Logo weiterlesen.de
Maddrax - Folge 340

Inhalt

  1. Cover
  2. Impressum
  3. Was bisher geschah
  4. Werdegang einer Daa’murin
  5. Leserseite
  6. Zeittafel
  7. Cartoon
  8. Vorschau

was-bisher-50.jpg

Am 8. Februar 2012 trifft der Komet „Christopher-Floyd“ die Erde. Die Erdachse verschiebt sich und ein Leichentuch aus Staub legt sich für Jahrhunderte um den Planeten. Nach der Eiszeit bevölkern Mutationen die Länder und die Menschheit ist – bis auf die Bunkerbewohner – auf rätselhafte Weise degeneriert. In dieses Szenario verschlägt es den Piloten Matthew Drax, dessen Staffel beim Einschlag durch ein Zeitphänomen ins Jahr 2516 gerät. Nach dem Absturz wird er von Barbaren gerettet, die ihn „Maddrax“ nennen. Zusammen mit der telepathisch begabten Kriegerin Aruula findet er heraus, dass Außerirdische mit dem Kometen – dem Wandler – zur Erde gelangt sind und schuld an der veränderten Flora und Fauna sind. Nach langen Kämpfen mit den gestaltwandlerischen Daa’muren und Matts Abstecher zum Mars entpuppt sich der Wandler als lebendes Wesen, das jetzt erwacht, sein Dienervolk in die Schranken weist und weiterzieht. Es flieht vor einem kosmischen Jäger, dem Streiter, der bereits die Spur zur Erde aufgenommen hat!

Als der Streiter ankommt, versetzen die Gefährten einen Teil eines Steinflözes, der alles Lebendige versteinert, mit einer uralten Waffe der Hydriten in die Masse des Streiters. Im Flächenräumer am Südpol entsteht alle 1000 Jahre durch die unkontrollierte Entladung der Energiespeicher eine Zeitblase.

Das Team nimmt den Kampf auf: Matt Drax, Xij Hamlet, die in sich die Geister unzähliger früherer Leben trägt, die Hydriten Gilam’esh und Quart’ol, der geniale Erfinder Meinhart Steintrieb und der Android Miki Takeo. Dazu stößt noch Grao’sil’aana, einer der letzten Daa’muren auf der Erde. Er hatte auf den 13 Inseln die Macht übernommen und die frisch gekrönte Königin Aruula in einer Höhle eingesperrt. Doch sie kommt frei und reist mit ihrem Freund Rulfan zum Südpol, um Matt zu warnen. Dabei sind die beiden entzweit: Im Kampf gegen Mutter, ein winziger Teil des lebenden Flözes, kam durch ihre Schuld Matts Tochter Ann ums Leben.

Zunächst gelingt es den Gefährten nicht, den Streiter zu vernichten: Der Flächenräumer ist nicht ganz aufgeladen. Der Schuss krepiert und erschafft eine neue Zeitblase! Durch die Schockwelle ist der Streiter für drei Stunden paralysiert, dann setzt er seinen Weg zur Erde fort. Als die kosmische Entität auf der Suche nach dem Wandler den Planeten verwüstet, bleibt Matt, Xij und Grao nur die Flucht durch die neue Zeitblase.

Sie stellen bald fest, dass sie durch Parallelwelten reisen. Dabei geraten sie in den zeitlosen Raum zwischen den Welten, in dem Archivare technische Errungenschaften aller Epochen sammeln. Sie geben ihnen das Magtron mit, das den Flächenräumer binnen Minuten aufladen kann, und schicken sie zu jenem Zeitpunkt zurück, als die Zeitblase entstand. Diesmal gelingt es, einen Teil des Flözes in den Streiter zu versetzen. Der versteinert – doch im Todeskampf schleudert er Mondtrümmer Richtung Erde.

Als Aruula und Rulfan im Flächenräumer ankommen, will die Kriegerin mit Grao abrechnen, doch Matt schickt ihn in die Eiswüste. Mit dem Shuttle fliegen Drax und Takeo einem riesigen Mondbrocken entgegen – und der AKINA, die führerlos auf die Erde zuhält. Matt will mit dem Raumschiff das Trümmerstück vom Erdkurs abbringen. Da rast eine Atomrakete heran und zerlegt den Brocken. Sie kam aus Kourou. Mit Takeo und seiner neuen Liebe Xij Hamlet reist Matt dorthin, während die verbitterte Aruula vorerst in Rulfans Burg Canduly Castle bleibt. In Französisch-Guayana stoßen Matt, Xij und Miki Takeo auf eine Gesellschaft, die den Weltraumbahnhof der ESA in Schuss hält.

Ein weiteres Trümmerstück schlägt neben Canduly Castle ein. Aruula wird beim Einsturz des Kellers beinahe gelähmt. Gleichzeitig überfallen Indios mit Schlangen um den Hals Kourou, um Waffen zu erbeuten. Die Gefährten folgen ihnen bis nach Campeche in Mexiko, wo das Mondshuttle von einem EMP getroffen wird und abstürzt! Matt und Xij werden von den Robotern eines mysteriösen „Großen Herrn“ geschnappt. Er ist ein Archivar, der 2521 hier strandete und das Schlangengift zum Überleben braucht, obwohl es ihn negativ verändert.

Durch einen Hirnscan erfährt er vom Magtron, mit dem er das Tor in seine Dimension öffnen könnte. Mit dem Shuttle fliegt er nach Schottland, wo Rulfan den Supermagneten für Matt aufbewahrt. Dort rettet er Aruula vor zwei gedungenen Mörderinnen, die von der neuen Königin der 13 Inseln geschickt wurden. Zum Dank hilft sie Samugaar, wie sie ihn nennt, das Magtron zu erbeuten – das ihm aber nichts nutzt ohne den Schlüssel, den Matt um den Hals trägt. Heimatlos geworden, schließt Aruula sich Samugaar an.

In der Zwischenzeit befreit Miki Takeo seine Gefährten und sie setzen sich getrennt ab, bevor der „Große Herr“ zurückkehrt. Miki geht nach Amarillo, um seinen Sohn Aiko mit einer Gedächtniskopie in einem Androidenkörper wieder zum Leben zu erwecken. Doch in dem Speicherkristall hat sich der Geist von General Arthur Crow eingenistet, der Takeo täuscht – und ihn vernichtet?

Während Matt und Xij mit einer gestohlenen Transportqualle der Hydriten nach Schottland reisen, warten der Archivar und Aruula vergeblich in Waashton auf sie. Schließlich ziehen sie mit geraubten Datenbanken des Pentagon ab – wobei Aruula, die mehr und mehr dem Schlangengift verfällt, Mr. Blacks Gefährtin Alexandra Cross tötet! Sie erzählt Samugaar von dem Ursprung, dem lebenden Stein in Ostdeutschland: das Material, aus dem das Torsiegel besteht! Aber dort hat sich durch das versetzte Streiter-Stück eine sich ständig wiederholende Zeitzone gebildet, die nur durch eine Sprengung aufgehalten werden kann. Der Archivar tut dies – und opfert dabei Aruula.

In Schottland erfahren Matt und Xij von Aruulas angeblichem Tod – und dass der „Große Herr“ ein Archivar ist. Sie sind entschlossen, ihn anzulocken und zu stellen – indem sie vom Bunker in Salisbury aus mit einem Laser auf den Mond zielen. Doch der Bunker ist von Insekten bevölkert …

Werdegang einer Daa’murin

von Michelle Stern

Kratersee, viele Jahre zuvor

Du liegst eingeschlossen in grünem Leuchten. Dein Geist ist träge, zufrieden, müde. Ein seliger Halbschlaf in der Dämmerung des Bewusstseins hält dich umfangen.

Da sind andere. Tausende. Aber sie sind nicht wie du. Du spürst, dass sie sich unterhalten, dass sie Kontakt zueinander haben, doch du hörst nicht, was sie sagen.

Dein mentaler Finger streift über die Wand hinter dem Leuchten. Rauer Stein. Kristall. Du fühlst den feinen Riss, der sich quer durch das Grün zieht wie eine trennende Wand.

Bald wirst du erwachen. Und anders sein.

Salisbury, Mai 2528

Achtung, Wasserung!“ Xij Hamlet steuerte PROTO auf einen kleinen See zu. Sie durchpflügte das sanft abfallende Ufer, tauchte ins Wasser ein und durchquerte es. Der Grund war so niedrig, dass sie nur auf einer Strecke von wenigen Metern von ihm abhoben und schwammen, ehe sie das gegenüberliegende Ufer erreichten und die Räder wieder griffen. Mühelos schoss der Amphibienpanzer das Ufer der kleinen, spärlich bewachsenen Insel in der Mitte des Sees empor. Einen Augenblick zeigten die Außenkameras verwischte Bilder, aufgespritzte Wassertropfen perlten über die Optik. Dann klärte sich die Sicht.

„Okay, halt an.“ Matthew Drax beobachtete auf den Monitoren das Verhalten der Insekten, die dem Panzer folgten. Gerade erst war er knapp dem Tod entkommen, als er mit dem mobilen Laser aus dem Bunker der Community von Salisbury geflohen war.

„Sind wir wirklich in Sicherheit?“, fragte Ronn vom Cockpitzugang her. Das Mädchen – Daana – drückte sich an ihn. Matt hatte beide aus dem von Käfern überschwemmten Bunker mitnehmen können – dafür aber Sir Leonard Gabriel in den Wirren der Flucht verloren. Noch immer fehlte von ihm jedes Lebenszeichen.

„Wie es aussieht, hat der Großteil die Verfolgung aufgegeben.“ Er kontrollierte über PROTOS Messfunktionen den Außenbereich um den Panzer herum. „Keine Käfer oder Kakerlaken. Aber einige der Wespen.“

Matt schauderte. Im Bunker hatten sich die Wespen in einer Art Brutkammer aus toten Käferlarven herausgefressen und Ronn und Daana verfolgt.

„Soll ich weiterfahren?“, fragte Xij.

„Nein.“ Matt zoomte die Wespen heran. Es waren sieben Exemplare, jede Einzelne so lang wie ein Unterarm. „Wir warten ab, ob das alle sind und ob sie von selbst abfliegen. Inzwischen sind wir ein gutes Stück vom Bunker entfernt. Falls sich Sir Leonard meldet, möchte ich nicht noch weiter weg sein.“

„Warum verfolgen uns die Käfer nicht mehr?“, fragte Ronn.

„Sie haben schon am Bunker von mir abgelassen.“ Matt drehte sich zu dem Jugendlichen um. „Warum, weiß ich nicht. Nur ein Teil des Schwarms ist uns gefolgt. Ich glaube, sie haben etwas Zeit gebraucht, um einander mitzuteilen, dass die Jagd auf uns beendet ist.“

„Mitzuteilen?“, fragte Ronn verwundert. „Die Buggs können reden?“

„Nein“, sagte Xij. „Sie verständigen sich vermutlich über Tänze oder Pheromone.“

Ronn sah sie fragend an. Offensichtlich konnte er mit beiden Begriffen wenig anfangen. Daana schwieg und drückte sich weiterhin eng an den Älteren.

„Durch Bewegungen und bestimmte Duftstoffe“, erklärte Matt. „Ich frage mich aber viel mehr, warum sie überhaupt mit der Verfolgung aufgehört haben, nachdem sie uns fast schon hatten. Es ist seltsam.“

Auf dem Bildschirm umkreisten die Wespen den stehenden Amphibienpanzer. Zwei von ihnen attackierten PROTO im zornigen Sturzflug, prallten jedoch an der harten Außenhülle ab. Sie stellten keine Gefahr dar. Die Verschalung des Panzers würden sie niemals durchdringen können.

Matt hob das Funkgerät. „Sir Leonard? Bitte melden!“ Ein Rauschen und Knacken. Sonst nichts. Er versuchte es erneut – mit demselben Ergebnis.

Xij begegnete seinem Blick. Sie sprach es wegen Ronn und Daana nicht laut aus, aber ihre Befürchtung stand ihr ins Gesicht geschrieben: Er muss tot sein.

Niemand hätte einen solch massiven Ansturm von Käfern überleben können, wie Matt und die Kinder ihm nur knapp entkommen waren. Tausende Insekten hatten die Gänge des alten Community-Bunkers geflutet, nachdem das Heer der Insekten unverhofft nach dem Ende der Dämmerung wieder in die Anlage zurückgekehrt war.

„Steigen wir aus und kümmern uns um die Viecher“, sagte Matt. „Ich will wissen, ob der Laser funktioniert.“ Er hängte sich das Funkgerät an den Gürtel, um eine Meldung Sir Leonards jederzeit empfangen zu können. Noch war es zu früh, Rulfans Vater abzuschreiben. Vielleicht war es ihm ja doch gelungen, sich in einen leeren Raum zurückzuziehen und die Tür zu schließen.

Sie brachten Ronn und Daana in den Kojen des Mannschaftsschlafraums unter. Dann ging Matt in den hinteren Teil des Panzers und fuhr die Rampe herunter. Sofort drang ihm ein wütendes Summen an die Ohren. Die beiden Wespen, die PROTO attackiert hatten, trudelten noch benommen durch die Luft. Fünf andere erhoben sich in die Lüfte und wandten sich ihm und Xij zu.

Noch bevor die Rampe den Boden berührte, sprang Matt aus dem Panzer und zielte mit der Laserpistole, jederzeit bereit, sich wieder zurückzuziehen. Xij kam neben ihm auf und holte gleich eines der Tiere mit einem Schuss aus der Luft. Die beiden Laserpistolen waren eine Leihgabe von Rulfans gewesen, als sie vor einigen Tagen von Canduly Castle aufgebrochen waren.

Auch Matt drückte ab. Für einige Sekunden konzentrierte er sich allein darauf: zielen, schießen, zielen, schießen. Zwei der Wespen stießen in ihre Richtung vor und lagen am Boden, ehe sie sie erreichten. Ihr Tod gab Matt ein Gefühl von Genugtuung. Diese verdammten Viecher hatten vermutlich Sir Leonard umgebracht.

Das wütende Brummen erstarb nach und nach, bis alle Wespen reglos auf dem Rücken lagen, die Beine zum Körper hin verkrümmt. Matts Atem wurde wieder ruhiger.

„Okay; hoffen wir, dass keine anderen Wespen nachkommen. Schaffst du den Laser zur oberen Luke, Xij? Ich klettere inzwischen hinauf und lege einen Anschluss frei. Wir müssen ihn mit PROTOs Reaktor verbinden.“

„Kommt sofort.“ Xij verschwand im Inneren, um den gut vierzig Kilogramm schweren Laser zu holen, mit dem sie den Archivar anlocken wollten.

Matt schob die Laserpistole ins Holster und kletterte über einen der Reifen auf PROTOs Dach. Über eine Außensteckdose verfügte der Panzer leider nicht; er würde einen der Anschlüsse der Waffenphalanx abklemmen müssen, um den mobilen Laser dort anzuschließen.

Unterdessen schleppte Xij den Laser – eine Kugel mit Abstrahlvorrichtung in einem quadratischen Gehäuse – zur Sprossenleiter, die zu der Notluke im Dach hinaufführte. Ungefragt glitt Ronn aus seiner Koje und half ihr dabei. „Daana schläft“, flüsterte er. „Verratet ihr mir jetzt, wer ihr seid? Woher kommt ihr?“

Xij legte den Hebel um, der die kreisförmige Luke öffnete. Matts Gesicht tauchte in dem Rund auf. „Bin noch nicht soweit“, sagte er knapp. „Zwei, drei Minuten noch.“

Xij wandte sich an Ronn. „Das ist eine lange Geschichte“, antwortete sie ihm.

„Ihr seid Tekknoos, oder?“, fragte Ronn. „Tech-nos“, wiederholte er langsamer. „So spricht Lucy es aus. Aber ihr habt Haare.“

„Wer ist Lucy?“, fragte Xij.

„Eine von uns. Wir sind die Craazys.“

„Gehört ihr zu den Lords?“ Sie wusste von dem Barbarenstamm, der im Süden Britanas hauste. Sir Leonard hatte ihr davon erzählt, dass es damals blutige Auseinandersetzungen seiner Community mit den Lords gegeben hatte.

Nein. Wir sind eine eigene Gruppe.“

„Natürlich. Sonst könntet ihr ja kein ‚r‘ aussprechen“, erinnerte sich Xij an dieses Detail.

„Konnten wir ursprünglich auch nicht. Lucy hat es uns beigebracht.“

Matt erschien wieder in der Luke. Er hatte sich aufs Dach gelegt und reichte Xij die Abdeckung des Tasers nach unten. „Ich habe euer Gespräch mit angehört“, sagte er, während Xij das Teil verstaute. „Wir kennen einige Technos, aber wir sind keine.“

Dem Jungen zu erklären, dass er ein Mensch des 21. Jahrhunderts war, der durch den Zeitstrahl der Hydree über fünfhundert Jahre in die Zukunft geschleudert worden war, wäre viel zu kompliziert gewesen. Genauso wie Xijs umfangreiche Geschichte, die nicht nur ein Leben umfasste, sondern ein paar Tausend.

Xij reichte Matt das Seil hoch, das seit der Bergung aus dem Bunker an dem mobilen Laser befestigt war. „Gehörte diese Lucy zu den Technos, Ronn?“, fragte sie dabei.

Doch er kam nicht mehr zu einer Antwort. „Ronn?“, erklang in diesem Augenblick Daanas Stimme aus dem Mannschaftsquartier, und er lief sofort los, um nach ihr zu sehen.

Matt stellte sich breitbeinig über die Luke, packte das Seil und zog das wertvolle Gerät Stück für Stück vorsichtig zu sich. Es passte ganz knapp durch die Öffnung.

Xij Hamlet folgte über die Leiter und gemeinsam platzierten sie den Laser neben der Waffenphalanx. „Diese Lucy … ich vermute, dass sie aus dem Bunker stammt“, sagte Xij. „Lucy ist kein Barbarenname, und hast du Ronns Rucksack gesehen? Der besteht aus synthetischem Gewebe, nicht aus Taratzenfell.“

„Die findet man doch in jeder Ruinenstadt“, schränkte Matt ein. Doch auch ihn erfüllte der Gedanke, hier auf Technos zu treffen, mit Hoffnung. Vielleicht waren Sir Leonards Leute ja nicht die einzigen Überlebenden der Community Salisbury.

„Klären wir das später.“ Xij richtete sich auf und sah sich aufmerksam um. Doch es war keine Wespe zu sehen und auch kein Brummen zu hören, das weitere Störenfriede angekündigt hätte. „Was machen wir, wenn der Laser funktioniert? Willst du ihn auf PROTOs Dach stehen lassen?“

Ursprünglich hatten sie den Laser direkt beim Bunker einsetzen und den Archivar so in die Anlage hineinlocken wollen, um ihn dort festzusetzen. Doch wegen des Insektenheeres war das nicht mehr möglich; kein vernunftbegabtes Wesen würde in eine Anlage vordringen, die von mutierten Insekten befallen war.

„Nein, natürlich nicht“, sagte Matt und schaute über den See zum anderen Ufer hinüber. „Wir brauchen eine neue Falle. Und ein Verlängerungskabel, das lang genug ist, um den Panzer in einiger Entfernung in einem Versteck zu parken. Aber nun lass uns erst mal testen, ob das Ding überhaupt funktioniert.“

Bilbao, Spanien, Sommer 2523

Gal’hal’ira half zwei Mägden, den Zuber mit dampfendem heißen Wasser zu füllen. Sie ging nackt durch das Badegemach – eines von Vieren, das sich im Westflügel befand und in dem Graf Diegoo sie hatte unterbringen lassen. Nachdem sie den letzten Eimer ausgeleert hatte, glitt sie in das dampfende, nach Oliven- und Zitronenöl duftende Wasser. Eine Wohltat für ihren thermophilen Körper.

Die Daa’murin mochte das stilvoll eingerichtete Bad mit dem Mosaikboden und genoss die Annehmlichkeiten im Schloss des Grafen. „Plaza Moyuu“, wiederholte sie den Namen des Platzes, auf dem ihr neues Heim stand. „Wer hätte das gedacht.“ Sie grinste eine der Mägde an. „Von der Forschungsstation im daa’murischen Außenposten in ein Schloss der Primärrassenvertreter. Na ja, früher hätte man es bestens ein größeres Stadthaus genannt, aber es ist genug Platz da für alle …“

Die Magd – Martaa – lächelte schüchtern. Ihr Gesicht war ein einziges großes Fragezeichen, doch sie wagte nicht zu antworten vor Angst, vielleicht etwas Falsches zu sagen.

„Kein Platz für dich, Señioraa Ira“, sagte eine scharfe Frauenstimme.

Gal’hal’ira sah auf. Vor ihr stand in einem Prachtkleid aus roter Seide mit zahlreichen Rüschen an Ärmeln und Brustteil die zierliche Frau des Grafen, Señioraa Beatrii, deren Stimme ihren schwach wirkenden Körper Lüge strafte. Ein Goldreif lag um ihren Hals und glänzte mit den in Öl eingelegten Haaren um die Wette. Sie musste um die vierzig Sommer alt sein, war von schlanker Gestalt und großer Anmut.

„Was meint Ihr, Gräfin?“, fragte Gal’hal’ira. „Allein dieses Stockwerk hat an die zweihundert Quadratmeter. Genug Raum, sollte man meinen, oder?“ Im Hintergrund verließen die Mägde fluchtartig das Bad.

Señioraa Beatrii trat dicht an die Wanne heran. Ihr Blick zeigte Ekel und Zorn. „Du weißt sehr gut, was ich meine.“

Nein, das wusste sie nicht. Gal’hal’ira verschränkte die Arme vor der Brust – nicht um ihre Blöße zu bedecken, sondern weil sie die Geste bei den Menschen abgeschaut hatte und sie mochte. Sie zeigte Abstand und Selbstsicherheit. „Was wollt Ihr? Es gibt noch drei andere Bäder! Sucht Euch eins aus.“ Sie würde auf keinem Fall aus dem wohltuenden heißen Wasser steigen.

„Putaa!“, zischte Beatrii. „Ich weiß genau, was du willst. Mir den Mann wegnehmen, das willst du! Ich warne dich! Sieh zu, dass du verschwindest, solange du es noch kannst!“

„Ich habe ein Versprechen gegeben.“ Gal’hal’ira war verwirrt. „Morgen ziehe ich los und töte ein bis zwei dieser Siranrippen oder wie die heißen. Warum sollte ich vorher verschwinden?“

„Stell dich nicht dumm. Du magst Diegoo um den kleinen Finger gewickelt haben mit deinen langen Beinen und der großen Klappe, aber mit mir machst du das nicht.“

Um den Finger wickeln – den Spruch musste Gal’hal’ira sich merken. „Ich habe niemanden um nichts gewickelt. Ich … Hey!“ Die Frau des Grafen rauschte mit klackenden Holzabsätzen aus dem Bad. „Starker Abgang“, murmelte Gal’hal’ira. Ob die Gräfin eifersüchtig war? Aber Diegoo hatte nicht einmal versucht, sich ihr zu nähern. An Sex mit ihr schien er kein Interesse zu haben.

Gal’hal’ira hatte den Verdacht, dass er ihr nur geholfen hatte, um dem Pastoo eins auszuwischen. Als Pastoo Rodriguu sie auf dem Platz hatte hinrichten wollen, hatte Diegoo zu ihren Gunsten eingegriffen, um seine Machtstellung zu demonstrieren und deutlich zu zeigen, wer in Bilboo Urteile unterschrieb und vollstrecken ließ. Oder?

Das Verhalten der Menschen verwirrte sie. Das, was auf den ersten Blick logisch erschien, hatte oft eine Essenz von Unlogik in sich, auf die ein Daa’mure niemals gekommen wäre.

Nachdenklich betrachtete Gal’hal’ira den nackten Körper, den sie sich gegeben hatte. Meistens konnte sie die Form aufrechterhalten. Nur in seltenen Momenten, wenn sie in Panik geriet, oder sich sehr stark entspannte, verwandelte sie sich zurück in ihre Echsengestalt.

„Die Menschen sind alle furchtbar kompliziert“, murrte sie. „Vom Haushofmeister, dem es missfällt, dass ich ohne zu fragen an die Vorratskammer gehe, um den Geschmack von Wurst zu testen, bis hin zum Gärtner, dessen Pflanzen ich nicht probieren darf.“ Woher hatte sie denn wissen sollen, dass die Roosen nicht zum Essen da waren, sondern zum Züchten, wie man ihr anschließend mit Nachdruck erklärt hatte?

Auch die Dienerinnen hatte sie schon verwirrt: als sie sich hinter einer Trennwand für das Bad „ausgezogen“ hatte. Bei ihr bedeutete das, den aus Körpersubstanz nachgebildeten Stoff einfach wieder in sich aufzunehmen. Die Mägde allerdings waren bestürzt gewesen, kein Kleidungsstück vorzufinden, als Gal’hal’ira den Sichtschutz verließ. Sie würde sich wohl echte Kleider besorgen müssen, um solche Vorfälle künftig zu vermeiden.

Aber die Menschen waren auch spannend.

Wollen Sie wissen, wie es weiter geht?

Hier können Sie "Maddrax - Folge 340" sofort kaufen und weiterlesen:

Amazon

Apple iBookstore

ebook.de

Thalia

Weltbild

Viel Spaß!



Kaufen