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Maddrax - Folge 389

Inhalt

  1. Cover
  2. Impressum
  3. Hilfreiche Links
  4. Was bisher geschah
  5. Verloren im Sturm
  6. Leserseite
  7. Weihnachtsgrüße
  8. Vorschau

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Am 8. Februar 2012 trifft der Komet „Christopher-Floyd“ die Erde – in Wahrheit eine Arche Außerirdischer, der Daa’muren. Die Erdachse verschiebt sich und ein Leichentuch aus Staub legt sich für Jahrhunderte um den Planeten. Nach der Eiszeit bevölkern Mutationen die Länder und die Menschheit ist – bis auf die Bunkerbewohner – degeneriert. In dieses Szenario verschlägt es den Piloten Matthew Drax, dessen Staffel beim Einschlag durch ein Zeitphänomen ins Jahr 2516 gerät. Nach dem Absturz wird er von Barbaren gerettet, die ihn „Maddrax“ nennen. Zusammen mit der telepathisch begabten Kriegerin Aruula erkundet er diese für ihn so fremde Erde.

In einem „zeitlosen Raum“, der Schnittstelle vieler Paralleluniversen, kollabiert ein Tor und schleudert gefährliche Artefakte in unsere Welt. Mit einem Scanner spürt Matt die ersten davon auf und macht sie unschädlich. Doch dann verlieren er und Aruula nach einer Reise durch den Zeitstrahl ganze 16 Jahre – und treffen auf Robot-Nachbildungen historischer Führer, die „Schwarze Philosophen“ (SP) als Statthalter einsetzen. In Glasgow rettet eine junge Frau Matts Leben. Er weiß nicht, dass Xaana seine Tochter aus der Zukunft ist, mit der seine im zeitlosen Raum verschollene Ex-Freundin Xij schwanger war.

In Schottland wurde die Burg ihres Freundes Rulfan zerstört! Die SP wollen die Artefakte im Hort des Wissens rauben. Rulfan vernichtet alle und sein Sohn Juefaan schließt sich Matt und Aruula an. Er besitzt einen wandelbaren Symbionten, der sich von Blut ernährt. In der Schweiz werden sie Zeuge, wie sich im CERN-Forschungszentrum ein Wurmloch öffnet. Während Xaana zum neuen Hort des Wissens reist, treffen sie in Marseille erstmals auf die SP und erfahren von einem weiteren Statthalter, der Washington übernehmen soll: die Robot-Version von Professor Dr. Smythe, Matts totem Erzfeind! Matt und Aruula brechen nach Meeraka auf, während Juefaan die Basis des Feindes in Tibet aufspüren will.

In Waashton plant Smythe die Übernahme. Matt und Aruula stoßen zu den Rebellen, um seinen Plan zu vereiteln und General Crow zu stürzen. Es kommt zur Schlacht, bei der auch Jacob Smythe, der mit seinem Hass auf Matt die Programmierung der SP überwindet, mitmischt. Am Ende ist Crow tot und von Smythe und Matt fehlt jede Spur. Letzteren findet Aruula nach sechs Tagen an Bord eines Trawlers. Was mit ihm passiert ist, weiß Matt nicht. Sie suchen nach weiteren Artefakten und finden einen Strahler, der Menschen zu Berserkern macht, aber verloren geht.

In Nepal stößt Juefaan auf das fliegende Kloster der SP, wird von ihnen entdeckt und gefangen genommen. Und nicht nur das – ihnen fällt der Meng-âmok in die Hände, die Berserker-Waffe!

Derweil holt Jacob Smythe Matt und Aruula ein und greift sie an. Dabei wird Matt vom Blitz eines hydritischen Schockstabs getroffen, was dramatische Folgen hat: Etwas in seinem Nacken brennt durch und schädigt sein Gehirn. Er sucht Hilfe bei den SP und erfährt eine erschreckende Wahrheit: Er ist ein Klon, der im Auftrag der Feinde handelte – und dem Tod geweiht! Als letzte Tat verhilft er seinem Original und Aruula zur Flucht. Sie wollen nun auf schnellstem Weg zu Juefaan gelangen. Ihr Weg führt sie über die vereiste Landbrücke nach Asien und durch Japan in Richtung Tibet …

Verloren im Sturm

von Ansgar Back

Der Schnee brach unter ihren Füßen weg. Im letzten Moment bekam Oleg seine kleine Schwester zu fassen. Nadesha hing über dem Abgrund, das abgebrochene Stück des Überhangs taumelte in die Tiefe. Als es unten aufprallte, stob eine Schneewolke in die eisige Luft.

„Ich halte dich!“, keuchte der Junge. Zugleich spürte er, wie seine Kraft nachließ. Krampfhaft hielt er Nadeshas Hand fest. Seine Handflächen wurden immer schwitziger, trotz der Kälte.

Nadesha sah ihm in die Augen.

Dann rutschte ihre Hand aus seiner.

Kein Laut kam über ihre Lippen, als sie in die Tiefe fiel. Oleg starrte ihr nach. Er sah, wie Nadesha zu einem dunklen Punkt wurde, der eine gefühlte Ewigkeit später unten aufschlug …

2545, Quinghaai, Hochebene

„Der Schneefall wird stärker“, bemerkte Aruula und legte ihren Fellmantel hinter den Copilotensitz.

Maddrax nickte nur und konzentrierte sich aufs Fahren. Die konischen Lichtbalken der Frontscheinwerfer glitten über die eisige Landschaft. Vorlandgletscher ragten in die Hochebene, in der sich Eis und Schnee weit ausdehnten; Quer- und Längsspalten bildeten unregelmäßige Muster in den umliegenden Hügelketten. Alles war in diesiges Tageslicht getaucht.

Die Kriegerin warf einen Blick auf die Langhaar-Perücke, die neben dem Mantel lag. Grimms Abschiedsgeschenk.

„Willst du sie wirklich behalten?“, fragte Maddrax, der ihrem Blick gefolgt war. Er grinste kurz.

„Konzentrier dich aufs Fahren“, sagte sie knapp und strich über ihre Kurzhaarfrisur.

„Oh, warum so knurrig?“

„Das fragst du noch?“ Aruula deutete auf die Frontscheibe. „Dieser Einheimische hatte doch keine Ahnung! Der hat uns mit Sicherheit den falschen Weg gezeigt! Und der Segen seines Gottes, den er beschworen hat, scheint auch nicht viel zu helfen!“

„Ach ja“, erinnerte sich Maddrax, „Lunataan. Sagt dir der Name etwas?“

Aruula schüttelte den Kopf. „Noch nie von ihm gehört. Er hat offenbar auch nicht viel zu sagen in Wudans Götterheer. Das Wetter wird immer ungemütlicher.“

Sie waren noch immer auf dem Weg nach Tibet, wo hoffentlich Juefaans auf sie wartete. Noch waren sie zu weit entfernt, als dass der Artefaktscanner eine Ortung seines Symbionten angezeigt hätte.

Seit sie auf dieser Hochebene unterwegs waren, hatten sie nur einmal angehalten – um einen einheimischen Jäger nach einer Passage zu fragen, die sie mit PROTO passieren konnten. Der Mann hatte ihnen wortreich erklärt, wie sie fahren mussten. Obwohl Maddrax’ implantierter Translator alle Sprachen der Welt beherrschte, war er sich nicht sicher gewesen, ob er das Kauderwelsch richtig verstanden hatte. Sie konnten nur das Beste hoffen.

Die Kälte drang inzwischen auch in den Innenraum vor. Maddrax drehte die Heizung höher. Noch einige Stunden zuvor hatten in dieser Hochebene Trockengras und harte Erde vorgeherrscht. Seit ungefähr einer Stunde nahm die Kälte stetig zu und die Landschaft hatte sich in Eis und Schnee verwandelt.

„Wie heißt die Gegend hier?“, fragte Aruula.

Matt warf einen Blick auf die digitale Karte, die PROTOs Datenbank lieferte. Leider waren, wie er ihr erklärt hatte, die meisten Karten auf dem Stand vor Kristofluu. Gerade in dieser Gegend hier musste der Kometeneinschlag viel verändert haben.

„Das müsste die Provinz Guizhou im Südwesten der Volksrepublik China sein“, antwortete er. „Neubarbarisch ‚Cinna‘ genannt.“

Aruula sah den zunehmenden Schneefall mit Unbehagen. Wie lange würde sich der Panzer wohl noch durch die Massen von Neuschnee wühlen können?

„Die Luft draußen wird immer dünner“, bemerkte Maddrax. Aruula tat unwillkürlich einen tiefen Atemzug, obwohl hier drinnen ein … wie hatte Maddrax es genannt? … Druckausgleich herrschte. Aber wenn sie stecken blieben, musste mindestens einer von ihnen hinaus in die Kälte und dünne Luft, um mit der Laserpistool den Weg freizuschmelzen. Was Kurzatmigkeit, Kopfschmerzen und im schlimmsten Fall Bewusstlosigkeit zur Folge haben konnte.

N’arboo leef senta ruuta, dachte sie in der Sprache der Wandernden Völker. Kein Baum lebt ohne Wurzeln. Und kein Mensch ohne Luft …

PROTO walzte durch mehrere Schneewehen. Maddrax steuerte um eine Kurve und gelangte auf einen Gebirgspass. Eine steile Serpentine wand sich unter ihnen – und PROTO kam ins Rutschen! Durch geistesgegenwärtiges Gegenlenken griffen die Räder aber sofort wieder. Maddrax grinste. „Das war knapp“, sagte er und zwinkerte ihr zu.

Über ihnen war von dem vormals stählern wirkenden Himmel nur noch eine weiße Decke zu sehen, aus der die Flocken wie Myriaden von Federn quollen. Gletschersohlen lagen zu ihrer Linken, rechts unter ihnen erstreckte sich ein gurgelnder Fluss, der schnell genug floss, um nicht zuzufrieren.

Am Ende der Serpentine gelangten sie zu einer Holzbrücke. Schneebedeckt lag sie vor ihnen. Um weiterzukommen, mussten sie sie überqueren.

Maddrax hielt an. „Sieht reichlich schmal aus“, sagte er. „Ich fürchte, einer von uns muss aussteigen und darauf achten, dass PROTO die Spur hält. Ein Meter zu weit nach links oder rechts und der Panzer rutscht ab.“

Aruula seufzte. „Warum sagst du ‚einer von uns‘, wenn doch klar ist, dass ich das bin?“, fragte sie. „Du bist schließlich der bessere Fahrer. Aber okee, wenn’s denn sein muss …“

Er feixte. „Nimm den Handstrahler mit“, meinte er, „damit du mir Handzeichen geben kannst.“

„Eine Fackel wäre mir lieber, die wärmt wenigstens!“, stieß Aruula hervor. Aber alles Jammern half ja nichts, das wusste sie selbst am besten. Sie schnappte sich den Mantel, zog ihn im Sitzen über und schob auch ihr Schwert in einen Gurt, den sie quer über den Rücken spannte. Ohne ihre Waffe wäre sie sich nackt vorgekommen. Maddrax überreichte ihr den tragbaren Scheinwerfer.

Durch den hinteren Ausstieg gelangte sie ins Freie. Sofort schlug ihr die eisige Luft entgegen. Der Schnee knirschte unter ihren Sohlen, die Luft roch metallen.

Sie schaltete den Strahler ein. Die Lichtlanze tanzte durch das zunehmende Schneegestöber, als Aruula sich in Bewegung setzte.

Vorsichtig ging die Kriegerin auf die Brücke zu. Hinter ihr startete PROTO. Aruula hörte den Motor, kurz darauf knackte der Schnee unter den Rädern des Amphibienpanzers.

An der Brücke angekommen, tastete sie sich behutsam vorwärts. Ihre rechte Hand umklammerte das gefrorene Geländer. Durch die Lücken zwischen den Bohlen sah sie unter sich den gurgelnden Fluss.

Aruula kontrollierte die Brückenränder. Eisfahnen hingen dort herunter, ansonsten schien alles stabil zu sein. Überprüfen konnte sie das mit ihrem eigenen Gewicht natürlich nicht.

Sie gab Maddrax einen Wink mit dem Strahler. Es rumpelte, als er mit PROTO langsam die Brücke befuhr. Ein Flockenwirbel umhüllte den Panzer, Holz knarrte und Metall ächzte. Der Platz war so knapp bemessen, dass er mit der linken Seite am Geländer entlang schrammte. Sofort gab Aruula ein Zeichen, sich mehr rechts zu halten.

Maddrax stoppte sogleich, änderte den Lenkeinschlag und ruckte behutsam weiter vorwärts. Als die Ausrichtung stimmte, winkte Aruula ihn weiter und ging gleichzeitig rückwärts. Die Brücke maß ungefähr dreißig Schritte; die Hälfte hatte sie hinter sich und PROTO das erste Drittel.

Aruula war gespannt bis ins Mark. Deshalb fuhr ihr der Schreck in die Glieder, als sie plötzlich eine leichte Erschütterung spürte. Sie winkte hastig mit dem Strahler und Maddrax hielt an.

Für einige Sekunden lauschte sie mit allen Sinnen, aber nichts geschah. Die Brücke hielt.

„Vorsichtig, gaaanz vorsichtig“, flüsterte sie, als sie PROTO weiter winkte. Doch Maddrax fuhr zu ruckhaft an. Die Stöße übertrugen sich auf die Konstruktion.

Unvermittelt überkam Aruula eine ungute Ahnung. Die eine Sekunde später bestätigt wurde! Zuerst hörte sie ein lautes Knirschen. Dann ging ein Knacken durch die Brücke. Spinnennetzartig bildeten sich Risse im verharschten Schnee über den Bohlen!

„Maddrax! Zurück!“, schrie sie mit überschlagender Stimme und wedelte hektisch mit dem Strahler.

Der Mann aus der Vergangenheit verstand. Sofort setzte er rückwärts. Aruula sah sich nach dem jenseitigen Ufer um. Dorthin musste sie im Notfall fliehen, denn an PROTO kam sie nicht vorbei. Die andere Seite war noch ungefähr zehn Schritte entfernt.

Und dann nahm die Katastrophe ihren Lauf! Noch bevor Maddrax am Beginn der Brücke angelangt war, stürzte sie in sich zusammen! Ein Bersten und Krachen erschütterte die eisige Luft, Holz splitterte, gab nach!

Aruula reagierte binnen einer Sekunde, schnellte herum und rannte los. Im nächsten Moment sackte unter ihr der Boden weg. Sie ließ den Strahler fallen und stieß sich ab. Im Sprung erreichte sie die steile Böschung, fand irgendwo Halt und klammerte sich fest.

Ein Ruck ging durch ihren Körper, während sie herum schwang. So sah sie, wie PROTO zur Seite sackte, durch die sich lösenden Holzbohlen brach und zusammen mit den Brückenresten in die reißenden Fluten klatschte. Als sich Schnee- und Wasserwolken verzogen, war der Panzer verschwunden!

Aruula hatte keine Muße, ihren Schrecken auszuleben. Eisiger Wind blies ihr ins Gesicht und ließ ihre bloßen Hände gefühllos werden. Sie musste schnellstens die Böschung erklimmen!

Aruulas Finger ließen den Brückenrest los, an den sie sich geklammert hatte, und gruben sich in das Erdreich. Dort fand sie Halt in Form von Wurzeln. Dicht an den schneebedeckten Hang gepresst, rammte sie ihre Stiefelspitzen in die Wand. „Meerdu!“, fluchte sie und drehte keuchend den Kopf. Schweiß rann ihr trotz der Kälte über das Gesicht, eine Kondensfahne wehte von ihren Lippen.

Unter ihr gurgelte das Wasser. Sie entdeckte PROTO, schon einen Speerwurf entfernt. Er wurde von den Fluten mitgerissen, tanzte auf den Wellen wie ein Korken.

Der Panzer kann schwimmen! Maddrax wird zurückkommen!, dachte sie.

Aruula sammelte Kraft, achtete auf ihre Körperspannung. Dann gab sie sich einen Ruck und kletterte mit letzter Kraft den Hang empor. Weiter oben bekam sie ein Tau zu fassen, das vom Brückenansatz herunterbaumelte. Aruula griff zu, biss die Zähne zusammen und zog sich daran weiter hoch.

Oben angekommen, zog sie sich über die Kante, ließ das Tau los und blieb für einige Momente mit geschlossenen Augen liegen.

Als ihr Herz gleichmäßiger pumpte, erhob sie sich und sah sich um. Der Schneefall war relativ dicht, die Sicht alles andere als gut. Die Kriegerin konnte in dem gewaltigen weißen Flockenvorhang nur Umrisse von Hügeln und einige Felsen ausmachen. Bäume schien es oberhalb des Hangs nicht zu geben.

Den Fluss links von sich, stapfte sie los, in die Richtung, in der PROTO verschwunden war. Sie konnte nur hoffen, dass Maddrax möglichst bald eine Stelle fand, an der er das Flussbett verlassen konnte. Sie wusste, dass er anschließend sofort wieder am Ufer entlang zurückfahren würde.

Ob er gesehen hatte, dass sie sich retten konnte? Vielleicht mit dem Wärmesucher, dachte sie.

Wärme. Die war jetzt ihre vorherrschende Sorge. Sollte sie dem Fluss weiter folgen oder sich einen Unterschlupf suchen, bis der Sturm nachließ?

Sie war dem Totenvogel Krahac fürs Erste entkommen, doch Aruula spürte deutlich, dass ihr das Schlimmste noch bevorstand …

Capuun Raschiid stand auf dem Hügel. Seine Leute waren dabei, sich zu sammeln. Sechsunddreißig waren von den Chawaai noch übrig. Der Schneefall hatte zugenommen, sie konnten nicht länger warten.

Die Hände des Häuptlings schlossen und öffneten sich. Das Feuer der Trauer brannte in seiner Brust. Er sah, wie die alte Nyima von ihrem Mann getröstet wurde. Dabei hatte er selbst Trost nötig.

Seit vielen Monden waren sie unterwegs. Das Volk der Chawaai war ein Wanderndes. Vor vier Jahren hatten sie beschlossen, sesshaft zu werden. In Vanhaam, einem fruchtbaren Tal, hatten sie alles gefunden, was sie zum Überleben brauchten.

Dann war die Kälte gekommen. Wie ein Tier war sie herangeschlichen, hatte sich mit jedem Mond verstärkt. Es war, als habe Lunataan persönlich dafür gesorgt, dass die Chawaai von nun an zu leiden hatten. Vernichtende Schneestürme hatten Jahr für Jahr zugenommen, Hagelschauer und Kälte brachten Krankheit und Tod.

Bohtep der Disuuparweluun, der Schamane der Chawaai, winkte ihm zu. Sein hageres, zerfurchtes Gesicht mit dem strähnigen Bart lugte unter der Fellkapuze hervor. Zusammen hatten sie beschlossen, nach Induu zu wandern. In der alten Heimat Raschiids würden sie Wärme finden. So hatte es ihnen ein Orakel aus Vogelknochen prophezeit.

Nach etlichen Wochen, in denen Eis und Schnee weiterhin stetig zugenommen hatten, waren sie in Quinghaai gelandet und hatten sich vor einigen Tagen hoffnungslos verirrt. Durch das ständige Schneetreiben war kaum ein klarer Himmel auszumachen. Manchmal waren Morgen- und Abenddämmerung schwer zu bestimmen, das Zeitgefühl ging verloren. Treckvieh besaßen sie längst keines mehr. Fast alles war verendet oder gegessen, auch ihr Shmaldan war aufgebraucht. Die Stammesmitglieder litten Hunger, und weit und breit fand sich kein Unterschlupf.

Doch Klagen half nicht. Sie mussten weiter. Mit der Hoffnung, dass ihr Gott Lunataan sich gnädig zeigte und seine Kinder nicht endgültig der Kälte zum Fraß vorwarf.

Aber das hat er schon getan …

Raschiid ging den Hügel hinab. Die Frauen waren dabei, die allerletzten Fleischvorräte zu sichern. Dafür benutzten sie zwei alte Planen und Stücke eines abgeschabten Yakkfells. Die Planen rollten sie um die aufgereihten Fleischstücke, dabei zerrten und zupften sie an den Fellen, um sie fest zu spannen. Nach wenigen Minuten hatten sie mehrere Fuß lange Rollen angefertigt, die sich problemlos auf der Schulter tragen ließen. Sie verschnürten sie zusätzlich mit Garn.

Bohtep kam zu ihm. „Was für ein Aufwand für so wenig Fleisch“, sagte er bedauernd.

„Es muss sein“, entgegnete ihm der Capuun. „Sonst friert der Rest auch noch ein. Bei diesem Schneefall wird es schwer, ein gutes Feuer zu machen. Wir könnten trotz der Nahrungsreste verhungern.“

Bohtep nickte ihm zu. Zusammen begaben sie sich zu den wenigen Schlitten, die sie besaßen. Die Gruppe war aufbruchbereit.

Raschiid prüfte die Knoten und Riemen. Am hinteren Ende der Schlitten waren Griffe aus Knochen und längeren, gebogenen Geweihstücken angebracht. Manchmal benutzten sie diese als Stützen und Querstangen für provisorische Zelte. Raschiid belastete die vertäuten Knochen und Geweihe mit seinem Gewicht.

Er nickte den Schlittenführern zu. Die Männer erwiderten das Nicken, breiteten schweigend mehrere Schichten aus Fischhäuten und Izeekepirfellen auf einigen Schlitten aus. Darauf nahmen die schwächsten Gruppenmitglieder Platz: Kinder, Alte und natürlich die Kranken. Vorn am Schlitten hatte man lange Lederriemen festgebunden, deren Enden zu einer Art Geschirr zusammengeschlungen waren. Dieses legten sich jeweils die stärksten Männer um Hüften und Schultern.

Raschiid blickte auf die zunehmenden Flocken. Die Kälte kroch durch seine Felle. Sorge erfüllte ihn.

Auch Bohteps Gesicht war voller Besorgnis. „Darkuuna wird bald herabfallen“, sagte er. „Wir aber werden durchmarschieren müssen. Der kommende Sturm wird schlimm werden.“

Raschiid stimmte ihm wortlos zu. Dann legte auch er sich eines der Geschirre an. Er würde voranmarschieren, die Gruppe ihm folgen.

„Du weißt, dass wir keine andere Wahl haben, Capuun“, sagte Bohtep. „Wir müssen aufbrechen.“

„Ay“, bestätigte Raschiid. „Das weiß ich. Aber wee beviwo – wir leben. Das ist das Wichtigste. Und dabei soll es bleiben.“

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