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Maddrax - Folge 337

Inhalt

  1. Cover
  2. Impressum
  3. Was bisher geschah
  4. Zombies in New York
  5. Leserseite
  6. Zeittafel
  7. Vorschau

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Am 8. Februar 2012 trifft der Komet „Christopher-Floyd“ die Erde. Die Erdachse verschiebt sich und ein Leichentuch aus Staub legt sich für Jahrhunderte um den Planeten. Nach der Eiszeit bevölkern Mutationen die Länder und die Menschheit ist – bis auf die Bunkerbewohner – auf rätselhafte Weise degeneriert. In dieses Szenario verschlägt es den Piloten Matthew Drax, dessen Staffel beim Einschlag durch ein Zeitphänomen ins Jahr 2516 gerät. Nach dem Absturz wird er von Barbaren gerettet, die ihn „Maddrax“ nennen. Zusammen mit der telepathisch begabten Kriegerin Aruula findet er heraus, dass Außerirdische mit dem Kometen – dem Wandler – zur Erde gelangt sind und schuld an der veränderten Flora und Fauna sind. Nach langen Kämpfen mit den gestaltwandlerischen Daa’muren und Matts Abstecher zum Mars entpuppt sich der Wandler als lebendes Wesen, das jetzt erwacht, sein Dienervolk in die Schranken weist und weiterzieht. Es flieht vor einem kosmischen Jäger, dem Streiter, der bereits die Spur zur Erde aufgenommen hat!

Als der Streiter ankommt, versetzen die Gefährten einen Teil eines Steinflözes, der allem Lebendigen die Energie entzieht und es versteinert, mit dem Flächenräumer, einer Waffe der Hydriten am Südpol, in die Masse des Streiters. Im Flächenräumer entsteht alle 1000 Jahre durch die unkontrollierte Entladung der Energiespeicher eine Zeitblase.

Das Team nimmt den Kampf auf: Matt Drax, Xij Hamlet, die in sich die Geister unzähliger früherer Leben trägt, die Hydriten Gilam’esh und Quart’ol, der geniale Erfinder Meinhart Steintrieb und der Android Miki Takeo. Dazu stößt noch Grao’sil’aana, einer der letzten Daa’muren auf der Erde. Er hatte auf den 13 Inseln die Macht übernommen und die frisch gekrönte Königin Aruula in einer Höhle eingesperrt. Doch sie kommt frei und reist mit ihrem Freund Rulfan zum Südpol, um Matt zu warnen. Dabei sind die beiden entzweit: Im Kampf gegen Mutter, ein winziger Teil des lebenden Flözes, kam durch ihre Schuld Matts Tochter Ann ums Leben.

Zunächst gelingt es den Gefährten nicht, den Streiter zu vernichten: Der Flächenräumer ist nicht ganz aufgeladen. Der Schuss krepiert und erschafft eine neue Zeitblase! Durch die Schockwelle ist der Streiter für drei Stunden paralysiert, dann setzt er seinen Weg zur Erde fort. Als die kosmische Entität die Oberfläche des Planeten auf der Suche nach dem Wandler vernichtet, bleibt Matt, Xij und Grao nur die Flucht durch die neue Zeitblase.

Sie stellen bald fest, dass sie durch Parallelwelten reisen. Dabei geraten sie in den zeitlosen Raum zwischen den Welten, in dem Archivare technische Errungenschaften aller Epochen sammeln. Sie geben ihnen ein Gerät mit, das den Flächenräumer binnen Minuten aufladen kann: das Magtron. Sie kehren zu jenem Zeitpunkt zurück, als die Zeitblase entstand, und diesmal gelingt es, einen Teil des Flözes in den Streiter zu versetzen. Der versteinert – doch im Todeskampf schleudert er Mondtrümmer Richtung Erde.

Als Aruula und Rulfan im Flächenräumer ankommen, will die Kriegerin mit Grao abrechnen, doch Matt erreicht, dass er nur verbannt und in die Eiswüste geschickt wird. Mit dem Shuttle fliegen Drax und Takeo einem riesigen Mondmeteoriten entgegen – und der AKINA, die führerlos auf die Erde zuhält. Matt will mit dem Raumschiff das Trümmerstück vom Erdkurs abbringen. Da rast von der Erde eine Atomrakete heran und zerlegt den Brocken. Sie kam aus Kourou in Französisch-Guayana. Mit Takeo und seiner neuen Liebe Xij Hamlet reist Matt dorthin, während die verbitterte Aruula vorerst in Rulfans Burg Canduly Castle bleibt. In Kourou stoßen Matt, Xij und Miki Takeo auf eine Gesellschaft, die den Weltraumbahnhof der ESA in Schuss hält.

Ein weiteres Trümmerstück schlägt neben Canduly Castle ein und bringt den Keller zum Einsturz. Aruula wird beinahe gelähmt, als sie Rulfans Familie mit ihrem Körper abschirmt. Gleichzeitig überfallen Indios mit Schlangen um den Hals Kourou, um Waffen zu erbeuten. Die Gefährten folgen ihnen bis nach Campeche in Mexiko, wo das Mondshuttle von einem EMP getroffen wird und abstürzt! Matt und Xij werden von den Robotern eines mysteriösen „Großen Herrn“ geschnappt. Er ist ein Archivar, der 2521 hier strandete und das Gift der Schlangen zum Überleben braucht, obwohl es ihn negativ verändert.

Durch einen Hirnscan erfährt der Archivar vom Magtron, mit dem er das Tor in seine Dimension öffnen könnte. Mit dem Shuttle fliegt er nach Schottland, wo Rulfan den Supermagneten für Matt aufbewahrt. Dort rettet er Aruula vor zwei gedungenen Mörderinnen, die von der neuen Königin der 13 Inseln ausgeschickt wurden. Zum Dank hilft sie Samugaar, wie sie ihn nennt, das Magtron zu erlangen – das ihm aber nichts nutzt ohne den Schlüssel, den Matt um den Hals trägt. Heimatlos geworden, schließt Aruula sich ihm an.

In der Zwischenzeit befreit Miki Takeo seine Gefährten und sie können sich getrennt absetzen, bevor der „Große Herr“ zurückkehrt. Miki geht nach Amarillo, um ein altes Vorhaben in die Tat umzusetzen: seinen Sohn Aiko dank einer Gedächtniskopie in einem Androidenkörper wieder zum Leben zu erwecken. Doch in dem Speicherkristall hat sich der Geist von General Arthur Crow eingenistet, der Takeo täuscht – und ihn vernichtet?

Matt und Xij, auf dem Weg nach Waashton, werden von Hydriten abgefangen, die Matt für ein angebliches Verbrechen verurteilen wollen. Ihnen gelingt mit Hilfe der Hydriten Bel’ar die Flucht – während der Archivar und Aruula in Waashton vergeblich auf die beiden warten und schließlich mit geraubten Datenbanken des Pentagon abziehen. Dabei wird Alexandra Cross, WCA-Präsidentin und Mr. Blacks Gefährtin, von Aruula, die mehr und mehr dem Schlangengiftserum verfällt, getötet.

Zombies in New York

von Sascha Vennemann

Nuu’ork, Januar 2517

Als die ersten kalten Hände seine Haut berührten, wich jeder Lebenswille aus ihm. Über sich hörte Tek den bärtigen Mann rufen, sah das Seil, das der ihm zugeworfen hatte, damit er sich noch in den Ballon retten konnte.

Aber es war zu spät. Die Frosen hatten ihn erreicht, seine Knöchel gepackt und ihn zu Boden gezwungen. Hier lag er nun, der ehemalige Wächter des Sonnenkorns, das beinahe das Ende der Stadt gewesen wäre, und wartete auf die Klauen, die ihn zerreißen, und die Zähne, die blutige Brocken aus seinem Gesicht und Torso beißen würden.

Nuu’ork gehörte jetzt den Frosen und würde untergehen. Und er würde mit der Stadt sterben …

Während sich der Himmel über dem hageren Mann verdunkelte, weil sich immer mehr nackte, bleiche Leiber über seinen erschlafften Körper schoben, zogen die Ereignisse der letzten Tage noch einmal vor Teks geistigem Auge vorbei. Die Last der Frosen, die sich auf ihn warfen und an seinen Gliedmaßen zerrten, trieb ihm die Luft aus den Lungen.

Aber das war ihm jetzt egal. Er hätte schon viel früher sterben können, wenn dieser Maddrax nicht gewesen wäre und Nuu’ork davor bewahrt hätte, in einem flammenden Inferno zu verbrennen. Wenn der blonde Mann mit dem Wissen vergangener Tage ihn nicht auf den fatalen Irrtum aufmerksam gemacht hätte, den die Legenden um das Sonnenkorn gesponnen hatten.

Tek dachte an die Wochen und Monate, die er mit der Pflege des Sonnenkorns zugebracht hatte. Wie er dessen heilige Schrift, die Anleitung, studierte, die Wudan persönlich auf der Hülle hinterlassen hatte. Als Botschaft an ihn, seinen redlichen Diener, so hatte Tek geglaubt. In weiser Voraussicht hatte der Gott gehandelt, im Wissen, dass Nuu’ork eines Tages unter Schnee und Eis versinken würde, nachdem Kristofluu auf die Erde niedergeschlagen war. So sagte es die Legende.

Eine falsche Legende, die wohl nur Orguudoo in die Welt gesetzt haben konnte! Wie sonst war es möglich, dass das Sonnenkorn, das alle wärmen sollte, sie beinahe verbrannt hätte?

Maddrax hatte die heilige Hülse geraubt und mit einem Schiff weit aufs Meer hinaussegeln lassen, wo sie sich geöffnet und ihr Verderben in Form einer pilzförmigen Wolke in die Welt entlassen hatte. Nicht auszudenken, wäre das hier in der Stadt passiert.1)

Teks Körper reagierte auf die zahlreichen Nervenimpulse, die sein Gehirn erreichten, mit Taubheit. Es war nicht nur die Kälte, die ihn lähmte. Das beständige Tasten kalter Finger über seine Haut, das ohrenbetäubende Gestöhne, der Gestank der toten Leiber, die sich an ihm rieben und auf ihn geiferten … all das war zu viel für seinen Verstand.

Vergessen war die Flucht auf das Hochhausgebäude. Schon verblassten die Gesichter von Yuuli und Pieroo, den beiden Gefährten von Maddrax, die Tek als letzten Akt der Wiedergutmachung selbstlos gerettet hatte, indem er ihren improvisierten Ballon vom Dach losgeschnitten hatte und davonschweben ließ.

O Wudan, nimm mich trotz all meiner Irrungen an Deiner Tafel an!, flehte er still. Ich wusste nicht, was ich tat. Lass mich Maddrax und Colomb, die Du schon zu Dir genommen hast, dort wiedersehen. Wie sonst hätten die Frosen bis hierher durchdringen und die Barriere überwinden können, die die beiden Männer schützen sollten? Sie mussten tot sein. Lass mich nicht zu einem der wandelnden Toten werden. Lass Orguudoo nicht triumphieren!

So betete Tek, begraben unter einem wimmelnden Haufen lebendiger Leichen, und wartete auf sein Ende.

Irgendetwas stimmte nicht!

Tek riss die Augen auf und stieß gleich darauf einen überraschten Schrei aus. Über ihm war trüber, wolkiger Himmel und er konnte atmen!

War er bereits tot? Sah so Wudans Tafel aus? Oder war er – was er nicht hoffte – doch in Orguudoos Reich hinabgezogen worden?

Er versuchte sich zu bewegen und stellte fest, dass sein Körper immer noch gelähmt und taub war. Tek wandte den Kopf zur Seite und stellte fest, dass ihm noch ein anderes Schicksal bevorzustehen schien.

Mit dem Rücken in den Schnee des Hochhausdachs gedrückt, hielten ihn die Frosen fest, sodass er sich nicht rühren konnte. Er spürte seine Arme und Beine nicht mehr, hörte die Geräusche wie das Knurren der Zombies und seine eigenen wimmernden Laute nur noch gedämpft, als hätte man ihm einen Schal um die Ohren gebunden.

„Was wollt ihr von mir?“, keuchte er und versuchte sich zu bewegen. Heißer Schmerz durchfuhr seine Schultergelenke. Von der Hüfte abwärts merkte er gar nichts mehr. Er konnte lediglich den Kopf heben und ein wenig drehen.

Täuschte er sich oder verzog der nackte, glatzköpfige Mann, der neben ihm kniete und seinen linken Oberarm festhielt, das ausdruckslose Gesicht zu einem perfiden Grinsen?

Mit einem schrecklichen Laut würgte der Frosen einen Schwall Eiswürmer hervor. Die Masse aus schleimigem Speichel und dünnen, fingerlangen Würmern wand sich auf Teks entblößtem Brustkorb. Auch das spürte der ehemalige Wächter des Sonnenkorns nicht.

„O nein! Alles, bloß das nicht!“, brüllte er panisch und versuchte erneut, sich loszureißen. Irgendetwas in seinem rechten Schultergelenk knackte vernehmlich, dann schob sich von allen Seiten her die Finsternis einer sich anbahnenden Ohnmacht vor seine Augen. Aber noch hielt er sich tapfer.

„Warum tötet ihr mich nicht? Bitte, erlöst mich doch!“

Tek wusste, was ihm bevorstand. Die Eiswürmer, diese seltsamen Parasiten, waren dafür verantwortlich, dass es die Frosen überhaupt gab. Sie bohrten sich in menschliche Körper und löschten deren Persönlichkeit aus. Und da sie die Körperwärme der Menschen nicht vertrugen, trieben sie ihre Wirte dazu, sich zu entkleiden und langsam auszukühlen. So weit, bis sie den Tod fanden – und doch weiterleben mussten, weil die Würmer es ihnen befahlen.

Immer mehr Frosen waren in den letzten Wochen in Nuu’ork aufgetaucht. Sie kamen aus den Eistunneln, aus dem Untergrund, aber bisher hatten sie sich weitgehend friedlich verhalten.

Aggressiv waren sie erst geworden, als sie von dem Sonnenkorn erfahren hatten, das auch sie alle auf einen Schlag getötet hätte. Offenbar verfügten sie über eine Art übernatürlichen Sinn, der es ihnen ermöglichte, miteinander zu sprechen, ohne dass sie sich unterhielten.

Und sie waren schlauer geworden, cleverer in ihrer Tarnung. Während sie zunächst nur als seelenlose Hüllen umhergewandert waren, relativ träge und tumb in ihrem Auftreten, war es ihnen neuerdings möglich, sich wie normale Menschen zu benehmen.

Tränen stiegen Tek in die Augen. Seine Schulter schmerzte; offenbar hatte er sie sich bei dem Fluchtversuch ausgekugelt. Er sah, wie sich die Eiswürmer auf seinem Oberkörper verteilten. Gleich würden sie sich in ihn hineinwühlen, und dann wäre es vorbei. Endlich vorbei …

Aber etwas Seltsames geschah. Die Eiswürmer … zogen sich zurück! Sie hatten ihre ekligen Köpfe mit den kleinen Kauwerkzeugen schon angesetzt gehabt, um die Haut zu durchbohren, als sie wie auf ein stummes Kommando hin losließen und von seinem Brustkorb hinab in den Schnee fielen!

„Ihr … verschont mich?“, flüsterte der Wächter des Sonnenkorns. „Warum? O Wudan, was hat das zu bedeuten?“

Tek ahnte, dass es noch nicht vorbei war. Dass man ihn nicht einfach laufen ließ. Bewegung kam in die Frosen, die ihn festhielten. Tek fühlte, wie die Grauhäutigen ihn aufrichteten.

Erneut wurde ihm schwarz vor Augen, als die Schmerzen in seiner Schulter explodierten. Unter Aufbietung aller Kräfte schaffte er es, sich im Griff seiner Häscher aufrecht zu halten. Er versuchte wieder Gefühl in seine Beine zu bekommen, und es gelang ihm, mit den Zehen zu wackeln. Ein schwaches Kribbeln in seiner Gesäßgegend zeigte an, dass seine Durchblutung noch nicht ganz ins Stocken geraten war, dass er sehr wohl noch in Lage war, etwas zu spüren.

Tek wusste später nicht mehr, wie lange er dort so gestanden hatte. Irgendwann, als sein Körper in der Kälte, die durch seine zerrissene Kleidung drang, längst wie Espenlaub zitterte, öffnete sich die Tür des Aufgangs zum Dach des Hochhauses.

Es wimmelte bereits von Frosen hier oben; überall wankten nackte Männer und Frauen herum, jung und alt, blass und schlaff in ihrer Haltung.

Sie sind alle tot, dachte Tek. Alle.

Waren vielleicht auch jene darunter, die es nicht geschafft hatten, im Ballon zu flüchten: Maddrax, der Maa’or, Chorge …? Doch bisher hatte er kein bekanntes Gesicht entdeckt.

Auch die Frosen, die jetzt die Treppe aus den unteren Geschossen heraufgewankt kamen, kannte Tek nicht. Sie hielten direkt auf ihn zu, was er gleichgültig zur Kenntnis nahm. Er war ihnen auf Gedeih und Verderb ausgeliefert. Jeder Fluchtversuch war zu Scheitern verurteilt.

„Was jetzt?“, murmelte er schwach. „Was passiert nun?“

Vor ihm baute sich eine Gruppe von drei Frosen auf, die ihn mit glasigen Augen fixierten. Weitere Eiszombies gruppierten sich um die drei Artgenossen herum, die Tek umklammert und aufrecht hielten. Schließlich schloss sich der Kreis. Dahinter bildete sich eine zweite Reihe, dahinter eine dritte, und so weiter, bis Tek nur noch Frosen um sich sah, fein säuberlich in Kreisen aufgestellt.

Dann trat ein weiterer Untoter vom Aufgang her durch die Reihen, die sich vor ihm öffneten. Er hatte die Hände vor dem Körper gefaltet und machte – so weit das einem Frosen möglich war – eine feierliche Miene. Als er direkt vor Tek stand, öffnete er seine Hände und streckte den Handteller der rechten Hand nach vorn.

Tek sah, was sich dort wand. Es war der größte Eiswurm, den er je gesehen hatte: so dick wie ein Daumen und doppelt so lang. Er hatte er sich in das gefrorene Fleisch des Handballens gegraben und reckte nun witternd sein vorderes Ende nach oben.

Der Wächter des Sonnenkorns begann zu schreien, als der Frosen sich zu ihm herüber beugte und den Wurm nahe an sein Gesicht hielt.

Bewegung kam in die Kreatur; sie schien sich länglich und dünn zu machen. Die drei Frosen, die ihn hielten, fixierten seinen Kopf wie in einem Schraubstock, sodass er nichts tun konnte, als der Eiswurm in eines seiner Nasenlöcher kroch.

Tek spürte die Kontraktionen des Wurms, die ihm zunehmend Schmerzen verursachten. Schließlich knackte er vernehmlich in seinem Innenohr, und mit einem Nervengewitter, als würde man ihn bei lebendigem Leibe häuten, spürte er, dass der Wurm nicht nur in seinen Kopf, sondern auch in seine Gedanken kroch!

WÄRME/TOD. KÄLTE/LEBEN.

Ein stummer Schrei, so laut, als hätte man ihm ins Gesicht gebrüllt.

Das Volk, dachte Tek. Es spricht mit mir.

WÄRME/TOD. KÄLTE/LEBEN. KÖRPER/TOD. DEIN/KÖRPER.

Was? Nein! Ich bin noch nicht tot!, antwortete Tek panisch.

DEIN KÖRPER/STIRBT, präzisierte die Stimme. Für Tek klang sie weiblich, wie die einer Herrscherin, die in einer weiten Halle eine Ansprache hielt.

Wer bist du?, formulierte Tek in Gedanken.

ICH … Ein Zögern. ICH BIN DIE KÖNIGIN.

Die Wörter wurden deutlicher.

Die Königin der Frosen?, dachte Tek und versuchte sich auf ein Bild des großen Eiswurms zu konzentrieren.

JA. ICH BIN DAS VOLK. ICH LENKE ES.

Was hast du mit mir vor?

DAS VOLK BRAUCHT DICH!, sagte, nein, befahl die Königin und legte Nachdruck in ihre Gedanken, die jetzt zu Tek gehörten wie seine eigenen. DAS VOLK BRAUCHT DEINEN … Wieder ein Zögern, so als suche sie nach dem richtigen Wort … KOPF.

Warum?

DAS VOLK KANN NICHT AUF DIE WEISE DENKEN, WIE DU ES TUST. ABER DIE AUSBREITUNG VERLANGT DIES.

Tek verstand nicht, was die Frosen-Königin damit meinte, aber er war sich sicher, es bald begreifen zu können. Er hörte bereits jetzt die Stimmen des Volkes, die wie ein leises Wispern in seine Gedanken drangen.

Was hast du damit gemeint, dass mein Körper stirbt?, wollte Tek wissen. Meinst du, dass ich erfriere?

NEIN. DEIN KÖRPER IST KRANK. ICH WERDE IHN HEILEN. DAS VOLK VERLANGT ES. DIE AUSBREITUNG VERLANGT ES.

Tek verstand noch immer nicht. Davon abgesehen, dass er erbärmlich fror und seine Schulter schmerzte, ging es ihm doch gut. Er hatte sich nicht krank gefühlt.

Und ich werde doch erfrieren, wenn ich es nicht bald an ein Feuer schaffe!, dachte Tek und hatte dabei die Bilder vor Augen, wie die Eiswürmer aus den Körpern von Befallenen quollen, sobald es ihnen zu warm wurde.

Er musste versuchen zu entkommen, musste es bis zu einem Feuer schaffen und die Königin aus seinem Kopf vertreiben! Die Frosen, die ihn bisher gehalten hatten, hatten ihn losgelassen, und das Gefühl war in seine unteren Extremitäten zurückgekehrt. Entschlossen wollte er einen Schritt nach vorne machen – aber er rührte sich nicht! Er war gelähmt, unfähig, sich zu bewegen!

ICH ENTSCHEIDE. WIR (KRIECHEN) GEHEN.

Da merkte Tek, wie er eines seiner Beine hob und zu laufen begann. Die Erkenntnis traf ihn wie ein Schlag: Er war zum Gefangenen im eigenen Körper geworden! Die Königin hatte die Kontrolle über seinen Körper übernommen.

Wie sie gesagt hatte: Sie entschied.

August 2519, auf halber Strecke zwischen Waashton und Nuu’ork

Ulrich Hetfield ließ mit dem elektronischen Heber die Seitenfenster des Buggys herunterfahren und erschrak über die Kälte, die ihm unvermittelt von draußen entgegenschlug. Das Klima hatte sich während der letzten halben Stunde ziemlich gewandelt, so wie man es ihm bei der letzten größeren Siedlung angekündigt hatte.

„Okay …“, murmelte er. „So langsam kriege ich eine Ahnung davon, wie kalt es dort oben wirklich werden kann …“

Dabei war es August. Sommer. Natürlich hieß das in diesen Breiten nicht, dass man tagsüber in kurzen Hosen herumspazieren konnte, aber dass es derart auffrischen würde, war Hetfield nicht klar gewesen.

Vielleicht war es aber auch seine etwas unbekümmerte Art, die ihn das hatte denken lassen. Dass er es mit den Dienstzeiten nicht so genau nahm, war auch so eine Sache. Feste Regeln waren einfach nicht sein Ding.

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