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Maddrax - Folge 398

Inhalt

  1. Cover
  2. Impressum
  3. Hilfreiche Links
  4. Durch Zeit und Raum
  5. Leserseite
  6. Vorschau

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Am 8. Februar 2012 trifft der Komet „Christopher-Floyd“ die Erde – in Wahrheit eine Arche Außerirdischer, der Daa’muren. Die Erdachse verschiebt sich und ein Leichentuch aus Staub legt sich für Jahrhunderte um den Planeten. Nach der Eiszeit bevölkern Mutationen die Länder und die Menschheit ist degeneriert. In dieses Szenario verschlägt es den Piloten Matthew Drax, dessen Staffel beim Einschlag durch ein Zeitphänomen ins Jahr 2516 gerät. Nach dem Absturz wird er von Barbaren gerettet, die ihn „Maddrax“ nennen. Zusammen mit der telepathisch begabten Kriegerin Aruula erkundet er diese für ihn so fremde Erde.

Aus dem „zeitlosen Raum“, der Schnittstelle vieler Paralleluniversen, gelangt ein Archivar in unsere Zeit und Welt: Samugaar, der die Erde erobern will. Durch ein Schlangengift-Serum macht er Aruula hörig, die sich von Matt getrennt hatte. Sie treffen sich erst beim Endkampf gegen Samugaar im zeitlosen Raum wieder. Die anderen Archivare entgiften Aruula, doch dann kommt es zur Katastrophe: Das Tor in unsere Welt kollabiert! Samugaar kann an der Flucht gehindert werden, doch ein bodenloser Koffer, in den der Archivar gefährliche Artefakte gepackt hatte, wird herübergeschleudert. Bei seiner Ankunft verteilen sich die Artefakte über die ganze Erde. Mit einem Scanner spürt Matt die ersten davon auf und macht sie unschädlich. Dabei hilft ihm die Daa’murin Gal’hal’ira (kurz: Ira). Ein zweiter auf der Erde zurückgebliebener Daa’mure ist Grao’sil’aana (Grao), der Aruula übel mitgespielt hat.

Um weitere Artefakte zu lokalisieren, dockt Matt am marsianischen Raumschiff AKINA an, das verlassen im Orbit kreist. Doch als er den Autopiloten abschaltet, wird das Schiff zum Mars beordert! Dort geraten Matt und Aruula in einen Bürgerkrieg und werden genötigt, durch den Zeitstrahl, der vom Mars zur Erde reicht und schon verantwortlich für Matts ersten Zeitsprung war, gleich wieder zurückzukehren. Doch die Anlage ist defekt: Sie überspringen dabei ganze sechzehn Jahre und müssen sich in einer neuerlich veränderten Welt zurechtfinden.

In Moskau treffen sie auf einen Roboter, der in der Gestalt Dschingis Khans als Statthalter für eine Gruppe fungiert, die sich die „Schwarzen Philosophen“ nennt. Mit der Hilfe eines Artefakts will er eine Armee von telekinetisch begabten Nosfera erschaffen – was Matt und Aruula verhindern. Danach holen sie sich von Ira den Amphibienpanzer PROTO zurück und befreien sie und Grao aus dem Einfluss einer Stadt im ehemaligen Kratersee, die mit hydritischer Bionetik zur Todesfalle wurde. Die beiden Daa’muren bleiben dort, als die Stadt ihren Fehler erkennt, und helfen beim Aufbau einer Gemeinschaft.

In Schottland wartet dann ein Schock auf Matt und Aruula: Canduly Castle, die Burg ihres Freundes Rulfan, ist zerstört! Die Schwarzen Philosophen haben die Macht übernommen und wollen die Artefakte im Hort des Wissens rauben. Rulfan zerstört sie alle und Rulfans Sohn Juefaan schießt sich Matt und Aruula an. In Glasgow, wo sie auf den nächsten Statthalter in Gestalt Aleister Crowleys treffen, rettet eine junge Frau Matts Leben, um danach gleich wieder zu verschwinden. Er weiß nicht, dass Xaana seine Tochter aus der Zukunft ist, mit der seine im zeitlosen Raum verschollene Ex-Freundin Xij schwanger war.

In der Schweiz werden sie Zeuge, wie sich im CERN durch einen Unfall ein Wurmloch öffnet. Während Xaana zum neuen Hort des Wissens reist, erfahren sie von einem weiteren Statthalter, der Washington übernehmen soll: die Robot-Version von Professor Dr. Smythe, Matts totem Erzfeind! Matt und Aruula brechen nach Meeraka auf, während Juefaan die Basis des Feindes in Tibet aufspüren will.

In Waashton plant Smythe die Übernahme. Matt und Aruula stoßen zu den Rebellen, um seinen Plan zu vereiteln. Doch nach der Schlacht fehlt von Smythe und Matt jede Spur. Letzteren spürt Aruula nach sechs Tagen auf, doch was mit ihm passiert ist, weiß er nicht. Sie finden ein weiteres Artefakt: einen Strahler, der Menschen zu Berserkern macht, aber verloren geht. Später stößt Juefaan in Nepal auf das fliegende Kloster der SP, wird von ihnen entdeckt und gefangen genommen. Und nicht nur das – ihnen fällt der Meng-âmok in die Hände, die Berserker-Waffe!

Derweil greift Jacob Smythe Matt und Aruula an. Dabei wird Matt von einem Blitzstab getroffen. Etwas in seinem Nacken brennt durch und schädigt sein Gehirn. Er sucht Hilfe bei den SP und erfährt eine erschreckende Wahrheit: Er ist ein Klon, der im Auftrag der Feinde handelte! Vor seinem Tod verhilft er Aruula und seinem Original zur Flucht. Sie schließen nun auf schnellstem Weg zu Juefaan auf. In Tibet befreien sie ihn aus der Gewalt der SP, und mit ihm den Hydriten Quart’ol, können aber nicht verhindern, dass das Schwarze Kloster nach Agartha weiter fliegt. Während Matt in Kathmandu ein Flugzeug repariert, wobei ihm Unbekannte helfen, fährt Juefaan mit Quart’ols Körper zurück nach Schottland, um ihn dort in Sicherheit zu bringen und seine Freundin Jaira mit einem Gegenmittel der Schwarzen Philosophen von einem Hirnparasiten zu befreien. Als Matt und Aruula starten, ahnen sie nicht, dass sich eine blinde Passagierin an Bord befindet – die aber helfend eingreifen kann, als Matt von einer explodierenden Konsole geblendet wird und sie zwischenlanden müssen.

Inzwischen findet Jacob Smythe den Weg zum neuen Hort des Wissens. Dort will er auf Matt und Aruula warten, erliegt aber der Faszination des Wurmlochs im CERN – und verschwindet bei der Erforschung genauso wie Xaana …

Als der noch immer blinde Matt, Aruula und Maylin Agartha erreichen, wobei die Frauen die Maschine fliegen, ist ein Vorkommando der Schwarzen Philosophen bereits dort eingedrungen. Ira und Grao befinden sich ebenfalls dort, wurden aber festgesetzt. Dank einer Vision der unverhofften Passagierin, die im Kampf gegen den Anführer stirbt, und Iras Wandlerfähigkeit können sie aber verhindern, dass der Meng-âmok abgefeuert wird. Die Agarther bringen den Schwarzen Philosophen eine vernichtende Niederlage bei, doch eine Handvoll kann mit einem Luftschiff fliehen und nimmt Kurs auf Euree. Matt, dem in einer OP neue Augen implantiert werden, Aruula und die beiden Daa’muren, die freigelassen werden, folgen ihnen.

Durch Zeit und Raum

von Manfred Weinland

Die wuchtigen Excellox-Behälter hatten mehr als ein halbes Jahrtausend überdauert. Ihrer bizarren Ästhetik konnte sich auch die Gestalt nicht entziehen, die sich aus den Schatten des nahen Wäldchens löste. Jeder einzelne der im Kreis angeordneten Quader hatte eine Länge von knapp acht und eine Höhe von drei Metern.

Noch trotzten die Stahlkolosse auch den tagtäglich stärker werdenden Stürmen. In den vergangenen Jahren hatte sich eine Bedrohung etabliert, mächtiger als alle Anfeindungen davor: die in Aufruhr geratene Natur. Den nächtlichen Besucher hinderte dies nicht, seiner Bestimmung zu folgen …

Xij Ericson fühlte sich in eine Jahrmarktsattraktion versetzt, in ein Spiegellabyrinth, in dem das Gehirn kaum in der Lage war, zwischen Täuschung und Wirklichkeit zu unterscheiden. Dabei war es der in Auflösung begriffene zeitlose Raum, in dem sich ihr Schicksal entscheiden würde. Er verknüpfte alle achtzig Parallel-Erden miteinander, war quasi der Knotenpunkt, von dem aus diese Welten überwacht und auch kontrolliert werden konnten. Wobei kontrolliert zu hochgegriffen war. Die Archivare hatten zwar Methoden entwickelt, um Informationen und Artefakte aus allen Zeitaltern abzuschöpfen, aber kontrollieren im Sinne von beherrschen vermochten sie diese Parallelwelten nicht.

Eine solche Machtfülle hatten sie auch nie angestrebt – bis auf einen von ihnen, und dieser erst aufgrund einer eklatanten Persönlichkeitsstörung.

Xij verdrängte die Gedanken an Samugaar, den außer Kontrolle geratenen Archivar. Hier und jetzt zählten nur drei Personen für sie: ihre Tochter Xaana, ihr Mann Tom und last but not least sie selbst!

Ganz pragmatisch gesprochen war in diesem Moment nur ihre eigene Zukunft von Belang – und die lag eindeutig in der Vergangenheit, Pi mal Daumen eine Million Jahre von hier entfernt.

Wobei auch das nicht stimmte, solange sie sich im zeitlosen Raum aufhielten. Der Ort, an dem Xij und Tom ihre Tochter – Matts Tochter!, stellte sie richtig – großgezogen hatten, war die Domäne. Sie war, anders als der zeitlose Raum, in die Realität eingebettet, und von ihr aus betrachtet trennten sie rund eine Million Jahre von jener Erdepoche, aus der Tom und sie stammten.

„Komm zu dir!“ Xij schüttelte Tom grob durch. Aber nur deshalb, dass er immer noch unter dem Einfluss des Emotionsmodulators zu stehen schien. Immer wieder entfuhr dem ehemaligen Archäologen ein wildes, durch nichts gerechtfertigtes Lachen.

Schließlich wusste Xij sich nicht mehr anders zu helfen, als ihn zu ohrfeigen. Einmal links, einmal rechts. „Komm schon! Ohne deine Hilfe schaffen wir es nicht! Reiß dich zusammen! Die Archivare wollen uns daran hindern, Xaana zu folgen! Willst du, dass ihnen das gelingt?“ Wieder schüttelte sie ihn so heftig, dass sein Kopf marionettenhaft vor und zurück kippte.

Toms logisches Denkvermögen war eingeschränkt. In dieser Verfassung hatte Xij ihn nicht einmal bei ihrer ersten Begegnung in der Domäne erlebt, obwohl er damals gerade erst dem Resozialisierungstank entkommen war.

Trotz der emotionalen Achterbahnfahrt, die der Modulator in ihm ausgelöst hatte, schien ihn Xijs Appell wenigstens annähernd zurück in die Spur zu bringen. Er riss sich los und blickte in die Richtung, wo sich die Steuerung der Tore befand. Auch jenes Tores, durch das Xij ihre Tochter Xaana in höchster Not gestoßen hatte – nachdem klar war, dass die verfügbare Energie nicht ausreichte, um mehr als eine Person in die einprogrammierte Zielzeit zu befördern. Als sie es Hand in Hand versucht hatten, waren sie von dem mahlstromartig wirbelnden Feld zurückgeworfen worden. Xaana allein hatte das Tor dann transportiert. Wenigstens sie war damit in Sicherheit.

Aber seither waren sie getrennt, und wenn nicht ein Wunder geschah, würden die Zeitportale kollabieren und den Weg in die Vergangenheit für immer versperren.

Falls sie es überhaupt überlebten. Aller Wahrscheinlichkeit nach würde der zeitlose Raum völlig zerstört werden, und mit ihm alle Artefakte, die sich darin befanden. Und sie beide.

Xij steigerte sich in ihre Wut auf die Archivare hinein. Dabei brachte sie für deren tiefe Identitätskrise durchaus Verständnis auf. Dass sie daraus aber eine so radikale und unumkehrbare Entscheidung abgeleitet hatten, den zeitlosen Raum kollabieren zu lassen, stand auf einem anderen Blatt und war in ihren Augen durch nichts zu rechtfertigen.

Während Xij immer noch auf Toms Antwort wartete, blickte sie wieder zu den Archivaren, die eben noch versucht hatten, ihrer habhaft zu werden, nun aber kehrtmachten und dem Ausgang entgegen eilten – jenem Nadelöhr, das den zeitlosen Raum mit der Domäne verband.

Sie geben auf. Vielleicht bleibt uns doch noch eine winzige Chance!

Toms Kopf flog herum. Er hatte in den letzten Sekunden angestrengt auf die Torsteuerung gestarrt, als müsse er sich mit aller ihm verbliebenen Willenskraft darauf fokussieren, die kryptischen Schriften und Zahlenkolonnen zu lesen und zu deuten. „Wenn ich die Werte richtig lese, sollte es gleich so weit sein!“ Seine Stimme klang so, als stünde er nicht länger unter dem Einfluss des Emotionsmodulators.

„Was heißt das? Dass wir Xaana folgen können?“ Xijs Herz machte einen Hüpfer.

Er nickte zögerlich. „Noch baut sich die Energie auf, aber es dauert nicht mehr lange, bis sie für einen gemeinsamen Sprung ausreicht.“

„Wie lange ist ’nicht mehr lange’?“, fragte Xij mit einem bangen Blick in die unendliche Tiefe des Raums – die nicht mehr unendlich war! Irgendetwas hatte begonnen, ihn anzugreifen, zu destabilisieren. Ein Teil seiner Wände schien bereits niedergerissen und beunruhigende Lichteffekte leckten aus dem Nirgendwo ins Innere.

Xij glaubte einen Blick auf Sterne zu erhaschen; Sterne aber, die mit aberwitziger Geschwindigkeit tanzten, als wären es die Fackeln eines Feuerspuckers, mit denen er jonglierte. Ferne Sonnen wirbelten und erloschen, dafür entstanden aus dem Nichts neue Lichter – und vergingen. Der unablässige Kreislauf des Kosmos.

„Schwer einzuschätzen in einem zeitlosen Raum“, erwiderte Tom auf ihre Frage und grinste sein jungenhaftes Grinsen. „So viel Zeit hoffentlich, wie uns bleibt.“

Bei diesen Worten musste Xij unweigerlich wieder daran denken, was zwischen ihr und Tom stand. Neben einem Unsterblichen alt zu werden, während Tom sich äußerlich rein gar nicht veränderte, war eine Unausweichlichkeit, die sie meistern musste. Noch war der Unterschied nicht gravierend, aber sie ging allmählich auf die vierzig zu, während er noch immer wie Mitte dreißig aussah.

Was ist in dich gefahren?, rief sie sich selbst zur Ordnung. Um dich herum geht das Universum unter, und du machst dir Gedanken ums Altern? Übersteh mal lieber die nächsten Minuten!

Tom konzentrierte sich völlig auf die Torsteuerung, hantierte in einer Weise daran herum, die Xij auch in tausend Jahren nicht verstehen würde.

Der Sog, der alles über die Schwelle des kollabierenden Tores vor ihnen zerrte, wurde immer stärker. Wenigstens funktionierte die Sicherung noch, die alle Artefakte jenseits des Übergangs vernichtete. Nicht auszudenken, wenn sie in den verschiedenen Parallelwelten und Zeiten materialisieren würden.

Xij trat an ihren Mann heran und hielt sich an ihm fest. „Zeigt es an, wenn die Aufladung für einen gemeinsamen Sprung reicht?“

Er gab keine Antwort, aber sie spürte seine Zweifel wie etwas mit den Händen Greifbares.

„Tom!“

Mit weit aufgerissenen Augen sah Xij, wie rechts und links Wandteile einfach fortgerissen wurden, von Kräften, die nicht aus den Toren selbst kamen, sondern aus den Dimensionen, in denen der zeitlose Raum seit einer Ewigkeit verankert gewesen war. Kräfte, denen er all die Zeit scheinbar mühelos getrotzt hatte.

Aber das funktionierte nur mit der Unterstützung der Erbauer dieser Sphäre. Nun, nachdem sie beschlossen hatten, den zeitlosen Raum aufzugeben, wirkten die kosmischen Kräfte vernichtend auf seine Struktur.

Ein Kribbeln in den Beinen kündigte den endgültigen Kollaps der Sphäre an. Die Vibration des Bodens fühlte sich an wie ein Erdbeben der Stärke 6, das sich, statt allmählich abzuflauen, mit jeder verstreichenden Sekunde noch steigerte.

„Wir müssen es riskieren! Jetzt!“, schrie Xij gegen das Rumpeln an, das die Vibrationen erzeugten. Sie wollte Tom mit sich ziehen – doch in diesem Moment riss er sich los und taumelte ein paar Schritte von ihr weg.

„Tom! Nein!“ Was machte er da? Hatten die Manipulationen der Archivare ihn so sehr in Mitleidenschaft gezogen, dass er zu keinem logischen Handeln mehr fähig war?

Dann sah sie ihn stürzen – nein, er fiel auf die Knie, wühlte in den Trümmern aus Dreibeinstativen und herabgefallenen Artefakten. Was zum Teufel hatte er vor?

Xijs Kräfte erlahmten. Aber sie wollte keinesfalls ohne Tom in den Wirbel der Zeiten gesaugt werden. Verzweifelt stemmte sie sich gegen den Sog, der sie in das offene Tor reißen wollte. Schon war sie an der Schwelle, sah dahinter Blitze in der Unendlichkeit zucken.

Im buchstäblich allerletzten Moment tauchte Tom neben ihr auf. Er presste etwas an seine Brust. „Los jetzt!“, rief er. „Wir können nicht länger warten. Wir gehen durch!“

„Reicht die Energie denn aus?“

Sein Schweigen war Antwort genug; er wusste es nicht.

Xij gab ihren Widerstand auf und fühlte sich nach vorn gerissen. Bange gab sie sich der Ungewissheit hin, die am Ende dieser Reise durch Zeit und Raum wartete – falls es in dieser Unendlichkeit überhaupt ein Ende gab. Wenigstens fühlte sie Tom an ihrer Seite. Wo immer sie stranden würden, sie waren zusammen.

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Das Stonehenge-Tor spie sie aus.

Tom duckte sich instinktiv, als eisige Sturmböen über ihn hinwegfegten. Sein bloßes Gewicht zwang Xij, an der er sich immer noch festhielt, mit in die Knie und hinter den Schutz eines der gewaltigen Megalithblöcke, die um sie herum aufragten. Sofort wurden die ruppigen Winde abgeschirmt. Nur ihr infernalisches Heulen blieb.

Tom drehte sich halb, sodass er den Steinboliden in seinem und Xijs Rücken hatte, dann schloss er für Sekunden, die ihm wie Minuten vorkamen, die Augen und versuchte zu sich selbst zu finden.

Die Ereignisse im zeitlosen Raum waren nicht spurlos an ihm vorübergegangen; an ihm nicht und erst recht nicht an Xij, deren Unruhe er spüren konnte. Sie wirkte wie ein bis zum Anschlag aufgezogenes Spielzeug, das in dem Moment, da man den Schlüssel in seinem Rücken losließ, losrattern würde. Tom wusste, welcher Gedanke Xij beherrschte, ohne dass sie es aussprechen musste.

„Wir suchen gleich nach ihr!“, sagte er. „Aber komm erst mal zu Atem!“

Das sie umgebende Zwielicht verlieh den Megalithsteinen eine Bedrohlichkeit, die diesem besonderen Ort durchaus gerecht wurde. Aber gleichzeitig fielen Tom Diskrepanzen auf, die ihn kurzzeitig sogar zweifeln ließen, am richtigen Ort angelangt zu sein. In seiner Erinnerung hatte der Stonehenge-Kreis anders ausgesehen. Es gab Abweichungen, die er sich nicht erklären konnte. Hier und da fehlten schlichtweg einige der tonnenschweren Steine. Wer hatte sie entfernt, und warum?

„O mein Gott!“, rief Xij. Sein Blick folgte ihrem ausgestreckten Arm, der über den oberen Rand eines waagerecht liegenden Megalithsteines wies, wo eine fahle Scheibe am Himmel prangte, die unmöglich die Sonne sein konnte. Erstens war ihre Leuchtkraft viel zu gering, und zweitens hatte sie mindestens den doppelten Durchmesser der Sonnenscheibe, vielleicht sogar den dreifachen.

Die Erkenntnis brachte Toms Blut zum Gefrieren. Zumindest fühlte es sich so an.

Bei dem gewaltigen Gebilde am Himmel handelte es sich um nichts anderes als um den Erdmond! Deutlich erkannte er die Ausbuchtung, die einst der Streiter in seine Oberfläche geschlagen hatte.

Aber so groß …?

Tom schüttelte fassungslos den Kopf. So groß hatte noch kein Mond über England gestanden – nicht zu den Zeiten jedenfalls, in denen sie beide noch auf der Erde gelebt hatten.

Der daraus resultierende Schluss war niederschmetternd.

„Das ist nicht die Zeit, in die wir Xaana geschickt haben!“, sagte er mit krächzender Stimme, weil sich sein Mund plötzlich staubtrocken anfühlte. „Etwas ist schief gegangen. Wir sind nicht weit genug in die Vergangenheit gereist.“

„Mal den Teufel nicht an die Wand …“

Nichts, was Tom weniger gewollt hätte. Er seufzte. „Hier stimmt einiges nicht.“ Er zeigte um sich. „Du kennst doch Stonehenge? Der Steinkreis hat sich verändert!“

Es kostete Xij offenbar große Anstrengung, den Blick von dem glotzenden Mondauge zu lösen. Sie war ganz grau im Gesicht. Aber vielleicht lag das nur am Licht. „Du hast recht. Aber wann …“

„Wann wir gestrandet sind?“ Er schüttelte den Kopf. „Ich kann es dir nicht sagen. Das müssen wir später herausfinden.“ Er starrte auf den Gegenstand in seinen Händen, den er aus dem zeitlosen Raum gerettet hatte.

„Was ist das?“, fragte Xij.

Er hob es hoch, damit sie es sehen konnte: ein länglicher Balken aus schwarzem Metall, in dessen Oberseite eine CD-große Scheibe eingelassen war, die sich als Display entpuppte. „Ein Artefakt-Scanner“, sagte er.

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