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Maddrax - Folge 381

Inhalt

  1. Cover
  2. Impressum
  3. Hilfreiche Links
  4. Was bisher geschah
  5. Das Schwarze Kloster
  6. Leserseite
  7. Vorschau

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Am 8. Februar 2012 trifft der Komet „Christopher-Floyd“ die Er-de – in Wahrheit eine Arche Außerirdischer, der Daa’muren. Die Erdachse verschiebt sich und ein Leichentuch aus Staub legt sich für Jahrhunderte um den Planeten. Nach der Eiszeit bevölkern Mu-tationen die Länder und die Menschheit ist – bis auf die Bunkerbe-wohner – degeneriert. In dieses Szenario verschlägt es den Piloten Matthew Drax, dessen Staffel beim Einschlag durch ein Zeitphäno-men ins Jahr 2516 gerät. Nach dem Absturz wird er von Barbaren gerettet, die ihn „Maddrax“ nennen. Zusammen mit der telepa-thisch begabten Kriegerin Aruula erkundet er diese für ihn so fremde Erde.

In einem „zeitlosen Raum“, der Schnittstelle vieler Paralleluniversen, kollabiert ein Tor und schleudert gefährliche Artefakte in unsere Welt. Mit einem Scanner spürt Matt die ersten davon auf und macht sie unschädlich. Doch dann verlieren er und Aruula nach einer unfreiwilligen Reise durch den Zeitstrahl ganze 16 Jahre – und treffen auf Robot-Nachbildungen historischer Führer, die eine Gruppe, die sich „Schwarze Philosophen“ (SP) nennt, als Statthalter einsetzt. In Glasgow rettet eine junge Frau Matts Leben. Er weiß nicht, dass Xaana seine Tochter aus der Zukunft ist, mit der seine im zeitlosen Raum verschollene Ex-Freundin Xij schwanger war.

In Schottland wurde die Burg ihres Freundes Rulfan zerstört! Die SP wollen die Artefakte im Hort des Wissens rauben. Rulfan zerstört sie alle und sein Sohn Juefaan schießt sich Matt und Aruula an. Er besitzt einen wandelbaren Symbionten, der sich von Blut ernährt.

In der Schweiz werden sie Zeuge, wie sich im CERN-Forschungszentrum ein winziges Wurmloch öffnet. Während Xaana zum neuen Hort des Wissens reist, treffen sie in Marseille erstmals auf die SP und erfahren von einem weiteren Statthalter, der Washington übernehmen soll: die Robot-Version von Professor Dr. Smythe, Matts totem Erzfeind! Matt und Aruula brechen nach Meeraka auf, während Juefaan die Basis des Feindes in Nepal aufspüren will. In New Orleans versucht das Paar ein Artefakt an sich zu bringen, das den Kontakt zum Jenseits herstellen kann. Dabei entdecken sie, dass die SP ihre Roboter mit den Seelen der Toten bestücken! Matts verstorbene Tochter Ann hilft, das Gerät unbrauchbar zu machen.

In Waashton plant Smythe bereits die Übernahme. Matt und Aruula stoßen zu den Rebellen, um Smythes Plan zu vereiteln und General Crow zu stürzen. Es kommt zur Entscheidungsschlacht, bei der auch Jacob Smythe, der mit seinem Hass auf Matt die Programmierung der SP überwunden hat, mitmischt. Am Ende ist Crow tot und von Smythe und Matt fehlt jede Spur. Letzteren findet Aruula nach sechs Tagen an Bord eines Trawlers – aber was mit ihm passiert ist, weiß Matt nicht. Als sie sich auf die Suche nach den näch-sten Artefakten machen, versucht Aruula ihm zu helfen, seine ver-lorenen Erinnerungen wiederzufinden – vergeblich. Sie stoßen auf eine Strahlenpistole, die Menschen zu Berserkern macht, aber scheinbar in den Fluten des Mississippi verloren geht.

Das Schwarze Kloster

von Christian Schwarz

2151, Agartha

Ein blendend heller Blitz füllte den Felsendom. Er kam aus dem Zugangstunnel. Die ohrenbetäubende Explosion, die die Erde beben ließ, folgte dichtauf. Dann torkelten Männer in einer Wolke aus Rauch und Staub aus dem Gang. Blutüberströmt. Fauchende Geräusche drangen in den Nachhall der Explosion, Laserblitze zuckten aus der Tunnelröhre. Mawe Öser blickte in die Gesichter seiner beiden Begleiter. Sie waren totenbleich. „Champa hat auch unser letztes Versteck gefunden. Jetzt ist es aus, Schwarzer Mond. Aus Agartha fliehen können wir nicht mehr“, stammelte Gyatso Kyi.

Öser biss auf seine Unterlippe. „Nein, Champa bekommt mich nicht“, erwiderte er entschlossen. „Es gibt einen letzten Ausweg für mich. Aber ich brauche eure Hilfe.“

Mawe Öser, ein hochgewachsener älterer Mann von asketischer Statur, der mit seinen Begleitern an einem Fenster hoch oben in der Felsenstadt stand, beobachtete die Szenerie noch einen Augenblick. Von der Stadt her stürmten orangegewandete Männer mit Elektrostöcken und Lasergewehren auf den Tunnel zu, um die Eindringlinge zurückzuwerfen. Erste reguläre Truppen drangen ein; die Soldaten zeichneten sich schemenhaft in der Staubwolke ab. Lichtblitze zuckten hin und her. Öser sah mit steinernem Gesicht die eigenen Leute wie die Fliegen fallen. Sie waren allesamt tapfer und gaben fanatisch ihr Leben für ihn. Aber sie waren keine Kämpfer.

Immer mehr von Champas Soldaten kamen aus dem Tunnel und drangen auf das Felsplateau. Es kam zu verbissenen Zweikämpfen. Ösers Anhänger gaben nicht auf, aber gegen die regulären Truppen hatten sie keine Chance. Zumal nun auch noch Betäubungsgas eingesetzt wurde.

„Was hast du vor, Schwarzer Mond?“, fragte Dragpa Drongtse drängend. „Lass uns gehen, bevor es zu spät ist.“

Eine herrische Handbewegung Ösers bremste ihn. „Wartet noch einen Moment“, erwiderte er, während er seinen Blick nicht von den Kampfhandlungen tief unten auf dem Felsplateau lösen konnte. „Kampf, Krieg und Hass sind unser Lebenselixier, ich möchte noch ein wenig davon in mich aufnehmen. Denn möglicherweise werde ich eine sehr lange Zeit nicht mehr unter euch weilen.“

„Was meinst du?“, fragte Kyi. „Deine Worte sind rätselhaft und ängstigen mich.“

Mawe Öser hatte nun genug gesehen. Er drehte sich abrupt um. „Kommt“, sagte er mit fester Stimme. „Ihr werdet es schon bald erfahren.“ Mit raumgreifenden Schritten eilte er seinen Begleitern voran durch den großen, provisorisch eingerichteten Raum mit den halb verfallenen Möbeln. Durch weitere Zimmer, in denen sich deutliche Spuren des Verfalls zeigten, gelangten sie schließlich in einen schmalen Felsengang und von dort in einen großen Saal. An der hinteren Wand gab es eine Tür, über der ein gelbes Licht leuchtete.

Öser kramte einen Impulsgeber aus der Tasche und drückte auf einen Knopf. Das Licht sprang von Gelb auf Blau. Mit einem leisen Schnarren öffnete sich die Tür. Die Männer betraten schweigend den Aufzug. Dabei stellte der Schwarze Mond fest, dass Gyatso Kyi stark zitterte, während Dragpa Drongtse ruhig und gefasst wirkte.

Die Tür schloss sich wieder, der Aufzug setzte sich nach unten in Bewegung. Er würde in dem gläsernen Außenschacht entlang einer senkrecht abfallenden Felswand fast drei Kilometer in die Tiefe sinken. Vor Jahren, als die Kaverne Adlerhorst noch bewohnbar und beleuchtet gewesen war, war die Fahrt mit diesem Aufzug ein atemberaubendes Erlebnis gewesen. Man war sich vorgekommen, als würde man schweben, mitunter sogar wie im freien Fall, hatte sich schutzlos den Gewalten dieser mächtigen Natur ausgeliefert gefühlt.

Nun war alles finster, denn schon seit vielen Jahren gehörte die Kaverne Adlerhorst zu den stark einsturzgefährdeten und damit lebensgefährlichen Zonen. Daran waren tektonische Verschiebungen schuld, die immer wieder auftraten, mit denen die Agarther aber zu leben gelernt hatten.

Der Adlerhorst war evakuiert und geschlossen worden. Kein normaler Mensch wäre auf die Idee gekommen, sich nochmals hierher zu wagen, denn durch immer wieder auftretende Steinschläge und plötzliche Felsrisse drohte ständige Gefahr. Für Mawe Öser und seine Anhänger hatte der Adlerhorst deswegen ein ideales Versteck dargestellt.

Öser war sicher gewesen, dass ihn Dokar Champa, der aktuelle König der Welt, hier nicht aufspüren würde. Nun war es doch passiert. Ob es Verrat oder einfach nur Zufall gewesen war, spielte in diesem Moment keine Rolle mehr. Nun ging es ums nackte Überleben.

Champa wird mich jagen und dann gnadenlos hinrichten lassen, dachte Öser. So viel Kraft und Hass hätte ich ihm niemals zugetraut. Er ist nicht die Waschgaze, für die ich ihn lange gehalten habe. Ob Champa bewusst ist, dass er damit ungewollt meine Lehre stützt und sich ein Stück weit von seiner eigenen Schwäche abwendet? Ich glaube nicht. Aber auch wenn Champa stark ist, so bin ich doch schlauer als er und werde überleben …

Du willst uns verlassen, Schwarzer Mond? Dann hat der König gesiegt! Er wird unsere Schwarze Denkschule auslöschen und aus der Geschichte Agarthas tilgen“, jammerte Kyi los. „Schon die übernächste Generation wird nichts mehr davon wissen.“

„Schweig, Gyatso“, zischte ihn Mawe Öser mit bösem Blick an. „Ich sage dir, dass die Saat der Schwarzen Denkschule bereits aufgegangen ist und nie mehr vergessen werden kann. Sie ist unauslöschlich in den Gedanken all jener Agarther verankert, die die Fähigkeit haben, die Existenz aus dem richtigen Blickwinkel zu betrachten. Generation um Generation werden sie alle Schwarze Philosophen sein, auch wenn sie es noch nicht nach außen hin zeigen und vertreten können. Auf Dauer wird sich die Schwarze Philosophie aber durchsetzen, weil sie stärker und besser als die Irrlehre des Samsara ist.“

Gyatso Kyi schluckte ein paar Mal schwer. „Natürlich, Schwarzer Mond, du spricht wahr und weise. Aber es braucht einen mächtigen und charismatischen Führer wie dich, um unsere Anhänger wieder zu sammeln und aufzurichten. Ohne dich haben die Schwarzen Philosophen kein Leuchtfeuer mehr, an dem sie sich orientieren können. Auch Dragpa und ich selbst nicht.“

„Ich werde niemals wirklich weg sein, Gyatso. Auch wenn ich körperlich nicht unter euch weile, so wird mein Geist Agartha doch weiterhin durchwehen. Ihr werdet ihn an jeder Ecke, an der ihr euch aufhaltet, spüren und fühlen. Denn ich werde immer unter euch sein.“

Der Aufzug stoppte, die Tür ging auf. Das Trio betrat eine ebenfalls längst stillgelegte Station, die zur Ebene Adlerhorst 2 gehörte. Adlerhorst 2 war der Warenumschlagsplatz für die darüber liegende Stadt gewesen, deswegen besaß die Plattform einen Bahnhof. Dorthin führte Öser seine Begleiter.

Das Licht hier unten funktionierte noch, die tektonischen Beben hatten zumindest den Generatoren nichts anhaben können. Öser zog seine Strahlenpistole, als er den Bahnsteig betrat. Seine Begleiter taten es ihm nach. Nervös blickte er sich um. Wenn die Armee sein Versteck aufgestöbert hatte, wusste sie womöglich auch von Dragpa Drongtses Dienstzug, der hier stand. Wenn ja, war seine letzte Chance vertan.

Alles blieb ruhig, als sie auf den Zug, der aus sieben hintereinander gekoppelten Glaskabinen bestand, zugingen. Mawe Öser atmete auf. „Der allmächtige Schwarze Geist ist mit uns“, murmelte er.

„Ja, ich hatte auch ein dummes Gefühl“, sagte Dragpa Drongtse. „Sie wissen von unserem Versteck. Aber sie wissen wohl immer noch nicht, dass ich ein Schwarzer Philosoph bin.“

„Die Lehre macht auch vor Mitgliedern des Großen Rates Khom nicht halt“, erwiderte Öser. „Ich bin dankbar, dass ich Unterstützung aus dem Regierungsgremium habe, das macht viele Dinge leichter.“

Drongtse lächelte kurz, während er nochmals die Bahnhofsplattformen und die nähere Umgebung musterte. „Ganz sicher. Und so lange die anderen Großen Räte nichts von meiner wahren Einstellung wissen, kann ich mit meinem Dienstzug fahren, wohin immer ich will. Wohin soll die Reise gehen, Schwarzer Mond?“

Mawe Öser sagte es ihm.

Der Große Rat Dragpa Drongtse schaute betroffen drein. „Was willst du denn dort? Und woher weißt du davon?“

„Du vergisst wohl, dass ich früher selber dem Großen Rat Khom angehört habe, aber wegen Verleugnen der Samsara-Lehre ausgeschlossen wurde. Der König der Welt und seine Regierungsmarionetten halten nicht viel von der Freiheit des Denkens und schon gar nichts von Toleranz.“

„Ja, natürlich“, murmelte Drongtse. „Das war eine dumme Frage von mir.“

„Los jetzt, es eilt.“

Mit seinem Impulsgeber öffnete Dragpa Drongtse die Tür der vorletzten Glaskuppel. Öser und Kyi stiegen in die Kabine und setzten sich, während Drongtse den hinteren Kopfwagen mit den Steuerelementen enterte. Der Schwarze Mond betrachtete interessiert, wie der Große Rat seine Handfläche auf den Identifikations-Scanner legte und umgehend die Freigabe bekam. Auch er selbst hatte einmal einen Dienstzug besessen, so wie er allen Großen Räten zustand.

Ruckelnd fuhr die Bahn an, beschleunigte rasch und folgte dem äußersten der vier Gleisstränge, die sich kelchförmig ausbreiteten, in einen finsteren Tunnel hinein. Nach gut sechs Kilometern öffnete sich der Tunnel in eine weitere Höhle.

Ein Gleisknotenpunkt tauchte vor ihnen auf. Den hätte Dragpa auf dem Herweg eigentlich nicht passieren dürfen, denn ab hier war der Zugang zur Kaverne Adlerhorst 2 gesperrt. Normale Bahnen wurden hier auch sofort abgebremst. Mit dem Überrangcode eines Dienstzuges war das aber kein Problem. Der Einsatz des Codes wurde zudem von den allgemeinen Streckenkontrollen nicht aufgezeichnet, ebenso wenig wie die Bewegungsprofile der Rätebahnen.

Gleich darauf fuhr der Zug über enge Trassen, die teilweise hoch über Abgründen in steile Felswände geschlagen waren, rauschte durch Bahnhöfe, auf denen entlang der Gleise Statuen aus purem Gold standen, und dann wieder über weite Felsenflächen. Obwohl sie nun wieder durch bewohnte Kavernen und Felsendome fuhren, hatte Öser keine Sorge, dass er erkannt würde. Zu schnell sauste die Bahn an den Menschen auf den Bahnsteigen und an den entgegenkommenden Zügen vorbei.

Schließlich hielt Drongtse auf einem der Bahnhöfe unterhalb des Regierungspalastes. Hier hatten die Großen Räte ihre eigenen Gleisboxen, in deren Schutz sie unbelästigt aus- und einsteigen konnten.

Das Trio betrat einen Felsengang. Da sich hier nur Große Räte bewegen durften, gab es keine Überwachungskameras entlang des Weges, der schließlich vor einer großen Stahltür endete. Links davor stand eine brusthohe Säule mit einer elektronischen Bedienungskonsole, die auf einer abgeschrägten Fläche angebracht war. Ein gelbes Licht leuchtete dort.

Dragpa Drongtse identifizierte sich dreifach. Die Scanner stuften ihn als berechtigte Person ein. Das gelbe Licht sprang auf Blau, die Stahltür schob sich lautlos in die Wand zurück. Der Felsengang setzte sich dahinter fort. Ein Gewirr an Höhlen, Abgründen und schmalen Brücken tat sich vor ihnen auf. Und immer wieder in die Felswände eingelassene Stahltüren.

Mawe Öser spürte eine starke Erregung. Sie befanden sich längst in den Geheimen Kammern, zu denen nur noch wenige Agarther Zutritt hatten. Bevor er sie richtig hatte erkunden können, war er aus dem Großen Rat Khom geflogen.

Die Alpha-Sektion, die nur noch Große Räte betreten durften, tauchte vor ihnen auf. Gleich darauf befanden sie sich hinter der mit Strahlwaffen gesicherten Tür. Einige Minuten später standen sie in einem mächtigen Felsendom, der eine faszinierende Apparatur barg. Öser wusste, dass in der Höhle nebenan eine identische stand.

„Die atlassischen Gedankensphären“, murmelte der Schwarze Mond und fühlte eine ungewisse Furcht in sich aufsteigen. Bisher kannte er die Maschinen nur vom Hörensagen – und aus Legenden. Es war Generationen her, seit sie das letzte Mal benutzt worden waren, und dass es darüber keine Aufzeichnungen gab, beunruhigte ihn.

Ich muss das Risiko auf mich nehmen. Nur wenn ich Champa täusche, kann ich dem sicheren Tod entkommen …

Ösers Furcht wurde von Entschlossenheit verdrängt. „Ich werde meinen Geist in eine der Gedankensphären transferieren“, sagte er. „Wenn die Erzählungen stimmen, wird mein Körper danach wie tot sein. Nehmt ihn und legt ihn an einer weit entfernten Stelle ab, sodass Champas Männer ihn finden. Doch bevor er verbrannt werden kann, müsst ihr ihn entführen und verstecken. Ich kehre in meinen Körper zurück, wenn sich die Lage beruhigt hat. Wie Phoenix aus der Asche werde ich auferstehen und fortan für unsterblich gelten. Das wird die Massen auf meine Seite ziehen und wir können Agartha endlich im Sturm nehmen und den König der Welt hinwegfegen.“

„Es ist ein großes Wagnis“, erwiderte Drongtse bedrückt. „Seit Jahrhunderten hat niemand mehr eine Gedankensphäre bedient. Aber wie ich die Lage einschätze, ist sie wohl tatsächlich deine einzige Chance, Schwarzer Mond.“

„Ihr versprecht mir, dass ihr nach meinem Wunsch handelt?“

Beide machten das Zeichen der Zustimmung. Mawe Öser schluckte schwer und begutachtete beide Maschinen, auch jene in der Nachbarhöhle. Im Aufbau wirkten sie identisch: Die Sphären waren ungefähr vier Meter hoch und erinnerten an einen gefrorenen Wasserstrudel, dessen Mitte ein blinder Fleck bildete. Dahinter sah man langgezogene Schaltkonsolen mit Displays, Knöpfen, Reglern und Kabeln. Davor stand ein metallener Stuhl mit Kopfstütze und Armlehnen.

Der Schwarze Mond entschied sich für jene Sphäre, die offensichtlich neueren Datums war, denn der Zahn der Zeit hatte noch nicht so sehr an ihr genagt wie an der anderen, die Spuren von Flugrost und etliche Kratzer aufwies.

Er drückte den leicht zu identifizierenden Hauptschalter an der Hauptkonsole. Sofort flammten einige Kontrolllampen auf und der blinde Fleck im Zentrum der Sphäre füllte sich mit … Leben? Ein Wabern entstand dort, das der Blick nicht festhalten konnte und das Ösers Pulsschlag beträchtlich erhöhte. Er starrte fasziniert darauf. Die Schlieren wurden farbiger, klare Linien bildeten sich heraus. Schließlich manifestierte sich ein seltsames, grünviolettes Rautenmuster, das Öser aber noch immer nicht mit seinen Augen erfassen konnte. Die Linien schienen sich wie ein starker Strom nach innen zu bewegen, obwohl sie das nicht wirklich taten.

Ganz plötzlich war sie da: Eine junge hübsche Frau saß im Stuhl vor der Gedankensphäre und lächelte ihm auffordernd zu. Der Schwarze Mond erschrak fast zu Tode. Er sah zu seinen Begleitern, doch die schienen die Frau mit dem kahlen Kopf und dem schwarzen Zopf, der über ihre linke Schulter hing, gar nicht wahrnehmen zu können.

Öser kämpfte seine Verblüffung nieder, ließ sich nichts anmerken und betrachtete die Frau genauer. Sieben Elektroden saßen rund um ihren Schädel. Sie waren Endteile von Kabeln, die an bestimmten Stellen aus der Schaltkonsole kamen.

Gehörte die Erscheinung zu der Maschine? So musste es sein, denn sie war im Moment des Einschaltens aufgetaucht.

Als dann eine Stimme in seinem Kopf erklang, die seine Begleiter ebenfalls nicht hören konnten, begriff Öser endlich: Die Frau gab ihm auf telepathischem Weg Hinweise, wie er die Gedankensphäre bedienen musste! Eine mentale Gebrauchsanweisung sozusagen. Strahlte das Rautenmuster im Zentrum diese geistigen Impulse zielgerichtet auf jene Person ab, die die Maschine eingeschaltet hatte? So musste es wohl sein.

„Wie gehen wir weiter vor?“, fragte Dragpa Drongtse und störte damit seine Konzentration. Öser winkte hektisch ab und beobachtete weiter das Geistbild der Frau, die nun auf jede einzelne Elektrode an ihrem Kopf deutete. Dabei simulierte sie mit Handbewegungen das Ansetzen derselben.

Ah, alles klar, dachte Öser und versuchte die Kabel zu greifen. Natürlich fasste er hindurch; sie waren ja nur eine Geistprojektion. Aber dort, wo sie hervorkamen, bemerkte er nun Klappen und öffnete sie. Tatsächlich fand er die Elektrodenkabel in den entsprechenden Farben darin vor und holte sie hervor. Als er sich umdrehte, war die Frau aufgestanden und wies in einer einladenden Geste auf den Stuhl.

Öser setzte sich. Er glaubte, ein leichtes Kribbeln wahrzunehmen, das erst endete, als er alle Elektroden an die richtigen Stellen seines Schädels gedrückt hatte, wo sie von selbst haften blieben.

Drongtse und Kyi hatten sein Tun schweigend beobachtet; nun traten sie näher. Mawe Öser wollte sich von seinen Getreuen verabschieden, aber ihm blieb nicht mehr die Zeit dazu. In der Konsole sprang eine Leuchtfläche von Rot auf Blau um. Eine unheimliche Kraft zerrte mit einem Mal mit Urgewalt an seinem Kopf, wie um ihm das Gehirn durch die Poren herauszuziehen. Öser hatte das Gefühl, aus Myriaden kleinster Einzelteile zu bestehen, die durcheinanderwirbelten, sich neu ordneten und seine Gedanken zerfließen ließen, um sie dann förmlich zu zerfetzen.

Im nächsten Moment riss es ihn in die Sphäre hinein.

Die beiden Schwarzen Philosophen sahen dem Treiben ihres Meisters verwundert zu. „Woher weiß er, was zu tun ist?“, murmelte Gyatso Kyi leise.

„Er ist der Schwarze Mond“, erwiderte Dragpa Drongtse mit leichtem Vorwurf in der Stimme, als sei damit alles gesagt. Fasziniert beobachtete er den sinnverwirrenden Strudel.

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