärme macht Babys

53Ehegeheimnisse

54Ente lebt

55Gott wird Vater

56Fix portioniert

57Zurücktrinken

58Wie viele Wachteleier

59Was Wissen schafft (I)

60Was wissen schafft (II)

61Was Wissen schafft (III)

62Essen beim Zahnarzt

63Zu viel und mehr

64Stromfresser

65Frauengerecht

66Sein und Zeit

67Das heimische »Wä«

6826 Fragen zur Wurst

70Zauberscheine

71Rettet die Serviette

72Der Zuhörtest

73Liebestötend

74Handgesalzen

75Ein feiner Polizist

76Der Hasendieb (I)

77Der Hasendieb (II)

78Pferd in der U-Bahn

79März, nicht Mai

80Gastgartenvorsaison

81Weinfloskel

82Weltverdauung

83Busenwunder

84Sich-tum Austria (I)

85Sich-tum Austria (II)

86Glücksmeldestelle

87Mütter

88Die Speichelsaga

89Haben und Sein

90Göns und gengans

91Gurkenweisheit

92Lauter Wahnsinnige

93Charme und Rauch

94Beauskunftung

95Besäufniskultur

96Sport und Sabber

97Pause vom Denken

98Der Slang stirbt aus

99Glanz der Finanz

100Monopoly

101Spaßessen

102Knackwurst-Carpaccio

103Tirol für Hartnäckige

104Papst Gastein

105Tee in der Wüste

106Fußtritt in Apulien

107Der Däumling

108Davids letztes Eis

109Indes und Chaos

110Wien am Schmäh

111Sexual Wellbeing

112Sonja macht Schluss

113Die Ei-Probe

114Die Darabos-Brille

115Untiefes Österreich

116Angedacht

117Irgendwo

118Frau am Steuer

119Coole Sonnenbrille

120Kaputte neue Jeans

121Die Post-Therapie

122Kein Telefontausch

123Sich festzuhalten

124Wie Geräte sprechen

125Hundeprotest

126Gelsenrohbericht

127Gepäck auf Reisen

128Urlaub vom Anreiz

129Hitze, was nun?

130Besuch im Röster

131Durst im Wandel

132Saft zum Minuspreis

133»Die heutige Jugend«

134Schulheldenepos

1351968

136Komagetränkt

137Ans Abgeben denken

138Frage der Pein

139Dialog für vier

140Mediale Federn

141Vogel-Protestlied

142Was Neuwahlen sollen

143SPÖ liest Musil

144Putins Beschützer

145Post traumatisch

146Fußball ist Handarbeit

147Ball laufen lassen

148Die Wahl im Dorf

149Ministerielle Kloteske

150Überwachte Kamera

151Speed

152Politik und zurück

153Wirtschaft ohne uns

154Glück als Schulfach

155Hundertmal gesagt

156Meinung ausgeforscht

157Schläfertypen

158Unkäufliches Haus

159Zitrone im Ohr

160Handypenetranz

161Lenken und mailen

162Okay

163Malversation

164Chaiselongue

165Die letzte Idee

Die bessere Hälfte

Kaum zu glauben, welche Metaphern den Sprung ins 21. Jahrhundert schaffen konnten. Unlängst hat uns jemand wortwörtlich seine »bessere Hälfte« vorgestellt. Die so titulierte Frau sah sogleich drein, als fühle sie sich mit der spannenderen zweiten Halbzeit eines Fußballspiels verglichen, welchem ihr Mann gerade bierbauchnabelfrei beigewohnt hatte.

Seinen so genannten Lebensabschnittspartner als Hälfte von einem Ganzen zu bezeichnen, dessen zweiter Teil man selbst ist, mutet derart unzeitgemäß an, dass es den jeweiligen Lebensabschnitt dramatisch verkürzen könnte. Denn der Sinn der Zweisamkeit besteht darin, dass man sich als mehr als nur einer fühlt, zumindest als eineinhalb, in intensiven Phasen sogar als zwei. Aber doch wohl nie nur als die Hälfte von jenem Ganzen, welches der andere durch sein Beisein um 50 Prozent reduziert.

Auch das Wort »besser« der »besseren Hälfte« ist perfide. Denn seine Partnerin als halb, aber besser zu bezeichnen, heißt zugleich, die eigene Hälfte als schlechter zu betrachten – und auch noch stolz darauf zu sein.

Na ja, der Blick der Frau, die uns so vorgestellt wurde, verriet aber ohnehin, dass die »bessere Hälfte« daheim in die Verlängerung gehen würde.

Mahlzeit

Wollen auch Sie werktags von 10 bis 15 Uhr nicht mehr mit »Mahlzeit« begrüßt werden, nur weil Sie in Österreich leben? Tun wir was dagegen, formulieren wir eine Protestnote!

»Mahlzeit« ist kein Gruß. »Mahlzeit« ist eine stumpfsinnige Beschreibung einer beamtennostalgisch verklärten Wirklichkeit. »Mahlzeit« ist eine vage Behauptung, mehr noch: eine plumpe Unterstellung, die sich auf der niedrigen Stufe reiner Triebhaftigkeit bewegt. Oft wird »Mahlzeit« von lüsterner Geheimnisumwitterung begleitet, mit verschwörerischem Kopfnicken bedacht und von sündigem Augenzwinkern untermalt. Der von »Mahlzeit!« Heimgesuchte scheint dabei ertappt worden zu sein, wie er sich gerade unbändig aufs Essen, den Höhepunkt des Tages, gefreut hat. Er wird wie einer angesehen, dessen Berufs-, ja Lebensziel darin besteht, sich von einem Mittagessen zum nächsten zu retten. In seiner zynischsten Form bedeutet der Gruß: »Schlag dir nur den Magen voll, während andere die Arbeit erledigen, die dir den Lohnzettel verschönert. Mahlzeit!«

(Diese Zeilen entstanden in der »Mittagspause«, mit Automatensandwich und Pappbecher neben dem PC. Aber morgen, Punkt zwölf, gehe ich essen.)

Grüß Gott

Im Zuge der Diskussion, ob Österreichs Grußformel »Mahlzeit« nicht schon etwas abgeschmackt klingt (besonders wenn man sich’s auf dem Büro-WC zuruft), ist durchgesickert, was Fotograf Rudolf S. im Landwirtschaftsministerium zu Ohren kam, als zwei Beamte sich am Donnerstag um zehn Uhr vormittags auf dem Gang begegneten. A: »Mahlzeit!« B: »Schön’s Wochenende!«

Aber auch die beliebte Alternative »Grüß Gott!« ist umstritten. Was will sie uns sagen? Ist es die Aufforderung an den Zweiten, Gott zu grüßen? Warum grüßt der Grüßer Gott nicht selbst? Braucht er einen Zweiten dazu? Und wer grüßt den Zweiten? »Grüß Gott schön!« geht verstärkt an die gleiche Adresse. Verwirrung stiftet das häufig gebrauchte »Grüß Sie Gott!« Hier ist es plötzlich Gott, der zum Grüßen aufgerufen scheint. – Ein Armutszeugnis für den Grüßer, dem selbst wohl nicht mehr als »Mahlzeit« eingefallen wäre. Ohne Gott kommt »Grüße Sie!« aus. Offen bleibt, ob hier schlampig zum Gruße aufgerufen wird (Grüßen Sie!) oder ob der Grüßende getarnte Einsicht zeigt, dass es doch an ihm liegt, den Gruß auszusprechen. (Ich grüße Sie!) Egal. Es ist unfraglich an der Zeit, den »Guten Tag« zu fördern.

WC-Surrealismus

Grundsatzerklärung an alle Lokalbesitzer und Raumgestalter, die ausgerechnet dort ihrer Fantasie freien Lauf lassen, wo eine solche absolut nichts verloren hat: Versteckt die Eingänge, verbarrikadiert die Küchen, tarnt den Weinkeller, verschweigt uns das Stüberl, schildert die Schank als Baderaum aus, nennt die Tische Stühle und die Kerzenständer Aschenbecher. Gestaltet die Speisekarten handschriftlich bis zur Unkenntlichkeit. Aber bitte: Ermöglicht uns den Zugang zu den richtigen Toiletten. Schreibt oder klebt auf die Türen groß, deutlich und leserlich DAMEN und HERREN drauf, ja auch FRAUEN und MÄNNER sollen uns recht sein, oder D und H. Aber stoppt den Surrealismus, hört auf mit minimalistischen Strichfiguren, verzichtet auf angedeutete Bärte und Lippen, auf skizzierte Hosen und Röcke, auf obskure Schuhe und Stiefel, auf abstrakte Kurz- und Langhaarsymbole.

Denn wenn es einen Ort gibt, vor dem kein Zweifel darüber bestehen darf, dass es der passende (stille) ist, weil es vor ihm wie vor keinem anderen manchmal absolut keine Zeit zu verlieren gilt, dann ist es das WC. (Unlängst haben sie mich wieder auf der Damentoilette erwischt. – Peinlich.)

Mouskouri-Therapie

Wenn man sich mit 45 so spät wie mit 20 hinlegt und strafweise mit 80 aufwacht, weil einem die Halswirbel den Buckel runtergerutscht sind, ehe sie sich kreuzweise verkeilt haben, dann – Nana Mouskouri.

Wenn man bedenkt, dass es 22 Jahre her ist, dass die erste CD verkauft wurde, wenn man also davon ausgehen muss, dass den jungen Briefträgern das Wesen einer Vinyl-LP bereits fremd sein könnte, wenn man sich daher nicht wundern darf, dass die in einem Weichpapierkarton zugestellte Schallplatte spitzbogenförmig ins Postkastl eingebaut wurde und unbespielbar ist, dann – Nana Mouskouri.

Wenn man (und das muss ich an dieser Stelle einfach loswerden) sein Alter präpensionsschockartig neu zu überdenken beginnt, weil man soeben das Angebot erhalten hat, für einen Maturaball (nein, nicht eine Boogie-Mitternachtseinlage beizusteuern, sondern) den »Ehrenschutz«, ja, ehrlich, den Ehrenschutz zu übernehmen, dann dringend – Nana Mouskouri. Und zwar nicht ihre Musik, sondern ihr derzeit wieder zahlreich ausgehängtes Plakatgesicht: Diese Frau ist seit mindestens dreißig Jahren immer gleich alt geblieben und wird wohl noch lockere dreißig gleichaltrige Mouskouri-Jahre drauflegen. Ihr Anblick gibt Mut.

Österreich zuerst!

Bald endet in Europa die Chartersaison für Restsommerwütige. Am Flughafen Heraklion auf Kreta fehlen dem Personal nur noch wenige Wochen, um sich in psychotherapeutische Behandlung begeben zu können. Über den Samstag, 14. 10., mussten sie allerdings noch drüber. Vor Mitternacht trafen beim Ein-, Um- und Danebenchecken die Chartergäste von »Vienna« (zwei Maschinen) auf »Vilnius« und »Leipzig«. Das war brutal. Dazu muss gesagt sein, dass es auf Kreta fünf der vergangenen sieben Tage geregnet hatte, während Österreich eine Woche unter der Sonne gelegen sein soll, wie beim Anstellen durchsickerte. In grob fahrlässiger Außerachtlassung dieses Umstands wurden (schlechtwetterresistente) Litauer und Deutsche bei der Gepäckskontrolle den Österreichern vorgereiht, nur weil ihre Flieger früher flogen. Aber nicht mit »Vienna«! »Leipzig« war ein leichtes Spiel, die Deutschen stellten sich artig hinten an. »Vilnius« wurde abgeriegelt, aber immer wieder brachen bleiche Litauer durch.

Aufgebrachte, Souvlaki-bebauchte Wiener Familienväter bildeten nun eine Menschenkette. Da resignierte das Personal. Österreich zuerst! Das weiß man nun auch schon auf Kreta.

Einseitiges Kennen

Eine der unangenehmsten Fragen, die man von einem Passanten gestellt bekommen kann, lautet: »Kennst du mich nicht mehr?«

Bevor die Peinlichkeit verbal wird, durchläuft sie schon einmal unbehagliche visuelle Stufen: Man selbst betrachtet nüchtern einen Fremden, der einen unverschämt persönlich angesprochen hat und einem jetzt auch noch in aller Aufdringlichkeit warmherzige, kumpelhafte, verschworene oder gar verklärte Blicke zusendet – gerade dass er einem nicht in die Arme fällt.

Die Antwort, die eigentlich gut überlegt sein sollte, muss sofort kommen. Und da riskieren viele: »Doch, klar kenne ich dich, na Wahnsinn! So was! So ein Zufall! Wie geht’s dir denn? Was treibst du? Sag, wann haben wir uns das letzte Mal gesehen?« (Sehr gefährlich, denn der Fremde könnte erwidern: »Heute früh. Ich war der Barkeeper.«)

Eine schöne, die geradezu klassische Variante lautet: »Doooch, jaaa, klaaar! (Pause.) Ich weiß im Moment nur nicht, wo ich dich hintun soll. Hilf mir!«

Nie aber würde jemand wagen, ehrlich, spontan, aus dem Bauch heraus zu antworten: »Nein, leider, ich kenne dich nicht mehr, und dabei würde ich’s auch ganz gerne belassen.«

Es ist, wie es ist (I)

Auf der Suche nach einem Ranking – der zeitgemäßen Form, der Menschheit zu sagen, was für sie zählt und in welcher Reihenfolge –, auf der Suche nach einem Ranking, welches Ranking-Medien noch nicht auf-, ab- und ausgerankt haben, wurden wir fündig und präsentieren Ihnen heute exklusiv: »Die zehn wahrsten Alltagsweisheiten der Weltgeschichte«. Ein Team von Hobbyweisen hat hierfür wochenlang die Ohren gespitzt. Da nun das Ergebnis:

10.)   Morgen ist auch noch ein Tag. – Kleine Unsauberkeit: für jeden je einmal im Leben nicht.

  9.)   Das ist heute ein Wetter. Schönheitsfehler: Klingt ein bisschen so, als wäre gestern keines gewesen.

  8.)   Wir werden alle nicht jünger. – Noch nicht, aber die Medizin bemüht sich.

  7.)   Es hilft nichts. – Kaum wegzuargumentieren.

  6.)   Zahlt sich nicht aus. – Schöner Österreichbezug.

  5.)   Du wirst schon sehen. – Prädikat: pädagogisch unerlässlich.

  4.)   Was du nicht sagst. – Sehr weise, aber unfertig.

  3.)   Man weiß nie, was kommt. – Spannend, anregend, aber kryptisch.

  2.)   Es kommt, wie es kommt. – Extrem klug, aber manchmal kommt’s doch anders.

  1.)   Es ist, wie es ist. – Der unumstrittene Sieger. Wahrer geht es wirklich nicht mehr.

Es ist, wie es ist (II)

Bei unserem Ranking der zehn »wahrsten Alltagsweisheiten der Weltgeschichte« sind einige Klassiker der phrasierten rhetorischen Lebensbewältigung unprämiert geblieben (z. B.: »Wenn’s lauft, dann lauft’s.« – »Immer is’ irgendwas!« – »Da kann man nix machen.« – »Kaum ist die Sonne weg, wird’s frisch.« – »Oft hast a Pech.« – »Hilft’s nix, dann schadt’s nix.« – »Von nix kommt nix.« – »Ein bissl was geht immer.« – »So ist das Leben.«).

Eine weitere heimische Spezialität: die facettenreichen Wahrheiten rund um das Hilfszeitwort »haben«. Dabei reicht die Verschiebung eines einzigen Buchstabens (»s«) aus, um den Sinn ins Gegenteil zu verkehren: »Das hat was.« (Da ist etwas Gutes dran.) »Da hat’s was.« (Da ist etwas nicht in Ordnung.) Wer nicht weiß, was es damit auf sich hat, der bediene sich des bodenständigeren »Wer hat, der hat«. Damit hat sich’s dann wirklich.

Von mehreren Hobbyjuroren vermisst und eines Podestplatzes unter Österreichs weisesten Alltagssprüchen zweifellos würdig: »Wird schon werden!« – Unverbindlicher kann Trost nicht Hoffnung für die Zukunft säen.

Grantprofis

Seit Jahren fragen wir uns, was es mit der Unfreundlichkeit von Kellnern in altehrwürdigen Wiener Cafés auf sich hat. Beispiel: Nach einem Besuch im Bräunerhof, einer der strengsten Kammern Österreichs, vermeint man, die Leute auf der Straße stünden unter Glücksdrogen und sogar die Polizisten blinzelten einem leutselig zu.

Der Verdacht liegt nahe, dass Genervtheit und unbeugsamer Bedienungsunwille nur gespielt, ja perfekt inszeniert sind. Vermutlich mussten die Ober mehrsemestrige Grantseminare und Muffigkeitskurse absolvieren, um uns Gästen so zu begegnen, dass wir geneigt sind, bei jeder Bestellung um Verzeihung dafür zu bitten. Nachträglich genieren wir uns für unsere Devotheit und reden uns ein, wir fänden das rüde Auftreten der Kellner sympathisch. Schnell spricht sich das unter Touristen herum, die in der Andiniertheit der Ober den bis dahin verzweifelt gesuchten Wiener Charme ausfindig gemacht zu haben glauben. Uns wiederum irritieren Freunde, die behaupten: »Zu mir sind sie immer freundlich.« Vielleicht haben wir ja was falsch gemacht. Also: wieder hingehen, um die Gunst werben, schlecht behandeln lassen, Stammgast werden.

Gackerlsackerl

Was wäre die Sprache der Bundeshauptstadt ohne die bagatellisierende Kraft ihrer Endsilbe »erl«! Ohne das Vierterl (zu schmächtig für Alkohol). Ohne das Zigaretterl (zu zart für Nikotin). Ohne das Sekunderl (zu kurz für eine Verzögerung). Ohne das Pantscherl (zu harmlos für eine Affäre).

Mit »erl« diplomiert sich der Wiener seine Leichtmütigkeit. Mit »erl« weicht er Unannehmlichkeiten aus und federt Grobheiten ab. Dank »erl« lassen sich die härtesten Brocken des Alltags auf die leichte Schulter nehmen, von wo sie einem bequem den Buckel runterrutschen können.

Als hätte die städtische Verniedlichungsfähigkeit noch eines letzten Beweises bedurft, läuft seit einigen Wochen ein das Stadtbild prägendes Kampagntscherl mit tausenden Zetterln und Pickerln. Plakatwandheld ist ein Terrier-Hundserl mit großem Kopferl und kleinen Fußerln. Im Goscherl hält es ein Taferl mit der Botschaft: »Nimm ein Sackerl für mein Gackerl.« (MA-Werbetexter hätte man werden sollen.)

Jedenfalls lässt sich anhand der Kampagne recht eindrucksvoll nachvollziehen, warum Hundebesitzer in Wien nicht auf die Idee kommen, den Dreck wirklich wegzuräumen.

Was ist Montenegro?

Die Versicherungsanstalt öffentlich Bediensteter hat eine Außenstelle in St. Pölten. (Zugegeben, es gibt spannendere erste Sätze, es wäre aber nett, wenn Sie trotzdem weiterlesen.)

An besagter BVA-Außenstelle ist Gerfried K. jüngst mit folgendem Ansuchen vorstellig geworden: »Ich hätte gerne einen Urlaubskrankenschein für Montenegro.« Die Sachbearbeiterin ließ die Globalität dieser Worte eine Weile auf sich wirken und erwiderte dann: »Wos is’ Montenegro?« Gute Fragen verdienen präzise Antworten. Der Kunde sagte: »Ein Staat zwischen Kroatien und Albanien.« Digitale Kontrolle mit enttäuschendem Ergebnis: »Leider, des Land hamma net im Computer.«

Gerfried K. gibt nicht auf: »Wahrscheinlich läuft das unter Serbien und Montenegro.« – »Serbien?«, fragt die Beamtin. »Tut mir leid, Serbien hamma a net im Computer.« – Kunde: »Das gibt’s doch nicht!« Beamtin: »Oh ja!« Anderswo wäre das schon das Ende des Gesprächs gewesen, die ambitionierte Sachbearbeiterin aber setzt nach: »Vielleicht is’ des Rest-Jugoslawien?« – »Das wird’s wohl sein«, erwidert der Kunde: »Auch wenn sich die Zeiten geändert haben.« Zumindest in Jugoslawien, wenn schon nicht in St. Pölten.

Wo ist die Donau?

Schon tröstlich, dass es Institutionen gibt, die nachträglich darlegen, wie man kein Opfer des Hochwassers geworden wäre, hätte man sich vorher richtig verhalten. Der Zivilschutzverband wartet hierfür mit einem minutiösen Plan auf. Eindringlich legt er uns »die Beobachtung der Umgebung der Wohnlage« ans Herz. Dabei erhebt sich nicht nur für kurzsichtige Häuselbauer die Frage: »Sind Flüsse, Bäche oder die Donau in der Nähe?« (Wohnt man etwa in St. Pölten, und plötzlich ist die Donau in der Nähe, deutete bereits einiges auf Hochwasser hin.)

Nicht immer ist hohes Wasser freilich so klar ersichtlich, wissen die Zivilschützer: »Oft muss man dazu ein wenig genauer schauen, um nicht den großen Fluss hinter dem Damm zu übersehen.« Weitere Fragen tun sich auf, z. B.: »Ist in der Gemeinde bekannt, dass es schon einmal ein Hochwasser dort gab?« – Einfach nachfragen, so lernt man auch Menschen kennen. Wenn man dann noch auf verdächtige Nebengeräusche achtete, wie »S

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