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Maddrax - Folge 359

Inhalt

  1. Cover
  2. Impressum
  3. Hilfreiche Links
  4. Was bisher geschah
  5. Die Nacht der „Triffids“
  6. Leserseite
  7. Vorschau

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Am 8. Februar 2012 trifft der Komet „Christopher-Floyd“ die Erde. Die Erdachse verschiebt sich und ein Leichentuch aus Staub legt sich für Jahrhunderte um den Planeten. Nach der Eiszeit bevölkern Mutationen die Länder und die Menschheit ist – bis auf die Bunkerbewohner – auf rätselhafte Weise degeneriert. In dieses Szenario verschlägt es den Piloten Matthew Drax, dessen Staffel beim Einschlag durch ein Zeitphänomen ins Jahr 2516 gerät. Nach dem Absturz wird er von Barbaren gerettet, die ihn „Maddrax“ nennen. Zusammen mit der telepathisch begabten Kriegerin Aruula findet er heraus, dass Außerirdische mit dem Kometen – dem Wandler – zur Erde gelangt sind und schuld an der veränderten Flora und Fauna sind.

Nach langen Kämpfen mit den gestaltwandlerischen Daa’muren und Matts Abstecher zum Mars, auf dem die Nachfahren der ersten Marsmission eine eigene Zivilisation errichtet haben, entpuppt sich der Wandler als lebendes Wesen, das jetzt erwacht, sein Dienervolk in die Schranken weist und weiterzieht. Es flieht vor einem kosmischen Jäger, dem Streiter, der bereits die Spur zur Erde aufgenommen hat! Bei seiner Ankunft versuchen Matt und seine Gefährten, ein Stück eines lebenden Steinflözes in den Streiter zu versetzen, das ihn versteinern soll. Dies gelingt nach einigen Komplikationen, zu denen auch eine Reise durch verschiedene Parallelwelten zählt. Der lebende Stein wurde von sogenannten Archivaren entwickelt, die in einer Welt zwischen den Paralleluniversen leben und in einem „zeitlosen Raum“ technische Artefakte aller Epochen sammeln.

Von dort kommt die nächste große Bedrohung: Samugaar, der in Matts Welt und Zeit strandet und die Erde erobern will. Durch ein Schlangengiftserum macht er Aruula hörig. Matt, der sich von ihr getrennt hatte, trifft sie beim Endkampf gegen Samugaar wieder. Die Archivare entgiften Aruula, bevor sie und Matt in ihre Welt zurückgeschleudert werden. Mit ihnen gelangen Artefakte herüber, durch die Samugaar die Weltherrschaft an sich reißen wollte, und verteilen sich über die ganze Erde.

Dank eines Scanners aus dem zeitlosen Raum spüren sie in New Orleans das erste Artefakt auf, das Kontakt zu Toten herstellen kann. „Wudans Auge“, eine verstorbene Göttersprecherin, übermittelt Aruula drei Aufgaben, durch die sie die Schuld tilgen kann, die sie als Samugaars Werkzeug auf sich geladen hat. Bei den Niagarafällen finden sie dank der ersten Weissagung einen globalen Nanobot-Ausschalter, und in Maine können sie ein Artefakt an sich bringen und zerstören, das jeden Stromfluss unterbricht.

In der Zwischenzeit hat sich ein alter Feind zu neuer Macht aufgeschwungen: General Crow, der in einem Androidenkörper japanische Truppen nach Washington führt und die Stadt erobert. Matt und Aruula gelingt es mit Hilfe ihrer Freunde wenigstens, ihren Freund Mr. Black aus Crows Gewalt zu befreien. Dabei erfüllt Aruula die zweite und in Irland die dritte Aufgabe.

Als sie ein weiteres Artefakt anfliegen wollen, ist dieses verschwunden. Um es aufzuspüren, dockt Matt am marsianischen Raumschiff im Orbit an. Doch als er den Autopiloten abschaltet, wird die AKINA zum Mars beordert! Im Kälteschlaf überbrücken Matt und Aruula die Flugzeit, geraten in einen Bürgerkrieg und werden genötigt, durch den Zeitstrahl gleich wieder zur Erde zurückzukehren.

Die Nacht der „Triffids“

von Ansgar Back

Alekksa erwachte übergangslos. Alarmiert schlug sie die Augen auf und starrte ins Halbdunkel. Der Wind peitschte den Regen gegen das Zelt, als würden Hände rhythmisch auf den Stoff schlagen. Mit angehaltenem Atem blieb die Amazone liegen. Lauschte.

Alekksa fühlte einen jähen Druck auf der Brust. Ihre Instinkte meldeten sich. Irgendetwas war passiert!

Sie richtete sich auf. Ihre Hände tasteten umher, erfassten etwas Rundes, Klebriges …

Erschreckt fuhr Alekksa hoch und strampelte die Decke weg.

Zu ihren Füßen lag ein abgetrennter Kopf

Um Matt und Aruula herum waberte eine blau flimmernde Lichtsäule wie leuchtendes Wasser. Matthew Drax versuchte sich auf einen bestimmten Punkt im Zeitstrahl zu konzentrieren, aber das war unmöglich, solange keine Blaupausen in Sicht waren, die schemenhaften Abbilder jener Dinge, die irgendwann in den Tachyonenfluss geraten waren.

Blaue Teilchen umschwirrten die beiden Reisenden im Tunnelfeld. Aruula war dicht neben ihm. Sie hielt seine Hand, um sich nicht von ihm zu entfernen. Ihre langen blauschwarzen Haare umwehten ihn. Das Gewicht des Transportmoduls auf seinem Rücken, das Mag-1 aus marsianischer Fertigung, spürte er kaum.

Wie immer, wenn er den Strahl benutzte – mittlerweile schon zum dritten Mal! – konnte er die Zeitspanne nicht abschätzen, die verging. Es war eine Ewigkeit, die nur Augenblicke währte. Oder eine Mikrosekunde, die sich zu Äonen dehnte.

Ihm kam in den Sinn, dass die neuerliche Reise auch ihre Tachyonendosis wieder auffrischen würde, die durch den Kampf gegen Mutter, den lebenden Stein, gelitten hatte.1) Was bedeutete, dass für exakt fünfzig Jahre der Alterungsprozess beinahe zum Stillstand kam. Er selbst war seit über dreizehn Jahren auf der postapokalyptischen Erde und in dieser Zeit nur um wenige Monate gealtert.

Dreizehn Jahre, dachte er in einem Anflug von Erstaunen und Wehmut. Wie rasch die Zeit vergeht. In Wahrheit waren es sogar fünfhundertsiebzehn Jahre. 2012 war er in den Zeitstrahl und damit in diese ferne Zukunft geraten; nun schrieb man das Jahr 2529 …

Dann endete die Reise durch den Strahl. Das Meer! Die Erde! Das andere Ende des Phänomens, das sich wie eine unsichtbare, gewundene Wassersäule vom Roten bis zum Blauen Planeten spannte und sich nur dort öffnete, wo es auf Wasser traf. Eine Sicherheitsmaßnahme, denn der Sturz auf festes Land aus rund fünfzehn Metern Höhe wäre tödlich ausgegangen.

Das Knistern des Strahls endete. Ein kurzes Flackern, dann verschwand er – und unter ihnen erstreckte sich von einem Moment zum nächsten eine riesige Meeresfläche.

Matt zögerte nicht eine Sekunde. Er hieb auf den Auslöser des Magnetschwebers. Gleichzeitig fuhr ihm der Wind hart ins Gesicht und frischer Meeresgeruch drang in seine Nase. Dem Stand der Sonne nach war es später Nachmittag, das Wetter war gut, die See nur mäßig bewegt.

Sie stürzten. Er hatte Aruula losgelassen, damit sich das Mag-1 ungehindert entfalten konnte. Laut Handbuch dauerte das bis zu fünf Sekunden.

Während unter ihm der Körper der Barbarin lotrecht in die Fluten eintauchte, wurde sein Fall abrupt und nur einen halben Meter über der Wasseroberfläche abgebremst. Die Magnetfeldmotoren liefen summend an. Er griff zu den beiden Auslegern für die Steuerung, die sich entlang seiner Arme entfaltet hatten, und stabilisierte den Flug – rein intuitiv, denn er hatte das Gerät vorher nicht testen können. Seine Erfahrung als Pilot half ihm dabei.

Nach wenigen Augenblicken hatte er das Mag-1 unter Kontrolle. Zeitgleich tauchte Aruula wieder auf, prustete, wischte sich über die Augen und strich ihr Haar zurück.

Bevor Matt zu ihr hinab manövrierte, schaute er sich um. Die Befürchtung, zu weit vom nächsten Ufer entfernt anzukommen, erwies sich als unbegründet: Über die Meereswellen hinweg waren die Linien einer Küste gut zu erkennen.

„Wir haben’s geschafft!“, rief Aruula.

Matt nickte erleichtert und sank ein Stück tiefer, bis sie seine Beine greifen und sich daran festhalten konnte. Das Mag-1 arbeitete einwandfrei und gewann schnell wieder an Höhe. Die siebzig Kilogramm Zuladung, die es transportieren konnte, unterschritt Aruula spielend, sogar mit ihrem Schwert, das sie in der Rückenkralle trug. Matt vermutete, dass der Magnetschweber auf der Erde dank des stärkeren Magnetfeldes sogar besser funktionierte als auf dem Mars.

„Hast du genügend Halt?“, fragte er nach unten. „Ich schätze, es sind gute zwanzig Kilometer bis zur Küste.“

„Wenn ich abrutsche, wirst du es schon merken“, gab sie zurück. „Jetzt red nicht lange, flieg los!“

„Aye, aye, Captain!“

Über die Wellen hinweg wollte Matt den Küstenstreifen ansteuern, als ihm eine schwarze Wolke auffiel. Sie bewegte sich, als würde sie pulsieren. Und sie kam geradewegs auf Matt und Aruula zu! Ein Gewittersturm?

Matt manövrierte den Schweber seitlich von der Wolke weg. Als diese an den Rändern zu zerfasern begann, sprach Aruula aus, was Matthew nun ebenfalls erkannte: „Das sind Kolks!“ Ein ganzer Schwarm der Rabenvögel flog direkt auf die beiden zu.

„Können wir ihnen ausweichen?“, fragte Aruula.

„Nur, wenn ich höher steige“, antwortete Matt. „Aber das kann ich nicht riskieren.“ Bei einem Sturz aus über dreißig Metern hätte Aruula Schaden genommen.

Dann war der Schwarm heran. Matt presste die Zähne zusammen.

Das Geräusch der Flügelschläge mischte sich mit lautem Krächzen. Matt spürte, wie eines der Tiere gegen seine Schulter prallte. Aruula stieß einen wütenden Schrei aus, und pendelte an seinen Beinen. Dann ließ sie los und tauchte unter. Eine weise Entscheidung.

Der Mann aus der Vergangenheit hatte alle Mühe, den Schweber durch den Schwarm zu manövrieren. Aber schließlich war es vorbei. Das Schlagen der Flügel entfernte sich, er bekam das Mag-1 wieder unter Kontrolle. Er fischte Aruula aus den Fluten, dann flogen sie zur Küste, steuerten den Strand an. Vorsichtig setzte Matt auf. Er schnallte den Magnetschweber ab. Aruula stieß einen erleichterten Seufzer aus und setzte sich in den Sand. Gemeinsam tasteten sie sich nach Blessuren ab, doch außer einigen blauen Flecken und oberflächlichen Kratzern hatten sie es gut überstanden.

Matt klappte das Mag-1 zusammen und sah sich um. Wellen, wie von Schaufelrädern getrieben, spülten an den Strand. Der Himmel glich in der Morgendämmerung einem Gemälde. Die aufgehende Sonne verteilte einen breiten Kranz aus goldenen Strahlen über der wogenden Fläche des Meeres, begleitet vom steten Rauschen der Brandung.

„Das wär geschafft. Wir sind zuhause“, hörte er Aruula sagen. Sie lächelte Matt an. Müde, erschöpft, aber erleichtert.

Neben ihr ging er in die Hocke. „Ich wüsste nur gern, wie es auf dem Mars gelaufen ist.2) Durch die Verzögerung des Zeitstrahls sind inzwischen fünf Wochen vergangen. Ob Chandra und die Rebellen den Sieg davongetragen haben?“

„Das hoffe ich“, sagte Aruula, und es klang ehrlich. Ihre früheren Vorbehalte gegen die Marsianerin hatte sie abgelegt. Warum auch nicht; schließlich waren sie und Matt kein Paar mehr, da konnte es ihr egal sein, mit wem er verkehrte.

Matt seufzte innerlich. Wie lange mochte dieser Zustand wohl noch anhalten? Würden sie je wieder zueinander finden, wie er es sich im tiefsten Inneren wünschte? Aber keinesfalls würde er Aruula drängen.

Matt erhob sich. „Ich muss das Mag-1 irgendwo verstecken, damit es von keinen zufälligen Strandläufern entdeckt wird.“

Auch Aruula stand auf. Sie suchte die Umgebung mit Blicken ab und lief auf ein paar Felsen in der Nähe zu. Matt folgte ihr mit dem Magnetschweber, der dank seiner Ultraleichtbauweise keine zehn Kilo wog und zusammengeklappt nicht viel größer als ein Rucksack war.

Während Aruula auf den höchsten Felsen kletterte, schob er den Schweber in einen trockenen Spalt und bedeckte ihn mit Schilfgras. Dann sah er zu Aruula hinauf. „Was siehst du? Ist eine Hütte oder Siedlung in der Nähe?“

„Keine Spur, nur Natur“, reimte Aruula unfreiwillig und musste grinsen. „Was jetzt?“

Matt half ihr vom Felsen herunter. „Erst einmal müssen wir herausfinden, wo wir sind. Und dann …“, er holte den Scanner hervor, „führen wir unsere Suche nach den Artefakten weiter.“ Er schaltete das Gerät aus dem zeitlosen Raum ein. Am Rand des Scannerbereichs konnte er einen Blimp ausmachen.

„Zeigt er etwas an?“ Neugierig trat Aruula an ihn heran.

„Ja. Allerdings ganz am Rand. Das bedeutet, wir sind ungefähr fünfzehnhundert Kilometer vom nächsten Artefakt entfernt.“ Matt steckte den Scanner weg und nahm die Karte in Augenschein, die er in der AKINA ausgedruckt hatte. „Um welches der Artefakte es sich handelt, kann ich noch nicht sagen. Dazu fehlt mir der Bezugspunkt.“

„Wenn ich das richtig sehe, liegt es in östlicher Richtung“, bemerkte Aruula. „Sollten wir uns in Euree befinden –“

„- wäre das ungefähr die Richtung, in der der Kratersee liegt“, erriet Matt ihre Gedanken. „Daran hatte ich auch schon gedacht. Dort hat die Daa’murin Ira den Panzer abgestellt, den ich ihr im Austausch gegen ihren Todesrochen überlassen hatte.“

„Der Rochen, der tot über Samugaars Pyramide hing?“, hakte Aruula nach.

„So ist es“, bestätigte Matt, während er die Karte zusammenfaltete und wegsteckte. „Das werde ich ihr schonend beibringen müssen. Und hoffen, dass sie PROTO nicht als Ersatz behält. Wir könnten den Panzer bei unserer weiteren Suche gut gebrauchen, jetzt, wo wir ohne Shuttle auskommen müssen.“

Das war der größte Nachteil ihrer schnellen Heimreise gewesen: Das marsianische Shuttle, das ihnen hier so gute Dienste geleistet hatte, hatten sie zurücklassen müssen. Aber leider gab es keine Alternative. Der Flug zurück hätte ein knappes halbes Jahr gedauert – und niemals stattgefunden. Die AKINA wurde jetzt beim Mars gebraucht.

„Ich glaube, die da können uns sagen, wo wir sind!“, riss ihn Aruula aus seinen Gedanken. Gleichzeitig zog sie ihr Schwert aus der Rückenkralle. Matt fuhr herum, folgte ihrem Fingerzeig und entdeckte einen Trupp Kriegerinnen, der die nächste Dünensenke herab kam. In ihren Händen hielten sie Speere und schussbereite Bögen.

Matt bedeutete seiner Begleiterin, das Schwert zu senken. Gegen diese Übermacht hatten sie keine Chance. Und vielleicht ließen die Frauen ja mit sich reden.

Die Anführerin baute sich vor Matt und Aruula auf. Ihr langes schwarzes Haar wurde von einem roten Stirnband gehalten. Die herben Gesichtszüge passten nicht zu ihrer Stupsnase. „Wer seid ihr?“, wollte sie wissen. Ihre Kriegslanze wies auf Matt.

„Wir sind in friedlicher Absicht hier“, antwortete er der Frau. Sie sprach eine ihm unbekannte Sprache, doch der Translator in seinem Nacken arbeitete einwandfrei. Mit ihren ersten Worten hatte das implantierte Gerät die Sprache analysiert und übersetzt und steuerte nun Matts Stimmbänder. Ein technisches Wunderwerk, das er aus einer zukünftigen Parallelwelt mitgebracht hatte.

„Das, mein Freund, kann jeder sagen. Ich hab gefragt, wer ihr seid.“ Ihre Haltung wurde angespannter. Matt registrierte, wie sehr sie vor allem Aruula beäugte. Besonders die traditionellen Linienzeichnungen auf ihrem Körper schienen ihr Interesse zu erregen.

„Mein Name ist Maddrax“, stellte Matt sich mit seinem „Barbarennamen“ vor. „Und das ist Aruula von den Dreizehn Inseln. Wir sind hier gestrandet.“

Eine Kriegerin flüsterte der Anführerin etwas zu. Die nickte, ohne Matt und Aruula aus den Augen zu lassen. „Wo kommt ihr her?“, fragte sie.

„Vom Meer“, gab Matt bereitwillig Auskunft – und verbog die Wahrheit ein wenig: „Unser Boot ist vor der Küste gekentert und wir wissen nicht mal, wo wir gelandet sind.“

„Ihr kommt nicht in Wahrheit aus der Stadt?“ Ihr Blick wurde lauernd.

„Aus der Stadt?“, wunderte sich Aruula. Offensichtlich verstand sie mit der Sprache der Wandernden Völker ein paar Brocken des fremden Idioms.

„Nein, kommen wir nicht“, stellte Matt klar. „Sonst wüssten wir ja, wo wir sind.“

Wieder klärte ihn die Anführerin nicht auf. Sie umrundete die beiden nachdenklich. „Sehr undurchsichtig, das Ganze“, sagte sie dann. „Ich denke, es ist das Beste, wenn ihr mitkommt.“

„Sie will, dass wir mitkommen?“, fragte Aruula.

Matt nickte.

„Hör mal, Täubchen“, fuhr die Amazone Aruula an. „Es ist nicht so, dass ihr eine Wahl hättet.“ Sie gab ihren Kriegerinnen einen Wink.

„Es ist in Ordnung, Aruula“, sagte Matt. „Immerhin finden wir auf diese Weise heraus, wo wir uns befinden.“

Aruula presste die Lippen zusammen, doch sie sah ein, dass Gegenwehr nichts brachte, und fügte sich. Umringt von den Kriegerinnen marschierten sie ins Landesinnere.

Obwohl man ihnen die Waffen gelassen hatte, verspürte Matt ein flaues Gefühl in der Magengegend.

Eine Woche zuvor

Hoch schlugen die Flammen zum Himmel empor. Rußkronen tanzten auf ihren glühenden Spitzen. Geröll säumte den Berg, auf dem der Woiwode3) Marcin Ogromnek verweilte, um dem Gemetzel zuzusehen. Eine niedrige, scharf vorspringende Felsnadel wies wie ein Pfeil auf das Dorf im Tal.

Die Hand des Fürsten krampfte sich um die Zügel des Horsays, auf dem er saß. Für einen Moment vergaß er, was ihn bedrängt hatte. Vergaß den Widerstand, den ihm die Menschen aus der Siedlung Avarrons entgegengebracht hatten. Vor allem Sigurd, ihr Anführer. Er hatte sich geweigert, den vorgegebenen Tribut zu zollen. Mehrfach.

Nun zollte er mit seinem Blut. Er und sein degeneriertes Gesindel, das er stets „Mein Volk und meine Familie“ genannt hatte.

Noch vor Sonnenaufgang hatte Marcin Ogromneks Horde sich von Gdaans aufgemacht, um Avarron zu überrennen, Gestalten in schimmernden Rüstungen und mit wehenden Mähnen unter ihren Kopfbedeckungen. Mit blitzenden Schwertern waren sie im Dorf eingefallen. Jetzt wütete dort ein schrecklicher Kampf.

Ein Windstoß kam auf. Er fegte über den Platz und wirbelte Sand auf, der für Sekunden als dichte Wolke in der Luft hing. Ogromneks Horsay schnaubte. Der Woiwode tätschelte den Hals des Rosses. Aus dem Dorf drangen Kreischen und Heulen. Bogensehnen surrten, Brandpfeile bohrten sich in Strohdächer. Säbel blitzten im Fackelschein.

Weitere Bogenschützen gelangten in die Flanke des Dorfes. Pfeile prasselten wie Hagelschauer auf die Menschen herab. Einige wenige Mutige stellten sich den Angreifern entgegen. Sie wollten eine Gasse in die Reihen von Ogromneks Horde schlagen. Grassny, Ogromneks Hauptmann, teilte die Nachhut und ließ sie schießen. Der tödliche Regen ging wahllos auf Freund und Feind nieder. Todesschreie erschütterten das Tal, Männer und Horsays stürzten, färbten den Sand mit ihrem Blut.

Die Männer von Avarron waren geschlagen. Ogromneks Horde zertrümmerte die Hütten. Die Habseligkeiten der Leute wurden geraubt oder zerstört, Frauen schreiend weggezerrt. Die Kinder legte man in Ketten. Am Dorfende waren schattenhafte Gestalten zu sehen. Männer in staubigen, blutbedeckten Rüstungen wankten umher.

Der Fürst war zufrieden. Ogromnek ließ den Blick über die Stätte der Verwüstung gleiten. Dann zog er die Zügel straff. Sein Horsay stieg wiehernd hoch, vollführte eine Drehung und jagte den Hang hinab.

Im Dorf gellten noch immer Schreie. Irgendwo klirrte etwas, schlug scharf gegen Gestein. Aus einer der Hütten drangen dreckiges Gelächter und der spitze Schrei einer Frau. Zeltlappen flappten im Wind.

Ogromnek interessierte das alles nicht. Er hatte nur ein Ziel: Sigurds Behausung.

Der Fürst verlangsamte das Tempo. Gemächlich ritt er durch das Dorf. Vor dem mit Rundbögen verzierten Haus Sigurds stoppte er und schwang sich aus dem Sattel. Grassny kam ihm entgegen. „Wir haben ihn, Herr.“

Der Fürst nickte. Er entledigte sich seiner Handschuhe und reichte sie dem Hauptmann. Dann zog er sein Schwert und betrat die Behausung.

Sigurd lag auf dem Tisch. Er sah aus wie mit Asche beschmiert. Sein wallender Bart war verschmutzt, Blutbläschen zerplatzten vor seinem Mund. „Ogromnek“, ächzte er. „Du elendes Piig.“

Der Woiwode lächelte. „Es geht zu Ende mit dir, Sigurd. Siehst du nun, wohin es führt, wenn man sich mir widersetzt?“

...

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