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Mädchen auf WhatsApp

BASTEI ENTERTAINMENT

Die
Protagonistinnen

Manou

Marie-Lin

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Manou Elisabeth
von Berghain (14)

Wie ich so bin? Schwierig! Was soll ich sagen: Ich bin eigentlich ziemlich normal. So glücklich normal. Ich habe einen Adelstitel, aber ich scheiß drauf. Stolz bin ich eher auf mein kleines Tattoo, das ich mir heimlich auf dem Kiez hab stechen lassen – ein kleiner Schmetterling auf meiner rechten Pobacke. Es ist mein Geheimnis – meine Eltern würden durchdrehen, wenn sie es wüssten. Papi hat vor Jahren mal gesagt: Wer sich tätowieren oder piercen lässt, wird enterbt. Deshalb ist es ja besonders witzig. In den Sommerferien in St. Tropez muss ich immer aufpassen, dass meine Bikinihose nicht verrutscht.

Meine Mutter arbeitet dreimal in der Woche bei einem Goldschmied. Einer dieser angesagten Läden in unserer Stadt. Ihr Chef hat sogar schon Schmuck für Madonna und Pavarotti gemacht.

Mein Papi ist Unternehmensberater – er fliegt dauernd umher, um irgendwelche Firmenbosse zu treffen. Sein Büro ist in der Hafencity – doller Blick über die Elbe. Seine Sekretärin ist aus Ghana. Papi ist eben, wie Papis so sind – in der Woche meistens nicht da, und am Wochenende will er seine Ruhe oder mit seinem Boot über die Elbe fahren. Kino & Sport sind nicht so sein Ding.

Wir wohnen in Harvestehude – einer dieser super Stadtteile von Hamburg, in denen besonders viele nutzlose Range Rover herumstehen. Aber ich mag es hier. Wir – also meine Eltern, mein Bruder und ich  – haben ein ganzes Haus mit drei Etagen für uns alleine. Es ist eins dieser weißen Häuser, die in kleinen, geharkten Gärten mit runden Buchsbaumkugeln stehen.

Einmal in der Woche kommt Luisa und macht alles sauber bei uns. An diesen Morgen schreit Mami immer: »Zimmer aufräumen! Dafür ist nicht Luisa zuständig.« Mein unaufgeräumtes Zimmer, meine Mutter und ich, das ist keine gute Kombination – aus meiner Sicht jedenfalls! Aber am Ende macht es dann doch immer Luisa.

Marie-Lin ist für mich so etwas wie mein eigener Atem – und ohne Atem kann man ja bekanntlich nicht leben. Marie-Lin ist meine beste Freundin seit dem Kindergarten.

Ansonsten: Ich schlaf unheimlich gerne. Man könnte sagen: Ausschlafen ist so eine Art Hobby von mir. Ich spiele ziemlich gut Hockey. Und ich liebe Nagellack in den wildesten Farben.

Und noch etwas: Ich hätte gerne so eine richtig coole Beziehung. Ich bin in Jens verliebt, aber es klappt nicht. Wir kennen uns vielleicht schon zu lange – also, es ist seit Längerem immer so ein Hin und Her. Wenn er will, will ich nicht. Und wenn ich will, will er nicht. Mühsam. Echt! Es ist wie mit Pickeln, die kommen auch immer, wenn man sie nun wirklich gar nicht braucht. Ich stehe irgendwie auf kernige Jungs. Völlig bescheuert, aber ich mag zum Beispiel, wenn sie eine Bierflasche mit dem Feuerzeug aufmachen können. Jens kann das.

Marie-Lin
Steinkraus (15)

Wie ich mich finde? Ich find mich eigentlich ein bisschen zu dünn. Ich wäre auch gerne ein bisschen größer, aber es ist okay. Dafür habe ich tierisch gute Haare, so richtig dicke, volle, schwarze. Ich glaube, ich bin schüchtern, jedenfalls wenn viele Menschen zusammen rumstehen. Ich würde niemals auf die Idee kommen, Klassensprecherin werden zu wollen.

Meine Mutter ist in den USA geboren, aber ihre Familie stammt aus Hongkong. Sie hat an der Harvard Law School studiert, bis sie meinen Vater in einer New Yorker Kanzlei kennengelernt hat. Sie ist mit ihm nach Deutschland gegangen, hat ihn hier geheiratet. Papi stammt aus Bayern und ist eigentlich auch Jurist, arbeitet aber inzwischen für eine große Immobilienfirma am Hafen.

Ich weiß nicht, ob meine Eltern noch verliebt sind. Ich weiß überhaupt nicht, wie es ist, wenn man alt und verliebt ist – geht das dann überhaupt noch? Jedenfalls möchte ich, wenn ich alt bin, anders verliebt sein als meine Eltern.

Mein Vater ist viel auf Dienstreisen, er entwickelt irgendwelche Immobilienprojekte. Meine Mutter arbeitet bei der chinesischen Botschaft. Ich glaube, sie ist immer noch sauer auf sich, weil sie – als ich klein war – nicht chinesisch mit mir gesprochen hat. Inzwischen lernen Hamburger Kinder Chinesisch, und ich – mit einer chinesischen Mutter – kann‘s nicht. Mir ist es ziemlich egal, ich werde eh nie in China leben. Ich war einmal in Hongkong – über sieben Millionen Menschen auf 1000 Quadratkilometern, ich fand es schrecklich – zu viele auf einem Haufen!

Was Mami bei Chinesisch verpasst hat, will sie beim Klavierspielen wiedergutmachen. Ich spiele seit meinem vierten Lebensjahr jeden Tag mindestens zwei Stunden Klavier – ich glaub, ich kann’s ganz gut. Ich habe dieses Jahr den „Steinway”-Preis in der Lœiszhalle gewonnen. Bei „Young Talents in Concert” bin ich dabei. Und bei „Pianos an der Elbe” im Recall.

Sport ist nicht so mein Ding. Ich weiß auch nicht, wie lange es dauern wird, bis meine Jogginghose begreift, dass sie niemals joggen wird! Ich hab mal Fechten versucht, aber das war nix.

Wir (also meine Eltern und ich) wohnen in Eimsbüttel. Ganz nett, 3. Etage, kein Fahrstuhl, Altbau. Mein Zimmer ist cool, alles pink. Total pink. Sogar mein Bett. Meine Mutter findet es furchtbar, aber ich steh drauf!

Einen festen Freund hatte ich noch nie. Ich bin nicht oft auf Partys, auf dem Schulhof stehe ich manchmal sogar alleine rum. Die Jungs in meiner Klasse sind mir irgendwie zu blöd, zu kindisch.

Mein Problem ist, dass ich manchmal ein bisschen von mir enttäuscht bin. Ich wäre gerne mehr. Ich meine, niemand ist gegen mich, aber niemand ist auch so richtig für mich. Nur Manou, die schon. Manou ist meine beste Freundin.

» Marie-Lin

Ich sehne mich so sehr nach Wahrheit. Ich will, dass das Unausgesprochene ausgesprochen wird.
Ich fühl mich so leer. 10100.jpg

» Manou

Was ist los mit dir? Du bist mir heute in der Pause aus dem Weg gegangen. Was ist los? Hey, sag‘s mir! Endlich! Los!

» Marie-Lin

Ich weiß es selber nicht! Alles scheint so unerreichbar! Ich will das Leben spüren. Ich sehe es in der Ferne, aber ich kann es nicht erreichen. So müssen sich die Männer von der Stadtreinigung fühlen – die immer kommen, wenn alles vorbei ist. Wenn die Party gelaufen ist.

» Manou

Sag mal, spinnst du? Alle beneiden dich.
Du bist perfekt und meckerst rum? Was soll das?

» Marie-Lin

Ich habe es satt, perfekt zu sein. Das ist es! Genau das: Ich habe es einfach satt, perfekt zu sein. Ich will raus aus dieser beschissenen perfekten Welt.

» Manou

Ist es wegen Daniel?

» Marie-Lin

Nein! Daniel hat gar nichts damit zu tun. Ich mag ihn, aber ich mag auch Nutella und Toast. Du weißt genau, dass ich mich niemals in Daniel verlieben könnte.

» Manou

Ok!

» Marie-Lin

Ok? Nichts ist ok! Ich möchte einfach nur glücklich sein, so wie andere auch. Aber ich schaffe es nicht. Ich fühle mich, als stecke mein ganzer Körper in Treibsand. Ich stecke bis zum Hals darin und gehe langsam unter.

» Manou

Wir müssen uns treffen!
In unserem Café an der Alster?
15 Uhr?

» Marie-Lin

Ja. Ich hätte Lust. 15 Uhr ist ok.

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» Manou

Marie-Lin, wo bist du? Bin schon da. Ich warte.

» Manou

Hey, wo steckst du?

» Manou

Geh mal an dein Telefon! Das nervt jetzt echt.
Wir hatten 15 Uhr gesagt. Jetzt ist es fast 16 Uhr. 10135.jpg

» Manou

Ich warte noch 5 Minuten. Dann gehe ich.

» Manou

Ich muss los. Schade. Was ist bloß mit dir los?

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» Marie-Lin

Weißt du, dass ich dir Dinge schreiben kann, die ich dir niemals sagen könnte?

» Manou

Bist du deshalb nicht ins Café gekommen?

» Marie-Lin

Nein. Nein. Sie hat mich nicht weggelassen.

» Manou

Sie?

» Marie-Lin

Meine Mutter!

» Marie-Lin

Glaubst du, dass unsere Eltern überhaupt eine winzige Ahnung davon haben, wie wir ticken?

» Manou

Klares NEIN!!! Aber was soll diese Frage?

» Marie-Lin

Es reicht! Ich kann nicht mehr! Ich musste heute nach der Schule 3 Stunden Klavier spielen, und meine Mutter ist immer noch nicht zufrieden. Ich wollte wirklich ins Café kommen! 10171.jpg

» Manou

Mann, Marie-Lin, das geht nicht! Du musst mit deinem Vater reden. Deine Mutter hat sie nicht alle! 10183.jpg

» Marie-Lin

Er ist nicht da. Dienstreise. 10190.jpg 10200.jpg

» Manou

Wann kommt er wieder?

» Marie-Lin

In einer Woche.

» Manou

Komm doch zu uns, du kannst hier schlafen.

» Marie-Lin

Das erlaubt sie niemals!

» Manou

Du bist nicht ihr Eigentum. Komm! Heute! Ich muss gleich zum Hockey. Bin um sechs wieder da. Ich hol die Matratze aus dem Keller. Ok?

» Marie-Lin

Mann, begreif‘s endlich: Sie will es nicht. Sie erlaubt nicht, dass ich woanders schlafe! Deine Eltern glauben vielleicht an Freiheit.
Meine nicht.

» Manou

Versuch es doch wenigstens mal!

» Marie-Lin

Du checkst das einfach nicht.

» Manou

Ich bin mir übrigens sicher, dass deine Mutter überhaupt gar keine Ahnung hat, wie du tickst. Sie glaubt immer noch, du seist das kleine brave Mädchen, in dessen Poesiealbum kleine Freundinnen Blümchen malen. Dass Daniel dir wilde, coole Liebesbriefe 10210.jpg zusteckt, schnallt die gar nicht.

» Marie-Lin

Das darf sie auch nicht erfahren. Klar? 10217.jpg

» Manou

Klar! Superklar!

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» Manou

Marie-Lin!
Hast du mit deiner Mutter gesprochen?
Kommst du?

» Manou

Hey! Melde dich!

» Manou

Es ist schon sieben. Was ist los?

» Manou

Ich dreh ab mit dir! Melde dich endlich!

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» Manou

Es tut mir so leid. Wir müssen etwas unternehmen. So dürfen deine Eltern dich nie mehr behandeln. Nie wieder! 6316-057.psd

» Marie-Lin

Schon ok.

» Manou

Schon ok? Nix ist ok! Deine Mutter ist ein Tyrann!
Eine chinesische Tiger-Mom! 10330.jpg

» Marie-Lin

Du verstehst das nicht. Deine Eltern sind ganz anders unterwegs. Ich hätte auch nicht abhauen sollen. Meine Mutter hat echt geweint. Gezittert. 10390.jpg Zum ersten Mal in meinem Leben habe ich sie weinen sehen. Irgendwie komisch. Ich war ganz cool & sie war fertig. Sonst ist es immer umgekehrt … zum ersten Mal war ich stärker als sie. Allein dafür hat es sich gelohnt.