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Maddrax - Folge 345

Inhalt

  1. Cover
  2. Impressum
  3. Was bisher geschah
  4. Ein zweites Leben
  5. Leserseite
  6. Zeittafel
  7. Vorschau

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Am 8. Februar 2012 trifft der Komet „Christopher-Floyd“ die Erde. Die Erdachse verschiebt sich und ein Leichentuch aus Staub legt sich für Jahrhunderte um den Planeten. Nach der Eiszeit bevölkern Mutationen die Länder und die Menschheit ist – bis auf die Bunkerbewohner – auf rätselhafte Weise degeneriert. In dieses Szenario verschlägt es den Piloten Matthew Drax, dessen Staffel beim Einschlag durch ein Zeitphänomen ins Jahr 2516 gerät. Nach dem Absturz wird er von Barbaren gerettet, die ihn „Maddrax“ nennen. Zusammen mit der telepathisch begabten Kriegerin Aruula findet er heraus, dass Außerirdische mit dem Kometen – dem Wandler – zur Erde gelangt sind und schuld an der veränderten Flora und Fauna sind. Nach langen Kämpfen mit den gestaltwandlerischen Daa’muren und Matts Abstecher zum Mars entpuppt sich der Wandler als lebendes Wesen, das jetzt erwacht, sein Dienervolk in die Schranken weist und weiterzieht. Es flieht vor einem kosmischen Jäger, dem Streiter, der bereits die Spur zur Erde aufgenommen hat!

Als der Streiter ankommt, versetzen die Gefährten einen Teil eines Steinflözes, der alles Lebendige versteinert, mit einer uralten Waffe der Hydriten in ihn. Dieser längst verlassene Flächenräumer am Südpol produzierte alle 1000 Jahre durch eine unkontrollierte Entladung der Energiespeicher eine Zeitblase.

Das Team nimmt den Kampf auf: Matt Drax, Xij Hamlet, die in sich die Geister unzähliger früherer Leben trägt, die Hydriten Gilam’esh und Quart’ol, der Erfinder Meinhart Steintrieb und der Android Miki Takeo. Dazu stößt noch der Daa’mure Grao. Er hatte auf den 13 Inseln die frisch gekrönte Königin Aruula festgesetzt und die Macht übernommen. Doch sie kommt frei und reist mit ihrem Freund Rulfan zum Südpol, um Matt zu warnen. Dabei sind die beiden entzweit, seit sie den Tod von Matts Tochter Ann verschuldete.

Zunächst gelingt es den Gefährten nicht, den Streiter zu vernichten: Der Schuss krepiert und erschafft eine neue Zeitblase! Durch sie gelangen Matt, Xij und Grao in Parallelwelten – und einen zeitlosen Raum dazwischen, in dem Archivare technische Errungenschaften aller Epochen sammeln. Sie geben ihnen das Magtron mit, das den Flächenräumer binnen Minuten aufladen kann, und schicken sie zu jenem Zeitpunkt zurück, als die Zeitblase entstand. Diesmal gelingt es, einen Teil des Flözes in den Streiter zu versetzen. Der versteinert – doch im Todeskampf schleudert er Mondtrümmer Richtung Erde.

Aruula will mit Grao abrechnen, aber Matt schickt ihn in die Eiswüste. Als Drax und Takeo einen Mondbrocken abfangen wollen, zerlegt ihn eine Atomrakete aus Kourou. Mit Takeo und seiner neuen Liebe Xij Hamlet reist Matt dorthin, während Aruula in Rulfans Burg Canduly Castle bleibt. Dort schlägt ein Trümmerstück ein; Aruula wird beim Einsturz des Kellers beinahe gelähmt.

Eine Spur führt die Gefährten bis nach Campeche in Mexiko, wo Matt und Xij von Robotern geschnappt werden. Sie dienen einem Archivar, der 2521 hier strandete und Schlangengift zum Überleben braucht, obwohl es ihn negativ verändert. Durch einen Hirnscan erfährt er vom Magtron und fliegt mit dem Shuttle nach Schottland, wo Rulfan den Supermagneten aufbewahrt. Dort rettet er Aruula vor zwei Mörderinnen, die von der neuen Königin der 13 Inseln gedungen wurden. Sie hilft Samugaar, wie sie ihn nennt, das Magtron zu erbeuten – doch ihm fehlt noch der Schlüssel, den Matt um den Hals trägt. Während alle denken, Aruula wäre tot, schließt sie sich Samugaar an.

In der Zwischenzeit befreit Miki Takeo seine Gefährten und sie setzen sich getrennt ab, bevor der Archivar zurückkehrt. Miki geht nach Amarillo, um seinen Sohn Aiko mit einer Gedächtniskopie in einem Cyborg wieder zum Leben zu erwecken. Doch in dem Speicherkristall hat sich der Geist von General Arthur Crow eingenistet, der Takeo täuscht.

Während Matt und Xij nach Schottland reisen, warten der Archivar und Aruula vergeblich in Waashton auf sie. Schließlich ziehen sie mit geraubten Datenbanken des Pentagon ab – wobei Aruula, die mehr und mehr dem Schlangengift verfällt, Mr. Blacks Gefährtin Alexandra Cross tötet! Sie erzählt Samugaar von dem Ursprung, dem lebenden Flöz in Ostdeutschland: das Material, aus dem das Torsiegel besteht! Aber dort hat sich durch das versetzte Streiter-Stück eine sich ständig wiederholende Zeitzone gebildet, die nur durch eine Sprengung aufgehalten werden kann. Der Archivar tut dies – und opfert dabei Aruula.

In Schottland erfahren Matt und Xij von Aruulas angeblichem Tod ist. Sie sind entschlossen, den Archivar auf sich aufmerksam zu machen – mit einem Laser aus dem Bunker in Salisbury. Doch der ist von Insekten bevölkert. Rulfans Vater, Sir Leonard, verbündet sich mit deren Königin und opfert sein Leben. Durch den Strahl wird aber nur eine außergewöhnliche Daa’murin angelockt, die den Helden ihren Todesrochen im Austausch gegen deren Amphibienpanzer leiht. Damit haben sie bessere Chancen, den Archivar aufzuspüren. In Canduly Castle lassen sie sich Raumanzüge schneidern, doch ihr Plan, zur AKINA zu gelangen, dem verlassenen marsianischen Raumschiff im Erdorbit, schlägt fehl.

In der Zwischenzeit taucht Aruula wieder auf – sie wurde eine Woche in die Zukunft versetzt. Bei dem Versuch, Samugaar anzufunken, infiziert sie sich in Steintriebs Labor mit Nanobots. Der Archivar bemerkt dies, schweigt aber, um selbst in den Besitz der Nanobots, die ihm nichts anhaben können, zu gelangen. In Campeche entwickelt er eine Methode, ihr Wachstum zu hemmen. Er und Aruula erhoffen sich Hilfe in Agartha. Auf dem Weg dorthin kommt es zu einer Begegnung mit Matt und Xij auf dem Rochen, die aber in den Atlantik abtauchen und dem Shuttle später unbemerkt folgen.

In Agartha infiziert Samugaar den König der Welt, um an die agarthische Technik zu kommen. Doch er macht die Rechnung ohne einen ehrgeizigen Warrior-Kämpfer, der ungewollt die Nanobots in Umlauf bringt, dabei aber auch Aruula von ihnen befreit. Als Matt und Xij eintreffen, gelingt es Samugaar, den Magtron-Schlüssel an sich zu bringen und zu fliehen. Die Verbreitung der Nanobots kann eingedämmt werden.

Ein zweites Leben

von Andreas Suchanek

Amarillo, April 2528

Als Miki Takeos Hauptsystem wieder hochfuhr, zeigten ihm seine Sensoren, so weit sie noch funktionierten, das ganze Ausmaß der Beschädigungen: Seine Plysterox-Hülle wies multiple Frakturen auf, die Servogelenke in seinem linken Bein waren zersplittert und etliche Sekundärsysteme nicht funktionsfähig.

So viel zu seinem inneren Zustand, der Besorgnis erregend genug war. Noch problematischer war allerdings die Umgebung, in der er sich befand. Miki versuchte sich aufzurichten – es misslang. Die eingestürzte Bunkerdecke hatte ihn unter Tonnen von Geröll und Beton begraben. Es glich einem Wunder, dass der Druck ihn nicht zerquetscht hatte.

Miki kontrollierte den Drucksensor, der ihm anzeigte, wie viel Bar von außen auf ihn einwirkten. Der Wert blieb zwar konstant und überstieg noch nicht das gefährliche Maß, doch es bildeten sich minütlich weitere Haarrisse in seiner Hülle. Wenn er dieser Falle nicht schnellstens entkam, war das sein Todesurteil.

Er versuchte seine Arme zu bewegen, was sich als fast unmöglich herausstellte. Einige seiner Servogelenke waren auch dort beschädigt, interne Verbindungen unterbrochen.

Mikis interne Algorithmen suchten nach Szenarien, die ihm einen Ausweg aus dieser Situation aufzeigen sollten – vorerst ergebnislos. Hatte Crow also am Ende gewonnen? Würde der Bunker unter Amarillo, in dem Miki Takeo jahrelang gelebt hatte, schlussendlich sein Grab werden?

Der böse Geist seines Erzfeindes hatte in jenem Speicherkristall überlebt, auf dem Miki die Bewusstseinskopie seines verstorbenen Sohnes Aiko vermutet hatte. Nach der Übertragung in den eigentlich für General Fudoh reservierten Androidenkörper hatte Crow alles darangesetzt, ihn, Takeo, zu vernichten. Und Keeran, ein Junge aus der Enklave – das erste Opfer des „neuen“ Crow –, hatte es ihm leicht gemacht.

Keeran hatte sich gegen Fudoh, den Leiter der Enklave, gestellt. Und als er den demontierten Körper Miki Takeos fand, setzte er ihn zusammen, um einen Verbündeten im Kampf gegen Fudoh zu haben. Weil er jedoch der Teknikk im Allgemeinen und künstlichen Menschen im Besonderen misstraute, hatte er heimlich eine Bombe in Mikis Kopf installiert, während er ihn zusammensetzte. Und Crow hatte den Fernzünder dazu an sich gebracht.

Hätte Miki den Sprengsatz nicht durch Zufall frühzeitig entdeckt und entfernt, bestünde er jetzt aus Plysterox- und Metallsplittern. Er hatte die Bombe in einem anderen Bunkerbereich deponiert, aber leider deren Sprengkraft unterschätzt. Sie hatte den gesamten Bunker einstürzen lassen.1)

Die Algorithmen kamen zum Ende und zeigten die wenigen Möglichkeiten auf, die ihm möglicherweise helfen konnten. Aufgrund der unklaren Umgebungslage standen jedoch nicht genügend Parameter für eine verbindliche Einschätzung zur Verfügung.

Miki hob seinen rechten Arm um wenige Zentimeter, schloss seine Finger um ein Teil des Zementbrockens, der auf seiner Brust lastete, und drückte dagegen. Das Teilstück zerbröselte unter seinem Griff, doch das Hauptsegment bewegte sich nicht. Er blieb gefangen.

Arthur Crow fühlte sich stark wie nie zuvor!

Während Amarillo hinter ihm zurückblieb, überprüfte er die Datenbank seines neuen Androidenkörpers, um mehr über dessen Möglichkeiten zu erfahren. Im Gegensatz zu dem veralteten Modell – Miki Takeo –, das er dank Keerans Bombe beseitigt hatte, war sein Körper etwas Besonderes.

Abgesehen von allerlei integrierten Waffen, einer verstärkten Plysterox-Hülle und diversen Sensoren besaß er sogar Gefühle. Natürlich keine echten Gefühle. Doch im Gedächtnischip war ein Modul enthalten, das dergleichen simulierte.

Crow war dankbar dafür, denn nur so konnte er seinen Triumph wirklich auskosten, das Gefühl der Macht und Überlegenheit genießen. Gut, an seinem Lachen musste er wohl noch etwas feilen; es klang eher wie das durch einen Vocoder gejagte Röcheln eines Asthmatikers. Aber sonst war er perfekt.

Seine seismischen Sensoren registrierten leichte Erschütterungen des Bodens, worauf sein künstliches Gehirn sofort zur Datenauswertung überging. Etwas kam näher. Er richtete die optischen Linsen seiner Augen darauf aus, aktivierte die Zoom-Funktion.

Eine Horde Gerule sprang heran. Die kleinen pelzigen Tiere galten als ausgesprochene Feiglinge, die nur im Rudel auf die Jagd gingen. Da es sich bei ihnen um Fleischfresser handelte, mussten sich Menschen vor ihnen in acht nehmen.

Er jedoch war viel mehr als ein Mensch. Ein perfekter Geist in einem perfekten Körper. Bei all seinem Machtstreben in der Vergangenheit hatte er etwas Derartiges niemals in Betracht gezogen: die Übertragung seiner neuralen Struktur in einen Leib, der nicht länger durch menschliche Schwächen daran gehindert wurde, sein wahres Potenzial zu entfalten.

Die Tiere waren mittlerweile so nahe, dass Crow ihr schwarzgrau gemasertes Fell, die feucht glänzende Schnauze und die spitzen Ohren auch ohne Zoom erkennen konnte.

Sie wittern mich. Arthur Crow begriff, dass sie die Ausdünstungen aufnahmen, die sein Körper erzeugte. Er sah nicht nur aus wie ein Mensch, er roch auch wie einer. Fudoh hatte nicht umsonst so viel Zeit aufgewendet, um seine Schöpfung zu perfektionieren. Der ehemalige japanische General hatte etwas erschaffen wollen, das wirklich nicht von einem Menschen zu unterscheiden war. Bisher konnte Crow ihm nur posthum gratulieren – ausgezeichnete Arbeit!

Das Rudel fächerte auf, teilte sich in zwei Gruppen.

Sie wollen mich in die Zange nehmen, begriff Crow. Wie putzig.

Die Tiere hatten noch nicht erkannt, dass sie nicht mehr Jäger, sondern Gejagte waren. Eine schöne Möglichkeit, um auszutesten, was in seinem neuen Körper steckte.

Er aktivierte seine Infrarotsensoren, da der zweite Pulk zurückfiel und damit aus seinem Blickfeld verschwand. Die Körperwärme der pelzigen Tiere loderte in Crows Gesichtsfeld auf. Es war ihm ein Leichtes, sie so zu verfolgen.

Die Zange schloss sich langsam um ihn. Nach sieben Minuten und drei Sekunden waren sie heran, entschlossen sich zum Angriff.

Zuerst testete Crow seine Agilität. Behände wich er jenen Exemplaren aus, die aggressiv auf ihn zusprangen. Im Flug fing er ihre Leiber auf und riss sie entzwei. Knochen brachen, es regnete Blut. Die zerfetzten Überreste der Gerule fielen zu Boden.

Die verbliebenen Artgenossen erkannten sofort, dass sie diesem Feind nicht gewachsen waren, und flitzten davon. Crow fuhr den Driller aus, der im Rücken seiner rechten Hand integriert war. Da seine Munition begrenzt war, wollte er sie nicht verschwenden, würde sich auf einen Schuss beschränken. Doch ein Test der Reichweite und Zielgenauigkeit der Waffe musste sein.

Eine Sekunde später zerfetzte es den vordersten Gerul in einer kleinen Explosion. Arthur Crow lachte schallend auf, erschrak über das furchtbare Geräusch und verlegte sich auf stillen Triumph. Dabei war der Driller noch die ordinärste Waffe. Sein Körper war eine Kampfmaschine auf zwei Beinen.

Diese Gerule waren nicht mehr als eine Aufwärmübung gewesen. Auf dem Weg nach Waashton würden sich zweifellos noch weitere Testobjekte finden.

Crow setzte seinen Weg fort, stapfte unbeirrt durch die blutigen Überreste der Gerule. Nun wollte er sich dem nächsten Vorzug seines neuen Körpers widmen: der Geschwindigkeit. Er verlagerte seinen Oberkörper um zehn Grad nach vorne, winkelte die Arme an und begann zu rennen.

Die Landschaft zog an ihm vorbei. Er ließ Häuserruinen, Autowracks und Straßen, die von tiefen Rissen durchzogen wurden, hinter sich und stanzte dabei tiefe Fußabdrücke in den Untergrund. Äußerlich glich er zwar einem Jello – genauer gesagt: dem jungen, unversehrten Fudoh –, doch die Mechanik und die Panzerung machten ihn erheblich schwerer als einen normalen Menschen. Der General hatte diesen Körper in einen synthetischen grauen Einteiler gekleidet. Das Material war reißfest und dehnbar, doch für die Außenwelt zu auffällig. Bei nächster Gelegenheit würde er sich andere, dezentere Kleidung beschaffen.

Crow nahm jede Information, die ihm seine Sensoren über die Umgebung lieferten, wahr: seine Geschwindigkeit, die Beschaffenheit des Bodens, die Zusammensetzung der Luft, die Infrarotbilder kleinerer Tiere. Seine Schallsensoren gaben ihm ein Feedback über weit entfernte Geräusche, die der Wind ihm zutrug. Sogar olfaktorische Sensoren waren in den Körper integriert – er konnte Gerüche analysieren. Und seine Geschwindigkeit … oh, er genoss es, ohne Fahrzeug derart schnell unterwegs zu sein.

Als er auf diese Art einige Stunden gelaufen war, begann die Landschaft sich zu verändern. Die trockene Erde der Steppe wurde weicher, die Baumgruppen standen dichter. Kleinere Wäldchen säumten den Weg. Schließlich erreichte er ein Waldgebiet und musste die Geschwindigkeit drosseln. Zu groß war die Gefahr, dass er in vollem Lauf über ein Hindernis stolperte.

In der Ferne erklang das Plätschern eines Baches, von Moos bewachsene Steine ragten aus dem Boden, die Bäume standen in saftigem Grün. Da es keine richtigen Wege mehr gab, musste er sich seinen Weg zwischen Hindernissen hindurch suchen. Hier machte sich sein Gewicht nachteilig bemerkbar, denn er trat beim Erklimmen von kleineren Hängen Steine und Erde unter sich los oder brach in Hohlräume wie Gerulnester ein.

Auf der Spitze einer Hügelkuppe blieb er stehen. Von weitem konnte er ein dunkles Lachen hören, gefolgt von Schmerzensschreien. Stimmengewirr folgte. Seine akustischen Sensoren unterschieden sofort vier Personen. Was ging da vor sich?

So leise es ihm möglich war, schlich er zur Quelle der Geräusche und lugte vorsichtig hinter einem schrundigen Felsblock, der ihm als Sichtschutz diente, hervor.

Drei bärtige, verwegen aussehende Männer standen um einen Asiaten herum, der am Boden lag, die Hände auf den Rücken gebunden.

Ausgerechnet ein Jello, ging es Arthur Crow durch den Kopf. Ist das Zufall oder Schicksal? Immerhin war er es gewesen – damals noch als Präsident des Weltrats –, der die barbarischen Nordmänner auf die Bunkerzivilisationen von Nipoo gehetzt hatte, um deren Zivilisation kleinzuhalten. Viele Jellos waren damals aus ihrer Heimat geflohen und hatten sich auch an der Westküste von Meeraka breitgemacht.

„Du bist echt zu ganix nütze“, sagte einer der Bärtigen mit überraschend piepsiger Stimme. „Wozu soll’n wir dich noch mitschleppen? Von wegen ‚Ich kann euch führen‘.“ Er verpasste dem Jello einen Tritt. „Gar nix kannste. Seit Stunden latschen wir durch diese scheiß Einöde. Wo is’n das versprochene Gasthaus? Wo is die nächste Stadt?“

„Schlitzen wir’n doch auf“, sagte ein Rotschopf, nieste kräftig und wischte sich den Rotz mit dem Unterarm ab.

„Toffe Idee“, warf der Dritte ein. Er war der Größte von ihnen, machte jedoch den einfältigsten Eindruck und hatte eine Nase, so krumm wie die Klaue eines Eluus. „Mit sei’m Blut lockmer Tiere an. Ich will Frischfleisch ham!“

Rotschopf zog eine unterarmlange, gebogene Klinge hervor, in deren Parierstange filigrane Ornamente eingearbeitet waren. „So machmers. Ich wollt sowieso schon lang mal ’nen Jello aufschlitzen.“

Alle drei lachten derb.

Erst jetzt nahm Crow die Zischlaute wahr, die am unteren Ende der Wahrnehmungsschwelle zu ihm drangen. Er richtete seine Sensoren darauf aus und fand schließlich, dank der Infrarotsensoren, deren Quelle: Vier Taratzen kauerten zehn Meter entfernt hinter einem Felsen und beobachteten die Szene. Es war unschwer zu erahnen, worauf sie aus waren.

Das wurde ja immer besser! Arthur Crow beschloss, noch eine Weile zuzusehen.

Gerade als Rotschopf seinen Säbel hob, Piepsstimme und Krummnase höhnisch lachten und der Jello um Gnade flehte, sprangen die Taratzen aus ihrer Deckung hervor. Die zwei Meter großen Kreaturen waren heran, bevor die Barbaren reagieren konnten.

Piepsstimme kreischte schrill, was in ein Gurgeln überging, als Krallen seine Kehle zerfetzten. Krummnase wehrte sich vehement, hatte jedoch keine Chance gegen seinen Gegner, ebenso wenig wie Rotschopf. Der Kampf dauerte nicht einmal zwei Minuten, dann lagen die drei Barbaren tot am Boden. Oder, genauer gesagt, ihre Überreste.

Ängstlich robbte der Jello davon, bis ein Stein in seinem Rücken – jener, hinter dem Crow kauerte – ihn stoppte. Die Taratzen zischten sich Worte in ihrer eigenen Sprache zu, die kein Außenstehender verstand.

Crow stellte überrascht fest, dass sich ein Übersetzungsmodul aktivierte, das mit seinem Gedächtnischip gekoppelt war. Der integrierte Algorithmus analysierte das Zischen, extrahierte daraus Grammatik und Semantik der Taratzen-Sprache.

Offenbar waren sich die Riesenratten uneins über ihr weiteres Vorgehen und zischten sich so lange gegenseitig an, bis das Übersetzungsmodul genug Input bekommen hatte, um schließlich die ersten Satzfetzen zu übersetzen.

„… zum Rudel.“

„… fressen … hier.“

„Was machen … Menschen? Seine Haut … sieht krank aus.“

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