Logo weiterlesen.de
Maddrax - Folge 366

Inhalt

  1. Cover
  2. Impressum
  3. Hilfreiche Links
  4. Was bisher geschah
  5. 1000 Jahre wie ein Tag
  6. Leserseite
  7. Cartoon
  8. Vorschau

was-bisher-50.jpg

Am 8. Februar 2012 trifft der Komet „Christopher-Floyd“ die Erde – in Wahrheit eine Arche Außerirdischer, der Daa’muren. Die Erdachse verschiebt sich und ein Leichentuch aus Staub legt sich für Jahrhunderte um den Planeten. Nach der Eiszeit bevölkern Mutationen die Länder und die Menschheit ist – bis auf die Bunkerbewohner – degeneriert. In dieses Szenario verschlägt es den Piloten Matthew Drax, dessen Staffel beim Einschlag durch ein Zeitphänomen ins Jahr 2516 gerät. Nach dem Absturz wird er von Barbaren gerettet, die ihn „Maddrax“ nennen. Zusammen mit der telepathisch begabten Kriegerin Aruula erkundet er diese für ihn so fremde Erde.

Aus dem „zeitlosen Raum“, der Schnittstelle vieler Paralleluniversen, gelangt ein Archivar in unsere Zeit und Welt: Samugaar, der die Erde erobern will. Durch ein Schlangengift-Serum macht er Aruula hörig, die sich von Matt getrennt hatte. Sie treffen sich erst beim Endkampf gegen Samugaar im zeitlosen Raum wieder. Die anderen Archivare entgiften Aruula, doch dann kommt es zur Katastrophe: Das Tor in unsere Welt kollabiert! Samugaar kann an der Flucht gehindert werden, doch ein bodenloser Koffer, in den der Archivar gefährliche Artefakte gepackt hatte, wird herübergeschleudert. Bei seiner Ankunft verteilen sich die Artefakte über die ganze Erde. Mit einem Scanner spürt Matt die ersten davon auf und macht sie unschädlich. Dabei hilft ihm die Daa’murin Gal’hal’ira (kurz: Ira). Ein zweiter auf der Erde zurückgebliebener Daa’mure ist Grao’sil’aana (Grao), der Aruula übel mitgespielt hat.

Um weitere Artefakte zu lokalisieren, dockt Matt am marsianischen Raumschiff AKINA an, das verlassen im Orbit kreist. Doch als er den Autopiloten abschaltet, wird das Schiff zum Mars beordert! Dort geraten Matt und Aruula in einen Bürgerkrieg und werden genötigt, durch den Zeitstrahl, der vom Mars zur Erde reicht und schon verantwortlich für Matts ersten Zeitsprung war, gleich wieder zurückzukehren. Doch die Anlage ist defekt: Sie überspringen dabei ganze sechzehn Jahre und müssen sich in einer neuerlich veränderten Welt zurechtfinden.

In Moskau treffen sie auf einen Roboter, der in der Gestalt Dschingis Khans als Statthalter für eine Gruppe fungiert, die sich die „Schwarzen Philosophen“ nennt. Mit der Hilfe eines Artefakts will er eine Armee von telekinetisch begabten Nosfera erschaffen – was Matt und Aruula verhindern. Danach holen sie sich von Ira den Amphibienpanzer PROTO zurück und befreien sie und Grao dabei aus dem Einfluss einer Stadt im ehemaligen Kratersee, die mit hydritischer Bionetik zur Todesfalle wurde.

In Schottland wartet dann ein Schock auf Matt und Aruula: Canduly Castle, die Burg ihres Freundes Rulfan, ist zerstört! Die Schwarzen Philosophen haben die Macht übernommen und wollen die Artefakte im Hort des Wissens rauben. Rulfan zerstört sie alle und Rulfans Sohn Juefaan schießt sich Matt und Aruula an. In Glasgow, wo sie auf den nächsten Statthalter in Gestalt Aleister Crowleys treffen, rettet eine junge Frau Matts Leben, um danach gleich wieder zu verschwinden …

1000 Jahre wie ein Tag

von Sascha Vennemann

In einer anderen Welt, Sommer 2145

Grete zupfte ihren hellblauen Rock zurecht und setzte sich damenhaft neben ihre Freundin Eva auf den Baumstamm. Das leise Tuscheln der anderen Mädchen, die sich um das nächtliche Lagerfeuer versammelt hatten, verstummte, als ihre Scharführerin aus dem Gemeinschaftszelt trat und mit einem Lächeln die Liedblätter verteilte.

Grete freute sich schon den ganzen Tag auf die Gesangsstunde. Nach der körperlichen Ertüchtigung war es eine willkommene Abwechslung, zusammenzusitzen und gute deutsche Volkslieder zu singen.

Scharführerin Schmidt räusperte sich. „Zur Feier des großen Siegs Deutschlands über unsere imperialistischen Feinde vor zweihundert Jahren wollen wir das Lied ‚Gute Heimat‘ singen!“

Sie drückte auf die Wiedergabetaste des mobilen Abspielgeräts und die Tonkästen, die zwischen den Zelten auf Stelen angebracht waren, begannen zu quäken. Die helle Querflötenmelodie brachte die Membrane zum Scheppern, dann setzten die Marschtrommeln ein. Gemeinsam erklang es aus den fast dreißig Kehlen der Mädchenschar Wewelsburg:

Die Sprache der Guten Heimat

Ist Deutsch – nur sie allein

Kann Fundament des Glaubens

Und uns’rer Reinheit sein.“

Grete mochte dieses Lied besonders gern. Es stammte aus dem über hundert Jahre alten Liederbuch „Frei & Wild“, aus dem schon ihre Großmutter Margarete gesungen hatte und das seit jeher auf einem der oberen Plätze der Verkaufsschlager gedruckter und elektronischer Bücher stand. Ihre Omama war nicht nur ihre Namenspatin, sie war es auch gewesen, die ihr das Lied in der Wiege vorgesungen hatte, während ihre Mutter mit den anderen Wissenschaftlern bei den Herren in der Burg gearbeitet hatte.

Grete blickte zur Seite und sah, dass Eva nur gelangweilt den Mund bewegte, aber nicht aus voller Inbrunst mitsang. Grete knuffte sie in die Seite, sodass ihre Freundin zusammenzuckte. Evas blonde Zöpfe waren unsauber geflochten, wie ihr auffiel.

Wenn es einen Preis für Schlampigkeit gäbe, dann wäre Eva ganz vorne dabei, ging es ihr durch den Kopf, während Eva nun augenrollend auf das Liedblatt starrte und sich bemühte, dem Text zu folgen. Ich werde ihr noch einmal zeigen müssen, wie das mit dem Flechten geht. Dabei ist sie schon dreizehn und müsste das doch langsam mal gelernt haben!

Grete war im März fünfzehn Jahre alt geworden. Eva kannte sie aus der Gesamtschule und natürlich aus dem Bund Deutscher Mädel. Und auch wenn deren Eltern nur einfache Handwerker im Ort waren und die von Grete hochrangige Militärwissenschaftler, so hatten sie sich doch schnell angefreundet. Als es darum ging, die Schlafplätze im Sommer-Zeltlager zum zweihundertsten Jubiläumsjahr des siegreich bestrittenen Zweiten Weltkriegs zu vergeben, hatten sie sich natürlich beide für ein gemeinsames Zelt gemeldet.

Das Lager machte ihnen jedes Jahr wieder Spaß. Die Mädels waren unter sich, sangen Lieder, waren in der Natur und lernten Kochen, Handarbeiten und alle möglichen nützlichen Dinge. Aber auch Programmieren, das Gestalten eigener Seiten im Weltnetz und das Reparieren von Elektrogeräten wurde geübt.

Das Lied verklang und die Mädels lauschten andächtig den letzten Flötentönen, als sie in den sternenklaren Sommernachtshimmel davonzogen. Dann seufzten sie ergriffen und klatschten jubelnd.

Scharführerin Schmidt deaktivierte das Wiedergabegerät, setzte sich auf einen anderen Baumstamm und griff hinter sich. Sie zog ein Saiteninstrument hervor, das sie sich auf die Knie legte, und zog zwei Klöppel hervor, mit denen sie der Zither erste Akkorde entlockte.

Grete erkannte sie sofort. Es war das „Weserbogenlied“, mit der schönen Zeile „Da ist meine Heimat, da bin ich zuhaus“. Beinahe alle Ostwestfalen kannten die Volksweise.

Die Mädchen brauchten keinen weiteren Ansporn, sie sangen lauthals mit. Sogar Eva kannte diesen Text auswendig.

Muss ich einmal in die Ferne zieh’n

Treibt die Sehnsucht wieder mich zur Weser hin.

Von Hann Münden bis zum Nordseestrand

Dort ist meine Heimat, ist mein Vaterland.“

Jäh verstummten die Zither und der Chor, als plötzlich ein greller Lichtblitz alles überstrahlte.

Geblendet schrie Grete auf. Sie schloss die Augen, öffnete sie aber gleich wieder. Doch es schien, als wäre sie blind geworden. Sie erkannte nichts!

Den anderen Mädels schien es nicht anders zu gehen. Grete hörte panisches Kreischen von überall her. Selbst Scharführerin Schmidt wimmerte inmitten der spitzen Mädchenschreie.

„Ich sehe nichts mehr!“, stöhnte Eva neben ihr. Die Fingernägel der Freundin bohrten sich durch den Stoff des Hemdes in Gretes Oberarm. „Meine Augen! Was ist mit meinen Augen?“

Grete versteifte sich. Pochende Schmerzen erfüllten ihren Kopf und ihre Augäpfel.

Wind kam auf. Grete hörte das Knistern des Feuers und hektische Schritte. Und immer noch das durchgehende Gekreische der anderen Mädchen.

Die Luft wurde kalt. Sehr kalt. Wie im Winter! Die eisige Welle schwappte über sie hinweg und umhüllte sie, kroch unter Gretes Rock und verursachte ihr eine Gänsehaut.

Langsam verebbten die Schreie. Auch Gretes Atem beruhigte sich. Ihre Lungen brannten wegen der Minusgrade der Luft, die sie einatmete. Sie zitterte am ganzen Körper. Lediglich die jetzt deutlich spürbare Hitze des Lagerfeuers vor ihr wärmte sie ein bisschen. Und Evas Körper, der sich – genauso zitternd wie sie – an sie drückte.

„Ganz ruhig!“, gemahnte Scharführerin Schmidt in die plötzlich eintretende Stille. „Jeder bleibt an seinem Ort. Ich weiß auch nicht, was passiert ist. Vielleicht war es ein … ein sehr helles Wetterleuchten. Doch was es auch war, es ist vorbei.“ Ein disharmonisches Klimpern erklang, das Grete als zu Boden fallende Zither identifizierte.

Blinzelnd meinte sie plötzlich Konturen ausmachen zu können. Tatsächlich, jetzt konnte sie das Flackern des Lagerfeuers vor sich wahrnehmen, und es wurde zunehmend heller.

„Ich sehe wieder was“, flüsterte Eva. Ihre Hand lockerte sich um Gretes Arm. Die Stelle schmerzte und würde sicherlich einen blauen Fleck zurückbehalten.

Einige Mädchen weinten leise vor sich hin, andere waren genauso stumm wie Grete und warteten ab.

Nach und nach wurden die vertrauten Konturen des Lagers wieder sichtbar. Die Zeltdächer auf der kleinen Lichtung mitten im Wald, an einem der hügeligen Hänge, die die Stadt Wewelsburg umgaben.

Ein weiteres Blinzeln und Grete sah wieder klar. Um sie herum rieben sich die Mädchen die Augen. Frau Schmidt war aufgestanden. Sie zitterte am ganzen Körper und blickte auf ihren kondensierenden Atem. Und dabei war es doch August! Wie konnte es nur so kalt sein?

Und noch etwas war anders. Eva sprach es als Erste aus, während sie sich aufrichtete und in den Himmel wies, an dem deutlich sichtbar die Sonne stand.

„Warum ist es plötzlich Tag?“

Eine berechtigte Frage, fand Grete. War es doch vor nicht einmal drei Minuten noch beinahe elf Uhr nachts gewesen.

Die anfängliche Angst im Lager wich schnell purem Aktionismus. Scharführerin Schmidt sagte, es gäbe sicherlich eine ganz einfache Erklärung für das Phänomen, und versuchte die aufgebrachten Mädchen zu beruhigen.

„Ob die Elite in der Burg etwas damit zu tun hat?“ Grete dachte an ihre Eltern. Sie durften nicht über ihre Arbeit in dem Militärkomplex sprechen, aber niemand konnte einige der Projekte übersehen, die dort angegangen wurden. Immer wieder gab es seltsame Phänomene, die sich als Raketentest oder etwas Ähnliches herausstellten.

Dass die Telefon-Handrechner, die sie dabei hatten, zwar noch funktionierten, aber keine Netzabdeckung im Reichsortungsnetz – kurz ROS genannt – zustande kam, trug allerdings nicht dazu bei, die Lage zu entspannen.

In Windesweile waren zwei Trupps zusammengestellt, jeder mit klar umrissenen Aufgaben: Während der eine ihre Zelte abbauen, alles zusammenpacken und das Lager auflösen sollte, hatte der andere die Aufgabe, vorauszugehen und nachzusehen, ob man in Wewelsburg wusste, was passiert war.

Eva und Grete gehörten letzterer Gruppe an und machten sich etwa eine Viertelstunde später mit ihrem Marschgepäck und zehn anderen Mädeln auf, den Weg, den sie vor zwei Tagen in den Wald angetreten waren, zurückzulaufen. Es war ein relativ kurzer Marsch von nicht einmal einer Stunde.

Scharführerin Schmidt bewies dabei unverwüstlichen Pragmatismus. „Vor ein paar Stunden haben wir beim Geländelauf gelernt, unseren Standort mittels der für das ROS im großdeutschen Reich verteilten Sendemasten zu bestimmen!“, rief sie über ihre Schulter hinweg, als sie vorausging. „Gebt folgende Koordinaten in euer Gerät ein und es wird uns direkt nach Hause führen!“

Eva und Grete zückten ihre Telefon-Handrechner und tippten die Ziffern in das entsprechende Kartenprogramm ein. Fast simultan fingen die Geräte, von denen jeder eins bei sich trug, piepsend an, Fehlermeldungen von sich zu geben.

Reichssendemasten Adler 0169 bis 0980 nicht gefunden, blinkte es auf Gretes Bildschirm. Immer noch lag die Netzqualität bei null von fünf möglichen Runen.

„Bei den Strahlen der Schwarzen Sonne!“, fluchte Schmidt leise. „Was ist das nur? Ein elektromagnetischer Impuls kann es nicht sein, sämtliche Geräte funktionieren ja noch.“

Sie hielt inne und ging von Mädel zu Mädel, um die Handrechner zu inspizieren. Grete hielt ihr ihr Gerät entgegen. „Nichts, Frau Schmidt! Es ist, als ob der Funk plötzlich ausgefallen wäre!“

„Ein Anschlag ausländischer Terroristen?“, mutmaßte Eva leise, was ihr einen bösen Blick der Scharführerin einhandelte. „Die Unabhängigkeitsbestrebungen unserer Arbeiterkolonien in Deutsch-Ostafrika …“

„Bist du wohl still!“, zischte Schmidt. „Ich glaube, das hat unsere Reichsführung ganz gut im Griff, meinst du nicht?“

Eva hob abwehrend die Hände. „Sicherlich. Aber ich spüre, dass Sie ebenfalls Angst haben, dass etwas Bedeutsames passiert ist. Wir sollten zusehen, dass wir den Ort erreichen.“

Entschlossen klatschte Anneliese Schmidt in die Hände. „Mädels, wir kennen den Weg ja auch ohne Hilfsmittel! Lasst uns rasch vorangehen!“ Im zügigen Tempo folgte sie dem Hügelpfad hinunter – und schrie jäh auf, als etwas aus dem Geäst der Waldbäume brach und auf den Weg sprang!

Grete fiel vor Schreck ihr Rechner-Telefon aus der Hand. Der Bildschirm zersplitterte an einer aus dem Boden ragenden Wurzel.

Weitere Gestalten lösten sich aus den Büschen. Ein unglaublicher Gestank ging von ihnen aus, gepaart mit einem rasselnden Atem.

Insgesamt vier der Kreaturen standen den schreckstarren Mädchen gegenüber.

Eva kreischte laut, als die Wesen, die aussahen wie riesige, aufrecht gehende Ratten, mit langen scharfen Klauen über sie herfielen.

Januar 2545, Nordseeküste vor Doyzland

Das leise Brummen von PROTOs Antrieb war zu einem Hintergrundgeräusch geworden, das Matthew Drax schon gar nicht mehr wahrnahm. Das ständige Schaukeln des Amphibienpanzers lullte ihn ein, der Anblick des schwappenden Wassers auf den Bildschirmen hatte etwas Hypnotisches an sich.

Seit einigen Stunden waren Aruula, Juefaan und er jetzt auf dem Wasser, hatten Schottland und den neuen Hort des Wissens hinter sich gelassen.

Vieles war geschehen in den sechzehn Jahren, die Matt und Aruula bei ihrer Passage des Zeitstrahls vom Mars übersprungen hatten. Ereignisse, die auch an alten Freunden und Gefährten nicht vorbeigegangen waren.

Canduly Castle war zerstört, Rulfan gealtert, Myrial tot. Eine Gruppe, die sich die „Schwarzen Philosophen“ nannte, hatte sich der Suche nach den Artefakten aus dem zeitlosen Raum angenommen. Noch wusste Matt nicht konkret, welche Ziele sie verfolgten, doch ihre bisherigen Aktionen ließen Böses ahnen. Sie platzierten Roboter, die berühmten Figuren der Menschheitsgeschichte nachempfunden waren, an für sie strategisch wichtigen Orten, und setzten Artefakte zum Ausbau ihrer Macht ein. Wie sie die Artefakte aufspürten, war ihm ein Rätsel. Verfügten sie über einen Scanner wie er selbst?

Ein Schaudern überlief Matt, als er an Aleister Crowley zurückdachte, die Nachbildung des berühmt-berüchtigten Okkultisten, auf den sie in Glasgow getroffen waren. Das Monster hatte Juefaans Freundin Jaira gefangen genommen und ihr einen Parasiten in Hirn gepflanzt, um mit ihr den neuen Hort des Wissens zu infiltrieren und an die dort gelagerten Artefakte heranzukommen.

Letzterem hatte Rulfan einen Riegel vorgeschoben, indem er rigoros die mühsam gesammelten Artefakte zerstörte; eine Handlung, die Matthew Drax zwar verstehen, aber nicht gutheißen konnte. Sicher, wegen der futuristischen Geräte war seine Frau Myrial ums Leben gekommen, doch sicher hätte man das eine oder andere Artefakt auch gegen die Schwarzen Philosophen einsetzen können. Außer dem Nanobot-Ausschalter, der in einem zugeschütteten Brunnenschacht versteckt lag, war nur ein Einziges übrig geblieben – und das trug Juefaan bei sich …

Matthew warf einen müden Blick hinüber zu dem jungen Mann mit dem muskulösen Körperbau und dem wilden Haarschopf. Er hatte das Gesicht seines Vaters Rulfan, aber die Augen und die Haarfarbe seiner Mutter Juneeda, einer Priesterin von den Dreizehn Inseln.

Die Heimat Aruulas war auch ihr nächstes Ziel. Seine Begleiterin wollte endlich herausfinden, wie sich die dortigen Machtverhältnisse darstellten. Schließlich war sie einmal die Königin dieses Volkes gewesen.

Matt konnte nachvollziehen, wie Juefaan sich fühlte. Der Junge hatte seine erste große Liebe auf tragische Weise verloren: Mit dem tuchartigen schwarzen Symbionten, den er in einem ledernen Brustbeutel um den Hals trug – das letzte verbliebene Artefakt –, hatte er Jairas komplette Erinnerungen gelöscht – und damit auch an die Zeit mit Crowley und ihren Auftrag. Nur so war gewährleistet, dass der Parasit an ihrem Gehirnstamm inaktiv blieb – denn ohne Erinnerung kein Auftrag, Crowleys Schergen zum Hort zu führen.

Der Hexenmeister selbst – oder vielmehr der Roboter, der ihn darstellte – war von Juefaan vernichtet worden. Zumindest hoffte er das; ganz sicher konnte er sich nicht sein.

Der Symbiont hatte bei der Aktion Schaden genommen, denn bislang hatte er nur Erinnerungen von wenigen Stunden gelöscht. Niemand konnte absehen, ob er sich davon wieder ganz erholen würde. Zurzeit trug Juefaan ihn in einem Lederbeutel um den Hals.

Matt konnte dem Jungen seinen Schmerz nachfühlen. Wie oft hatte er Aruula in den dreizehn Jahren verloren, wenn auch nur zeitweise? Sie war entführt worden, sie waren getrennt worden oder im Streit auseinandergegangen – immer in der Furcht, es könne das letzte Mal gewesen sein, dass sie sich gesehen hatten.

War er mit der Zeit abgestumpft? Nein. Es tat jedes Mal wieder weh. Auch Juefaans Vater Rulfan hatte viele Verluste in seinem langen Leben verkraften müssen. Vielleicht zu viele. Er hatte es überlebt, wenn auch mit seelischen Narben, die tiefer gingen, als Matt abschätzen konnte.

Juefaan bemerkte Matthews Blick und erwiderte ihn. Ein müdes Lächeln umspielte seine Lippen. „Sehe ich so bemitleidenswert aus?“

Matt richtete sich auf und streckte sich. „Ich wollte nicht starren“, gähnte er. „Ich war nur in Gedanken.“ Auf den Anzeigen kontrollierte er den Kurs.

Sie blieben immer in relativer Nähe des Festlandes, um sich bei wie auch immer gearteten Notsituationen relativ schnell auf festen Grund retten zu können. PROTO konnte zwar auch auf den Grund absinken und dort weiterfahren, aber diese Funktion wollte Matt, wenn es sein musste, nur in relativ seichten Gewässern anwenden.

An ihrer Reisegeschwindigkeit würde das unterdessen wenig ändern. In ein paar Tagen schon würden sie die Inselgruppe erreichen, die sich ungefähr dort befand, wo früher der Staat Dänemark gelegen hatte. Und obwohl Aruula auf dieses nächste Ziel bestanden hatte, war sie es, die die meiste Angst davor hatte.

Wollen Sie wissen, wie es weiter geht?

Hier können Sie "Maddrax - Folge 366" sofort kaufen und weiterlesen:

Amazon

Apple iBookstore

ebook.de

Thalia

Weltbild

Viel Spaß!



Kaufen