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Maddrax - Folge 397

Inhalt

  1. Cover
  2. Impressum
  3. Hilfreiche Links
  4. Visionen des Untergangs
  5. Leserseite
  6. Vorschau

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Am 8. Februar 2012 trifft der Komet „Christopher-Floyd“ die Erde – in Wahrheit eine Arche Außerirdischer, der Daa’muren. Die Erdachse verschiebt sich und ein Leichentuch aus Staub legt sich für Jahrhunderte um den Planeten. Nach der Eiszeit bevölkern Mutationen die Länder und die Menschheit ist degeneriert. In dieses Szenario verschlägt es den Piloten Matthew Drax, dessen Staffel beim Einschlag durch ein Zeitphänomen ins Jahr 2516 gerät. Nach dem Absturz wird er von Barbaren gerettet, die ihn „Maddrax“ nennen. Zusammen mit der telepathisch begabten Kriegerin Aruula erkundet er diese für ihn so fremde Erde.

In einem „zeitlosen Raum“, der Schnittstelle vieler Paralleluniversen, kollabiert ein Tor und schleudert gefährliche Artefakte in unsere Welt. Mit einem Scanner spürt Matt die ersten davon auf und macht sie unschädlich. Doch dann verlieren er und Aruula nach einem Zeitsprung ganze 16 Jahre – und treffen auf Robot-Nachbildungen historischer Führer, von Schwarzen Philosophen (SP) als Statthalter eingesetzt. In Glasgow rettet eine junge Frau Matts Leben. Er weiß nicht, dass Xaana seine Tochter aus der Zukunft ist, mit der seine im zeitlosen Raum verschollene Ex-Freundin Xij schwanger war.

In Schottland wurde die Burg ihres Freundes Rulfan zerstört! Die SP wollen die Artefakte im Hort des Wissens rauben. Rulfans Sohn Juefaan schließt sich Matt und Aruula an. In der Schweiz werden sie Zeuge, wie sich im CERN ein Wurmloch öffnet. Während Xaana zum neuen Hort des Wissens reist, erfahren sie von einem weiteren Statthalter, der Washington übernehmen soll: die Robot-Version von Professor Dr. Smythe, Matts totem Erzfeind! Matt und Aruula brechen nach Meeraka auf, während Juefaan die Basis des Feindes in Tibet aufspüren will.

In Waashton plant Smythe die Übernahme. Matt und Aruula stoßen zu den Rebellen, um seinen Plan zu vereiteln. Doch nach der Schlacht fehlt von Smythe und Matt jede Spur. Letzteren findet Aruula nach sechs Tagen, doch was mit ihm passiert ist, weiß er nicht. Sie finden ein weiteres Artefakt: einen Strahler, der Menschen zu Berserkern macht, aber verloren geht. Später stößt Juefaan in Nepal auf das fliegende Kloster der SP, wird von ihnen entdeckt und gefangen genommen. Und nicht nur das – ihnen fällt der Meng-âmok in die Hände, die Berserker-Waffe!

Derweil greift Jacob Smythe Matt und Aruula an. Dabei wird Matt von einem Blitzstab getroffen. Etwas in seinem Nacken brennt durch und schädigt sein Gehirn. Er sucht Hilfe bei den SP und erfährt eine erschreckende Wahrheit: Er ist ein Klon, der im Auftrag der Feinde handelte! Vor seinem Tod verhilft er Aruula und seinem Original zur Flucht. Sie schließen nun auf schnellstem Weg zu Juefaan auf. In Tibet befreien sie ihn aus der Gewalt der SP, und mit ihm den Hydriten Quart’ol, können aber nicht verhindern, dass das Schwarze Kloster nach Agartha weiter fliegt. Während Matt in Kathmandu ein Flugzeug repariert, fährt Juefaan mit Quart’ols Körper zurück nach Schottland. Als Matt und Aruula starten, ahnen sie nicht, dass sich eine blinde Passagierin an Bord befindet – die aber helfend eingreifen kann, als Matt von einer explodierenden Konsole geblendet wird und sie zwischenlanden müssen.

Inzwischen findet Jacob Smythe den Weg zum neuen Hort des Wissens. Dort will er auf Matt und Aruula warten, erliegt aber der Faszination des Wurmlochs im CERN – und verschwindet bei der Erforschung genauso wie Xaana …

Visionen des Untergangs

von Christian Schwarz

Januar 2546, Agartha

„Dann ist es mehrheitlich beschlossen“, sagte König Wangmo und blickte in die Runde der fünf anwesenden Großen Räte. „Wir werden Linie AG 23 in Betriebskaverne also vierspurig ausbauen. Eine vern-“ Er unterbrach sich, weil vor der Tür dumpfer Lärm aufklang. Eine Unmutsfalte erschien auf seiner Stirn. In diesem Moment flog krachend die Tür auf. Ein mittelgroßer Mann mit unglaublich verzerrtem Gesicht stürmte herein. Er hielt ein Projektilgewehr im Anschlag. Panische Schreie von draußen begleiteten ihn. Wangmo sprang hoch. „Was soll das, Tschibu Anan?“, fragte er scharf. Der Mann reagierte nicht auf die Worte. Stattdessen hob er das Gewehr und schoss der Großen Rätin Jetsünma den Kopf weg.

Yönten Wangmo, der König der Welt, stand für einen Moment wie gelähmt. Drei weitere Räte sprangen von ihren prunkvollen Stühlen hoch, während der Torso langsam vom Sitz nach unten auf den dunkelblauen Teppich rutschte und eine hässliche Blutspur auf dem Polster hinterließ.

Noch viel hässlicher wirkten die Blutspritzer, die sich zusammen mit Gehirn- und Gewebefetzen auf dem großen Wandbild hinter den Stühlen verteilten. Es zeigte in bunten Farben das Samsara, den leidvollen Kreislauf des Lebens. Das dämonische Wesen, das in der Mitte saß und einen in zahlreiche kuchenförmige Segmente unterteilten Kreis mit bedrückenden Szenen der menschlichen Existenz hielt, hatte den Hauptteil der Schweinerei abbekommen. Die zähfließenden Tropfen ließen das grausame Affengesicht plötzlich seltsam lebendig erscheinen.

Tschibu Anan, der das Symbol der Zentralen Palastwache auf der Brust seiner Uniform trug und deren Kommandant war, schwenkte das Gewehr herum. Er gab seltsam quiekende Laute von sich, in seinen Augen glänzten Mordlust und Hass. Die Große Rätin Tashi Dawa reagierte gedankenschnell. Sie ließ sich nach hinten vom bestuhlten Podium fallen. Es krachte ohrenbetäubend. Hinter ihr schlug das Projektil ein großes Loch in das Wandbild. In das Brüllen von draußen mischten sich nun auch die schrillen Angstschreie der Räte.

Wangmo blieb als Einziger ruhig. Er sah sich um. Der Weg zur Tür war vom Attentäter blockiert. Einen weiteren Fluchtweg gab es nicht. So schnappte er sich den metallenen Teekessel auf dem Tischchen vor sich. Er holte zum Wurf aus – und hielt inne. Dönjö Lotsawa und Gelong Tobden, zwei ältere Männer, hatten die Nerven verloren und hasteten völlig planlos auf den Attentäter zu. Dabei kamen sie dem König in die Quere.

Die beiden Großen Räte hatten keine Chance, an Tschibu Anan vorbeizukommen. Ein Schuss in die Brust warf Lotsawa nach hinten auf die unterste Podiumsstufe, während Tobden einen fürchterlichen Schlag mit dem Gewehrkolben mitten ins Gesicht abbekam. Es knirschte hässlich. Wieder spritzte Blut. Der Große Rat sank zusammen und blieb verkrümmt liegen. Er rührte sich nicht mehr.

Anans Mordtrieb schien damit noch keineswegs befriedigt. Schon schwenkte er das Gewehr wieder herum und machte zwei weitere Schritte in den Raum hinein. Die Waffe zeigte auf Thrimön Pel. Die Ratsälteste saß noch immer wie angewurzelt in ihrem Sessel, zitternd und so weiß wie Yakkmilch im Gesicht.

König Wangmo stieß einen schrillen Kampfschrei aus. Und warf den Teekessel kraftvoll nach dem Mörder. Das Behältnis krachte einen Moment zu spät gegen Anans Schläfe. Vorher schaffte er es noch, die Waffe ein weiteres Mal auszulösen. Der Schuss traf die alte Frau in den Bauch. Dann aber geriet der Mörder ins Wanken und drehte sich unkontrolliert. Nun troff auch von seiner Schläfe Blut.

Wangmo zögerte keinen Moment mehr. Zwei Sprünge brachten ihn in die Nähe Anans, und der Kick aus dem rechten Kniegelenk traf den Mörder mitten im Gesicht.

Der Kommandant taumelte mit gebrochener Nase nach hinten, hielt das Gewehr aber eisern fest. Der königliche Kung-Fu-Tritt trieb ihm nicht einmal die Mordlust aus den Augen.

Seitlich tauchte Tashi Dawa auf und hebelte Anan die Füße weg. Er knallte rücklings auf den Boden. Die Große Rätin versuchte ihm das Gewehr zu entreißen, schaffte es aber nicht. Ein kurzes zähes Ringen entstand. Wangmo machte dem ein Ende. Sein Handkantenschlag gegen Anans Halsschlagader ließ den Mann schlagartig erschlaffen. Bewegungslos lag er da.

Yönten Wangmo atmete schwer. „Ich habe die Heiler bereits gerufen“, sagte Tashi Dawa mit krächzender Stimme. „Sie müssen gleich da sein.“

Der König machte das Zeichen der Zustimmung. „Bist du verletzt, Rätin?“

„Nein. Und du?“

„Körperlich nicht“, presste er hervor und vermied den Blick auf die vier Leichen. Dann ging er mit raschen Schritten zur Tür des Beratungssaals. Die Schreie von draußen hatten aufgehört.

Yönten Wangmo schluckte ein paar Mal schwer, als er weitere vier Leichen vor sich sah – die der Palastwachen, die die Sitzung abgesichert hatten. Ein Routinejob normalerweise, aber jetzt …

Ein Trampeln wurde im Gang hörbar, ein Summen, laute Rufe. Zwei Dutzend Heiler, ein Trupp schwerbewaffneter Soldaten und mehrere Energiewagen erschienen. Als sich drei Heiler gerade um den König kümmern wollten, aktivierte sich sein Kommunikator am rechten Handgelenk. Brüsk winkte er ab und ging etwas abseits.

Honos Symbol erschien. Wangmo nahm den Anruf seines militärischen Beraters entgegen, obwohl sich gerade der Schock löste und ihm die Knie weich wurden.

Honos Gesicht erschien auf dem Display. Es schien ähnlich verzerrt wie das des Attentäters zu sein. „König“, sagte er trotzdem so akzentuiert und beherrscht, wie Wangmo ihn kannte, „ich bitte um einen umgehenden Termin. Wir müssen uns beraten. In Agartha ist das Chaos ausgebrochen. Überall drehen plötzlich Leute durch und ermorden andere. Es scheint sich um eine Art Seuche zu han-“

„Wo bist du, Hono? Komm so schnell wie möglich in den Palast. Auch vier Große Räte sind bereits tot. Und vier Wachen.“

„Was?“

„Auch im Palast grassiert diese … Seuche.“

„Und du selbst? Ist dir etwas passiert?“

„Ich bin unversehrt.“

„Buddha sei Dank. Ich bin gerade in Tiefental in den Zug gestiegen, König. In zwanzig Minuten bin ich bei dir.“

Yönten Wangmo eilte durch einen breiten Gang. Vor der Tür zu seinen Räumen trat er an den Irisscanner und schaute hinein. Das Gelblicht sprang auf Blau, die Tür öffnete sich lautlos. Wangmo rannte förmlich hinein. Als er das riesige Wohnzimmer mit den Panoramascheiben und der mächtigen Aussichtsterrasse dahinter betrat, hörte er bereits dumpfen Lärm und sah in der beginnenden Dämmerung das grelle Licht von Laserschüssen, die irgendwo in die Höhlendecke fuhren. Der König schob zwei zitternde weibliche Bedienstete zur Seite und trat auf die Aussichtsterrasse.

Der Regierungspalast, das Zentrum der Welt, nahm mit seinen terrassenförmigen Gärten und den mächtigen, verschwenderisch ausgestatteten Bauwerken eine Wand der riesigen unterirdischen Felsenkaverne fast ganz alleine ein. Wangmo atmete schwer, als er an die Brüstung trat und auf Agartha-Stadt blickte, die sich tief unter ihm, am Boden der Kaverne, erstreckte. Er sah Flammen aus einem Haus schlagen; schwarzer Rauch stieg auf und verteilte sich träge in der Höhle, bevor ihn die Rauchvernichter absaugten. Zwischen den Häusern sah er den Widerschein weiterer Laserschüsse.

Ein Stück vom König entfernt war ein bewegliches Fernrohr auf der Brüstung installiert. Er hängte sich an das Okulaar und richtete es in die Tiefe.

Gleich die erste Szene, die er sah, ließ ihn erstarren. Das Laufband auf der Straße bewegte sich. Wo sich die Agarther sonst stehend fortbewegen ließen, lagen zwei verkrümmte Leichen. Aus einer Nebenstraße wankte ein junger Mann auf die Leichen zu und riss eine der beiden elegant gekleideten Frauen vom Laufband herunter. Dann beugte er sich über die Leiche, riss ihr mit berserkerhaften Bewegungen die Kleider auf, schlug ein paar Mal mit Fäusten in ihr Gesicht und begann dann, die Schusswunde an ihrem Bauch mit bloßen Händen aufzureißen!

Grau im Gesicht, löste sich Wangmo vom Okulaar. Er stand wie eine Salzsäule da, starrte mit großen Augen vor sich hin. Es dauerte einige Momente, bis er sich erneut an das Fernrohr hängen konnte.

„Buddha sei uns gnädig“, flüsterte Wangmo. Der Kerl verteilte die Innereien der Frau auf der Straße. Er achtete nicht auf den kleinen Mann, der sich ihm mit einer Energieaxt näherte. Gleich darauf lag er mit bis zum Hals gespaltetem Schädel neben der toten Frau. Der Mann mit der Energieaxt wankte weiter – auf zwei Jungen zu, die die zweite Tote vom Laufband gezogen hatten, um auf sie einzuschlagen. Unwillkürlich schloss Wangmo die Augen, als auch sie unter der Energieaxt starben.

„Was für ein Wahnsinn!“, flüsterte der König der Welt und schwenkte das Fernrohr weiter. Die Menschen schlachteten sich gegenseitig auf bestialische Weise ab, die Straßen waren übersät von Leichen. Eine Sicherheitssoldatin schoss mit ihrem Lasergewehr auf die Personentransport-Gondeln, die sich rund fünf Meter über den Straßen bewegten. Eine Frau fiel aus der zerschossenen Glasseitenwand und knallte auf das Laufband darunter. Sie versuchte wegzukriechen, wurde aber von einem älteren Mann brutal gegen den Kopf getreten, bis sie sich nicht mehr rührte. Mit einem Treffer in der Brust brach der Alte über ihr zusammen.

„Jemand muss diese verdammte Transportschleife abstellen!“, brüllte Wangmo, als sich die nächste Gondel in den Zielbereich der mordlüsternen Soldatin bewegte.

Als ob ihn jemand gehört hätte, explodierte die lokale Energiezelle an einem der Masten in einem grellen Lichtblitz. Es knirschte und kreischte, als der Mast zusammenbrach und die Führungskabel samt zwei Gondeln mit sich riss. Während sich die Gondeln auf dem Boden verkeilten, wanden sich die abgerissenen Kabel wie Schlangen und versprühten Funkenregen. Ein Mädchen, das die Gefahr nicht zu erkennen schien, wankte mit nach vorne gestreckten Händen direkt in sein Verderben. Als es mit einem der Kabel in Berührung kam, starb es zuckend.

Yönten Wangmo brüllte auf. Irgendwie musste er sich Luft machen und dem Grauen begegnen, das sich immer tiefer in sein Bewusstsein grub. In diesem Moment fuhr auf Gleis AG 23 eine Bahn aus dem beleuchteten Stollen. „Buddha, die ist viel zu schnell“, flüsterte Wangmo. „Das kann nicht gutgehen.“

Die Bahn besaß nur eine Glaskuppel, dahinter waren mehrere Containerwagen angekoppelt. Eine Transportbahn. Ihr Ziel war der Güterbahnhof am Palast. Der Zugführer, den Wangmo für einen Moment deutlich sehen konnte, hatte das gleiche verzerrte Gesicht wie die anderen Amokläufer auch, die gleiche Mordlust in den Augen. Er schien die Geschwindigkeit sogar noch zu erhöhen, als er auf die letzte Kurve vor dem Güterbahnhof zuraste.

Funken sprühten, als der Zug mit irrwitzigem Tempo in die Kurve ging. Für einen Moment sah es so aus, als könnte er es trotzdem schaffen, als würden ihn die Klammern auf der Magnetschiene halten. Aber der Druck war zu groß. Der Zug löste sich von der Schiene und flog durch die Luft, als sei er ein Spielzeug. Auf der Plattform dahinter standen die Energie-Entladungskrane von Gleis AG 18. In diese flog die Transportbahn und riss drei davon nieder. Zwei explodierten sofort in einem grellen Lichtblitz, zahlreiche der herumliegenden Trümmer fingen Feuer. Wangmo sah einen brennenden Menschen, der verzweifelt versuchte, die Flammen durch Herumwälzen zu ersticken.

Das war zu viel. König Wangmo ließ das Okulaar schnell nach oben wandern. Über dem Bahnhof lagen nicht nur Palastterrassen, sondern auch die Schulräume für Khoms heranwachsende Kinder. Wangmos Blick streifte einen Mann, der auf einer Galerie unterhalb der Schule stand und das Chaos ebenfalls beobachtete. Er hatte einen Kahlkopf und trug eine graue Arbeitsuniform, war ungewöhnlich dünn und großgewachsen. Und was hielt er da in der Hand?

Als ahnte er, dass er beobachtet würde, fuhr er abrupt herum. Sein Blick richtete sich auf Wangmo. Das Ding in seiner Hand schien eine Schusswaffe zu sein, auch wenn es exotisch und klobig aussah.

Instinktiv ahnte Yönten Wangmo, dass diese Waffe für das ganze Unheil verantwortlich war. Und natürlich der Mann, der sie bediente.

Der verzog seinen Mund nun zu einem höhnischen Grinsen. Seine Lippen bewegten sich, während der die Waffe hob, als wolle er sie dem Beobachter präsentieren.

Das war erst der Anfang, glaubte Wangmo von diesen Lippen lesen zu können. Agartha ist verloren …

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Es war kurz nach zehn Uhr morgens. Vor einer Stunde waren sie aufgebrochen – nach einer unruhigen Nacht. Wenn alles rund lief, würden sie Agartha heute erreichen.

Aruula versuchte sich zu entspannen, aber sie bekam es nicht hin. Ihre Blicke wanderten ständig umher. Wenn sie die schroffe, unendlich scheinende Schnee- und Hochgebirgslandschaft unter ihnen verließen, blieben sie am angespannten Gesicht Maylins hängen. Die Chinesin saß leicht nach vorne gebeugt auf dem Pilotensitz der Britten Norman Islander und bediente den Steuerknüppel mit beiden Händen. Obwohl die Pilotin wider Willen ihr Bestes gab, konnte sie nicht verhindern, dass die Maschine im Moment tüchtig durchgerüttelt wurde. Den Start hatte Aruula übernommen, nachdem sie von Maddrax geschult worden war. Von dem blinden Maddrax, denn sein Augenlicht war noch immer nicht zurückgekehrt. In der Luft hatten sie dann die Plätze getauscht.

Die Kriegerin von den Dreizehn Inseln hatte die notwendigen Schritte direkt aus Matthew Drax’ Gedanken erlauscht, was quasi der Wirkung eines Simulators gleichkam.

Sie muss bemerken, dass ich sie anschaue, aber sie reagiert nicht … Aruula hätte sich über einen kurzen Blickkontakt, ein kleines aufmunterndes Lächeln gefreut, ein Lächeln, das ihr sagte: Keine Angst, ich habe alles im Griff. Aber das konnte sie im Moment wohl nicht erwarten. Es wäre auch gelogen gewesen. Denn es hatte angefangen zu schneien und …

Maddrax, der auf dem Notsitz hinter Maylin saß, nahm ihr die Worte aus dem Mund. „Der Wind hat sich gedreht. Er kommt jetzt von der linken Seite. Und er ist stärker geworden.“

Aruula schaute nach hinten. Maddrax’ Stimme klang gepresst. Er beugte seinen Oberkörper nach vorn und wirkte wie ein sprungbereiter Sebezaan. Mit seinem leicht in den Nacken gelegten Kopf und dem seltsam leeren Blick schien er ins Nichts zu starren, während sich seine Hände um die Sitzlehnen krampften.

Du kannst die Schlingerbewegungen mit dem Seitenruder abfangen, Maylin, wenn du …“

In diesem Moment erwischte eine besonders starke Windböe das Flugzeug und drückte es zur Seite weg. Maylin und Aruula schrien gleichzeitig auf, während der Motor zu stottern begann und die Maschine fast über den linken Flügel abkippte. Maddrax brüllte etwas, aber Maylin reagierte instinktiv richtig. So viel Flugerfahrung hatte sie nun immerhin schon, dass es ihr gelang, die Britten Norman Islander wieder stabil zu bekommen.

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