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Männerfreie Zone?

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Männerfreie Zone?

Aufregende Parties, tolle Männer und ein Spitzenjob – so hat sich Eve Vitali ihren Sprung mitten ins New Yorker Leben vorgestellt. Die Bauchlandung ist vorprogrammiert. Kerle, Karriere und Komplimente bleiben aus. Bis Eve Tabitha kennen lernt. Die hippe Exotin schreibt für ein Szenemagazin, und zusammen erobern sie sich nicht nur New York bei Nacht! In Robert dann scheint Eve den Mann fürs Leben gefunden zu haben. Doch anstelle von Zukunfts- trägt der sich mit Rationalisierungsplänen für Eves Firma. Darauf nimmt Eve noch einmal Anlauf, springt – und schwimmt sich frei!

Prolog

Manchmal glaube ich, dass ich irgendwann einfach meinen Nervenzusammenbruch hätte bekommen sollen, um es endlich hinter mich zu bringen. Okay, in der High School hätte das womöglich etwas zu dramatisch gewirkt, aber auf dem College vielleicht? Damals hätte ich durchaus ausrasten können. Viele meiner Freunde hatten das getan. Ich hätte einen kleinen, aber durchaus verzeihbaren Skandal provozieren können. Den Mädchen, die sich mal „eine Auszeit“ nehmen, passiert doch nie etwas wirklich Schlimmes. Das wäre cool gewesen. Nach einer Woche Geschwätz wäre ich schnell eine wichtige Bezugsperson für alle frustrierten Studentinnen geworden.

Ich wartete also ständig auf den richtigen Zeitpunkt, um meinen Depressionen endlich nachzugeben. Aber ich war immer viel zu beschäftigt damit, meinen Freunden den Kopf zu stützen, wenn sie mal wieder die pappigen Nudeln aus der Mensa und das billige Bier erbrachen.

Ich habe mir fest vorgenommen, meinen Chefs zu sagen, dass ich gerne für unsere Zeitschrift schreiben möchte. Natürlich ist Bicycle Boy nicht das, was ich mir vorgestellt habe, als ich auf dem College viereinhalb Jahre lang keinen Nervenzusammenbruch bekam. Aber es ist zumindest ein Anfang, nicht wahr? Etwas für meine Mappe. Etwas, womit meine Mutter vor ihren Busenfreundinnen, denen ich völlig egal bin, prahlen kann. „Ja, sie hat Journalismus studiert und gerade eine kleine Abhandlung über Fahrradhelm-Verschlüsse veröffentlicht.“

Ein paar Monate zuvor hatte ich einen völlig frei erfundenen Artikel über einen Mann geschrieben, der als Kind vom Fahrrad gefallen war und sich seitdem weigerte, noch einmal aufs Rad zu steigen. Aus dem Ich-Erzähler der Geschichte wird ein Chirurg, der immerzu das Gefühl hat, dass ihm etwas Wichtiges fehlt. Es reicht ihm nicht aus, Herzen zu verpflanzen. Erfüllung verspürt er erst, als er zu seiner ersten Liebe zurückkehrt – dem Radfahren. Die frische Luft beruhigt seine Nerven, er verliert an Gewicht und stellt wieder eine gesunde Verbindung zur Natur her. Ich schrieb diese Geschichte aus der Perspektive eines zweiunddreißigjährigen Mannes, das Ganze war kompletter Blödsinn, sprach aber eine ganz bestimmte Leserschicht an. Zumindest erklärte ich das meinen Chefs, und sie sagten, dass wir uns nach dem monatlichen Redaktionsschluss ja noch einmal darüber unterhalten könnten. Was nie geschehen ist.

Unglücklicherweise wird gerade gegen einen unserer wichtigsten Werbekunden, einen Wasserflaschenfabrikanten, ermittelt. Scheint so, dass ein Typ in Dearcreek, Montana – zweifellos einer unserer Leser – nach einer Zwölf-Meilen-Radtour sehr krank geworden ist. Er behauptet, das Wasser aus seiner Flasche habe seltsam geschmeckt, und einige Experten glauben nun, dass diese Flaschenmarke nicht gerade die hygienischste ist. Gott sei Dank sind diese Anschuldigungen noch nicht an die Öffentlichkeit gelangt, aber Sie können sich gut vorstellen, dass momentan nicht der beste Zeitpunkt ist, um mit den großen Bossen zu sprechen.

Ich tröste mich damit, dass zumindest die Praktikanten glauben, ich sei cool. Ich verwalte nämlich die Büromittel und bestelle das Mittagessen. Wer nett zu mir ist, bekommt von mir Unmengen von Post-It-Blöcken und vielleicht sogar ein fettarmes, fades, vegetarisches Mittagessen, das ich bestellen muss. Außerdem ist eine der Praktikantinnen genau ein Jahr und drei Monate älter als ich. Sie würde für meinen Job zur Mörderin werden.

Ich arbeite nun schon seit fast sieben Monaten als Assistentin für Bicyle Boy. Angefangen habe ich habe als Aushilfe in dem riesigen Konzern, der diese und viele andere Zeitschriften herausgibt, Prescott Nelson Inc. – ich bin überzeugt davon, dass Sie ihn kennen. Unser Sitz ist genau hier, an der wichtigsten Straßenkreuzung der Welt, am Times Square. Obwohl ich die Personalchefs drängte, mich für ihr feministisches Magazin Angry Beavers arbeiten zu lassen, versicherten sie mir, dass Bicycle Boy ebenfalls eine großartige Redaktion habe. Ich schluckte es, zumal mir aufgefallen war, dass in die hinteren Seiten von Angry Beavers ein oder zwei Kosmetik-Anzeigen gerutscht waren. Deswegen behauptete ich auch immer gerne: „Nun, ich wollte früher für Angry Beavers arbeiten, aber inzwischen stelle ich ihre Ziele in Frage. Hinter den Fabian Fingernagel-Produkten stecken ein paar fragwürdige Investoren, die mir sehr rechtsgerichtet erscheinen.“ Damit provoziere ich immer ein verständnisvolles Nicken von den Faulenzern und Kneipengängern, denen ich bedeuten will, dass ich alles andere als käuflich bin.

Der Typ, dem ich genau an dem Abend, an dem der Wasserflaschen-Skandal aufkam (nun, ich glaube, „Skandal“ mag vielleicht etwas übertrieben sein, aber wir sind hier schließlich in New York) meine Beweggründe erklärte, sah nicht aus wie der durchschnittliche Buchhalter in weißem Hemd und Khakihosen, der sich für einen netten Abend mal etwas lockerer gekleidet hat. Nein, dieser Typ hatte womöglich einen der coolsten Jobs der Stadt – er war Manager in einer Plattenfirma, oder zumindest war er direkt einem unterstellt. Er machte eine Menge Andeutungen, während er mich mit Wodka Collins abfüllte (meinem Lieblingsgetränk – ich habe mich vor drei Monaten von Gin Tonic verabschiedet, das sieht zu sehr nach College aus).

Während er mir erklärte, warum gerade so ein Rummel um einen neuen Trip-Hop-Künstler, der nur so tat, als ob er Engländer sei, gemacht wurde, bemerkte ich, dass unter seinem schwarzen T-Shirt Brusthaare hervorschauten. Das fand ich merkwürdig anziehend – ein Zeichen dafür, dass ich tatsächlich erwachsen wurde. Sein Name war übrigens Zeke, und wir befanden uns erst am Anfang unseres betrunkenen Kennenlernens, als Tabitha, bei der ich übernachten wollte, zu uns schwankte und lallend den Wunsch äußerte zu gehen. Nur sehr zögerlich stimmte ich zu.

Ich wusste, dass es uncool war, so früh in der Beziehung zu Zeke aktiv zu werden (dabei überlegte ich mir schon Namen für unsere Kinder). Andererseits muss ich zugeben, dass mein Plan, riesige Erfolge in dieser Stadt feiern, nicht wirklich funktionierte. Das lag in allererster Linie daran, dass mir dafür ein starker Partner fehlte. Ich brauchte einen Mann, der mir helfen und mich unterstützen würde, der mich zu allen Wohltätigkeitsveranstaltungen begleiten und selbst heimlich danach streben würde, Filmemacher zu werden. Ich wollte einen Typ, den ich ohne mich zu schämen in einem Artikel für ein trendiges Online-Magazin erwähnen konnte. Einen Typ, der, wie ich, kurz vor dem Durchbruch stand.

Auf dem Rücksitz des Taxis begann sich alles zu drehen. Tabitha lehnte an meiner Schulter und schnarchte leise. Ich überlegte, wie ich sie die sechs Stockwerke zu ihrer Wohnung hochschaffen sollte. Vielleicht würde sie ja neben der Toilette einschlafen, dann konnte ich in ihrem Bett schlafen. Ich hatte keine Lust, mit Yaleek, unserem Fahrer zu plaudern, der stumm durch die Straßen raste, und dachte über Zekes Vorschläge nach. Er hatte gesagt, dass wir zusammen Essen gehen sollten, Sushi, Sake und Cannelloni. Obwohl das nicht zusammenpasste, konnte ich mein Entzücken kaum verbergen. Das war das Leben, das ich führen wollte. Wer hätte gedacht, dass diese schäbige Kneipe in Midtown sich als so fruchtbar erweisen sollte? Wagemutig hatte ich seine Telefonnummer angenommen, ihm meine aber nicht gegeben. Goldene Zeiten standen mir bevor, und das hier war erst der Anfang. Ich würde in Tabithas Bett schlafen, und nichts konnte mich aufhalten. Ich würde schon noch schnell genug Chefredakteurin dieser Zeitschrift werden.

September

Jetzt wollen Sie natürlich wissen, wie es mit Zeke weiterging. Nun, Tabitha auch. Obwohl ich das ganze Wochenende mit ihr verbracht habe – wir haben gefeiert, uns erholt und Im Tal der Puppen im Fernsehen angeschaut –, will sie wissen, ob ich ihre Dating-Regeln missachtet habe.

„Tab, was hast du mir gestern auf dem Heimweg als Letztes gesagt?“

„Zunächst einmal bin ich Tabitha und nicht Tab. Weder zähle ich Kalorien noch bin ich aus den Achtzigern.“ Sie liebt diesen Spruch. „Zweitens weiß ich, was ich dir gesagt habe, aber kann doch sein, dass du sofort wieder das ungehorsame Mädchen aus Jersey wirst, sobald du die Staatsgrenzen überschritten hast.“

„Du hast gesagt, warte drei Tage. Ich warte schon länger als drei Tage. Weitaus länger, als in den Regeln steht. Obwohl ich weiß, dass solche kindischen Spiele nicht seine Sache sind.“

„Wieso, nur weil er nicht so ein Studentenverbindungs-Typ ist? Obwohl du das ja nicht einmal weißt. Er hat dich damit beeindruckt, dass er weiß, was Essstäbchen sind. Du hast seine Telefonnummer genommen, und vermutlich glaubt er jetzt, dass du Feministin bist, was ja auch stimmt. Aber für ihn heißt das nichts anderes, als dass du auf bizarre Sexspielchen stehst. In dem Augenblick, in dem du ihn anrufst, wird er wahrscheinlich sofort die Handschellen und das Hundehalsband polieren, was ja in Ordnung ist, wenn man so was mag. Aber du bist doch eher jemand, der beim ersten Date die Missionarsstellung bevorzugt.“

„Holst du eigentlich niemals Luft?“

„Dazu habe ich keine Zeit. Oh, Mist!“

„Was?“

„Big C hat einen Prada-Anzug an. Sie hat also heute ein paar Machtspielchen vor.“

„Ich dachte, Prada bedeutet, dass sie ihre Tage hat und Wasser in den Beinen.“

„Nein, das ist der schwarze Anzug. Ruf mich heute nicht an. Und denk dran, warte bis morgen, bevor du dich bei dem Musiker meldest.“

„Manager …“, sage ich, doch sie hat schon aufgelegt.

Lorraine, meine Chefin, steht neben meinem Schreibtisch, als ich einhänge. Sie hasst diese Stadt, fragt mich aber trotzdem immer, wo man hingehen muss. Wenn ich nur wirklich so cool wäre, wie Lorraines Mann und ihre Hunde offenbar glauben. Lorraine gibt mir ein paar Daten, die ich in den Kalender eintragen soll. Das ist es, wofür die ich pro Stunde achtzehn Dollar fünfzig bezahlt bekomme. Andere Leute stehen an einem Grill und machen Pommes Frites und verdienen ein Viertel davon. Ich tippe Namen vor die Artikel, die in den nächsten paar Monaten veröffentlicht werden sollen. Wer arbeitet am Fahrrad des Monats, am besten Fahrradsitz und daran, in welchen Romanen Radfahr-Szenen eine wichtige Rolle spielen. (Als ob unsere Leser überhaupt jemals vom Rad absteigen würden.)

Diese Daten einzugeben ist zum Gähnen langweilig, und weil ich eine Woche Zeit habe, bevor alles fertig sein muss, schiebe ich es solange wie möglich vor mir her. Ich könnte das zwar unglaublich schnell erledigen, und im Grunde ist es auch meine einzige Aufgabe. Nur beansprucht leider das Internet meine ganze Zeit. Ich verbringe viel Zeit damit, auf meinen Bildschirmschoner zu starren. Es handelt sich um den ganz gewöhnlichen Standard-Bildschirmschoner mit den Sternen. Meine Vorgängerin hat ihn mir hinterlassen, und ich bin mir sicher, dass sie ihn auch stundenlang angestarrt hat. Ich weiß, dass ich meine Zeit viel besser nutzen könnte. Ich könnte schreiben. Ich könnte mir Vorschläge für Artikel überlegen und für sie recherchieren (ich darf schließlich so viel telefonieren, wie ich will), ich könnte versuchen, andere Zeitschriften zu kontaktieren, um einen neuen Job zu finden. Aber aus irgendeinem Grund vertreibe ich mir die Zeit damit, einfach dazusitzen. Nun, das ist schon alles in Ordnung so – immerhin bin ich in New York.

Achtzehn Jahre lang bedeutete der September in meinem Leben eine Veränderung. Immer freute ich mich auf den Herbst, denn das hieß: neue Klamotten, neue Schulfächer, ein neues Schuljahr. Der Herbst gab mir von der Kindergartenzeit an bis zu meinem allerletzten Collegejahr das Gefühl, dass nun wundervolle Abenteuer auf mich warteten. Und dass alles Schlechte, was in dem Jahr passiert war, wie durch ein Wunder ausgelöscht werden würde.

Nun arbeite ich aber seit Februar, seit ich endlich meinen Schulabschluss gemacht habe. Von ein paar Stürmen abgesehen, war es ein milder Winter gewesen. Mild genug, um mir das Gefühl vorzugaukeln, dass das hier vielleicht nur ein verlängerter Sommerurlaub war, der schließlich in einer akademischen Karriere münden würde oder in Ruhm und Reichtum. Denn dieses langweilige Leben als Aushilfe darf auf gar keinen Fall (schluck!) mein Leben sein.

Nachdem wir jetzt fast Mitte September haben und ich noch immer diesen Achtstundenjob mache, kann ich es aber nicht mehr leugnen. Ich kann die Herbstmode und die Ausverkäufe zum Schulbeginn nicht ignorieren. Meine Schwester Monica, die ewige Studentin, ist nach Massachusetts zurück, um ihr drittes Diplom zu machen, diesmal in Women’s Studies. Kein Zweifel, ich bin hier für eine Weile gestrandet. Doch ich habe mir fest vorgenommen, das zu ändern.

Dabei ist es aber so, dass ich New York einfach liebe. Zumindest die Vorstellung davon. Die Tatsache, dass meine Freunde aus der Schule mich beneiden, weil ich für Prescott Nelson arbeiten darf. Die Bekannten meiner Eltern (eines Tages werde ich meine eigene Wohnung haben) sind immer ein wenig schockiert, wenn sie hören, dass ich jeden Tag in die große Stadt fahre. Kein Wunder, sie kommen aus New Jersey – sie lassen sich sogar von einem Garagentoröffner beeindrucken.

Wenn ich mal alle Vorteile außer Acht lasse, dann stört mich am meisten der Stillstand, die Routine, in die ich verfallen bin. Die Vorteile sind cool, aber im Grunde passiert jede Woche das Gleiche. Niemand sonst in diesen überfüllten Aufzügen scheint so zu denken wie ich. Ich schätze, alle finden es einfach cool genug, ein Teil dieses riesigen Verlagkonzerns zu sein, auch wenn sie überhaupt nichts darstellen. Sie lassen sich genauso wie meine Freunde aus der Schule oder die Leute aus meiner Heimatstadt von Namen und vagen Möglichkeiten beeindrucken.

Aber ich will nicht so werden.

Was mir wirklich hilft, ist Tabitha. Sie ist eine der wenigen Freundinnen, die ich bei der Arbeit habe. Das Beste daran ist, dass sie in der Stadt wohnt und ganz genau weiß, was cool ist und was nicht. Tabitha und ich haben uns bei der Zeitarbeitsfirma kennen gelernt. Ich kam dort an, bereit, meine neue Karriere in Angriff zu nehmen, froh, endlich die Schule hinter mir zu haben. Ich trug das, was ich gerne meinen Jackie-O-Anzug nenne: ein wenig retro aber immer passend.

Tabitha ist ein großes Mädchen aus Texas. Ich weiß, diese Beschreibung ist grob vereinfachend, sie würde es hassen, so beschrieben zu werden. Robust wie eine Rubensfigur, wie eine Statue – auffallend, das wären die Worte, die Tabitha wählen würde. Tabitha ist nicht fett, nun, vielleicht doch, wenn man nach Calvin-Klein-Normen geht. Am besten finde ich, dass sie nicht die Absicht hat, etwas an sich zu ändern.

Ich stelle fest, dass alle möglichen Männer sich zu Tabitha hingezogen fühlen, trotz ihrer Figur. Meistens trifft sie sich mit Ausländern: italienischen Geschäftsleuten, argentinischen Fußballern, ich glaube es war auch mal ein kuwaitischer König darunter. Ausländer sind ständig hinter ihr her. Sie sagt, es sei besser, solche zu treffen, denn „wenn sie hier sind, können sie sich mich leisten“.

Alles an Tabitha ist Image. Ich habe schon öfter erlebt, wie sie ein Vermögen für Kleider ausgegeben hat. Wie sie das macht, habe ich allerdings noch nicht rausgefunden, zumal sie auch noch eine New Yorker Miete zahlen muss und genauso viel wie ich verdient.

„Ich setze einfach Prioritäten.“ Das sagt sie immer, wenn ich es mir nicht leisten kann, mit ihr einkaufen zu gehen. Konkreten Fragen nach ihren Finanzen weicht sie aus. Ich frage mich, ob sie vielleicht ein Treuhandvermögen hat. Da sie es hasst, alleine einkaufen zu gehen, verspricht sie mir immer Geschenke, damit ich sie begleite. Und wenn ich nicht mitgehe, fühlt sie sich verpflichtet, alles in meiner Größe zu kaufen, was sie schön findet. Tabitha ist großzügig, aber ich glaube, es geht ihr vor allem darum, wie ihre Freunde aussehen. Sie möchte sich in den richtigen Kreisen bewegen, also muss jeder um sie gut angezogen sein. (Es ist traurig, aber ich glaube, ich bin meinem Jackie-O-Anzug niemals gerecht geworden.)

Das Beste an Tabitha sind die Vorteile, die wir durch ihren Job haben und mit denen wir unser Image um einiges aufpolieren können. Die Glamour-Götter müssen gelächelt haben, als sie diesen Aushilfsjob bekam. Sie ist die Assistentin der verantwortlichen Redakteurin von, ob sie’s glauben oder nicht, NY By Night. Ja, das gehört uns auch. Das „wir“ bezieht sich auf Prescott Nelson Inc. Onkel Pres, der Gründer unseres großartigen Unternehmens, hat seine Finger überall drin. NY By Night befasst sich mit den wichtigsten New Yorker Ereignissen: Filmpremieren, Vernissagen, Clubleben, Promi-Geburtstage, Wohltätigkeitsbälle, insgesamt also Veranstaltungen, zu denen nur Leute aus dem „Biz“ gehen, um zu zeigen, wie viel Spaß sie dabei haben, so viel cooler zu sein als der Rest der Bevölkerung.

Tabithas Chefin heißt Diana Milana. Tabitha nennt Diana gerne Big C (und Sie können sich bestimmt vorstellen, wofür das C steht). Big C ist in dieser Branche ziemlich bekannt. Sie sagte gleich am ersten Tag zu Tabitha: „Ich mag es, wenn die Dinge schnell erledigt werden.“ Aber Big C hat einen so ausgefüllten Terminkalender und nie genug Zeit, um zu all den Veranstaltungen zu gehen, die sie als Chefin vom „Puls der Stadt, die niemals schläft“ oder wie auch immer der Slogan von NY By Night ist, eigentlich besuchen müsste. Wenn es also Big C nicht gelingt, einen ihrer nicht weniger gestressten Mitarbeiter zu diesen Veranstaltungen zu schicken, raten Sie mal, wer dann hin darf? Manchmal fahren wir die ganze Nacht durch die Gegend und bleiben immer genau eine Stunde und fünfzehn Minuten bei jedem Fest. (Nun, zwei Mal ist das bisher passiert). Tabitha bekommt alle Taxirechnungen ersetzt, und in jenen Nächten, wo sie auf den richtigen Einwanderer trifft, schickt sie mich in einem Dienstwagen nach Hause. Danke, Onkel Pres!

Ich würde alles dafür geben, einen Job, wie Tabitha ihn hat zu bekommen, aber wenigstens habe auch ich etwas von ihren Vergünstigungen. Ich weiß nicht, wie ich sonst das Leben im Haus meiner Eltern in New Jersey überleben würde. Es gibt Wochen, in denen ich praktisch ab Donnerstag in Tabithas Miniapartment wohne. Meistens lassen wir uns donnerstags in der Mittagspause die Nägel maniküren, um für eine Nacht voller Verrücktheiten und toller Kerle vorbereitet zu sein. Den Freitag im Büro können wir kaum noch aushalten, später machen wir ein kurzes Nickerchen, ziehen dann wieder los, und alles verschwindet im Nebel – bis zu dem Moment, an dem Tabitha am Sonntagnachmittag ihren starken Kaffee schlürft und mir den Modeteil der New York Times vorliest. Im besten Fall gehen wir zum Brunch und beginnen mit dem Getränk, mit dem wir die Nacht zuvor aufgehört haben. Danach schwanke ich zurück nach New Jersey, schaue mir mit meinen Eltern 60 Minutes an und frage mich, warum immer so schnell Sonntagabend ist und wie ich die nächsten vier Tage überstehen soll.

Montag ist der beste Tag für Entschuldigungen. Ich könnte wirklich alles falsch machen und es achselzuckend mit „Montagmorgen“ erklären. An einem Montag nimmt einem das keiner übel.

An diesem Montag bin ich von etwas anderem abgelenkt – von der Serviette, auf der Zekes Name und verschiedene Telefonnummern stehen. Zeke hat er mit großen klobigen Buchstaben geschrieben, eine normale männliche Handschrift, etwas unsicher vom Alkohol, und dann die Ziffern. Das Interessanteste daran ist, dass er einen Strich durch die Sieben macht. Meine italienische Großmutter hat die Sieben genauso geschrieben. Wie europäisch! Ich habe zwar das Bedürfnis, ihn heute Abend endlich anzurufen, aber das würde doch sehr verzweifelt wirken. Aber könnte er sich auf der anderen Seite nicht auch darüber ärgern, dass ich dieses „Ich ruf dich nicht an“-Spielchen mit ihm spiele? Ich bin sicher, dass er über solchen Dingen steht, aber ach – ich leider nicht.

Am Dienstag habe ich dann ein echtes Problem. Welche Nummer soll ich wann anrufen? Wenn ich ihn bei der Arbeit anrufe, ist er vielleicht kurz angebunden, weil er gerade einen erstaunlichen neuen Künstler berühmt machen muss, und das fände ich ziemlich unangenehm. Im schlimmsten Fall hätte ich dann nicht mal die Möglichkeit, ihm meine Nummer zu geben. Dann müsste ich abwägen, ob ich ihn noch mal anrufe oder nicht, ob er wirklich beschäftigt war oder mich womöglich körperlich abstoßend findet.

Bei ihm zu Hause werde ich nur den Anrufbeantworter erreichen und er würde sich fragen, warum ich ihn an einem Arbeitstag zu Hause anrufe.

Wenn ich ihm eine Nachricht auf seinem Beeper hinterlasse, wird er die unbekannte Nummer nicht erkennen und nicht zurückrufen, was mich wiederum zwingt, ihn erneut anzubeepen oder eine seiner anderen Nummer anzurufen. Doch das würde schon wieder so verzweifelt wirken und alles ruinieren. Es kann aber auch sein, dass er grundsätzlich alle Nummern, die auf seinem Beeper erscheinen, anruft, weil es sich vielleicht um einen geschäftlichen Beeper handelt, so dass ich ihn geradezu zwinge, mich anzurufen, und das will ich nicht.

Aber ich will unbedingt mit ihm sprechen, also beschließe ich eine Nummer anzurufen, von der ich glaube, dass ich eine Mailbox erreiche. Ich könnte ihn zum Beispiel in der Mittagszeit im Büro anrufen – aber was, wenn er viel zu beschäftigt ist, um Mittagessen zu gehen, und das Telefon abnimmt? Natürlich könnte ich, sobald jemand drangeht, einfach auflegen, doch was soll ich tun, wenn er meine Nummer im Display sieht und mich zurückruft und ich abnehme muss? Dann wird er denken, ich benehme mich wie ein Teenie. Ich überlege, ob ich Tabitha anrufen soll, aber dann würde ich vom Teenie zum Kleinkind werden.

Okay, ich rufe ihn zu Hause an. Jetzt ist nur noch die Frage, was ich sagen soll. Ich senke meine Stimme um eine Oktave. (Gott, ich wünschte, ich würde rauchen und genug Wodka trinken, um eine so aufreizende Stimme wie Kim Carnes zu bekommen. Wie soll man denn pure Sinnlichkeit ausstrahlen, wenn man klingt wie eine normaler zwanzigjähriger Single?)

Mögliche Nachrichten: „Hey, Zeke, hier ist Eve. Ich habe Lust auf Sushi und frage mich, ob dein Angebot noch gilt.“ Aber was, wenn er sich an diese Einladung nicht mehr erinnert? Klingt das wie eine sexuelle Anspielung? Wird er vielleicht vermuten, dass ich seinen Penis mit rohem Fisch vergleiche?

Oder: „Zeke, hier ist Eve. Ich habe gerade an dein Brusthaar gedacht, und wenn du an meine Brust gedacht hast, ruf mich an.“ Das ist vielleicht ein wenig zu viel, abgesehen davon, dass ich wegen meiner inneren Werte geliebt werden will.

Oder: „Hi Zeke, hier ist Eve. Wir haben uns am Donnerstag kennen gelernt. Hier ist meine Nummer. Ruf mich an.“ Donnerstag könnte zu interessiert klingen, so, als ob ich zu viel über diese Nacht in der Bar nachgedacht hätte. Als ob ich alle anderen Tage aus meinem Kalender gestrichen hätte.

Oder: „Hi Zeke, hier ist Eve. Wir haben uns am Wochenende kennen gelernt. Bitte ruf mich an.“ Bitte? Schlimmer geht’s ja nicht. Da könnte ich genauso gut sagen: „Mein Leben hängt davon ab, dass du mich anrufst. Ich habe seit drei Monaten kein Date mehr gehabt, von Sex ganz zu schweigen, und ich stehe kurz davor, eine Anzeige unter Sie sucht ihn in der Voice zu schalten, nur um ein wenig Zuwendung zu bekommen.

Oder: „Hi Zeke, hier ist Eve vom Wochenende. Ich wollte nur sehen, wie dein Wochenende noch war. Ruf mich an, wenn du Zeit hast.“ Das klingt vernünftig und neutral. Ich schreibe es auf und wähle. Es klingelt drei Mal und dann geht der verdammte Anrufbeantworter ran … mit weiblicher Stimme! Hey, Heather und Zeke sind gerade nicht zu erreichen, aber unser Anrufbeantworter schon. Piep.

Ich lege auf. Er lebt mit jemandem zusammen. Wie kann das nur sein? Wer ist Heather – und was ist das überhaupt für ein Name?

„Ein sehr gewöhnlicher“, erklärt Tabitha, als ich sie in der Raucherpause treffe.

„Und ich habe schon geübt, wie man beim Essen mit Stäbchen verführerisch aussieht!“

„Nun“, sagt Tabitha und bläst den Rauch aus, „vielleicht ist sie ja nur seine Mitbewohnerin, eine platonische Freundin.“

„Komm schon ‚unser Anrufbeantworter‘ demonstriert Zusammengehörigkeit. Dinge, die man zusammen besitzt sind kein Zeichen für Platonismus.“

„Platonismus? Wie auch immer. Wenn sie zusammen wären, hätte bestimmt er den Anrufbeantworter besprochen.“

„Ich habe dir doch gesagt, dass er nicht so ist. Er war anders, was ganz Besonderes. Und jetzt habe ich ihn verloren.“

„Wirklich tragisch. Hör mal, Eve, ruf ihn doch einfach bei der Arbeit an. Das wird sich dann schon irgendwie aufklären. Aber zuerst einmal erwähnst du den Anruf nicht und hoffst, dass er deine Nummer nicht im Display sehen konnte.“ Sie drückt ihre Zigarette aus, und wir gehen wieder hinein. „Was auch immer du tust, gib ihm auf jeden Fall deine Büronummer. Dann erfährt er nichts von der Vorwahl, er muss ja nicht unbedingt wissen, dass du in New Jersey wohnst.“

Ich warte noch einen Tag, und dann wähle ich ganz schnell seine Büronummer, bevor ich es mir noch anders überlegen kann. „Mailbox, Mailbox, Mailbox“ sage ich wie ein Mantra vor mich hin.

„Hier spricht Zeke.“ Scheiße.

„Zeke?“

„Ja.“

„Hallo, ich bin’s. Eve, vom Wochenende.“

„Oh, Eve. Hi, Eve. Ich habe gehofft, dass du anrufst.“ (Gehofft? Hat er es echt gehofft? Mir wird ganz warm ums Herz, mein Magen dreht sich ein wenig, andere Teile meines Körpers schwelgen in der Vorstellung, bald etwas Zuwendung zu bekommen.)

„Ich wollte eigentlich gestern schon anrufen, aber ich hatte so einen hektischen Tag. Du weißt ja, wie das ist.“ Ich kann hören, wie Tabitha mir Beifall spendet. Mein Wochenende war also offenbar intensiv und erlebnisreich, mein Job ist aufregend und eine ständige Herausforderung.

„Klar, ich sitze heute auch zum ersten Mal wirklich an meinem Schreibtisch.“

Minderwertigkeits-Alarm! Sein Job ist tatsächlich aufregend und eine Herausforderung.

„Das ganze Wochenende über musste ich diese schrecklichen neuen Acts anschauen und nett zu diesen Möchtegern-Managern sein, die völlig ahnungslose Typen aus Long Island oder Jersey sind oder so.“

„Igitt.“

„Ganz genau.“ Er lacht. Ein nettes Lachen, ein warmes, männliches Lachen. Heather ist bestimmt seine Schwester. Sobald Zeke und ich beide unserer Karriere vorangebracht haben und bereit sind, den Sprung zu wagen, werde ich sie zu meiner Brautjungfer machen.

„Also Eve, sollen wir miteinander ausgehen oder was?“

„Natürlich. Sehr gerne.“

„Wie wäre es mit morgen?“ Morgen? Das ist eigentlich viel zu kurzfristig, aber bevor ich ihn kurz in die Warteschleife legen kann, um mir bei Tabitha Rat zu holen, klingelt es bei ihm auf der anderen Leitung. Also bin ich einverstanden und er sagt, er würde mich noch anrufen, um Genaueres abzuklären.

Ich komme fünf Minuten zu spät. Ich trage Parfüm, habe mein Haar gefönt und meinen Körper an den richtigen Stellen enthaart. („Nur für alle Fälle. Aber deswegen solltest du dich trotzdem nicht wie eine Nutte aufführen“, ermahnte mich Tabitha.)

Das Restaurant ist genauso, wie ich es mir vorgestellt habe – ein trendiger, kleiner Ort im East Village voller schöner Menschen. Ich versuche, nicht zu beeindruckt zu wirken, aber Moment mal, er steht nicht an der Bar. Mist! Wenn er später kommt als ich, dann denkt er, dass ich zu früh da war. Vielleicht hat er sich ja schon hingesetzt. Ich frage die wunderschöne Frau im Kimono, ob es noch einen anderen Raum gibt, und sie zeigt hinter sich auf einen traditionellen japanischen Speiseraum, in dem man keine Schuhe tragen darf. Gott sei Dank habe ich mir bei der Pediküre die Hornhaut entfernen lassen.

Er winkt mir von einem niedrigen Tisch aus zu. Sein Hemd unterstreicht die grünen Sprenkel in seinen Augen. Bevor ich den Raum betrete, entsteht ein etwas peinlicher Moment, weil ich erst meine Schuhe ausziehen muss.

„Hey“, sage ich und knie mich an den Tisch.

„Du siehst toll aus.“ Wow! Werde ich rot?

„Danke, aber du siehst auch nicht schlecht aus.“ Er beugt sich über den Tisch und berührt mein Kinn. Ich habe körperlichen Kontakt zwar nicht so schnell erwartet, aber ich lasse es mir gerne gefallen.

„Ich habe bereits bestellt, zumindest den ersten Gang. Danach schauen wir mal, was du möchtest.“

„Großartig.“ Er schenkt mir etwas Sake ein. Ich trinke, es wärmt mich von innen. Ich schenke mir mehr ein. Er lächelt.

„Ich vertrage ziemlich viel“, sagte ich.

„Tatsächlich?“

„Ja, ich war bei Studentenpartys nie sonderlich beliebt.“ Er hat diese beunruhigende Angewohnheit, mich einfach nur lächelnd anzustarren. Ich schütte noch mehr Sake hinunter. „Was ist?“

„Du bist einfach atemberaubend.“

„Du machst mich ganz verlegen, wirklich. Erzähl mir von deiner Arbeit.“

Er beginnt, über die Leute zu sprechen, die seine Firma vertritt, und obwohl er selbst in den meisten Geschichten gar nicht vorkommt, ist es doch interessant. Er bekommt eine Menge Promotion-CDs und hat zu Hause über zweitausend.

„Ich habe einen Wechsler für dreißig CDs. Ich höre sie mir vor dem Einschlafen an.“

„Ach so, du wohnst alleine?“

„Nein, ich habe eine Mitbewohnerin. Die Exfreundin eines Freundes. Was für eine Schlampe.“ Ich kann es nicht ausstehen, wenn ein Mann eine Frau „Schlampe“ nennt. Das passiert andauernd, und ich finde es geschmacklos. Doch Zeke erschien mir das letzte Mal in meinem alkoholvernebelten Zustand als ein sensibler Mensch, also will ich ihm meine Meinung schonend beibringen, aber schon kommt das Sushi. Es sieht schön und bunt aus. Ich liebe Sushi. Zeke schenkt mir mehr Sake ein und klatscht entzückt über seine Auswahl in die Hände. Es gibt wirklich kaum etwas Erotischeres als ein Mann, der genau weiß, was man bestellen muss.

„Du fängst an.“ Das tue ich auch.

„Also, Zeke, wo kommst du her?“

Er kichert ein wenig. „Nun, im Grunde habe ich überall in Kalifornien und Maryland gelebt … Und jetzt wohne ich 12. Straße West.“ Das ist eine ziemlich angesagte Gegend, aber ich wette, dass er mit Kalifornien und so gelogen hat, bestimmt kommt er von Long Island. Egal, Hauptsache, er fragt mich nicht.

„Wo wohnst du? Und wo kommst du her? Erzähl mir alles, Eve.“

„Oh, ich bin oft bei einer Freundin in der Upper East Side. Ich weiß, schrecklich. Wir sind auf der Suche nach einer anderen Wohnung.“ Es ist höchste Zeit, das Thema zu wechseln, ich will auf gar keinen Fall zugeben, dass ich in Jersey lebe. „Wunderbar, dass du von allem doppelt bestellt hast. Ich liebe Yellowtail.“

Wir essen eine Weile schweigend, und inzwischen fühle ich mich so wohl, dass ich es wage, mich vollzustopfen. Ich konzentriere mich so aufs Essen, dass mir zunächst gar nicht auffällt, wie er mich anstarrt. Ich lege die Stäbchen weg und wische mir den Mund ab.

„Nein, hör nicht auf. Es ist nichts. Ich sehe dir einfach gerne beim Essen zu. Das ist sehr erotisch.“

„Vielleicht solltest du dich besser auf dein Essen konzentrieren.“

„Das wäre ja wie masturbieren.“ Ich spucke den Sake geradezu auf das restliche Sushi. Ich huste. Vielleicht ersticke ich sogar, die Bedienung bringt Wasser, und Zeke schlägt mir auf den Rücken. Langsam gewinne ich meine Fassung zurück und atme tief ein. Kann das denn wahr sein?

„Ich wollte dich nicht beleidigen. Wirklich. Tut mir Leid. Ich kann es nicht ändern, ich bin so. Ich bin ein sehr lustvoller Mensch und genieße das hier sehr. Ich möchte, dass du dich entspannst.“

„Oh, ich bin entspannt.“ Der Sakekrug ist leer. Ich nicke der Bedienung zu, damit sie mehr bringt. „Völlig.“

Wenn Zeke nicht gerade jeden meiner Bissen beobachtet, erzählt er eine Menge über sich selbst. Oder besser, er deutet eine Menge über sich selbst an. Ein mögliches Sommerhaus, eine teure Ausbildung am College, ein Buch, das er vielleicht schreiben will, Freunde, die für unabhängige Filmstudios arbeiten. Das alles klingt viel zu gut, um wahr zu sein. Und er hat auch (versuchen Sie, nicht zusammenzuzucken!) einen Hang dazu, über sich selbst in der dritten Person zu sprechen. Beispiel: „Zeke ist der Meinung, dass man alle Frauen auf ein Podest stellen sollte.“ Glauben Sie mir, ich erspare Ihnen die wirklich schlimmen Aussagen.

Aus irgendeinem Grund stimme ich zu, mit Zeke noch ins Veniero’s zu gehen. Wir trinken einige Grappa „zum Verdauen“. Ich kann gerade noch verhindern, dass ich die Canneloni-Füllung von seinen Fingern lecken muss.

„Die Sache ist die, Eve. Das Vergnügen einer Frau ist mir viel wichtiger als mein eigenes. Ihr Genuss“, sagt er und verschränkt seine Finger, „ist mehr wert als ihr Schmerz.“

„Nun, Zeke, das ist eine wirklich bewundernswerte Einstellung.“

„Findest du wirklich, Eve?“ Ich kann sehen, dass er sehr zufrieden mit sich ist. „Es ist wirklich schon lange her, dass ich mir erlaubt habe, meine Sinne so komplett zu befriedigen. Ich genieße die Zeit mit dir. Ich könnte direkt knurren. Ich fühle mich so animalisch.“ Er streicht über mein Haar und knurrt. Ja! Er knurrt tatsächlich! Die alten Italiener am Nebentisch mustern uns aufmerksam. Vielleicht werden sie mich ja retten. Geschieht das gerade wirklich? Oder habe ich nur betrunken und halluziniere? Sagt er das gerade wirklich?

„Lass uns über dich sprechen, Eve. Was magst du gerne? Ich will dich kennen lernen.“

„Oh, Mann, Zeke. Weißt du, ich bin eine ziemlich komplexe Person, das könnte eine Weile dauern.“

„Ich habe die ganze Nacht Zeit. Wir haben die ganze Nacht Zeit.“

Ich muss hier raus. Ich will in mein eigenes Bett. „Vielleicht können wir uns das fürs nächste Mal aufheben, ich bin völlig am Ende, die ganze Aufregung, weißt du, und ich habe morgen im Büro eine Menge zu tun. Deadlines und so was. Die verrückte Welt des Zeitschriftenmachens.“ Ich kann nicht glauben, dass ich dafür extra meine Bikinizone habe enthaaren lassen.

„Oh, Eve, natürlich, warte, ich rufe dir ein Taxi.“ Zum Glück ist bereits ein Taxi da, und ich hoffe, den schrecklichen Abschied beschleunigen zu können.

„Was für ein toller Abend. Wir müssen uns unbedingt wieder sehen.“ Ich strecke ihm meine Hand hin, aber dann drückt er mich gegen das Taxi und küsst mich leidenschaftlich. Es ist gar kein schlechter Kuss.

Nun, vielleicht liegt es am Sake oder daran, wie er sein Becken gegen meines drückte, auf jeden Fall bin ich nicht gerade stolz auf das, was als Nächstes passiert.

„Nun?“ fragt Tabitha am nächsten Morgen am Telefon. Ich habe einen fürchterlichen Kater. Der frisch gepresste Sechs-Dollar-Orangensaft und der Toast machen meine Kopfschmerzen auch nicht besser.

„Nun, sagen wir so, es ist gut, dass mein Lieblingscafé bereits um neun Uhr geöffnet hat.“

„Oh, wie skandalös und billig! War es großartig? Wie groß?“

„Nein, schrecklich, obwohl, nicht, was das gegenseitige Wünsche Befriedigen angeht, aber schrecklich, wenn man bedenkt, wie verzweifelt ich bin, und was ich alles mitmache, nur um jemanden ins Bett zu bekommen.“

„Erzähl mir alles – oder, nein, überspring das Sushi und fang mit dem Sex an.“ Manchmal sind Tabithas Alliterationen genauso schlecht wie meine. Ich mache mir im Geiste eine Notiz.

„Nun, wir sind den ganzen Weg zu seiner Wohnung im Taxi gefahren. Der Name des Taxifahrers war Numbi, er war sehr taktvoll, hätte mich gerne mit ihm unterhalten, aber …“

„Eve, bitte.“

„Also wir kommen in seine Wohnung …“

„Wo?“

„Im Westvillage, ein ziemlich cooles Apartment. Die Mitbewohnerin, die er gerne ‚Schlampe‘ nennt, war geschäftlich unterwegs.“

„Wie praktisch. Gibt es zwei Schlafzimmer?“

„Ja. Das habe ich als Erstes überprüft.“

„Braves Mädchen. Und dann hat er dich ausgezogen?“

„Nein, dann musste ich pinkeln. Der ganze Sake. Du weißt schon. Das habe ich also gemacht.“

„Manche Details kannst du auch auslassen.“

„Gut, als ich also wieder zurückkomme, herrrscht gedämpftes Licht, und er hat seinen CD-Wechsler für ich glaube dreißig CDs angestellt, irgendwelche R’nB’-Make-Love-To-Your-Woman-Musik, und er liegt in Calvin-Klein-Unterwäsche auf der Couch, du weißt schon, diese kurzen Boxershorts, und sein bestes Stück versucht sich freizukämpfen.“

„Wow! Sein Körper?“

„Lass es mich so sagen. Er hätte sich vorher die Haare entfernen lassen sollen.“

„Nein!“ Sie kreischt praktisch ins Telefon. „Wie schlimm?“

„Haare auf der Schulter.“

„Gütige Mutter.“ Jetzt ist sie wirklich entsetzt. „Du machst Witze!“

„Diese Geschichte könnte ich gar nicht erfinden, und du solltest etwas weniger schreien, wenn du nicht willst, dass Big C richtig sauer wird.“

„Mist, du hast Recht. Sie hat mich gerade erst ganz böse angeschaut – gar nicht gut für ihre Krähenfüße. Ich rufe dich in zwei Minuten zurück. Ich muss das hier erst klären. Geh nicht weg. Ich will den Rest hören.“

Sie legt auf.

Aus zwei Minuten werden drei Stunden, und schließlich stehe ich doch auf, um auf die Toilette zu gehen. Ich treffe den Big Boss, meinen Boss, auf dem Rückweg zu meinem Schreibtisch. Herb Reynolds, der Mann, der die redaktionelle Verantwortung für unsere Zeitschrift trägt. Er hat diesen blasierten Blick wie alle Menschen, die nie wirklich für irgendetwas haben kämpfen müssen. Ein Mann, der an die Integrität seines Berufsstandes glaubt und tatsächlich der Meinung ist, dass seine Arbeit (die davon handelt, wie ein Mann ganz allein mit seinem Fahrrad um Freiheit ringt, von der Wichtigkeit körperlicher Bewegung für den amerikanischen Geist und so weiter) den amerikanischen Journalismus irgendwie weiter nach vorne bringt. Ich finde Herb ein kleines bisschen lächerlich und einschüchternd zugleich, aber auf jeden Fall ist es wichtig, sich gut mit ihm zu verstehen.

Wenn ich auch nur im Entferntesten mit dem Gedanken spiele, dass irgendwann meine neu überarbeitete Radfahr-Arzt-Story (das klingt nach einem B-Movie, oder nicht?) oder etwas anderes von mir gedruckt wird, dann muss ich seine Füße noch öfter küssen, als ich es sowieso schon tue. Eigentlich soll ich ja seine Assistentin sein, aber er hat ein Eckbüro am Ende des Ganges, unsere Telefone sind nicht einmal miteinander verbunden. Mein einziger echter Kontakt mit ihm findet dann statt, wenn ich für ihn Reisen organisiere oder er Belege von Mitarbeitern unterschreiben muss.

„Hallo, Eve“, sagt er mit seinem üblichen aufgeblasenen Lächeln. „Ich wollte gerade bei Ihnen vorbeikommen.“

„Wirklich?“ Hat ihm endlich jemand verraten, dass ich eine außerordentlich fähige Autorin bin, deren Talente in dieser unsäglichen Position geradezu verschwendet werden? Endlich stehe ich also doch kurz vor dem Durchbruch. Das beweist doch nur wieder, dass Sex einem ganz neue Perspektiven eröffnet.

„Ja, könnten Sie meinen Terminplan durchsehen und ein Treffen mit Lacey Matthews vereinbaren?“ Er reicht mir ihre Visitenkarte.

„Oh“, antworte ich. „Und worum geht es?“

„Sie ist freie Autorin. Wir wollen versuchen, Sie für uns zu gewinnen. Damit wir auch ein paar weibliche Leserinnen dazu gewinnen.“ (Er muss es ja wissen, die Zeitschrift heißt jedenfalls Bicycle Boy.)

„Gut“, sagte ich, während ich mit dem Gedanken spiele, die Karte zu zerreißen. „Ich rufe sie heute an.“

„Ja, sobald Sie etwas Zeit finden.“ Als ob mein Job nicht überwiegend aus viel Zeit bestünde.

Hier eine hypothetische Szene: Eine Person von zweifelhafter Autorität sagt: „Eve, könnten Sie nicht vielleicht die Büroklammern in der ganzen Firma zählen und dann in sieben gleichgroße Haufen aufteilen?“

Ich: „Großartig. Ich nehme das sofort in Angriff. Das wird Spaß machen.“

Manchmal, wenn ich den ganzen Tag besonders freundlich getan habe, renne ich auf die Toilette und starre in den Spiegel. Dann lächle ich abwechselnd mein unechtestes Begrüßungslächeln oder verziehe mein Gesicht zu der hässlichsten Grimasse, zu der ich in der Lage bin. Ich kann es mit jedem Grimassenschneider aufnehmen. Ich habe unzählige Ideen, wie ich mich ganz besonders entstellen kann. Wahrscheinlich finden Sie das etwas eigenartig, aber glauben Sie mir, ich kann danach besser damit umgehen, mich ganz unten in der kreativen Nahrungskette zu befinden.

Als ich an meinen Tisch zurückkomme, blinkt das rote Licht. Eine Nachricht von Tabitha. Sie ist sauer, dass ich nicht da war, und besteht darauf dass wir ins The Nook gehen, unsere Kantine, damit sie den Rest der Geschichte erfährt. Ich rufe zurück, und wir beschließen, uns in zwanzig Minuten zu treffen.

Natürlich kommt sie zu spät. Ich muss am vereinbarten Treffpunkt warten, ein paar Schritte vor dem The Nook, und die Avancen des lüsternen Security-Typen abwehren. Er mag Tabitha eigentlich mehr, aber heute reicht ihm auch mein weniger femininer Körper. Als er mich fragt, ob mein Mann (ich habe einen erfunden) auch weiß, wie man richtig mit einer Frau schläft, wird er auf seinem beeindruckenden Walkie-Talkie angerufen. Er blickt suchend um sich und versichert dann den Anrufenden, dass alles in Ordnung ist.

„Von Ihnen natürlich abgesehen“, sagt er und zeigt mir seine hässlichen Zähne.

„Ja, ich bin eine echte Gefahr.“ Ich studiere konzentriert meinen Mitarbeiter-Ausweis, in der Hoffnung, dass er aufhört, mit mir zu sprechen.

„Der große Boss kommt gleich.“

„Der große Boss?“ Versucht er wieder, obszön zu sein?

„Sie wissen schon.“ Er deutet Richtung Himmel. Wird das nächste Erscheinen des Messias hier im The Nook erwartet? Dann kapiere ich es endlich – das ist sogar noch besser! Tabitha wird verrückt vor Neid. Nach wenigen Sekunden biegt kein geringerer als der Prescott Nelson mit einem Assistenten und ein paar muskulösen Bodyguards um die Ecke. Er humpelt. Jeder weiß, dass er als junger Mann einmal drei Bergsteigern das Leben gerettet hat, die sich verirrt hatten. Davon abgesehen sieht er ganz rüstig aus für einen Mann über siebzig.

Dann passiert etwas Erstaunliches. Es ist so erstaunlich, dass es fast in Zeitlupe geschieht. Unsere Blicke treffen sich, und ich lächle und er lächelt zurück und läuft an mir vorbei und steigt in den Fahrstuhl für die oberen Stockwerke. Fast unmittelbar nachdem sich die Fahrstuhltüren schließen, steigt Tabitha aus dem anderen Lift. Ich versuche mich zusammenzureißen, um sie nicht zu sehr zu frustrieren, aber es gelingt mir nicht.

„Wow“, sagt Tabitha, „du glühst ja geradezu von deinem gestrigen Erlebnis.“

„Daran liegt es nicht“, antworte ich. „Es liegt an ihm.“

„An wem?“ Ich lege ihr die Hand auf die Schulter. Sie wird das nicht gerade leicht wegstecken, auf keinen Fall.

„An ihm.“ Ich deute nach oben.

„An ihm?“ Erst ist sie verwirrt, dann versteht sie. Ich weiß es, weil ihre Lippen zu zittern beginnen.

Tabitha steht die ganze Zeit, während wir unseren Tortellini-Salat essen, kurz vor einem Nervenzusammenbruch. Das Schlimmste daran ist, dass sie heute ihren Hermes-Schal trägt und der große Prescott es niemals erfahren wird. Sie stellt mir immer wieder die gleichen Fragen.

„Bist du sicher, dass er dich angelächelt hat?“

„Unsere Blicke haben sich getroffen. Wenn er dreißig Jahre jünger wäre, hätte man sagen können, es war geradezu magisch. Nein, streich das, es war so oder so magisch.“

„Du weißt, dass sie daran schuld ist, nicht wahr?“

„Wirklich?“ frage ich zurück, obwohl ich natürlich weiß, dass Big C die Wurzel allen Übels ist.

„Ja. Ich musste diesen ganzen Kram für ihr sogenanntes Powerlunch ausdrucken. Klar, dass das genau in dem Moment sein muss, wenn ich eigentlich eine Pause machen will. In Wahrheit handelt es sich wahrscheinlich um ein gestohlenes Nachmittags-Schäferstündchen im Marriot. Aber nein, sie verlangt sämtliche Unterlagen und hat dauernd Änderungswünsche und all so’n Mist! Will sie das alles lesen, während sie sich von wem auch immer befriedigen lässt?“

„Nun, das ist wahrscheinlich der Grund, warum sie es so weit gebracht hat.“

„Egal, auf jeden Fall freue ich mich für dich, Eve, obwohl du kein so großer Fan von ihm bist wie ich. Es ist wirklich nicht leicht, so selbstlos zu sein.“

„Tabitha, du hältst dich großartig.“

„Danke.“ Sie schweigt eine Zeit lang. Ich frage mich, ob sie es jemals verwinden wird. Ich will nämlich den Rest meiner Geschichte loswerden, es kommt so selten vor, dass ich ihr etwas Aufregendes zu erzählen habe. Aber das und diese Prescott-Sache sind fast zu viel für sie.

„Dann lass uns jetzt also über diesen Primaten sprechen …“ Endlich, das ist die Tabitha, die wir lieben.

„Genau“, sagte ich und beuge mich zu ihr, schließlich handelt es sich hier nicht um ein normales Kantinen-Gesprächsthema. „Wo war ich stehengeblieben?“

„Er hat die Sex-Musik aufgelegt, er ist halbnackt und behaart.“ Sie kann wirklich zuhören.

Dramatisch nehme ich einen Schluck von meinem Eistee. „Stimmt. Also, ich schwanke sozusagen ins Zimmer, denn, lass uns ehrlich sein, ich habe viel zu viel Sake getrunken und ich weiß es. ‚Hi‘, sage ich, weil ich ein wenig überrascht bin. Ich meine, wie oft kommt es schließlich vor, dass du in ein Zimmer kommst und dort einen halbnackten behaarten Typen vorfindest.“

„Nicht sehr oft“, muss Tabitha zugeben. „Ist es denn dunkel?“

„Nun, er hat die Lampen gedimmt, also stehe ich da, wie ein Idiot, der Raum dreht sich ein wenig, weißt du Tab, und ich bin irgendwie in der richtigen Stimmung, von all dem Haar mal abgesehen ist sein Körper nämlich ganz gut, und er weiß, wie man Sushi bestellt.“

Sie nickt und fühlt sich diesmal nicht von „Tab“ beleidigt, dazu ist sie viel zu gespannt.

„,Möchtest du dich nicht setzen?’, fragt er. Er hat jetzt diese Barry-White-Stimme, vielleicht liegt’s auch am R’ n B’, also gehe ich rüber zur Couch und setze mich auf den freien Platz zu seinen Füßen. Er legt einen Fuß in meinen Schoß und, nun, beginnt, mich damit zu berühren.“ Tabitha sieht ein wenig verwirrt aus. „Das war sogar irgendwie ganz schön. Also schließe ich meine Augen und hoffe, dass das Drehen in meinem Kopf aufhört, und plötzlich liegen wir zusammen auf dem Boden. Hartholz.“

„Hübsch, aber unbequem.“

„Ganz genau. Er zieht eine Decke von der Couch und legt sie unter mich.“

„Sehr rücksichtsvoll.“

„Also küssen wir uns, und er küsst gar nicht schlecht. Obwohl, ich glaube, er hat mich zum Rhythmus der Musik geküsst, aber vielleicht habe ich mir das alles wegen dem Sake auch nur eingebildet …“

„Auch, dass er behaart ist?“

„Nein, das war sehr … real. Und dann plötzlich hat er mir meine Kleider ausgezogen …“

„Natürlich hast du dir anständigerweise vorher unschöne Haare entfernen lassen.“

„Klar. Und dann kommen die Kondome …“

„Wo kommen die her?“

„Nun, leider sind sie in einem anderen Zimmer.“

„Zumindest war er nicht zu vorbereitet.“

„Stimmt, aber ich versuche nur, nicht einzuschlafen, während ich warte … ich bin ziemlich betrunken.“

„Kann ich mir vorstellen.“

„Genau. Also er kommt zurück, weißt du, und wir machen da weiter, wo wir …“

„Und wie ist das mit seinen vielen Haaren?“

„Es ist gar nicht so schlecht, wirklich, irgendwie kann man sich daran sogar ganz gut festhalten.“

„An Stelle eines Bettpfostens oder zum Beispiel eines Autositzes.“

„Eben. Na ja, so ungefähr zumindest. Und ich muss sagen, er kann großartig küssen, gut mit seinen Händen umgehen und ist nicht schüchtern, wenn es um das Wesentliche geht.“ Wir lächeln und nicken einander wissend zu.

„Und der Akt selbst?“

„Der ist nicht wirklich erinnerungswürdig.“

„Oje.“

„Ja, ich bin irgendwie überrascht, als er fertig ist.“

„Weil du nicht, ähm, befriedigt bist?“

„Ganz genau. Er sieht mich an und sagt: ‚Das war wunderschön‘“.

„Das hat er nicht gesagt!“

„Und ob. Du musst bedenken, dass er solches Zeugs schon den ganzen Abend über geredet hat.“

„Heilige Mutter Gottes.“

„Also wird mir klar, dass das bedeutet, er ist fertig, und ich kann nicht anders, ich sage: ‚Oh‘“.

„Einfach so?“ Sie kichert.

„Ja, und ich fühle mich irgendwie schlecht, denn selbst im Dunkeln kann ich sehen, dass er ganz enttäuscht ist, aber weißt du, wir sind schon so weit gekommen, und überhaupt, es wäre doch eine Schande, es nicht richtig zu machen.“

„Natürlich, schließlich hattest du ja gehofft, mir ihm gemeinsam auf die Reise zu gehen.“

„Eben. Also sage ich ihm, was er tun soll, und er tut es und stellt sich gar nicht dabei schlecht an. Es funktioniert, und wir schlafen auf dem Boden ein. Am nächsten Morgen muss er sich Gott sei Dank beeilen, damit er nicht zu spät kommt, wir rennen beide durch die Wohnung, weil ich meinen BH nicht finde. Aber es war in Ordnung.“

„Habt ihr euch zum Abschied geküsst?“

„Ähm.“ Darüber muss ich nachdenken. „Wahrscheinlich nur auf die Wange, es ging alles so schnell.“

„Und wie seid ihr auseinander gegangen?“

„Ruf mich an.“

„Willst du ihn anrufen?“

„Ich bin mir nicht sicher.“

Als ich länger darüber nachdenke, wird mir klar, dass ich ihn nicht anrufen will. Ich meine, ich kann jetzt mit einer Sackgassen-Beziehung nichts anfangen. Aber zumindest hatte ich mein Date. Es liegt zwar eine lange Dürreperiode hinter mir, aber ich glaube einfach nicht, dass ich es ertragen könnte, wie er die ganze Zeit Vorträge hält und mir beim Essen zuschaut. Jedes Mal, wenn das Telefon klingelt, brauche ich einen Moment, um meine Zeke-Rede vorzubereiten, aber er ist es nie.

„Eve Vitali.“ Eine Woche später nehme ich das Telefon ab. Dieses Mal ist es Roseanne, eine meiner besten Freundinnen vom College.

„Hey, Eve. Was geht ab?“

„Nicht viel. Bin einfach unterwegs. Versuche, den Anruf eines Typen zu umgehen.“ Das wird Roseanne gefallen. Sie ist bekannt dafür, flüchtige Begegnungen mit irgendwelchen komischen Typen zu haben. Ich erzähle ihr die Einzelheiten.

„Oh mein Gott.“ Sie lacht über die behaarten Schultern. „Aber zumindest hat er einen coolen Job. Ich habe ein paar Verkäufer kennen gelernt.“ Roseanne lebt in der Nähe von Hartford. Sie hat sich direkt nach der Schule Arbeit in einer Beratungsfirma gesucht. Dort ist sie jetzt seit einem Jahr. Sie hat ihr Studium innerhalb von vier Jahren abgeschlossen.

„Wie läuft’s bei der Arbeit, Ro?“

„Na ja, es ist irgendwie langweilig.“

„Was? Buchhaltung? Das kann ich nicht glauben.“

„Nein, ich habe über unser letztes Gespräch nachgedacht.“

„Oh“, sagte ich und versuche, mich zu erinnern. Aber ich weiß, Roseanne ist sogar noch verständnisvoller als ich, sie ist irischer Abstammung. Deshalb traue ich mich, zu fragen: „Was meinst du?“

„Du weißt schon, darüber, zusammenzuziehen. Erinnerst du dich?“

„Nun, ich möchte wirklich nicht nach Hartford ziehen.“

„Nein, Dummkopf …“, das ist in ihrem Fall ein klassisches Kosewort, „… ich ziehe nach New York.“

„Echt? Hast du einen Job?“

„Nein, aber ich arbeite im Finanzwesen. Ich werde einen Job bekommen. Davon abgesehen habe ich ein paar Ersparnisse.“

„Die Miete hier ist ziemlich teuer.“ Ich weiß nicht, warum ich nicht total begeistert bin. Vielleicht liegt es daran, dass ich mich an ein Versprechen halten soll, das ich wohl einmal in völlig betrunkenem Zustand gegeben habe und an das ich mich nicht einmal erinnere. Ich mag Ro, wirklich, das tue ich, aber sie kommt aus irgendeinem Nest in Connecticut, und davon abgesehen – Buchhaltung!

„Also, ich bin bereit. Und was ist mit dir, willst du nicht auch endlich ausziehen? Das willst du doch, oder?“ Da hat sie wiederum Recht, es ist höchste Zeit, bei Victor und Janet auszuziehen.

„Wann planst du denn, hierher zu kommen?“

„In zwei Wochen.“ Ich trinke von dem eisgekühlten Cappuccino. „Ich kann ja gleichzeitig Job und Wohnung suchen. Und dann können wir zum ersten November einziehen.“ Es ist bereits fast Oktober.

„Es könnte eine Weile dauern, bis wir etwas finden.“

„Komm schon, hast du mir in dieser Nacht nicht erzählt, dass es nur darum geht, bereit zu sein, von der Klippe zu springen, und zu beschließen, dass es nun losgehen soll?“ Habe ich das gesagt? „Nun, ich bin bereit. Ich will Kinopremieren sehen, mit den Promis auf Du und Du stehen und einen Haufen Geld verdienen.“

„Ro, ich finde, du solltest etwas realistischer sein.“

„Ja, ja, ich weiß. Das werde ich auch, aber wenn ich es jetzt nicht tue, dann vielleicht nie, und ich will es einfach. Für dich wäre es auch gut, es würde dir etwas Feuer unter dem Hintern machen.“ Unter dem Hintern. Wie kann Roseanne nach New York ziehen wollen, wenn sie nicht einmal das Wort „Arsch“ aussprechen kann?

„Also, okay.“

„Das heißt, ich könnte ein paar Wochen bei euch unterkommen?“

Damit ist im Grunde alles geklärt. Roseanne hat es beschlossen, sie kommt hierher, und ich werde ausziehen. Ich sollte das positiv sehen. Roseanne kann sehr lustig sein. Sie feiert gerne und heftig. Wenn auch ihr Geschmack, was Männer angeht, ein wenig, sagen wir naiv ist, so ist sie doch ein guter Kumpel.

Außerdem würde es einige Vorteile mit sich bringen, wenn ich ausziehe. Diese Hin- und Herfahrerei kostet mich eine Menge Kraft. Und wenn ich einmal in der Stadt wohne, wird alles anders werden. Momentan verbringe ich eine Stunde in der Bahn. Ich wohne in Oradell, malerisch, aber krankhaft provinziell. Meine Eltern haben ein Haus mit vier Zimmern, zweieinhalb Badezimmern und einer Garage für drei Autos. Mein Vater leitet einen Installationsbetrieb, und meine Mom arbeitet halbtags als Reisekauffrau.

Ich wünschte, ich könnte meine Eltern hassen, aber sie sind gar nicht so schlimm. Ich meine, sie scheinen mit ihrem vorstädtischen Leben absolut zufrieden zu sein. Obwohl meine Mutter unglaublich günstig Flüge überall hin auf der Welt bekommen würde, verbringen sie ihren Urlaub meistens in Florida. Ihre größte Sorge meine berufliche Zukunft betreffend ist, dass ich sozial nicht ausreichend abgesichert sein könnte. Ich wünschte, ich hätte eine schlimme Kindheit gehabt, manchmal habe ich das Gefühl, dass meine Kindheit zu durchschnittlich war, um jemals das Leben zu leben, das ich mir wünsche. Außerdem komme ich aus Jersey. Dieses Stigma ist unglaublich hart. Sobald ich in die Stadt gezogen bin, werde ich meine Herkunft verleugnen. Ich werde wurzellos sein. Wurzellos ist viel cooler.

„Wie war’s heute bei der Arbeit?“ Meine Mutter fragt mich das jedes Mal beim Abendessen, wenn sie Gemüse oder so etwas herumreicht. Meine Mutter besteht darauf, dass wir zusammen essen, und hält die Familie mit ihrer Plauderei zusammen.

„Es war okay.“ Wenn man nach dem College zu Hause wohnt, ist das auch nicht anders, als ob man noch zur Schule geht. Jeden Tag glauben die Eltern, dass jedes winzigste Detail deines Tages sie wieder in die glücklicheren Tage ihrer Jugend zurückkatapultieren kann. Was sie nicht kapieren, ist, dass die tatsächlichen Erlebnisse, die ich mit ihnen teilen könnte (Trinken, die Jungs und andere Ausschweifungen natürlich ausgenommen), genauso banal sind wie ihre. Das ist hart.

Nach dem Abendessen bleibe ich noch eine Weile im Wohnzimmer sitzen und sehe meinem Dad dabei zu, wie er die Fernsehprogramme durchzappt. Meine Mutter will, dass ich ihr mit ihrem Kreuzworträtsel helfe. Das sind die Momente, in denen ich ganz sicher bin, dass ich eine Wohnung in der Stadt brauche. Schließlich, als die Jay-Leno-Show beginnt, gehe ich ins Bett. Aber ich kann nicht einschlafen. Ich mache mir Sorgen darüber, dass ich mich mit Ro in eine Situation manövriert habe, aus der ich nicht mehr herauskomme. Ich glaube, ich habe Angst davor, Verantwortung zu übernehmen. Als ich im College war, brauchte ich ewig lange, bis ich mich für Journalismus als Hauptfach entschied, und die ganze Zeit über musste ich auch im Nebenfach Betriebswirtschaft studieren, damit meine Eltern beruhigt waren. Die meisten Vorlesungen habe ich geschwänzt, und meine Noten reichten gerade so, um weiterzukommen. Irgendwann war dann klar, dass ich niemals eine Börsenmaklerin werden würde.

Ein anderes Problem ist, dass Roseanne nun künftig über meine Art zu leben urteilen würde. Was, wenn es ihren Vorstellungen nicht entspricht? Würde es mich stören, wenn sie ein paar Leuten aus dem College von meinem wahren New Yorker Leben erzählt? Aber natürlich kann es ihr Buchhaltungsjob in keinster Weise mit meiner hochdotierten Arbeit im Verlagswesen aufnehmen.

Am schwierigsten wird es, Tabitha davon zu erzählen. Sie benimmt sich oft merkwürdig, wenn es darum geht, neue Leute kennen zu lernen. Außerdem weiß ich nicht mehr genau, was ich ihr über Roseanne erzählt habe. Ich tendiere manchmal dazu zu übertreiben, vor allem wenn ich glaube, dass die beteiligten Parteien sich niemals treffen werden. Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich das in Roseannes Fall getan habe. Wenn sie sich nun kennen lernen, wird dann der Eindruck, den sie von einander haben, auf irgendeine Weise das Bild verändern, das sie von mir haben? Aber ich greife schon mal wieder viel zu weit vor. Wahrscheinlich habe ich Roseanne nur mal so nebenbei erwähnt.

„Meinst du etwa die, die einem Typen auf der Toilette einer Kneipe einen Blow-Job gegeben hat?“ Ich finde, sie spricht etwas zu laut, selbst wenn um uns herum Musik plärrt. Ich habe eine Woche gewartet, bis ich es ihr erzählt habe. Wir befinden uns gerade auf der Party einer Schriftstellerin, die ihr erstes Buch veröffentlich hat. Eine alte Freundin von Big C. Ich habe Tabitha die Neuigkeit erst erzählt, nachdem wir schon ganz nett einen im Tee hatten. Ein widerlich aussehender Typ grinst Tab an, als er hört, wie sie diese Art des Oralsex erwähnt. Sie starrt ihn an. „Was? Hast du davon vielleicht noch nie was gehört? Was soll’s, wird diese Rhoda also wirklich hierher kommen?“

„Roseanne. Ich wusste gar nicht, dass ich dir die Geschichte erzählt habe. Sie wird dir bestimmt gefallen. Sie ist ziemlich witzig.“

Tabitha scheint nicht überzeugt zu sein, sie nimmt sich etwas von der Trüffelpaste.

„Kommt Big C auch?“

„Wahrscheinlich mal schnell für zehn Minuten. Sie geht lieber zum Yogaunterricht oder zum Augenbrauenzupfen. Sie hat die Augen verdreht, als sie die Einladung bekommen hat. Dieses Essen schmeckt scheußlich.“

„Sie hat sich immer nach dem unkonventionellen Lebensstil eines Schriftstellers gesehnt.“

„Na ja, ich glaube, sie findet einfach das Wort Schriftsteller toll. Sie ist doch eher der akademische Typ.“ Sie schaut hinüber zu der Autorin, die schon ein wenig betrunken zu sein scheint. Sie ist von einigen Leuten umringt, die so tun als seien sie fasziniert, als sie ihre Pläne für eine Lesereise beschreibt. „Mit ihren hängenden Brüsten hätte sie mal besser einen BH angezogen. Das wird Big C in ihrer Ansicht, dass die Veranstaltung nicht wichtig ist, bestätigen.“

„Na, da bin ich aber froh. Lass uns noch was trinken.“ Der Barkeeper, Luis, ist ein wirklich süßer Spanier, und er mixt mir einen Wodka Tonic. Er mag Tabitha, deswegen ist der Drink ziemlich stark.

„Also“, sagt Tabitha und betrachtet unseren neuen Barkeeper-Freund, während sie spricht, „was macht Ronda so? Buchhaltung, stimmt’s? Faszinierend.“ Genau in diesem Moment grinst dieser widerliche Typ mir zu. Ich finde, dass er etwas zu nah bei mir steht. Mir bleibt keine Zeit mehr, Tabitha aufzuhalten, sie legt sofort los. Sie fixiert den armen Kerl.

„Entschuldige. Glaubst du wirklich, sie würde sich jemals mit dir unterhalten?“

Ich schaue den Typ mitleidig an, er kann es mit ihr wirklich nicht aufnehmen.

„Okay, dann ist ja gut.“

Er duckt sich etwas und flucht leise. Luis ist von Tabitha beeindruckt, obwohl er nicht ganz verstehen kann, warum sie so unfreundlich ist. Sie lächelt ihn an. Sie beginnen, sich zu unterhalten, oder besser, sich über die Musik hinweg anzubrüllen. Am witzigsten finde ich das gebrochene Englisch und ihre Zeichensprache. Sie schaut mich an und formt mit ihren Lippen das Wort „fabelhaft“. Sobald er einem anderen einen Drink mixen muss, bombardiert sie mich mit Fragen darüber, wo „Rowena“ und ich künftig wohnen wollen.

„Weiß ich noch nicht genau.“

„Vielleicht auf der Wall Street.“ Sie lässt Luis nicht aus den Augen.

„Tabitha, hör auf so zickig zu sein. Spiel lieber Conquistador mit deinem neuen Freund.“

„Er muss doch bedienen.“

„Nun, daran sollte er sich besser schon mal gewöhnen.“

Sie starrt mich an. „Das ist also dein Dank?“

„Wofür? Dafür, dass du mich vor diesem gefährlichen Schweinehund gerettet hast? Das hat dir doch selbst am meisten Spaß gemacht. Komm schon, wenn du wieder lieb bist, dann werde ich für dich eine Runde drehen und Big C entschuldigen.“

„Stimmt, ich glaube, sie kommt wirklich nicht. Jetzt ist es halb drei. Und sie hat um acht Uhr eine Verabredung zum Frühstück. Sie ist nicht mehr so fit, wie sie einmal war. Wahrscheinlich ist es deshalb auch besser, wenn sie gar nicht mehr hier auftaucht. Sie schafft es wirklich, ein tolles Bild von sich zu erschaffen.“ Ganz tief drinnen bewundert Tabitha Big C.

„Aber sie ist keine so gute Freundin wie du.“

„Ach, so viel Schmeichelei? Ich schätze, du willst dir auf Kosten des Hauses ein Taxi rufen?“

„Eigentlich wollte ich ja noch mit dir hier bleiben. Aber ich habe vergessen, dass Donnerstag die Nacht der Matadoren ist.“

„Großartig. Lass uns noch irgendein verrücktes spanisches Getränk bestellen, und dann kannst du gerne mal anfangen, Big Cs Abwesenheit zu erklären. Ich fürchte, das heißt, für uns beide gibt’s heute Nacht keine Crispy-Creme-Doghnuts mehr.“

„Ich bin sicher, du wirst dafür etwas anderes Süßes finden.“ Wir deuten auf Luis, der zwei neue Drinks vor uns hinstellt. Wir stoßen an, dann trinke ich die Köstlichkeit aus.

„Tabitha“, sage ich und schwanke ein wenig. „Wir werden unser Leben lang zusammen tanzen gehen.“

„Wir gehend doch schon jetzt fast nie tanzen.“

„Du weißt schon, wie in diesem Film über die Leute in Seattle, als sie den Typ aus Spanien trifft und glaubt, dass sie ihn heiraten wird.“

„Was auch immer.“ Sie betrachtet die restlichen Gäste. Die Männer, die so tun, als ob sie getrunken hätten, damit sie hemmungslos Frauen anmachen können, und die neuen Liebespärchen, die sich für diese Nacht gefunden haben. Dann stöhnt sie: „Oh, was für ein Blutbad!“

„Möchtest du mit uns leben?“ Vielleicht ist das nicht die beste Art, so eine Frage zu stellen. Tab würde niemals zugeben, dass sie mit uns zusammenwohnen möchte.

„Nein.“

„Aber dann freu dich wenigstens. Eine neue Wohnung, in der wir uns treffen können.“

„Ich fürchte, das muss ich dann wohl.“ Sie gibt mir den begehrten Gutschein fürs Taxi.

„Es stimmt, was man sagt.“

„Nämlich?“

„Du bist eine Königin unter den Frauen.“ Ich küsse sie auf die Wange.

„Hau ab!“ Sie scheucht mich mit einer Handbewegung davon. „Hier ist nicht mehr viel los, und ich muss mich noch etwas anstrengen, nicht dass unser kleiner Latinlover am Ende andere Pläne macht. Und blamiere mich nicht vor Elizabeth.“

„Okay, so heißt sie also.“

„Sie schreibt alle Worte klein, falls du verstehst, was ich meine.“

„Verstehe ich nicht. Viel Spaß.“ Ich winke Luis zu. Er kommt zu mir, küsst mich und sagt irgendwas auf Spanisch. Ich rufe ein Taxi, das in fünfzehn Minuten da sein soll. Genug Zeit, um noch eben aufs Klo zu gehen und Big C zu entschuldigen. Ich habe Glück, die Schriftstellerin elizabeth (klein geschrieben) steht in der Schlange vor der Toilette. Zwei Fliegen mit einer Klappe.

„Sie sollten wirklich nicht anstehen müssen, schließlich sind Sie doch hier der Ehrengast.“ (Ich weiß, das klingt sehr schleimig, aber ich kann wirklich nicht glauben, dass ich jemals auf meiner eigenen Party vor einer Toilette anstehen müsste.) Sie lacht.

„Vielleicht pinkle ich einfach auf den Boden.“

„Brauchen Sie ein Glas oder so was? Übrigens kenne ich einen Tanz, der in solchen Situationen hilft.“

„Ich versuche, es noch auszuhalten. Sind Sie auch Künstlerin?“

„Ja“, sage ich. „Ich schreibe. Sehr häufig für Diana Milanas Magazin.“ Das Tolle ist immer, dass sich am nächsten Tag niemand mehr an die konkreten Einzelheiten erinnert. „Ich weiß, dass Sie beide alte Freunde sind. Sie wollte heute auch unbedingt kommen, aber bei uns ist so viel los.“

„Oh, Diana, sie ist großartig, nicht?“

„Oh, ja, großartig.“ Schon wieder dieses komische Wort.

„Es macht bestimmt viel Spaß, für sie zu arbeiten.“

„Sie ist ziemlich streng.“ Ich will, dass es zweideutig klingt. (Ich bin mir aber nicht sicher, ob das nach so viel leckerem Wodka noch wirklich funktioniert.) „Wie war sie denn als Schülerin?“

„Wir sind nicht zusammen zur Schule gegangen. Wir kennen uns durch ihren Ex-Ehemann. Aber das ist eine lange Geschichte. Diana hat keine besondere Schulbildung. Sie hat sich einfach nach oben gearbeitet. Hat als Assistentin ganz unten angefangen. In irgendeinem lumpigen Magazin. Wer weiß schon, was sie angestellt hat, um so weit nach oben zu kommen.“ So viel zum Thema Zweideutigkeit.

Die Toilettentür öffnet sich, und drei Leute kommen heraus. Ich schaue elizabeth an und zucke mit den Schultern. Mit einer Handbewegung fordere ich sie auf hineinzugehen. Sie legt eine Hand auf meinen Arm und kommt mir ein wenig zu nahe.

„Wir könnten da zusammen reingehen, wenn du willst.“ So betrunken elizabeth auch sein mag, ich sehe, dass ihre Augen lüstern funkeln.

„Huch“, sagte ich. (Das ist ein Wort, das ich für Frauen und Männer reserviere, die Tennissocken tragen). „Ich bin wirklich schrecklich geschmeichelt, aber irgendwie bin ich aus diesem Alter heraus. Danke für die Einladung.“ Lesbische Experimente sind ja so out.

„Dann wünsche ich dir noch einen großartigen Abend.“ Sie lächelt mich an. „Und vergiss nicht, mein Buch mitzunehmen.“

Auf der Heimfahrt plaudere ich eine Weile mit Dwight. Er ist ein netter alter Mann, der sicher niemals Probleme wegen Geschwindigkeitsübertretung bekommen wird. Ich mag solche Fahrer. Dwight weiß einfach, um was es geht. „Das Beste daran ist, dass es am Ende des Tages oder der Nacht vorbei ist“, sagt er. „Ich kann dann völlig abschalten. Ich habe mein eigenes Leben.“ Hochinteressant.

Was mir an Dwight noch gefällt, ist sein offensichtlicher Respekt für diese Stadt. Sie wissen schon, es gibt diese Fahrer, die sich genau richtig verhalten, wenn sie kurz davor sind, in den Lincoln Tunnel zu fahren. Da gibt es diesen winzigen Moment, wo man gerade noch die Stadt sehen kann. Zu dieser späten Stunde sieht sie wirklich wunderschön aus. Dwight redet nicht unaufhörlich über diesen Blick. Er sieht durch den Rückspiegel, wie ich die Stadt anstarre, und scheint es genauso zu genießen wie ich.

„Ich weiß, wie du dich fühlst, Kindchen, ich bin auch jedes Mal ganz gerührt. Darin steckt so viel Leben.“ Gut gesagt, Mr. Dwight. (Moment mal! Ich werde doch nicht rührselig werden, obwohl ich nicht einmal sonderlich betrunken bin. Wer nämlich nachts um halb vier mit dem richtigen Maß an Alkohol diesen Blick sieht, wird auf jeden Fall ein paar Tränen vergießen. Dwight kennt alle Abkürzungen, um zu meinem Haus zu kommen. Ich sage ihm auf Wiedersehen und klettere die Stufen hoch, wobei ich versuche, nicht zu viel Lärm zu machen.

Kurz bevor ich wegdämmere denke ich noch darüber nach, wie viel man über andere weiß, was man eigentlich gar nicht wissen sollte. Tabitha kennt die Geschichte von Roseanne und dem Typen auf der Toilette, und ich weiß, dass Big C keine anständige Ausbildung hat. Ich frage mich, was die Leute wohl alles von mir wissen. Aber wahrscheinlich habe ich ja gar nicht genug Geheimnisse. Vielleicht sollte ich mir welche zulegen.

Außerdem finde ich es ziemlich tröstlich, dass Big C auch als Assistentin begonnen hat und jetzt tolle Kleider trägt und es sich erlauben kann, die coolsten Partys nicht zu besuchen, weil sie keine Lust hat. Ich darf nicht vergessen, Tabitha davon zu erzählen. Sie wird es lieben.

Schon wieder ein Kater. Die entsetzlich lange Fahrt in die Stadt hat meinen pochenden Kopfschmerzen auch nicht gerade geholfen. Ich werde eine halbe Stunde zu spät zur Arbeit kommen, aber natürlich immer noch früher als alle anderen. Beharrlichkeit ist der einzige Weg nach ganz oben. Natürlich wäre es viel einfacher, rechtzeitig zur Arbeit zu gehen und den sprichwörtlich frühen fetten Wurm zu ergattern, wenn ich nur um die Ecke wohnen würde. Das motiviert mich nun doch, mich nach einem Apartment umzusehen.

Zuerst einmal schicke ich jedem, der für das Magazin arbeitet, eine E-Mail. Das widerspricht natürlich allen Regeln, die für unser internes E-Mail-System gelten, aber wenn die Leute Pornobilder, die besten zehn Gründe, warum man montags nicht arbeiten sollte, und diese ganzen verdammten Kettenbriefe verschicken können, dann darf ich das System doch ausnahmsweise auch einmal privat nutzen.

Hallo an alle,

ich werde leider sehr bald das elterliche Nest verlassen müssen und ziehe es vor, nicht obdachlos zu werden. Wenn jemand von euch eines dieser heiß begehrten freistehenden New Yorker Apartments kennt, dann lasst es mich bitte wissen und rettet so eine arme Seele davor, auf der Straße leben zu müssen. Danke!

Eve

Als Antwort bekomme ich ein paar Warnungen über die Gefahren der Wohnungssuche, und manche geben mir den Namen ihres Maklers. Adam aus der Marketingabteilung schickt mir ein eher biblisches Schreiben:

Eve,

bleib doch einfach mit mir für immer in unserem Garten. Ich verspreche dir auch, mir ein paar Kleider überzuziehen.

Adam

Nachdem in den Zeitungen keine wirklichen Neuigkeiten stehen (ich weiß, ich arbeite für eine Zeitschrift und sollte mich schämen! Aber egal.), suche ich im Internet nach Wohnungsangeboten. Selbst ein Einzimmer-Apartment kostet mindestens fünfzehnhundert Dollar plus Maklerkosten, die sich auf fünfzehn Prozent belaufen. Ich habe den bekloppten Fitness-Freaks in der Firma lange genug meine Schulter zum Ausheulen geliehen, um eine Menge über die Wohnungssuche zu wissen. Zuerst einmal muss ich mir eine Gegend aussuchen und daran auch festhalten. Zweitens ist es immer besser, einen Mitbewohner zu haben, um die Kosten zu teilen. Und schließlich sind Wohnungen in den weniger zentralen Bezirken billiger. Aber auch wenn mir nur sehr beschränkte Mittel zur Verfügung stehen und ich vermutlich für denselben Preis in Brooklyn oder Jersey City einen Palast bekommen würde und hier nur ein etwas größeren Wandschrank, weigere ich mich, weiterhin ein Leben als Brücken- oder Tunnelmensch zu leben.

Entweder Manhattan oder gar nichts.

Ich finde eine Anzeige über ein großes Apartment direkt am University Place im Village. Es heißt, es wäre perfekt für Studenten. Nun, wir waren schließlich einmal Studenten. Und dieses ganze Studentengerede deutet doch an, dass es günstig sein muss. Aber nein, die Wohnung kostet tausendfünfhundert Dollar. Ein kleines Schlafzimmer und ein großes Wohnzimmer. Morgen ist der offizielle Besichtigungstermin. Das Beste aber ist, dass keine Maklergebühren verlangt werden. Sofort rufe ich dort an. Es ist ja nie falsch, sich zu beeilen. Es klingelt etwa acht Mal, bevor eine Frau rangeht.

„Hallo. Mein Name ist Eve Vitali, ich bin Studentin an der University of New York und rufe wegen der Wohnung am University Place an. Ich würde mir die Wohnung gerne etwas früher ansehen, weil ich um die Zeit Vorlesung habe.“ Ganz schön clever, was?

„Tut mir Leid, Honey, aber das Apartment ist bereits weg.“

„Aber der Besichtigungstermin ist doch erst morgen.“

„Es ist erstaunlich. Irgendjemand hat von der Wohnung gehört und ist mit drei Monatsmieten in bar vorbeigekommen und hat sogar noch weitere sechs Monatsmieten angeboten.“

„Wow, also werden Sie denen auf jeden Fall die Wohnung geben?“

„Aber selbstverständlich, das würden Sie doch auch.“ Nein, ich würde mir die Wohnung geben, weil ich es wirklich verdiene, ohne große Anstrengung eine Wohnung zu finden.

„Vermutlich. Sind in dem Haus vielleicht noch andere Wohnungen zu vermieten?“

„Nun“, sagt die Dame, die ganz offenbar der Meinung ist, Besseres zu tun zu haben, als mit mir zu telefonieren, „da müssten Sie schon die Hausverwaltung anrufen.“

Sie nennt mir den Namen. Als ich dort anrufe, erklärt man mir, dass ich dreißig Dollar für mich und jeweils dreißig Dollar für jede weitere Person, mit der ich zusammenleben will, bezahlen soll, damit sie mich auf eine Liste setzen. Zudem muss ich in ihr Büro in der entferntesten Lower East Side kommen und ein Formular ausfüllen. Wenn dann alles in Ordnung ist, würde man mich auf eine Warteliste setzen und vielleicht, nur vielleicht, wäre ich dann in der Lage, mir eine ihrer Wohnungen zu leisten. Ich sage der Frau, dass ich es mir überlege.

Die nächste Wohnung, bei der ich anrufe, klingt zu gut, um wahr zu sein. Ich weiß gar nicht, warum ich nicht gleich dort angerufen habe. Zwei Schlafzimmer auf der Avenue A für vierzehnhundertfünfzig Dollar, ebenfalls keine Maklergebühr. Es stellt sich heraus, dass es sich um eine der Agenturen handelt, wo man zweihundert Dollar bezahlen muss, um jeden Tag eine Liste mit Angeboten gefaxt zu bekommen, bis man eine Wohnung gefunden hat. Was für eine Enttäuschung.

Da wir bei Prescott Nelson so wichtig sind, haben wir einen speziellen Deal mit einem Wohnungsmakler. Eigentlich spart man da nicht wirklich viel, man muss statt der üblichen fünfzehn nur zehn Prozent Gebühren zahlen. Ich rufe dort an, und die wunderbare Maklerin namens Judy lacht kein bisschen, als ich ihr sage, was wir ausgeben wollen. Sie glaubt sogar, dass sie mir helfen kann. Innerhalb von, sagen wir mal achtzehn Monaten. Vielleicht. Ich bin am Boden zerstört.

„Nun, Eve, das ist New York“, informiert mich Tabitha. Ich stehe vor einer Umkleidekabine von Lord and Taylor. Sie war bis jetzt nicht im Geringsten hilfreich. Sie wirkt insgesamt ziemlich genervt. Wie es scheint, haben sie und Luis Probleme mit der Kommunikation. Sie hofft, dass die aufregende Unterwäsche, die sie kauft, dabei helfen wird, dass sie sich besser verstehen.

„Sag bloß, das ist also New York! Aber trotzdem muss ich doch irgendwie eine Wohnung finden können.“

„Jetzt werd mal nicht zickig, Eve.“ Man muss sich mal vorstellen, dass sie das zu mir sagt. „Die Leute würden für eine Wohnung einen Mord begehen. Und zwar buchstäblich. Vielleicht solltest du die Todesanzeigen lesen. Wie deprimierend.“

„Vielleicht sollte ich doch nachgeben und mir einen Makler nehmen.“

„Okay, dann findest du also eine Wohnung, die du dir nicht leisten kannst und zahlst noch fünfzehn Prozent Maklergebühr.“ Sie hält einen winzigen schwarzen BH hoch. „Diesen Mist machen sie für Supermodels. Könntest du mir den in meiner Größe suchen?“

Tabitha geht mir mit ihrem Benehmen echt auf die Nerven. Sie will, dass ich mit meiner Wohnungssuche keinen Erfolg habe, und trotzdem renne ich rum, um ihr einen Schlampen-BH in ihrer Größe zu suchen. Bin ich nicht immerzu ihr seelischer Mülleimer? Das ist ein undankbarer Job. Ich beginne, nach Tabithas Größe zu suchen. Eine Verkäuferin eilt herbei, um mir zu helfen.

Nach einer Ewigkeit kommt sich mit dem BH in Rot zurück. Tabitha wollte schwarz, aber trotzdem bringe ich das Teil zur Umkleidekabine. Tabitha steht bereits an der Kasse, wo eine Verkäuferin einen ganzen Berg aus Spitze und Schnüren in eine Tasche packt. Ich sehe, dass das Ganze einhundertzwanzig Dollar kostet.

„Hey!“ Ich halte ihr den roten BH unter die Nase. „Den hatten sie nur noch in Rot. Was hast du gekauft?“

„Rot ist viel zu billig, obwohl es diesen Matador-Stier-Effekt haben könnte. Nein, ich habe keine Lust mehr, ihm alles auf dem Silbertablett zu präsentieren!“ Sie schmeißt den BH auf einen Wühltisch und packt ihre Tüte mit dem nicht identifizierten Inhalt.

„Also, was ist da drin?“

„Nur ein paar Unterhosen.“

„Müssen eine Menge Unterhosen sein.“

„Du weißt doch, dass ich es hasse, Wäsche zu waschen. Wir sollten jetzt lieber gehen. Hast du Lust auf eine Agenturparty, bei der Luis heute bedienen muss? Ich weiß, das klingt langweilig, aber ich würde lieber mit jemandem dahin gehen als alleine.“

Wir laufen die Straße entlang, ignorieren die Blicke und Pfiffe der Bauarbeiter, die derzeit den kompletten Times Square eingenommen haben. Tabitha bleibt kurz stehen, um einen Arbeiter anzupflaumen, als er so etwas sagt wie, sie solle doch mal zeigen, was in der Tüte wäre.

„Ich muss damit aufhören, unter der Woche zu trinken. Und außerdem arbeite ich noch immer an der Operation ‚Elternhaus verlassen‘.“

„Ich hoffe, Victor bekommt keinen Herzinfarkt.“

„Tabitha, über den Gesundheitszustand meines Vaters sollte man keine Witze machen. Davon abgesehen, dass Janet eher dazu tendiert, alles zu überdramatisieren.“ Tabitha bildet sich ein, meine Eltern genau zu kennen, dabei weigert sie sich standhaft, eine Einladung anzunehmen, um zu sehen, wie wir leben.

„Hast du dir schon eine Taktik überlegt?“

„Ich werde einfach an ihre Vernunft appellieren.“

„Sie werden damit nicht zurecht kommen.“

„Ich weiß, aber ich werde es zumindest versuchen. Viel Spaß auf der Party.“

„Schade, dass wir nicht die Plätze tauschen können.“

„Genau, wie in diesen ganzen Filmen aus den Achtziger Jahren.“

Tabitha nickt desinteressiert und gibt mir ein Küsschen auf die Wange.

„Ja, Eve, genau so.“

Als wir das Bürogebäude erreichen, steigen wir in verschiedene Fahrstühle.

Ich habe bis kurz vor Roseannes Ankunft damit gewartet, meinen Eltern von ihrem Besuch zu erzählen. Ich weiß, Sie denken jetzt bestimmt, dass das unfair ist, aber glauben Sie mir, meine Eltern funktionieren am besten, wenn man sie unter Druck setzt. Selbst ihre Hochzeit war ein Schnellschuss.

Ich warte noch bis nach dem Abendessen. Das einzig Auffällige an diesem Essen ist, dass meine Mutter immer wieder sagt, wie schön es wäre, dass ich zum Essen zu Hause sei, weil ich ja eigentlich fast nie zu Hause wäre, und ähnliche typisch mütterliche Schuldzuweisungen. Sie haben es gerade erst verkraftet, dass meine Schwester Monica eine ewige Studentin zu werden droht, und nun auch noch das. Ich ringe mit mir selbst, ob ich über die ehrgeizigen Versuche meiner Mutter, nach Cajun-Art zu kochen, ein paar gerührte Tränen vergießen soll. Vielleicht erarbeite ich mir so ja einen Vorteil, und sie werden schneller über das hinwegkommen, was ich ihnen gleich mitteilen will.

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