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Maddrax - Folge 360

Inhalt

  1. Cover
  2. Impressum
  3. Hilfreiche Links
  4. Was bisher geschah
  5. Statthalter des Bösen
  6. Leserseite
  7. Cartoon
  8. Excellente Artikel aus dem MADDRAXIKON
  9. Vorschau

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Am 8. Februar 2012 trifft der Komet „Christopher-Floyd“ die Erde. Die Erdachse verschiebt sich und ein Leichentuch aus Staub legt sich für Jahrhunderte um den Planeten. Nach der Eiszeit bevölkern Mutationen die Länder und die Menschheit ist – bis auf die Bunkerbewohner – auf rätselhafte Weise degeneriert. In dieses Szenario verschlägt es den Piloten Matthew Drax, dessen Staffel beim Einschlag durch ein Zeitphänomen ins Jahr 2516 gerät. Nach dem Absturz wird er von Barbaren gerettet, die ihn „Maddrax“ nennen. Zusammen mit der telepathisch begabten Kriegerin Aruula findet er heraus, dass Außerirdische mit dem Kometen – dem Wandler – zur Erde gelangt sind und schuld an der veränderten Flora und Fauna sind.

Nach langen Kämpfen mit den gestaltwandlerischen Daa’muren und Matts Abstecher zum Mars, auf dem die Nachfahren der ersten Marsmission eine eigene Zivilisation errichtet haben, entpuppt sich der Wandler als lebendes Wesen, das jetzt erwacht, sein Dienervolk in die Schranken weist und weiterzieht. Es flieht vor einem kosmischen Jäger, dem Streiter, der bereits die Spur zur Erde aufgenommen hat! Bei seiner Ankunft versuchen Matt und seine Gefährten, ein Stück eines lebenden Steinflözes in den Streiter zu versetzen, das ihn versteinern soll. Dies gelingt nach einigen Komplikationen, zu denen auch eine Reise durch verschiedene Parallelwelten zählt. Der lebende Stein wurde von sogenannten Archivaren entwickelt, die in einer Welt zwischen den Paralleluniversen leben und in einem „zeitlosen Raum“ technische Artefakte aller Epochen sammeln.

Von dort kommt die nächste große Bedrohung: Samugaar, der in Matts Welt und Zeit strandet und die Erde erobern will. Durch ein Schlangengiftserum macht er Aruula hörig. Matt, der sich von ihr getrennt hatte, trifft sie beim Endkampf gegen Samugaar wieder. Die Archivare entgiften Aruula, bevor sie und Matt in ihre Welt zurückgeschleudert werden. Mit ihnen gelangen Artefakte herüber, durch die Samugaar die Weltherrschaft an sich reißen wollte, und verteilen sich über die ganze Erde.

Dank eines Scanners aus dem zeitlosen Raum spüren sie in New Orleans das erste Artefakt auf, das Kontakt zu Toten herstellen kann. „Wudans Auge“, eine verstorbene Göttersprecherin, übermittelt Aruula drei Aufgaben, durch die sie die Schuld tilgen kann, die sie als Samugaars Werkzeug auf sich geladen hat. Bei den Niagarafällen finden sie dank der ersten Weissagung einen globalen Nanobot-Ausschalter, und in Maine können sie ein Artefakt an sich bringen und zerstören, das jeden Stromfluss unterbricht.

In der Zwischenzeit hat sich ein alter Feind zu neuer Macht aufgeschwungen: General Crow, der in einem Androidenkörper japanische Truppen nach Washington führt und die Stadt erobert. Matt und Aruula gelingt es mit Hilfe ihrer Freunde wenigstens, ihren Freund Mr. Black aus Crows Gewalt zu befreien. Dabei erfüllt Aruula die zweite und in Irland die dritte Aufgabe.

Als sie ein weiteres Artefakt anfliegen wollen, ist dieses verschwunden. Um es aufzuspüren, dockt Matt am marsianischen Raumschiff im Orbit an. Doch als er den Autopiloten abschaltet, wird die AKINA zum Mars beordert! Im Kälteschlaf überbrücken Matt und Aruula die Flugzeit, geraten in einen Bürgerkrieg und werden genötigt, durch den Zeitstrahl gleich wieder zur Erde zurückzukehren. Doch die Anlage ist defekt: Statt fünf Wochen überspringen sie ganze sechzehn Jahre!

Statthalter des Bösen

von Christian Schwarz

5. November 2544

Moska war nicht mehr weit. Matthew Drax und Aruula rasteten spätvormittags bei einem kleinen Wäldchen, um auszutreten und etwas Shmaldan zu essen. Als Matt am Hinterrad ihres Buggys lehnte und schweigend kaute, erstarrte er. Zwischen den Bäumen war eine dunkle Gestalt in einem bodenlangen Cape aufgetaucht! Matt griff nach seiner Laserwaffe.

Doch er konnte sie nicht mehr ziehen. Die Gestalt schaute in seine Richtung – und plötzlich fühlte sich der Mann aus der Vergangenheit von einer unheimlichen Kraft gepackt, die ihn unvermittelt in die Höhe riss. Sekunden später hing er hilflos an einem Ast fünfzehn Meter über dem Boden …

Matt krallte sich mit beiden Händen an dem Ast fest und blickte an seinem Körper entlang in die Tiefe. Kein Hindernis zwischen ihm und dem Grund. Wenn er fiel, konnte nichts seinen Sturz bremsen. Er würde sich die Beine brechen – mindestens.

Mit eisernem Willen unterdrücke er die aufwallende Panik und konzentrierte sich darauf, ganz ruhig zu hängen. Gleichzeitig hatte er einen guten Überblick über das Geschehen am Boden, auch wenn er auf diese Art Logenplatz liebend gerne verzichtet hätte.

Die Gestalt, der er zweifellos seine Lage zu verdanken hatte, näherte sich vorsichtig dem Buggy, der am Waldrand abgestellt war. Nachdem sie Matt kaltgestellt hatte, würde sie jetzt erst mal die Lage sondieren. Aber wusste sie von Aruula? Matt blickte sich nach seiner Begleiterin um – und entdeckte sie im Schutz eines großen Baumes. Aruula hatte ihr Schwert gezogen. Immer wieder ging ihr Blick hoch zu ihm.

Er musste den Fremden ablenken, damit sie etwas unternehmen konnte.

„Heda!“, rief Matt. „Wie hast du das gemacht? Mit Telekinese? Hol mich wieder runter, dann können wir reden!“

Der Kerl stoppte kurz und sah zu ihm hoch. Dann ging er wortlos weiter auf den Buggy zu. Vielleicht verstand er ihn nicht; bevor sich Matts implantierter Translator auf seine Sprache einstellen konnte, musste er einige Wörter von sich gegeben haben.

Matt hatte zwar das Gesicht unter der Kapuze des Capes nicht erkennen können, aber in ihm regte sich ein Verdacht.

„Bist du ein Nosfera?“, rief er hinab. „Kommst du aus Moska?“

Wieder keine Reaktion, obwohl doch beide Begriffe geläufig sein mussten.

Jetzt passierte der Fremde den Baum, hinter dem Aruula stand! Sie blieb im Sichtschutz des dicken Stamms, wartete, bis sie sich in seinen Rücken schleichen konnte.

Der Kapuzenträger machte noch ein paar Schritte, dann blieb er stehen. Gleichzeitig löste sich Aruula aus ihrer Deckung. Matt hielt die Luft an.

Der Angriff ging daneben. Eine Sekunde später schwebte auch die Kriegerin in der Luft! Matt fluchte in sich hinein.

Doch Aruula hob nur einen Meter ab, blieb in der Senkrechten und fiel nach höchstens einer Sekunde wie eine Wildkatze auf die Füße zurück. Matt schöpfte Hoffnung: Hatte sie mit ihren telepathischen Kräften den Einfluss unterbunden?

Doch das Gefühl zerschlug sich jäh, als die Kriegerin zu schreien begann. Sie ließ das Schwert fallen, presste die Fäuste gegen ihre Schläfen. Dann taumelte sie und brach zusammen. Auf dem Rücken blieb sie liegen, die Augen weit aufgerissen.

Matt schauderte. Nun war es klar: Der Fremde war ein Feind, der vor Gewalt nicht zurückschreckte! Sich mit ihm verständigen zu wollen, war sinnlos. Wer immer dieses Monster dort unten war, sie waren ihm ausgeliefert.

Doch was konnte er tun? Die Laserpistole ziehen? Dann würde er unweigerlich abstürzen.

Noch mehr Adrenalin schoss in Matts Blutbahn, als sich der Mann sich über die reglose Kriegerin beugte. Was hatte er vor? Würde er sie …

Da kassierte der Fremde einen kräftigen Hieb unters Kinn. Aruula hatte sich nur bewusstlos gestellt! Blitzschnell war ihre flache Hand hochgezuckt und hatte mit dem Handballen getroffen. Der Unheimliche gurgelte und taumelte nach hinten.

Matt schrie vor Erregung auf. Aruula setzte sofort nach. Der Kerl kassierte einen kräftigen Fußtritt dorthin, wo es einen Mann am meisten schmerzt. Mit einem Schrei klappte er zusammen, bekam sich aber viel rascher wieder unter Kontrolle, als es Matt lieb sein konnte. Der Kapuzenmantel des Angreifers klaffte auseinander; mit einer blitzartigen Bewegung zog er den am Gürtel hängenden Degen.

Es war ein Nosfera, kein Zweifel!

Aruula kam ihm zuvor. Mit einem Kampfschrei kam sie auf die Beine, das Schwert in der Hand. Bevor der Blutsauger seinen Degen hochziehen konnte, kassierte er ihren Treffer. Die flache Seite des Schwerts knallte mit voller Wucht gegen seine Schläfe.

Eine Woge der Erleichterung schlug über Matt zusammen, als der Nosfera lautlos zusammenbrach und verkrümmt liegen blieb. Er blickte hoch zu dem Ast, an dem er hing. Keine Chance, sich daran hinaufzuziehen; er war kein Zirkusathlet, der das aus hängender Position vielleicht geschafft hätte. Er musste schon froh sein, bislang nicht abgestürzt zu sein.

„Bravo, Aruula!“, rief er hinab. „Fessle den Kerl – und dann hol schnell das Seil aus dem Buggy, bevor ich abstürze.“

Aruula schaute an dem Baum hoch, dann maß sie das Seil in ihren Händen. „Das reicht nicht!“, rief sie zu Maddrax hinauf. „Ich müsste zu dir hochsteigen, um dich abzuseilen, aber dafür ist der Stamm zu glatt!“

„Was machen wir dann?“, brüllte Matt zurück, Verzweiflung in der Stimme. Er würde sich nicht mehr lange festhalten können. „Wenn uns nicht bald etwas einfällt, falle ich …“

Aruula hob die Hand. „Ich hab eine Idee. Lass mich machen!“ Die Kriegerin ging zum Buggy und nahm den Wasserkanister heraus. Sie schraubte ihn auf – und leerte dem Nosfera einen Schwall Wasser ins Gesicht. Mit einigen Schlägen auf die eingefallenen Wangen verlieh Aruula ihrer feuchten Aufforderung den nötigen Nachdruck.

Hustend kam der Blutsauger zu sich. Und starrte mit leicht verdrehten Augen auf den kalten Stahl, der direkt an seiner Kehle endete.

Aruula drückte ein wenig fester zu. „Mach keine Dummheiten, Blutsäufer“, zischte sie ihn in der Sprache der Wandernden Völker an. „Ich kann lauschen wie du. Und ich merke es sofort, wenn du angreifen willst. Dann habe ich immer noch genug Zeit, dir die Kehle zu durchlöchern. Hast du verstanden?“

„Ja“, krächzte er.

„Gut. Du wirst jetzt meinen Begleiter wieder von dort oben herunterholen. Ganz langsam und vorsichtig. Und wehe, du krümmst ihm auch nur ein Haar dabei.“

„Und … dann?“

„Was und dann?“

„Was machst du dann mit mir?“ Er sprach mit einem deutlichen slawischen Akzent.

„Das hängt davon ab, wie es meinem Begleiter geht. Du hast uns ohne Not angegriffen, trotzdem wollen wir dir nichts Böses. Los jetzt!“

Der Nosfera verzog keine Miene. Er schloss lediglich die Augen und sorgte damit bei Aruula für höchste Anspannung.

Wie von Zauberhand löste sich Maddrax von dem Ast und schwebte aufrecht und sanft dem Boden entgegen. Unheimlich sah er dabei aus, wie ein Gott, der aus dem Himmel herabstieg. Er ging leicht in die Knie, als er landete. Sofort zog er seine Waffe.

Aruula atmete durch. In diesem Moment fühlte sie, wie eine unsichtbare Hand ihr Schwert nach oben drückte. Sofort ließ die Kriegerin es los und schlug dem Kerl beide Fäuste gegen die Schläfen. Er erschlaffte, während das Schwert zu Boden fiel.

„Danke.“ Matt machte zuerst ein paar Dehn- und Streckübungen, dann beugte er sich über den Nosfera. „Mit großer Wahrscheinlichkeit ein Bluttempler“, murmelte er. „Ich wusste gar nicht, dass die Nosfera auch Telekinese beherrschen. – Das ist die Fähigkeit, mit den Gedanken, Gegenstände zu bewegen“, erklärte er der Barbarin.

Aruula nickte. „Das habe ich schon verstanden.“ Sie deutete mit einem Kopfnicken auf den Bewusstlosen. „Als er mich packte, konnte ich Größenwahn und Machthunger in seinen Gedanken spüren. Er ist gefährlich. Vielleicht wäre es besser gewesen, ihn zu töten.“

„Gut, dass du es nicht getan hast“, widersprach Matt. „Wenn er den Bluttemplern angehört, hätten wir es uns von vornherein mit Navok oder dem neuen Erzvater verscherzt.“

„Und was machen wir jetzt mit ihm? Ihn hier liegenlassen?“

„Nein. Ich schlage vor, wir nehmen ihn mit und liefern ihn wohlbehalten in Moska beim Erzvater ab.“

„Und wenn er unterwegs erwacht und uns überrumpelt?“

„Du musst ihn ständig belauschen. Ist das ein Problem?“

Aruula wiegte den Kopf. „Es könnte eins werden, wenn die Fahrt noch Stunden dauert. So lange kann ich meinen Lauschsinn nicht einsetzen.“

„Dann beeilen wir uns lieber.“ Matt dachte an die medizinische Ausrüstung in PROTO, mit der es ein Leichtes gewesen wäre, den Nosfera dauerhaft zu betäuben. Sie waren auf dem Weg in Richtung Kratersee. Vielleicht fanden sie dort die Daa’murin Gal’hal’ira, der er den Amphibienpanzer überlassen hatte.

Vor sechzehn Jahren!, fuhr es ihm durch den Kopf. Die Welt ist nicht mehr so, wie wir sie verlassen haben.

Für ihn und Aruula lag ihr letzter Aufenthalt auf der Erde gerade mal ein halbes Jahr zurück. Nach dem unfreiwilligen Ausflug zum Mars1) hatten sie die Rückreise durch den Zeitstrahl angetreten. Dabei war etwas furchtbar schiefgelaufen – statt fünf Wochen hatten sie sechzehn Jahre übersprungen!

Die Folgen, die sich daraus ergaben, hatten ihn teils wie ein Dampfhammer getroffen, teils sickerten sie nur langsam in sein Bewusstsein.

Was war mit den restlichen Artefakten in dieser Zeit geschehen? Sicher waren die meisten davon gefunden und benutzt worden – ein Wunder, dass die Erde noch nicht untergegangen war! Niemand wusste, welche Vernichtungswaffen Samugaar in seinen lichtschluckenden Koffer gepackt hatte. Aber solange das nicht geschah, konnten sie mit dem Artefaktscanner weiter danach suchen.

Was war mit ihren Freunden und Verbündeten? Rulfan und seine Familie, Jenny und Pieroo, Mr. Black, Miki Takeo, Quart’ol und Gilam’esh, den Agarthern, Kaiser de Rozier … Und was war mit General Crow, der kurz vor ihrer Abreise Waashton unter seine Knute gezwungen hatte?

War es Xij und Tom inzwischen gelungen, aus der Domäne zwischen den Welten zu entkommen? Hatten sich Ira und Grao am Kratersee getroffen?

Ihm schwirrte der Kopf vor ungelösten Fragen.

Dass er und Aruula letzteren Punkt auf ihrer Liste obenan gestellt hatten, lag an zwei Fakten: Erstens zeigte der Scanner das nächstliegende Artefakt nahe des Kratersees an, und zweitens hoffte Matt darauf, PROTO wieder zu bekommen. In ihrer jetzigen Lage brauchten sie nötiger denn je ein so zuverlässiges, mächtiges Gefährt, wie der Panzer es darstellte. Der mit Biogas betriebene Buggy konnte nur eine Übergangslösung sein.

Das darauf folgende Ziel stand auch schon fest: Sie wollten nach Schottland, um Rulfan aufzusuchen – falls er noch lebte. Der alte Freund würde ihnen am zuverlässigsten ein Update der Geschehnisse geben können. Und dann? Hinüber nach Meeraka?

Matt wischte die Grübeleien beiseite. Er musste sich auf das Hier und Jetzt konzentrieren.

Sie fesselten den Nosfera, packten ihn auf den Notsitz des Buggys und deckten die Plane, die zur Regenausrüstung ihres neuen Gefährts gehörte, über ihn. Durch die Sichelzelleanämie, an der diese Wesen litten, waren sie extrem empfindlich gegen Sonnenlicht. Und davon gab es im Moment noch reichlich.

Matthew Drax startete den Motor. Er lief extrem leise. Wie immer verzog Aruula das Gesicht, als sie die Auspuffwolken einatmete. Wohlgeruch war etwas anderes. Doch dann konzentrierte sie sich darauf, den Nosfera mental zu überwachen.

Durch das weite, hügelige Gelände ging es weiter in Richtung Moska. Matt achtete darauf, dass das ohnehin schon hart gefederte Fahrzeug nicht zu sehr hüpfte. Aruula behielt den Telekineten im Auge.

Kurz darauf tauchte eine breite Waldfront vor ihnen auf. Nun war es nicht mehr weit. Das da voraus war der Stadtwaldgürtel, der sich auch heute noch um ganz Moska zog.

Nachdem sie das breite Waldstück durchquert hatten, erstreckte sich vor ihnen eine weite Talsenke. In ihr erhoben sich die ersten Ausläufer Moskas. Am Horizont ragten die stählernen Gerippe einer Wolkenkratzer-Ansammlung in den Himmel, die einstmals Moscow City gewesen war, der Traum der russischen Regierung von einem „russischen Manhattan“.

Vielleicht hätte es ja geklappt, wenn nicht der Komet dazwischengekommen wäre …

Matts Gedanken schweiften weiter. Moscow City war ein guter Orientierungspunkt, denn die Basiliuskathedrale, zu der sie wollten, lag nur ein paar Kilometer davon entfernt. Nicht so viel bei einer Fläche von 2510 Quadratkilometern.

Wenn man bedenkt, dass das mal die größte europäische Stadt war … Wie viele Russen haben hier gewohnt? Vierzehn, fünfzehn Millionen?

Ein Stöhnen riss ihn aus seinen Gedanken. Der Nosfera bewegte sich. Aruula hob die Plane, schob seine Kapuze nach hinten und schickte ihn mit einem kräftigen Faustschlag unters Kinn sofort wieder ins Reich der Träume.

Der Buggy hüpfte einen unebenen Abhang hinunter.

„Da kommen wir auf die Otowajii“, rief Aruula und deutete nach vorn. Matt nickte. Er hatte die ehemalige Fernstraße M7, die als Schosse Entusiastow von Nischni Nowgorod bis in den Stadtkern Moskaus geführt hatte und trotz der überwucherten Fahrbahnen noch immer als kerzengerades Band zu erkennen war, kurz vor seiner Begleiterin bemerkt. Schon bei ihrem ersten Besuch hier waren sie auf dieser Straße ins Zentrum Moskas gefahren, damals allerdings noch mit einem ARET2).

Aber es brauchte dazu nicht zwingend einen russischen Radpanzer; auch mit dem Buggy kamen sie auf der Otowajii ganz gut voran. Sie erreichten die Außenbezirke des Molochs. Links und rechts der überwucherten Autobahn erstreckte sich eine zerfurchte Landschaft aus geborstenen und anschließend überwachsenen Hochhäusern, die auf diese Weise ihre graue Tristesse verloren hatten. Die hiesige Vegetation gedieh mehr als üppig. Viele Ruinen waren vollständig begrünt. Nicht einmal mehr Fensteröffnungen konnte Matt unter dem dichten Blättergeflecht erkennen.

Aruula legte nun ihr Schwert über die Schenkel und spähte aufmerksam in die Ruinenlandschaft. In dem dichten Dschungel rundherum lebten sicher noch immer Barbaren, die einen jederzeit überfallen konnten. Auf deren Anwesenheit ließen mehrere Rauchsäulen schließen, die zwischen den Bäumen in die Höhe stiegen. Und natürlich gab es auch Taratzen und anderes Viehzeug, dem man besser aus dem Weg ging.

Von Zeit zu Zeit ließen sich besagte Barbaren zwischen Bäumen oder auf einem der zahlreichen Pfade sehen, die in unübersichtliche Gefilde abzweigten; zumeist wild anmutende Gestalten, die alles andere als freundlich dreinblickten. Gegerbte und vernähte Felle schützten sie vor Wind und Kälte, manche bevorzugten auch grob gewebtes Tuch. An ihren breiten Gürteln hingen Schwerter, Dolche und Äxte. Gewehre und andere Projektilwaffen sah Matt nicht bei ihnen.

„An was denkst du?“, fragte Aruula.

„Hier in den Außenbereichen von Moska scheint sich in den sechzehn Jahren nichts geändert zu haben. Ich frage mich aber, ob das im Zentrum auch so ist.“

„Du meinst, ob Menschen und Blutsäufer noch immer gleichberechtigt miteinander leben?“

„Genau das. Wenn die Nosfera jetzt Telekineten in ihren Reihen haben, könnte sie das verführt haben, wieder nach der alleinigen Macht zu greifen.“

Aruula nickte. „Daran habe ich auch schon gedacht. Wenn Navok noch Erzvater ist, wird er das aber sicher verhindert haben. Und vielleicht ist unser Freund hier ja tatsächlich eine Ausnahme.“

Matt nickte kurz. „Möglich. Und Navok? Er war damals entscheidend beteiligt, dass sich Nosfera und Menschen ausgesöhnt haben. Andererseits ist das lange her. Ich bin gespannt, auf welche Überraschungen wir uns gefasst machen müssen …“

3. August 2540 (Vergangenheit)

Navok saß in der Bibliothek der Ordensburg und stöberte in alten Dokumenten. Diese Leidenschaft seiner Jugend hatte er sich bis zum heutigen Tag erhalten. Auch aus diesem Grund war Navok froh, zum Erzvater der Bluttempler ernannt worden zu sein, denn so hatte er allzeit ungehinderten Zugang zu dem gesammelten Wissen aus alter Zeit, speziell der vor Kristofluu3). Schon als kleiner Junge, als die Bibliothek unter der Verwaltung seines Vaters stand, hatte er sich von den Bildern verzaubern lassen, auch wenn ihm das Meiste davon fremd blieb.

Einer seiner Adjutanten stürmte in die Bibliothek. Mirek. Der normalerweise besonnene Degenmeister war so aufgeregt, wie Navok ihn nie zuvor erlebt hatte. Er warf seine Kapuze nach hinten. „Eure Heiligkeit“, sagte Mirek keuchend, „es ist etwas Schlimmes passiert. Etwas sehr Schlimmes sogar.“

Eine steile Falte erschien auf Navoks Stirn. „Was kann so schlimm sein, dass du die vorgeschriebenen Begrüßungsformeln vergisst und die Etikette missachtest, Mirek? Du weißt, dass das ein schweres Vergehen ist und eine Bestrafung nach sich zieht.“

„Verzeiht mir, Eure Heiligkeit.

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