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Maddrax - Folge 394

Inhalt

  1. Cover
  2. Impressum
  3. Hilfreiche Links
  4. Was bisher geschah
  5. Blindflug
  6. Leserseite
  7. Cartoon
  8. Vorschau

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Am 8. Februar 2012 trifft der Komet „Christopher-Floyd“ die Erde – in Wahrheit eine Arche Außerirdischer, der Daa’muren. Die Erdachse verschiebt sich und ein Leichentuch aus Staub legt sich für Jahrhunderte um den Planeten. Nach der Eiszeit bevölkern Mutationen die Länder und die Menschheit ist degeneriert. In dieses Szenario verschlägt es den Piloten Matthew Drax, dessen Staffel beim Einschlag durch ein Zeitphänomen ins Jahr 2516 gerät. Nach dem Absturz wird er von Barbaren gerettet, die ihn „Maddrax“ nennen. Zusammen mit der telepathisch begabten Kriegerin Aruula erkundet er diese für ihn so fremde Erde.

In einem „zeitlosen Raum“, der Schnittstelle vieler Paralleluniversen, kollabiert ein Tor und schleudert gefährliche Artefakte in unsere Welt. Mit einem Scanner spürt Matt die ersten davon auf und macht sie unschädlich. Doch dann verlieren er und Aruula nach einem Zeitsprung ganze 16 Jahre – und treffen auf Robot-Nachbildungen historischer Führer, von Schwarze Philosophen (SP) als Statthalter eingesetzt. In Glasgow rettet eine junge Frau Matts Leben. Er weiß nicht, dass Xaana seine Tochter aus der Zukunft ist, mit der seine im zeitlosen Raum verschollene Ex-Freundin Xij schwanger war.

In Schottland wurde die Burg ihres Freundes Rulfan zerstört! Die SP wollen die Artefakte im Hort des Wissens rauben. Rulfans Sohn Juefaan schließt sich Matt und Aruula an. In der Schweiz werden sie Zeuge, wie sich im CERN ein Wurmloch öffnet. Während Xaana zum neuen Hort des Wissens reist, erfahren sie von einem weiteren Statthalter, der Washington übernehmen soll: die Robot-Version von Professor Dr. Smythe, Matts totem Erzfeind! Matt und Aruula brechen nach Meeraka auf, während Juefaan die Basis des Feindes in Tibet aufspüren will.

In Waashton plant Smythe die Übernahme. Matt und Aruula stoßen zu den Rebellen, um seinen Plan zu vereiteln. Es kommt zur Schlacht, bei der auch Jacob Smythe, der mit seinem Hass auf Matt die Programmierung der SP überwindet, mitmischt. Doch nach der Schlacht fehlt von Smythe und Matt jede Spur. Letzteren findet Aruula nach sechs Tagen an Bord eines Trawlers. Was mit ihm passiert ist, weiß Matt nicht. Sie suchen nach weiteren Artefakten und finden einen Strahler, der Menschen zu Berserkern macht, aber verloren geht.

In Nepal stößt Juefaan auf das fliegende Kloster der SP, wird von ihnen entdeckt und gefangen genommen. Und nicht nur das – ihnen fällt der Meng-âmok in die Hände, die Berserker-Waffe!

Derweil greift Jacob Smythe Matt und Aruula an. Dabei wird Matt von einem Blitzstab getroffen. Etwas in seinem Nacken brennt durch und schädigt sein Gehirn. Er sucht Hilfe bei den SP und erfährt eine erschreckende Wahrheit: Er ist ein Klon, der im Auftrag der Feinde handelte! Vor seinem Tod verhilft er Aruula und seinem Original zur Flucht. Sie wollen nun auf schnellstem Weg zu Juefaan gelangen. Ihr Weg führt sie über die vereiste Landbrücke nach Asien und in Richtung Tibet, wo sie Juefaan aus der Gewalt der SP befreien – und mit ihm den Hydriten Quart’ol. Sie können aber nicht verhindern, dass das Schwarze Kloster nach Agartha weiter fliegt.

Während Matt versucht, in Kathmandu ein uraltes Flugzeug zu reparieren, wobei er von Unbekannten Hilfe erhält, fährt Juefaan mit Quart’ols Körper zurück nach Schottland. Als Matt und Aruula vor Sektierern flüchten müssen, ahnen sie nicht, dass sie eine blinde Passagierin an Bord befindet …

Blindflug

von Jo Zybell

Der Mob tobte. Brüllend, mit Fackeln und Spießen in den Händen stürmte er auf das Flugzeug zu. Matthew Drax gab Gas. Die Maschine beschleunigte und raste der aufgebrachten Menge entgegen. „Zur Seite!“, schrie Matt, obwohl ihn draußen niemand hörte.

Kerzengerade hockte Aruula neben ihm, versuchte das Gurtschloss zu schließen. Ihr Gesicht war gerötet von dem Endspurt, beladen mit ihrer Ausrüstung.

Vor dem Cockpitfenster teilte sich die Menge, die Maschine raste zwischen den Menschen hindurch und passierte das Hangartor. Ein Knall, ein blechernes Scheppern – ein Speer hatte das Heck getroffen. Die Fanatiker rannten hinter ihnen her! Gleichgültig! Matt gab mehr Gas, steuerte die Startbahn an.

Das Flugzeug pflügte durch die dünne Schneedecke. Links und rechts stiegen Fontänen weißer Eiskristalle auf, als es eine Wolke aus Schneestaub hinter sich herriss. Und endlich, endlich hob sie ab, die gute alte Britten Norman Islander, ließ die Erde unter sich zurück und stieg in den Himmel hinein.

Matt Drax umklammerte den Steuerknüppel, spähte durchs Cockpitfenster auf den Hangar hinunter. Kleiner und kleiner wurde er, und auch die aufgebrachten Sektierer schrumpften immer mehr zusammen. Über hundert Fuß unter ihnen standen sie, schüttelten Fäuste, Speere und Keulen. Der Mann aus der Vergangenheit atmete tief durch und fixierte den Höhenmesser: 150 Fuß, 160, 170.

„Geschafft!“ Matt ließ sich in den Sitz zurücksinken und seufzte. „Das war verdammt knapp.“ Er ließ das Gurtschloss einrasten.

Beide Antriebe röhrten, die Propeller rotierten, ohne zu stottern, die mühsam instand gesetzte Britten Norman Islander gewann rasch an Höhe. Die verschneiten Ruinen von Kathmandu blieben zurück, verwandelten sich nach und nach in ein schwarzweißes Wirrwarr aus Linien und Rechtecken.

„Und sie fliegt!“, fuhr Matt nach einer Weile, in der er dem Motorengeräusch gelauscht hatte, fort. „Dank unserer unbekannten Freunde. Ohne sie hätte ich das alte Schätzchen nicht rechtzeitig flottgekriegt.“ Matt Drax streckte den Arm aus, strich beinahe liebevoll über das Armaturenbrett. Es tat gut, nach so langer Zeit wieder ein Flugzeug zu fliegen. Wenn es auch kein Stratosphärenjet war, sondern eine klapprige Propellermaschine.

„Und Wudans Hilfe!“ ergänzte Aruula. Sie gegen sich ihn sinken und lehnte den Kopf gegen seine Schulter. Erschöpft war sie, so erschöpft wie er selbst. Das alte Flugzeug aber erhob sich über die Berghänge und Schneefelder.

Ein paar Minuten später zweige die Tachonadel bereits zitternd 87 Meilen pro Stunde an, was 140 km/h entsprach.

„Na, wer sagt’s denn?“ Matt entspannte sich zusehends. Auch der Höhenmesser verhieß einen reibungslosen Flug: Schon über 6500 Fuß und der alte Vogel stieg weiter. 12.000 Fuß1) durften es ruhig werden, aber nicht mehr als 16.000, sonst wurde die Luft zu dünn und sie setzten sie sich der Gefahr von Lungen- oder Hirnödemen aus. Die alte Maschine war alles andere als luftdicht und so konnte er natürlich auch keinen Kabinendruck aufbauen.

Und es war kalt hier drin. Die Heizung schien nicht zu funktionieren; Matt hatte sie zuvor nicht testen können.

Aruula schlief neben ihm im Copilotensitz. Bis unter das Kinn hatte sie sich die Decke gezogen. Sie verpasste einen grandiosen Ausblick: Im Norden und Osten glitzerten die Schneegipfel des Himalaya im Licht der Abendsonne. Herrgott, sah das schön aus!

Die dunkle Wolkenfront fern im Nordwesten störte Matt Drax nicht. Der moderate Wind blies ja aus Südwest, und die Britten Norman Islander flog Nordnordostkurs. Allein die Dunkelheit machte ihm Sorgen. Er würde darauf achten müssen, die Höhe zu halten, um nicht mit einem Berggipfel zu kollidieren. Und die Temperatur würde auch weiter sinken.

Matt fummelte an den Schalthebeln und dem Temperaturregler für die Heizung herum, da sackte die Maschine jäh ab – ein Luftloch. Kein Problem, im nächsten Moment stieg sie schon wieder. Über 8000 Fuß inzwischen, bald 9000.

Die Schläferin neben Matt hatte das plötzliche Absacken nach oben in den Gurt gerissen und geweckt. Aus großen Augen betrachtete Aruula die in den letzten Sonnenstrahlen glitzernden Bergketten in Flugrichtung. „Bei Wudan! Was für eine Pracht!“ Matt konnte ihre Atemfahne sehen, das gefiel ihm nicht. Sie zog die Schultern hoch. „Ich friere.“

Matt schlug auf die Armaturenverkleidung, schob die Schalthebel für die Heizung auf und ab. „Wenn wir das Cockpit nicht warm kriegen, haben wir bald Eisblumen an der Frontscheibe.“ Er hielt den Unterarm über einen Lüftungsschlitz und spürte einen lauwarmen Luftzug. „Besser als gar nichts. Wird schon noch.“

„Sind wir noch auf Kurs?“

„Ich denke schon. Das Schwarze Kloster wird sicher keine Haken schlagen auf seinem Flug nach Agartha. Aber schau zur Sicherheit doch bitte mal auf dem Artefaktscanner nach.“

Aruula tat, was er wollte, und schaltete das Gerät mit dem kreisrunden Ortungsschirm ein. Sie wirkte noch ein wenig fahrig; sie musste wirklich sehr müde sein.

Matt kontrollierte derweil den Höhenmesser: 11.400 Fuß Flughöhe. Die Tachonadel zitterte knapp unter der 100-mph-Grenze. Viel mehr würde die altersschwache Maschine auch nicht schaffen. Damit war sie aber immer noch um einiges schneller als das fliegende Kloster.

Das Motorengeräusch auf der linken Seite veränderte sich auf einmal geringfügig. Matt lauschte und spähte hinaus, beobachtete abwechselnd das rotierende Schraubengeflimmer an der Tragflächenkante und die Anzeige für den linken Motor. Klang wieder ganz normal, und der Umdrehungszeiger bewegte sich im grünen Bereich. Ein Glück! Und warm wurde es allmählich auch.

Aruula hantierte am Artefaktscanner herum. „Ich habe das Signal“, vermeldete sie dann. Etwa …“, sie entzifferte die Anzeige, „… vierhundert Kilometer entfernt.“

Matt beugte sich zu ihr hinüber, warf einen Blick auf den Scanner. Der Blimp pulsierte genau in Flugrichtung. „Eigentlich sind es ja mehrere Signale“, meinte er. „Die Schwarzen Philosophen haben etliche Artefakte an Bord. Sie sind nur zu dicht beieinander, als dass man sie getrennt orten könnte.“

„Ich weiß.“ Aruula warf ihm einen Halt-mich-nicht-für-blöd-Blick zu. „Aber wenn Juefaan recht hat, geht es vor allem um eines – den Meng-âmok.“

„Richtig.“ Matthew nickte. Er selbst hatte die Waffe nie zu Gesicht bekommen – ein Klon von ihm, der lange Zeit unerkannt mit Aruula unterwegs gewesen war, hatte den „Berserker-Strahler“ gefunden und den Schwarzen Philosophen in die Hände gespielt.2) „Darum darf das Schwarze Kloster Agartha nicht erreichen. Aber unsere Chancen stehen gut – nicht zuletzt wegen Quart’ol.“

Sein hydritischer Freund war ebenfalls an Bord des Klosters. Oder vielmehr dessen Geist. Quart’ol war ein Geistwanderer, der unbemerkt in fremde Körper überwechseln konnte. Als sie ihn und Juefaan aus dem Kloster befreiten, hatte einer der Schwarzen Philosophen Quart’ol in seine Gewalt gebracht. Als er ihm die Kehle durchzuschneiden drohte, hatte der Hydrit keine andere Möglichkeit gesehen, als in ihn überzuwechseln, um ihn auszuknocken.

Leider hatten die anderen das erst bemerkt, als sie sich nach geglückter Flucht im Amphibienpanzer PROTO einfanden. Und nun hatten sie quasi einen unfreiwilligen „Maulwurf“ an Bord des fliegenden Klosters, während Quart’ols seelenloser Körper von Juefaan zum Hort des Wissens gebracht wurde.

Matt war sich sicher, dass Quart’ol alles unternehmen würde, um die Schwarzen Philosophen aufzuhalten. Sie mussten nur rechtzeitig zur Stelle sein, um seinen Geist herauszuholen. Matt wollte sich ihm als „Mitreisegelegenheit“ anbieten. Quart’ol hatte schon einmal, zu Beginn ihrer Bekanntschaft, für einige Wochen als Untermieter in seinem Kopf gewohnt. Wenn die Schwarzen Philosophen unschädlich gemacht waren, würden sie ebenfalls nach Schottland zurückkehren, wo Quart’ol dann wieder seinen eigenen Körper beziehen konnte.

„Meinst du, Quart’ol wird versuchen, das Kloster zum Absturz zu bringen?“, fragte Aruula.

Matt wiegte den Kopf. „Er ist kein Selbstmörder“, antwortete er. „Also wird er sich einen Fluchtweg freihalten. Ich glaube eher, dass er das Kloster sabotiert und den Flug verzögert – und auf unsere Unterstützung hofft.

Mit einer Hand entfaltete Matt eine der laminierten Karten der Gegend, die er aus PROTOs Fundus mitgenommen hatte. „Das Schwarze Kloster müsste jetzt irgendwo hier sein, nördlich von Lhasa, mit Kurs auf Agartha.“ Er deutete mit dem Finger darauf. „Wenn es seine Geschwindigkeit beibehält, sollten wir es in spätestens drei Stunden eingeholt haben.“

„Und dann?“, fragte Aruula.

„Gute Frage.“ Er wies mit dem Daumen hinter sich. „Wir müssen es zur Landung zwingen. Das sollte mit den Handgra-“

Er hielt inne, als erneut unregelmäßiger Motorenlärm von links kam. Matt spähte hinaus. Der Propeller rotierte eindeutig langsamer als eben noch. Und jetzt gab es keinen Zweifel mehr: Der rechte Motor stotterte.

„Shit!“ Ein Blick auf die Instrumente: Der rechte Antrieb lief noch störungsfrei, doch links stimmte gar nichts mehr.

Auf einmal verstummte der Motor ganz. Matt wurde es heiß und kalt. Er drückte auf die Zündung, gab Gas – der Motor sprang an, stotterte, ging wieder aus.

„Was ist los, Maddrax?“

„Irgendwas funktioniert nicht so, wie es sollte.“ Er wies auf das Armaturenbrett, wo die Hälfte der Instrumente entweder tot war oder verrückt spielte. „Sieht nach einem Kurzschluss aus!“ Er schnallte sich los und rutschte vom Sessel in den Fußraum. „Vielleicht sind es auch die Batterieanschlüsse. Übernimm das Steuer, Aruula! Einfach den Kurs halten!“

Mit einem Ohr hörte er, wie der linke Motor wieder ansprang. Wenigstens das, doch das Gestottere verhieß nichts Gutes.

Er tauchte ab, tastete in den Beintaschen nach seinem Kombiwerkzeug – da sah er, dass die Verkleidung unter den Armaturen nicht verschraubt war. Lose hing sie im Rahmen, als hätte jemand sie in aller Eile gegen die Öffnung gedrückt.

Er schob die Fingernägel in die obere Fuge, löste die Verblendung und kippte sie nach vorn. Im nächsten Moment sog er scharf den Atem ein.

Da lag jemand! Zusammengekrümmt im Hohlraum unter den Armaturen, vor den Kabelverbindungen.

Matt Drax blinzelte, als ein Punktstrahler ihn traf. Es war eine winzige Stablampe in der Hand einer Frau, einer Asiatin: klein, zierlich, in einen Overall gekleidet und mit weichen Zügen.

„Wer sind Sie?“, entfuhr es ihm. „Und was machen Sie hier, verdammt noch mal?“

„Ich suche den Fehler.“ Sie sprach chinesisch. Dass er sie trotzdem einwandfrei verstand, lag an seinem im Nacken implantierten Universal-Translator. „Du willst doch nicht abstürzen, oder?“

Kaschierte das Mädchen seine Rolle als blinder Passagier oder hatte es wirklich vor, die Maschine zu reparieren? Dann musste sie über ein fundiertes technisches Wissen verfügen – was in dieser postapokalyptischen Zeit mehr als selten war. Jedenfalls leuchtete die Chinesin mit ihrer Mini-Taschenlampe in die Verkabelung unter den Armaturen und stocherte mit einem Werkzeug darin herum.

„Komm da raus!“, forderte Matt. Wenn sie keine Ahnung hatte, was sie da tat, würde sie den Schaden nur vergrößern.

„Gleich. Wenn ich fertig bin.“

„Wer ist da unten?“, wollte Aruula wissen. „Mit wem redest du, Maddrax?“

„Mit einer Chinesin.“ Matt tauchte aus dem Fußraum auf. „Frag mich nicht, wie sie da hineingekommen ist.“

„Fertig!“, tönte es dumpf aus dem Wartungsraum. „Jetzt müsste alles wieder funktionieren.“

Mit unverhohlener Skepsis blickte Matt auf die Instrumente – und traute seinen Augen kaum. Die Anzeigen zeigten wieder an. Und der Motor? Matt stemmte sich am Sitz hoch, lugte über die Fensterkante seitlich zur Tragfläche hinaus: Der linke Propeller rotierte gleichmäßig, der Motor lief wieder rund.

„Alles gut?“ Die Chinesin rutschte rücklings in den Fußraum, versenkte Lampe und Werkzeug in einer ihrer Taschen und sah erst Matt aus großen Augen an, dann Aruula. Fast ein bisschen ehrfürchtig.

Matthew Drax nickte. „Alles okay, gut gemacht.“ Er übernahm den Steuerknüppel von Aruula. Er ahnte, wer von da unten zu ihnen heraufblinzelte – ein Mitglied der „Heinzelmännchen-Truppe“, denen sie die kleinen Wunder verdankten, die es ihm ermöglicht hatten, das Flugzeug wieder instand zu setzen. Oder war sie gar allein? Nein, es hatte drei Schlittenspuren im Schnee gegeben. Aber wo waren dann die anderen zwei?

„Ich heiße Matthew Drax, kurz Maddrax“, stellte er sich vor. „Hast du auch einen Namen?“

„Maylin.“ Sie rappelte sich hoch, kniete mit dem Rücken zum Armaturenbrett zwischen Pilotensitz und Copilotensessel. Sie atmete tief durch, als wäre eine Last von ihr gefallen. „Ich freue mich, dass wir uns endlich persönlich kennen lernen. Wir beobachten euch schon lange …“

Als Matt Aruulas fragenden Blick bemerkte, unterbrach er das Mädchen. „Beherrschst du auch Englisch?“ Er wies auf Aruula. „Meine Freundin spricht kein Chinesisch.“

Die junge Frau nickte. „Nicht perfekt, aber gut genug.“ Sie strahlte Aruula an. „Mein Name Maylin. Wir beobachten schon lange euch. Als noch in Panzerwagen unterwegs, haben wir schon verfolgt …“

„Wer ist wir?“, fiel Aruula ihr ins Wort.

„Ich, meine Bruder Tao und meine Partner Yuen.“ Ihr Englisch hörte sich hart und holprig an, war aber verständlich. „Haben euch heimlich helfen. Haben euch Sachen aus brennende Hütte gerettet und Ersatzteile für Flugzeug besorgt. Yuen hat auch Maschine kontrolliert und heimlich repariert, damit euch kein Unglück stößt.“

„Warum denn heimlich?“, wollte Matt Drax wissen.

„Unser Gesetz verbieten Kontakt mit Fremde.“

„Und warum habt ihr uns überhaupt geholfen?“ Aruula musterte die Fremde zweifelnd. Selbstlose Hilfsbereitschaft war in Zeiten wie diesen ungewöhnlich, ja verdächtig.

„Damit ihr besser könnt kämpfen gegen glatzköpfig Mönche.“

Matt Drax wechselte einen schnellen Blick mit Aruula. Was wusste die kleine Chinesin über die Schwarzen Philosophen?

„Kannte nicht, dass so heißen“, antwortete Maylin auf seine Frage. „Sind gefährliche Leute in orangeroten Kutten.“ Sie hob den Arm und deutete nach oben. „Fliegen mit Ballondorf in Himmel, bringen Unglück über Welt.“

Jetzt war sich Matt sicher: Sie sprach tatsächlich vom Schwarzen Kloster und den Schwarzen Philosophen. Doch wie sie erzählte, hatte sie weder das eine noch die anderen mit eigenen Augen gesehen, sondern nur in Visionen. Offenbar war sie eine latente Telepathin.

„Habe toter Großmutter versprochen, gegen die Mönche zu kämpfen, wenn auftauchen.“ Sie deutete auf Aruula und bestätigte mit ihren nächsten Worten Matts Verdacht. „Habe sie gesehen in deinem Kopf und gewusst, dass ich euch muss folgen, um zu treffen. Bitte helft mir.“

„Du hast die Schwarzen Philosophen in Aruulas Gedanken gesehen?“, hakte Matt nach. „Wann und wo soll das gewesen sein?“

„In Höhle, schon viele Wochen zurück. Aruula hat dort Schutz gesucht vor Schneesturm. Als sie die Höhle verließ, sind wir ihr gefolgt.“ Je länger sie sprach, desto flüssiger wurde Maylins Englisch.

Die Kriegerin von den Dreizehn Inseln nickte aufgeregt. „Die Höhle, in der ich mit dem Geist des Barbarenmädchens war!“, sagte sie aufgeregt.3) „Aber ich habe niemanden dort gesehen und auch keine fremden Gedanken erlauscht.“

„Kann meinen Geist verschließen“, sagte Maylin. „Du hast dieselben Fähigkeiten.“ Es war keine Frage, sondern eine Feststellung. „Die Höhle, in der du warst, war nur Vorkammer. Dahinter liegt Miao-Room-Höhle.“

Matt vermeinte den Namen schon einmal gehört zu haben, in seinem früheren Leben. War das nicht die größte Höhle der Welt, die man erst wenige Jahre vor dem Kometencrash entdeckt hatte? Offenbar hatten dort Menschen überlebt und, abgeschottet von der Außenwelt, eine eigene Zivilisation aufgebaut.

Maylin nickte, als er seine Vermutung äußerte. „Aber Platz ist begrenzt in Höhle“, sagte sie. „Darum ist verboten, Kontakt zu draußen aufzunehmen.“ Sie senkte den Blick. „Tao, Yuen und ich haben gegen Gesetz verstoßen. Ich hoffe, die beiden werden nicht zu streng bestraft, wen sie kehren zurück.“

Maylin berichtete weiter: Dass sie ihre telepathischen Kräfte von ihren Vorfahrinnen geerbt, aber nie gelernt hatte, sie gezielt einzusetzen. Doch als sie zufällig Aruulas Gedanken empfangen hatte, war sie gemeinsam mit ihren beiden Gefährten aufgebrochen, um das Versprechen ihrer Großmutter gegenüber zu erfüllen. „Tao und Yuen sind auf Flugplatz zurückgeblieben“, schloss sie.

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