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Maddrax - Folge 367

Inhalt

  1. Cover
  2. Impressum
  3. Hilfreiche Lins
  4. Was bisher geschah
  5. Techno-Amazonen
  6. Leserseite
  7. Vorschau

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Am 8. Februar 2012 trifft der Komet „Christopher-Floyd“ die Erde – in Wahrheit eine Arche Außerirdischer, der Daa’muren. Die Erdachse verschiebt sich und ein Leichentuch aus Staub legt sich für Jahrhunderte um den Planeten. Nach der Eiszeit bevölkern Mutationen die Länder und die Menschheit ist – bis auf die Bunkerbewohner – degeneriert. In dieses Szenario verschlägt es den Piloten Matthew Drax, dessen Staffel beim Einschlag durch ein Zeitphänomen ins Jahr 2516 gerät. Nach dem Absturz wird er von Barbaren gerettet, die ihn „Maddrax“ nennen. Zusammen mit der telepathisch begabten Kriegerin Aruula erkundet er diese für ihn so fremde Erde.

Aus dem „zeitlosen Raum“, der Schnittstelle vieler Paralleluniversen, gelangt ein Archivar in unsere Zeit und Welt: Samugaar, der die Erde erobern will. Durch ein Schlangengift-Serum macht er Aruula hörig, die sich von Matt getrennt hatte. Sie treffen sich erst beim Endkampf gegen Samugaar im zeitlosen Raum wieder. Die anderen Archivare entgiften Aruula, doch dann kommt es zur Katastrophe: Das Tor in unsere Welt kollabiert! Samugaar kann an der Flucht gehindert werden, doch ein bodenloser Koffer, in den der Archivar gefährliche Artefakte gepackt hatte, wird herübergeschleudert. Bei seiner Ankunft verteilen sich die Artefakte über die ganze Erde. Mit einem Scanner spürt Matt die ersten davon auf und macht sie unschädlich. Dabei hilft ihm die Daa’murin Gal’hal’ira (kurz: Ira). Ein zweiter auf der Erde zurückgebliebener Daa’mure ist Grao’sil’aana (Grao), der Aruula übel mitgespielt hat.

Um weitere Artefakte zu lokalisieren, dockt Matt am marsianischen Raumschiff AKINA an, das verlassen im Orbit kreist. Doch als er den Autopiloten abschaltet, wird das Schiff zum Mars beordert! Dort geraten Matt und Aruula in einen Bürgerkrieg und werden genötigt, durch den Zeitstrahl, der vom Mars zur Erde reicht und schon verantwortlich für Matts ersten Zeitsprung war, gleich wieder zurückzukehren. Doch die Anlage ist defekt: Sie überspringen dabei ganze sechzehn Jahre und müssen sich in einer neuerlich veränderten Welt zurechtfinden.

Zunehmend treffen sie dabei auf einen Roboter, die eine Gruppe, die sich die „Schwarzen Philosophen“ nennt, an strategisch wichtigen Stellen als Statthalter platziert: Dschingis Khan in Moskau, Aleister Crowley in Glasgow und sogar Adolf Hitler, der eine Enklave in Deutschland regiert, die aus einer Parallelwelt hierher versetzt wurde. In Glasgow rettet eine junge Frau Matts Leben, um danach gleich wieder zu verschwinden. Es handelt sich um Xaana, seine Tochter aus der Zukunft. Er weiß nicht, dass seine Ex-Freundin Xij, die im zeitlosen Raum verschollen ist, von ihm schwanger war – und nun ihre gemeinsame Tochter seinen Tod verhindert hat.

In Schottland wartet ein Schock auf Matt und Aruula: Canduly Castle, die Burg ihres Freundes Rulfan, ist zerstört! Die Schwarzen Philosophen haben die Macht übernommen und wollen die Artefakte im Hort des Wissens rauben. Rulfan zerstört sie alle und Rulfans Sohn Juefaan schießt sich Matt und Aruula an. Er besitzt ein Artefakt – einen Symbionten, der sich von Blut ernährt und in jede Kleidung umformen kann.

Techno-Amazonen

von Christian Schwarz

Vergangenheit: Beelinn, 2541

Inmitten des Ruinenfeldes stoppte der Sebezaan abrupt. Die große Raubkatze witterte in Richtung des roten Wowaraa-Hauses und ließ ein leises Knurren hören.

„Was ist los?“, fragte Geeda, die auf dem nachfolgenden Sebezaan saß.

„Ich weiß es nicht“, murmelte Suusa und klopfte ihrem jetzt fauchenden Reittier auf den Hals. „Taratzen vielleicht, oder Menen.“ In der Fensteröffnung einer überwucherten Ruine glaubte sie einen huschenden Schatten zu sehen. Nun wurden auch die vier anderen Raubkatzen unruhig.

„Etwas ist anders als sonst“, murmelte Geeda. Plötzlich steckte ein Pfeil quer in ihrem Hals. Gurgelnd kippte die Amazone von ihrem Sebezaan.

„Runter von den Tieren!“, schrie Suusa geistesgegenwärtig. Die erfahrene Patrouillenführerin schwang das rechte Bein über den Hals des Sebezaans und sprang. Geschmeidig kam sie auf dem steinigen Boden auf. Sie federte in den Knien ab, zog ihr Schwert und huschte geduckt hinter ein mächtiges Trümmerstück, das vor langer Zeit aus einem der hohen Gebäude rund um das rote Wowaraa-Haus gebrochen sein musste. Ein schriller Pfiff gestattete ihrem Sebezaan, sich in Sicherheit zu bringen. Mit weiten Sätzen und einem Fauchen verschwand er in den Trümmern.

So hielten es auch Jaquaa, Adalind und Caisaa. Auf Suusas Befehl waren sie ebenfalls abgesprungen und entließen ihre Sebezaans. Die Kriegerinnen, wegen der schwülen Hitze nur mit Lederbustiers und kurzen Schürzen bekleidet, rannten in Suusas Richtung. Keine kümmerte sich um die daliegende Geeda, deren Gliedmaßen im Todeskampf zuckten. Die Verletzung der Schwester war tödlich, zudem würde ihr Sebezaan jetzt niemanden mehr an sie heranlassen, bis Geedas Geist vom Wagen Quadras abgeholt worden war. Das Tier stand mit hängendem Kopf vor seiner sterbenden Herrin und schnupperte vorsichtig an ihr.

Quadra, steh uns allen bei, schickte Suusa ein kurzes Stoßgebet zu ihrer Göttin. Ihr drehte sich fast der Magen um, weil Geeda zu denjenigen gehört hatte, mit denen sie auch das Lager teilte.

Die Schwestern waren heran und drückten sich neben ihr hinter das Trümmerstück. Suusa konnte Caisaas Angst riechen. Die Jüngste übte den Kampf ebenfalls regelmäßig, hatte sich aber noch nie im Ernstfall beweisen müssen. Die hübsche Caisaa mit den blonden Zöpfen und den kleinen Brüsten keuchte und starrte mit weit aufgerissenen Augen auf Geeda, die in diesem Moment zu Quadra ging. Ein Seufzen, dann lag sie still, während ihr Sebezaan den Kopf in den blutroten Abendhimmel hob und ein klagendes Brüllen ausstieß. Dann verschwand auch er in den Ruinen.

Caisaa begann zu schluchzen; die Hand, die die Armbrust hielt, zitterte. Suusa riss die Schwester herum. „Reiß dich zusammen!“, zischte sie und umklammerte ihr Handgelenk. Das Küken verstummte und sah sie aus großen Augen an.

„Hast du mich verstanden?“, schob Suusa hinterher, während sie ihre Blicke über die nähere Umgebung schweifen ließ. Die Schatten zwischen den Trümmern verdichteten sich schnell zu undurchdringlichen schwarzen Feldern. Auch die Schwestern beobachteten die gefährlichen Zonen.

„Ja, Suusa“, murmelte Caisaa, „Entschuldige. Ich bin wieder bei mir.“

Suusa schaute ihr einen Moment tief in die Augen und ließ sie dann los. „Gut. Ich denke nicht, dass du ein Risiko für uns wi-“

Ein lautes Brüllen und Fauchen ließ sie abrupt verstummen. Die durch Mark und Bein gehenden Geräusche ertönten nur kurz, dann herrschte wieder Stille. Nur noch ein paar Nachtvögel schrien irgendwo. Und Adalinds Augen füllten sich mit Tränen.

„Meine Sebezaan-Schwester ist gerade zu Quadra gegangen“, flüsterte sie. „Ich empfinde schreckliche Leere. Es ist, als hätten sie mir das Herz herausgerissen. Die verfluchten Menen1) haben sie umgebracht. Dafür werden sie grausam büßen.“

„Tatsächlich?“, fragte die Patrouillenführerin ungläubig. „Ich habe keinerlei Kampfgeräusche gehört. Ihr etwa?“

„Nein, auch nicht“, erwiderte die hochgewachsene, braunhaarige Jaquaa, die Adalind stützte.

„Und trotzdem ist meine Sebezaan-Schwester tot“, murmelte Adalind. „Wie könnte ich das nicht fühlen?“

Suusa nickte mechanisch. Sie hoffte inständig, dass die, die da draußen lauerten, nicht auch ihren Sebezaan-Bruder umbrachten. Etwas, das eigentlich nicht so einfach zu bewerkstelligen war. Und schon gar nicht ohne Kampfgeräusche.

Handelte es sich bei den Angreifern tatsächlich um Menen? Die hatten Angst vor den Sebezaans und würden sie nur unter großem Geschrei umbringen, wenn überhaupt.

„Der Pfeil ist vom Wowaraa-Haus her gekommen“, flüsterte Suusa. „Wir haben es wahrscheinlich mit einem überlegenen Gegner zu tun, den wir nicht angreifen können. So werden wir versuchen, uns in die entgegengesetzte Richtung auf sicheres Terrain zurückzuziehen, und dann die Sebezaans zu uns rufen, um morgen bei Tageslicht mit einer größeren Streitmacht zurückzukommen. Wir bleiben alle dicht zusammen. Vergesst nicht, auch nach oben zu sichern. Los jetzt!“

Bevor sie gingen, drückte Suusa doch noch ihre Stirn gegen die Adalinds, das Zeichen größtmöglichen Mitgefühls. Sie hoffte, dass sie sich auf die Schwester, in deren Augen der Hass funkelte, verlassen konnte. Immerhin, wenn es zum Kampf kam, würde Adalind am wütendsten von ihnen kämpfen und vielleicht sogar den Tod suchen – denn was war das Leben ohne die innige Verbindung mit einem Sebezaan wert?

Die Nacht war jetzt endgültig hereingebrochen. Suusa war froh, dass ein fast voller Mond und zahlreiche Sterne am wolkenlosen Himmel funkelten und ihnen den Weg durch die Ruinen leichter machten.

Sie drückten sich in die finsteren Straßen und Durchgänge zwischen den bizarr wirkenden Ruinen. Vor allem Caisaa fuhr immer wieder nervös herum und richtete ihre Armbrust gegen Häuserwände und in finstere Löcher. Suusa glaubte hingegen, huschende Schatten an den Dachkanten über sich zu sehen, aber das konnten Taratzen sein. Es stank hier intensiv nach den Biestern.

Sie stiegen über einige Trümmerstücke und bogen in eine schmale Gasse ein. Auf einem der Dächer bewegte sich etwas. Suusa hob blitzschnell ihr Schwert nach oben, während Caisaa die Armbrust hochriss und abdrückte.

Der Pfeil zischte in den Nachthimmel. Gleichzeitig fiel etwas nach unten. Etwas Großes. Es krachte vor den Amazonen auf die Straße. Adalind schrie schrill und drehte sich weg. Jaquaa trat sofort vor ihre Schwester und nahm sie in die Arme. Suusa schluckte schwer.

Vor ihr auf der Straße lag der abgetrennte Kopf von Adalinds Sebezaan. Die mächtigen Hauer, die aus dem halb aufgerissenen Maul ragten, glänzten im Mondlicht. Selbst ließ sich der unbekannte Gegner nicht blicken.

Schnell und scheu gingen sie daran vorbei. Jaquaa musste Adalind förmlich mitziehen. Die Patrouillenführerin spürte einen Knoten im Magen. Das sind keine Menen. Die Mistkerle würden niemals so kämpfen. Aber wer dann? Hoffentlich kommen wir heil hier raus …

Ein Gurgeln ließ Suusa herumfahren. Adalind drehte sich genauso schnell. Nur Caisaa stand noch hinter ihnen. Jaquaa wurde soeben an der Hauswand hochgezogen! Ihre Beine strampelten wild. Auf dem Dach über ihr stand eine dürre, hochgewachsene Gestalt und zog an einem Seil.

Caisaa schoss erneut. Noch schneller verschwand die Gestalt, die auf Suusa wie der Schattenriss eines Dämons wirkte. Stattdessen knallte Jaquaa auf den Boden. Keuchend und stöhnend blieb sie liegen. Suusa beugte sich über sie und durchschnitt mit einem Dolch das Seil, das sich in ihren Hals gezogen hatte. Jaquaa hustete, würgte und keuchte.

In diesem Moment erschienen vier ihrer Gegner auf den Dächern. Alle genauso dürr und lang wie der erste. Orangerote Gewänder schimmerten im Mondlicht.

Die Männer flogen herab auf die Straße. Sie hatten asketische, ausgezehrt wirkende Gesichter. Alle besaßen zudem Kahlköpfe und jeder trug einen seltsamen Stab, den sie nun blitzschnell in den Händen drehten.

Diese Menen hatte Suusa noch niemals zuvor hier gesehen. Sie gehörten nicht nach Beelinn. Wer waren sie?

Nun, da sie ihre Feinde von Angesicht zu Angesicht sah, verlor Suusa den Großteil ihrer Nervosität. Jede Amazone war einem Mann haushoch überlegen. Trotzdem hatte sie ein nicht greifbares Gefühl, dass das in diesem Fall anders sein könnte. Nicht nur deswegen wartete sie ab. Sie wollte auch Jaquaa nicht alleine lassen.

„Wer seid ihr? Was wollt ihr von uns?“

Die Männer antworteten nicht. Stattdessen rückten sie näher und kesselten die Amazonen von beiden Seiten ein. In der engen Straße saßen sie nun in der Falle.

Ohne Vorwarnung griffen die Fremden an. Mit zwei mächtigen Sätzen waren sie heran. Suusa sah, dass sich einer unter Caisaas Pfeil wegduckte, während sie mit einem schrillen Pfiff nach ihrem Sebezaan rief.

Der Dürre war heran. Suusa konzentrierte sich nur noch auf ihn, sah nicht mehr, was ihre Schwestern machten. Ein fanatisches Feuer brannte in den Augen des Mannes und für einen Augenblick war sie erneut versucht, einen Dämon in ihm zu sehen.

Mit einem Kampfschrei stach sie nach ihm. Und traf in die wirbelnde Wand, die der Stock vor dem Dürren schuf. Das Schwert wurde ihr aus der Hand geprellt, während ihr ganzer Arm für einen Moment wie gelähmt war.

Neben Suusa schrien ihre Schwestern. Blitzschnell war der Fremde heran und warf sie zu Boden. Dann setzte er sich auf ihren Bauch und nagelte ihre Arme mit seinen Knien fest. Er stank intensiv nach ranziger Milch.

Suusa schloss die Augen und wartete auf den Tod. Aber der kam nicht. Das schrille Schreien ihrer Schwestern zerriss ihr fast den Schädel. Als sie ihn drehte und die Augen öffnete, musste sie mit ansehen, wie den Schwestern von den Männern Gewalt angetan wurde. Einer der Fremden hatte sein Gewand hochgeschoben und arbeitete zwischen Caisaas Beinen. Das ließ noch einmal den Widerstand in Suusa erwachen. Der Mann beendete ihn mit zwei brutalen Ohrfeigen.

„Los, sieh zu“, befahl er mit schnarrender Stimme und einem fremdartigen Akzent, aber doch gut verständlich.

Suusa verlor fast den Verstand dabei, denn diese Form der Gewalt bedeutete die größte Erniedrigung, die man einer Amazone antun konnte. Die Fremden schienen das genau zu wissen.

Kurze Zeit später war es vorbei. Suusa bäumte sich unter ihrem Peiniger auf, als einer der Kampfstöcke mit den messerscharfen Spitzen auf die wimmernd daliegende Caisaa hinuntersauste und ihren Hals durchschlug. Es knirschte hässlich, während ihr Wimmern abrupt verstummte.

Jaquaa und Adalind schienen ebenfalls schon auf Quadras Wagen gesprungen zu sein. Der Tod war eine Erlösung für die Geschändeten, die ihren Platz unter den Amazonen nie mehr gefunden hätten.

Im nächsten Moment fühlte sich Suusa hochgezogen und gegen eine Wand geworfen. Große Quadra, steh mir bei. Jetzt erwischt es auch mich. Lieber sterbe ich schon vorher …

Doch die Fremden ließen sie in Ruhe. Sie starrten Suusa, die an der Wand kauerte, nur an. „Du wirst leben und deine Ehre behalten“, sagte der fremde Anführer. Er grinste hässlich. „Denn ich habe einen Auftrag für dich …“

Gegenwart: Dreizehn Inseln, Anfang Februar 2545

Das Wasser lief in Strömen von PROTO ab, als sich der mächtige Amphibienpanzer auf den flachen Strand der Königinneninsel schob. Matthew Drax seufzte kurz, dann schaltete er die beiden Wasserstrahlantriebe auf Elektroantrieb um, denn ab jetzt ging es wieder über Land. Oder besser gesagt über blankes Eis und Schnee. Für einen Moment summte PROTO wie eine zornige Hornisse, bevor das Geräusch der Elektromotoren in die gewohnte leise Gleichmäßigkeit überging.

Aruula auf dem Copilotensitz neben ihm drehte abrupt den Kopf. „Kannst du anhalten, Maddrax? Ich möchte kurz aussteigen.“

Matt nickte und lächelte. „Ja, klar. Kein Problem.“

„Danke.“ Sie erhob sich geschmeidig. „Ich war so lange nicht mehr auf Heimaterde, da möchte ich die Geister der Insel mit allen Sinnen begrüßen. Es wäre respektlos ihnen gegenüber, es nicht zu tun.“

Matt verkniff sich eine Bemerkung zur Geister- und Götterwelt der Neo-Barbaren; er hatte sich längst damit arrangiert. „Natürlich. Ich komme mit raus.“

Die Kriegerin von den Dreizehn Inseln schlüpfte in den Mantel aus Izeekepirfell, den sie auf dem freien Platz vor dem Navigationscomputer deponiert hatte. Bei den eisigen Temperaturen, die draußen herrschten, waren ihr Tanga und Bustier aus Taratzenfell und Leder nicht genug. Letzteres trug sie permanent, seitdem Juefaan mit ihnen reiste, um den jungen Mann auf keine abwegigen Gedanken zu bringen.

Als sie durch den Zentralgang in die Mittelsektion des Panzers gingen, kam ihnen Rulfans unehelicher Sohn entgegen. Matt hatte sich noch immer nicht daran gewöhnt, dass Juefaan jetzt ein gestandener Mann Mitte zwanzig war. Der Zeitsprung über sechzehn Jahre durch die Fehlfunktion des Tunnelfeldes hatte vieles verändert; noch ein halbes Jahr zuvor hatten sie ihn noch als neunjährigen, schüchternen Knaben gesehen.

Jetzt besaß er ein gesundes Selbstbewusstsein, einen athletischen Körper – und einen Symbionten, der Matt unheimlich war. Das lebende Artefakt war in der Lage, jede beliebige Kleidung nachzubilden. Im Moment jedoch befand es sich in einem Lederbeutel um Juefaans Brust. Eine Gewaltanstrengung hatte den Symbionten bis an die Grenzen seiner Existenz belastet und ihn nachhaltig geschwächt. Momentan konnte er sich nur für einige Stunden metamorphieren, und auch seine Fähigkeit, Gedächtnisinhalte zu löschen, beschränkte sich jetzt auf wenige Minuten. Juefaan war aber guter Hoffnung, dass der Symbiont aus einer Parallelwelt sich wieder erholen würde.

„Wo geht ihr hin?“

Aruula deutete zur hinteren Rampe. „Meine Heimat begrüßen. Und die deine auch; schließlich bist du der Sohn Juneedas.“ Die Priesterin von den Dreizehn Inseln hatte sich damals mit Rulfan eingelassen und sein Kind geboren, ohne ihn zu informieren. Seine ersten Jahre – bis zum Tod seiner Mutter – hatte Juefaan hier verbracht.

Er seufzte. „Das liegt so lange zurück; ich erinnere mich kaum daran.“ Aruula sah ihn irritiert an, und auch matt war sich nicht sicher, ob er das ernst gemeint hatte.

Durch die hintere Luke stiegen er und Aruula ins Freie. Juefaan verzichtete mit der Entschuldigung, es wäre ihm zu kalt. Tatsächlich peitschte ihnen ein eisiger Wind entgegen. Während Aruula auf die Knie fiel, ein Gebet murmelte und die Götter begrüßte, ließ Matt die Blicke schweifen.

Eine trübe Sonne schaffte es kaum durch den Hochnebel. Trotzdem warf die Eisfläche, die sich bis zu den Wäldern am Horizont erstreckte, immer wieder juwelenhaft anmutende Reflexe. Über den leicht aufgewühlten Wassern des Eisigen Sunds hing in einiger Entfernung eine Nebelbank. Sie markierte den Beginn der Astrid-Insel, während Matt die weiter entfernt liegende Eselinsel deutlich erkennen konnte.

Aruula beendete ihre kurze Begrüßung. Erleichtert registrierte Matthew, dass die Anspannung der letzten Stunden aus ihrem Gesicht gewichen war.

„Ich weiß jetzt, dass mir die Götter der Insel nichts Böses wollen“, sagte die Kriegerin und hielt die Nase in den pfeifenden und klagenden Wind.

Matt nickte. „Warum sollten sie auch? Sie wissen, dass du die wahre Königin deines Volkes bist. Und wenn dich das Miststück Sabeen zehnmal verstößt.“

Aruula musterte ihn forschend und zog mit der Rechten den Mantel vor ihrem Hals zusammen. „Du meinst das wirklich ehrlich, Maddrax?“

In diesem Moment, als ihre langen blauschwarzen Haare im Wind wehten, hätte er sie am liebsten umarmt und geküsst. Doch er kontrollierte den spontanen Gefühlsausbruch. „Wie kannst du daran zweifeln?“, fragte er. „Sabeen ist keine würdige Königin, sondern ein intrigantes Luder. Sie wollte dich umbringen lassen!“ Matt nahm Aruula am Oberarm und schob sie in Richtung der Rampe. Gleich darauf hatte er den Wind ausgesperrt.

Aruula stand schweigend in dem kleinen Schleusenraum und biss auf ihrer Unterlippe herum. „Ja, Sabeen hat den Tod verdient“, stieß sie schließlich hervor.

„Aber wir sind keine Mörder“, entgegnete Matt und fasste sie an bei den Schultern. „Aruula, noch können wir umkehren. Ich verstehe ja, dass du dein Volk wiedersehen willst. Aber wie sollen wir Sabeen gegenübertreten? Ich weiß es ehrlich gesagt nicht.“

Aruula schüttelte seine Hände fast unwillig ab und drehte sich weg. „Es ist entschieden, Maddrax. Ich will mich Sabeen stellen und ihr Komplott aufdecken. Du hast mir deine Unterstützung zugesagt. Ich hoffe, es bleibt dabei.“

„Natürlich. Ich lasse dich nicht im Stich.“

Matt lenkte PROTO an der Küste entlang. Steil abfallende Felsen wechselten mit flachen Stränden; ein kleiner Wald zeigte ihnen, dass Aruulas Dorf nicht mehr weit war.

Als der Panzer zwischen den Bäumen hervorbrach, sahen sie es bereits über die Monitore. Aruula schluckte schwer und beugte sich angespannt nach vorn. Juefaan ging es nicht viel anders.

Matt gab unwillkürlich Gas.

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