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Maddrax - Folge 358

Inhalt

  1. Cover
  2. Impressum
  3. Hilfreiche Links
  4. Was bisher geschah
  5. Liste der wichtigsten Namen
  6. Rebellen des Mars
  7. Marskarte
  8. Leserseite
  9. Cartoon
  10. Excellente Artikel aus dem MADDRAXIKON
  11. Vorschau

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Statt der üblichen Rückschau auf den Handlungsstand von Matt Drax und Aruula werfen wir diesmal einen Blick zum Mars, wohin die beiden ja unterwegs sind. Die letzten Geschehnisse dort liegen schon eine Weile zurück, da kann eine Auffrischung nicht schaden.

Nach dem Superbeben (Bände 173-175 während Matts Aufenthalt) und der Heilung von der tödlichen Seuche hatten sich die Städter unter der Führung von Präsidentin Maya Joy Tsuyoshi daran gemacht, die verwüsteten Städte wieder aufzubauen.

Bis zum Erdjahr Dezember 2527 war die Ordnung auf dem Mars soweit wiederhergestellt. Ein neuer Rat war gebildet worden, in den die Waldleute mit integriert wurden. Nach all den Katastrophen arbeitete die Präsidentin vor allem daran, dass das Volk wieder zusammenwuchs. Schließlich stammten sie alle gleichermaßen von den Gründern der Marszivilisation ab.

Doch nicht alle Städter waren mit der Vereinigung des Volkes einverstanden und die nationalistische Bewegung ProMars wurde noch während des Wiederaufbaus gegründet. Ziel war es, die Waldleute in weiter entfernte Regionen zu verbannen oder auszurotten, falls sie sich widersetzten, und deren Wälder zur Expansion und wirtschaftlichen Ausnutzung zu gewinnen. Außerdem sollte der Kontakt zur Erde endgültig abgebrochen und das Raumfahrtprogramm komplett eingestellt werden.

ProMars entwickelte sich rasch zur Terror-Organisation, die Anschläge verübte und diese den Waldleuten in die Schuhe schob, um den Hass zwischen den Völkern zu schüren und weitere Anhänger zu gewinnen. Oberstes Ziel war die Übernahme der Regierung zur Schaffung eines neuen gesellschaftlichen Systems.

Dieses Betreiben gipfelte (siehe Band 308) in einem Bombenanschlag anlässlich einer öffentlichen Feier, bei dem nahezu alle Regierungsmitglieder ums Leben kamen. Präsidentin Maya wurde schwer verletzt in eine Klinik gebracht. Einzig ihr Ehemann Leto Jolar Angelis und die beiden gemeinsamen Kinder überlebten das Massaker unbeschadet.

Leto ergriff sofort wieder das Amt des Militär-Präsidenten und befahl seinem Geheimdienstchef Neronus Gingkoson, die Führung von ProMars zu finden und auszuschalten. Gleichzeitig griff er hart durch und verhängte Ausgangssperren, um wieder Ordnung in die zerfallende Gesellschaft zu bringen. Doch das war nicht das einzige Problem, das er zu bewältigen hatte.

Mittels Fernraumortung wurde die Annäherung des Streiters, vor dem Commander Matthew Drax bei seinem letzten Aufenthalt gewarnt hatte, etwa fünf Monate vor seinem Eintreffen erkannt (Juli/August 2527) und die Erde kontaktiert. Mit dem Raumschiff AKINA wurden diejenigen Teile des Magnetfeld-Konverters, die nicht durch den Zeitstrahl transportiert werden konnten, zur Erde geflogen.

Nachdem er Neptun verschlungen hatte, näherte sich der Streiter dem Mars (Band 311) und sein verheerender Einfluss machte sich bemerkbar. War die Mars-Bevölkerung ohnehin durch den Anschlag auf die Regierung in Aufruhr, kam nun der vom Streiter suggestiv ausgelöste Wahnsinn hinzu. Er traf vor allem die Städter; die Waldleute schienen weitgehend immun zu sein.

Nur mit Mühe konnten Leto und seine Vertrauten die Kontrolle behalten. Der Präsident bat Windtänzer, den er bisher trotz persönlicher Antipathie als Mann des Friedens und treuen Verbündeten geschätzt hatte, um Hilfe. Windtänzer war es ja gewesen, der Maya bereits im Mai vor dem Streiter gewarnt hatte – und eine kryptische Warnung in Bezug auf sich selbst ausgesprochen hatte. Windtänzer sagte seine Unterstützung zu und in den Städten trafen besonders begabte Waldleute ein, die die Bewohner vor dem Einfluss des Streiters einigermaßen abschirmen konnten.

Fast zu spät begriffen Leto und Neronus, dass sie einer Intrige aufgesessen waren und sich in die Hände ihrer eigenen Mörder begeben hatten. Es war nämlich gar nicht ProMars gewesen, die den Anschlag verübt hatten, sondern Windtänzer persönlich, der als Erster der bösen Aura des Streiters erlegen und wahnsinnig geworden war. Seine Kräfte hatten sich gleichzeitig vervielfacht. Nach wie vor verfolgte er zwar das seit seiner Jugendzeit beschlossene Ziel, die beiden Völker in Frieden zu einen – aber nun unter seinem ausschließlichen Protektorat. Sein Plan hätte beinahe reibungslos funktioniert, doch der Präsident war ihm in politischer Hinsicht immer noch ein Stück voraus.

Leto hatte zwar diese Schlacht verloren, aber schon lange einen zweiten Bruderkrieg vorausgesehen und deshalb in einem ehemaligen Bunker der Gründer in den Tartaros-Hügeln einen geheimen Stützpunkt anlegen lassen. Eine Evakuierung dorthin war in einem Notfallplan dargelegt, die Ausführung wurde Neronus Gingkoson übertragen.

Während in Elysium und den anderen Städten durch Massenanschläge die Tower der Fünf Familien zusammenbrachen, gelang es Neronus Gingkoson zusammen mit Chandra Tsuyoshi, die wenigen noch verbliebenen Getreuen – großteils ausgebildete Sicherheitsleute – zusammenzurufen und mit Letos Kindern zu dem geheimen Bunker zu fliehen.

In den letzten Stunden des Chaos erwachte Maya unerwartet aus dem Koma und stellte sich Windtänzer, der wie ein König in die Stadt einmarschierte, entgegen. Aber auch Leto, der seine Frau nicht verlassen und vor allem den Regierungstower nicht kampflos aufgeben wollte, war noch vor Ort. Er schoss auf Windtänzer, doch die Kugel prallte wirkungslos an dessen mentalem Schutzfeld ab, das der ehemalige Oberste Baumsprecher mittlerweile mit seinen Parakräften errichten konnte.

Windtänzer versuchte Maya unter seine Kontrolle zu bekommen. Tatsächlich zeigte sie daraufhin erste Veränderungen. Leto, der keine Hoffnung mehr für ihren Geist sah, erschoss daraufhin seine Frau und starb wenige Sekunden später im Kugelhagel von Windtänzers Anhängern. Siegreich zog Windtänzer im Januar 2528 als Herrscher über den gesamten Mars in den Regierungstower ein.

Im Rebellenstützpunkt wurde Chandra als letzte hochrangige Überlebende des Hauses Tsuyoshi zur Exilpräsidentin und Hoffnungsträgerin des marsianischen Volkes ernannt. Der Zeitpunkt dieser Ereignisse wurde bald gemeinhin als „die Dunklen Tage“ bezeichnet, und sie dauern immer noch an.

In den Bänden 357 und 358 werdet ihr mit etlichen neuen Namen konfrontiert;
hier eine Auflistung der wichtigsten

Personen auf dem Mars

Chandra Tsuyoshi

Linguistin und Historikerin der Erdvergangenheit; geb. 2478 Erdzeit (234 Marszeit), also 43 Erd- und rund 22 marsianische Doppeljahre alt, humorvoll und neugierig. Für marsianische Verhältnisse eher klein, nur 1,88 m, schlank und grazil, mit weißblonden, störrisch abstehenden Haaren und den typischen streifenartigen Pigmentflecken und bernsteinfarbenen Augen. Als letzte Überlebende des Hauses Tsuyoshi und Exilpräsidentin leitet sie zusammen mit Gingkoson die Rebellion.

Neronus Ginkgoson

Geb. 2451 Erdzeit; ehemaliger Geheimdienstchef und Führer der Rebellion. Feingliedrig, kahl, blass, mit roten Augen, gilt als perfektionistisch und zuverlässig. Seine unverbrüchliche Loyalität Leto gegenüber ließ ihn nach dessen Tod noch härter werden. Steht nach anfänglichen Schwierigkeiten Chandra treu zur Seite.

Ranjen Angelis

Gedrungen, schweigsam, hervorragend ausgebildeter Kämpfer; wurde zum Stellvertreter des Geheimdienstchefs und damit auch der Rebellen.

Samari Bright

Temperamentvoll, stark pigmentiert; Chefin der Außeneinsätze der Rebellen. Hat eine besondere Beziehung aus ihrer früheren Betreuung zu den Waisenkindern.

Nomi Marlyn Tsuyoshi

Tochter von Maya Tsuyoshi und Lorres Gonzales. Aufgeweckt, ihrer Mutter äußerlich sehr ähnlich, mit dem Temperament und der Schlitzohrigkeit ihres Vaters. Intelligenter, lebensfroher Teenager.

Londo Lorres Angelis Tsuyoshi

Teenager, Sohn von Maya Tsuyoshi und – wie in Band 357 offenbar wurde – Windtänzer. Zierlich, zurückgezogen, eher düster. Wachsende Parakräfte; niemand weiß, wie er sich noch entwickeln wird.

Windtänzer

Ehemals Oberster Baumsprecher des Waldvolks, 2,10 m groß. Sah das Eintreffen des Streiters visionär vorher – und fiel als Erster. Die böse Aura trieb ihn irreversibel in den Wahnsinn, vervielfachte seine Kräfte und weckte seinen Machtwillen. Zerstörte in einem Aufstand die Städte und unterjocht als Gewaltherrscher das marsianische Volk.

Blattschwinge

Windtänzers engster Vertrauter, praktisch sein Ziehsohn.

 

Nebenpersonen der Waldsippe, Gegner Windtänzers

Aquarius

Ehemaliger Schüler Windtänzers, geb. 2501 Erdzeit. Langes blaues Haar, etwas dunklere Haut, stammt von der Seenplatte im Nordosten. Scheuer Einzelgänger, wortkarg, Auraseher, spürt die Gedanken seines Gegenübers, Tenor.

Felsspalter

Rosens (Windtänzers zweite Frau, starb an der Seuche) Zwillingsbruder; Steinmetz. Durch seine Arbeit relativ muskulös.

Rotbeer

Geb. 2486 Erdzeit; ehemalige Frau des Baumsprechers Windtänzer, Mutter seines einzigen Kindes Morgenblüte, das ebenfalls an der Seuche starb.

Starkholz

Baumsprecher einer Sippe in den Wäldern zwischen Bradbury und Elysium, geb. 2399 Erdzeit. Einer von zwei Stellvertretern des Ersten Baumsprechers Sternsang.

Uranus

Waldmann aus der Sippe Voglers mit nackenlangem, grün-schwarzen Haar. Geb. 2500 Erdzeit; 2,05 m groß, ein wenig untersetzt. Temperamentvoll, laut, mutig und unbeherrscht. Im Erdjahr 2521 verweigerte ihm Vogler die Anerkennung als Schüler. Hervorragender Fährtenleser, findet auf fast empathische Weise jede Veränderung (z.B. ein verrutschter Ast am Boden).

Wega

Geb. 2394 Erdzeit; Waldfrau aus der Sippe des Baumsprechers Vogler; als Heilerin bis in die Grenzregionen der Waldgebiete bekannt.

Rebellen des Mars

von Susan Schwartz

Julian, es vergeht keine Stunde, zu der ich nicht an dich denke. Uns blieb nicht viel Zeit, und doch erscheinen mir die wenigen Tage wie ein ganzes Leben. Wir hatten Pläne für die Zukunft geschmiedet. Nie hätten wir uns ausmalen können, was tatsächlich geschehen würde. Nun bist du tot und ich eine Präsidentin im Exil.

Der Mann, der uns das angetan hat, heißt Blattschwinge, aber der eigentliche Verursacher allen Leids ist Windtänzer. Ihn werde ich vernichten. Für dich, für mich, für den ganzen Mars.

„Ein Signal – von der Raumwerft auf Phobos!”, wiederholte der Funker, und Chandra ordnete ihre Gedanken.

„Verbindung herstellen”, befahl sie. Dies war das Zeichen, auf das sie gewartet hatte. Windtänzer, jetzt kriege ich dich.

Raumwerft, zu Beginn der Dunklen Tage

Phobos, der größere der beiden Marsmonde, war nur sechstausend Kilometer von der Planetenoberfläche entfernt. Ideal, um dort eine Raumstation zu errichten – und eine Werft für den Bau neuer Raumschiffe.

Hier oben lebten und arbeiteten Spezialisten aller Art: Techniker, Astrophysiker, Mediziner, Konstrukteure, Computerentwickler und viele mehr. Dazu kam die Mannschaft der Raumüberwachung, die Funk und Ortung nie aus den Augen ließ und jede Messung sofort in die Analyse schickte. Sendra Treptis, die Chefin der Raumüberwachung, war dem obersten Leiter der Werft gleichgestellt.

Bis zu diesem Tag. Jetzt war sie Chefin über alles. Nur interessierte das niemanden mehr.

„Sichert das linke Schott ab!”, schrie sie über den ohrenbetäubenden Lärm hinweg, der von den Anderen draußen verursacht wurde. Sie versuchten mit allen möglichen Gerätschaften, hereinzukommen. Was sie dann tun wollten, war fraglich. Für die Übernahme der Kontrolle besaßen sie nicht mehr genug Gehirn, da die meisten Zellen inzwischen verschmort sein dürften.

Töten. Töten.

Sendra hatte es aufgegeben, mit den wahnsinnig gewordenen Menschen dort draußen reden zu wollen. Sie wusste, was sie befallen hatte, musste schließlich selbst dagegen ankämpfen. Deshalb pumpte sie sich permanent mit Beruhigungsmitteln voll, die die Explosionen in ihren Gedanken dämpften und verhinderten, dass sie zur Waffe griff und ein Massaker hier drin anrichtete.

Es war alles so schnell gegangen; sie hatte kaum eine Erinnerung daran, was genau geschehen war.

Fünf Leute schoben ein schweres Aggregat vor das linke Schott. Es würde eine Weile dauern, bis die Wahnsinnigen da durchkamen. Zwischenzeitlich vergaßen sie vielleicht, was sie vorgehabt hatten.

Das Innere der Zentrale war wie ein Bunker gebaut und konnte sich autark versorgen. Eine Konstruktion des Hauses Gonzales, angeordnet von Präsident Leto persönlich. Ein überaus misstrauischer Mann, das hatte Sendra schon bei ihrer Einstellung festgestellt. Und wie recht er damit gehabt hatte, zeigte sich jetzt.

„Werden die es schaffen?”

Sendra blickte nicht einmal zur Seite. „Natürlich nicht”, antwortete sie ruhig. Sie wischte sich den Schweiß von der Stirn. Bei dem heftigen Schusswechsel während des Rückzugs hier herein hatte die Klimaanlage etwas abbekommen, dadurch war es viel zu warm hier drin. Aber das konnten sie in Ordnung bringen.

Alles andere wahrscheinlich nicht mehr.

Zuletzt hatte die Leiterin mit dem Präsidenten persönlich gesprochen, und zwar in größter Verzweiflung. Der Planet Neptun existierte nicht mehr, und das unsagbar Böse, das der Mann von der Erde „Streiter” genannt hatte, kam dem Mars immer näher. Seine verheerende Ausstrahlung trieb die meisten Menschen in den Wahnsinn, und sie fingen an, sich gegenseitig umzubringen.

Davor hatte es zunehmend Selbstmorde gegeben. Sendra hatte es persönlich miterlebt.

„Ich brauche frische Luft! Ein kleiner Spaziergang wird mir gut tun”, hatte ein Funker völlig unvermittelt erklärt, war aufgestanden und … hinausgegangen. Aus dem Raum, den Gang entlang, in einen Shuttlehangar, und dort hatte er das Schott geöffnet. Unmöglich, ihn daran zu hindern, denn niemand hatte begriffen, was vor sich ging. Dabei hatte Leto sie gewarnt, doch es war einfach zu plötzlich gekommen.

Also trat der Funker aus dem Schott hinaus – eigentlich wurde er von dem Sog hinausgerissen – und unternahm einen kleinen Ausflug ohne Raumanzug. Er erstickte nicht sofort, denn Phobos befand sich am Rand der dünnen Planetenatmosphäre. Er erfror innerhalb von zwei Minuten und trieb langsam davon.

Während Sendra wie gelähmt dabei zusah und einige Kollegen noch versuchten, ihn irgendwie einzufangen, brach überall das Chaos aus. Den Leiter der Raumwerft erwischte es als einen der Ersten. Jemand schrie, ein Blutdämon sei an Bord gekommen, packte einen schweren Schraubenschlüssel und zertrümmerte ihm den Schädel.

Panik brach aus, das Waffenlager wurde gestürmt und der Kampf begann.

Sendra, die wenigstens dank Letos Warnung Tabletten besorgt hatte, schluckte bei den hereinkommenden Meldungen sofort drei Stück und verteilte den Rest an die Leute, die sie erreichen konnte. „Wir müssen zusammenbleiben!”, befahl sie und setzte den Notfallplan in Kraft.

Die Zentralen schalteten sofort auf Selbstversorgung um, die Waffenabteilung wurde gesperrt und von den Versorgungssystemen getrennt – wer noch drin war, hatte Pech gehabt. Ebenso wurden alle Hangars und Frachträume und sonstige Produktionshallen verschlossen und von der Versorgung abgetrennt.

„Wissen Sie, was Sie da tun?”, schrie jemand die Raumchefin an.

„Den Leuten da drin ist ohnehin nicht mehr zu helfen”, erwiderte sie und wies auf die Holoschirme. Tatsächlich gab es dort bereits eine Menge Leichen, und die wenigen noch Lebenden torkelten verletzt herum. „Ich kann nicht zulassen, dass diese Leute die ganze Anlage in die Luft jagen. Noch leben wir, noch haben wir ein paar funktionierende Gehirnzellen.”

Sie rannte zu einem codegesicherten Schrank, öffnete ihn mit ihrem Freigabeschlüssel und versorgte die Leute mit Waffen.

„Da sind Waffen drin? Das haben wir gar nicht …”

„Gewusst? Ich bis gestern auch nicht. Präsident Leto hat mir alle Informationen zugeschickt, bevor die Verbindung abgebrochen ist.”

„Der Mann hat ein ernstes paranoides Problem.”

„Das uns jetzt zugutekommt. Möge der Rote Vater mit ihm und den Seinen da unten sein.”

Die Raumüberwachungszentrale war nicht sicher genug, doch es gab einen direkten Verbindungsgang zur Hauptzentrale, zu der Sendra sich mit den Leuten durchschlagen wollte. Das einzige Problem war dabei nur, dass es jede Menge Kreuzungen unterwegs gab, an denen jede Menge Gefahren lauern mochten.

Alle warfen sich nochmals Pillen ein, bevor sie sich auf den Weg machten. Sie hätten sich auch blind zurechtgefunden, denn schließlich lebten sie schon lange genug hier oben, um nahezu jeden Winkel der großen Raumstation zu kennen. Sendra brauchte also niemanden aufzufordern, auf der Hut zu sein und die Waffen bereitzuhalten.

Das Problem war nur – konnte ihre Crew auch damit umgehen? Sie waren keine ausgebildeten Kämpfer, sondern Zivilisten, Spezialisten auf ihrem Gebiet und außerhalb davon nicht selten relativ weltfremd und scheu.

Sendra erging es da nicht anders. Bei ihrem letzten Gespräch mit dem Präsidenten hätte sie beinahe die Nerven verloren. Na schön, sie hatte sie verloren. Aber das war vorbei, sie trug nun die Verantwortung für ihre Leute, und sie hing am eigenen Leben. Sie musste da durch, also schaltete sie alle Emotionen aus und konzentrierte sich auf ihre Aufgabe. Genau diese Fähigkeit hatte sie nicht zuletzt in diese Position gebracht.

„Nicht sofort losballern!”, ermahnte sie die Leute. „Sicherlich gibt es noch ein paar, die so sind wie wir. Es wäre gut, wenn sie uns finden und sich uns anschließen.”

Und tatsächlich, bei der ersten Kreuzung trafen sie auf drei Mitarbeiter der medizinischen Abteilung, voll bepackt mit Medikamententaschen, und man begrüßte sich gegenseitig hocherfreut.

Sie beeilten sich, weiterzukommen, und schon bald stellten sich ihnen die ersten Wahnsinnigen in den Weg. Aber es trafen auch weitere Menschen ein, die noch nicht halbwegs bei Verstand waren und die sich ihnen anschlossen.

Alle schienen den gleichen Gedankengang wie Sendra zu haben: Sicherheit gab es nur in der Bunkerzentrale. Die unter Verfolgungswahn Leidenden hingegen sahen darin den Hort des Bösen, der vernichtet werden musste.

Sie schlugen sich durch und gelangten in die zum Glück noch nicht abgeriegelte Zentrale. Obwohl sie sich gewappnet hatten, war der Anblick der vielen Leichen dort schockierend; es hatte ein regelrechtes Blutbad gegeben.

Sie hatten keine Zeit, die Toten wegzuräumen, mussten sich verschanzen. Sendra verschloss die schweren Schotts und fuhr die Sicherungsplatten an den Fenstern herunter. Der Angriff von außen begann.

„Wir können das nicht lange durchhalten hier drinnen”, bemerkte ein Mediker. „Wir haben für ein paar Tage Medikamente und keinerlei Nahrung.”

„Ich weiß”, sagte Sendra. Gleichzeitig lauschte sie. Draußen war nach Stunden abrupt Stille eingetreten. Vielleicht waren die Verrückten übereinander hergefallen. Sie rieb sich die Schläfen. Außerdem, fügte sie in Gedanken hinzu, verzögern die Tabletten nur die Wirkung, sie heben sie nicht auf.

Es lag also an ihr, sich etwas einfallen zu lassen.

„Zehn von euch übernehmen die Wache, die anderen ruhen sich etwas aus”, ordnete sie an und ging zur Hauptkonsole. Dabei musste sie über die Leiche des Stationsleiters steigen, was mehr als unangenehm war. Aber sie wusste nicht wohin mit ihm. „Tut mir leid”, murmelte sie.

Sie trug einen Mastercode-Kristall bei sich, mit dem sie sich überrangig einloggen konnte. Allerdings tat sie das nicht beim Hauptrechner, weil sie annahm, dass dieser längst kontaminiert war, sondern wählte den redundanten Nebenspeicher, von dem sie alle ...

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