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Maddrax - Folge 380

Inhalt

  1. Cover
  2. Impressum
  3. Hilfreiche Links
  4. Was bisher geschah
  5. Projekt Drax
  6. Leserseite
  7. Cartoon
  8. Vorschau

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Am 8. Februar 2012 trifft der Komet „Christopher-Floyd“ die Er-de – in Wahrheit eine Arche Außerirdischer, der Daa’muren. Die Erdachse verschiebt sich und ein Leichentuch aus Staub legt sich für Jahrhunderte um den Planeten. Nach der Eiszeit bevölkern Mu-tationen die Länder und die Menschheit ist – bis auf die Bunkerbe-wohner – degeneriert. In dieses Szenario verschlägt es den Piloten Matthew Drax, dessen Staffel beim Einschlag durch ein Zeitphäno-men ins Jahr 2516 gerät. Nach dem Absturz wird er von Barbaren gerettet, die ihn „Maddrax“ nennen. Zusammen mit der telepa-thisch begabten Kriegerin Aruula erkundet er diese für ihn so fremde Erde.

In einem „zeitlosen Raum“, der Schnittstelle vieler Paralleluniversen, kollabiert ein Tor und schleudert gefährliche Artefakte in unsere Welt. Mit einem Scanner spürt Matt die ersten davon auf und macht sie unschädlich. Doch dann verlieren er und Aruula nach einer unfreiwilligen Reise durch den Zeitstrahl ganze 16 Jahre – und treffen auf Robot-Nachbildungen historischer Führer, die eine Gruppe, die sich „Schwarze Philosophen“ (SP) nennt, als Statthalter einsetzt. In Glasgow rettet eine junge Frau Matts Leben. Er weiß nicht, dass Xaana seine Tochter aus der Zukunft ist, mit der seine im zeitlosen Raum verschollene Ex-Freundin Xij schwanger war.

In Schottland wurde die Burg ihres Freundes Rulfan zerstört! Die SP wollen die Artefakte im Hort des Wissens rauben. Rulfan zerstört sie alle und sein Sohn Juefaan schießt sich Matt und Aruula an. Er besitzt einen wandelbaren Symbionten, der sich von Blut ernährt.

In der Schweiz werden sie Zeuge, wie sich im CERN-Forschungszentrum ein winziges Wurmloch öffnet. Während Xaana zum neuen Hort des Wissens reist, treffen sie in Marseille erstmals auf die SP und erfahren von einem weiteren Statthalter, der Washington übernehmen soll: die Robot-Version von Professor Dr. Smythe, Matts totem Erzfeind! Matt und Aruula brechen nach Meeraka auf, während Juefaan die Basis des Feindes in Nepal aufspüren will. In New Orleans versucht das Paar ein Artefakt an sich zu bringen, das den Kontakt zum Jenseits herstellen kann. Dabei entdecken sie, dass die SP ihre Roboter mit den Seelen der Toten bestücken! Matts verstorbene Tochter Ann hilft, das Gerät unbrauchbar zu machen.

In Waashton plant Smythe bereits die Übernahme. Matt und Aruula stoßen zu den Rebellen, um Smythes Plan zu vereiteln und General Crow zu stürzen. Es kommt zur Entscheidungsschlacht, bei der auch Jacob Smythe, der mit seinem Hass auf Matt die Programmierung der SP überwunden hat, mitmischt. Am Ende ist Crow tot und von Smythe und Matt fehlt jede Spur. Letzteren findet Aruula nach sechs Tagen an Bord eines Trawlers – aber was mit ihm passiert ist, weiß Matt nicht. Als sie sich auf die Suche nach den näch-sten Artefakten machen, versucht Aruula ihm zu helfen, seine ver-lorenen Erinnerungen wiederzufinden – vergeblich. Sie stoßen auf eine Strahlenpistole, die Menschen zu Berserkern macht, aber scheinbar in den Fluten des Mississippi verloren geht.

Projekt Drax

von Lucy Guth

Mai 2541, vor der Ostküste Meerakas

Aus dem Dunkel der Ozeantiefen schälte sich ein heller Umriss heraus. Quart’ols Transportqualle hatte die Röhre fast erreicht. Doch er fühlte keine Erleichterung darüber, bald am Ziel zu sein. Nur Frustration, weil seine Suche ohne Erfolg geblieben war. Wieder einmal.

Da erbebte die Qualle. Im selben Moment spürte Quart’ol einen scharfen Schmerz, der durch seine Schläfen zuckte. Vor seinen Augen erstrahlte ein heller Lichtblitz – und dann war da nur noch Schwärze.

Quart’ol schreckte hoch. Er musste kurz das Bewusstsein verloren haben. Viel Zeit war nicht vergangen, das wusste er sofort: Durch die transparente Haut der Transportqualle erkannte er, dass die Strömung und der in dreißig Metern noch spärlich vorhandene Lichteinfall sich nicht verändert hatten. Die Sonne war also noch keine große Strecke weitergewandert.

Quart’ol schüttelte den Kopf, um seine Benommenheit abzuschütteln, und richtete sich auf. Er überprüfte die Funktionen der Qualle, die ohne seine Kontrolle angehalten hatte. Alles schien in Ordnung zu sein. Quart’ol fand keine Beschädigung oder andere Spuren eines Angriffs. Er sandte seine Geistfühler in die unmittelbare Umgebung, stieß aber auf nichts Verdächtiges.

Wer bei Ei’dons Flossenkamm hatte ihn angegriffen? Oder was? Und vor allem: warum? Fragen, auf die Quart’ol keine Antwort fand. Er war in den Weiten des Ozeans so allein wie ein gestrandeter Wal an der Küste.

Quart’ol seufzte. Es war ein für Hydriten eher untypisches Geräusch, und er hatte sich schon oft gefragt, ob er es wegen seiner vielen Kontakte mit den Menschen übernommen hatte oder wegen seiner Geistverschmelzung mit Matthew Drax.

Unwichtig, ein Seufzen brachte einfach am besten seine Gemütslage zum Ausdruck. Nein, eigentlich wäre das ein kräftiger Fluch gewesen. Aber so weit hatte Quart’ol sich unter Kontrolle.

Er griff nach der bionetischen Steuerkonsole der Qualle und brachte sie wieder auf Kurs Richtung Transportröhre. Der Hydrit wollte keine weitere Zeit verlieren. Er musste einige Angelegenheiten in Hykton erledigen und sich dann wieder auf die Suche machen. Die Suche nach seinem Freund Matt, den andere Maddrax nannten.

Seit gut einem Jahr war Quart’ol ein Ruheloser. Er verbrachte kaum noch Zeit in hydritischen Städten, kaum noch Zeit mit seiner Arbeit als Wissenschaftler. Kaum noch Zeit mit Bel’ar.

Als seine Gedanken seine Geliebte streiften, verharrten sie kurz. Quart’ol vermisste Bel’ar. Doch er musste Matt finden. Der Mann aus der Vergangenheit war zu wichtig, um einfach so zu verschwinden. Wo war er nur abgeblieben? Quart’ol hatte ihn in Meeraka und Euree gesucht, am Kratersee, in Amraka und auf den dreizehn Inseln. Nun würde Ausala1) sein Ziel sein. Vielleicht …

Ein Ruf über den Bordkommunikator schreckte Quart’ol auf. Er kannte diese Stimme, die im klackernden und zischenden Idiom der Hydriten aus dem bionetischen Lautsprecher drang, mittlerweile nur zu gut. „Quart’ol, begib dich nach deiner Ankunft umgehend zum HydRat“, sagte Sir’tak hörbar ungeduldig. Die Oberste Hyktons hatte seine Suche nach dem Menschen aus der Vergangenheit stets missbilligt.

„Um was geht es?“, fragte Quart’ol zurück. „Meine Zeit ist knapp bemessen und …“

Sir’taks schroffe Stimme unterbrach ihn: „Der HydRat fordert deine Anwesenheit, alles Weitere erfährst du später. Wir erwarten dich.“

Quart’ol spürte, dass Sir’tak keinen Widerspruch dulden würde. Er seufzte erneut, dieses Mal genervt. „Ich bin auf dem Weg“, antwortete er, stieß ein unwilliges Klacken aus und fädelte die Qualle in die Transportröhre ein.

Als die Lichter Hyktons in der Dunkelheit der Tiefe auftauchten wie Meeresschaum auf den Wellen, spürte Quart’ol den Stich des schlechten Gewissens. Viel zu lange war er nicht mehr hier gewesen, hatte seine Arbeit und seine Vertrauten vernachlässigt.

Liebevoll betrachtete er die sanft schimmernden Kugeln, die sich wie Fischlaich aneinander drängten. In den vergangenen Jahren war die Stadt um viele bionetische Sphären angewachsen und bot rund zehntausend Hydriten ein Zuhause. Zwischen den Kugelbauten standen vereinzelt Korallengebäude, hübsch anzusehen, aber meist von weniger fortschrittlichen Hydriten bewohnt. Um Hykton herum wogten Seegras und Kelp und schienen die Stadt schützend zu umarmen. Bis dicht an die bebauten Bereiche reichte das Neptungras mit seinen pastellfarbenen Blüten heran. Ein Schwarm Mantas zog mit majestätischem Schwingenschlag über die Gebäude hinweg.

Im Zentrum der Stadt leuchtete wie eine Perle die größte Sphäre – das Hydrosseum. Zahlreiche kleinere Kugelbauten schmiegten sich daran – Labore, Forschungseinrichtungen, der große Ratssaal. Dies war der Ort, an dem Quart’ol in den vergangenen Jahren viel Zeit verbracht hatte. In den Jahren, ehe er sich auf die Suche nach Matt Drax begeben hatte.

Die Qualle schoss aus der Transportröhre in die Sphäre, die als Ankunftshalle diente. Verbindungen aus allen Himmelsrichtungen endeten hier, und als Quart’ol den Schleusenmuskel der Qualle öffnete, um auszusteigen, kamen gerade zwei weitere der halborganischen Transportmittel herein. Die Halle war vom sanften Glühen phosphoreszierender Algen erhellt. Quart’ol mochte das grünliche Leuchten. Es vermittelte ihm ein Gefühl von Heimat.

Quart’ol genoss für einen Augenblick das Gefühl der Heimkehr. Da fiel ihm auf, dass er beobachtet wurde.

Ein junger Hydrit mit rötlichem Flossenkamm schwebte wenige Armeslängen entfernt im Wasser und starrte ihm entgegen. Als er bemerkte, dass Quart’ol ihn gesehen hatte, kam er auf ihn zugeschwommen. „Ehrenwerter Quart’ol, willkommen zurück in Hykton. Mein Name ist Magga’fin. Die erhabene Oberste Sir’tak schickt mich.“

Quart’ol sog einen Schwall Wasser durch seine Kiemen. Die Oberste wollte wohl sichergehen, dass Quart’ol umgehend seiner Order nachkam. Doch er sparte sich einen Kommentar, sondern neigte den Kopf. „Du bist noch nicht lange in Sir’taks Diensten, richtig? Ich habe dich noch nie gesehen.“

„Ihr wart auch lange nicht hier, Ehrenwerter“, antwortete Magga’fin. „Man hat mich beauftragt, euch sofort in den Ratssaal zu bringen. Der HydRat erwartet euch dort.“

Quart’ol nickte resigniert, ehe ihm bewusst wurde, dass der junge Hydrit mit dieser menschlichen Geste nichts anfangen konnte. Ich war wirklich zu lange mit Maddrax zusammen, dachte er belustigt und signalisierte dem Jüngeren seine Zustimmung mit einer Farbänderung seines Scheitelkamms. Dann folgte er ihm aus der Sphäre.

Bis zum großen Ratssaal war es nicht weit. In den Röhren, die die Sphären miteinander verbanden, leuchteten die Algen ebenfalls grünlich. Außerhalb herrschte die tiefblaue Dunkelheit des nächtlichen Meeres. Die Umgebung Hyktons war durch die erhellte Stadt in samtiges Licht getaucht, das mit zunehmender Entfernung ausfaserte und schwächer wurde. Besucher pflegten zu sagen, dass die Stadt beim Näherkommen wie ein Traum in dunkler Nacht auftauchte.

Auf dem Weg fiel Quart’ol auf, dass nur wenige Hydriten unterwegs waren. Zwar war es spät, doch er war auch während der Ruhezeiten mehr Betriebsamkeit in Hykton gewohnt.

„Ist irgendwas los?“, fragte er Magga’fin.

Der junge Hydrit sah ihn irritiert an: „Wie meint ihr das, Ehrenwerter?“

Quart’ol wies auf die leeren Wege und Transportröhren. „Nun, es ist nicht sonderlich viel Betrieb, oder?“

Magga’fin verhielt kurz und schien nachzudenken. Dann erhellte sich sein Gesicht und er sagte: „Das muss am Karpe’esh liegen.“ Nach diesen Worten setzte er seinen Weg zügig fort.

Quart’ol war verwirrt. Ein Karpe’esh? Das Ritual war seit Jahrhunderten nicht mehr vollzogen worden. Die Hydriten feierten damit den festen Bund eines Paares, ähnlich wie die Menschen eine Hochzeit. Nur, dass die meisten hydritischen Paare heutzutage die Verbindung nicht durch diesen alten Brauch zelebrierten. Es musste sich um wahre Traditionalisten handeln, die diese Feier begingen. Kein Wunder, dass viele Einwohner Hyktons sich das nicht entgehen lassen wollten.

„Wer begeht das Karpe’esh?“, fragte Quart’ol.

Magga’fin ließ seinen Flossenkamm zucken. „Jemand aus Kolay. Ich kenne sie nicht.“

Sie erreichten den Ratssaal, der zu Quart’ols Erstaunen fast leer war. Die mit Perlmutt überzogenen Sitzreihen des austerförmigen Raumes wirkten verlassen. Lediglich die Oberste Sir’tak stand, flankiert von zweien ihrer Berater, am Rednerpult und war in eine Unterhaltung vertieft. Als Quart’ol und Magga’fin in den Saal schwammen, wandte sie sich um. Ihre algenschlanke Gestalt strahlte Würde aus. Quart’ol musste zugeben, dass die Oberste in den vergangenen Jahren an ihrer Aufgabe gewachsen war und sie mittlerweile mehr als souverän erfüllte.

„Quart’ol, da bist du ja endlich. Die Ratssitzung ist schon beendet und die meisten Mitglieder sind bereits auf dem Rückweg.“ Leichte Missbilligung lag in Sir’taks Worten.

Quart’ol spürte Zorn in sich aufsteigen. „Ich bin so schnell gekommen, wie ich konnte.“ Was ehrlich gesagt nicht stimmte, denn er hatte sich bewusst Zeit gelassen.

„Einige der Älteren wollten rasch aufbrechen, um das Karpe’esh nicht zu versäumen“, sagte Sir’tak und legte ihm in einer überraschenden Geste begütigend die Flossenhand auf den Unterarm. „Aber das ist nicht weiter tragisch. Ich kann dir den Entschluss des HydRats auch ohne die anderen mitteilen, denn er wurde bereits beschlossen und genehmigt.“

Quart’ol bemühte sich, ruhig zu bleiben. Das klang danach, als sollte er seine Suche nach Matt unterbrechen. „Was will der Rat von mir?“, fragte er mit einem unguten Gefühl.

Sir’tak klackerte amüsiert. „Du befürchtest vermutlich, deine … Expeditionen einschränken zu müssen. Aber das ist irrelevant. Unser Vorhaben, mit dem wir dich betrauen wollen, macht die weitere Suche nach deinem Freund Maddrax überflüssig.“

Quart’ol fuhr wütend auf: „Ich werde nicht aufhören, ihn zu suchen, bevor ich nicht sicher weiß, ob er noch lebt oder tot ist.“

Sir’taks Blick war kühl als das Wasser der Tiefe. „Dessen sind wir uns bewusst. Auch wenn viele nicht verstehen, warum du dich so für einen Menschen einsetzt.“ Ihre Stimme wurde freundlicher: „Das sind diejenigen, die nicht verstanden haben, dass dich und diesen Menschen etwas Besonderes verbindet. Und die seinerzeit die Prophezeiung der Augure nicht gehört haben. Maddrax ist kein gewöhnlicher Mensch, und er könnte für das Schicksal der Erde wichtig sein.“

Quart’ol horchte auf. Dass Sir’tak diesen Ton anschlug, wunderte ihn über die Maßen. Er wartete geradezu auf den Pferdefuß, der folgen musste.

„Du solltest jedoch den Tatsachen ins Auge sehen“, fuhr Sir’tak deutlich nüchterner fort. „Maddrax ist tot.“ Ehe Quart’ol aufbegehren konnte, hob sie die Hand. „Es gibt keine andere Erklärung für sein langes Verschwinden, das nun schon zehn Rotationen andauert. Das weißt du so gut wie ich. Deshalb will dir der HydRat einen Vorschlag unterbreiten.“

Quart’ol schwieg und sah Sir’tak abwartend an. Die Oberste stieß einen Schwall Luftblasen aus. „Du sollst Matthew Drax aus einem Klonkörper neu züchten. Für dieses Projekt konnten wir eine Probe seiner DNA beschaffen.“

Für einige Sekunden war Quart’ol sprachlos. Seine Gedanken überschlugen sich. „Ihr … ihr wollt, dass ich einen Matt-Klon erschaffe?“, wiederholte er irritiert.

„Nanu, Quart’ol?“ Sir’taks Klackern klang belustigt. „Ich hatte mehr Begeisterung erwartet. Es ist schließlich nicht das erste Mal, dass wir unsere Technologie für Fremde einsetzen.“

Quart’ol wusste, worauf sie anspielte. „Xij war eine Wiedergeburt Manil’buds“ wehrte er ab. „Sie war eine von uns. Versteh mich nicht falsch, ich sehe das Potenzial dieses Vorschlags, aber mich wundert, dass er ausgerechnet vom HydRat kommt.“

Sir’tak schwieg einen Moment. Dann sagte sie zu Magga’fin und den anderen beiden Hydriten: „Lasst uns bitte allein.“

Wortlos neigten die Angesprochenen ihre Häupter und verließen den Ratssaal. Sir’tak schwamm näher an Quart’ol heran – so nahe, dass ihre mit Muscheln bedeckten Brüste ihn fast berührten, was ihm unangenehm war.

„Du scheinst eines immer noch nicht zu verstehen, Quart’ol“, sagte sie eindringlich. „Der Rat ist sich durchaus der Bedeutung dieses Menschen bewusst. Die meisten Mitglieder würden eher mit einem Kraak tanzen, als das zuzugeben. Aber es ist uns allen klar, dass Maddrax wichtig ist. Zu wichtig, um einfach verloren zu gehen.“ Sie stieß ein misslauniges Blubbern aus. „Es hat mich einige Überzeugungsarbeit gekostet, aber ich konnte ein einstimmiges Votum erreichen. Und jetzt brauche ich deine Hilfe, um den Plan umzusetzen.“

Quart’ol war alles andere als überzeugt. „Wie willst du das, was Maddrax ausmacht, in den Klonkörper transferieren?“, fragte er. „Ohne seine Erinnerungen und ohne sein Wesen ist der Klon nicht mehr als eine leere Hülle.“

Sir’tak entspannte sich und ihr rötlicher Flossenkamm wurde etwas heller. Offenbar spürte sie, dass Quart’ol der Idee gegenüber nicht grundsätzlich abgeneigt war. „Eben dafür brauchen wir dich – dich und deine Erinnerungen an Drax. Außerdem haben wir alle Informationen über ihn, deren wir habhaft werden konnten, auf einem Datenkristall gesammelt, den wir zu gegebener Zeit implantieren werden.“

Je mehr Quart’ol darüber nachdachte, umso mehr konnte er sich mit dem Gedanken anfreunden. Vor seinem inneren Auge sah er bereits die Liege mit dem Klon vor sich, dem er nach und nach Matts Aussehen verleihen würde. Und überlegte, wie er eine derartig umfassende Geistverschmelzung erreichen konnte, um all seine Erinnerungen auf den Klon zu übertragen.

Es waren weit mehr als nur Erinnerungen – er war damals für Monate unbemerkt in Matts Geist geschlüpft, als eine Bande skrupelloser Menschen seinen Körper ermordet hatte und er keine andere Möglichkeit sah, der vollständigen Vernichtung zu entgehen.2) Dabei war ihm Matts Wesen zur zweiten Natur geworden. Selbst heute noch benutzte er unbewusst Gesten oder Redewendungen der Menschen.

„Ich brauche einen Rohling, der etwa Maddrax’ Größe entspricht“, murmelte er halblaut.

Sir’tak nickte und sagte ihm jede Unterstützung zu. „Du bekommst außerdem ein Labor direkt am Hydrosseum und eine Schlafkammer dort.“

Quart’ol klackte belustigt. „Das wird Bel’ar gar nicht gefallen. Da bin ich schon mal für längere Zeit hier, und dann verbringe ich die Schlafphasen bei der Arbeit anstatt in ihrer Koje.“

Sir’tak reagierte nicht auf Quart’ols Worte. Er senkte verlegen den Blick. Vermutlich war die Bemerkung zu frivol für die Oberste gewesen. Also lenkte er ein: „Vielleicht könnte mir Bel’ar bei der Arbeit helfen. Dann würde es schneller gehen.“

Sir’tak schwieg noch immer. Quart’ol fühlte sich unter ihrem Blick zunehmend unwohl. „Ich bin sicher, Bel’ar würde gerne helfen. Sie mochte Maddrax“, fügte er hinzu.

Jetzt endlich reagierte Sir’tak. „Das würde sie bestimmt. Aber leider ist Bel’ar nicht verfügbar“, sagte sie.

Quart’ol war verblüfft. „Was soll das heißen, nicht verfügbar? Ist sie in Waashton? Ein Bote könnte sie holen.“

Sir’tak wehrte mit einer Flossenhand an. „Nein, sie ist in Meeraka unterwegs und sammelt Informationen für den Speicherkristall.“

Das verschlug Quart’ol für einen Moment die Sprache. „In Meeraka?“, echote er dann. Bel’ar war keine Quan’rill, keine Geistwanderin, die in den Körper eines Menschen schlüpfen konnte. Sich als Hydrit unter den Menschen zu bewegen, war ungleich gefährlicher.

Sir’tak schien seine Sorge zu verstehen. „Sie ist in El’ay“, sagte sie. Quart’ol kannte das ehemalige Los Angeles gut. „Von dort aus stößt sie nach Riverside vor, dem Geburtsort von Matthew Drax.“

Das leuchtete Quart’ol ein. Riverside war gewiss eine reiche Quelle an Informationen über Matts Familie – und nicht allzu ...

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