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Maddrax - Folge 346

Inhalt

  1. Cover
  2. Impressum
  3. Was bisher geschah
  4. Die Augure
  5. Leserseite
  6. Die MADDRAX-Galerie
  7. Zeittafel
  8. Cartoon
  9. Vorschau

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Am 8. Februar 2012 trifft der Komet „Christopher-Floyd“ die Erde. Die Erdachse verschiebt sich und ein Leichentuch aus Staub legt sich für Jahrhunderte um den Planeten. Nach der Eiszeit bevölkern Mutationen die Länder und die Menschheit ist – bis auf die Bunkerbewohner – auf rätselhafte Weise degeneriert. In dieses Szenario verschlägt es den Piloten Matthew Drax, dessen Staffel beim Einschlag durch ein Zeitphänomen ins Jahr 2516 gerät. Nach dem Absturz wird er von Barbaren gerettet, die ihn „Maddrax“ nennen. Zusammen mit der telepathisch begabten Kriegerin Aruula findet er heraus, dass Außerirdische mit dem Kometen – dem Wandler – zur Erde gelangt sind und schuld an der veränderten Flora und Fauna sind. Nach langen Kämpfen mit den gestaltwandlerischen Daa’muren und Matts Abstecher zum Mars entpuppt sich der Wandler als lebendes Wesen, das jetzt erwacht, sein Dienervolk in die Schranken weist und weiterzieht. Es flieht vor einem kosmischen Jäger, dem Streiter, der bereits die Spur zur Erde aufgenommen hat!

Als der Streiter ankommt, versetzen die Gefährten einen Teil eines Steinflözes, der alles Lebendige versteinert, mit einer uralten Waffe der Hydriten in ihn. Dieser längst verlassene Flächenräumer am Südpol produzierte alle 1000 Jahre durch eine unkontrollierte Entladung der Energiespeicher eine Zeitblase.

Das Team nimmt den Kampf auf: Matt Drax, Xij Hamlet, die in sich die Geister unzähliger früherer Leben trägt, die Hydriten Gilam’esh und Quart’ol, der Erfinder Meinhart Steintrieb und der Android Miki Takeo. Dazu stößt noch der Daa’mure Grao. Er hatte auf den 13 Inseln die frisch gekrönte Königin Aruula festgesetzt und die Macht übernommen. Doch sie kommt frei und reist mit ihrem Freund Rulfan zum Südpol, um Matt zu warnen. Dabei sind die beiden entzweit, seit sie den Tod von Matts Tochter Ann verschuldete.

Zunächst gelingt es den Gefährten nicht, den Streiter zu vernichten: Der Schuss krepiert und erschafft eine neue Zeitblase! Durch sie gelangen Matt, Xij und Grao in Parallelwelten – und einen zeitlosen Raum dazwischen, in dem Archivare technische Errungenschaften aller Epochen sammeln. Sie geben ihnen das Magtron mit, das den Flächenräumer binnen Minuten aufladen kann, und schicken sie zu jenem Zeitpunkt zurück, als die Zeitblase entstand. Diesmal gelingt es, einen Teil des Flözes in den Streiter zu versetzen. Der versteinert – doch im Todeskampf schleudert er Mondtrümmer Richtung Erde.

Aruula will mit Grao abrechnen, aber Matt schickt ihn in die Eiswüste. Als Drax und Takeo einen Mondbrocken abfangen wollen, zerlegt ihn eine Atomrakete aus Kourou. Mit Takeo und seiner neuen Liebe Xij Hamlet reist Matt dorthin, während Aruula in Rulfans Burg Canduly Castle bleibt. Dort schlägt ein Trümmerstück ein; Aruula wird beim Einsturz des Kellers beinahe gelähmt.

Eine Spur führt die Gefährten bis nach Campeche in Mexiko, wo Matt und Xij von Robotern geschnappt werden. Sie dienen einem Archivar, der 2521 hier strandete und Schlangengift zum Überleben braucht, obwohl es ihn negativ verändert. Durch einen Hirnscan erfährt er vom Magtron und fliegt mit dem Shuttle nach Schottland, wo Rulfan den Supermagneten aufbewahrt. Dort rettet er Aruula vor zwei Mörderinnen, die von der neuen Königin der 13 Inseln gedungen wurden. Sie hilft Samugaar, wie sie ihn nennt, das Magtron zu erbeuten – doch ihm fehlt noch der Schlüssel, den Matt um den Hals trägt. Während alle denken, Aruula wäre tot, schließt sie sich Samugaar an.

In der Zwischenzeit befreit Miki Takeo seine Gefährten und sie setzen sich getrennt ab, bevor der Archivar zurückkehrt. Miki geht nach Amarillo, um seinen Sohn Aiko mit einer Gedächtniskopie in einem Cyborg wieder zum Leben zu erwecken. Doch in dem Speicherkristall hat sich der Geist von General Arthur Crow eingenistet, der Takeo täuscht. Er begräbt Miki unter einem Schuttberg, aus dem der sich später mühsam befreien kann, und geht nach Los Angeles, um dort eine Armee gegen Washington auf die Beine zu stellen.

Während Matt und Xij nach Schottland reisen, warten der Archivar und Aruula vergeblich in Waashton auf sie. Schließlich ziehen sie mit geraubten Datenbanken des Pentagon ab – wobei Aruula, die mehr und mehr dem Schlangengift verfällt, Mr. Blacks Gefährtin Alexandra Cross tötet! Sie erzählt Samugaar von dem Ursprung, dem lebenden Flöz in Ostdeutschland: das Material, aus dem das Torsiegel besteht! Aber dort hat sich durch das versetzte Streiter-Stück eine sich ständig wiederholende Zeitzone gebildet, die nur durch eine Sprengung aufgehalten werden kann. Der Archivar tut dies – und opfert dabei Aruula.

In Schottland erfahren Matt und Xij von Aruulas angeblichem Tod ist. Sie sind entschlossen, den Archivar auf sich aufmerksam zu machen. Beim Versuch, ihn zu sich zu locken, begegnen sie Ira, einer außergewöhnlichen Daa’murin, die den Helden ihren Todesrochen im Austausch gegen deren Amphibienpanzer leiht. Damit haben sie bessere Chancen, den Archivar aufzuspüren. Doch ihr Plan, zur AKINA zu gelangen, dem verlassenen marsianischen Raumschiff im Erdorbit, schlägt erst einmal fehl.

In der Zwischenzeit taucht Aruula wieder auf – sie wurde eine Woche in die Zukunft versetzt. Bei dem Versuch, Samugaar anzufunken, infiziert sie sich in Steintriebs Labor mit Nanobots. Der Archivar bemerkt dies, schweigt aber, um selbst in den Besitz der Nanobots zu gelangen. In Campeche entwickelt er eine Methode, ihr Wachstum zu hemmen. Er und Aruula erhoffen sich Hilfe in Agartha. Auf dem Weg dorthin kommt es zu einer Begegnung mit Matt und Xij auf dem Rochen, die aber in den Atlantik abtauchen und dem Shuttle später unbemerkt folgen.

In Agartha versucht Samugaar an die agarthische Technik zu kommen. Doch er macht die Rechnung ohne einen ehrgeizigen Warrior-Kämpfer, der ungewollt die Nanobots in Umlauf bringt, dabei aber auch Aruula von ihnen befreit. Als Matt und Xij eintreffen, gelingt es Samugaar, den Magtron-Schlüssel an sich zu bringen und zu fliehen. Die Verbreitung der Nanobots kann eingedämmt werden und sie fliegen Samugaar hinterher.

Die Augure

von Michelle Stern und Francis Farmer

Deutschland, Cuxhaven, Mitte Juni 2528

Der Amphibienpanzer rollte über grobkörnigen Sandstrand, zermalmte Muscheln, Algen und angespültes Treibgut unter seinen Rädern. Wie ein stahlgewordenes Ungeheuer suchte PROTO seinen Weg die weiße Düne hinauf und blieb schließlich stehen.

Gal’hal’ira öffnete die Heckrampe und trat ins Freie. Die Daa’murin streckte sich, atmete die salzige Luft. Land. Endlich. Wenn die Nordsee eines zu viel hatte, dann war es Wasser.

Gal’hal’ira breitete die Arme aus – als sich plötzlich ein Seil um ihren Hals legte. „Was beim …“ Da zog sich die Schlinge ruckartig zu. Jemand riss mit aller Gewalt am anderen Ende. Gal’hal’ira stürzte in den Sand.

Überrascht suchte sie nach einem Halt. Drei schmächtige, blaugrüne Gestalten zerrten Gal’hal’ira an dem Seil über den Strand. Ein Krebs, der ihren Weg kreuzte, schnappte nach ihren Knieschuppen und verbiss sich darin. Sie schlug ihn zur Seite.

„Hal … Hallo?“, röchelte Gal’hal’ira. Was sollte das? Zu ihrer Verwunderung kam Angst, aber noch hielt sich ihre Furcht in Grenzen. Sie war eine Daa’murin, hatte einen thermophilen, extrem widerstandsfähigen Körper und sicher mehr Kraft als die drei kleinen blaugrünen Kerle vor ihr, die zu dritt an dem Seil zerrten. So leicht würde sie weder ersticken noch auf Dauer zu bändigen sein.

Die Gestalten blieben stehen, drehten sich zu ihr um und griffen nach ihren Waffen. Sie sahen aus wie Fischmenschen, würden ihr im Stehen kaum bis zur Brust reichen. Auf ihren kahlen Schädeln saßen Flossenkämme. Mehrere Dornen ragten aus den Ellbogen und Knien. Ein silberner Dreizack und zwei röhrenförmige Geräte lagen in ihren Händen. Sie trugen einen Lendenschurz und eine Art Schutzpanzer über der rechten Schulter.

Gal’hal’ira schnappte nach Luft. „Idiotas! Was wollt ihr? Das ist doch keine Art, mich zu überfallen!“ Sie stand auf, die Hände am Seil, um es abzustreifen. Grelle Blitze zuckten ihr aus den Röhren entgegen und schleuderten sie zurück. Sie fluchte. Hätte der lange Weg über das Meer sie nicht derart ausgekühlt, könnte sie nun schneller reagieren.

Vorsichtig betastete Gal’hal’ira ihre Brust. Keine Verletzungen. Aber sie fühlte sich benommen.

Zwei der Fischmenschen traten vor. Sie waren bulliger als der Dritte, der hinter ihnen näher kam. Die beiden hielten ihre Blitzröhren auf Gal’hal’ira gerichtet. Die Kiemen der Fischwesen blähten sich etwas auf. Wie konnten sie überhaupt an Land atmen?

Der schmächtige Fischmensch klackte und schnalzte. Sein dunkelblauer Scheitelkamm spreizte sich gleich dem eines Hahns. Er zeigte auf Gal’hal’ira, dann in Richtung Meer.

Gal’hal’ira folgte der Geste unwillkürlich mit dem Blick. Schaumige Wellen liefen am Ufer aus. Dahinter erstreckte sich bleigraues Wasser bis hin zum verwaschenen Horizont. Dort lag Britana, von wo aus sie mit PROTO gekommen war.

Perdón, aber ich versteh euch nicht“, sagte sie. Langsam wurde ihr wärmer und die Kräfte kehrten in ihren Körper zurück. Trotzdem wartete Gal’hal’ira ab. Es musste einen günstigeren Zeitpunkt geben, die beiden mit den Blitzwerfern zu überraschen. Wegen des Dreizacks machte sie sich keine Sorgen, der würde ihre Schuppen nicht durchdringen können.

Seltsam … etwas an den Gestalten kam ihr vertraut vor. Sie glaubte, schon von solchen Wesen gehört zu haben, aber wo?

„Fish’manta’kan!“, rief sie, als es ihr plötzlich einfiel. „Ihr seid Fish’manta’kan1), nicht wahr? An der spanischen Küste erschrecken sie ungezogene Kinder mit Gruselgeschichten über euch. Aber ich dachte, ihr wärt bloß eine Legende, so wie der Yeeti. Kennt ihr den Yeeti?“

Der schmächtige Fish’manta’kan mit dem Dreizack trat näher und streckte die Hand nach ihrem Kopf aus. Gal’hal’ira wollte auf die Füße springen und ihn von sich stoßen, doch erneut zischten gleißende Entladungen aus den Enden der beiden Blitzwerfer. Gal’hal’ira stöhnte auf und sackte zurück. Langsam begann sie, sich Sorgen zu machen. Was hatten diese mutierten Seegurken mit ihr vor?

Der Schmächtige ging neben Gal’hal’ira auf die Knie und legte seine Hand auf ihren Scheitel.

Und gleichzeitig mit der Berührung hörte Gal’hal’ira seine Stimme in ihrem Kopf! Zuerst klackte und schnalzte sie nur, doch dann kamen Bilder und mit ihnen Begreifen: Sag mir, wo sich Matthew Drax befindet. Schnell. Ist er in dem Gefährt?

Matt Drax? Aber … nein. Ich bin allein unterwegs. Was wollt ihr von ihm?“

Sag mir, wo sich der Verbrecher aufhält.

Verbrecher? Wer ist hier ein Verbrecher?“ Gal’hal’ira wollte den Fischmenschen von sich stoßen, aber sie fühlte sich träge, als läge ihr Körper in dickes Eis gepackt. Der kleine schuppige Kerl beeinflusste sie mental! Dazu kam die Nachwirkung der Entladungen. Sie fröstelte. „Ich sage gar nichts, comprende? Erst überfallt ihr mich und dann …“

Sie verstummte, als ein schmerzhafter Impuls durch ihre Stirn zuckte. Der Fischmensch saugte an ihren Erinnerungen wie ein gieriger Moskitoo. Schwindelerregend schnell sah Gal’hal’ira Matt und Xij, die sie inmitten eines von Käfern belagerten Geländes bei Salisbury getroffen hatte. Dann die gemeinsame Reise nach Scootland. Sie hörte, wie Matt mit ihr sprach, sich verabschiedete. Er und Xij würden mit Gal’hal’iras Rochen Boráan nach Mexiko reisen, um diesen … Archivar zu stellen, oder was immer der Kerl genau war. Irgendwas hatte er wohl ausgefressen.

Im Tausch gegen Boráan hatte Gal’hal’ira Matts Amphibienpanzer erhalten. Aber von dem Stein, den sie zur Sicherheit bei sich behalten hatte, hatte sie Matt und Xij nichts gesagt.

Welcher Stein?, fragte der Fish’manta’kan nach. Bohrender Schmerz stach wie Nadeln in Gal’hal’iras Schläfen.

Gegen ihren Willen sah Gal’hal’ira den grünen Kristall vor sich, den sie in einer Hautfalte ihres Körpers verbarg. Damit konnte sie Boráan im Notfall über dessen Stirnkristall zurückrufen, falls sie den Panzer verlor oder anderweitig in Schwierigkeiten geriet. In einem Umkreis von mehreren hundert Kilometern konnte sie so auf Boráan einwirken. Das war ihre Garantie, den Rochen eines Tages zurückzuerhalten.

Gib mir diesen Kristall, forderte der Fischmensch.

Ein unstillbares Verlangen, nach dem Gewünschten zu greifen, überkam Gal’hal’ira. Sie wehrte sich, kämpfte gegen den Zwang an. Doch ihre Finger kamen der Stelle ihres Bauchs immer näher, an der sie den Stein verbarg. Sie formte ihre Schuppen um, bildete ein Loch und holte den Kristall heraus.

Der Fischmensch riss das Kleinod an sich und starrte darauf. Schlagartig ließ der Druck in Gal’hal’iras Gehirn nach. Die Nadelstiche verschwanden und ihr Körper gehörte wieder ihr. Auch der Schmerz und die Erschöpfung durch die Energiestrahlen ließen nach.

Gal’hal’ira sprang auf und entriss dem Fischmenschen neben sich den Dreizack. Gedankenschnell stach sie damit nach dem zweiten, kräftigeren Fish’manta’kan, der hastig zur Seite sprang.

Alle drei Gestalten wichen vor ihr zurück, anstatt sie weiter zu attackieren. Das Seil ließen sie los. Die wulstigen Lippen des Schmächtigen verzogen sich zu einer Grimasse. Er hielt den Kristall hoch über den Kopf, dann eilte er mit unbeholfenen Schritten Richtung Meer. Seine Begleiter schirmten ihn mit ihren Körpern ab und folgten ihm.

Gal’hal’ira streifte die Schlinge über den Kopf, stapfte mit der erbeuteten Waffe in der Hand davon und stieg in PROTO ein. Sie würde ihre Zeit nicht damit verschwenden, ein paar Fischmenschen nachzujagen. In Bilboo und vermutlich auch am Kratersee, zu dem sie unterwegs war, gab es unzählige weitere Kristalle, und eine Weile würde sie auf den Stein verzichten können. Schließlich hatte sie Wichtigeres zu tun. Sie suchte den vielleicht Letzten ihrer Art auf diesem Planeten: Grao’sil’aana. Beginnen wollte sie am Kratersee, wo die Daa’muren einst gelandet waren und wo sich ihre Bruthöhlen befanden.

Sie wusste nicht, wo sie sonst hätte suchen sollen. Am Südpol, wo Grao – wie Matt und Xij ihn nannten – zuletzt gesehen worden war, hielt er sich der Kälte wegen mit Sicherheit nicht mehr auf. Sie baute darauf, dass es auch ihn dorthin zog, wo ihre letztlich gescheiterte Invasion der Erde begonnen hatte.

Ein wenig Sorgen machte sich Gal’hal’ira um Matt und Xij. Wie es aussah, wurden die beiden verfolgt. Aber sie würden sicher auf sich aufpassen können.

Vor der Küste Mittelamerikas, Ende Juni 2528

Das azurblaue Meer endete in einem Farbreigen von Dunkelblau über Türkis, Hellblau bis hin zu schäumendem Weiß. Die Küste Mexikos kam vor ihnen in Sicht. Feiner Sandstrand, Palmen, weiße Felsen, wuchernde Vegetation im Hintergrund.

Matthew Drax lenkte Boráan ein Stück tiefer. Unter dem Todesrochen paddelte eine Riesenschildkröte gemächlich in den Wellen. Sie steckte den Kopf aus dem Wasser, als spähe sie nach dem Schatten des fünfeinhalb Meter langen Rochens mit einer Spannweite von acht Metern. Bunte Fische zuckten um sie herum.

Über Matt zeigten sich Himmel und Wetter von ihrer besten Seite. Von den Stürmen, in die Xij und er noch vor kurzer Zeit geraten waren und denen sie weiträumig hatten ausweichen müssen, war kein Wölkchen geblieben. Das Bild, das sich ihm bot, wirkte wie aus dem Reiseprospekt. Selbst der Schatten des Todesrochens auf der Wasseroberfläche erschien wie der eines exotischen Fisches in den Tiefen.

„Land in Sicht“, sagte er zu Xij, die sich hinter ihm in eine Hauttasche Boráans eingewickelt hatte. Wie man das bionetische Material dazu brachte, eine Art Schlafsack auszubilden, hatten sie erst kurz nach ihrer Abreise aus Agartha herausgefunden.

Xij Hamlet öffnete die Augen und blinzelte in das helle Sonnenlicht. „Mexiko?“, fragte sie.

„Liegt vor uns. Wir …“

Er verschluckte den Rest des Satzes, denn plötzlich änderte der Rochen abrupt die Richtung und gewann an Höhe.

„Hey!“ Matt griff in die Tastfelder seitlich des Nackensitzes und steuerte gegen. Gleichzeitig zog er am Zügelgeschirr, das sich um Boráans Kopfauswüchse spannte. Beides half nicht.

Xij setzte sich auf und zog die Beinschlaufen fest, die sie an den Rochen banden. „Was ist los?“

„Boráan … er reagiert nicht.“ Angespannt versuchte Matt, auf den von ihm anvisierten Kurs zurückzukehren, doch der Rochen behielt die neue Richtung bei. Er beschleunigte und gewann weiter an Höhe.

„Hast du ihn verärgert?“, fragte Xij.

„Sehr witzig. Ich habe keine Kontrolle mehr.“

„Okee … Sollen wir abspringen?“ Xij griff nach ihren Sachen, die in festgezurrten Taschen verstaut waren.

„Wir sind schon über Land und zu hoch. Was hat das verdammte Ding bloß vor?“ Bisher hatte Boráan einwandfrei funktioniert. Die daa’murische Spezialzüchtung Gal’hal’iras hatte sie gehorsam nach Agartha gebracht und von dort zurück nach Mittelamerika, wo sie in Campeche den Archivar – Samugaar! – stellen und die gewaltsame Öffnung des entarteten Tores in den zeitlosen Raum verhindern wollten.

„Zumindest bockt er nicht. Vielleicht geht es gleich vorbei.“ Xij klang hoffnungsvoll.

„Ich versuche es weiter.“

Boráan flog mehrere Kilometer, ohne auf Matts Bemühungen zu reagieren, ehe er gemächlich absank. Xij und Matt hatten ihre Ausrüstung inzwischen an sich genommen. Doch wie es aussah, mussten sie nicht abspringen.

„Er setzt zur Landung an“, sagte Matthew.

„Reagiert er immer noch nicht?“

„Nein. Er macht, was er will.“ Wären sie nicht auf Boráan, sondern auf Thgáan geflogen, dem Obersten der Lesh’iye, der jetzt unter dem versteinerten Streiter auf dem Mond lag, hätte Matt sich nicht gewundert. Thgáan besaß einen freien Willen. Boráan dagegen war ein Werkzeug. Ob Gal’hal’ira ihnen etwas Wesentliches verschwiegen hatte?

Boráan glitt einem weißen Sandstrand entgegen. In einiger Entfernung zeichneten sich Büsche und Sträucher ab. Eine riesige Kolonie von Stirnlappenbasilisken erstreckte sich vor ihnen auf dem Boden. Während der Rochen immer tiefer ging, scheuchte er die smaragdgrünen Echsen auf. Boráans langer Schwanz peitschte unwillig. Vor ihm entstand eine Schneise in dem weit und breit unbewohnten Gebiet.

Der Rochen landete. Matt versuchte vergeblich, ihn wieder nach oben zu ziehen.

„Als ob sein Tank leer wäre“, sagte Xij. Ihr Gesicht zeigte eine Mischung aus verzweifelter Komik und Ratlosigkeit. „Warum landet Boráan mitten im Nichts zwischen diesen Echsen? Hält er sie für Daa’muren?“

Matt zog seine Laserpistole und richtete sie auf eines der Tiere, das in einem Abstand von gut vier Metern zu ihnen herüberglotzte. Der Basilisk war leicht mutiert, maß über einen Meter in der Länge. Die gelb gesprenkelte Haut formte auf dem Kopf einen Stirnlappen aus, der wie ein Federbusch auf dem Schädel thronte.

„Ich hoffe, die Viecher können kein Gift spucken.“ Unbehaglich sah Matt sich um. Sie waren mitten in der Kolonie gelandet. Teils lagen die Tiere so dicht an dicht, dass man den Sand unter ihnen nicht erkennen konnte. Besonders in einem Tümpel rechts von ihnen drängten sie sich zusammen wie Schlangen bei der Paarung.

Xij kam vorsichtig neben ihn, den Kampfstab in ihrer Hand. „Was machen wir? Lassen wir Boráan zurück und schlagen uns zur Baumgrenze durch?“

„Ich hab leider kein Handbuch dabei, wie man einen Rochen repariert … Aber ernsthaft: Ich will Boráan nicht aufgeben. Ohne ihn brauchen wir vielleicht Wochen, um Campeche zu erreichen. Warten wir einfach eine Weile ab und schauen, ob er …“

In die gesprenkelten Echsen beim Tümpel kam Bewegung. Sie glitten auseinander. Mehrere blaugrün geschuppte Gestalten schnellten in die Höhe und warfen Netze.

Matt riss die Laserpistole herum. Doch ehe er zielen konnte, hatte sich ein Netz über ihn gesenkt und ihn von den Beinen gerissen. Sein Schuss ging fehl.

„Hydriten!“ Xij versuchte vergeblich, das Netz über ihrem Körper abzustreifen.

Matt erging es nicht besser. Er wand sich in den bionetischen Maschen, die sich unaufhaltsam zusammenzogen und in sein Fleisch schnitten. Schon kamen die Hydriten heran. Es waren acht.

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