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Maddrax - Folge 348

Inhalt

  1. Cover
  2. Impressum
  3. Was bisher geschah
  4. Zwischen den Welten
  5. Leserseite
  6. Zeittafel
  7. Cartoon
  8. Vorschau

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Am 8. Februar 2012 trifft der Komet „Christopher-Floyd“ die Erde. Die Erdachse verschiebt sich und ein Leichentuch aus Staub legt sich für Jahrhunderte um den Planeten. Nach der Eiszeit bevölkern Mutationen die Länder und die Menschheit ist – bis auf die Bunkerbewohner – auf rätselhafte Weise degeneriert. In dieses Szenario verschlägt es den Piloten Matthew Drax, dessen Staffel beim Einschlag durch ein Zeitphänomen ins Jahr 2516 gerät. Nach dem Absturz wird er von Barbaren gerettet, die ihn „Maddrax“ nennen. Zusammen mit der telepathisch begabten Kriegerin Aruula findet er heraus, dass Außerirdische mit dem Kometen – dem Wandler – zur Erde gelangt sind und schuld an der veränderten Flora und Fauna sind. Nach langen Kämpfen mit den gestaltwandlerischen Daa‘muren und Matts Abstecher zum Mars entpuppt sich der Wandler als lebendes Wesen, das jetzt erwacht, sein Dienervolk in die Schranken weist und weiterzieht. Es flieht vor einem kosmischen Jäger, dem Streiter, der bereits die Spur zur Erde aufgenommen hat!

Als der Streiter ankommt, wollen die Gefährten einen Teil eines Steinflözes, der alles Lebendige versteinert, mit dem Flächenräumer in ihn versetzen. Diese uralte Waffe der Hydriten am Südpol produziert alle 1000 Jahre durch eine Entladung der Energiespeicher eine Zeitblase. Das Team besteht aus Matt Drax, Xij Hamlet, die in sich die Geister unzähliger früherer Leben trägt, den Hydriten Gilam‘esh und Quart‘ol, dem Erfinder Meinhart Steintrieb und dem Android Miki Takeo. Dazu stößt noch der Daa‘mure Grao. Er hatte auf den 13 Inseln die frisch gekrönte Königin Aruula festgesetzt und die Macht übernommen. Doch sie kommt frei und reist mit ihrem Freund Rulfan zum Südpol, um Matt zu warnen, obwohl die beiden entzweit sind, seit sie den Tod von Matts Tochter Ann verschuldete. Zunächst gelingt es nicht, den Streiter zu vernichten: Der Schuss erschafft nur eine neue Zeitblase. Durch sie gelangen Matt, Xij und Grao in Parallelwelten – und einen zeitlosen Raum dazwischen, in dem Archivare technische Errungenschaften aller Epochen sammeln. Sie geben den Dreien das Magtron mit, das den Flächenräumer binnen Minuten aufladen kann, und schicken sie zu dem Zeitpunkt zurück, als die Zeitblase entstand. Diesmal gelingt es, den Streiter zu versteinern – doch im Todeskampf schleudert er Mondtrümmer in Richtung Erde.

Aruula will mit Grao abrechnen, aber Matt schickt ihn in die Eiswüste. Als eine Atomrakete aus Kourou einen Mondbrocken abfängt, reisen Matt, Takeo und Xij hin, während Aruula in Rulfans Burg Canduly Castle bleibt. Dort schlägt ein Meteor ein und Aruula wird beim Einsturz des Kellers beinahe gelähmt.

Eine Spur führt nach Campeche in Mexiko, wo Matt und Xij von Robotern geschnappt werden. Sie dienen einem Archivar, der 2521 hier strandete und Schlangengift zum Überleben braucht, obwohl es ihn negativ verändert. Durch einen Hirnscan erfährt er vom Magtron und fliegt mit dem Shuttle nach Schottland, wo Rulfan den Supermagneten aufbewahrt. Dort rettet er Aruula vor zwei Mörderinnen, die von der neuen Königin der 13 Inseln gedungen wurden. Sie hilft Samugaar, wie sie ihn nennt, das Magtron zu erbeuten – doch ihm fehlt noch der Schlüssel, den Matt um den Hals trägt. Während alle denken, Aruula wäre tot, schließt sie sich Samugaar an.

In der Zwischenzeit befreit Miki Takeo seine Gefährten und sie setzen sich getrennt ab, bevor der Archivar zurückkehrt. Miki geht nach Amarillo, um seinen Sohn Aiko mit einer Gedächtniskopie als Cyborg wieder zum Leben zu erwecken. Doch in dem Speicherkristall hat sich der Geist von General Arthur Crow eingenistet, der Takeo täuscht. Er begräbt Miki unter einem Schuttberg, aus dem der sich später mühsam befreien kann, und geht nach Los Angeles, um dort eine Armee gegen Washington auf die Beine zu stellen.

Während Matt und Xij nach Schottland reisen, warten der Archivar und Aruula vergeblich in Waashton auf sie. Aruula verfällt mehr und mehr dem Schlangengift und tötet Mr. Blacks Gefährtin Alexandra Cross! Sie erzählt Samugaar von dem lebenden Flöz in Ostdeutschland. Aber dort hat sich eine sich ständig wiederholende Zeitzone gebildet, die nur durch eine Sprengung aufgehalten werden kann. Der Archivar tut dies – und opfert dabei Aruula.

In Schottland erfahren Matt und Xij von Aruulas angeblichem Tod. Beim Versuch, den Archivar anzulocken, begegnen sie Gal‘hal‘ira, einer außergewöhnlichen Daa‘murin, die den Helden ihren Todesrochen im Austausch gegen deren Amphibienpanzer leiht. Damit haben sie bessere Chancen, den Archivar aufzuspüren. Doch ihr Plan, zur AKINA zu gelangen, dem verlassenen marsianischen Raumschiff im Erdorbit, schlägt erst einmal fehl.

Inzwischen taucht Aruula wieder auf – sie wurde eine Woche in die Zukunft versetzt. Sie infiziert sie sich in Steintriebs Labor mit Nanobots. Der Archivar bemerkt dies, schweigt aber, um selbst in deren Besitz zu gelangen. In Campeche entwickelt er eine Methode, ihr Wachstum zu hemmen. Er und Aruula erhoffen sich Hilfe in Agartha. Auf dem Weg dorthin kommt es zu einer Begegnung mit Matt und Xij auf dem Rochen, die aber in den Atlantik abtauchen und dem Shuttle später unbemerkt folgen.

In Agartha will Samugaar die agarthische Technik. Doch er macht die Rechnung ohne einen ehrgeizigen Warrior-Kämpfer, der ungewollt die Nanobots in Umlauf bringt, dabei aber auch Aruula von ihnen befreit. Als Matt und Xij eintreffen, gelingt es Samugaar, den Magtron-Schlüssel an sich zu bringen. Die Verbreitung der Nanobots kann eingedämmt werden und sie fliegen Samugaar hinterher. Doch sie werden von Hydriten abgefangen, die sie nach Hykton bringen, wo ihnen der Prozess gemacht werden soll.

Auf der Parallel-Erde sucht Quart‘ol nach einem Weg in seine Welt und findet mit Hilfe einer Augure, einer Rechtssprecherin der Hydriten, die Zeitblase in Dapur. Dort hilft ihm Tom Ericson, erst in den zeitlosen Raum und dann in den Flächenräumer zu gelangen. Quart‘ol kommt gerade recht, um mit Unterstützung der Augure dieser Welt für Matt und Xij eine Begnadigung zu erreichen.

Zwischen den Welten

von Oliver Fröhlich

Nebel hing in den einsamen Straßen des Londoner East End. Der Mond wirkte hinter den Schwaden wie ein bleiches, fransiges Gesicht, nicht viel heller als die Gaslaternen. Der Reisende blieb vor einem alten Ziegelbau stehen. Er hatte alle Teile des Puzzles zusammengesetzt, Spuren analysiert, Zeugen befragt, Verdächtige aufgespürt, beobachtet und ausgeschlossen. Er hatte sogar den Brief an sich gebracht, der vor einer Woche, am 16. Oktober 1888, samt einer menschlichen Niere George Lusk, den Vorsitzenden der Whitechapel Bürgerwehr, erreicht hatte.

Nun war es so weit. Nach vielen Fehlversuchen würde der Reisende den Fall lösen und den Mörder identifizieren, den man Jack the Ripper nannte …

Er stützte sich auf den Stock mit dem goldenen Knauf und stellte zum wiederholten Mal fest, wie schlecht die Kleidung des ausgehenden neunzehnten Jahrhunderts zu ihm passte. Der Frack, die Hose und insbesondere der lächerliche Zylinder. Aber es war ihm wichtig, so nahe wie möglich an den Menschen dieser Epoche zu sein und sich ihrem Aussehen anzupassen. Er wollte auch nicht alles dem Gestaltmodulator überlassen, und so stellte zumindest seine Garderobe keine Illusion dar.

Das Ziegelgebäude lag in einer schmalen Nebenstraße, fernab der Gaslaterne an der Kreuzung mit der Hauptstraße. Die Ruhe der Nacht wirkte beängstigend. Der gelegentliche Klang von Schritten im Nebel ließ die Stille nur umso bedrohlicher erscheinen.

Der Reisende, der sich selbst Karanor Blyzz nannte, sah an der schmutzigen Front des Baus empor. Eine Brille ermöglichte es ihm, auch in der Nacht genügend zu erkennen.

Eine leerstehende Lagerhalle. Über dem Holztor hing ein verwittertes schiefes Schild mit der Aufschrift Stafford & Sons. Blyzz wusste nicht, wohin sich der alte Stafford und seine Söhne nach dem Niedergang ihrer Firma abgesetzt hatten. Es interessierte ihn auch nicht. Viel bedeutsamer fand er, dass die Halle einen neuen Eigentümer gefunden hatte. Seit Juli 1888 gehörte sie einem Edward Sallinger; zumindest war das der Name, der unter den Verträgen stand.

Der Reisende verband kein Gesicht mit dem Namen. Aber er war sicher, dem angeblichen Mister Sallinger bald in die Augen zu sehen. Dann würde er den Lohn für seine Mühen ernten, für die nächtelangen Recherchen und die vielen Fehlversuche.

Diesmal hatte Karanor Blyzz einen anderen Ansatz gewählt als die Male zuvor. Er hatte sämtliche Eigentumsübergänge von Gebäuden im East End bis zu einem halben Jahr vor dem Mord an Mary Ann Nichols recherchiert. Sie galt als das erste Opfer von Jack the Ripper. Drei weitere waren seither gefolgt, aber der Reisende glaubte, dass es mehr geben musste.

Und er war sich sicher, mit Sallinger die richtige Spur gefunden zu haben, denn die Unterschrift auf den Kaufverträgen glich verdächtig der Schrift des Briefes an George Lusk, den der Ripper mit den Worten „From Hell“ überschrieben hatte.

Karanor Blyzz legte die Hand auf den Türknauf des Holztors. Abgeschlossen. Keine Überraschung. Aber für einen wie ihn kein Hindernis.

Er zog einen fingerlangen Metallstab aus der Fracktasche, presste dessen Spitze gegen das große Schlüsselloch und drückte einen Knopf am anderen Ende des Stabs. Ein raschelndes Geräusch erklang, das der Reisende als das Herausgleiten der Kontaktfäden kannte. Er stellte sich vor, wie sie nun selbständig das Schlossinnere abtasteten, es analysierten und nach nicht einmal zwei Sekunden entriegelten.

Klack.

Blyzz lächelte. Ein letzter restlichtverstärkter Blick nach links und rechts, dann drückte er die Tür auf. Leicht und ohne zu quietschen schwang sie nach innen. Ein Zeichen, dass man sie in den vergangenen Monaten häufiger benutzt hatte?

Muffige Luft schlug ihm entgegen. Sie roch nach Staub und fauligem Holz. Spinnweben hingen in den Ecken der Lagerhalle. Bis auf sie und eine Pyramide aus sechs Kisten stand das Vorratshaus leer. Irgendwo tropfte Wasser auf den Boden.

Keine Spuren von Benutzung.

Ein Irrtum, wie der Reisende Sekunden später feststellte. An der linken Wand führte eine Treppe zu einer Tür mit einer milchigen Glasscheibe. Ein Büro. Nicht das Einzige, denn auch ebenerdig und auf der rechten Seite entdeckte er Türen. Überall hingen Spinnweben in den Rahmen. Nicht jedoch bei der Tür mit der Milchglasscheibe.

So geräuschlos wie möglich stieg er die Stufen hinauf, verharrte einen Augenblick vor der Bürotür und öffnete sie. Eine weitere Komponente mischte sich in den muffigen Geruch der Lagerhalle. Sie bewies dem Reisenden, dass er am Ziel angekommen war. Es stank nach Blut und Fäulnis.

In der Mitte des Raums stand ein wuchtiger Holzschreibtisch, fingerdick von Staub bedeckt. An den Wänden reihte sich Aktenschrank an Aktenschrank, zum Teil mit herausgezogenen Schubladen, aus denen Papiere quollen wie die Innereien eines geschlachteten Tieres.

Eine merkwürdige Assoziation, dachte Karanor Blyzz. Vermutlich war es der Gestank des Todes, der sie hervorrief.

Er zog einen Strahler aus der Tasche und umklammerte den Griff. Dadurch aktivierte er den Impulsdorn, der der Waffe das Aussehen eines Schraubenziehers verlieh. Sollte sich Sallinger hier aufhalten, würde er ihn damit in einen willenlosen Fleischroboter verwandeln, der ihm alles verriet, was er wissen wollte.

Einen Moment lang bedauerte er, sich solcher Mittel bedienen zu müssen. Aber bei seinen ersten Versuchen hatte er nur die Möglichkeiten des Jahres 1888 genutzt – und war gescheitert. Warum also sollte er nicht auf fortschrittlichere Technik zurückgreifen? So wie die echten Reisenden?

Trotzdem hatte er das Gefühl zu schummeln.

Er trat in den Raum. Sein erster Blick galt dem toten Winkel hinter der Tür. Außer einem Kleiderständer entdeckte er dort nichts. An ihm hing sogar noch ein Mantel. Die Herren Stafford hatten es offenbar wirklich eilig gehabt, von hier wegzukommen.

Ein Versteck, in dem sich Sallinger verbergen konnte, sah er nicht.

Weiter. Zum Schreibtisch. Mit dem Strahler im Anschlag umrundete er ihn.

Da sah er sie: die restlichen Opfer des Rippers.

Drei Frauen und ein Mann lagen sorgfältig aufgereiht hinter dem Tisch. Die Toten befanden sich im unterschiedlichen Zustand der … Bearbeitung. Vermutlich war Sallinger noch nicht fertig mit ihnen.

Eine Frau trug schreckliche Verletzungen, von denen die aufgeschlitzte Kehle die am wenigsten widerwärtige war. Die Szenerie glich der in einem Schlachthaus. Die anderen Opfer waren so blutverschmiert, dass Karanor Blyzz auf Anhieb nur bei einer der Frauen weitere Verletzungen am Hals und im Bauchbereich entdecken konnte.

Auch hier keine Spur von Sallinger. Vielleicht war er gerade auf der Jagd nach seinem nächsten Opfer.

Der Reisende steckte den Strahler weg, trat zwischen die Leichen und beugte sich zu einer der Frauen hinunter.

Noch bevor er das Geräusch hinter sich hörte, wurde ihm der Fehler bewusst, den er begangen hatte.

Der Mantel am Kleiderständer. Der Mann in der Reihe von Toten. Seit wann ermordete Jack the Ripper Männer?

Er fuhr hoch und kreiselte herum. Vor ihm stand der angebliche Tote. Ein Grinsen lag in dem blutverschmierten Gesicht.

Der Reisende kam nicht mehr dazu, den Strahler zu ziehen. Eine Klinge zuckte vor, durchdrang seinen lächerlichen Frack, die bernsteinfarbenen Schuppen seines Körpers und fraß sich in sein Fleisch.

Ein Flimmern durchlief die Gestalt des Mörders.

Bevor es dunkel um Karanor Blyzz wurde, sagte eine körperlose Stimme: „Mission gescheitert. Bitte starte den Abschnitt neu.“

Vor einigen Jahren in einer weit entfernten Zukunft

Der Archivar beendete das Programm, klappte die Neuronaltransmitter nach oben und stand von der Simulationsliege auf.

Es war ihm wieder nicht gelungen, Jack the Ripper zur Strecke zu bringen. Bereits zum siebten Mal! Dabei war er sich so sicher gewesen, es diesmal schaffen zu können. Beim nächsten Versuch würde er wieder von vorn beginnen müssen, weil der Rechner die Geschichte um die historisch belegten Fakten bei jedem Neustart veränderte.

Manchmal bedauerte er, nicht wirklich ein Reisender zu sein. Er sehnte sich danach, die Epochen der Weltgeschichte aller Parallelrealitäten zu durchwandern und die gewonnenen Erkenntnisse an die Historiker zur Speicherung im Wissensdom zu übermitteln. Ungefähr eine Million Jahre bei etwa achtzig verschiedenen Welten – da kam einiges zusammen. Viel geschichtliches Wissen war verloren gegangen und musste seit der Entdeckung der Zeitreisen mühsam wieder gesammelt werden. Kein Wunder, dass es noch viele Wissenslücken gab.

Andererseits war es jedem Reisenden strengstens verboten, in den Ablauf der Geschichte einzugreifen, weil das unvorhersehbare Konsequenzen nach sich zog. Der Archivar war kein Temporalphysiker und begriff die Prinzipien nur im Ansatz, aber er wusste, dass Veränderungen in der Vergangenheit die Gegenwart mit einer neuen Version überschrieben – und niemand auch nur ahnen konnte, wie diese neue Version ausfallen würde.

Deshalb stellte man bei Reisenden besonders hohe Ansprüche an ihr Verantwortungs- und Pflichtbewusstsein. Das Gleiche galt für die Sammler, die den zeitlosen Raum mit den technischen Errungenschaften jeder Epoche füllten.

Nachdem sich die Mentalsubstanz des Archivars zu einer Rückkehr ins Leben entschlossen und seinen neuen Leib beseelt hatte, waren die Gruppierer nach einer Hirnstrommessung und der Prognose seiner körperlichen Entwicklung leider nicht zu dem gewünschten Ergebnis gekommen. Der zeitlose Raum und ein oder zwei Schritte hinaus – näher durfte er den vergangenen Welten nicht kommen.

Womöglich hatten sie mit ihrer Einschätzung recht. Warum sonst verbrachte er einen Teil seiner Freischichten mit Simulationen, in denen er in vergangenes Geschehen eingreifen durfte?

Wenn er ehrlich zu sich selbst war, wusste er nicht, ob er sich in der Realität einer Fremdwelt wohlfühlen würde. Die meisten dieser Welten waren voller Dreck, Gestank, Gewalt und Vergänglichkeit.

Er beklagte sich nicht. Er hatte eine Aufgabe zu erfüllen, so wie alle Menschen der Jetztzeit. Nur darauf kam es an. Dass er sich in seinen Tagträumen und Simulationsmissionen vorstellte, er sei der heldenhafte Agent Karanor Blyzz – nun, das brauchte keiner zu wissen.

Der Archivar trat an die Außenwand seiner Regenerationskabine und berührte sie mit der Handfläche. Sofort wurde sie durchsichtig und gab den Blick frei auf die unzähligen Wohn- und Forschungsbauten, die spindelartigen Türme der Mentalsubstanz-Lager, die gläsernen Verbindungen zwischen den Gebäuden und die silberne Kuppel der Atmosphärfabrik am Horizont. Seit es kaum noch Pflanzen auf der Erde gab, produzierten die Fabriken die atembare Luft zuverlässiger, als es ein Baum gekonnt hätte.

Er erfreute sich einige Sekunden an dem ästhetischen Bild und der Sauberkeit, die es ausstrahlte. Nicht zu vergleichen mit dem nebligen, schmutzigen London des Jahres 1888.

Ein Impuls in seinem Gehirn sagte ihm, dass die Regenerationsphase vorüber war. Der Archivar beendete die Wandtransparenz und wandte sich dem Transferdock in seiner Kabine zu. Er ließ den Einstieg der deckenhohen Glasröhre zur Seite gleiten und trat in deren Innenraum. Selbsttätig schloss sich das Dock.

Gedanklich benannte er sein Ziel.

Domänenzugang 17-C.

Das ihn umgebende Glas strahlte kurz grün auf. Als das Leuchten erlosch, befand er sich bereits nicht mehr in seiner Kabine, sondern in der Ankunftshalle des Domänenzugangs.

Ein Dock reihte sich ans nächste in diesem fensterlosen Bereich, der nicht mehr darstellte als einen Vorraum zu seinem eigentlichen Ziel, der Domäne. Einer Welt neben der Welt.

Er verließ das Transferdock. Obwohl mit ihm viele andere Archivare, Reisende, Sammler, Historiker und Tortechniker ankamen, herrschte in der Halle Schweigen. Weder auf direktem noch auf telepathischem Weg unterhielten sich die Neuankömmlinge. Sie alle waren auf die Aufgaben der anstehenden Schicht konzentriert.

Der Archivar durchquerte die Halle. Selbst die Schrittgeräusche wurden von Akustikabsorbern geschluckt.

Vor der Wand, die der Dockbatterie gegenüberlag, blieb er stehen. Zwischen zwei senkrechten Streben erschien ein Flimmern. Ein Lichtfächer strahlte daraus hervor, der den Archivar einmal von oben bis unten abtastete. In einem Holodisplay neben der rechten Strebe flammte ein Code auf.

Sein Name. Oder das, was die Menschen der heutigen Zeit stattdessen trugen. In Wahrheit stellte der Code die abgekürzte Schreibweise einer komplexen Kombination aus Funktionsstand, Mentalsubstanzgruppe, Geburtsdatum, Einlagerungsdauer, Revitalisierungszeitpunkt, Ergebnis der Gruppierer-Analyse und verschiedenen anderen Merkmalen dar.

Wie viel einfacher wäre es doch, wenn er wirklich Karanor Blyzz hieße.

Die Torpassage zur Domäne bestätigte seine Identität. Das Flimmern zwischen den Streben verwandelte sich in eine bläuliche Wellenbewegung und erinnerte an eine senkrechte Wasserfläche.

Der Archivar t

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