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Maddrax - Folge 349

Inhalt

  1. Cover
  2. Impressum
  3. Was bisher geschah
  4. In der Domäne
  5. Leserseite
  6. Zeittafel
  7. Vorschau

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Am 8. Februar 2012 trifft der Komet „Christopher-Floyd“ die Erde. Die Erdachse verschiebt sich und ein Leichentuch aus Staub legt sich für Jahrhunderte um den Planeten. Nach der Eiszeit bevölkern Mutationen die Länder und die Menschheit ist – bis auf die Bunkerbewohner – auf rätselhafte Weise degeneriert. In dieses Szenario verschlägt es den Piloten Matthew Drax, dessen Staffel beim Einschlag durch ein Zeitphänomen ins Jahr 2516 gerät. Nach dem Absturz wird er von Barbaren gerettet, die ihn „Maddrax“ nennen. Zusammen mit der telepathisch begabten Kriegerin Aruula findet er heraus, dass Außerirdische mit dem Kometen – dem Wandler – zur Erde gelangt sind und schuld an der veränderten Flora und Fauna sind. Nach langen Kämpfen mit den gestaltwandlerischen Daa’muren und Matts Abstecher zum Mars entpuppt sich der Wandler als lebendes Wesen, das jetzt erwacht, sein Dienervolk in die Schranken weist und weiterzieht. Es flieht vor einem kosmischen Jäger, dem Streiter, der bereits die Spur zur Erde aufgenommen hat!

Als der Streiter ankommt, wollen die Gefährten einen Teil eines Steinflözes, der alles Lebendige versteinert, mit dem Flächenräumer in ihn versetzen. Diese uralte Waffe der Hydriten am Südpol produziert alle 1000 Jahre durch eine Entladung der Energiespeicher eine Zeitblase. Das Team besteht aus Matt Drax, Xij Hamlet, die in sich die Geister unzähliger früherer Leben trägt, den Hydriten Gilam’esh und Quart’ol, dem Erfinder Meinhart Steintrieb und dem Android Miki Takeo. Dazu stößt noch der Daa’mure Grao. Er hatte auf den 13 Inseln die frisch gekrönte Königin Aruula festgesetzt und die Macht übernommen. Doch sie kommt frei und reist mit ihrem Freund Rulfan zum Südpol, um Matt zu warnen, obwohl die beiden entzweit sind, seit sie den Tod von Matts Tochter Ann verschuldete. Zunächst gelingt es nicht, den Streiter zu vernichten: Der Schuss erschafft nur eine neue Zeitblase. Durch sie gelangen Matt, Xij und Grao in Parallelwelten – und einen zeitlosen Raum dazwischen, in dem Archivare technische Errungenschaften aller Epochen sammeln. Sie geben den Dreien das Magtron mit, das den Flächenräumer binnen Minuten aufladen kann, und schicken sie zu dem Zeitpunkt zurück, als die Zeitblase entstand. Diesmal gelingt es, den Streiter zu versteinern – doch im Todeskampf schleudert er Mondtrümmer in Richtung Erde.

Aruula will mit Grao abrechnen, aber Matt schickt ihn in die Eiswüste. Als eine Atomrakete aus Kourou einen Mondbrocken abfängt, reisen Matt, Takeo und Xij hin, während Aruula in Rulfans Burg Canduly Castle bleibt. Dort schlägt ein Meteor ein und Aruula wird beim Einsturz des Kellers beinahe gelähmt.

Eine Spur führt nach Campeche in Mexiko, wo Matt und Xij von Robotern geschnappt werden. Sie dienen einem Archivar, der 2521 hier strandete und Schlangengift zum Überleben braucht, obwohl es ihn negativ verändert. Durch einen Hirnscan erfährt er vom Magtron und fliegt mit dem Shuttle nach Schottland, wo Rulfan den Supermagneten aufbewahrt. Dort rettet er Aruula vor zwei Mörderinnen, die von der neuen Königin der 13 Inseln gedungen wurden. Sie hilft Samugaar, wie sie ihn nennt, das Magtron zu erbeuten – doch ihm fehlt noch der Schlüssel, den Matt um den Hals trägt. Während alle denken, Aruula wäre tot, schließt sie sich Samugaar an.

In der Zwischenzeit befreit Miki Takeo seine Gefährten. Er geht nach Amarillo, um seinen Sohn Aiko mit einer Gedächtniskopie als Cyborg zum Leben zu erwecken. Doch in dem Speicherkristall hat sich der Geist von General Crow eingenistet, der Takeo täuscht. Er begräbt Miki unter einem Schuttberg, aus dem der sich später mühsam befreien kann, und geht nach Los Angeles, um dort eine Armee gegen Washington auf die Beine zu stellen.

Während Matt und Xij nach Schottland reisen, warten der Archivar und Aruula vergeblich in Waashton auf sie. Aruula, die mehr und mehr dem Schlangengift verfällt erzählt Samugaar von dem lebenden Flöz in Ostdeutschland. Dort hat sich eine Zeitschleife gebildet, die nur durch eine Sprengung aufgehalten werden kann. Der Archivar tut dies – dabei wird Aruula um eine Woche in die Zukunft versetzt.

In Schottland erfahren Matt und Xij von Aruulas angeblichem Tod. Beim Versuch, den Archivar anzulocken, begegnen sie Gal’hal’ira, einer außergewöhnlichen Daa’murin, die den Helden ihren Todesrochen im Austausch gegen deren Amphibienpanzer leiht. Damit haben sie bessere Chancen, den Archivar aufzuspüren. Doch ihr Plan, zur AKINA zu gelangen, dem verlassenen marsianischen Raumschiff im Erdorbit, schlägt erst einmal fehl.

Inzwischen infiziert sich Aruula in Steintriebs Labor mit Nanobots. Der Archivar bemerkt dies, schweigt aber, um selbst in deren Besitz zu gelangen. In Campeche entwickelt er eine Methode, ihr Wachstum zu hemmen. Er und Aruula erhoffen sich Hilfe in Agartha. Auf dem Weg dorthin kommt es zu einer Begegnung mit Matt und Xij auf dem Rochen, die aber in den Atlantik abtauchen und dem Shuttle später unbemerkt folgen.

In Agartha will Samugaar die agarthische Technik. Doch er macht die Rechnung ohne einen ehrgeizigen Warrior-Kämpfer, der ungewollt die Nanobots in Umlauf bringt, dabei aber auch Aruula von ihnen befreit. Als Matt und Xij eintreffen, gelingt es Samugaar, den Magtron-Schlüssel an sich zu bringen. Die Verbreitung der Nanobots kann eingedämmt werden und sie fliegen Samugaar hinterher. Doch sie werden von Hydriten abgefangen, die sie nach Hykton bringen, wo ihnen der Prozess gemacht werden soll.

Auf der Parallel-Erde sucht Quart’ol nach einem Weg in seine Welt und findet mit Hilfe einer Augure, einer Rechtssprecherin der Hydriten, die Zeitblase in Dapur. Dort hilft ihm Tom Ericson, erst in den zeitlosen Raum und dann in den Flächenräumer zu gelangen. Quart’ol kommt gerade recht, um mit Unterstützung der Augure dieser Welt für Matt und Xij eine Begnadigung zu erreichen.

Verspätet kommen sie in Campeche an und müssen feststellen, dass Samugaar das Tor aufgesprengt hat und in seine Welt zurückgekehrt ist! Sie folgen ihm – und stehen plötzlich der totgeglaubten Aruula gegenüber.

In der Domäne

von Manfred Weinland

Aruula?

Für einen unwirklichen Moment hätte Matthew Drax geschworen, einer perfiden Fata Morgana zum Opfer zu fallen, mit der ihn der zeitlose Raum zu narren versuchte. Denn unvermittelt sah er schemenhaft seine einstige Geliebte vor sich: Aruula, von der er geglaubt hatte, sie sei tot!

Gerade holte sie mit ihrem Langschwert aus, um dem Archivar, hinter dem sie aufgetaucht war, einen tödlichen Hieb zu versetzen. Wie im Reflex brach es aus Matt heraus: „Aruula – NEIN!

Ihrer beider Blicke trafen sich – und vielleicht war es nur das, was den Archivar vor der sicheren Enthauptung bewahrte …

Maddrax?, schienen im Gegenzug die dunklen Augen der Kriegerin zu fragen.

Sie verriss ihren Schlag. Haarscharf zischte die Klinge an der seltsam anmutenden, bernsteinfarbenen Gestalt vorbei, in der Matthew Drax einen Menschen der fernen Zukunft erkannte. Denn es war nicht das erste Mal, dass sich Xij und er in dieser Zwischenwelt aufhielten, die Tom Ericson als „zeitlosen Raum“ bezeichnet hatte – einen Ort, der über alle Zeitalter hinweg erreichbar war. Zumindest, wenn man das entsprechende Equipment, den passenden Schlüssel dazu besaß.

Matt und Xij war es auch ohne einen solchen gelungen, das Portal an der Spitze einer alten Maya-Pyramide bei Campeche in Mexiko zu durchschreiten. Weil der verbrecherische Archivar, dem sie nachjagten, es mit Gewalt aufgebrochen hatte.

Es handelte sich um eines jener entarteten Tore, die beinahe zum Untergang des Multiversums samt aller darin eingebetteten Parallelwelten geführt hatte. Nur durch Tom Ericsons beherztes Eingreifen hatte es damals gerade noch rechtzeitig versiegelt werden können.

Jedoch nicht dauerhaft, wie sich nun zeigte. Samugaar – auf seine Weise selbst entartet – hatte eine Phalanx aus Hightechwaffen um die Pyramidenspitze gruppiert und es damit geschafft, das Siegel zu brechen. Er hatte eine Neuauflage der nur mit viel Glück abgewendeten Katastrophe billigend in Kauf genommen, um … ja, warum? Um endlich in seine angestammte Zeit heimzukehren, die nach Matts Kenntnisstand mehr als 900.000 Jahre weit in der Zukunft lag?

„Sie lebt!“, riss ihn Xij aus seinen Gedanken. Die knabenhaft schlanke Frau, die neben Matt auftauchte, wirkte wie der Gegenentwurf des Vollweibs, das wenige Schritte von Matt entfernt ins Straucheln geriet, als Aruula den Schwung ihres Schlags ins Leere kompensieren musste.

Bis zu diesem Moment war für Matt alles wie in extremer Zeitlupe abgelaufen. Nun aber schien sich seine Wahrnehmung der Zeitlinie anzugleichen, in die ein einziger Schritt über die Torschwelle ihn versetzt hatte.

Schlagartig wurden auch die Gestalten vor Aruula klar erkennbar. Drei der fünf fast zur Unkenntlichkeit evolutionierten Exemplare des Homo sapiens hielten technische Geräte in Händen, mit denen sie nun gegen die Kriegerin vorrückten. Dabei konnte es sich nur um Waffen handeln.

War Samugaar unter ihnen? Nein; keine der Gestalten trug ein Exoskelett.

Matthew handelte rein instinktiv; noch war der Schock nicht verdaut, in den ihn Aruulas Auftauchen versetzt hatte.

Dass sie die fremdartigen Handwaffen ignorierte, war offensichtlich. Genau wie die Tatsache, dass sie ungeachtet ihrer Verblüffung zu einem zweiten Schlag ausholte.

Matt Drax warf sich nach vorn, zwischen den Archivaren hindurch, und riss Aruula mit sich zu Boden. Aus nächster Nähe konnte er ihr Gesicht sehen – oder vielmehr die hasserfüllte Grimasse, die eher an eine Killerfurie erinnerte. Was immer mit ihr los war, sie schien nicht bei klarem Verstand zu sein.

So viel Fanatismus blitzte Matt entgegen, dass er daran zweifelte, es wahrhaftig mit Aruula zu tun zu haben – vielmehr mit einem mörderischen Klon oder einem Terminator in Menschengestalt. Götzenhaft und mitleidlos bis in die Spitzen ihrer Haarmähne.

Sie stieß einen gellenden Kampfschrei aus, der in seinen Ohren dröhnte. Die Archivare als eigentliche Gegner schienen mit einem Mal vergessen. Noch im Fallen riss sie das Schwert hoch.

Aber sie brachte es nicht mehr herum.

Matts Hieb mit dem Knauf seiner Laserpistole traf sie hart gegen die linke Schläfe, deren Adern zorngeschwollen unter der Haut hervortraten.

Aruula erschlaffte. Das Schwert entglitt ihren Händen und landete scheppernd auf dem Boden – wohin ihm seine Trägerin und auch Matt in der nächsten Sekunde folgten.

Nach dem Aufprall rollte er sich herum, kam auf dem Rücken zu liegen und blickte zu den Archivaren empor. Aber nicht nur zu ihnen.

Hinter den hoch aufgeschossenen, dürren Gestalten huschte auch Xij katzenhaft heran. Sie hielt den Kampfstock umklammert und wirkte zu allem entschlossen.

Matt wusste, dass auf sie Verlass war. Aber er wusste auch, dass sie die Archivare hier auf deren eigenem Terrain nicht angreifen durfte.

„Stopp!“, keuchte Matt und schaffte es, sich mit nahezu artistischer Körperbeherrschung zurück in den Stand zu katapultieren. Er hob die Hände. „Die Waffe runter, Xij! Wir sind in friedlicher Absicht hier!“ Der letzte Satz war vor allem an die Archivare gerichtet, die mit ihren Geräten auf ihn zielten. Jetzt fuhren zwei von ihnen herum und richteten ihre Handwaffen auf Xij.

Die hatte ihren Schlag mitten in der Bewegung abgebremst. Für einen Moment schien sich Sturheit wie eine steinerne Maske über Xijs Züge zu stülpen. Dann schnaubte sie und ließ ihre Waffe sinken. „Ich hoffe, wir machen damit keinen Fehler“, gab sie zurück.

„Die Archivare sind friedlich“, sagte Matt und baute darauf, dass ihn die bernsteinfarbenen Wesen auch verstanden; hier in ferner Zukunft nutzten ihm die Translatoren nichts, die er und Xij in den Nacken implantiert trugen. „Sie werden uns fragen, was wir hier zu suchen haben – und uns eine faire Chance geben, es ihnen zu erklären.“

Er grinste schief in Richtung der insgesamt fünf Zukunftsausgaben des Homo sapiens, von denen sich zwei auffallend zurück und im Hintergrund hielten. Die verbliebenden drei reichten jedoch vollauf, um ihre Autorität auszuspielen. Ihre seltsamen Waffen waren nicht mehr direkt auf Xij und ihn gerichtet, dennoch konnte Matt die davon ausgehende Drohung förmlich riechen.

„Wenn du dich da mal nicht vertust“, brummte seine Gefährtin, als die Archivare weiter schwiegen.

Matt konnte nur hoffen, dass sich ihre Skepsis nicht bewahrheitete. Er wandte sich wieder an die „Hausherren“. „Wir leisten keinen Widerstand. Hier, seht: Wir legen unsere Waffen ab.“

Er machte den Anfang mit seiner Laserpistole. Xij folgte seinem Beispiel mit merklichem Unwillen und hakte auch den hydritischen Blitzstab von ihrem Gürtel los. „Fehler“, setzte sie erneut an. „Gro–“

Sein Blick brachte sie zum Verstummen.

Einer der drei bewaffneten Archivare trat vor, bückte sich, sammelte das bescheidene Arsenal ein und zog sich damit wieder ein paar Schritte zurück.

Dann steckten sie ihre Köpfe zusammen und berieten sich so leise, dass Matt nicht in der Lage war, auch nur ein verständliches Wort aufzuschnappen.

Stattdessen versuchte er, Impressionen ihrer Umgebung aufzunehmen und geistig zu verarbeiten. Kein leichtes Unterfangen. Die wahre Größe dieses Ortes erschloss sich dem Geist eines Menschen des 26. Jahrhunderts einfach nicht. Eigentlich sogar nur des einundzwanzigsten, korrigierte sich Matt. Sein Gehirn war ganz offenkundig außerstande, sämtliche Informationen, die der zeitlose Raum bereithielt, zu verarbeiten.

Die Archivare litten unter diesem Handicap nicht. Schon das allein bewies, wie fremdartig sie waren. Die Bezeichnung Mensch traf auf sie nur noch höchst eingeschränkt zu.

Matt machte sich keine Illusionen: Umgekehrt dachten die Archivare das gewiss auch von ihm und Xij.

Und von Aruula.

Er konnte nicht anders, er musste sie immer wieder anstarren – auch wenn eigentlich anderes seine volle Aufmerksamkeit erforderte.

Er kannte Aruula lange genug, um die Vorzeichen zu deuten, mit denen sie ins Bewusstsein zurückfand. An ihrer scheinbaren Ohnmacht hätte jemand, der sie nicht kannte, keinen Zweifel gehegt. Aber Matt erkannte durchaus, dass sie schon wieder bei sich war – und jetzt mit geschlossenen Lidern ihre Umgebung telepathisch abcheckte.

Er überlegte fieberhaft, wie er verhindern sollte, dass sie sich erneut auf alles und jeden in ihrer Nähe stürzte. Denn dass sie nicht bei Sinnen war, hatte sie eindrucksvoll bewiesen.

Doch bevor er sich an die Archivare wenden und sie auf die veränderte Situation aufmerksam machen konnte, handelten diese bereits.

Derjenige, der die Waffen aufgelesen und in Gewahrsam genommen hatte, blieb diesmal stehen, während die anderen beiden in stummer Übereinkunft auf Aruula zu glitten und nach ihr griffen.

Aruula schnellte ihnen mit einem schrillen Schrei entgegen. Ihre weit aufgerissenen Augen zeigten unverhohlene Aggression. Sie wollte sich auf die Archivare stürzen, doch die hageren Gestalten bewiesen, dass nicht nur ihre Gehirne hochentwickelt waren. Sie packten blitzschnell zu, hielten dem Kraftausbruch der Kriegerin stand, zwangen Aruula die Arme auf den Rücken und fixierten sie dort auf eine Weise, die Matt kaum mitbekam, obwohl er alles angespannt und konzentriert beobachtete. Einmal mehr wurde ihm bewusst, wie überlegen diese Menschheitsgeneration der seinen war.

Aruulas Wutgeschrei erstarb abrupt. Aber nicht etwa, weil sie sich besonnen hätte, sondern weil die Archivare, die ihrer Gegenwehr trotzten, ihr einen Knebel verpasst hatten – einen matt silbern schimmernden Streifen, mit dem sie ihre Lippen verklebten.

Aruulas Augen schienen aus den Höhlen hervorzuquellen und Matt fürchtete schon, dass sie der Schlag treffen könnte – als ihr Widerstand jäh erlahmte. Ob Einsicht daran schuld war oder die Archivare zu einem versteckten Mittel gegriffen hatten, um sie zur Räson zu bringen, war für Matt nicht ersichtlich.

Erneut suchte er den Blickkontakt zu Aruula, so als könnten allein schon ihre Augen ihm Antworten auf all die Fragen geben, die ihn beschäftigten, seit er sie hier angetroffen hatte.

Aber Aruula wich ihm aus, stierte lieber zu Boden.

Der dritte Bewaffnete trat vor Matt und Xij und forderte sie harsch auf, die Arme auszustrecken und bei den Handgelenken zu überkreuzen. Er sprach ein merkwürdig reduziertes Englisch mit teils falscher Betonung.

Xij schüttelte trotzig den Kopf, und Matt sagte: „Das wird nicht nötig sein. Wie ich schon sagte: Wir leisten keinen Widerstand. Wir sind gekommen, um euch vor einem der euren zu warnen, der in den zeitlosen Raum –“

„Schweig!“ Der Archivar schleuderte ihm etwas Gazeartiges entgegen. Es flirrte, als wäre es ein Band aus silbernem Spinngewebe, das von Sonnenstrahlen getroffen wurde.

Das hauchfeine Gebilde orientierte sich ganz von selbst nach Matts Handgelenken – beiden Gelenken. Im Flug dehnte es sich nach Belieben, schlang sich um die Unterarme und zog sich dann schlagartig so weit zusammen, dass die Arme überkreuz vor dem Bauch landeten. Das flirrende Band zog sich zunächst fest zusammen, aber nur, um sich sofort wieder etwas zu lockern, bevor es in Matts Fleisch schnitt – gerade so, als verfüge das Material über Eigenintelligenz.

Xij erging es genauso. Erst stöhnte sie auf und fluchte dann leise vor sich hin. Matt unternahm keinen Versuch, sie zu bremsen.

„Ihr begeht einen schweren Fehler“, bemühte er sich noch einmal um Verständigung mit den Bewohnern dieser Sphäre. „Wir sind einem Archivar gefolgt, der –“

„Ihr werdet euch zu erklären und zu verantworten haben“, wurde er grob unterbrochen. „Aber nicht hier und nicht jetzt, nicht vor uns. Ich fordere euch ein letztes Mal auf, zu schweigen. Handelt ihr erneut zuwider, werdet auch ihr geknebelt. Und nun folgt uns!“

Er wandte sich um, kehrte Matt den Rücken zu und setzte sich in Bewegung.

Der Mann aus der Vergangenheit sah, dass man Xij zwischenzeitlich ebenfalls gefesselt hatte. Sie war nach ihrer Schimpfkanonade verstummt und schien eine Knebelung gar nicht erst provozieren zu wollen. Ihr Blick sagte mehr als tausend Worte. Sie haderte offenbar immer noch mit Matts Naivität, die ihn hatte glauben lassen, sich auf Augenhöhe mit den Archivaren unterhalten zu können.

Aber was wäre die Alternative gewesen? Zu kämpfen? Dann hätten wir die Hoffnung auf Kooperation gleich begraben können. Seine Gedanken irrten zu Samugaar. So wenig wie Xij und er den zeitlosen Raum unbemerkt und ohne Konsequenzen hatten betreten können, so wenig war das sicher auch Samugaar gelungen. Befand er sich bereits in Gewahrsam? Hatten seine Artgenossen ihn durchschaut und aus dem Verkehr gezogen?

Sein Bauchgefühl ließ Matt daran zweifeln. Er ahnte, dass die Zeit für Samugaar und gegen sie arbeitete. Dass es Samugaar gelungen sein könnte, seine Gräueltaten vor seinen Artgenossen zu verschleiern.

Die Menschen der Zukunft verabscheuten, soweit Matt wusste, jede Form von Gewalt. Dass sie Samugaars Handeln in Matts Epoche gutheißen könnten, war wenig wahrscheinlich. Aber um darüber urteilen und darauf angemessen reagieren zu können, mussten sie erst einmal davon erfahren.

Matt zerrte unbewusst an seinen Fesseln – und die straften ihn prompt mit einem zwar nicht lebensbedrohlichen, aber schmerzhaften Stromstoß.

Er unterdrückte einen Schrei. „Hört auf! Wir müssen reden! Das Tor haben nicht wir geöffnet, das muss euch doch klar sein. Und derjenige, der es tat, hat Böses im Sinn, da bin ich mir –“

Wieder flirrte etwas durch die Luft, ohne dass Matt sah, woher genau es kam. Es landete mit der Wucht einer Ohrfeige auf seinem Mund, schmiegte sich augenblicklich wie eine zweite, künstliche Haut an und verschloss seine Lippen lückenlos.

Einer der Archivare, die noch bei Aruula, Matt und Xij standen, zeigte in die Richtung, in die ihr Artgenosse sich ...

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