Logo weiterlesen.de
Maddrax - Folge 406

Inhalt

  1. Cover
  2. Impressum
  3. Hilfreiche Links
  4. Was bisher geschah …
  5. Der dunkle Fluss
  6. Leserseite
  7. Cartoon
  8. Vorschau

was-bisher-50.jpg

Am 8. Februar 2012 trifft der Komet »Christopher-Floyd« die Erde – in Wahrheit eine Arche Außerirdischer. Die Erdachse verschiebt sich und ein Leichentuch aus Staub legt sich für Jahrhunderte um den Planeten. Nach der Eiszeit bevölkern Mutationen die Länder und die Menschheit ist degeneriert. In dieses Szenario verschlägt es den Piloten Matthew Drax, dessen Staffel beim Einschlag durch ein Zeitphänomen ins Jahr 2516 versetzt wird. Nach dem Absturz retten ihn Barbaren, die ihn »Maddrax« nennen. Zusammen mit der telepathisch begabten Kriegerin Aruula erkundet er diese für ihn fremde Erde. Bis sie durch ein Wurmloch, das sich im Forschungszentrum CERN auftut, in eine fremde Welt versetzt werden: auf einen von zwanzig Monden um einen Ringplaneten.

Sie finden sich auf dem Mond Terminus wieder in der Stadt Toxx. Doch wer hat sie hierher gebracht, zu welchem Zweck? Und sind auch Xaana und Jacob Smythe hier gelandet? Über Toxx liegt ein Strahlungsfeld, das alle Sprachen übersetzt – und gleichzeitig das frühere Leben vergessen lässt! Doch die Anzüge für das Wurmloch schützen auch vor dieser Strahlung; das erfahren die beiden, als sie Kra’rarr treffen, die Xaanas Anzug besitzt.

Rebellen gegen die technisch hochstehenden Herren entfernen die Peilsender, mit denen die »Friedenswahrer« alle Neuankömmlinge überwachen. Obwohl in Toxx Frieden herrscht, sind deren Methoden unmenschlich: Immer wieder werden Leute abgeholt und kehren mit gelöschten Persönlichkeiten zurück.

Matt will mehr über diese Herren erfahren, die in einem Turm im Zentrum der 10-Millionen-Stadt residieren. Doch da wird das Rebellennest ausgehoben. Matt, Aruula und der Widerständler Barr können sich retten, aber ihre Anzüge wurden an die Tauchergilde verkauft. Mit Kra’rarrs Hilfe – wobei Aruula einen neugeborenen Schnurrer von der Wolfsfrau adoptiert – holen sie sich die Anzüge zurück. Dabei werden sie von einem Spion in Diensten einer grauen Eminenz namens »Hochwürden« beobachtet. Der Religionsgründer will die beiden unterstützen, solange sie die Friedenswahrer von seinen eigenen Aktivitäten ablenken. Sein Spion M’Nemar hat Aruulas Schnurrer einen Chip implantiert, der die beiden ausspäht.

In einem Bergwerk mit den »vergessenen Büchern« fast sämtlicher Rassen in Toxx finden sie Xaanas Tagebuch und darin den Hinweis auf einen Ort, wo Vergnügungen zum Preis von Emotionen angeboten werden. Sie können einen Chip erringen, auf dem angeblich Xaanas Erinnerungen abgelegt sind, aber Matt findet darauf nur die eines Fremdwesens – während Aruula ungewollt eine eigene tiefreligiöse Erfahrung auf einem Chip abspeichert, was ihren Glauben an Wudan erschüttert.

Sie geraten in den Verdacht, den Vielfraß Caal vergiften zu wollen, der sich ihre Dienste erschwindelt hat – was aber auf M’Nemars Kappe geht, der sich nun umbringt, um seinen Herrn nicht zu verraten. Hochwürden setzt einen neuen Spion auf sie an und erfährt, dass die Tauchergilde eine tödliche Falle vorbereitet hat. Er hilft den beiden, indem er mit einem »Zeitgift« Aruula und sich selbst stark beschleunigt, sodass der Rest von Toxx stillzustehen scheint. Aber er will nicht nur helfen, er unterhält sich mit Aruula auch über deren Wudan-Glauben, um seine eigene Apos-Religion aufzuwerten.

Der dunkle Fluss

von Mia Zorn

Prolog

Zu dritt bedrohten sie Aruula. Hastig kletterte Matthew Drax die Felswand herab und eilte an die Seite seiner Gefährtin. Die mannsgroßen Echsen fauchten mit gebleckten Reißzähnen und reckten die klingenartigen Krallen – während weitere der Bestien dem Fluss entstiegen. Matt ließ seine Peitsche knallen und Aruula ihren Kampfstock wirbeln, doch die Kreaturen erwiesen sich als geübte Kämpfer. Geschickt wichen sie aus, sprangen über die Felsenwände und versuchten den beiden Menschen in den Rücken zu fallen. Und für jede von ihnen, die sie außer Gefecht setzten, schienen zwei neue aufzutauchen. Noch schafften sie es, den Feind auf Abstand zu halten. Doch wie lange noch?

Einige Tage zuvor im Brückenviertel

Vom Dach der Residenz Hochwürdens erhob sich ein Schwirrer in die Lüfte. Der unterarmlange, schmale Körper schimmerte zart grün im Mittagslicht. Wild mit seinen vier Flügeln flatternd gewann das insektenartige Wesen an Höhe, dann wich das Flattern einem gleichmäßigen Flügelschlag und der Schwirrer klapperte zufrieden mit seinen Beißzangen. Er liebte die Ruhe hier oben und die leichte Brise, die kühl um seine Kopffühler strich.

Unter ihm lag ein weißes Meer aus Häusern, Hütten und Bauten, kaum eines höher als zwei Stockwerke und in ihrer Form so unterschiedlich wie die Millionen und Abermillionen Wesen, die sie beherbergten. Das Häusermeer reichte von Horizont zu Horizont und wurde von den Einwohnern Toxx genannt – die einzige Stadt des Mondes Terminus.

Und keine Spezies kannte sich in Toxx so gut aus wie die Schwirrer – die fliegenden Boten von Toxx. Zusammengerollte Nachrichten, auf Papier geschrieben, trugen sie in Röhren an vier ihrer sechs haarigen Beine, dazu einen Tornister auf dem Rücken für den Transport größerer Gegenstände wie Datenkristalle.

Gerufen wurden sie mittels einer Pfeife. Die Töne mit hoher Frequenz konnten nur die Schwirrer vernehmen, und so verständigten sie sich auch untereinander. Es war ein Idiom, welches das Translatorfeld, das über Toxx lag, nicht in andere Sprachen umwandeln konnte – aber natürlich waren die Schwirrer nicht stumm. Auch hörten und verstanden sie die anderen Spezies problemlos; anderenfalls hätten sie die Aufträge, einen Zielort oder eine Zielperson anzufliegen, ja nicht annehmen können.

So hatte auch dieser Schwirrer einen Namen, den er seinen Kunden gegenüber aber nie aussprechen konnte: Rubinoc. Nicht mehr der Jüngste, war er als Boteninsekt viel herumgekommen in Toxx. Er kannte das Glockenviertel, in dem das spektakuläre Glockengeläut der Manutii stattfand, und das Händlerviertel mit seinen fünf großen Märkten. Das Brückenviertel, benannt nach den Brücken, die dort an vielen Stellen einen von insgesamt drei Flüssen querten, die ansonsten größtenteils unterirdisch durch die Stadt flossen. Das Grubenviertel, in dem die Bergbaugilde residierte und wo die Häuser aus Abraumgestein erbaut waren, während sonst die typischen Gipstuch-Bauten in Toxx vorherrschten.

Sein Lieblingsviertel war das Escherisch. Dort lebten primär die Pflanzenartigen, die Rubinoc für die außergewöhnlichsten Baumeister von ganz Toxx hielt. Aus biegsamen Hölzern, mit Gipstüchern verstärkt, bildeten deren Behausungen eine festungsartige Siedlung, wie ein Labyrinth verschachtelt und verbunden mit Stegen, Treppen und schmalen Durchgängen.

Nicht sattsehen konnte sich Rubinoc an dem Gebilde. Schöner noch als der Mathara-Brunnen im Osten der Stadt; ein großer, wasserführender Brunnen, umsäumt von riesenhaften Gebilden aus Holzstangen und Glasröhren, in denen Leuchtfische schwammen. Der Schwirrer stand nicht auf Fisch. Fette Käfer oder kleine Vögel waren eher sein Fall.

Ein weiterer sehenswerter – und nicht zu übersehender – Bau war der Turm im Zentrum von Toxx. Wie eine verschlungene Treppe zu den Sternen schien er über die Stadt zu wachen. Tatsächlich war er der Sitz der Friedenswahrer, wie die Herren der Stadt genannt wurden. So besonders das Bauwerk auch sein mochte, Rubinoc flog stets einen großen Bogen um den Turm. Unheimlich war er. So unheimlich wie seine unnahbaren Bewohner.

Bei dem Gedanken daran schüttelte der Schwirrer seinen dreieckigen Schädel. Dabei entdeckte er in der Ferne die Silhouette eines Levtyrna. Mit ausgebreiteten Lederschwingen zog der Riesenvogel einsame Kreise über dem Nebelfeld an der Stadtgrenze, gleich neben dem Az’kAhl-Bergwerk. Auch diesen unwirtlichen Ort mied Rubinoc. Er hatte gehört, dass mit dem Nebel grausame Geistwesen aus der Erde krochen, um ungebetene Wanderer in die Unterwelt zu entführen.

Ob das wohl stimmte? Rubinoc glaubte nicht so recht daran. Die Geschichte, dass in den Tiefen des Az’kAhl eine Kaverne mit uralten Büchern existierte, stimmte jedoch. Vor einigen Rotationen hatte er für einen zwielichtigen Kunden einige lose, uralte Seiten in die Residenz Hochwürdens geliefert. Entgegengenommen hatte die kostbare Fracht ein bulliger Kracharonomid, dessen schwarze Facettenaugen glitzerten, während er das Buch aus Rubinocs Transporttornister holte.

Inzwischen wusste er, dass es sich bei diesem Kracharonomiden um den Sekretär handelte, den Verbindungsmann Hochwürdens. Er hatte den Schwirrer so großzügig entlohnt, dass Rubinoc beschlossen hatte, einige Zeit im Brückenviertel zu verweilen. Seither hatten ihn etliche Aufträge von Hochwürdens Residenz in die verschiedensten Winkel der umliegenden Viertel geführt. Einen kannte er inzwischen in- und auswendig: das „Uferparadies“.

Wobei die Bezeichnung irreführend war. Denn das Uferparadies lag immerhin eine ganze Zirko vom Ufer des Flusses Merkudion entfernt. Mit seinen kleinen Märkten, unzähligen Tavernen und dem Gipslager im Zentrum war es Treffpunkt für trinkfreudige Knechte, die im Lager arbeiteten, und derbe Fuhrleute, die aus allen Ecken des Viertels Säcke mit Baumaterial abholten.

Dorthin war Rubinoc auch nun wieder unterwegs. Denn seit zwei Rotationen herrschte ein reger Briefkontakt zwischen dem Zentrum des Uferparadieses und Hochwürdens Residenz. Genauer gesagt, zwischen dem Sekretär und einem Bor’ga-Weib namens S’Zumar – eine von vielen Spionen Hochwürdens.

Normalerweise mochte Rubinoc die Bor’gaa; freundliche Wesen mit rüsselartig geformter Schnauze und flinker Zunge, die meist einen guten Spruch zum Besten gaben. Nicht besonders groß gewachsen, waren ihre Arm- und Beinglieder unverhältnismäßig lang zum Rest des zotteligen Körpers, wodurch sie manchmal ein wenig unbeholfen wirkten. Mit ihren spitzen Schädeln und Ohren und den weit hinten liegenden Schlitzaugen vermittelten die Bor’gaa den Eindruck, als könnte ihnen nichts, was in ihrer Umgebung geschah, entgehen. Und tatsächlich – wollte man den neuesten Klatsch eines Viertels erfahren, wusste ein Bor’ga fast so gut Bescheid wie ein Schwirrer. Doch die Boteninsekten fragte man ja nicht, denn wie schon erwähnt: Sie waren von den anderen nicht zu verstehen.

S’Zumar hingegen schlug aus der Art. Jedenfalls empfand Rubinoc es so. Verschlossen wie eine Morganmuschel aus dem Fluss, hielt sie kaum Kontakt mit ihrem Umfeld. Spärliche Worte kamen undeutlich und zischend aus dem Rüsselmaul, und ihre Bewegungen wirkten fahrig und nervös. Obendrein war sie noch unfreundlich und geizig mit der Entlohnung.

Rubinoc konnte diese S’Zumar nicht ausstehen und wünschte sich deren Vorgänger M’Nemar zurück – doch dieser war unter mysteriösen Umständen gestorben. Es hieß, er habe sich selbst umgebracht. Wie auch immer, Rubinoc hasste die Botenflüge zu S’Zumar. Nur heute nicht. Heute freute er sich fast ein wenig darauf.

Grund dafür war der Zornausbruch des Sekretärs, als Rubinoc ihm am Morgen eine Botschaft von S’Zumar überbracht hatte. Sämtliche Fühler am Schädel des Kracharonomiden hatten gezittert, während er die Nachricht las. Danach tobte er fluchend durch seine Gemächer. „Diese hirnlose Rüsselzottel! Der Mazzick soll sie holen!“

Rubinoc hatte vorsorglich die Flucht ergriffen. So außer sich hatte er Hochwürdens Verbindungsmann noch nie erlebt. Doch gegen Mittag dann, als die Pfeife erklang, beeilte sich der Schwirrer, um vor seinen Artgenossen beim Sekretär zu sein. Dieser wirkte nun zwar ganz ruhig, doch aus der Art und Weise, wie er mit spitzen Krallen die Papiernachricht in Rubinocs Beinrolle steckte und danach aus einem Kästchen einen fetten Käfer fischte, erkannte das Boteninsekt, dass sein Zorn noch nicht verraucht war.

„Du wenigstens hast dir die Belohnung verdient, Schwirrer. Extrem verdient.“ Mit schimmernden Facettenaugen beobachtete der Kracharonomid, wie Rubinoc mit den vorderen Greifarmen zupackte und dem zappelnden Käfer den Kopf abbiss. „Mmh“, brummte der Sekretär. „So ist es recht. Und nun bring S’Zumar meine Nachricht.“

Als Rubinoc jetzt daran dachte, tauchte vor seinem inneren Auge unvermittelt das Bild einer kopflosen Bor’ga auf. Vergnügt klapperte er mit seinen Beißwerkzeugen.

Inzwischen hatte der Schwirrer den Fluss erreicht. Unter ihm brandeten die hellgrünen Fluten des Merkudion gegen das Schleusenhaus, hinter dem der Fluss unterirdisch weiter strömte.

Rubinoc flog in Ufernähe weiter flussaufwärts. Violettes Gras, durchsetzt mit gelben Kalikoblüten, säumte den Merkudion. Landeinwärts bedeckten bunte Gemüsefelder das Land. Nach einer halben Zirko kam die Gallbrücke in Sicht. Dort angekommen, querte der Schwirrer den Fluss, flatterte tief über die Ruine des Brückenhauses und sah endlich die Hausdächer des Uferparadieses.

Während Rubinoc sich nun zügig seinem Ziel näherte, freute er sich diebisch auf den Moment, wenn die unfreundliche Bor’ga die Zeilen des Sekretärs lesen würde.

mx-kapitel.jpg

Uferparadies

S’Zumar hockte auf der Ladefläche ihres Karrens. Sie schwitzte unter dem dunklen Umhang und dem schwarzen Tuch, das sie um ihr Kopffell gewickelt hatte. Doch ablegen wollte sie beides nicht. Die Kleidung gehörte zu ihrer Tarnung, wie auch der Karren mit den Körben voller Waren, die sie auf verschiedenen Märkten der Stadt günstig erworben hatte: Schuhwerk, Handschuhe und Gürtel aus Pflanzenfasern und Leder.

Die Spionin hatte ihr Gefährt am Ende der Reihen von Ständen und Buden platziert, die rechts und links die breite Zufahrt zum Gipslager säumten. Beliebt waren die Verkaufsplätze ganz vorn bei den Lagerhallen, doch hier hinten glaubte sich die Bor’ga unauffälliger bewegen zu können. Außerdem hatte sie einen guten Blick auf die Ausgaberampe vor dem Gipsdepot.

Dort erschien hin und wieder das Objekt ihrer Beobachtung – das Gelbhaar Maddrax. Humanoides Männchen, groß, schlank, blaue Augen, gelbes Kopffell, bekleidet mit einem schimmernden einteiligen Anzug, zu dem Handschuhe und ein Helm mit Visier gehören. So hatte ihr Vorgänger M’Nemar in seinen Aufzeichnungen den Fremden beschrieben, als er die Überwachung von Maddrax und dessen Weibchen, das sich Aruula nannte, übernommen hatte. Ein Schwarzhaar mit großen braungrünen Augen war sie, ebenfalls gekleidet in den gleichen einteiligen Anzug. Sie trug einen Stock bei sich, den sie als Waffe einsetzte.

Inzwischen konnte die Bor’ga den Aufzeichnungen einige Details hinzufügen. Zum Beispiel, dass Maddrax inzwischen über eine Peitsche verfügte, die er als Gürtel getarnt um die Hüften trug und deren Spitze er mit einem Pflanzendorn des Obnoee-Strauchs ausrüsten konnte, um seine Gegner für einige Zentos zu lähmen. Bei den beiden schien es sich offensichtlich um kampferprobte Krieger zu handeln.

Vor zwei Nächten war die Spionin ihnen von einer der zahlreichen Brücken aus hierher gefolgt. Das Paar hatte Unterkunft in der Herberge Flussruhe gesucht. Um Ringwedlerschuppen zu sparen, von denen die beiden wohl nicht viele besaßen, bezahlten sie Kost und Logis gegen Obligate, die aus Säckeschleppen im Gipslager bestand.

Inzwischen kannte die Spionin auch den Grund für den Aufenthalt der Gefährten – dank dem Schnurrer. M’Nemar hatte das Jungtier den Fremden untergejubelt – und noch immer ahnten die beiden Humanoiden, so kampferprobt sie auch waren, nichts von dem tierischen Verräter, der nicht nur jeden ihrer Schritte, sondern auch jedes ihrer Worte aufzeichnete. Auf einem Chip, den M’Nemar dem Schnurrer ins Gehirn implantiert hatte.

Regelmäßig lieferte das katzenartige Wesen der Bor’ga wertvolle Informationen, die sie an Hochwürden weitergab. So hatte sie beim letzten Scannen des Chips erfahren, dass Aruula momentan zu erschöpft war, um weiterzureisen. Schon verwunderlich, dass die kleine Auseinandersetzung mit der Tauchergilde das Humanoidenweibchen dermaßen geschwächt hatte.

So viel zu ‚kampferprobt‘! Grunzend fischte S’Zumar eine Ragone aus ihrer Tasche und biss hinein. Maddrax glaubte, Aruulas Erschöpfung hinge mit dem zusammen, was er als „sich aus der Zeit lösen“ bezeichnete. Beide redeten ständig darüber, und über einen ominösen Mönch, der Aruula dabei angeblich begleitet hatte.1)

Wie kann man sich denn aus der Zeit lösen? Grimmig biss die Spionin noch einmal zu und zermalmte das gelbe Fleisch der süßen Frucht zwischen ihren Backenzähnen. Tatsächlich hatte sie Aruula kurz aus den Augen verloren, doch nur wenige Augenblicke – dann war das Weibchen auch schon wieder aufgetaucht. Wie konnte es also sein, dass ihr in einem Zeitraum von einigen Ticks etwas zugestoßen war, was sie so erschöpft hatte?

Ärgerlich schob sich S’Zumar den Rest der gelben Ragone in den Mund. Sollte Maddrax doch glauben, was er wollte! Die Bor’ga schluckte den letzten Bissen herunter und besann sich wieder auf ihren Auftrag: all diese Informationen dem Verbindungsmann Hochwürdens weiterzuleiten und gegebenenfalls die beiden Humanoiden, die sich „Menschen“ nannten, zu unterstützen.

Die akribisch zusammengestellten Aufzeichnungen, die sie inzwischen dem Sekretär geschickt hatte, schienen Hochwürden zufrieden zu stellen; er hatte S’Zumar befohlen, weiter auf ihrem Posten zu bleiben und zu beobachten.

Gestern Abend hatte Aruula ihr Lager verlassen, um mit dem Gelbhaar eine Mahlzeit im Speiseraum der Herberge einzunehmen. Einzelheiten über ihre Gespräche dort waren heute Morgen den Aufzeichnungen vom Chip nicht zu entnehmen gewesen – der Schnurrer hatte während des Mahls in der Küche Jagd auf Krabbeltiere gemacht. Doch nachts in ihrem Zimmer redete Maddrax von Aufbruch. Die beiden wollten weiter in Richtung des Turms ziehen.

Diese Information hielt S’Zumar für wichtig genug, um sie dem Sekretär umgehend mitzuteilen. Noch vor Anbruch der nächsten Rotation hatte sie einen Schwirrer zur Residenz Hochwürdens geschickt.

Inzwischen war es Nachmittag und die Spionin hielt die nächste brisante Botschaft für den Sekretär bereit. Sie war sich nämlich sicher, dass sie nicht mehr die Einzige war, die das humanoide Paar überwachte!

Aus schmalen Augen schielte sie zur anderen Straßenseite hinüber. Dort stand ein kahlköpfiger Katta mit einer Art Bauchladen vor seinem gedrungenen Leib. Er tat so, als würde er Gewürze feilbieten. Allerdings galt seine Aufmerksamkeit mehr der Ausgaberampe beim Gipslager als den interessierten Käufern, die hin und wieder nach seinen Pülverchen fragten.

Ob es nun die feuerrote, tropfenförmige Narbe war, die die linke Gesichtshälfte des Kerls verunstaltete, oder dessen viel zu enge Kleidung, in der er aussah wie ein zu dick geratenes Wasyden-Kind – jedenfalls war er S’Zumar schon gestern aufgefallen. Da hatte er sich mit der Kräuterhändlerin ein paar Stände weiter unterhalten und sich mit einigen Beuteln Heilkräuter eingedeckt. Als dann Maddrax vom Gipslager zur Herberge marschiert war, fielen dem Katta fast die Augen aus dem Kopf. Er hatte ihm nachgestarrt, als sähe er einen Geist. Und als der Katta heute Morgen mit seinem Ulmiren hier aufgetaucht war, um sich in die Händlerzeilen einzureihen, da schrillten bei S’Zumar sämtliche Alarmglocken.

In ihren Aufzeichnungen hielt sie fest, wie das Narbengesicht Maddrax mit Blicken verfolgte, als dieser auf dem Weg zum Gipslager war. Wie kurze Zeit später ein blau-gelb gefiederter Quittri beim vermeintlichen Händler auftauchte und beide verdächtig lange die Köpfe zusammensteckten. Und wie plötzlich ein Streit zwischen den beiden ausbrach, in dessen Verlauf das Narbengesicht den Vogelartigen lautstark davongejagt hatte.

Um was es bei der Auseinandersetzung ging, konnte S’Zumar von ihrem Platz aus nicht hören. Die Quittris mit ihren langen behuften Beinen waren in Toxx als Langfinger bekannt. Vielleicht hatte der Gefiederte den Katta bestehlen wollen. Wie auch immer, das alles war höchst verdächtig und die Spionin ließ den vermeintlichen Gewürzhändler nicht aus den Augen. Jetzt spähte dieser zu Aruula hinüber, die vor einiger Zeit hier aufgetaucht war.

S’Zumar folgte seinem Blick. Ganz offensichtlich ging es der Frau besser.

Wollen Sie wissen, wie es weiter geht?

Hier können Sie "Maddrax - Folge 406" sofort kaufen und weiterlesen:

Amazon

Apple iBookstore

ebook.de

Thalia

Weltbild

Viel Spaß!



Kaufen






Teilen