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Maddrax - Folge 336

Inhalt

  1. Cover
  2. Impressum
  3. Was bisher geschah
  4. Facetten der Furcht
  5. Leserseite
  6. Zeittafel
  7. Cartoon
  8. Vorschau

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Am 8. Februar 2012 trifft der Komet „Christopher-Floyd“ die Erde. Die Erdachse verschiebt sich und ein Leichentuch aus Staub legt sich für Jahrhunderte um den Planeten. Nach der Eiszeit bevölkern Mutationen die Länder und die Menschheit ist – bis auf die Bunkerbewohner – auf rätselhafte Weise degeneriert. In dieses Szenario verschlägt es den Piloten Matthew Drax, dessen Staffel beim Einschlag durch ein Zeitphänomen ins Jahr 2516 gerät. Nach dem Absturz wird er von Barbaren gerettet, die ihn „Maddrax“ nennen. Zusammen mit der telepathisch begabten Kriegerin Aruula findet er heraus, dass Außerirdische mit dem Kometen – dem Wandler – zur Erde gelangt sind und schuld an der veränderten Flora und Fauna sind. Nach langen Kämpfen mit den gestaltwandlerischen Daa’muren und Matts Abstecher zum Mars entpuppt sich der Wandler als lebendes Wesen, das jetzt erwacht, sein Dienervolk in die Schranken weist und weiterzieht. Es flieht vor einem kosmischen Jäger, dem Streiter, der bereits die Spur zur Erde aufgenommen hat!

Als der Streiter ankommt, versetzen die Gefährten einen Teil eines Steinflözes, der allem Lebendigen die Energie entzieht und es versteinert, mit dem Flächenräumer, einer Waffe der Hydriten am Südpol, in die Masse des Streiters. Im Flächenräumer entsteht alle 1000 Jahre durch die unkontrollierte Entladung der Energiespeicher eine Zeitblase.

Das Team nimmt den Kampf auf: Matt Drax, Xij Hamlet, die in sich die Geister unzähliger früherer Leben trägt, die Hydriten Gilam’esh und Quart’ol, der geniale Erfinder Meinhart Steintrieb und der Android Miki Takeo. Dazu stößt noch Grao’sil’aana, einer der letzten Daa’muren auf der Erde. Er hatte auf den 13 Inseln die Macht übernommen und die frisch gekrönte Königin Aruula in einer Höhle eingesperrt. Doch sie kommt frei und reist mit ihrem Freund Rulfan zum Südpol, um Matt zu warnen. Dabei sind die beiden entzweit: Im Kampf gegen Mutter, ein winziger Teil des lebenden Flözes, kam durch ihre Schuld Matts Tochter Ann ums Leben.

Zunächst gelingt es den Gefährten nicht, den Streiter zu vernichten: Der Flächenräumer ist nicht ganz aufgeladen. Der Schuss krepiert und erschafft eine neue Zeitblase! Durch die Schockwelle ist der Streiter für drei Stunden paralysiert, dann setzt er seinen Weg zur Erde fort. Als die kosmische Entität die Oberfläche des Planeten auf der Suche nach dem Wandler vernichtet, bleibt Matt, Xij und Grao nur die Flucht durch die neue Zeitblase.

Sie stellen bald fest, dass sie durch Parallelwelten reisen. Dabei geraten sie in den zeitlosen Raum zwischen den Welten, in dem Archivare technische Errungenschaften aller Epochen sammeln. Sie geben ihnen ein Gerät mit, das den Flächenräumer binnen Minuten aufladen kann: das Magtron. Sie kehren zu jenem Zeitpunkt zurück, als die Zeitblase entstand, und diesmal gelingt es, einen Teil des Flözes in den Streiter zu versetzen. Der versteinert – doch im Todeskampf schleudert er Mondtrümmer Richtung Erde.

Als Aruula und Rulfan im Flächenräumer ankommen, will die Kriegerin mit Grao abrechnen, doch Matt erreicht, dass er nur verbannt und in die Eiswüste geschickt wird.

Mit dem Shuttle fliegen Drax und Takeo einem riesigen Mondmeteoriten entgegen – und der AKINA, die führerlos auf die Erde zuhält. Matt will mit dem Raumschiff das Trümmerstück vom Erdkurs abbringen. Da rast von der Erde eine Atomrakete heran und zerlegt den Brocken. Sie kam aus Kourou in Französisch-Guayana. Mit Takeo und seiner neuen Liebe Xij Hamlet reist Matt dorthin, während die verbitterte Aruula vorerst in Rulfans Burg Canduly Castle bleibt. In Kourou stoßen Matt, Xij und Miki Takeo auf eine Gesellschaft, die den Weltraumbahnhof der ESA in Schuss hält.

Ein weiteres Trümmerstück schlägt neben Canduly Castle ein und bringt den Keller zum Einsturz. Aruula wird beinahe gelähmt, als sie Rulfans Familie mit ihrem Körper abschirmt. Gleichzeitig überfallen Indios mit Schlangen um den Hals Kourou, um Waffen zu erbeuten. Takeo bringt einen Peilsender an einem der Gewehre an. Das Signal führt nach Mexiko – erst nach Cancún, wo sie auf Roboter treffen, die die Schlangenmenschen überfallen, um deren Totemtiere zu rauben, und dann nach Campeche, wo das Mondshuttle von einem EMP getroffen wird und abstürzt!

Auf der Flucht, bei der sie Takeo in einem Schlammloch zurücklassen, geraten Matt und Xij in die Gewalt eines Indiostammes, deren Mitglieder ebenso verzerrt sind wie die Umgebung. Als sie fliehen können, ist das Shuttle verschwunden und sie werden von den Robotern eines mysteriösen „Großen Herrn“ geschnappt. Er ist ein Archivar, der 2521 hier strandete und das Schlangengift zum Überleben braucht, obwohl es ihn negativ verändert.

Durch einen Hirnscan bei Matt erfährt der Archivar vom Magtron. Er will es haben, um das Tor in seine Dimension zu öffnen! Mit dem Shuttle fliegt er nach Schottland, wo Rulfan den Supermagneten für Matt aufbewahrt. Dort rettet er Aruula vor zwei gedungenen Mörderinnen, die von der neuen Königin der 13 Inseln ausgeschickt wurden. Zum Dank hilft sie Samugaar, wie sie ihn nennt, das Magtron zu erlangen – das ihm aber nichts nutzt ohne den Schlüssel, den Matt um den Hals trägt. Heimatlos geworden, schließt Aruula sich ihm an.

In der Zwischenzeit befreit der wieder erwachte Miki Takeo seine Gefährten und sie können sich getrennt absetzen, bevor der „Große Herr“ zurückkehrt. Miki nimmt Kurs auf Amarillo, um ein altes Vorhaben in die Tat umzusetzen: seinen Sohn Aiko dank einer Gedächtniskopie in einem Androidenkörper wieder zum Leben zu erwecken. Doch in dem Speicherkristall hat sich der Geist von General Arthur Crow eingenistet, der Takeo täuscht – und ihn vernichtet?

Facetten der Furcht

von Jo Zybell und Michael Schönenbröcher

Prolog

Er pflügte durch die Fluten, die Lenkstangen fest im Griff, gab immer mehr Schub. Der Motor des neuartigen Wellenreiters heulte auf. Die Fontänen rechts und links hinter ihm verwandelten sich in lange Schwingen aus schäumendem Wasser. Er gab sich dem Geschwindigkeitsrausch hin, verdrängte den Gedanken, nach diesem Testlauf wieder zur Außenbasis des Weltrats an der Ostküste Meerakas, wenige Kilometer von Waashton entfernt, zurückkehren zu müssen.

Eine Woge wuchs vor ihm empor, meterhoch. Er drückte den Bug der Maschine nach unten, wollte in die Wasserwand hinein tauchen, als plötzlich ein Schatten vor ihm erschien – von etwas, das in der Welle steckte!

Er prallte gegen das Hindernis, verlor die Kontrolle über das Gerät, das er zu testen hatte. Die Griffe entglitten seinen Händen. Das Motorengebrüll entfernte sich, die Woge schlug über ihm zusammen. Auch über seinen Körper verlor er für Sekunden die Kontrolle; ihm wurde schwarz vor Augen und er ging unter. Sein graues Langhaar trieb über ihm wie Seegras, Luftblasen durchperlten es.

Als er wieder zu sich kam, schluckte er Wasser und begriff, dass er das Mundstück seines Schnorchels verloren hatte. Er würde ertrinken, wenn er nicht endlich handelte. Also begann er mit den Armen zu rudern. Auch seine Beine gehorchten ihm wieder – er überwand die Panik und strebte nach oben.

Endlich tauchte er auf, schnappte nach Luft, zog die Taucherbrille ein Stück von der krummen, schon seit Kindesbeinen mehrfach gebrochenen Nase, um das Wasser in ihr abfließen zu lassen. Schnell fand er das Mundstück wieder, klemmte es zwischen Lippen und Zähne.

Mit was um alles in der Welt war er kollidiert? Als er wieder freie Sicht hatte, blickte er sich um.

Gebettet in eine Rettungsinsel schaukelte der Wellenreiter auf den Wogen. Das Testgerät war zum Glück nicht verloren; der Aufprall hatte das Luftkissen aufgeblasen. Der Aufprall … mit was? Mit einem Fisch? Mit Treibgut?

Er drehte sich zum offenen Meer hin und traute seinen Augen kaum: Etwas Großes, Dunkelgraues und Schleimiges wölbte sich aus den Wogen – eine riesige Qualle!

„Ach du Schande!“, entfuhr es ihm. „Was ist denn das?“

Schmatzend öffnete sich ein Spalt in der Qualle, wuchs zu einer Art großem Mund, und etwas Fischartiges glitt daraus hervor.

Wie gebannt betrachtete er das vermeintliche Naturschauspiel. Der fischartige Körper löste sich von der Riesenqualle, tauchte unter und direkt vor ihm wieder auf. Eine entfernt menschliche, aber nur vierfingrige und mit Schwimmhäuten versehene Hand riss ihm die Tauchmaske weg. Er war so erschrocken, dass er an Gegenwehr nicht einmal dachte.

Seltsam gleichgültige Augen fixierten ihn, die Klauenhand legte sich auf seine Stirn – ein greller Blitz, ein stechender Kopfschmerz, und dann schwanden ihm die Sinne …

Monate später

Der Weg war weit. Mehr als dreitausend Kilometer von Campeche in Mexiko bis an die Ostküste Virginias, schätzte Matthew Drax. Wenigstens waren sie motorisiert. Der Mann aus der Vergangenheit hoffte, dass der Treibstoff reichen würde.

Er stand im Ruderhaus am Steuerruder. Im schattigen Fußraum zusammengekrümmt schlief Xij. Auf dem Außendeck des kleinen Fischerbootes konnte man es kaum aushalten: Die Frühlingssonne brannte gnadenlos auf die Deckplanken herab.

Sie hatten das Boot in einem kleinen heruntergekommenen Hafen bei Campeche entdeckt und es sich kurzerhand unter den Nagel gerissen. Nicht die feine englische Art, schon wahr, doch was hätten sie tun sollen? Es ging um Sein oder Nichtsein der Freunde in Schottland, und ohne Hilfe der Freunde in Washington sah Matt keine Möglichkeit, die Insel auf der anderen Seite des Ozeans zu erreichen. Also hatten sie das Boot geklaut, um damit so schnell wie möglich nach Waashton, wie der Sitz des Weltrats heute genannt wurde, zu gelangen.

In diesem Moment öffnete Xij die Augen, gähnte und streckte sich. „Wie lange noch?“ Sie blinzelte zu ihm herauf. Blass sah sie aus und erschöpft.

„Wahrscheinlich haben wir schon die Hälfte des Wegs hinter uns.“ Matt zuckte mit den Schultern. „Eher mehr.“ Seit fünf Tagen waren sie auf dem Meer unterwegs, immer in Küstennähe, um nicht die Orientierung zu verlieren. Das Fischerboot machte nicht mehr als zehn Knoten, also etwa zwanzig Kilometer in der Stunde. Matt überschlug die Zahlen im Kopf. „Knapp zweitausendfünfhundert Kilometer dürften hinter uns liegen.“

„Erst?“ Xij verdrehte die Augen. „Ist noch Trinkwasser da?“

„Nur noch ein paar Liter.“ Mit einer Kopfbewegung deutete Matt hinter sich. Das Fass lag unter Deck. „Teil es dir gut ein.“

Xij kroch an ihm vorbei, verließ das Ruderhaus und stieg unter Deck. Ihre Laune sank von Tag zu Tag ein wenig mehr in den Keller. Matt verstand sie gut: Es ging ihm ähnlich, nur ließ er es sich nicht anmerken.

„Und wenn er uns keinen Gleiter gibt?“ Hinter Matt stieg Xij wieder aus dem Laderaum herauf. Sie sprach von Mr. Black in Waashton. „Ich meine – so ein Ding ist ein unbezahlbares Vehikel in Zeiten wie diesen.“

„Sicher. Aber wenn Black hört, dass Rulfan und Aruula Hilfe brauchen, möglicherweise in Lebensgefahr sind, dann wird er uns schon eines seiner unbezahlbaren Stücke überlassen.“

Die Gleiter stammten aus der Produktion von Takeo Industries; der Android Miki Takeo hatte sie während seines Aufenthalts in Waashton gebaut. Mit einem solchen Fluggerät würden sie die Strecke nach Schottland viel schneller zurücklegen können als mit einem Schiff, daher lohnte sich auch der Umweg.

„Ob Miki es geschafft hat?“ Xij drängte sich an ihm vorbei und machte es sich wieder im Fußraum neben dem Steuerruder bequem; so bequem es eben ging. Natürlich meinte sie die Flucht von der Pyramide bei Campeche – die Flucht vor jenem mysteriösen „Großen Herrn“, der ihnen das marsianische Mondshuttle geklaut und damit nach Schottland geflogen war, um sich das Superior Magtron zu holen, den Supermagneten, den Matt seinem Blutsbruder Rulfan anvertraut hatte. Miki Takeo hatte ihnen bei der Flucht den Rücken freigehalten, damit sie sich in Sicherheit bringen konnten, und den unbekannten Gegner auf eine falsche Fährte gelockt. Darum hatten sie sich von dem Androiden trennen müssen.1)

„Warum sollte er es nicht geschafft haben?“ Matthew Drax erschauerte bei der Erinnerung an die Energiesphäre, in die er geraten war und die ihm für Minuten einen klinischen Tod beschert hatte. Nie wieder wollte er so etwas erleben! „Du hast doch gesehen, wie das Shuttle abgestürzt ist.“ Matt schüttelte den Kopf. „Um Miki mache ich mir keine Sorgen.“ Seine Miene verdüsterte sich. „Viel weniger jedenfalls als um Rulfan, Aruula und die anderen in Canduly Castle.“

Xij legte sich auf die Seite, bettete ihren Kopf auf ihre Hände und starrte Matts Stiefel an. Eine Zeitlang verstummte ihr Gespräch. Weil sie nicht wussten, was der Große Herr – so hatte der Roboter mit der Geiermaske, der die Armee der Metallos bei der Pyramide befehligt hatte, ihn genannt – in Canduly Castle angerichtet hatte.

Leider waren ihrer Fantasie aber keine Grenzen gesetzt. Sehr unschöne Bilder belagerten Matts Gedanken, wenn er an Rulfan und Aruula dachte. Dass der unbekannte Herr der Roboter mit dem Shuttle zu Rulfans Burg geflogen war, lag auf der Hand: Geiermaske hatte von Matt den Schlüssel des Magtron gefordert, nachdem sein Herr Funkkontakt zu ihm aufgenommen hatte – und von wem außer von Rulfan hätte er davon gewusst haben?

Matt tastete unwillkürlich nach den Umrissen des Schlüssels unter dem Stoff seines Thermoanzugs. Der Schlüssel, den er an einer dünnen Kette um den Hals trug, bestand aus einer unbekannten metallischen Legierung und besaß einen sternförmigen Bart. Allein mit ihm konnte der Supermagnet aktiviert werden. Wenn der Große Herr diesen Schlüssel suchte, hatte er sich das Magtron längst unter den Nagel gerissen; auch das lag für Matt auf der Hand.

„Glaubst du, dass noch jemand lebt in Canduly Castle?“ Xijs Stimme klang brüchig.

Matt antwortete nicht. Die Gesichter der Freunde und Gefährten tauchen erneut vor seinem inneren Auge auf: Rulfan, Myrial und ihr Baby, Aruula, Sir Leonard – und hielt sich nicht auch Juefaan in Canduly Castle auf, der Sohn Rulfans? Ein Kloß schwoll in Matts Hals, das Atmen fiel ihm plötzlich schwer.

„Wer immer dieser Große Herr sein mag – wenn er unseren Freunden in Canduly Castle etwas angetan hat, werde ich ihn zur Rechenschaft ziehen.“ Er schlug mit der flachen Hand auf die Laserpistole im Hüftholster. Im gleichen Moment wurde ihm bewusst, dass die Waffe nutzlos war. Der EMP, der ihn erwischt hatte, hatte auch die Laserpistole unbrauchbar gemacht. Und für eine Reparatur fehlten ihm die Bauteile.

Bedauerlich. Aber nicht zu ändern.

Gegen Abend übernahm Xij Hamlet das Steuerruder. Weil die Sonne längst sank, streckte Matt sich am Heck auf den Deckplanken aus. Er schlief unruhig und träumte schwer in dieser Nacht. Von Aruula, immer wieder von Aruula.

Regentropfen klatschten ihm am Morgen ins Gesicht und weckten ihn. Er blinzelte in den Morgenhimmel – Westwind jagte dunkle Wolkenfetzen nach Osten. Nicht mehr lange, dann würde es richtig zu regnen beginnen.

Matt stand auf, machte ein bisschen Gymnastik und überprüfte danach den Stand des Treibstofftanks. Der war kritisch; weit würden sie nicht mehr kommen.

Er stieg unter Deck, um in den Proviantkisten nach Frühstück zu suchen. Auch hier herrschte weitgehend Ebbe. Mit ein paar alten Früchten, ein wenig getrocknetem Fisch und Resten von Getreidefladen in einer Schüssel und einer Flasche Wasser unter dem Arm stieg er wieder nach oben und trat zu Xij ins Ruderhaus. „Guten Morgen.“ Er küsste sie auf die Wange.

„Moin.“ Xij war bleich und kämpfte mit dem Schlaf. „Ist das alles, was noch da ist?“ Missmutig blinzelte sie in die Schüssel.

„Leider ja. Und der Treibstoff geht auch zur Neige.“ Matt übernahm das Steuerruder, aß und trank im Stehen. Nach dem Essen kauerte sich Xij auf dem Boden neben dem Ruder zusammen und schlief sofort ein.

Gegen Mittag schloss sich die dunkle Wolkendecke über dem Meer und Regen setzte ein. In der Nacht zog ein Sturm auf und die See wurde von Stunde zu Stunde schwerer. Am Morgen, als der Regen eine Pause einlegte, suchte Xij mit dem Feldstecher die Küste nach einem Anlegeplatz ab, an dem sie das Ende des Sturms abwarten konnten.

„Ein altes Schild, riesengroß“, sagte sie irgendwann. „Muss mal auf was Wichtiges hingewiesen haben.“

„Kannst du die Schrift erkennen?“

„Groß genug ist sie, wenn nur das Moos und die Rankengewächse nicht wären. Warte mal …“ Sie drehte am Objektiv, zoomte das Schild heran, begann stockend zu lesen. „Naval Amph …“ Xij zuckte mit den Schultern. „Weiter komme ich nicht. Das letzte leserliche Wort lautet wohl ‚Creek‘.“

„Moment mal …“ Matt nahm Xij den Feldstecher aus der Hand und bedeutete ihr, sich am Steuerruder festzuhalten. Er drückte das Okular an die Augen und richtete das Fernglas auf die Küste. Zerklüftet kam sie ihm vor und dennoch seltsam vertraut. Nicht weit entfernt erkannte er die Einfahrt zu einer größeren Bucht. Und dann sah er das Schild. Viel mehr als Xij konnte auch er nicht entziffern, doch anders als sie hatte er einen Verdacht, wie sich die Lettern ergänzen ließen. „Naval Amphibious Base Little Creek“, sagte er. „In den Zeiten vor ‚Christopher-Floyd‘ war das die bedeutendste amphibische Militärbasis der US Navy. Wir sind fast am Ziel!“

„Ein Militärstützpunkt?“ Xij runzelte die Stirn.

„Vielleicht leben dort Menschen und man hat sogar Verbindung nach Waashton!“ Matt reichte Xij das Glas und übernahm wieder das Ruder. „Die Bucht da vorn, das ist die Chesapeake Bay. In die mündet der Potomac River, und an seiner Mündung liegt Waashton.“ Hellwach war Matt Drax jetzt. „Wenn Leute mit Funkverbindung in die Stadt dort leben, könnte Black uns mit einem Gleiter abholen lassen!“

Ein wahres Gebirge aus Schrottteilen umgab die Maya-Pyramide. Wohin man blickte, stapelten sich rostige Metallteile, demolierte Stahlrohre, von Altöl verkrustete Motoren, Teile von Wellblechdächern, elektronische Bauteile und zerbeulte Karosserien. Unkraut überwucherte beinahe alles, und Wind und Wetter hatten das Metallchaos über Jahrzehnte mit einer schmutzigen Patina überzogen.

Ein gewohnter Anblick für den Archivar: Es waren seine gesammelten Fundstücke, sein Baustoff- und Ersatzteillager. Nichts Besonderes.

Ungewohnt jedoch und auf betrübliche Weise besonders erschien ihm heute der Anblick der Pyramide, oder genauer: der Turmruine, die neben ihr aufragte. Trümmer des ehemaligen oberen Drittels des Turmes hatten auch das uralte Maya-Bauwerk in Mitleidenschaft gezogen!

Im Anflug auf seine Basis hatte ihn der bösartige Android, nach dem seine Roboter schon seit acht Tagen vergeblich suchten, mit der EMP-Kanone beschossen. Der Treffer hatte das Shuttle manövrierunfähig gemacht, sodass er die Kollision mit dem Turm nicht hatte verhindern können.

Sehr unangenehm!

Seine Gesichtstentakel streckten sich, er schüttelte seinen langen, bernsteinfarbenen Schädel und seufzte tief. Sicher, es hätte noch schlimmer ausgehen können. Immerhin waren er selbst und seine neue Begleiterin Aruula unverletzt geblieben und das Herzstück von Turm und Pyramide unbeschädigt: das entartete und versiegelte Tor zum zeitlosen Raum auf ihrer Spitze und die Waffenphalanx darum herum, die er in einer Hohlkugel angelegt hatte. Doch der arg demolierte Turm drängte sich ihm als ein anschaulicher Beweis dafür auf, dass er seine Gegner unterschätzt hatte.

Wirklich sehr unangenehm!

Unterschätzt hatte er den Androiden genauso wie diesen Maddrax. Und beide waren entkommen. Noch schlimmer: Maddrax war mit dem Schlüssel des Superior Magtron entkommen.

„Das soll mir nicht noch einmal passieren“, murmelte der Archivar zu sich selbst. Kopfschüttelnd starrte er zu der Turmruine hinüber. Es wimmelte von reaktivierten Robotern zwischen den Trümmern. Der Wiederaufbau hatte vor sieben Tagen begonnen, nachdem er seine metallene Armee mit Hilfe des Reaktivators – ein weiteres Artefakt aus dem zeitlosen Raum – wieder instand gesetzt ...

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