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Maddrax - Folge 357

Inhalt

  1. Cover
  2. Impressum
  3. Was bisher geschah
  4. Liste wichtiger Namen
  5. Herrscher des Mars
  6. Leserseite
  7. Exzellente Artikel aus dem Maddraxikon
  8. Vorschau

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Statt der üblichen Rückschau auf den Handlungsstand von Matt Drax und Aruula werfen wir diesmal einen Blick zum Mars, wohin die beiden ja unterwegs sind. Die letzten Geschehnisse dort liegen schon eine Weile zurück, da kann eine Auffrischung nicht schaden.

Nach dem Superbeben (Bände 173-175 während Matts Aufenthalt) und der Heilung von der tödlichen Seuche hatten sich die Städter unter der Führung von Präsidentin Maya Joy Tsuyoshi daran gemacht, die verwüsteten Städte wieder aufzubauen.

Bis zum Erdjahr Dezember 2527 war die Ordnung auf dem Mars soweit wiederhergestellt. Ein neuer Rat war gebildet worden, in den die Waldleute mit integriert wurden. Nach all den Katastrophen arbeitete die Präsidentin vor allem daran, dass das Volk wieder zusammenwuchs. Schließlich stammten sie alle gleichermaßen von den Gründern der Marszivilisation ab.

Doch nicht alle Städter waren mit der Vereinigung des Volkes einverstanden und die nationalistische Bewegung ProMars wurde noch während des Wiederaufbaus gegründet. Ziel war es, die Waldleute in weiter entfernte Regionen zu verbannen oder auszurotten, falls sie sich widersetzten, und deren Wälder zur Expansion und wirtschaftlichen Ausnutzung zu gewinnen. Außerdem sollte der Kontakt zur Erde endgültig abgebrochen und das Raumfahrtprogramm komplett eingestellt werden.

ProMars entwickelte sich rasch zur Terror-Organisation, die Anschläge verübte und diese den Waldleuten in die Schuhe schob, um den Hass zwischen den Völkern zu schüren und weitere Anhänger zu gewinnen. Oberstes Ziel war die Übernahme der Regierung zur Schaffung eines neuen gesellschaftlichen Systems.

Dieses Betreiben gipfelte (siehe Band 308) in einem Bombenanschlag anlässlich einer öffentlichen Feier, bei dem nahezu alle Regierungsmitglieder ums Leben kamen. Präsidentin Maya wurde schwer verletzt in eine Klinik gebracht. Einzig ihr Ehemann Leto Jolar Angelis und die beiden gemeinsamen Kinder überlebten das Massaker unbeschadet.

Leto ergriff sofort wieder das Amt des Militär-Präsidenten und befahl seinem Geheimdienstchef Neronus Gingkoson, die Führung von ProMars zu finden und auszuschalten. Gleichzeitig griff er hart durch und verhängte Ausgangssperren, um wieder Ordnung in die zerfallende Gesellschaft zu bringen. Doch das war nicht das einzige Problem, das er zu bewältigen hatte.

Mittels Fernraumortung wurde die Annäherung des Streiters, vor dem Commander Matthew Drax bei seinem letzten Aufenthalt gewarnt hatte, etwa fünf Monate vor seinem Eintreffen erkannt (Juli/August 2527) und die Erde kontaktiert. Mit dem Raumschiff AKINA wurden diejenigen Teile des Magnetfeld-Konverters, die nicht durch den Zeitstrahl transportiert werden konnten, zur Erde geflogen.

Nachdem er Neptun verschlungen hatte, näherte sich der Streiter dem Mars (Band 311) und sein verheerender Einfluss machte sich bemerkbar. War die Mars-Bevölkerung ohnehin durch den Anschlag auf die Regierung in Aufruhr, kam nun der vom Streiter suggestiv ausgelöste Wahnsinn hinzu. Er traf vor allem die Städter; die Waldleute schienen weitgehend immun zu sein.

Nur mit Mühe konnten Leto und seine Vertrauten die Kontrolle behalten. Der Präsident bat Windtänzer, den er bisher trotz persönlicher Antipathie als Mann des Friedens und treuen Verbündeten geschätzt hatte, um Hilfe. Windtänzer war es ja gewesen, der Maya bereits im Mai vor dem Streiter gewarnt hatte – und eine kryptische Warnung in Bezug auf sich selbst ausgesprochen hatte. Windtänzer sagte seine Unterstützung zu und in den Städten trafen besonders begabte Waldleute ein, die die Bewohner vor dem Einfluss des Streiters einigermaßen abschirmen konnten.

Fast zu spät begriffen Leto und Neronus, dass sie einer Intrige aufgesessen waren und sich in die Hände ihrer eigenen Mörder begeben hatten. Es war nämlich gar nicht ProMars gewesen, die den Anschlag verübt hatten, sondern Windtänzer persönlich, der als Erster der bösen Aura des Streiters erlegen und wahnsinnig geworden war. Seine Kräfte hatten sich gleichzeitig vervielfacht. Nach wie vor verfolgte er zwar das seit seiner Jugendzeit beschlossene Ziel, die beiden Völker in Frieden zu einen – aber nun unter seinem ausschließlichen Protektorat. Sein Plan hätte beinahe reibungslos funktioniert, doch der Präsident war ihm in politischer Hinsicht immer noch ein Stück voraus.

Leto hatte zwar diese Schlacht verloren, aber schon lange einen zweiten Bruderkrieg vorausgesehen und deshalb in einem ehemaligen Bunker der Gründer in den Tartaros-Hügeln einen geheimen Stützpunkt anlegen lassen. Eine Evakuierung dorthin war in einem Notfallplan dargelegt, die Ausführung wurde Neronus Gingkoson übertragen.

Während in Elysium und den anderen Städten durch Massenanschläge die Tower der Fünf Familien zusammenbrachen, gelang es Neronus Gingkoson zusammen mit Chandra Tsuyoshi, die wenigen noch verbliebenen Getreuen – großteils ausgebildete Sicherheitsleute – zusammenzurufen und mit Letos Kindern zu dem geheimen Bunker zu fliehen.

In den letzten Stunden des Chaos erwachte Maya unerwartet aus dem Koma und stellte sich Windtänzer, der wie ein König in die Stadt einmarschierte, entgegen. Aber auch Leto, der seine Frau nicht verlassen und vor allem den Regierungstower nicht kampflos aufgeben wollte, war noch vor Ort. Er schoss auf Windtänzer, doch die Kugel prallte wirkungslos an dessen mentalem Schutzfeld ab, das der ehemalige Oberste Baumsprecher mittlerweile mit seinen Parakräften errichten konnte.

Windtänzer versuchte Maya unter seine Kontrolle zu bekommen. Tatsächlich zeigte sie daraufhin erste Veränderungen. Leto, der keine Hoffnung mehr für ihren Geist sah, erschoss daraufhin seine Frau und starb wenige Sekunden später im Kugelhagel von Windtänzers Anhängern. Siegreich zog Windtänzer im Januar 2528 als Herrscher über den gesamten Mars in den Regierungstower ein.

Im Rebellenstützpunkt wurde Chandra als letzte hochrangige Überlebende des Hauses Tsuyoshi zur Exilpräsidentin und Hoffnungsträgerin des marsianischen Volkes ernannt. Der Zeitpunkt dieser Ereignisse wurde bald gemeinhin als „die Dunklen Tage“ bezeichnet, und sie dauern immer noch an.

In den Bänden 357 und 358 werdet ihr mit etlichen neuen Namen konfrontiert;

hier eine Auflistung der wichtigsten

Personen auf dem Mars

Chandra Tsuyoshi

Linguistin und Historikerin der Erdvergangenheit; geb. 2478 Erdzeit (234 Marszeit), also 43 Erd- und rund 22 marsianische Doppeljahre alt, humorvoll und neugierig. Für marsianische Verhältnisse eher klein, nur 1,88 m, schlank und grazil, mit weißblonden, störrisch abstehenden Haaren und den typischen streifenartigen Pigmentflecken und bernsteinfarbenen Augen. Als letzte Überlebende des Hauses Tsuyoshi und Exilpräsidentin leitet sie zusammen mit Gingkoson die Rebellion.

Neronus Ginkgoson

Geb. 2451 Erdzeit; ehemaliger Geheimdienstchef und Führer der Rebellion. Feingliedrig, kahl, blass, mit roten Augen, gilt als perfektionistisch und zuverlässig. Seine unverbrüchliche Loyalität Leto gegenüber ließ ihn nach dessen Tod noch härter werden. Steht nach anfänglichen Schwierigkeiten Chandra treu zur Seite.

Ranjen Angelis

Gedrungen, schweigsam, hervorragend ausgebildeter Kämpfer; wurde zum Stellvertreter des Geheimdienstchefs und damit auch der Rebellen.

Samari Bright

Temperamentvoll, stark pigmentiert; Chefin der Außeneinsätze der Rebellen. Hat eine besondere Beziehung aus ihrer früheren Betreuung zu den Waisenkindern.

Nomi Marlyn Tsuyoshi

Tochter von Maya Tsuyoshi und Lorres Gonzales. Aufgeweckt, ihrer Mutter äußerlich sehr ähnlich, mit dem Temperament und der Schlitzohrigkeit ihres Vaters. Intelligenter, lebensfroher Teenager.

Londo Lorres Angelis Tsuyoshi

Teenager, Sohn von Maya Tsuyoshi und – wie in Band 357 offenbar wurde – Windtänzer. Zierlich, zurückgezogen, eher düster. Wachsende Parakräfte; niemand weiß, wie er sich noch entwickeln wird.

Windtänzer

Ehemals Oberster Baumsprecher des Waldvolks, 2,10 m groß. Sah das Eintreffen des Streiters visionär vorher – und fiel als Erster. Die böse Aura trieb ihn irreversibel in den Wahnsinn, vervielfachte seine Kräfte und weckte seinen Machtwillen. Zerstörte in einem Aufstand die Städte und unterjocht als Gewaltherrscher das marsianische Volk.

Blattschwinge

Windtänzers engster Vertrauter, praktisch sein Ziehsohn.

Nebenpersonen der Waldsippe, Gegner Windtänzers

Aquarius

Ehemaliger Schüler Windtänzers, geb. 2501 Erdzeit. Langes blaues Haar, etwas dunklere Haut, stammt von der Seenplatte im Nordosten. Scheuer Einzelgänger, wortkarg, Auraseher, spürt die Gedanken seines Gegenübers, Tenor.

Felsspalter

Rosens (Windtänzers zweite Frau, starb an der Seuche) Zwillingsbruder; Steinmetz. Durch seine Arbeit relativ muskulös.

Rotbeer

Geb. 2486 Erdzeit; ehemalige Frau des Baumsprechers Windtänzer, Mutter seines einzigen Kindes Morgenblüte, das ebenfalls an der Seuche starb.

Starkholz

Baumsprecher einer Sippe in den Wäldern zwischen Bradbury und Elysium, geb. 2399 Erdzeit. Einer von zwei Stellvertretern des Ersten Baumsprechers Sternsang.

Uranus

Waldmann aus der Sippe Voglers mit nackenlangem, grün-schwarzen Haar. Geb. 2500 Erdzeit; 2,05 m groß, ein wenig untersetzt. Temperamentvoll, laut, mutig und unbeherrscht. Im Erdjahr 2521 verweigerte ihm Vogler die Anerkennung als Schüler. Hervorragender Fährtenleser, findet auf fast empathische Weise jede Veränderung (z.B. ein verrutschter Ast am Boden).

Wega

Geb. 2394 Erdzeit; Waldfrau aus der Sippe des Baumsprechers Vogler; als Heilerin bis in die Grenzregionen der Waldgebiete bekannt.

Herrscher des Mars

von Susan Schwartz

Mein Leben lang wurde ich auf diese Aufgabe vorbereitet. Dafür war ich bei unseren beiden Völkern, habe Leben gegeben und genommen, geliebt und gehasst, beobachtet und gelernt. So wurde ich vollkommen.

Ich höre die Stimme des Roten Vater Mars. Ich bin seine Stimme. Also hört, was ich zu sagen habe.

Ich bin Windtänzer, euer Hüter. Euer Vater. Ich werde euch schützen und leiten, jetzt und immerdar.

Die Zeit des Leids, der Angst und der Trauer ist vorüber. Wie auch die Zeit der Unsicherheit, des Schwankens und Verzweifelns. Keine Kriege mehr. Keinen Hass untereinander. Und keine Unterdrückung.

Ihr werdet das Freie Volk sein, vereint im Atem des Roten Vaters. Hört meine Stimme! Ich bin euer Erlöser.

Verdammt! Hanna sprang gerade noch rechtzeitig in Deckung, als sich eine Patrouille von der anderen Seite her näherte. So dicht wie möglich quetschte sie sich zwischen die Trümmer eines Aufzugs, der sich einmal außen an einem Spindelturm befunden hatte.

Sie redeten nicht. Die Kapuzen waren übergeschlagen, die langen Mäntel geschlossen. Eine verhüllte Gestalt blieb plötzlich stehen und drehte den Kopf. In Hannas Richtung.

Sie zwang sich, weiterhin ruhig zu atmen und möglichst wenig zu denken. Diese verdammten Mutierten konnten es nämlich spüren, wenn da noch jemand war, der lieber nicht gesehen werden wollte. Man hatte nur eine Chance, indem man sich unter Kontrolle hielt, flach atmete, nicht schwitzte, nicht in Panik geriet.

Hanna gelang es auch diesmal wieder, weil sie im Kopf immer dasselbe eintönige Mantra aufsagte: die Kinder die Kinder die Kinder.

Sie gingen weiter.

Aber noch durfte Hanna nicht aufatmen, denn schon aktivierte sich erneut die große Holowand an einem halb intakten Turm ihr gegenüber.

„Mein Leben lang …“

Hanna hielt sich die Ohren zu und schloss die Augen. Sie konnte es nicht mehr sehen und hören, doch vor ihrem inneren Auge spielte es sich bereits ab, was sie nicht mehr vergessen konnte.

Diese Botschaft wurde viermal am Tag wiederholt. Manchmal noch öfter. Dazu wurden Bilder eines erblühenden Mars gezeigt, Grün, wohin man schaute, große Blütenpracht und glückliche, wunderschöne Menschen.

Zwischendurch wurde das Gesicht Windtänzers eingeblendet, wie er voller Güte sprach und lächelte und seinen Segen spendete mit erhobenen Händen, die sich schützend wölbten über dem Volk, das als anonyme kleine Menge darunter abgebildet war. Ein Mann in der Blüte seiner Jahre, kraftvoll und energiegeladen, mit erleuchteter weiser Miene; ein Mann, dem man umgehend Vertrauen schenkte. Und voller Bescheidenheit war er noch dazu, denn er lehnte jeglichen Titel ab, obwohl er doch an der Spitze des Volkes stand. Doch er erklärte, nicht zu herrschen, sondern zu dienen, wie es ihm vom Roten Vater aufgetragen worden war.

„Ich bin Windtänzer“, pflegte er zu sagen, „niemand sonst.“

Als Hanna Tsubashi die Botschaft das erste Mal gehört hatte, hatte sie sich übergeben. Drei Tage vorher erst hatte sie die furchtbar zugerichtete Leiche ihres Mannes notdürftig unter einem Berg Schutt verscharrt. Er war im Namen „des Gerechten“, wie manche seiner Anhänger ihren Herrscher nannten, von Waldleuten umgebracht worden. Sein schweres Verbrechen? Er hatte für die Familie etwas zu essen holen wollen, aus einem verlassenen Shop. Aber Plündern und Stehlen war ein Privileg der Waldleute. Von ihnen erhielten die unterworfenen Städter dann den ihnen zugedachten Anteil, der sich zumeist sehr willkürlich errechnete.

Hanna hatte nach dem Tod ihres Mannes die gemeinsamen Kinder Moby und Loreen genommen und die derzeitige Zuflucht verlassen, auf der Suche nach einem neuen Versteck. Seither waren sie ununterbrochen auf der Flucht, auf der Jagd nach Essbarem und einem sicheren Quartier für eine Nacht oder nach Möglichkeit für mehrere Nächte.

Vor den Dunklen Tagen hatte die Familie glücklich in der Nähe des Gonzales-Towers gelebt. Dann war innerhalb weniger Tage die ganze Welt zusammengebrochen. Zuerst das furchtbare Bombenattentat, das bis auf Präsident Leto alle Regierungsangehörigen das Leben gekostet hatte. Und dann war auch noch dieses … außerirdische Ding, das nahezu alle hatte verrückt werden lassen, wie ein Komet am Mars vorbeigezogen.

Hannas Nachbarn waren gleich zu Beginn geflohen, als öffentlich bekannt wurde, dass die mentale Ausstrahlung einer außerirdischen Entität die Leute in den Wahnsinn trieb. Zu diesem Zeitpunkt hatte es bereits einige hundert Tote gegeben. Man konnte nie wissen, ob nicht jemand, an dem man auf der Straße vorüberging, plötzlich durchdrehte und Passanten umbrachte.

Hanna hatte seither nichts mehr von den Nachbarn gehört, denn das MarsNet funktionierte nicht mehr. Sie ging jedoch nicht davon aus, dass die Nachbarn es irgendwohin in Sicherheit geschafft hatten – wohin hätten sie schon fliehen können? In allen Städten herrschte dieselbe Situation. Für das Überleben in freier Natur waren die Städter kaum geschaffen und vor allem dort, wo es Nahrung und Schutz gab, den Baumleuten ausgeliefert.

Aus diesem Grund waren Hanna und ihre Familie auch geblieben, als es nur noch Ruinen gab. Elysium war ihre Heimat, sie würden nirgends sonst hingehen.

Allerdings wollten sie sich auch nicht unterjochen lassen. Zusammen mit anderen hatten sie schon während der Schreckenstage unter dem Einfluss des außerirdischen Bösen die Flucht in einen unterirdischen Bunker organisiert und die folgende Zeit darin verbracht, bis der dämonische Schatten vorübergezogen war. Sie konnten es spüren, als der schreckliche Druck im Kopf nachließ; gerade rechtzeitig, bevor alle Tabletten aufgebraucht waren.

Die Rückkehr ans Licht war dann jedoch ein Schock gewesen.

Überall Ruinen; die gesamte Wirtschaft war komplett zum Erliegen gekommen und der Anführer des Waldvolkes, Windtänzer, hatte sich im Regierungstower niedergelassen. Ausgerechnet jener Waldmann, der stets zwischen den beiden Völkern zu vermitteln versucht hatte.

Die meisten Städter waren durch seine Leute zusammengetrieben und verschleppt worden, und sie durchstreiften auch heute noch mehrmals täglich die halb zerstörte Stadt, um die letzten Überlebenden zu finden.

Einige Städter hatten nach dem Verlassen dafür gestimmt, weiterhin im Bunker zu bleiben und sich von dort aus zu versorgen. Die anderen, wie Hanna und ihre Familie, waren ihrer Wege gegangen. Sie hatten erkannt, dass die Welt, in der sie einst behütet gelebt hatten, nicht mehr existierte, und dass ein größenwahnsinniger Diktator die Macht übernommen hatte. Der Bunker bot keinen langfristigen Ausweg daraus, denn eines Tages würde er entdeckt werden. In Bewegung zu bleiben war die einzige Alternative.

Einige äußerten beim Abschied die Ansicht, dass diese Entwicklung ja absehbar gewesen sei. Vor allem bei Windtänzer hätten sie schon immer gewusst, was sein wahrer Charakter gewesen wäre und wie er die viel zu vertrauensselige Präsidentin um den Finger gewickelt habe. Alles nur Lug und Trug, um sich ins Vertrauen zu schleichen und sich genauestens über die Gegebenheiten in den Städten zu informieren.

Auf so einen Unsinn konnte Hanna verzichten. Es mochte ja vielleicht tatsächlich ein auf lange Zeit ausgelegter Plan gewesen sein, aber die „normalen“ Städter hatten davon garantiert nichts geahnt. Hanna wollte mit solchen Klugschwätzern und hasserfüllten Leuten nichts zu tun haben, weil es alles nur noch schlimmer machte. Sie verließ sich auf niemanden mehr, sondern schlug sich allein durch.

Und so wie sie handelten tausend oder mehr Bürger, denen es gelungen war, den Häschern des Diktators zu entkommen.

Bisher.

Aus ihrer Deckung heraus beobachtete Hanna weiterhin misstrauisch die Umgegend. Es konnte sein, dass die Häscher ihr eine Falle stellten, weil der eine Kerl, der den Kopf in ihre Richtung gewandt hatte, sie eben doch bemerkt hatte. Und nun warteten sie darauf, dass Hanna aus ihrer Deckung herauskam …

Aber sie hatte nicht umsonst bis jetzt durchgehalten. Sie kannte inzwischen die meisten Tricks und Wege. Deshalb taxierte sie kurz vor einem Umzug immer die Umgebung, ob sie von dort aus nicht zu weite Wege zu einer Nahrungsquelle hatte, und kundschaftete die Routen aus, bevor sie ein neues Quartier bezog.

Zum letzten Umzug hatte sie ein Lagerhaus ausgemacht, in dem hoffentlich auch Lebensmittel zu finden waren. Ob dem so war, würde sie erst heute feststellen können.

Das Problem war: Selbst wenn sie darin ganze Etagen voll mit Nahrung fände – sie konnte immer nur mitnehmen, was sie tragen konnte. Es war nicht möglich, einen Einkaufswagen oder ein primitives selbstgebautes Gefährt zu benutzen, weil sie dadurch zu langsam und unflexibel wurde und unweigerlich auffiel.

Deshalb musste Hanna spätestens alle drei Tage wieder auf „Beutezug“ gehen, wie ihre Kinder es nannten. Längst quengelten sie, mitgehen zu dürfen, doch das war viel zu gefährlich. Hanna konnte nicht zugleich auf sich, die Beute und die Kinder achten und sie alle vor Gefahren schützen. Das Zeitfenster war immer nur sehr knapp, sie musste deshalb sehr schnell sein.

Ungefähr zwei Blocks weiter erhob sich ein intakter Spindelturm über Trümmerhaufen hinweg. In solchen Türmen waren die zusammengetriebenen Bürger eingepfercht. Drei, oftmals vier Familien mussten sich eine Wohnung teilen, während die Waldleute die restlichen freistehenden Appartements mit Beschlag belegten. Sie wohnten dort, feierten Orgien oder Zeremonien, bauten auf den Grünterrassen bestimmte „Stoffe“ an und Erzeugnisse, die sie mit sonst niemandem teilten.

Von wegen „Ich bin euer Vater“, dachte Hanna grimmig. Rechtlose Sklaven waren sie, nichts weiter! Überall in den bestehenden und neu entstehenden Grünanlagen wurden Gemüse, Getreide, Obst und Kräuter in großem Maßstab angebaut.

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