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Maddrax - Folge 386

Inhalt

  1. Cover
  2. Impressum
  3. Hilfreiche Links
  4. Was bisher geschah
  5. Feuer über Japan
  6. Leserseite
  7. Cartoon
  8. Vorschau

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Am 8. Februar 2012 trifft der Komet „Christopher-Floyd“ die Erde – in Wahrheit eine Arche Außerirdischer, der Daa’muren. Die Erdachse verschiebt sich und ein Leichentuch aus Staub legt sich für Jahrhunderte um den Planeten. Nach der Eiszeit bevölkern Mutationen die Länder und die Menschheit ist – bis auf die Bunkerbewohner – degeneriert. In dieses Szenario verschlägt es den Piloten Matthew Drax, dessen Staffel beim Einschlag durch ein Zeitphänomen ins Jahr 2516 gerät. Nach dem Absturz wird er von Barbaren gerettet, die ihn „Maddrax“ nennen. Zusammen mit der telepathisch begabten Kriegerin Aruula erkundet er diese für ihn so fremde Erde.

In einem „zeitlosen Raum“, der Schnittstelle vieler Paralleluniversen, kollabiert ein Tor und schleudert gefährliche Artefakte in unsere Welt. Mit einem Scanner spürt Matt die ersten davon auf und macht sie unschädlich. Doch dann verlieren er und Aruula nach einer Reise durch den Zeitstrahl ganze 16 Jahre – und treffen auf Robot-Nachbildungen historischer Führer, die „Schwarze Philosophen“ (SP) als Statthalter einsetzen. In Glasgow rettet eine junge Frau Matts Leben. Er weiß nicht, dass Xaana seine Tochter aus der Zukunft ist, mit der seine im zeitlosen Raum verschollene Ex-Freundin Xij schwanger war.

In Schottland wurde die Burg ihres Freundes Rulfan zerstört! Die SP wollen die Artefakte im Hort des Wissens rauben. Rulfan vernichtet alle und sein Sohn Juefaan schließt sich Matt und Aruula an. Er besitzt einen wandelbaren Symbionten, der sich von Blut ernährt. In der Schweiz werden sie Zeuge, wie sich im CERN-Forschungszentrum ein Wurmloch öffnet. Während Xaana zum neuen Hort des Wissens reist, treffen sie in Marseille erstmals auf die SP und erfahren von einem weiteren Statthalter, der Washington übernehmen soll: die Robot-Version von Professor Dr. Smythe, Matts totem Erzfeind! Matt und Aruula brechen nach Meeraka auf, während Juefaan die Basis des Feindes aufspüren will.

In Waashton plant Smythe bereits die Übernahme. Matt und Aruula stoßen zu den Rebellen, um Smythes Plan zu vereiteln und General Crow zu stürzen. Es kommt zur Entscheidungsschlacht, bei der auch Jacob Smythe, der mit seinem Hass auf Matt die Programmierung der SP überwunden hat, mitmischt. Am Ende ist Crow tot und von Smythe und Matt fehlt jede Spur. Letzteren findet Aruula nach sechs Tagen an Bord eines Trawlers. Was mit ihm passiert ist, weiß Matt nicht. Vergeblich versucht Aruula ihm zu helfen, seine verlorenen Erinnerungen wiederzufinden. Sie suchen nach weiteren Artefakten und stoßen auf einen Strahler, der Menschen zu Berserkern macht, aber verloren geht.

In Nepal stößt Juefaan auf das fliegende Kloster der SP, wird von ihnen entdeckt und gefangen genommen. Und nicht nur das – ihnen fällt der Meng-âmok in die Hände, die Berserker-Waffe!

Derweil holt Jacob Smythe Matt und Aruula ein und greift sie an. Dabei wird Matt vom Blitz eines hydritischen Schockstabs getroffen, was dramatische Folgen hat: Etwas in seinem Nacken brennt durch, schädigt sein Gehirn und lässt ihn kopflos fliehen. Er sucht Hilfe bei den SP und erfährt eine erschreckende Wahrheit: Er ist ein Klon, der im Auftrag der Feinde handelte – und dem Tod geweiht! Als letzte Tat verhilft er seinem Original und Aruula zur Flucht.

Feuer über Japan

von Sascha Vennemann

Prolog

Nipoo, Hida-Gebirge, 10. Juli 2528

Ryus Sinne waren nach innen gerichtet. In der Meditation blendete er alle anderen Wahrnehmungen aus, lauschte seinem ruhigen Atem, bis auch dieses Geräusch nicht mehr existent war. Er liebte das Gefühl, von allem losgelöst zu sein. Sein Leben lang war er den Wegen der Samurai gefolgt, hatte nach ihren Regeln gelebt und gekämpft. Hier auf Nipoo, der vom Schicksal und den Göttern gestraften Insel, deren Bewohner so viel hatten erdulden müssen.

Schon den ganzen Tag über hatte er es gespürt: Irgendetwas lag in der Luft. Etwas war anders. Und als unter ihm die Erde zu vibrieren begann, ahnte er, dass Nipoo weiteres Unheil bevorstand.

Als Ryu die Augen öffnete und vom Tageslicht geblendet wurde, war er überrascht. Die Schwingungen des Bodens hatten sich in seiner Meditation viel heftiger angefühlt. Wahrscheinlich wegen des hypersensiblen Zustands, den er erreichte, wenn er sich stundenlang auf sein Innerstes konzentrierte.

Er löste die Beine aus dem Lotussitz und kam in ruhigen Bewegungen zum Stehen. Trotz der knapp sechzig Winter, die er nun schon auf dieser Erde weilte, war er agil und gelenkig. Das harte Training mit verschiedenen Waffen, das er täglich absolvierte, hatte dazu beigetragen, Körper und Geist fit zu halten. Ryu war stolz darauf, nicht wie andere seines Alters auf einen Gehstock angewiesen zu sein, sondern immer noch Klettertouren im nahen Gebirge unternehmen zu können.

Wenige werden überhaupt so alt, ging es ihm durch den Kopf. Ein Gedanke, der ihn mit Traurigkeit erfüllte. Viele Freunde waren bereits tot. Er war einer der letzten Traditionskrieger. In den Bunkern der Insel waren andere Fähigkeiten von Bedeutung gewesen, als meisterhaft mit dem Katana umgehen oder zielgenau einen Pfeil abfeuern zu können.

Die Bäume des Gebirgswalds, in den er sich zur Meditation zurückgezogen hatte, zitterten noch unter den Nachwehen der Erdstöße. Nadeln und Laub fielen herab. Ein leises Grummeln wie aus weiter Ferne stieg aus dem Boden empor.

„Also doch“, murmelte Ryu, nahm seine Ausrüstung an sich und begann schnellen Schrittes in Richtung des Dorfes zu laufen, in dem seine Hütte stand. Er hoffte, dass dies kein Vorbote eines großen Seebebens gewesen war. Auf eine weitere Riesenwelle konnten sie gut verzichten.

Wenn die Bewohner Nipoos eines in den letzten drei Jahrzehnten gelernt hatten, dann, dass sie nur noch in den höheren Lagen der Insel sicher waren. Das Meer war zum erbitterten, übermächtigen Feind geworden, dem sie nichts entgegenzusetzen hatten. Die komplette Bevölkerung – die ehemaligen Bunkerbewohner, Überlebende von der Oberfläche und Siedler, die vom cinnesischen Festland kamen – war in die Berge gezogen.

Leichter Nebel waberte zwischen den Baumstämmen. Ryu erreichte den Rand des Plateaus und warf einen Blick ins Tal. Die beunruhigten Rufe der Dorfbewohner hallten zu ihm herauf. Der Ronin1) sah, wie die Menschen ratlos aus ihren Hütten liefen und sich auf der freien Fläche in der Mitte der Siedlung trafen.

Wieder zitterte der Boden, doch diesmal fühlte es sich anders an. Als käme das Beben nicht aus der Tiefe der Erde, sondern aus der Flanke des Berges. Kleine Steine lösten sich unter Ryus Sandalen und ließen ihn beinahe ausgleiten. An einem Ast konnte er sich gerade noch festhalten.

„Was geschieht hier?“, fragte er leise. „Womit strafen uns die Götter diesmal?“ Er meinte es als Feststellung, nicht als Frage. Er glaubte an die Götter und diente ihnen, aber nicht, weil er sie als gütig ansah, sondern weil er Angst vor ihnen hatte.

Ryu war ein Anhänger des Gedankens ausgleichender Gerechtigkeit. Alles Negative fiel irgendwann auf denjenigen zurück, der es verursachte. Dieser Ansicht zufolge musste das Volk Nipoos in früheren Zeiten großes Leid über die Welt gebracht haben. Anders konnte er sich nicht erklären, warum sich die Naturgeister ständig gegen sie verschworen.

„Haben wir nicht schon genug gelitten?“, fragte er, den Blick gen Himmel gerichtet.

Wie aufs Stichwort nahm das Beben zu. Ryu krallte sich an den Ast und zog sich zum Stamm des Baumes. Er umklammerte ihn Halt suchend.

Unten im Dorf gaben die ersten Hütten den Erschütterungen nach und fielen in sich zusammen. Einige Bäume, die nahe der Plateaukante standen, lösten sich aus dem Erdreich und verschwanden in der Tiefe. Felsbrocken polterten hinterher. Ryu sah einen Schwarm Kraniche aufsteigen und in Richtung Meer fliegen. Das war kein gutes Omen!

Er wartete darauf, dass das Beben wieder nachlassen würde, aber das Gegenteil war der Fall.

Dann folgte der Knall. Die Wucht der Explosion war gewaltig! Ungläubig sah Ryu, wie sich aus der Bergkette oberhalb des Dorfes ein ganzer Überhang löste. Die Gesteinsbrocken wurden unter unvorstellbarem Druck weggesprengt und Sekunden später klaffte eine tiefe, längliche Wunde im Berg. Gleißender Widerschein strahlte im Inneren. Rauch, Feuerfunken und Staub schwängerten die Luft.

Eine Druck- und Hitzewelle brandete Sekunden später über Ryu hinweg. Die Bäume schüttelten sich, einige wurden umgeknickt. Auch Ryus Baum hielt nicht stand und brach etwa fünf Meter oberhalb des Waldbodens. Es regnete Äste und Blätter. Ryu brachte sich mit einem Sprung in Sicherheit.

Der herrenlose Samurai blinzelte, bis seine Sicht klarer wurde. „Der Feuerberg!“, keuchte er. „Er erwacht!“

Viele Legenden rankten sich um das Gebirge, das vulkanischen Ursprungs war. Nipoo wurde von diesen Bergen geradezu durchzogen, und in den letzten Jahren war es vermehrt zu Ausbrüchen gekommen.

Aus der Wunde im Berg quoll das heiße Gestein hervor wie Schaum aus einem überkochenden Reistopf. Der breite Lavastrom zerstörte alles in seinem Verlauf. Felsen schmolzen, Bäume fingen Feuer und verbrannten in Sekunden. Die Lava suchte sich den direkten Weg ins Tal. Wo sich das Dorf befand.

Hilflos sah Ryu mit an, wie die Bewohner panisch alles stehen und liegen ließen und versuchten, sich in Richtung Meer zu retten. Sie schrien in Panik. Mit Tränen in den Augen verfolgte der Ronin, wie einige ältere Menschen, die nicht Schritt halten konnten, niedergetrampelt und liegen gelassen wurden.

Das Beben hatte komplett aufgehört, aber die schrecklichen Geräusche waren immer noch da. Dieses dunkle Grummeln kam direkt aus dem Berg, der weiter sein heißes Inneres nach draußen spie.

Das Gefühl der Hilflosigkeit brachte Ryu beinahe um. Hier oben, auf der erhöhten Plattform, war er vor der Feuerflut sicher. Aber er konnte rein gar nichts tun, um seine Mitbürger zu retten! Sie waren zu weit weg, und auch der beste Krieger konnte gegen eine solche Naturgewalt nicht bestehen.

Dann hörte er den Schrei – ein durchdringendes, beinahe metallisches Kreischen, das direkt aus dem Berg zu kommen schien. Er wandte den Blick von den flüchtenden Dorfbewohnern ab und kniff die Augen zusammen, als er erneut zur Bergflanke sah. Und sank in die Knie angesichts des Schauspiels, das sich ihm nun bot.

Aus der heißen Lava arbeitete sich etwas hervor! Das Wesen bewegte sich wie ein Mensch, der sich aus einem Sumpf zu befreien versuchte, und stieß dabei diese durchdringenden Laute aus. Augenblicke später hatte es sich aus dem Feuerfluss gelöst, breitete weite Flügel aus und hob mit einem erneuten Schrei ab.

Der Ronin traute seinen Augen nicht: Vor ihm war ein wahrhaftiger Drache aus dem Vulkanberg gekrochen! Das Wesen, das alten Legenden entsprungen schien, war etwa fünf Mannsgrößen lang, die Flügelspanne mochte wohl noch einmal das Doppelte umfassen.

Heißes Gestein tropfte vom Leib des Drachen, der über und über mit Panzerplatten bewehrt war, und sorgte für weitere Brände.

Ein neuerliches Kreischen. Ryu zweifelte an seinem Verstand, als plötzlich drei weitere Lavadrachen aus dem Vulkanspalt aufstiegen und sich zu ihrem Artgenossen gesellten. Das konnte doch nicht sein!

Wie alle Bewohner Nipoos kannte auch Ryu die Geschichten über die mächtigen Fabeltiere, aber die waren doch nicht echt! Und doch: Hier flogen sie über die Lava hinweg, ließen sich von den heißen Aufwinden tragen und balgten miteinander wie von der Leine gelassene Lupas.

Als die Dorfbewohner die zusätzliche Gefahr entdeckten, brüllten sie noch lauter. Das wiederum machte die Drachen auf sie aufmerksam. Neugierig flogen sie über die Flüchtenden hinweg und setzten sie mit der von ihren Leibern tropfenden Lava in Brand.

Auch der Weg zum Meer war bald abgeschnitten. Die Menschen waren zwischen den Feuersbrünsten eingeschlossen! Die Drachen zogen ihre Kreise über dem Tal und kreischten weiter in ihrer schrillen Tonart.

Sämtliche Spannung war aus Ryus Körper gewichen. Er fühlte sich wie in einem Albtraum. Der Lavastrom hatte bereits die Ausläufer des Dorfes erreicht. Ryu sah, wie auch seine Hütte in Rauch aufging und wie die reglosen Körper der Niedergetrampelten verbrannten.

Immer wieder stießen die Drachen hinab in das flüssige Gestein, wälzten sich in der Glut und stiegen dann wieder auf. Der Samurai sah jetzt, dass eines der Wesen etwas in den Klauen trug. Der Gegenstand sah aus wie kopfgroßes Ei – mit einer Oberfläche wie aus poliertem Metall, denn er reflektierte den Feuerschein der Flammen. Die Lava konnte sich darauf nicht halten.

Ein anderer Drache schoss auf seinen Artgenossen zu und stieß ihn zur Seite. Der fauchte böse, als ihm das Ei entglitt. Der Angreifer ging in den Sturzflug und schnappte es sich. Schnell mit den Flügeln schlagend ging er auf Abstand, verfolgt von dem bestohlenen Drachen. Sie beide kamen auf Ryu zu.

Der Ronin bückte sich instinktiv. Direkt über ihm holte der Verfolger den Dieb ein. Das Laub wirbelte unter dem Flügelschlag der beiden urzeitlichen Tiere nach allen Seiten. Während der erste Drache versuchte, wieder an das Ei zu kommen, verbiss sich der anderen in einem seiner Flügel. Beide drehten sich mehrfach um die Längsachse und ließen schließlich kreischend voneinander ab.

Ryu, der das Ganze vom Boden aus beobachtet hatte, keuchte entsetzt, als das Ei direkt auf ihn herabfiel. Seine Reflexe übernahmen das Kommando. Er sprang vor und rollte sich seitwärts ab, gerade noch rechtzeitig, bevor sich der eiförmige Gegenstand mit einem dumpfen Schlag in den Waldboden bohrte.

Ryu kam in die Hocke. Wo waren die kämpfenden Drachen? Man hörte und sah nichts mehr von ihnen. Über dem Tal schwebten nur noch die zwei verbliebenen.

Kurzentschlossen kroch Ryu auf das Ei zu. Es war glatter als jede Oberfläche, die er je gesehen und gefühlt hatte, und glänzte in einem strahlenden Weiß, schien sogar aus sich selbst zu leuchten. Es war unversehrt, trug nicht einmal Überreste der kochenden Lava. Oder war es gar nicht mit ihr in Berührung gekommen? Ryu brachte den Handrücken vorsichtig in seine Nähe und spürte keine Hitze. Fasziniert tippte er es mit dem Finger an.

Er spürte eine leichte Kühle, die ihm den Arm hinauf lief. Dann, von einem Moment auf den anderen, überfielen ihn die Visionen.

Er sah sich selbst inmitten einer Ebene, das Ei in den Händen. Von allen Seiten näherten sich tödliche Gefahren: eine Flutwelle, eine Lawine aus Geröll, eine Feuerwalze, ein Schneesturm. Ein Klicken zwang seinen Blick auf das Ei hinab. Eine Vertiefung hatte sich in der spiegelnden Oberfläche geöffnet, und er griff wie fremdgesteuert hinein, bediente eine fremdartige Tastatur, die ihm auf den zweiten Blick gar nicht mehr fremd erschien.

Im nächsten Moment befand er sich inmitten einer schimmernden, transparenten Kuppel, von der Feuer, Geröll, Eis und Wasser abprallten, sie umflossen und ihn unbeschadet ließen inmitten des Chaos. Es fühlte sich beinahe so an, es wäre er selbst in dem Ei, von allem Unheil beschützt in einer unsichtbaren Schale, die es beliebig weit ausdehnen konnte.

Das Kreischen der Drachen riss ihn aus der Trance. Ryu taumelte zurück und fiel hin. Unter dem Brechen von Ästen arbeitete sich einer der Drachen – Ryu wusste nicht, ob es Dieb oder Verfolger war – durch die Baumkronen.

Als er Ryu sah, kam er zum Stillstand und fixierte ihn aus funkelnden Augen. Die Welt schien für einen Augenblick stillzustehen. Dann, mit einem erneuten Brüllen, erhob sich das Ungeheuer und entfaltete seine gewaltigen Flügel. Ryu wusste nicht, ob es Feuer speien konnte wie die Drachen aus den Legenden, aber er erkannte, dass es nur noch einen Weg gab, sein Leben zu retten.

Im Liegen holte er aus und warf dem Drachen das Ei zu. Der schnappte es sich mit einem seiner muskulösen Arme und stieß einen weiteren Schrei aus, in dem Ryu Triumph mitklingen hörte. Dann hob der Drache ab und verschwand in Richtung Tal.

Dichter Rauch hatte den Nebel abgelöst. Das Dorf war inzwischen vollkommen zerstört. Keine einzige Hütte hatte die Lavaflut überstanden.

Ryu stand wieder am Rand des Plateaus und blickte auf die Katastrophe hinab. Die flüchtenden Menschen sah er nicht mehr. Sie mussten sich im Wald verteilt haben. Ab und zu drangen Schreie an sein Ohr. Vielleicht verbrannten sie bei dem Versuch, eine der Feuerbarrieren zu überwinden.

Ryu starrte dem Drachen nach, der das Ei trug, schließlich den Spalt im Berg erreichte und mit seiner Beute in der Lava verschwand. Mit Macht drängte sich wieder das Bild aus seiner Vision in Ryus Gedächtnis. Das Ei … Mit seiner unsichtbaren Schale hätte er das Dorf einhüllen und retten können! Sowohl die Lava als auch die Drachen hätten sie nicht durchdringen können, das wusste er mit unerschütterlicher Gewissheit.

Eine Erkenntnis aber, die zu spät kam. Die Dorfgemeinschaft war verloren und auch das Drachenei. Verzweifelt wandte sich Ryu ab und floh in die Wälder.

15. November 2545, nordöstliches Russland

Als PROTO schließlich die letzten eisigen Ausläufer der Landbrücke zwischen Kanda und Ruland hinter sich gebracht hatte und sich zum ersten Mal seit Wochen grüne Tupfer von kargem Grasland in dem immerwährenden Weiß zeigten, war Matthew Drax geneigt, spontan anzuhalten, auszusteigen und den Boden zu küssen.

„Endlich!“, seufzte er erleichtert und versuchte in dem Mischmasch aus Schlamm, Eis und Schnee, das sich vor ihnen ausbreitete, so etwas wie einen Pfad oder einen anderen Hinweis auf eine nahe Siedlung zu erkennen. Die Vorräte an Bord des Amphibienpanzers waren beinahe aufgebraucht. Sie mussten sie dringend aufstocken oder bei Gelegenheit selbst etwas fangen, um ihren in letzter Zeit etwas einseitigen Speiseplan aufzufrischen.

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