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Mächtig trächtig

»Wollen wir ein Weib, das ganz seinen Mutterberuf erfüllt, so kann es nicht das männliche Gehirn haben. Ließe es sich machen, daß die weiblichen Fähigkeiten den männlichen gleich entwickelt würden, so würden die Mutterorgane verkümmern, und wir würden einen häßlichen und nutzlosen Zwitter vor uns haben. (…)

In dem Grade, in dem die ›Civilisation‹ wächst, sinkt die Fruchtbarkeit, je besser die Schulen werden, um so schlechter werden die Wochenbetten, um so geringer wird die Milchabsonderung, kurz, um so untauglicher werden die Weiber. (…)

Schützt das Weib gegen den Intellektualismus.«

Paul Julius Möbius

Ueber den physiologischen Schwachsinn des Weibes

Halle, 1903

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort
  2. I. Zum Reihern
    (1. Trimester)
    1. 1. Gerstenkorn und Kröterich
    2. 2. Eine neue Zeitrechnung
    3. 3. Don’t panic
    4. 4. Geliebtes Brechmittel
    5. 5. Bockwurst an Bananenbrei
    6. 6. Busenwunder
    7. 7. Das große Gähnen
    8. 8. Schüsselerlebnis
    9. 9. Kein großer Deal
    10. 10. Ein Grund zum Krankfeiern?
    11. 11. Wer schön sein will, muss leiden
    12. 12. Sicherheitsverwahrung
    13. 13. Gefangen im Kontrollsystem
    14. 14. Medizinisch für Mütter
    15. 15. Zu früh gefreut
  3. II. Zum Fürchten
    (2. Trimester)
    1. 16. Schwarzer Peter
    2. 17. Der Sound der neuen Generation
    3. 18. Große Drangsal
    4. 19. Intime Flora und Fauna
    5. 20. Alle naslang Ärger
    6. 21. Pralle Sache
    7. 22. Zuckerzeug
    8. 23. Mütterlicher Wasserspeicher
    9. 24. Sport ist Mord
  4. III. Zum Heulen
    (3. Trimester)
    1. 25. Brennende Probleme
    2. 26. Wenn Venen leiden
    3. 27. Streifenweise
    4. 28. Ein Knochenjob
    5. 29. Lager-Koller
    6. 30. Pissnelken
    7. 31. Krampfhenne
    8. 32. Lahme Ente
    9. 33. Hu-Ha-Hechelkurs
    10. 34. Doppelpack
    11. 35. Vergiftete Beziehung
    12. 36. Im Blutrausch
  5. IV. Zum Schreien
    1. 37. Freudiges Ereignis zu schwerer Stunde
    2. 38. Im Schmerzensreiche
    3. 39. Schnipp-Schnapp, Schnuck!
    4. 40. Vater werden ist nicht schwer?
    5. 41. Heulsuse
    6. 42. Milchmädchen
  6. Nachwort
  7. Literaturverzeichnis

Vorwort

Ein Kind zu bekommen ist eine Schweinearbeit. Egal auf welche Weise man versucht, es sich schönzureden, es ändert sich nichts an dieser Tatsache. Erst neun Monate langsame Quälerei und dann die ultimative Folter. Von wegen sanfte Geburt!

So ist das nun mal, »da musst du durch« – et cetera. Sagt man(n). Aber warum? Warum wird so einfach und selbstverständlich vorausgesetzt, dass Frauen auch tatsächlich bereit sind, diese Umstände – die euphemistisch ganz einfach »andere Umstände« genannt werden  – auf sich zu nehmen? Die Belastungen sind erheblich, und die Anerkennung für diesen selbstlosen Einsatz hält sich ziemlich in Grenzen. Das Mutterkreuz oder die Mütterheime zum Glück vergangener, unseliger Epochen sollen hier nicht heraufbeschworen werden, aber ein bisschen mehr Unterstützung wäre schon angebracht, wenn Politiker sich wünschen, dass mehr Kinder geboren werden. Doch anstatt den Frauen, die Kinder bekommen wollen, das Leben zu erleichtern, sind nur Provisorien errichtet worden, die das Selbstverständnis und die Eigenständigkeit von Müttern nicht wirklich unterstützen.

Das Kinderkriegen selbst jedoch bleibt ein Knochenjob. So schwer, dass darüber gern ein rosa Mäntelchen gedeckt wird, und diejenige, die wagt, es herunterzureißen, wird beschimpft. Nicht wenige Frauen haben das durchaus verstanden. Sie bekommen einfach keine Kinder mehr. Doch sollen wir darum alle aussterben? Natürlich nicht. Gibt es doch perfektes Schwangerschaftsmarketing in allen Medien, um die Geburtenzahlen anzukurbeln: von der Daily-Rundbauch-Soap bis hin zum Geburtsvideo im Internet.

Dass alles getan wird, um die negativen Auswirkungen der Familiengründung zu kaschieren, ist an dem erstaunlichen Medien-Hype zu erkennen, der rund um das Thema Schwangerschaft veranstaltet wird. Schwangersein ist chic. Frau kriegt nicht einfach nur ein Kind und darf nicht mehr unter diesem Zustand leiden oder ihn gelassen ertragen. Nein, sie muss die Schwangerschaft inszenieren und in ihr aufleben, ihr eine überzeugende Beauty-Ästhetik geben, die im Falle einer Promi-Soap sogar die Einschaltquoten von »Deutschland sucht den Superstar« toppte. Was wirklich eine Leistung ist. Babyflüsterer haben ihre Auftritte im trendigen Babyfernsehen, und Eisprungwochenenden im Wellness-Hotel werden filmisch dokumentiert. Mutterschaft und Familie sind wieder angesagt, und auch im deutschen Spielfilm geht die Schwangerschaft selbst einer Obdachlosen noch gut aus. Natürlich bilden auch die Hochglanzmagazine immer häufiger schön geölte Schwangerschaftsbäuche von Models und Majestäten ab, Schauspielerinnen berichten über ihr Kinderglück und versuchen unverkrampft lächelnd ihren Baby-Speck auf neuen High Heels zu balancieren. Was wirklich nicht leicht ist.

Denn es ist doch so: Die Schwangerschaft ist und bleibt eine biologische Zumutung für alle weiblichen Wesen. Es traut sich nur kaum jemand, das auszusprechen und die heilige Mutterschaft, die gute Hoffnung in den Schmutz zu ziehen. Wer spricht schon davon, dass jährlich über eine halbe Million Frauen auf der Welt während Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett sterben?

Dies ist also eine Beschwerdeführung in Buchform. Sie richtet sich an alle, die zuzuhören bereit sind, und ebenso an die Evolution und sämtliche Götter, die im Verdacht stehen, an der Menschwerdung beteiligt gewesen zu sein. Warum, so möchte man ihnen zurufen, warum habt ihr nicht eine Sekunde nachgedacht und den Menschen eine variablere Form der Fortpflanzung ermöglicht?

Herodot, ein Historiker und Fabulierer aus dem fünften Jahrhundert vor Christus, berichtete von griechischen Frauen, so genannten Mondbewohnerinnen, die Eier legten. Diese selenetidischen Frauen brüteten nicht nur ganz gemütlich in liegender Stellung gleich mehrere Nachkommen auf einmal aus, es schlüpften Menschen, die eine 50 Jahre höhere Lebenserwartung hatten als normal Geborene.

Im Tierreich gibt es ebenfalls zahlreiche andere Varianten, die körperneutral den Bestand der Art gewährleisten. Die Fische legen ihren Laich einfach irgendwo im Wasser ab, die Frösche ebenso. Bei den Seepferdchen trägt der Mann die Nachkommenschaft aus, und einige Arten der ausschließlich weiblichen Rennechsen klonen sich. Die Säugerweibchen haben dagegen den Kürzeren gezogen. Sie tragen den Nachwuchs im eigenen Körper aus, wochen- und monate-, wenn nicht sogar jahrelang. Für weniger reflektierte Tiere wie die Elefanten mag das unerheblich sein, die weiblichen Nachkommen des Homo sapiens allerdings haben inzwischen auch andere Betätigungsfelder als Kindergebären und Beerensammeln. Sie haben die Radioaktivität entdeckt, fremde Länder erforscht, lehren Molekularbiologie und werden Bundeskanzlerin oder Verteidigungsministerin.

Die intelligente Frau von heute hat zumindest ein Recht darauf, genau zu wissen, was auf sie zukommt. Nicht, dass sie dem Irrtum verfällt, ihre Schmerzen tatsächlich wegatmen zu können. Denn in vielen Fällen wird sie von den Vorwehen schon derart überrollt, dass sie hyperventilierend und bis in die Zehenspitzen verkrampft ins Krankenhaus flüchtet, wo ihr Körper in stundenlangem Kampf von seiner Last befreit und dieser Vorgang als traumatisches Erlebnis abgespeichert wird. Fragt man die Frauen nach ihren Erlebnissen im Kreißsaal, man bekommt häufig wahre Schlachtfeldgeschichten zu hören.

Deshalb werden hier all die unangenehmen Einzelheiten, die eine Schwangerschaft begleiten können, minutiös aufgelistet. Die Frauen sollen wissen, worauf sie sich einlassen, wenn sie Pille oder Tüte weglassen. Sollen sich nicht länger für dumm verkaufen lassen, was die körperlichen Folgen ihres Handelns angeht. Denn mag der Partner ihnen auch noch so zärtlich die Hand tätscheln: Es sind ihre Hämorrhoiden, die später jucken, nicht seine.

Diese Liste mag derjenigen Frau, die lieber auf Kinder verzichtet, als geeignete Argumentationshilfe dienen, mit der sie sich gegen enkelsüchtige Schwiegermütter und Möchtegern-Väter zur Wehr setzen kann.

Diejenige, die sich trotz aller Widrigkeiten dennoch bewusst für das Kinderkriegen entscheidet, kann sich schon mal mental auf den Beschwerdemarathon einstellen. Denn es ist ganz ähnlich wie im Hochleistungssport: Visualisieren! Fokussieren! Dann kommt man leichter ans Ziel.

Und jene, welche mit einer Anstellung als Leihmutter liebäugelt, kann diese Ausführungen als geeignete Verhandlungshilfe in den Poker um die Vergütung ihres reproduktiven Zeit- und Gesundheitsaufwandes einbringen.

Derjenigen aber, die sich gerade unwissentlich in gute Hoffnung begeben hat und dieses Buch zufällig in die Finger bekommt, soll es keine Angst machen. Es ist möglich, diese Strapaze zu überleben. Unglaublich, aber wahr: Milliarden Frauen haben diese Rolle schon bewältigt, haben durchlitten, was sie durchleidet, haben sich gefürchtet, aber sich nicht getraut, zu fluchen oder zu schimpfen.

Dabei hätten sie jedes Recht dazu. Denn neben den körperlichen gibt es vor allem eine Reihe psychischer Zumutungen, die mit diesem Zustand einhergehen. Da sind neben den Ängsten, die sich auf die Zukunft und die persönliche Situation beziehen, natürlich all die Ge- und Verbote, die an einen so herangetragen werden. All die Pflichten und 1000 Kleinigkeiten, nach denen man sich zu richten und an die man zu denken hat, um die Sache auch wirklich, wirklich gut zu machen. Wer die guten Ratschläge ignoriert, hat in der öffentlichen Meinung und nach Ansicht der Nachbarin oder Kassiererin schon verloren. So Fragen wie: »Wie viel Kaffee kann ich meinem Kind zumuten und was ist mit Alkohol?«, »Wird seine Entwicklung durch Lärm empfindlich gestört, und darf ich wegen irgendwelcher Weichmacher womöglich gar nicht mehr duschen?« verunsichern werdende Mütter massiv. Jeder alltägliche Handgriff, jede Badezimmerroutine wird zum Krisenfall, wenn man den wohlmeinenden Freundinnen, den Gazetten und Ärzten glaubt. Folgendes muss zuallererst geklärt werden: »Wie viel von mir selbst muss und will ich für dieses Kind aufgeben?«

Justieren Sie also zunächst die eigene Einstellung zu Ihrem Zustand und lassen Sie sich dann erst auf diese Überlegungen ein. Kinder werden immer durch ihre Umgebung beeinflusst, auch die ungeborenen. Das ist klar. Und alles, was Sie tun, hat Folgen für das Kind. Alles. Es ist ja ein Teil von Ihnen.

Zum Glück halten die Kleinen eine Menge aus. Müssen sie ja, wenn sie gut auf das Leben außerhalb des Bauches vorbereitet sein wollen. Sie aber haben nun den Schwarzen Peter, zu entscheiden, was Sie ihnen zumuten wollen und was nicht. Ist es wirklich ein Drama, wenn Sie sich in der Schwangerschaft die Nägel lackieren? Ihr Kind wächst womöglich ohnehin in einer feinstaubbelasteten Großstadt auf, mit Hormonrückständen im Trinkwasser und nächtlichem Sirenenlärm. Die Wohnsituation ist meist vorgegeben, doch die Nagellackfrage müssen allein Sie entscheiden. Und das ist neben der körperlichen die andere große Zumutung: diese Verantwortung und dieses neunmonatige Dilemma.

Ich kann Ihnen diese Entscheidungen nicht abnehmen. Leider. Ich kann Sie nur aufklären. Ich werde gnadenlos aufzeigen, wie Ihre Gesundheit und die des Kindes beeinträchtigt werden können. Dabei bediene ich mich durchaus der Übertreibung, damit auch jeder verstehen kann, was für eine Belastung diese Entscheidungen sind. Ich versuche zu zeigen, dass man gar nicht alles richtig machen kann, dass das eine geradezu übermenschliche Aufgabe ist und dass es durchaus Sinn macht, die eine oder andere Sache lockerer zu sehen. Das wird von Frau zu Frau sehr unterschiedlich sein. Was der einen das Sushi, ist der anderen die Dauerwelle.

Soll heißen: Finden Sie Ihren eigenen Weg!

Dazu will ich Sie ermutigen, und zwar mit schonungsloser Offenheit. Weg mit dieser rosa Brille, weg mit den marketingwirksamen Glückseligkeiten! Ich beschreibe, wie es ist oder im schlimmsten Fall (der ja nicht wirklich jedes Mal Sie selbst betreffen muss) sein könnte. Nicht, um Sie zu erschrecken, sondern um Sie abzuhärten, stark zu machen. Und um Ihnen zu vermitteln, dass andere Frauen das Gleiche durchmachen wie Sie oder gar Schlimmeres zu ertragen haben. Wenn Ihnen beispielsweise die Müdigkeit zusetzt und Sie sich am liebsten den ganzen Tag auf dem Sofa zusammenrollen würden, sind Sie vielleicht nach der Lektüre dieses Buches doch froh, dass Sie nicht wegen vorzeitiger Wehen wochenlang das Bett hüten müssen. Es ist alles relativ.

Und wenn Ihnen trotzdem alles zu viel wird angesichts der körperlichen und seelischen Schwangerschaftsbeschwerden, dann werfen Sie Ihre feine Zurückhaltung einfach über Bord. Schimpfen und fluchen Sie nach Herzenslust. Das steht Ihnen einfach zu, wie dieses Buch beweisen wird. Keiner darf Sie deshalb verachten oder für ein Weichei halten. Im Gegenteil, nach der Lektüre werden Freund, Mann, Chef, Familienministerin oder kinderlose Freundin gar nicht anders können, als Sie für Ihr Engagement zu bewundern. Sie sollen Sie trotz Ihres zunehmenden Gewichts auf Händen tragen, mit Kusshand später wieder in den alten Job eingliedern und ehrfürchtig um die Betreuung Ihrer Leibesfrucht buhlen. Denn unter Ihren schmerzenden Rippenbögen schaukelt das Wertvollste, das dem Menschen gegeben ist: Ihre und unser aller Zukunft!

I.
ZUM REIHERN
(1. Trimester)

Es fängt meist ganz harmlos an. Zwei Menschen treffen sich. Eine mehr oder minder große Liebe entsteht. Man geht ins Bett und hat Spaß. Sex. Und dann ist da plötzlich der Kinderwunsch oder eine gewisse Vergesslichkeit, die wilde Leidenschaft oder der große Knall eines Präservativs, und alles ist anders. Liegt auch der biologische Beginn zumeist im Dunkeln, die Erkenntnis trifft Sie in der neongrellen Helligkeit, über die Toilettenschüssel gebeugt, am frühen Morgen. Das ist prosaisch und alles andere als romantisch, so wie überhaupt das Leben als Schwangere zu Beginn eher anstrengend als beglückend ist. Nicht nur Übelkeit macht Ihnen zu schaffen, auch das Desinteresse der unverheirateten Freundin, die wortkarge Verstimmtheit des Chefs und die bedenkliche Euphorie der Schwiegermutter treiben Sie zur Weißglut. Ein jeder hat seine Meinung, nur Ihre wechselt unter Umständen mehrmals täglich von jubelnder Euphorie zu elender Verzweiflung, während Sie sich bemühen, Haltung zu wahren. Und der Kindesvater setzt im besten Fall nur ein dämliches Grinsen auf. Wenn das nicht zum Kotzen ist.

»Versteht mich denn hier keiner?«, möchten Sie ausrufen und blättern nur stumm in Babykatalogen, klicken sich durch Mamiblogs auf der Suche nach Hilfe. Denn die Verunsicherung ist groß, und angesichts der Veränderungen, die in den nächsten Monaten körperlich und sozial auf Sie zukommen, ist es kein Wunder, wenn Ihnen vor Angst ganz schlecht wird.

1. Gerstenkorn und Kröterich

Sie nehmen also an, nur weil Ihre Regel ausgeblieben ist, sind Sie mit Sicherheit schwanger? Falsch gedacht. Die so genannte Amenorrhö kann viele, viele andere Ursachen haben. Sie gilt zwar als eines der klassischen, aber auch der unsicheren Schwangerschaftszeichen. Vielleicht sind Sie schusselig und haben die letzte Eintragung in Ihren Regelkalender ganz einfach vergessen? Vielleicht haben Sie starken Stress oder hormonelle Verschiebungen, die Ihren Zyklus ein wenig verlängern? Vielleicht haben Sie auch mit Ihrer Diät übertrieben oder mit dem Sport und haben sich unter die 48-Kilo-Grenze gehungert oder gelaufen. Ihr Körper hat dann einfach zu wenig Kraft, um für eine reibungslose Fortpflanzung zu sorgen, und stellt die Fruchtbarkeit vorübergehend ein. Was genau das Gegenteil von schwanger wäre.

Die Mixteca-Indianerinnen in Südmexiko sind davon überzeugt: »Wenn unser Mond verschwindet, werden wir ein Kind bekommen.« Frauen auf Jamaika hingegen wissen schon, wenn sie von reifen Früchten oder Fischschwärmen träumen, dass sie schwanger sind. Die Französinnen meinten früher, wenn der Hahn den Ruf des Kuckucks beantwortet oder wenn Eule oder Waldkauz auf dem Dache sitzen, dann sei die Frau des Hauses schwanger. Im Périgord hetzten die Leute den Damen gar die Wünschelrutengänger auf den Leib, die mit dem Ausschlag ihrer Rute über dem gesegneten Leib bereits Junge von Mädchen zu unterscheiden wissen wollten. Im alten Ägypten neigte man eher zu einem handfesten kulinarischen Test und flößte der Frau zur Feststellung der Schwangerschaft eine Mischung aus Wassermelonensaft und der Milch der Mutter eines Jungen ein. Musste die Arme sich übergeben, war sie angeblich guter Hoffnung. Da die meisten modernen Frauen mit Sicherheit einen Latte macchiato fremder Muttermilch vorziehen, würde dieser Test heutzutage wohl mit der Tendenz zum Brechreiz in der Mehrzahl falsch positiv ausfallen und damit nicht zu verwerten sein. Doch die raffinierten alten Ägypter kannten noch einen weiteren Schwangerschaftstest: Sie begossen Weizen- und Gerstenkörner mit dem Urin vermeintlich schwangerer Frauen. Wuchs die Gerste, sollte es ein Sohn werden, wuchs der Weizen, eine Tochter, und wenn sich gar nichts tat, dann bestand angeblich auch keine Schwangerschaft. Erstaunlicherweise zeigte eine Überprüfung dieser Probe im Jahr 1963 eine immerhin siebzigprozentige Treffsicherheit!

Das war also der Vorläufer des Pipistäbchens, das heutzutage bei der Frage: Schwanger oder nicht? gerne als Erstes gezückt wird. Denn so lange warten, bis ihr erste Tritte in den Unterleib sicher Auskunft über ihren Zustand geben, will heute keine zweifelnde Frau mehr. Die Karriere will geplant, das Erst-, Zweit- oder Drittkind muss versorgt sowie eventuell ein Umzug in die größere Wohnung organisiert werden. Wir haben also keine Zeit mehr, gemütlich zu warten, bis allgemein sichtbar wird, dass die Natur ihren Lauf genommen hat.

Dass Schwangerschaftspipi am aussagekräftigsten hinsichtlich künftigen Nachwuchses ist, haben auch die Apotheker Deutschlands – mit einiger Verspätung im Vergleich zu den Ägyptern – entdeckt. Ein noch bis in die 1970er Jahre genutzter Froschtest sah vor, Urin oder auch Blut der Frau in den Rückenlymphsack eines Froschmannes oder Kröterichs zu spritzen. Entwickelten sich daraufhin Spermien, war der Test positiv, die Dame also schwanger. Neben den Fröschen kamen in dem so genannten biologischen Schwangerschaftstest auch Mäuse, Ratten, Kaninchen und sogar Regenwürmer zum Zuge. Manch einer der tierischen Assistenten überlebte seinen Einsatz nicht, andere wurden stets aufs Neue verwendet.

Die Pharmafirmen sahen natürlich in der fruchtbaren Frau die Zielgruppe schlechthin, und 1950 entwickelte die Firma Schering mit Duogynon ein Hormonpräparat, das auch als Schwangerschaftstest eingesetzt wurde. Beim Ausbleiben der Regel eingenommen oder injiziert, führte es zu einer Blutung, wenn keine Schwangerschaft vorlag. Es hatte keinerlei Effekt, wenn die Frau schwanger war. Dachte man. Dass dieses Mittel allerdings Wirkungen – und zwar äußerst ungünstige – auf den Fötus hatte, bemerkte man erst später. Deformierte Arme und Beine, Wolfsrachen und Wasserköpfe, Herzfehler und Fehlbildungen der Genitalien, offener Rücken, offener Bauch und offene Harnröhre traten gehäuft bei Kindern von Frauen auf, die sich mit Duogynon getestet hatten. In England führte das 1970 zu einem Verbot dieses »Schwangerschaftstests«, in Deutschland brauchte man dafür etwas länger.

Zum Glück hat Gott den Menschen etwas später endlich den immunologischen Schwangerschaftstest erfinden lassen: Die Plazenta, also der Mutterkuchen, stellt erhöhte Mengen des Hormons Humanes Choriongonadotropin (HCG) im Urin der Schwangeren zur Verfügung, die Medizintechnik steuert das im England der 1980er Jahre patentierte Stäbchen bei, das mit Hilfe von HCG-Antikörpern dieses Hormon sichtbar macht: als zweiten Strich oder Kreis in einem niedlichen Sichtfenster, wahlweise azurblau oder babyrosa. Eine wirkliche Hightech-Leistung: Ein Mini-Labor steckt in diesem Stab. Nur das Pinkeln, das müssen wir noch selber übernehmen. Also hocken wir auf der Toilettenschüssel, die Beine gespreizt, und versuchen, mit kräftigem Strahl des Morgenurins das mit spitzen Fingern gehaltene Zepter der Wahrheit zu treffen. Nicht selten gehen einige Tropfen daneben. Ärgerlich schütteln wir den Urin von Stab, Finger oder Hand und suchen verzweifelt einen Platz, um das Ding loszuwerden, abzulegen, bis die Wartezeit vorüber ist. Sei es, dass es auf dem Badewannenrand oder dem Küchentuch auf dem Waschtisch liegt, irgendwann müssen wir den erhellenden Blick riskieren und uns den Tatsachen stellen. Zum Glück dauert die Unsicherheit nur ein paar Minuten.

Hat man ein positives Ergebnis, dann ist ja alles klar.

Wirklich? Nun ja. Wie man’s nimmt. In den meisten Fällen beginnt tatsächlich eine normale Schwangerschaft. Aber die Frauen, bei denen der Test dieses Versprechen nicht eingehalten hat, sei es aufgrund einer Eileiterschwangerschaft oder wegen einer bösartigen, HCG-bildenden Wucherung, haben anderes erlebt. Sie wissen, dass heutzutage nur ein Ultraschallbild mit einem kleinen pulsierenden Punkt darauf, der an der richtigen Stelle der Gebärmutter auf dem grauschwarzen, rauschenden Bildschirm des Doktors auftaucht, eine gewisse Sicherheit geben kann.

Und diejenigen, bei denen nur ein Strich einsam und allein zurückbleibt, sollten nicht verzagen oder gar sich zu früh freuen. Vielleicht haben sie vor lauter Ungeduld nicht lange genug gewartet, das Hormon hat noch nicht die nachweisbare Höhe im Blut erreicht und ein paar Tage später sind ihre und ihres Körpers Perspektiven doch wieder ganz andere. Also wird eine Wiederholung der Pipi-Probe empfohlen, bis zu drei Mal soll man pinkeln, bevor man sich des Ergebnisses sicher sein darf. Was die Apotheker freut und die Stäbchenhersteller erst recht.

Diese haben in den letzten Jahren munter weiter in die Urinanalysen investiert. Irgendwie scheinen die alten Ägypter sie misstrauisch gemacht zu haben, gab der Getreidetest doch schon erste Hinweise auf das zu erwartende Geschlecht des Nachwuchses. Erst im Jahre 2002 gelang es israelischen Wissenschaftlern, einen ähnlichen Urin-Geschlechtstest zu entwickeln. Dabei spielen die unterschiedlichen Hormonmengen im Pipi von werdenden Jungs- oder Mädchenmüttern eine Rolle. Ob sich dieser Test auch bei einer gemischten Zwillingsschwangerschaft eignet, ist allerdings fraglich. US-Fernseh-Star Kendra Wilkinson jedenfalls gab sich überzeugt und testete kurz nach Bekanntwerden ihrer Schwangerschaft ihren Urin auf Junge. Angeblich liegt dieser Test, der bei Schwangerschaft mit einem Mädchen das Pipi orange anfärbt und bei einem Jungen dunkelgrün, bei 20 Prozent voll daneben.

Etwas kostspieliger, dafür aber sicherer, ist der Gentest, der seit 2007 auf dem Markt ist und bei dem die werdende Mutter zur Ader gelassen wird. Er weist das Y-Gen des Jungen im Blut der Schwangeren nach und trifft wohl in 99 Prozent der Fälle ins Schwarze. Da kann man dann schon ab der neunten Schwangerschaftswoche anfangen, die richtigen Accessoires in passenden Farben zu shoppen. Der wahre Fortschritt unserer Gesellschaft zeigt sich anscheinend in der von Anfang an DNS-kompatiblen Kinderzimmereinrichtung.

Dass diese Geschlechtertests in Deutschland höchst umstritten sind, liegt bei unserer meuchelmörderischen Vergangenheit nahe. Dabei ist die durchschnittliche Reihenhausbewohnerin weit davon entfernt, ihren siebenwöchigen Tochterembryo wegen zu teurer Mitgift oder niedrigem Sozialprestige abtreiben zu lassen. Wer von uns will sich schon so eine Denkweise unterstellen lassen? Aber die Mediziner halten daran fest, der Schwangeren das Ergebnis des Geschlechtertests erst nach der zwölften Woche und damit nach der Frist für eine straffreie Abtreibung mitzuteilen. Diejenigen im fernen Asien, die tatsächlich ein unheilvolles Interesse an solchen Tests haben, werden dennoch Mittel und Wege finden, ihn zu bekommen. Die in unsere Lande eingewanderten Menschen türkischer, afghanischer, thailändischer oder anderer Abstammung, denen gern eine patriarchale Denkweise unterstellt wird, müssen sich genau wie wir diesem Gesetz beugen und  – Surprise! Surprise! – versuchen, mit ihrem kugelförmigen Überraschungspaket klarzukommen.

Men only

Men only

Sollten Sie und Ihre Partnerin schon länger gemeinsam auf eine Schwangerschaft hinarbeiten, so achten Sie darauf, dass Ihr Handy immer aufgeladen ist. Denn sollte der Schwangerschaftstest positiv ausfallen, wird sie Sie natürlich postwendend davon in Kenntnis setzen. Nichts verstimmt eine Frau mehr, als wenn sie auf den Satz »Schatz, ich bin schwanger!« zu hören bekommt: »Ich glaub, mein Akku ist alle.«

2. Eine neue Zeitrechnung

Aller Anfang ist schwer. Das trifft vor allem auf Dinge zu, die man das erste Mal macht. Im Falle einer Schwangerschaft ganz besonders auf das Begreifen derselben, frei nach dem Motto: Kann das wirklich wahr sein? Ganz unabhängig davon, ob diese Frage mit einem freudigen oder einem entsetzten Zittern in der Stimme gestellt wird. Und dann drängt sich die unvermeidliche Überlegung auf: Seit wann? Diese ist vor allem für die Frau mit häufig wechselnden Sexualpartnern relevant oder auch für den Ehemann einer Dame, die es mit der ehelichen Treue nicht ganz so genau nimmt.

Es ist wirklich nicht einfach zu kapieren: Ist der Schwangerschaftstest unmittelbar nach Ausbleiben der Regelblutung positiv, ist man laut dem optimistischen Gynäkologen schon in der fünften Schwangerschaftswoche. Erstaunlich schnell geht das Ganze. Kaum erfahren wir von unserem Glück, liegt der erste Monat schon hinter uns. Verwirrt schütteln wir die Köpfe und fragen uns, ob wir auf einer Zeitreise sind oder Opfer einer unerklärlichen Amnesie, die uns fünf Wochen hat verpennen lassen. Aber nein.

Keine Panik. Auch wenn Sie als ehemaliges Schul-Mathe-Ass und leitende Programmiererin oder Statistikerin meinen, Ihre gut berechenbare Welt bräche plötzlich in sich zusammen. Tut sie nicht, es ist nur ein Trick. Ein Ritual, eine Formel, die seit Jahren von Frauenarzt zu Frauenarzt weitergegeben wird: Die unvermeidliche Naegelsche Regel zur Errechnung des voraussichtlichen Geburtstermins, wie es so schön heißt:

Erster Tag der letzten Menstruation

minus

drei Kalendermonate

plus

sieben Tage

plus

ein Jahr

=

Geburtstermin

Dabei wird von einem statistischen Mittelwert der weiblichen Tragzeit ausgegangen, der von diesem ersten Tag der letzten Regel an 281,5 Tage beträgt. Dass diese Angabe aber mit einer mittleren quadratischen Abweichung von 12,7 Tagen alles andere als exakt ist, wird den werdenden Eltern nicht aufs Brot geschmiert, sondern nach Überprüfung mit dem geburtshilflichen Rechenschieber als unumstößliche Wahrheit in den Mutterpass eingetragen. Individuellen Abweichungen von den zugrunde gelegten 28-Tage-Menstruations-Rhythmen wird Rechnung getragen, indem zusätzliche Tage längerer Zyklen dazuaddiert oder bei verkürzten Zyklen abgezogen werden. Das ist auch des Rätsels Lösung, warum die Tragzeitberechnung post Menstruationem nach Adam Riese (281,5 geteilt durch 28) entgegen der landläufigen Meinung, frau sei neun Monate trächtig, eine zehnmonatige Schwangerschaftsdauer ergibt.

So weit, so unklar. Denn warum die unbefruchteten Wochen mitrechnen, in denen wir erst noch tagelang blutend in den Seilen hingen, bevor wir uns wieder auf die Pirsch begeben konnten, auf der Jagd nach dem fruchtbaren, trauten Stelldichein? Warum wird nicht einfach die Tragzeit post Ovulationem, also nach dem Eisprung, berechnet, die mit einer mittleren Abweichung von 7,6  Tagen um einiges genauer zu sein scheint? Wahrscheinlich, weil nur die wenigsten Frauen einen Zykluskalender bei sich führen und deshalb den Zeitpunkt des Eisprungs nur erahnen können. Doch legte man diese Rechnung zugrunde, wären die meisten 28-Tage-Frauen nach Ausbleiben der Regel erst in der dritten Woche schwanger, was irgendwie realistischer, aber biologisch ebenfalls nicht korrekt ist. Denn nach der Befruchtung, die in den ersten beiden Tagen nach dem Eisprung möglich ist, muss das Ei erst mal in die Gebärmutter wandern und sich dort einnisten. Das geschieht meistens in einem Zeitraum von sieben Tagen. Hat es sich dort häuslich eingerichtet, bildet sich die Plazenta aus, die das Schwangerschaftshormon produziert und die bunten Streifen der Teststäbchen aufleuchten lässt. Bis das Hormon auf diese Art und Weise im Urin nachweisbar wird, vergeht noch einmal gut eine Woche.

Nach künstlicher Befruchtung sieht das alles noch anders aus. Wurde der Weg der einfachen Spritzen-Besamung (Insemination) gewählt (eine bei Frauenpaaren beliebte Variante), dann muss die Wanderung des befruchteten Eis durch den Eileiter noch mitgerechnet werden, im Gegensatz zur Reagenzglasbefruchtung (ICSI), bei der das per Pipette befruchtete Ei direkt in die Gebärmutter gesetzt wird, ihm also die beschwerlichen Reisetage erspart bleiben.

Aber so genau wollten Sie das alles gar nicht wissen? Sie haben Recht, es ist Jacke wie Hose, auf welche Art und Weise der Geburtstermin errechnet wurde, meist halten sich die lieben Kleinen ohnehin nicht daran: Postmenstruelle Tragzeiten reichen laut Lehrbuch von 160 bis 320 Tagen. Sie können sich also durchaus auf Überraschungen gefasst machen.

Männern, die in Prozesse um Vaterschaft oder Alimente verwickelt sind, sei geraten, die so genannte »gesetzliche Empfängniszeit« (womit Sex vom 181. bis 302. Tag vor der Geburt eines Kindes gemeint ist) nicht allzu ernst zu nehmen. Weil einerseits 175 Tage alte Frühchen heutzutage nicht mehr sterben wie die Fliegen und andererseits die Toleranz der Geburtskliniken gegenüber überlangen Tragzeiten zunehmend schrumpft, hat sie kaum noch Gültigkeit.

Trotz all dieser komplexen Tragzeitberechnungen kann Ihnen also keiner wirklich so richtig sicher sagen, wie lange der Ausnahmezustand Ihrer Schwangerschaft andauern wird. Um dem Ganzen seinen Schrecken zu nehmen und die Wochen bis zur ersehnten Erleichterung (sprich: Geburt) anschaulich zu gliedern, wurde die menschliche Tragzeit in Trimester gegliedert. So wird der wissenschaftliche Anspruch zumindest formell aufrechterhalten, deutet die Formulierung Trimester doch auf einen akademischen Umgang mit dem Thema hin. Das Wort stammt aus dem Lateinischen, wobei Tri Drei ist und -mester von Mens = Monat kommt. In Trimester werden auch die Studienjahre an deutschen Bundeswehruniversitäten und am Priesterseminar St. Lambert eingeteilt – sowie an europäischen Wirtschaftshochschulen und anderen Eliteschulen. Die großzügige Übertragung auf die Schwangerschaft suggeriert die Möglichkeit, dass man sich intellektuell und auf akademischem Niveau mit den Veränderungen, die diese Zeit für Frauen bringt, auseinandersetzen kann, sie griffig und analysierbar machen und damit ihrer Bedrohlichkeit berauben kann.

Doch zu Recht?

Es stellt sich sofort die Frage: Wie teilt man 40 Wochen durch drei? Das bekäme selbst eine Mathematikprofessorin nicht hin, ohne sich in unendlichen Dreien hinter dem Komma zu verzetteln. So viel zur Übersichtlichkeit. Also arbeiten die Fachleute wieder mit gut gemeinter Ungefährheit, was bezüglich unserer Schwangerschaft dann so aussieht:

1. Trimester: umfasst 12 Wochen

2. Trimester: umfasst 13 Wochen

3. Trimester: umfasst 15 Wochen

Das nenne ich mal wissenschaftliche Exaktheit.

Deshalb werde auch ich mich dieser Einteilung bedienen.

Wer wird denn das alles so genau nehmen?

Die Natur macht sowieso, was sie will, wie ich noch zeigen werde. Die eine Frau kotzt nur im ersten Trimester, die andere auch danach, und letztendlich zählt doch nur, wann das alles endlich aufhört und Sie diese außergewöhnliche Zeit überstanden haben.

Die Einwohnerinnen von Manus in Neuguinea gingen mit der Situation viel prosaischer um. Sie begannen, bei jedem »ausbleibenden Mond« ein Stockbündel zu sammeln, und wenn sie zehn Stockbündel beisammen hatten, war klar, dass die Geburt eines Kindes fällig war. Was sie mit dem gesammelten Reisig anstellten, ob sie es zum Vorbereiten von heißem Wasser oder für ein Freudenfeuer bei einem gesunden Kind verwendeten, ist allerdings nicht überliefert.

Men only

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Gönnen Sie sich ein Appenteuer und laden sich ein Schwangerschafts-App auf Ihr iPhone. Damit sind Sie immer auf dem Laufenden über empfohlene Vorsorgeuntersuchungen und Checklisten für die Krankenhaustasche. Wenn Ihre Frau dann mal den Kopf oder den Überblick verliert, einen Termin vergisst oder in der wie vielten Woche sie gerade ist, können Sie souverän in die Bresche springen.

3. Don’t panic

Nach dem Test ist also vor dem Test, was die innere Unsicherheit angeht. Und die äußeren Umstände, die zu der Erkenntnis führen, eine Frau sei schwanger, könnten von Fall zu Fall oder treffender von Bauch zu Bauch, auch nicht unterschiedlicher sein:

  • Die eine, naiv und unverhofft, macht nur auf Drängen von Freundin oder Freund einen Schwangerschaftstest, der überraschend positiv ausfällt.
  • Die andere, akribische Buchführerin, wird bereits einen Tag nach Ausbleiben der Regel nervös, rennt hektisch in die Apotheke, um die Bestätigung ihrer größten Angst zu erleben: die Kontrolle über ihren Körper verloren und an Problemen gewonnen zu haben.
  • Die Dritte stellt fest, dass nach Absetzen ihrer Verhütungsmethode plötzlich schneller als erwartet die Binden überflüssig sind. Sie macht ganz cool erst mal einen Termin bei ihrer Gynäkologin aus.
  • Wieder andere hoffen bereits seit Monaten oder manchmal sogar Jahren auf eine Schwangerschaft, haben bereits mehrere Versuche künstlicher Befruchtung hinter sich und wissen schon Stunden vor Ausbleiben der Periode dank des Hormonspiegels, ob das Retorten-Ei sich eingenistet hat oder nicht.

Doch die Erkenntnis, dass sie nun nicht mehr allein ist, dass da ein Leben in ihrem Körper heranreift, sie angebufft oder wie die Bauern sagen, »dicht« ist, wirft jede dieser Frauen aus der Bahn, die zu ziehen sie gewohnt sind. Und nach anfänglicher Freude oder auch Panik (je nach Nervenkostüm und Biografie) macht Angst sich breit. Eine schleichende, irrationale Angst – vor dem großen Unbekannten in Form eines wurmartigen Embryos, der ihren Körper besetzt hält und irgendwann in einer dramatischen Szene aus ihm hervorbrechen wird. Wer hätte da nicht Assoziationen von sich windenden Schlangen oder klappernden Ameisenscheren, die weiche Bauchdecken durchstoßen, während menschliche Überreste in einem blutigen Knall explodieren? Niemand, denn diese Panik wird unterdrückt zugunsten eines hoffnungsfreudigen Bangens, dass der Lohn der Angst in Form einer rundköpfigen, rosenfarbenen Putte auch wirklich eintreffe.

Sie sind aber normal, diese Befürchtungen. Keine Frau sollte sich dafür schämen, dass sie in dieser lebensverändernden Situation auch unangenehme Gefühle hat. Laut einer Umfrage der Krankenkasse DAK vom Januar 2010 haben 58 Prozent der werdenden Mütter Angst vor der Doppelbelastung durch Schwangerschaft und Beruf. 41 Prozent fürchten Stress und Schlafstörungen, und ein Drittel macht sich Sorgen um ihre Partnerschaft. Vor allem Frauen um die zwanzig haben Angst um ihre Figur: 73 Prozent.

Allerdings scheint Angst ein typisch deutsches Phänomen zu sein. Das Wort wurde – auch in anderen Zusammenhängen – sogar im deutschen Original ins Englische übernommen. In vielen US-amerikanischen Schwangerschaftsratgebern taucht dagegen kein einziges Kapitel auf, das sich den sorgenvollen Fragen widmet, die jede Frau sich in den ersten Wochen stellt. Fragen, die nichts mit dem Kind, sondern vor allem etwas mit den sich verändernden Gegebenheiten und ihren eigenen Zukunftsperspektiven zu tun haben. Schwangere haben sich zu freuen, und der Rest wird sich schon von alleine regeln, so scheint nicht nur in den USA die allgemeine Ansicht zu sein.

Dabei fühlt die werdende Mutter sich häufig auf sich allein zurückgeworfen. So erging es schon unseren Vorfahrinnen im Pleistozän. Sie sorgten sich, ob ihr Partner den nächsten Streifzug durch die Wildnis überleben würde, und wenn ja, ob er auch wirklich bei ihr und den Kindern bliebe. Ob er sie ausreichend versorgen würde oder sich mit anderen Frauen einließe, um weitere Familien zu gründen. Denn da die evolutionären Interessen der Männer dahin gehen, möglichst viele Nachkommen zu zeugen, deren Vaterschaft eindeutig die ihre ist, laufen sie den mütterlichen Interessen diametral entgegen. Die Frau ist monatelang schwanger und trägt danach oft die Hauptlast der Verantwortung für das geborene Kind, während der Mann nur einmal abspritzen muss. Zum Glück verfügte unsere Freundin aus dem Pleistozän über ein Frauennetzwerk, in dem jüngere und ältere kinderlose Verwandte und Bekannte sich um den Nachwuchs sorgten und ihr, der schwangeren oder stillenden Mutter, die sich nicht genug Nahrung beschaffen konnte, einfach etwas abgaben.

Kommen uns diese Gedanken nicht bekannt vor? Welche Frau kann sich schon sicher sein, dass sie nicht doch eines Tages allein dasteht? Manche sucht schon in der Schwangerschaft wieder engen Kontakt zur eigenen Mutter. Trennungsraten in Deutschland von an die 50 Prozent sprechen eine beängstigende Sprache. Auch mit einem kleinen Nachkommen, den man in sich züchtet, kann man nicht jede Ehe retten. Immerhin gibt es in Deutschland 2,8 Millionen alleinerziehende Frauen, von ihnen wurden 20 Prozent schon in der Schwangerschaft verlassen. Treiben sie ab, sind sie in den Augen mancher Zeitgenossen gottlose Monster, behalten sie das Kind, wollen sie es dem Ex anhängen oder ihn finanziell abzocken. Vorwürfe solcher Art werden gerne gegen diejenigen laut, die Hilfe und keine Beschimpfungen nötig hätten.

Doch wer fragt schon, was es uns Frauen kostet, Kinder zu bekommen? Nicht nur diesen vermaledeiten Zahn, von dem der Aberglaube weiß. Es kostet Zeit und Energie, viele Frauen kostet es auch die geradlinige Karriere und den Schlaf vieler durchgrübelter Nächte. Schon wenn der Bauch noch flach ist, sind viele Schwangere mit ihren Gedanken allein. Sie verschweigen ihren Zustand, weil sie befürchten, sie könnten das Kind noch verlieren. Manche wollen dem Arbeitgeber Nachteile ersparen in einer Situation, da sie eigentlich besonders geschützt werden müssten. Arbeiterinnen dürfen nicht mehr am Fließband stehen, Hebammen nicht mehr im Kreißsaal, Röntgenassistentinnen nur noch im Büro sitzen, doch keine will als Weichei oder Drückebergerin gelten und ihren Job nach Ablauf des Mutterschutzes verlieren. Da gilt es, abzuwägen. Das Dilemma, dem Kindswohl oder dem zukünftigen eigenen Arbeitswohl gemäß entscheiden zu müssen, ist nicht immer leicht zu lösen. Doch bald schon tauchen schüchtern die ersten Schwangerschaftsbeschwerden auf und mit ihnen die Frage: »Wie soll ich die nächsten arbeitsamen Monate eigentlich überhaupt durchhalten?«

Doch Fluchen oder gotteslästerliche Reden während der Schwangerschaft sind von alters her verboten, da früher die Überzeugung vorherrschte, solch unflätige Frau bringe zur Strafe eine Missgeburt zur Welt. Auch die Frau von heute lächelt tapfer auf die Frage, wie es ihr denn gehe, und tauscht sich zumeist nur mit ebenfalls trächtigen Damen oder ihrer Frauenärztin über ihre Beschwerden aus. Früher gab es ein strenges Korsett von Vorschriften und Verboten, mit dem die Gesellschaft den Ängsten werdender Mütter begegnete: Schwangere durften nicht den Mond betrachten, denn sonst drohte das Kind zum Schlafwandler zu werden. Sie sollten sich von Hunden fernhalten, denn würden sie angesprungen, bekäme das Kind womöglich pfotenförmige Hände. Werdende Mütter durften auch nicht mit übergeschlagenen Beinen dasitzen, um keine Missbildung zu riskieren, durften an keinem Leichenzug teilnehmen, weil das Kind dann aussehen würde wie eine Leiche, und sie mussten die Rolle der Patentante ablehnen, da sie ansonsten den Tod ihres Kindes in Kauf nahmen. Grundsätzlich sollten sie jede Aufregung und jeden unangenehmen Eindruck vermeiden, eine Regel, die auch heute noch in exotischen Erdenregionen gilt. Nigerianische Frauen bedecken bei einem unschönen Anblick ihren Nabel mit den Händen, als wollten sie dem Kind in ihrem Bauch die Augen zuhalten.

Natürlich schränkt uns heutzutage derlei Aberglaube nicht mehr ein. Sie können im hoffnungsfrohen Zustand lange, romantische Mondscheinspaziergänge unternehmen. Ihren Hund müssen Sie nicht abschaffen, und der kreuzbeinige Yogasitz ist ein Renner in jeder Schwangerschaftsgymnastik. Aber die Angst selbst, die sich wie ein Knoten im Bauch der Mutter anfühlt und von der die mexikanischen Indianer (zu Unrecht) meinen, sie würde zu einem Knoten in der Nabelschnur führen, darf nicht unterschätzt werden. Denn es hat sich herausgestellt, dass eine zu starke seelische Belastung tatsächlich negative Auswirkungen auf den Geburtsverlauf nehmen kann. Wenn Sie also diese Zeilen lesen, fürchten Sie sich nicht, sondern nehmen Sie es als radikale Aufklärung. Sollte dann die eine oder andere Schwangerschaftsbeschwerde tatsächlich auftreten, sagen Sie sich: Ach ja, das ist also die häufig beschworene Übelkeit, die Müdigkeit oder der Bluthochdruck, davon hab ich schon gehört. Kann vorkommen, ist bekannt, ist alles schon mal da gewesen. Die in diesem Buch versammelte Präsentation aller nur möglichen Komplikationen soll Sie in die Lage versetzen zu erkennen, was Sie alles nicht haben. Und Sie andernfalls dazu ermutigen, sich Hilfe zu holen. Nicht stoisch Ihr Leiden zu ertragen oder es gar zu verleugnen, sondern mit anderen über Ihren Zustand zu reden und zu sagen: »Helft mir, unterstützt mich und erkennt meine Leistung endlich an! Tut mir etwas Gutes, bereitet mir Freude und schützt mich, so gut es geht.«

Sie müssen sich ja nicht gleich einen seit der Antike bekannten Talisman, den Klapperstein, um den Hals hängen, zum Heiligenbild der jungfräulich schwangeren Maria pilgern oder den Gürtel der heiligen Margareta berühren, die bei schwierigen Schwangerschaften angerufen wird. Sie brauchen auch keine Schutzheilige zu küssen oder in einer Wunderquelle wie im französischen Castennac zu baden. Halten Sie es einfach wie die Thailänderinnen, denen empfohlen wird, sich nur angenehme Dinge anzusehen, um sich in gute Stimmung zu versetzen. In Ihrem Falle könnte das eine wunderschöne Schmuckausstellung sein, eine Kinoromanze oder vielleicht doch die Californian Dream Boys?

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