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Maddrax - Folge 390

Inhalt

  1. Cover
  2. Impressum
  3. Hilfreiche Links
  4. Was bisher geschah
  5. Der Sturz des Titanen
  6. Leserseite
  7. Cartoon
  8. Vorschau

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Am 8. Februar 2012 trifft der Komet „Christopher-Floyd“ die Erde – in Wahrheit eine Arche Außerirdischer, der Daa’muren. Die Erdachse verschiebt sich und ein Leichentuch aus Staub legt sich für Jahrhunderte um den Planeten. Nach der Eiszeit bevölkern Mutationen die Länder und die Menschheit ist – bis auf die Bunkerbewohner – degeneriert. In dieses Szenario verschlägt es den Piloten Matthew Drax, dessen Staffel beim Einschlag durch ein Zeitphänomen ins Jahr 2516 gerät. Nach dem Absturz wird er von Barbaren gerettet, die ihn „Maddrax“ nennen. Zusammen mit der telepathisch begabten Kriegerin Aruula erkundet er diese für ihn so fremde Erde.

In einem „zeitlosen Raum“, der Schnittstelle vieler Paralleluniversen, kollabiert ein Tor und schleudert gefährliche Artefakte in unsere Welt. Mit einem Scanner spürt Matt die ersten davon auf und macht sie unschädlich. Doch dann verlieren er und Aruula nach einer Reise durch den Zeitstrahl ganze 16 Jahre – und treffen auf Robot-Nachbildungen historischer Führer, die „Schwarze Philosophen“ (SP) als Statthalter einsetzen. In Glasgow rettet eine junge Frau Matts Leben. Er weiß nicht, dass Xaana seine Tochter aus der Zukunft ist, mit der seine im zeitlosen Raum verschollene Ex-Freundin Xij schwanger war.

In Schottland wurde die Burg ihres Freundes Rulfan zerstört! Die SP wollen die Artefakte im Hort des Wissens rauben. Rulfan vernichtet alle und sein Sohn Juefaan schließt sich Matt und Aruula an. Er besitzt einen wandelbaren Symbionten, der sich von Blut ernährt. In der Schweiz werden sie Zeuge, wie sich im CERN-Forschungszentrum ein Wurmloch öffnet. Während Xaana zum neuen Hort des Wissens reist, treffen sie in Marseille erstmals auf die SP und erfahren von einem weiteren Statthalter, der Washington übernehmen soll: die Robot-Version von Professor Dr. Smythe, Matts totem Erzfeind! Matt und Aruula brechen nach Meeraka auf, während Juefaan die Basis des Feindes in Tibet aufspüren will.

In Waashton plant Smythe die Übernahme. Matt und Aruula stoßen zu den Rebellen, um seinen Plan zu vereiteln und General Crow zu stürzen. Es kommt zur Schlacht, bei der auch Jacob Smythe, der mit seinem Hass auf Matt die Programmierung der SP überwindet, mitmischt. Am Ende ist Crow tot und von Smythe und Matt fehlt jede Spur. Letzteren findet Aruula nach sechs Tagen an Bord eines Trawlers. Was mit ihm passiert ist, weiß Matt nicht. Sie suchen nach weiteren Artefakten und finden einen Strahler, der Menschen zu Berserkern macht, aber verloren geht.

In Nepal stößt Juefaan auf das fliegende Kloster der SP, wird von ihnen entdeckt und gefangen genommen. Und nicht nur das – ihnen fällt der Meng-âmok in die Hände, die Berserker-Waffe!

Derweil holt Jacob Smythe Matt und Aruula ein und greift sie an. Dabei wird Matt vom Blitz eines hydritischen Schockstabs getroffen, was dramatische Folgen hat: Etwas in seinem Nacken brennt durch und schädigt sein Gehirn. Er sucht Hilfe bei den SP und erfährt eine erschreckende Wahrheit: Er ist ein Klon, der im Auftrag der Feinde handelte – und dem Tod geweiht! Als letzte Tat verhilft er seinem Original und Aruula zur Flucht. Sie wollen nun auf schnellstem Weg zu Juefaan gelangen. Ihr Weg führt sie über die vereiste Landbrücke nach Asien und durch Japan in Richtung Tibet …

Der Sturz des Titanen

von Christian Schwarz

2545, Schwarzes Kloster, Nepal

Mit der Übelkeit kam die Wut. Und der Druck in seinem Kopf. Puspa atmete plötzlich schwer und starrte auf seinen Wachkameraden Prem. Der saß am Tisch und klopfte mit den Fingern gelangweilt auf der Platte herum. Puspa konnte das überlaute Geräusch der Finger, das ihm fast den Schädel platzen ließ, nicht länger ertragen. Auch nicht Prems höhnisches Grinsen, das ihn wahnsinnig machte. „Was soll die Scheiße, du Drecksack!“, brüllte Puspa und sprang so abrupt auf, dass der Stuhl nach hinten wegkippte.

„Was ist los?“, fragte der seltsam verschwimmende Prem und verstärkte sein Grinsen. Puspas Wut explodierte in einer schwarzen Wolke. Er grunzte wie ein Yakk, zog sein Messer und stach es dem Mistkerl in den Hals.

Puspa empfand ein unbeschreibliches Triumphgefühl, als er seinen Peiniger zuckend zu seinen Füßen liegen sah. Aber nur für einen Moment. Wann hörte dieses verfluchte Zucken endlich auf? Warum lag der Kerl nicht einfach still? Und hielt das Maul? Das Röcheln war so überlaut, dass ihm das Trommelfell zu platzen drohte. Zudem verstärkte es die Übelkeit und ließ ihm den Magen hochkommen. Puspa musste sich übergeben.

Die Wut darüber, und dass Prem sich so gegen das Sterben wehrte, schnürte ihm fast die Luft ab. Der Druck in seinem Kopf baute sich wieder auf. Puspa presste die Handflächen gegen die Ohren und drehte ein paar Mal den Kopf hin und her. Es nützte nichts, das Röcheln war nun so laut wie ein Orkan.

Der Wachmann drehte sich einmal um sich selbst. Dann trat er mit ungeheurer Wucht auf den Sterbenden ein, zerschmetterte dessen Gesicht und verteilte dabei das Blut, das in einer riesigen Lache unter Prems Kopf hervor floss, im Raum.

Schlagartig hörte er auf damit. Keuchend sah er auf den Boden. Seine Feinde gingen zum Gegenangriff über! Sie verstärkten das Vibrieren des Schwarzen Klosters so extrem, dass der Boden unter ihm nun wie bei einem Erdbeben zitterte. Wellen liefen unter ihm hindurch, um ihn von den Beinen zu holen. Er machte ein paar unbeholfene Schritte, um den Wellen auszuweichen. Außerdem drehten sie die Motoren auf Höchstleistung, damit das schrille Geräusch seinen Schädel platzen ließ.

Was glaubte der Schwarze Mond eigentlich? Er hatte nicht das Recht, ihn so zu behandeln. Ihn hier im Schwarzen Kloster einzusperren und zum Fliegen zu zwingen. Obwohl Puspa Angst vor dem Fliegen hatte.

Der Schwarze Mond und seine ganze verfluchte Philosophensippe gehörten ausgerottet! Sie alle hatten sich gegen ihn verschworen. Aber nun würde er zurückschlagen.

Puspa schnappte sich das Lasergewehr und sah sich um. Draußen, vor den Fenstern, zogen langsam die riesigen schneebedeckten Berge vorbei. So verschwommen, als würden sie hinter einer Wasserwand liegen. Auch die Einrichtung der Wachstube verschwamm vor seinen Augen. Es brachte ihn auf die Palme, dass er nicht mehr klar sehen konnte.

Daran waren seine Feinde schuld. Sie mussten sterben. Er würde sie alle ausrotten, einen nach dem anderen, bevor er das fliegende Kloster zum Absturz brachte, um flüchten zu können.

Die Gedanken verschwammen wie die Bilder um ihn her, wurden immer schwerer greifbar. Puspa wankte zur Tür. Die öffnete sich unvermutet vor ihm. Mit einem überlauten Geräusch, das wie eine Säge auf Stein klang. Puspa verzog das Gesicht. Ein weiterer Angriff seiner Feinde!

Ein Wachmann erschien im Rahmen. Puspa erkannte, dass das verschwimmende Gesicht Manoj gehörte. Hatte Manoj nicht den Raum verlassen, um die Toilette aufzusuchen? Er war doch einer derjenigen gewesen, die Puspa verhöhnt hatten, als ihm beim Start des Schwarzen Klosters vor neun Stunden plötzlich speiübel geworden war.1)

Noch einmal wurden seine Gedanken klar. Wie Hammerschläge dröhnten die Sätze durch Puspas Schädel, hallten nach wie in einem leeren Raum und brachten ihn endgültig zur Weißglut. „Beim Schwarzen Mond, du bist ja schon wieder bleich wie der Tod. Wirst du krank?“

Puspa sah nun rot. Er machte zwei rasche Schritte auf den erstaunten Manoj zu.

„Was ist hier los, was machst du, Puspa?“

„Schrei mich nicht an!“, brüllte der. Und zog den Kolben des Lasergewehrs hoch. Er traf Manoj am Kinnwinkel und warf ihn zurück an die Wand. Das Geräusch der brechenden Knochen war so laut, als würde die Decke über Puspa einstürzen.

Bewusstlos rutschte Manoj an der Wand herunter. Puspa drückte ab. Der fauchende Laserstrahl schlug in Manojs Kopf und ließ diesen wie eine reife Frucht platzen.

Da wusste Puspa schon nicht mehr, warum er das eigentlich getan hatte. Aber es war richtig gewesen. Die letzten einigermaßen klaren Gedanken wurden vom Druck in seinem Kopf zerquetscht. Als er das Wachzimmer verließ, trieb ihn nur noch ein dumpfer Instinkt voran.

Töten!

Tashi beobachtete ihren Gefangenen. Er saß mit hängendem Kopf auf einem Verhörstuhl, inmitten eines nüchternen, fensterlosen Raums, in dem es neben einigen Stauschränken und Konsolen auch einen autarken Generator für die elektrische Folter gab. Arme und Beine waren mit eisernen Spangen, die aus dem Stuhl heraus geschnappt waren, fixiert.

Juefaan war noch bewusstlos. Er würde aber jeden Moment erwachen, dessen war sich die Schwarze Philosophin sicher. Sie betrachtete den großgewachsenen Blondschopf mit einem höhnischen Lächeln.

Wie dumm und einfältig die Männer doch sind, dachte sie. Nicht einen Moment lang hast du mein Spiel durchschaut, Langnase. Es war zu raffiniert für dich. Und jetzt bist du mein Schlüssel zum Aufstieg. Dank dir werde ich schon bald Zweite Philosophin sein. Wenn ich noch ein paar brauchbare Informationen aus dir raushole, wird der Schwarze Mond sicher seine Zustimmung geben. Vor allem, wenn ich die Erste Philosophin als Fürsprecherin habe …

Juefaan begann zu stöhnen und langsam den Kopf zu heben. Er versuchte seine Arme und Beine zu bewegen, aber es ging nicht. Das brachte ihn rascher zu sich. Mit wirr in die Stirn hängenden Haaren und großen Augen starrte er sie an.

„Tashi? Was … ist passiert? Wo bin ich? Warum … hast du mich gefesselt?“

Sie sagte nichts, starrte ihn nur weiter an. Juefaans Erinnerungen waren schlagartig wieder da. Er starrte zurück. Seine Blicke fraßen sich förmlich auf dem Symbionten fest, den Tashi einen Collier-artigen Halsschmuck ausbilden ließ. Er schluckte ein paar Mal schwer.

„Du hast mich reingelegt, nicht wahr?“

„Du bist wirklich ein Schnellmerker. Zum Schluss hast du dich dann auch noch selber ins Knie geschossen. Du bist ein Trottel, Juefaan. So wie alle Männer eben. Was meinst du, macht sich der Symbiont gut an mir? Er gehorcht mir aufs Wort. Vielen herzlichen Dank für dein Geschenk. Es hat mich wirklich aus Todesgefahr gerettet.“ Sie kicherte hämisch.

Er verzog das Gesicht vor Wut und versuchte keuchend, seine Arme aus den Eisenspangen zu ziehen. Als er die Sinnlosigkeit seines Tuns erkannte, hielt er ein und beruhigte seinen Atem. „Ich … hätte es erkennen müssen, es gab genügend Anzeichen. Aber ich wollte es nicht wahrhaben, weil du vor meinen Augen einen Schwarzen Philosophen getötet hast“, flüsterte er.

Tashi grinste. „Das war mein genialster Schachzug.“

„Hat dein Verrat schon bei unserer ersten Begegnung in dem kleinen Dorf begonnen?“

„Ja, was denkst du denn?“ Tashi fand Gefallen daran, ihm die Geschichte ihres Triumphs unter die Nase zu reiben. „Als du und deine Begleiter vor den schwarzen Kleinluftschiffen in die tiefhängende Wolke geflohen seid, war ich gerade im Sindhupalchok-Tal unterwegs. Der Funkspruch der damaligen Zweiten Philosophin wegen eurer Flucht erreichte mich, als ich mich nicht weit vom Dorf Datta entfernt befand.“

„Das ist die Frau, die du geküsst hast.“

„Ja. Ich bin schon längere Zeit Trichen Tulkus Geliebte und Vertraute. Trichen vermutete völlig richtig, dass ihr Datta aufsuchen würdet, weil ihr Hilfe braucht. Dort traf ich euch tatsächlich an. Ich gewann euer Vertrauen und führte euch zu der Berghütte. Dann jedoch stöberte uns einer unserer Piloten dort auf. Ich musste ihn beseitigen, bevor er mich erkannte.“

Juefaan verzog erneut das Gesicht. „Und als du von meinem Vorhaben erfahren hast, ein Mittel gegen die Hirnparasiten zu holen, hast mich hier hochgelotst.“

Sie nickte. „Es war sehr hilfreich für Trichen, dass man dich beim Eindringen in das Kloster geschnappt hat. Während du den Meng-âmok erobert hast, informierte ich sie per Funk, wo sie uns finden konnte.“

„Und damit ich nicht auf sie schießen würde, hast du dich scheinbar in ihre Gewalt begeben“, schloss Juefaan.

Tashi kicherte erneut. „Du warst sogar so nett, mir den Symbionten zu meiner Rettung zu überlassen. Ach nein, dumm ist das passende Wort. Damit gabst du mir selbst das Mittel in die Hand, dich zu überwältigen.“

Juefaan konnte sich nur mit äußerster Mühe beherrschen, das sah sie genau. Und es törnte sie an.

„Warum das alles, Tashi? Ich verstehe es nicht.“

„Musst du auch nicht. Ich sage es dir trotzdem, weil dir dieses Wissen nichts mehr nützt. Du warst der nützliche Idiot, mit dem Trichen den Ersten Philosophen Thaye Repa abschießen konnte. Dank dir haben wir dem Schwarzen Mond bewiesen, dass Repa seinen Aufgaben nicht gewachsen ist … Entschuldigung: war, denn der Schwarze Mond hat ihn daraufhin eliminiert. Seither ist Trichen Tulku die Erste Philosophin und ich werde demnächst ihre rechte Hand. So haben sich die Dinge überaus glücklich gefügt.“

Juefaan knirschte mit den Zähnen. „Der Boden zittert, ich höre Motorengeräusche“, murmelte er. „Ist das Schwarze Kloster auf Reisen gegangen?“

„Ja. Wir fliegen nach Agartha, um das Königreich der Welt zu erobern. Der Meng-âmok ist die Waffe, auf die der Schwarze Mond so lange gewartet hat.“

„Und was habt ihr mit mir vor?“

„Zuerst werde ich dich verhören. Dann entscheidet der Schwarze Mond, was mit dir passiert.“

„Du glaubst doch nicht etwa, dass ich dir irgendwas sage, du Miststück.“

„Nein, ich glaube es nicht – ich weiß es.“ Sie trat an ihn heran und brachte ihren Mund ganz nah an sein Ohr. Er roch nach Schweiß und Blut. „Soll ich dir mal was verraten, du kleiner Scheißer? Du kannst froh sein, dass ich dich verhöre und nicht die Erste Philosophin. Ich bin nämlich ganz lieb. Trichen ist da ganz anders gestrickt. Soll ich dir verraten, welche Verhörmethoden sie immer anwendet?“

„Fahr zur Hölle, Tashi.“

„Trichen liebt es, ihre Opfer brüllen zu hören. Darum ist dieser Raum auch schalldicht verkleidet“, fuhr sie ungerührt fort. „Weißt du, wie es ist, wenn unter dem Schlag der flachen Hand dein Trommelfell platzt? Wenn dir mit einer glühenden Zange die Fingernägel gezogen werden? Irgendwann redet jeder, ganz sicher; der eine früher, der andere später.“

Mit Genugtuung bemerkte Tashi, dass Juefaan bleich geworden war. „Fangen wir ganz harmlos an“, fuhr sie fort. „Du sagtest, dass dein Vater Luftschiffe bauen könne. Wo hat er das gelernt? Und woher stammt er?“

„Aus Transsylvanien. Sein Name ist Draacula, und er fliegt mit Vorliebe nachts.“

Tashi verzog das Gesicht. Dann nickte sie und öffnete einen kleinen Kunststoffbehälter, der die ganze Zeit auf einem kleinen Tischchen an der Wand gelegen hatte. Sie entnahm ihm eine Spritze, hob sie vors Gesicht und drückte die Luft aus der Nadel. Etwas Flüssigkeit spritzte heraus.

„Was ist das?“, fragte Juefaan misstrauisch.

„Ich sagte doch, dass ich ganz lieb bin. Ich mag keine Folter und benutze lieber das hier: ein hochkonzentriertes Wahrheitsserum. Du wirst mir alles verraten, was ich wissen will, wenn du es erst im Körper hast. Allerdings …“

„Was?“ Er beugte den Oberkörper so weit vor, wie es die Fesseln zuließen, und wirkte in diesem Moment wie eine stoßbereite Schlange.

„Wenn ich dir zu viel davon spritze, bringt es dich um, vergiftet dich ganz langsam. Bete also zu deinem Gott, dass ich die richtige Dosis erwische.“

Sie trat an ihn heran und zerriss das Hemd an seiner linken Schulter. Er versuchte sich wegzudrehen und stieß mit dem Kopf nach ihr. Vergebens. Er schrie kurz auf, als sie die Nadel in seinen Oberarm senkte und den Kolben langsam herunter drückte. Nachdem die Spritze leer war, zog sie sie wieder heraus und wartete.

Juefaan starrte sie an, mit Hass in seinen Augen. „Ich merke gar nichts“, sagte er irgendwann. „Deine Droge hat versagt!“

Tashi aktivierte ihren Kommunikator, um das übliche Verhörprotokoll anzufertigen. „Wie heißt dein Vater?“

„Rulf …“ Juefaan stöhnte laut und verzog das Gesicht. „… ulku“, stieß er dann hervor.

„Rulfulku?“

„J-aaa.“

Tashi unterdrückte den Ärger, der in ihr hochstieg. Die Substanz wirkte bereits; es würde nur noch wenige Minuten dauern, bis sie ihre ganze Bandbreite entfaltete.

Juefaans Augen verschleierten sich, er wirkte nun leicht benommen.

„Wie heißt dein Vater?“, wiederholte Tashi.

„Rulfan.“

„Nicht Rulfulku?“

„Nein.“

Nach und nach erfuhr Tashi von Canduly Castle, dem genialen Luftschiffbauer Patric Pancis, Rulfans Leidenschaft für den Luftschiffflug, Juefaans eigener Pilotenausbildung, dem Hort des Wissens und vielem mehr.

Das ist ja hochinteressant. Möglicherweise weiß der Schwarze Mond noch gar nichts von diesem geheimnisvollen Hort. Juefaans Kampf gegen unseren Statthalter-Roboter fand ja in Glesgo statt. Wenn dem so ist, werde ich definitiv beim Schwarzen Mond punkten können.

Tashi fühlte Erregung in sich hochsteigen. Was würde sie noch alles erfahren? Sie schwenkte um. „Was war das für eine ’ehrenvolle Aufgabe’, die du Nadd und Haruun zum Abschied gegeben hast?“

„Sie sollen während meiner Abwesenheit auf das Transporttuch aufpassen und es notfalls mit ihrem Leben beschützen.“

„Das Transporttuch?“, fragte Tashi verblüfft. „Das, mit dem wir die Artefakte bis vor Kurzem hierher ins Schwarze Kloster transferiert haben?“

„Ja.“

„Du also bist verantwortlich für –“

Sie wurde jäh unterbrochen, als plötzlich ein Krachen erklang …

Juefaan fühlte sich ein wenig benommen, wie bei einem leichten Alkoholrausch. Trotzdem war er geistig voll da. Es zerriss ihn fast, dass er die Fragen Tashis so bereitwillig beantwortete, aber das Serum ließ ihm keine Wahl. Sein Wissen floss förmlich aus ihm heraus, ohne dass er irgendwelche Schmerzen spürte.

Ein Teufelszeug!

Juefaan hatte gerade den Besitz des Transporttuchs preisgegeben, als krachend die Tür aufflog, die sich links von ihm befand. Tashi brach mitten im Satz ab und fuhr herum. Ihre Augen weiteten sich ungläubig.

Auch Juefaan drehte den Kopf. Einer der Schwarzen Philosophen schob sich in den Raum. Er war groß und hatte ein kantiges Gesicht mit unnatürlich geweiteten Pupillen unter dem kahlrasierten Eierkopf. Der Mann trug eine orangerote Kutte und ging mit seltsam eckigen Bewegungen. Noch viel bedrohlicher aber wirkte das Lasergewehr, das er schussbereit in den Händen hielt!

Der Mann kam Juefaan bekannt vor, er hatte ihn schon irgendwo gesehen.

„Was soll das, Soldat?“, fragte Tashi scharf, während sie aufsprang. „Was hast du hier zu suchen?“

Der Mann hob das Gewehr – und schoss warnungslos auf die Frau! Fauchend schlug der Laserstrahl in Tashis Brust. Ungläubig, mit aufgerissenem Mund, starrte sie auf die qualmende Brustwunde. Der Symbiont löste sich vom Hals und floss darüber. Konnte er sie noch retten? Lautlos sank die Schwarze Philosophin zusammen und blieb verkrümmt liegen.

Trotz seiner Benommenheit fühlte Juefaan das Adrenalin in seine Blutbahn schießen. Der Angreifer richtete das Lasergewehr nun auf ihn!

Plötzlich wusste Juefaan, wo er den Mann einordnen musste. Er hatte zum Kampftrupp Trichen Tulkus gehört, mit dem sie die Transformatorenkammer stürmte, wo er selbst gerade den Meng-âmok vom Energietransfer genommen hatte.

Juefaan drehte sich auf seinem Stuhl hin und her. Er versuchte verzweifelt, Arme und Beine aus den Fesseln zu bekommen. Vergeblich. Dabei starrte er wie hypnotisiert auf den kreisrunden Abstrahlpol der Waffe. Würde das Glimmen das Letzte sein, was er sah?

In diesem Moment löste sich der Symbiont von Tashis Körper. Wie ein gleitender Seidenstoff floss er über den Boden und am Verhörstuhl hoch.

Juefaan begriff sofort: Tashi musste tot sein. Er selbst hatte dem Symbionten den Befehl gegeben, ihr zu gehorchen, und damit das Wechselwesen quasi verloren. Freiwillig würde es nicht zu ihm zurückkehren, da es Tashi als neue Herrin ansah. Nun aber, da die Schwarze Philosophin tot war, kehrte der Symbiont zu seinem ehemaligen Herrn zurück.

Schütze mich!, formulierte Juefaan in Gedanken, sobald der Symbiont ihn berührte. Er schießt gleich!

Sofort umfloss ihn das Wechselwesen und legte sich wie eine zweite Haut um ihn. Im allerletzten Moment. Juefaan schrie, als sich der Laserschuss löste und in seine Brust schlug. Er erwartete instinktiv einen furchtbaren, vernichtenden Schmerz, aber der blieb aus. Das Wechselwesen hatte es tatsächlich geschafft, den Treffer zu neutralisieren!

Aber das musste er dem Gegner ja nicht auf die Nase binden.

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