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Maddrax - Folge 352

Inhalt

  1. Cover
  2. Impressum
  3. Was bisher geschah
  4. Wulfanen
  5. Leserseite
  6. Zeittafel
  7. Cartoon
  8. Vorschau

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Am 8. Februar 2012 trifft der Komet „Christopher-Floyd“ die Erde. Die Erdachse verschiebt sich und ein Leichentuch aus Staub legt sich für Jahrhunderte um den Planeten. Nach der Eiszeit bevölkern Mutationen die Länder und die Menschheit ist – bis auf die Bunkerbewohner – auf rätselhafte Weise degeneriert. In dieses Szenario verschlägt es den Piloten Matthew Drax, dessen Staffel beim Einschlag durch ein Zeitphänomen ins Jahr 2516 gerät. Nach dem Absturz wird er von Barbaren gerettet, die ihn „Maddrax“ nennen. Zusammen mit der telepathisch begabten Kriegerin Aruula findet er heraus, dass Außerirdische mit dem Kometen – dem Wandler – zur Erde gelangt sind und schuld an der veränderten Flora und Fauna sind.

Nach langen Kämpfen mit den gestaltwandlerischen Daa’muren und Matts Abstecher zum Mars, auf dem die Nachfahren der ersten Marsmission eine eigene Zivilisation errichtet haben, entpuppt sich der Wandler als lebendes Wesen, das jetzt erwacht, sein Dienervolk in die Schranken weist und weiterzieht. Es flieht vor einem kosmischen Jäger, dem Streiter, der bereits die Spur zur Erde aufgenommen hat! Bei seiner Ankunft versuchen Matt und seine Gefährten, ein Stück eines lebenden Steinflözes in den Streiter zu versetzen, das ihn versteinern soll. Dies gelingt nach einigen Komplikationen, zu denen auch eine Reise durch verschiedene Parallelwelten zählt. Der lebende Stein wurde von sogenannten Archivaren entwickelt, die in einer Welt zwischen den Paralleluniversen leben und in einem „zeitlosen Raum“ technische Artefakte aller Epochen sammeln.

Von dort kommt die nächste große Bedrohung: ein Archivar namens Samugaar, der in Matts Welt und Zeit strandet und die Erde erobern will. Durch ein Schlangengiftserum macht er Aruula hörig. Matt, der sich schon zuvor von ihr getrennt hatte, nachdem sie durch einen Unfall den Tod seiner Tochter verschuldete, trifft sie beim Endkampf gegen Samugaar wieder. Die Archivare entgiften Aruula, bevor die und Matt durch ein Zeittor in ihre Welt zurückgeschleudert werden. Mit ihnen gelangt eine BagBox herüber, ein lichtschluckender Koffer, in den Samugaar bereits etliche Artefakte gepackt hat, mit denen er die Weltherrschaft an sich reißen wollte. Beim Übergang implodiert die BagBox und verteilt ihren Inhalt über die ganze Erde.

Sie spüren dank eines Scanners aus dem zeitlosen Raum in New Orleans das erste Artefakt auf, das Kontakt zu Toten herstellen kann. Um die Machtverhältnisse dort zu stabilisieren, überlassen sie es dem Voodoopriester. Zuvor erhält Aruula Kontakt zu einer verstorbenen Göttersprecherin, die ihr drei Aufgaben übermittelt, durch die sie die Gnade ihres Gottes Wudan erlangen und die Schuld tilgen kann, die sie als Samugaars Werkzeug auf sich geladen hat. Von der AKINA aus, einem verlassenen Raumschiff der Marsianer im Orbit, orten sie die nächsten Artefakte. Bei den Niagarafällen finden sie dank der ersten Weissagung einen globalen Nanobot-Ausschalter, der Aruula von der Last befreit, alle Menschen auf Puerto Rico mit den Mikro-Robotern infiziert zu haben.

Wulfanen

von Ansgar Back

Maine, 14. Juli 2528

Matthew Drax’ Blick glitt über die Anzeigen. „Was zum …“ Neben ihm richtete sich Aruula im Copilotensitz auf. „Das Shuttle verliert an Höhe!“ Matt fand keine Erklärung dafür. Eben noch hatte alles einwandfrei funktioniert. Doch jetzt, da sie sich dem Ziel näherten, fielen einige der Bordinstrumente aus, Bildschirme schalteten sich ab, die Ortungsanzeigen spielten verrückt. Stürmischer Nachtwind rüttelte die Raumfähre durch.

Aruula warf ihm einen alarmierten Blick zu. „Kannst du den Fehler beheben?“

„Ich muss. Oder wir fallen wie ein Stein vom Himmel!“ Ein bleierner Geschmack füllte Matthews Mund aus.

Und dann versagte auch noch die Lenkung! Das Shuttle ließ sich nicht mehr steuern.

Die wenigen Scheinwerfer, die noch funktionierten, tasteten über die Baumwipfel, die unter ihnen dahinrasten. Schneeflocken klatschten gegen das Cockpitfenster. Matt unterdrückte ein aufkeimendes Panikgefühl.

Gerade hatten sie ein eisiges Abenteuer bei den Niagarafällen hinter sich gebracht. Mit dem dort gefundenen Artefakt war es ihnen wahrscheinlich möglich gewesen, der Nanobot-Seuche, die Aruula über Puerto Rico gebracht hatte, Herr zu werden. Allerdings konnten sie dessen noch nicht sicher sein. Sie hatten vor, die karibische Insel anzufliegen, um sich persönlich davon zu überzeugen. Vorher aber wollten sie einen Zwischenstopp in Maine einlegen, wo der Scanner aus dem zeitlosen Raum das nächstgelegene Artefakt geortet hatte.

Und nun, da sie sich ihm auf wenige Kilometer genähert hatten, fing die Bordelektronik an zu spinnen. Und das, obwohl das Shuttle so gut wie neu war, vor wenigen Tagen erst aus dem Hangar der AKINA geholt.

Matt sah in die Tiefe. Sie überflogen den ehemaligen nordamerikanischen Bundesstaat in Küstennähe. In einiger Entfernung war rechts der Nordatlantik zu erkennen, unter ihnen dichter Wald. Vor dem Bug zeichneten sich schneebedeckte Berge ab.

Obwohl es Hochsommer war, hielt wegen der verschobenen Erdachse die Kälte den Norden Meerakas, wie die USA nun genannt wurden, im Griff; ein Gletscher hatte sich sogar bis nach New York vorangeschoben.

Matt schaltete die Düsen auf Umkehrschub und schaffte es, den Flug zu verlangsamen. Gott sei Dank, noch funktionieren die Triebwerke, dachte er. Vielleicht kann ich so auch manövrieren.

Wie sieht es aus?“, wollte Aruula wissen. Sie klammerte sich an die Lehnen ihres Sitzes.

„Ich versuche eine Schleife zu fliegen und dabei abzubremsen“, gab Matt zurück.

Aus der Konsole drang ein lautes Knacken. Der Umkehrschub fiel aus! „Das darf nicht wahr sein!“, keuchte Matt.

„Was war das?“ Aruula hatte den Wegfall des Triebwerkgeräuschs natürlich bemerkt. Ihr Gesicht wirkte im Schein der Cockpitbeleuchtung wächsern.

Matts Finger flogen über die Konsolen. „Die Haupttriebwerke sind ausgefallen.“ Er hämmerte auf die Sensoren für die Steuerdüsen. Ein Fauchen erklang. „Ich habe nur noch die Manövriertriebwerke zur Verfügung“, fuhr er hektisch fort. „Das muss reichen, um den Vogel halbwegs heil runterzubringen. Aber dafür brauche ich eine Landebahn.“

Er zoomte das Bild der Bugkamera heran, suchte durch die wirbelnde Wand aus Schneeflocken nach einer Lichtung.

Eine Böe erfasste die Flugmaschine. Erst nach mehreren Korrekturschüben konnte Matt das Shuttle stabilisieren.

„Maddrax – da!“ Aruula zeigte rechts voraus.

Matthew nickte. Die Lichtung, die vor ihnen auftauchte, war verdammt klein, aber sie hatten keine andere Wahl. Er kontrollierte Gleit- und Anstellwinkel und fuhr die Landestützen aus. Dann betätigte er die senkrecht ausgerichtete Landedüse – ohne Erfolg. Er musste es im Gleitflug schaffen.

Das Shuttle näherte sich dem Boden. Die Manövriertriebwerke liefen auf Volllast; lange würden sie das nicht durchhalten. Der Bug zerteilte tiefhängende Wolken wie Wattefetzen. Die Flocken schwanden, unter monotonem Prasseln setzte Eisregen ein. „Auch das noch“, ächzte Matt. Als gieße man kübelweise Erbsen über dem Shuttle aus, trommelten dicke Tropfen auf die Außenhülle.

Matt kontrollierte Höhenmesser und künstlichen Horizont. Die Bildschirme flackerten erneut, einer funktionierte noch halbwegs. „Na dann … Halt dich gut fest!“ Er bedachte Aruula mit einem entschlossenen Blick und visierte die Lichtung an.

Das Shuttle schoss nach unten, Matts Körper verspannte sich. Die Lichtung lag direkt vor ihnen. Die Bäume zu beiden Seiten wurden zu gespenstischen, vorüberhuschenden Schemen.

Matt presste die Zähne zusammen, als das Leitwerk in blattlose Baumkronen jagte. Äste und Zweige wurden zerfetzt, als wären es Zündhölzer, ein Ast wirbelte vor der Scheibe durch die Luft. Aruula neben ihm stieß einen Schrei aus.

Dann bekam das Shuttle Bodenkontakt! Mit der rechten Tragfläche berührte die Raumfähre den Grund, kippte in die Horizontale zurück, pflügte über die Lichtung hinweg und rasierte dabei Büsche und Sträucher ab. Matt und Aruula wurden durchgeschüttelt, ein metallenes Kreischen drang an ihre Ohren. Eine Schneewolke stob durch die Luft, die Auslaufstrecke wurde kürzer und kürzer. Entsetzt sah Matt, wie das Shuttle auf die ersten Bäume zuraste.

Kurz vor dem Ende der Lichtung vollführte die Raumfähre eine halbe Drehung, schlitterte quer zu den Bäumen weiter und kam schließlich zum Stehen.

Ein letzter Ruck rüttelte die Maschine durch, die Steuerdüsen erstarben und das Shuttle stand still. In der Luft lag ein seltsames Pfeifen.

„Heilige Wakudascheiße!“ Aruula verzog ihr Gesicht. „Was war los? Warum hat die Teknikk versagt?“

„Wenn ich das wüsste“, antwortete Matt wahrheitsgemäß. Ein Schweißfaden lief über seine Wange. Er wusste: Hätte die durch den Blizzard entstandene Schneedecke nicht die Bodenunebenheiten ausgeglichen, wären die Landestützen mit Sicherheit zerbrochen und eine Havarie nicht zu vermeiden gewesen.

Er inspizierte die Bordinstrumente. Einer der Sensoren projizierte wirre Daten auf die Monitore. Hier und da blinkte ein Lämpchen.

Dann ertönte ein kurzes Sirren und die Technik erstarb vollends.

Küste von Maine, drei Monde zuvor

Ulzanos stand trotz des Sturmes an Deck, als wäre er mit dem Schiff verwachsen. Sein Hauptmann Tarnak scheuchte die restlichen Wulfanen nach Kräften. Es war noch eine Weile hin bis zur Morgendämmerung, die Sicht entsprechend schlecht.

Sie hatten die Tage seit ihrer Abfahrt nicht gezählt, aber es fühlte sich bereits wie eine Ewigkeit an. Die Wulfanen waren unter ihm, Ulzanos, mit einem Schoner in die Neue Welt aufgebrochen. Sie kamen aus Ittalya, eine Gruppe Wulfanenmänner und -frauen. Und ausgerechnet jetzt, unmittelbar vor der Küste von Maiin, das ein Schamane ihnen als Gelobtes Land prophezeit hatte, gerieten sie in den schlimmsten Sturm seit der Überfahrt.

Weit waren sie gekommen, hatten Wind und Wellen getrotzt. Sollte jetzt, kurz vor dem Ziel, alles umsonst gewesen sein?

„Der Sturm wird schlimmer!“, rief Tarnak. Eine Gischtwoge sprühte über die Bordwand und nässte sein ohnehin schon triefendes Fell. Die wenigen verbliebenen Lichtkreise der Tranlaternen beleuchteten den sturmgepeitschten Regen.

Meterhohe Wellen hoben und senkten das Schiff. Bis zu den Knöcheln standen die Wulfanen im Wasser. Tarnak konnte sich gerade noch auf den Beinen halten. Auch Ulzanos schwankte, er griff nach der Reling. „Hast du irgendwelche Felsen gesehen?“, brüllte er gegen den tosenden Wind an.

Der Hauptmann schüttelte den Kopf.

Ulzanos fluchte. Noch vor dem Ablegen des Schoners hatte ihnen ein alter Fischer von den sogenannten „Nor’easters“ berichtet: hurrikanähnliche Böen, die mit gewaltiger Kraft die Küsten entlang bis ins Landesinnere fegten.

Doch sie hatten noch ein weiteres Problem. Auf einer uralten Karte, einer Seite aus dem Heiligen Schiffsroutenatlas, die sie unter vielen Opfern erbeutet hatten, waren gefährliche Felsen eingezeichnet, die entlang dieser Küstenlinie auf die Schiffe warteten. In diesem Orkan und der Dunkelheit waren sie allerdings unmöglich auszumachen.

Der Wulfanenführer wandte sich um. Dramaar, der Steuermann, war nur noch schemenhaft zu erkennen. Donner krachte, Blitze zuckten gespinstartig durch den Dunst. Haushohe Wellen rasten heran, das Schiff wurde endgültig zum Spielball des Ozeans.

Sie hatten bewiesen, dass Meeraka mehr war als nur eine Seefahrerlegende – aber was nutzte ihnen das jetzt?

Ulzanos traf eine Entscheidung. „Holt die Fässer an Deck!“, herrschte er Tarnak an.

„Die Fässer?“

„Holt sie rauf! Macht schnell!“

Das Tosen schwoll an, der Schoner wurde gepackt und von den Wellen in die Höhe geschoben. Lichtbögen gleißten wie durchsichtige Knochenfinger durch die Nacht, der Donner verstärkte sich. Erste Planken barsten mit lautem Knallen.

Das Schiff drehte nach Backbord, wippte auf und ab. Als die Wulfanen die Fässer an das windgeschützte Schanzkleid stellten, rissen die Segel am Fockmast.

Ein lautes Knirschen ertönte, auf das ein dumpfes Poltern folgte, dann ein Schrei! Ulzanos sah eine Wulfanenfrau in einem Gewirr von zerbrochenen Balken und herabgestürzten Tauen liegen. Blut sprudelte über ihre Wulstlippen und wurde vom Meerwasser weggespült. Einer der Männer wollte sich um sie kümmern. Nach einem Griff unter ihre Achseln zog er sie hoch und hielt inne. Er blickte Ulzanos an und schüttelte den Kopf.

Ulzanos fauchte heiser. Er wandte sich der Mannschaft zu. „Leert die Fässer aus!“, schrie er. „Beeilt euch!“

Sie befolgten den Befehl. Kurz darauf wurde der Inhalt vom Wasser über Deck geschwemmt. Gepökelte Taratzenstücke glitten über die Planken, Trockenfisch schwamm umher.

„Nehmt Stricke“, befahl Ulzanos, „und bindet die Fässer eng zusammen, jeweils zwei oder drei aneinander! Vertäut sie gut!“

„Flöße?“ Tarnak schien zu begreifen. „Du denkst, die halten uns über Wasser? Bei einem solchen Sturm?“

„Orguudoo1) wird uns hoffentlich beistehen!“

Ulzanos musste an all die Widrigkeiten denken, die sie bisher durchgemacht hatten. Er war noch ein Junge gewesen, als in Bolluna ein Krieg stattfand. Überlebende seiner Rasse schafften die Flucht durch die Toscaana und landeten in der Provinz von Luucca. All die Jahre schlug ihnen dort Hass entgegen. Sie waren eine Minderheit gewesen, die sich verstecken musste. Bis ihr Schamane die Vision von Meeraka gehabt hatte, wo sie eine neue Heimat finden würden. Zwei Monde hatten sie allein gebraucht, um eine Karte dieses sagenhaften Landes in die Hände zu bekommen.

Tarnak kam zurück. „Alle Fässer sind an Deck, Ulzanos!“

„Habt ihr genug Stricke?“

„Ich hoffe es!“

„Geht ins Kabelgatt! Holt alles Tauwerk, das ihr dort findet!“

Tarnak eilte davon.

Der Mast neben Ulzanos knarrte bedrohlich. Der Wulfanenführer blickte an ihm hoch. Er hörte die letzten Segel flattern, konnte aber nichts mehr erkennen. Der Regen peitschte ihm unbarmherzig ins Gesicht.

Wenn der letzte Mast und das Ruder brachen, bevor sie mit den Fässern fertig waren … Ulzanos wagte nicht, daran zu denken.

Es war schwer gewesen, sich im Hafen von Livorno ein Schiff zu besorgen. Die Nackthäute, wie die Wulfanen die Menschen nannten, fürchteten sich vor ihnen. Für sie sahen Ulzanos und seine Leute wie aufrecht gehende, pelzige Tiere aus. Ihre Schädel waren nur entfernt menschlich, ihre schwarzen, von zahllosen Falten durchsetzten Schlundlippen wölbten sich wie Kraterränder aus dem Gesicht. Dort, wo bei einem Menschen die Nase saß, waren sie gespalten.

Aber die Nackthäute taten auch gut daran, sich zu fürchten. Syraz, Ulzanos’ Vater, hatte den Wulfanen von den Kriegen in den Ruinenstädten erzählt. Damals hatten sie die Menschen besiegt, die Toten teilweise verzehrt und das Land beherrscht.

Und warum sollte es in der Neuen Welt nicht genauso sein? Sobald sie es an Land geschafft hatten, würden sie ihr eigenes Reich errichten, das hatte Ulzanos sich geschworen. So wie es bei den Altvorderen gewesen war.

„Achtung!“ Der Schrei kam vom Vordeck.

Im selben Augenblick krachte der Schoner gegen einen Felsen! Unter scharfen Splittergeräuschen bohrte sich die Felsnase ins Holz. Plankenteile wurden in die Luft gehoben, Fontänen aus schäumendem Wasser sprudelten hervor. Der letzte Mast brach, er kippte, riss Segel und Takelage mit sich. Vom Bug her ertönten panische Rufe.

„Beeilt euch! Lasst die Flöße ins Wasser!“ Ulzanos packte mit an. Sie hievten die Fässer an den Tauen über die Reling, ließen sie in die See gleiten. Der Schoner senkte sich in die Tiefe, in der Schiffsmitte bildeten sich Strudel.

Als der letzte Wulfane von Bord gegangen war, hechtete Ulzanos mit einem Satz über die Reling. Er klatschte in die schäumende See. Mit kräftigen Stößen kam er hoch, kämpfte gegen die Fluten an. Eines der Flöße war dicht vor ihm. Ulzanos griff gerade nach dem Fass, als von vorn eine Welle kam.

Hart schlug das Holz gegen seine Stirn. Ein Ächzen entfuhr seinem Schlund. Das Gurgeln des sinkenden Schoners drang an seine Ohren, ihm wurde schwarz vor Augen.

Jegliche Kraft wich aus seinen Muskeln. Die Fässer und seine Leute sah er nur noch nebelhaft, sie entfernten sich mit jeder Sekunde.

Die Furcht, wie eine elende Taratze zu ertrinken, peitschte Ulzanos hoch. Er schnappte nach Luft, fing an zu kraulen. Als die nächste Welle kam, wurde er von der Strömung mitgerissen. Das Wasser war so kalt, dass er glaubte, jeden Moment zu vereisen.

Der Wulfanenführer hörte noch die Rufe seiner Untergebenen, dann drückte die Meeresgewalt ihn unter die Wasseroberfläche und spülte ihn hilflos durch die Strömung. Als er keine Luft mehr bekam, riss er instinktiv den Schlund auf, und als er glaubte, gleich seinem Totengott Luthator gegenüberzutreten, spuckten ihn die Wellen an den Strand.

Seewasser spülte über seinen Körper, ein fischiger Geruch drang in seine Nase. Ulzanos wollte sich erheben, aber er hatte keine Kraft mehr.

Benommen blieb er liegen.

Maine, 14. Juli 2528

Matt inspizierte die Instrumentenanzeigen. Nichts funktionierte, sogar der Artefakt-Scanner streikte. „Dafür muss es eine Erklärung geben.“ Er lehnte sich im Pilotensitz zurück und schüttelte den Kopf.

„Frag nicht mich.“ Aruula kam gerade von einem der hinteren Räume. „Du kennst meine Begeisterung für Teknikk.“

Matt musste schmunzeln. „Ja“, sagte er. „Die kenne ich.“

Irrte er, oder lag ein leises Lächeln auf ihren Lippen? Er konnte es nur vermuten. Jedenfalls schien sie ihm viel entspannter, seit sie mit dem gefundenen Artefakt weltweit alle Nanobots abgeschaltet hatte. Das Schicksal der Menschen auf Puerto Rico hatte sie schwer belastet.

Die Deckenlampen funktionierten nicht mehr, nur wenige Lämpchen leuchteten. Darunter die blinkende Zeitanzeige, digitale Leuchtstriche in die Dunkelheit malend.

„Hörst du das auch?“, fragte Aruula plötzlich.

„Du meinst diesen hellen Ton?“

„Ja. Klingt nicht, als käme er von einem der Kompjuuter an Bord.“

Matt nickte. Seit der Landung lag dieses helle Pfeifen in der Luft. Es klang tatsächlich nicht nach der Bordtechnik, eher so, als käme es von draußen.

Das ergab alles keinen Sinn, so sehr er auch grübelte. Er hätte die Bordtechnik des Shuttles im Zusammenspiel mit dem Unwetter für den Ausfall verantwortlich machen können, aber wie gesagt: Das Shuttle war fast unbenutzt, und beim Abflug aus Niagara hatte es einwandfrei funktioniert. Matt hatte alles durchgecheckt. Und dass der Scanner ebenfalls den Geist aufgegeben hatte, ließ eher auf eine Art EMP schließen. Nur dass bei einem Elektromagnetischen Puls die Folgen anders und drastischer gewesen wären.

Angestrengt starrte er durch die Cockpitscheiben. Rinnsale liefen daran herab, sonst war nichts zu erkennen.

Das Prasseln wurde leiser, entfernte sich. „Ich glaube, das Unwetter lässt nach“, murmelte er.

„Maddrax!“

Aruulas Ruf ließ ihn aufblicken. Mehrere Ortungsanzeigen blinkten, einer der Bildschirme flackerte auf. Zugleich nahm dieses seltsame Pfeifen ab. Nacheinander gingen die Deckenlampen wieder an, und auch der Artefakt-Scanner rührte sich.

„Na, wenigstens etwas“, brummte Matt. Er schaltete auf die niedrigste Reichweite um und kontrollierte die Displayanzeige. Der Blimp stand nur wenig unter dem Zentrum. „Bis zum Artefakt sind es etwa drei, vier Kilometer.“

„Sollen wir warten, bis es hell wird?“, fragte Aruula unternehmungslustig. „Oder brechen wir gleich auf?“

„Ich schätze, bis zur Morgendämmerung wird es nicht mehr lange dauern.“

„Und das heißt?“

„Lass uns aufbrechen.“

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