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Maddrax - Folge 356

Inhalt

  1. Cover
  2. Impressum
  3. Was bisher geschah
  4. Fehlfunktion
  5. Leserseite
  6. Exzellente Artikel aus dem Maddraxikon
  7. Cartoon
  8. Vorschau

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Am 8. Februar 2012 trifft der Komet „Christopher-Floyd“ die Erde. Die Erdachse verschiebt sich und ein Leichentuch aus Staub legt sich für Jahrhunderte um den Planeten. Nach der Eiszeit bevölkern Mutationen die Länder und die Menschheit ist – bis auf die Bunkerbewohner – auf rätselhafte Weise degeneriert. In dieses Szenario verschlägt es den Piloten Matthew Drax, dessen Staffel beim Einschlag durch ein Zeitphänomen ins Jahr 2516 gerät. Nach dem Absturz wird er von Barbaren gerettet, die ihn „Maddrax“ nennen. Zusammen mit der telepathisch begabten Kriegerin Aruula findet er heraus, dass Außerirdische mit dem Kometen – dem Wandler – zur Erde gelangt sind und schuld an der veränderten Flora und Fauna sind.

Nach langen Kämpfen mit den gestaltwandlerischen Daa’muren und Matts Abstecher zum Mars, auf dem die Nachfahren der ersten Marsmission eine eigene Zivilisation errichtet haben, entpuppt sich der Wandler als lebendes Wesen, das jetzt erwacht, sein Dienervolk in die Schranken weist und weiterzieht. Es flieht vor einem kosmischen Jäger, dem Streiter, der bereits die Spur zur Erde aufgenommen hat! Bei seiner Ankunft versuchen Matt und seine Gefährten, ein Stück eines lebenden Steinflözes in den Streiter zu versetzen, das ihn versteinern soll. Dies gelingt nach einigen Komplikationen, zu denen auch eine Reise durch verschiedene Parallelwelten zählt. Der lebende Stein wurde von sogenannten Archivaren entwickelt, die in einer Welt zwischen den Paralleluniversen leben und in einem „zeitlosen Raum“ technische Artefakte aller Epochen sammeln.

Von dort kommt die nächste große Bedrohung: Samugaar, der in Matts Welt und Zeit strandet und die Erde erobern will. Durch ein Schlangengiftserum macht er Aruula hörig. Matt, der sich von ihr getrennt hatte, nachdem sie bei einem Unfall den Tod seiner Tochter verschuldete, trifft sie beim Endkampf gegen Samugaar wieder. Die Archivare entgiften Aruula, bevor die und Matt in ihre Welt zurückgeschleudert werden. Mit ihnen gelangt eine BagBox herüber, in die Samugaar etliche Artefakte gepackt hat, mit denen er die Weltherrschaft an sich reißen wollte. Beim Übergang implodiert der Koffer und verteilt seinen Inhalt über die ganze Erde.

Sie spüren dank eines Scanners aus dem zeitlosen Raum in New Orleans das erste Artefakt auf, das Kontakt zu Toten herstellen kann. „Wudans Auge“, eine verstorbene Göttersprecherin, übermittelt Aruula drei Aufgaben, durch die sie die Schuld tilgen kann, die sie als Samugaars Werkzeug auf sich geladen hat. Bei den Niagarafällen finden sie dank der ersten Weissagung einen globalen Nanobot-Ausschalter, und in Maine können sie ein Artefakt an sich bringen und zerstören, das jeden Stromfluss unterbricht.

In der Zwischenzeit hat sich ein alter Feind zu neuer Macht aufgeschwungen: General Crow, der in einem Androidenkörper japanische Truppen nach Washington führt und die Stadt erobert. Doch Matt und Aruula gelingt es mit Hilfe ihrer Freunde wenigstens, ihren Freund Mr. Black aus Crows Gewalt zu befreien. Dabei erfüllt Aruula die zweite Aufgabe. Die dritte erwartet sie in Irland, wo sie und Matt einen Kriegsherren ausschalten, der mit einem Artefakt die Wildheit und Instinkte mutierter Hyänen auf seine Armee überträgt.

Fehlfunktion

von Sascha Vennemann

Der Alarm drang wie aus weiter Ferne an Matthew Drax’ Ohr. Er war das Erste, was der Mann aus der Vergangenheit wahrnahm, als er aus einem fast komatösen Schlaf erwachte. Dann flackerten Lichtreflexe vor seinen geschlossenen Lidern, rötliche Blitze im Takt des immer lauter werdenden Warntons.

Matt öffnete die Augen und atmete keuchend ein und aus. Er spürte, dass er nackt war und erbärmlich fror. Sein Atem kondensierte wenige Zentimeter vor seinem Gesicht an einer unsichtbaren Barriere.

Es knackte in seinem Nacken; er drehte den Kopf und sein Herz begann wie wild zu schlagen, als er erkannte, wo er sich befand: Er lag in einem gläsernen Sarg!

Matt versuchte zu sprechen, aber es kamen nur gequälte, krächzende Laute aus seinem Mund.

Immerhin klärte sich seine Sicht langsam. Etwas begann unter dem Gebilde, in dem er lag, zu brummen, und dann spürte er, wie warme Zugluft über seine entblößten Füße perlte.

„Achtung! Fehlfunktion in der Steuerung der Kälteschlafkammer“, sagte eine unaufgeregte weibliche Stimme irgendwo neben Matthews Kopf. Eine computergenerierte Nachricht. „Öffnungsmechanismus defekt. Atemluftanteil: achtzig Prozent. Bei derzeitiger Atemfrequenz werden toxische Werte erreicht in sieben Minuten, dreiundzwanzig Sekunden.“

Die Kälteschlafkammern! Jetzt fiel es Matt wieder ein. Wegen der Länge der Reise hatten Aruula und er sich schlafen …

Aruula! War sie in Ordnung? Matthew hob den Kopf so weit es ging und blickte nach rechts, wo er die Einheit wusste, in der seine Begleiterin lag. Durch das herabperlende Kondenswasser sah er Aruula friedlich schlafend in ihrer Kühlkammer.

„Atemluftanteil: achtundsiebzig Prozent. Bei derzeitiger Atemfrequenz werden toxische Werte erreicht in sieben Minuten, zehn Sekunden.“

Er musste aus diesem gläsernen Sarg raus, bevor ihm die Luft ausging! Matthew beobachtete die Schriftzeichen auf dem kleinen Display, das links von ihm an der Innenverkleidung der Kälteschlafkammer angebracht war. Eine Liste von Fehlfunktionen wurde dort eingeblendet. Er drehte sich auf die Seite und versuchte seine Hand so zu platzieren, dass er die Eingabemaske erreichen konnte.

Es gelang ihm nur mühsam. Seine Muskeln fühlten sich an, als wären sie aus Kaugummi geformt.

Weil ich sie so lange nicht benutzt habe! Konnte er so überhaupt aufstehen? Egal, er hatte jetzt andere Sorgen.

„Automatisches Öffnen der Kälteschlafkammer nicht möglich“, verkündete die Computerstimme. „Bitte bleiben Sie ruhig. Ein medizinischer Mitarbeiter ist bereits auf dem Weg.“

„Nein, ist er nicht!“, knurrte Matthew. „Auf diesem Schiff ist keiner außer uns, du dämlicher Computer …“

Seine Finger legten sich schwerfällig auf die Tastfelder, als er versuchte, die Kammer von innen zu öffnen.

„Fehlfunktion. Manuelles Öffnen der Kälteschlafkammer nicht möglich“, sagte der Computer. „Bei derzeitiger Atemfrequenz werden toxische Werte erreicht in …“

„Ich hab’s begriffen!“, brüllte Matt und hämmerte mit der Faust auf das Bedienfeld.

„Eingabe ungültig“, quittierte die Stimme die Aktion. „Bitte versuchen Sie es erneut.“

Matthew hatte die Schnauze gestrichen voll. Er wollte hier raus, egal wie! Und viel Zeit blieb ihm dafür nicht mehr.

Er hob die Arme und legte die Handflächen gegen den zum großen Teil aus Glas bestehenden Deckel der Kammer. Dann drückte er dagegen, so fest er konnte. Vielleicht schaffte er es ja, den Verschluss mit reiner Körperkraft zu lösen.

Außer einem ziehenden Schmerz in seinen Schultern brachte ihm die Aktion nichts ein. Das Schrillen des Alarms, die ruhige Stimme des Computers und das rote Flackern der Warnleuchten machten ihn zunehmend verrückt.

„Ich will hier raus!“, knurrte Matt, dann brüllte er es: „Ich will hier raus!“ Panik überrollte ihn. Er ballte die Hände zu Fäusten und knallte sie gegen das Glas. Er spürte, wie die Haut über seinen Knöcheln aufplatzte, aber er machte weiter. Abwechselnd schlug er mit dem Ballen und den Knöcheln gegen die Scheibe, versuchte die weiteren Warnhinweise zur Atemluftqualität und der verbleibenden Zeit so gut es ging zu ignorieren. Blut verschmierte das Glas.

Schließlich ein kleiner Lichtblick: Der Deckel bekam erste Risse! Bei jedem Schlag verästelten sie sich weiter, machten aus seinem Blickfeld ein verzerrtes, kaleidoskopisches Spinnennetz.

Aber Matthew Drax erlaubte sich nicht, innezuhalten. Noch war er nicht gerettet. Und das Adrenalin, das ihn durchströmte, würde ihm dabei helfen, die nötigen Kräfte zu aktivieren.

Und dann finde ich heraus, was hier eigentlich los ist!

Einige Monate zuvor

Es überraschte Matt immer wieder, wie friedlich das kleine Dörfchen Corkaich wirkte, wenn man von den bewegenden Ereignissen absah, deren Schauplatz es immer wieder geworden war.

Die hüttenartigen Häuser waren aus dunklem Bruchstein gebaut und die Wege bestanden aus wenig mehr als festgetretener Erde. Der Blick wurde vom Weg, der in die Siedlung führte, auf das nahe Meer gelenkt, das sich unweit hinter den letzten Häusern und einem steilen Abhang erstreckte. Corkaich sah aus wie ein idyllisches Postkartenmotiv.

Matthew kniff ein Auge zusammen und linste mit dem anderen durch ein kleines Viereck, dass er mit den Daumen und Zeigefingern seiner Hände formte. Fast hätte er den akustischen Auslöser einer analogen Kamera imitiert. An das Geräusch konnte er sich noch gut erinnern. Obwohl sich, als er im Jahre 2012 an Bord seines Jets in die Zukunft geschleudert worden war, längst digitale Fotoapparate durchgesetzt hatten, die bestenfalls ein Soundfile abspielten.

Heutzutage galten Fotos vielerorts als Werk Orguudoos, die die Seele einer Person festhielten. Matthew seufzte leise und lies die Arme sinken. Diese postapokalyptische Zukunft glich mehr einer vorsintflutlichen Steinzeit. Wobei dieser Gedanke nicht ganz fair war: Seine zahlreichen Begleiter und er waren im Verlauf der letzten dreizehn Jahre so oft auf verschieden weit entwickelte Zivilisationen gestoßen, dass diese Welt einem evolutionären Flickenteppich glich. Als hätte man aus unterschiedlichsten Epochen ein Stück herausgetrennt und wild durcheinander gemischt in der Gegenwart verteilt.

Das kann nicht allein an der CF-Strahlung und der Synapsenblockade der Daa’muren gelegen haben, überlegte er.

Unterschiedliche Umgebungen boten unterschiedliche Voraussetzungen. In den Ruinen ehemaliger Städte fanden sich oft ganz verschiedene Hinterlassenschaften, sammelten sich Know-how und kluge Köpfe. In Afra benutzte man geothermische Energiequellen und Luftschiffe, während man im Mittelmeerraum immer noch vornehmlich auf Rieseninsekten zu reisen pflegte.

Es bedurfte nur eines klugen Gedankens eines einzelnen Menschen, und schon konnte das einen Evolutionssprung für eine ganze Region bedeuten. Wenn man es recht bedachte, ein schöner Gedanke. Ein bisschen wie in der Pionierzeit der Erfindungen Ende des neunzehnten und Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts.

Matthew Drax musste lachen, als ihm bewusst wurde, dass hinter ihm eines der fortschrittlichsten Dinge stand, die es auf dieser Welt gab: das Shuttle, mit dem Aruula und er unterwegs waren, um die Artefakte, die aus dem zeitlosen Raum geschleudert worden waren, wieder einzusammeln.

Dabei handelte es sich um Geräte, die aus irdischen Parallelwelten stammten und zum großen Teil aus der Zukunft.

Wie gefährlich diese Artefakte sein konnten, das hatten sie gerade erst wieder erlebt.

Die hintere Schleuse des Shuttles öffnete sich und Aruula trat heraus. Das Licht der noch tiefstehenden Morgensonne gab ihrer Haut einen bronzenen Farbton. Die traditionellen Linienzeichnungen auf ihrer Haut sahen kräftig und feucht schimmernd aus. Offenbar hatte sie sie gerade erst aufgefrischt. Woher sie die Zutaten für die hennaartige Paste nahm, die dazu nötig war, wusste Matthew nicht. Aber schon während der Zeit, als sie noch seine Gefährtin gewesen war, hatte sie die Mischung, die offenbar aus Pflanzenextrakten und Asche bestand, überall auf der Welt zusammenstellen können. Einmal aufgetragen, blieben die Linien viele Monate lang sichtbar und verblassten nur langsam.

Die Kriegerin von den Dreizehn Inseln warf Matt einen recht entspannten Blick zu. „Guten Morgen!“

„Guten Morgen!“, antwortete Matt. „Ich war schon früh auf und wollte mir den Sonnenaufgang ansehen. Ich hoffe, ich habe dich nicht geweckt, als ich rausging.“

„Doch, hast du.“ Aruula sah an sich hinab und ging in die Knie. Sie befeuchtete den Daumen mit Spucke und rieb korrigierend an einer nicht ganz sauber geratenen Stelle der Körperzeichnung herum. „Macht aber nichts, ich hatte sowieso noch was zu erledigen.“

„Hab’s schon gesehen“, meinte der Mann aus der Vergangenheit. „Wäre aber gar nicht nötig gewesen. Die Linien waren noch recht gut zu sehen.“

Aruula richtete sich wieder auf und sah ihn ernst an. „O doch, das war nötig! Wudan hat mir die Chance gegeben, meine Schuld abzutragen, indem er mir drei Aufgaben stellte. Da war es nach Erfüllung der letzten das Mindeste, die Heiligen Linien aufzufrischen und ihm so meinen Dank auszudrücken.“

Matthew merkte, dass ihre Stimme leicht zitterte. Sie machte eine kurze Pause und fuhr dann gefestigt fort: „Was immer ich tat, als ich nicht ich selbst war, wird nicht mehr auf mich zurückfallen. Wudan hat mir verziehen. Das bedeutet mir alles!“

Mit dem Glauben war das so eine Sache: Er konnte einem Angst machen, oder er konnte einem Kraft spenden. Beide Extreme hatte Aruula in schneller Folge in den letzten Monaten erlebt. Die Fixierung auf die drei Prophezeiungen hatte ihr dabei geholfen, mit den Taten fertig zu werden, die sie unter dem Einfluss von Samugaars Schlangengiftserum begangen hatte. Und das war gut. Sehr gut sogar.

Aruula trat aus dem Schatten des Shuttles heraus und stellte sich gegen den sanften Seewind. So würden die Linien schneller trocknen.

„Außerdem haben mir die Weissagungen gezeigt, dass Wudan nach wie vor ein Interesse an mir hat – an uns beiden! Ab sofort werde ich wieder mehr auf seine Zeichen achten. Ich habe mein Leben im Glauben an seine Weisheit und Güte begonnen, und ich werde es auch irgendwann so beenden.“ Sie schloss die Augen und atmete tief ein. „Manchmal stirbt man schneller, als man denkt. Besser, man ist vorbereitet.“

Wie kann sie etwas so Trauriges sagen und dabei so fröhlich wirken?, fragte sich Matthew. Er freute sich, dass es ihr offensichtlich besser ging, weil sie Frieden mit ihrem Gott und sich selbst geschlossen hatte. Andererseits hoffte er, jetzt nicht mit einer esoterisch verbrämten Ex-Gefährtin herumziehen zu müssen. Vielleicht konnte er ihren Elan etwas dämpfen, ohne sie vor den Kopf zu stoßen.

„Zu meiner Zeit“, sagte er, „gab es viele Leute, die an das Konzept des Karma glaubten. Das klingt für mich ganz ähnlich.“

Die Barbarin sah ihn interessiert an. „Kaarma?“

Matthew nickte. „Komm, lass uns nach Canduly Castle aufbrechen. Ich werde dir davon erzählen, während wir zu Rulfan fliegen.“

Nach ihrem Abenteuer in Corkaich lag es nur nahe, dass sie dem alten Freund, der keine Flugstunde entfernt in Schottland auf einer alten Burg residierte, einen Besuch abstatteten. Als Matt zuletzt mit Xij auf Canduly Castle gewesen war, hatte Rulfan ihm den Tod seiner ehemaligen Gefährtin eröffnet. Der Techno-Albino würde seinen Augen nicht trauen, wenn er sie jetzt lebend vor sich sah. Er glaubte noch, Aruula läge tot unter den Trümmern einer Kapelle – dabei war sie von dem Archivar Samugaar gerettet worden.1)

Sie hatten sich bereits am Vorabend mit einem kleinen Fest von Jenny, Pieroo und anderen Dorfbewohnern verabschiedet, und Matthew hatte versprochen, von Zeit zu Zeit vorbeizuschauen. Da Jenny keine emotionalen Abschiedsszenen mochte, waren sie übereingekommen, ohne weiteres Goodbye am frühen Morgen zu starten.

Während Matt die Triebwerke hochfuhr, erinnerte er sich schmunzelnd an die spleenigen Tüftler Sebastian „Basti“ Eisenmann und Sir Albert, die im Hort des Wissens arbeiteten, einem Nebengebäude der Burg, in dem Rulfan die fähigsten Wissenschaftler dieser Welt versammeln wollte. Wie weit sie wohl inzwischen mit dem Ein-Mann-Raumschiff waren, das sie konstruieren wollten, nachdem der Versuch, mit dem Flugrochen Boráan zur AKINA vorzustoßen, gescheitert war? Nun, er würde ihnen mitteilen müssen, dass die Arbeit vergebens war, nachdem er sich das Shuttle von Samugaar zurückgeholt hatte.

Aruula nahm neben ihm im Copilotensessel Platz, die Arme entspannt auf den Lehnen. Als Matt ihr den Gurt anlegte, berührte seine Hand die ihre. Er hielt kurz inne, wartete vergeblich, dass sie reagierte, und tat dann so, als wäre nichts passiert.

Hätte sich diese Szene vor ihrer Trennung abgespielt, hätte er jetzt ihre Hand genommen, sich zu ihr hinuntergebeugt und sie geküsst. Er spürte, dass dieses Bedürfnis ihn auch jetzt erfasste, aber mehr wie in einer schönen Erinnerung, nicht aus einem konkreten Wunsch heraus.

Wird es immer so bleiben? Dass dieser Schatten der Vergangenheit über uns schwebt? Ich hoffe nicht … Diese Befangenheit störte ihn gewaltig. Und vielleicht erging es Aruula ja genauso …

Nachdenklich schnallte Matt sich fest, gab den Kurs ein und hob mit dem Shuttle ab. Corkaich blieb hinter und unter ihnen zurück.

„Also, du wolltest mir etwas über Kaarma erzählen“, riss Aruula ihn aus seinen Gedanken.

„Karma beschreibt im Grunde so etwas wie …“, Matt suchte nach dem richtigen Wort, „… ausgleichende Gerechtigkeit. Alles, was man tut, hat Folgen. Entweder gute oder schlechte. Wenn man das Bedürfnis hat, besonders viel Gutes zu tun, dann hat das oft den Hintergrund, dass sich die Seele im vorangegangenen Leben mit negativem Karma aufgeladen hat. Man könnte ein böser Mensch gewesen sein oder eine Wandlung durchgemacht haben.“

„Hmm.“ Aruulas Blick ging in eine unbestimmte Ferne. Matt ahnte, dass sie an ihre eigenen unrühmlichen Taten dachte.

„Durch gute Taten kann man seine Fehltritte wieder ausgleichen. Das erklärte Ziel der Karma-Gläubigen ist aber, überhaupt keines mehr anzusammeln, weder gutes, noch schlechtes. Damit die Seele ausgeglichen ins nächste Leben gehen kann oder die Erlösung findet, indem sie sich auflöst.“

Matt flog kurz auf das Meer hinaus, um einem aufgescheuchten Seevogelschwarm auszuweichen, und dann weiter die Küste entlang. Er gab nur wenig Schub. Sie hatten keine Eile. Wahrscheinlich schliefen die Bewohner von Canduly Castle noch.

Etwa eine halbe Meile den Strand hinauf erkannte Matthew die Bucht, in der die entsteinerten Einwohner von Corkaich vor einiger Zeit unter dem Einfluss von Mutter eine Karavelle gebaut hatten, um zum Ursprung zu gelangen. Es überlief ihn kalt, als er daran dachte, was im Zuge dessen passiert war. Es war mit Sicherheit eines der düstersten Kapitel seines Lebens gewesen und er war froh, dass es vorüber war.

„Ein kluges Konzept, dieses Karma“, befand Aruula. Matt registrierte, dass sie die richtige Aussprache von ihm übernommen hatte. „Gutes tun, um Böses auszugleichen, und damit um göttliche Vergebung bitten.“ Sie lächelte. „Wenn ich also an Wudans Tafel gelangen will, sollte ich vermehrt auf Gelegenheiten achten, Gutes zu tun.“ Sie sah ihn an. „Und dir könnte etwas gutes Karma sicher auch nicht schaden.“

Er lachte leise. Aruula sorgte sich um sein Seelenheil? Ein warmes Gefühl machte sich in Matthew breit. Es war schön zu wissen, dass Aruula ihn nicht mehr hasste.

„Wir sind doch schon dabei, diese Welt ein bisschen besser zu machen“, befand er.

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