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Maddrax - Folge 335

Inhalt

  1. Cover
  2. Impressum
  3. Was bisher geschah
  4. Der verlorene Sohn
  5. Leserseite
  6. Zeittafel
  7. Vorschau

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Am 8. Februar 2012 trifft der Komet „Christopher-Floyd“ die Erde. Die Erdachse verschiebt sich und ein Leichentuch aus Staub legt sich für Jahrhunderte um den Planeten. Nach der Eiszeit bevölkern Mutationen die Länder und die Menschheit ist – bis auf die Bunkerbewohner – auf rätselhafte Weise degeneriert. In dieses Szenario verschlägt es den Piloten Matthew Drax, dessen Staffel beim Einschlag durch ein Zeitphänomen ins Jahr 2516 gerät. Nach dem Absturz wird er von Barbaren gerettet, die ihn „Maddrax“ nennen. Zusammen mit der telepathisch begabten Kriegerin Aruula findet er heraus, dass Außerirdische mit dem Kometen – dem Wandler – zur Erde gelangt sind und schuld an der veränderten Flora und Fauna sind. Nach langen Kämpfen mit den gestaltwandlerischen Daa’muren und Matts Abstecher zum Mars entpuppt sich der Wandler als lebendes Wesen, das jetzt erwacht, sein Dienervolk in die Schranken weist und weiterzieht. Es flieht vor einem kosmischen Jäger, dem Streiter, der bereits die Spur zur Erde aufgenommen hat!

Als der Streiter ankommt, versetzen die Gefährten einen Teil eines Steinflözes, der allem Lebendigen die Energie entzieht und es versteinert, mit dem Flächenräumer, einer Waffe der Hydriten am Südpol, in die Masse des Streiters. Im Flächenräumer entsteht alle 1000 Jahre durch die unkontrollierte Entladung der Energiespeicher eine Zeitblase.

Das Team nimmt den Kampf auf: Matt Drax, Xij Hamlet, die in sich die Geister unzähliger früherer Leben trägt, die Hydriten Gilam’esh und Quart’ol, der geniale Erfinder Meinhart Steintrieb und der Android Miki Takeo. Dazu stößt noch Grao’sil’aana, einer der letzten Daa’muren auf der Erde. Er hatte auf den 13 Inseln die Macht übernommen und die frisch gekrönte Königin Aruula in einer Höhle eingesperrt. Doch sie kommt frei und reist mit ihrem Freund Rulfan zum Südpol, um Matt zu warnen. Dabei sind die beiden entzweit: Im Kampf gegen Mutter, ein winziger Teil des lebenden Flözes, kam durch ihre Schuld Matts Tochter Ann ums Leben.

Zunächst gelingt es den Gefährten nicht, den Streiter zu vernichten: Der Flächenräumer ist nicht ganz aufgeladen. Der Schuss krepiert und erschafft eine neue Zeitblase! Durch die Schockwelle ist der Streiter für drei Stunden paralysiert, dann setzt er seinen Weg zur Erde fort. Als die kosmische Entität die Oberfläche des Planeten auf der Suche nach dem Wandler vernichtet, bleibt Matt, Xij und Grao nur die Flucht durch die neue Zeitblase.

Sie stellen bald fest, dass sie durch Parallelwelten reisen. Dabei geraten sie in den zeitlosen Raum zwischen den Welten, in dem Archivare technische Errungenschaften aller Epochen sammeln. Sie geben ihnen ein Gerät mit, das den Flächenräumer binnen Minuten aufladen kann: das Magtron. Sie kehren zu jenem Zeitpunkt zurück, als die Zeitblase entstand, und diesmal gelingt es, einen Teil des Flözes in den Streiter zu versetzen. Der versteinert – doch im Todeskampf schleudert er Mondtrümmer Richtung Erde.

Als Aruula und Rulfan im Flächenräumer ankommen, will die Kriegerin mit Grao abrechnen, doch Matt erreicht, dass er nur verbannt und in die Eiswüste geschickt wird.

Mit dem Mondshuttle fliegen Drax und Takeo einem riesigen Mondmeteoriten entgegen – und der AKINA, einem Mars-Raumschiff, das führerlos auf die Erde zuhält. Matt will mit dem Schiff das Trümmerstück vom Erdkurs abbringen. Doch da rast von der Erde eine Atomrakete heran und zerlegt den Brocken. Sie kam aus Kourou in Französisch-Guayana. Doch bevor sie dorthin fliegen, muss Matt noch eine Entscheidung treffen: zwischen Aruula und seiner neuen Liebe Xij Hamlet. Als er sich für Letztere entscheidet, verlässt Aruula ihn und bleibt vorerst mit Rulfan und Vogler auf Canduly Castle.

In Kourou stoßen Matt, Xij und Miki Takeo auf eine Gesellschaft, die den Weltraumbahnhof der ESA in Schuss hält. Mit weitere Raketen wehren sie die meisten Trümmer ab. Doch einer schlägt neben Canduly Castle ein und bringt den Keller zum Einsturz. Aruula wird beinahe gelähmt, als sie Rulfans Familie mit ihrem Körper abschirmt. Gleichzeitig wird auch Matt verletzt: Indios mit Schlangen um den Hals überfallen Kourou, um Waffen zu erbeuten. Takeo bringt einen Peilsender an einem der Gewehre an. Das Signal führt nach Mexiko – erst nach Cancún an der Nordostküste, wo sie auf Roboter treffen, die die Schlangenmenschen überfallen, um deren Totemtiere zu rauben, und dann zur Westküste nach Campeche – wo das Mondshuttle von einer EMP-Ladung getroffen wird und abstürzt!

Auf der Flucht, bei der sie Takeo in einem Schlammloch zurücklassen, geraten Matt und Xij in die Gewalt eines Indiostammes, deren Mitglieder ebenso verzerrt sind wie die Umgebung. Als sie fliehen können, ist das Shuttle verschwunden und sie werden von den Robotern eines mysteriösen „Großen Herrn“ geschnappt. Er ist einer der Archivare, der 2521 hier strandete und das Schlangengift zum Überleben braucht, obwohl es sein Denken verändert.

Durch einen Hirnscan bei Matt erfährt der Archivar vom Magtron. Er will es haben, um das Tor in seine Dimension zu öffnen! Mit dem Shuttle fliegt er nach Schottland, wo Rulfan den Supermagneten für Matt aufbewahrt. Dort rettet er Aruula vor zwei gedungenen Mörderinnen, die von der neuen Königin der 13 Inseln ausgeschickt wurden. Zum Dank hilft sie Samugaar, wie sie ihn nennt, das Magtron zu erlangen – das ihm aber nichts nutzt ohne den Schlüssel, den Matt um den Hals trägt. Heimatlos geworden, schließt Aruula sich ihm an.

In der Zwischenzeit befreit der wieder erwachte Miki Takeo seine Gefährten und sie können sich getrennt absetzen, bevor der „Große Herr“ zurückkehrt. Miki nimmt Kurs auf Amarillo, um ein altes Vorhaben in die Tat umzusetzen …

Der verlorene Sohn

von Andreas Suchanek

Amarillo, Meeraka, 2517

Ein durchdringendes Summen erfüllte die Nacht, hallte an den Wänden wider und brachte die Metallverstrebungen des rostigen Gitterzauns zum Vibrieren. Keran presste seine Hände gegen die Ohren. Angsterfüllt suchte er mit seinen Blicken den Himmel ab, denn von dort kam das Geräusch.

„Sie kommen“, krächzte sein Dad heißer.

Ein Fleck geballter Schwärze löste sich vom Firmament und sackte zu Boden. Das Summen schwoll abrupt an, bevor es erstarb. Direkt vor ihnen landete ein Flugwagen und versperrte damit jedes weitere Vorankommen in der schmalen Gasse. Zwei grelle Lichtfinger tasteten durch die Nacht.

Keran wimmerte. Schützend legte seine Mum beide Arme um seine Schwester Meg und ihn. „Alles wird gut“, flüsterte sie. Eine Lüge, soviel verstand er längst.

Die Lichtbahnen erfassten seinen Dad. Keran schirmte seine Augen ab und lugte durch die gespreizten Finger. An der Seite des Flugwagens öffnete sich ein rechteckiger Bereich. Maschinen sprangen heraus. Maschinen auf zwei Beinen. Sie trugen klobige Lichtgewehre.

„Alles wird gut“, flüsterte seine Mutter erneut, bevor sie haltlos zu schluchzen begann. Ihre Arme umklammerten Meg und ihn wie einen Schraubstock.

Die Maschinen hielten inne. Ihre leblosen Augen starrten mitleidlos in die Nacht. Nach Augenblicken des Schweigens brachen sie die Stille mit den Worten: „Das Fleisch muss brennen!“

Im nächsten Moment spien ihre Waffen tödliche Strahlen in die Nacht.

Du bist flink wie ein Gerul, sagte Vater immer zu Meg. Jetzt bewies sie, dass er damit recht hatte: Mit einem Satz sprang sie hinter den aufgeschichteten Kistenstapel, der an der linken Hauswand bis zum Dach aufragte.

Kerans Dad begann markerschütternd zu schreien, als ihn einer der Laserstrahlen streifte und seine Kleidung in Brand setzte. Gierig leckten die Flammen über Hose, Hemd und Haut.

„Geh zu deiner Schwester!“, rief seine Mutter, während sie gleichzeitig vorstürmte und versuchte, die Flammen mit ihrer Weste zu ersticken.

Fahrig wischte sich Keran die Tränen vom Gesicht. Sein Dad sah Tränen nicht gern. Ein echter Mann weint nicht, sondern bekämpft Angst und Schmerz mit grimmiger Entschlossenheit, sagte er stets.

Einer der Laserstrahlen traf seine Mutter am Kopf, während sie mit ihrer Weste noch immer versuchte, die Flammen auf dem jetzt reglosen Körper seines Vaters zu löschen. Für einen Moment wirkte sie überrascht, dann kippte sie nach vorne. Bewusstlos lag sie am Boden, während das Feuer über ihre Haare züngelte und auf ihre Kleidung übergriff. Innerhalb weniger Augenblicke brannten beide Eltern lichterloh.

Keran roch verbranntes Fleisch und schmorendes Haar. Gebannt starrte er auf die Leiche seiner Mum, die ihm noch gestern vorm Zubettgehen liebevoll über den Kopf gestreichelt hatte. Und auf seinen Vater, an dessen Seite er seinen ersten Andronenritt absolviert hatte. Das Feuer fraß ihr Leben und mit ihnen die schönen Erinnerungen. Zurück blieb nur ein dumpfes Pochen tief in seiner Brust.

Hinter den züngelnden Flammen schoben sich die zweibeinigen Maschinen näher. Ihre goldene Haut glänzte im Widerschein des Feuers.

„Komm endlich!“, rief Meg panisch. Auch ihr Gesicht war tränennass. Doch wie immer behielt sie einen kühlen Kopf. Behände sprang sie neben Keran, ergriff seinen Arm und zerrte ihn davon. „Die Hitze der Flammen stört die Zielsensoren der Androiden. Wir müssen abhauen, sonst enden wir wie Mum und Dad.“

Was meinte sie mit „Zielsensoren“? Unwichtig. Sie mussten verschwinden. Die zweibeinigen Maschinen kannten keine Gnade. Sie besaßen weder Herz noch Seele.

Sein letzter Blick zurück galt den Maschinenwesen. Die Androiden, wie Meg sie nannte, verharrten dicht beim Feuer. Aus irgendeinem Grund nahmen sie nicht die Verfolgung auf.2)

„Dafür lasse ich euch bezahlen“, flüsterte er. „Eines Tages kehre ich zurück.“

Endlich hörten seine Tränen auf zu fließen. Gemeinsam mit Meg rannte er in die Nacht davon.

Amarillo, April 2528 (Gegenwart)

Unbeirrt stapfte Miki Takeo durch die Außenbezirke von Amarillo. Mit jedem Schritt zeichneten seine optischen Sensoren weitere Details der Umgebung auf, die ein interner Algorithmus mit den ursprünglichen Aufnahmen der Häuser und Straßen verglich. Die Unterschiede traten deutlich zutage.

Risse durchzogen den Asphalt, aus denen Unkraut wucherte, der Putz bröckelte von den Fassaden, das stumpfe Glas der Fensterscheiben wurde von Sprüngen durchzogen. Die Stadt starb einen langsamen Tod, verwandelte sich Stück für Stück in eine überdimensionale Ruine. Die Ordnung vergangener Zeiten war längst Chaos und Verfall gewichen.

Sein letzter Besuch in Amarillo lag mittlerweile vier Jahre zurück. Schon 2524 war die Stadt nicht mehr gewesen als das Gerippe einer untergegangenen Zivilisation. Nur zwei Unsterbliche hatten den weltweiten Elektromagnetischen Puls überlebt, waren später jedoch General Arthur Crow zum Opfer gefallen, der sich hier herumgetrieben und dabei gleich noch Miki sabotiert hatte.3)

Erneut überprüfte Miki, ob sich der Datenkristall, den Matthew Drax ihm vor einigen Monaten übergeben hatte, noch an seinem Platz war. Auf diesem kristallinen Speicher befand sich der komplette Bewusstseinsinhalt seines Sohnes Aiko, der im Kampf der Allianz gegen die Daa’muren am Kratersee gefallen war. Aikos Gehirn war Monate zuvor bei einem Angriff der Nordmänner irreparabel geschädigt worden. Seine Mutter Naoki hatte es in einer Notoperation ohne sein Wissen durch einen Massenspeicher ersetzt, zuvor aber zur Sicherheit den gesamten Bewusstseinsinhalt ihres Sohnes auf einen Speicherkristall übertragen.4)

Miki bemerkte, dass er zunehmend unlogischer reagierte. Der Kristall war in einem Geheimfach seiner Plysterox-Rüstung sicher verwahrt. Es gab keinen Grund, seinen Verbleib in so kurzen Zeitintervallen zu nachzuprüfen. Reagierte er … menschlich? So wie ein Vater in der ungeheuren Erwartung, seinen Sohn nach endlosen Jahren endlich wiederzusehen?

Miki Takeo verdrängte den skurrilen Gedanken und überlegte stattdessen, wie es wohl Matthew Drax und Xij Hamlet ergangen war, seit sich ihre Wege in Mexiko getrennt hatten. Nachdem sie auf der Halbinsel Yucatán auf feindliche Roboter gestoßen waren, die von einem mysteriösen „Großen Herrn“ kontrolliert wurden.

Kurz vor dem Eintreffen dieses Gegners hatte er Matt und Xij nahegelegt, die Flucht anzutreten. Matthew war von einer Sphäre, die ihm die elektrischen Ströme seines Körpers entzogen hatte, noch sehr geschwächt gewesen; einen weiteren Kampf hätte er nicht überstanden.

Auch für Miki selbst war Flucht die einzige Option gewesen, nachdem er das Fluggerät des „Großen Herrn“ zum Absturz gebracht hatte. Dieses Wesen verfügte über eine fremdartige, vielleicht außerirdische Technologie. Zuvor hatte es ihn schon einmal mit einem EMP-Strahler für Tage außer Funktion gesetzt. Hätte Miki noch emotional denken können, wäre es ihm eine Genugtuung gewesen, das Shuttle mit derselben Waffe abzuschießen, mit dem man zuvor ihn erwischt hatte.

Während sich Matthew Drax und seine Gefährtin Xij zur Küste gewandt hatten, um mit einem Schiff nach Britana zu reisen – von dort kam der unbekannte Gegner und Matt fürchtete, dass er Canduly Castle, Rulfans Burg, überfallen hatte – legte Miki Takeo eine falsche Spur, bis auch er sich neu orientierte. In seiner alten Heimat Amarillo im früheren US-Staat Texas sollte er einstweilen in Sicherheit sein. Er hatte beschlossen, sich dort einem Projekt zu widmen, das er lange vor sich hergeschoben hatte: seinem verstorbenen Sohn ein neues Leben zu schenken.

Die Entfernung zum Medical Science Center schrumpfte mit jedem Schritt zusammen. Die Gedanken an die Vergangenheit schob Miki beiseite. Bei gleichbleibender Geschwindigkeit sollte er den Medical Tower in etwa zwei Stunden erreichen. Hier plante er die alten Anlagen instand zu setzen, um Aiko einen Androidenkörper zu konstruieren.

Er konnte seinen Sohn nicht aufgeben. Solange dessen gespeicherte Erinnerungen existierten, gab es die Möglichkeit, Aikos Tod ungeschehen zu machen. Zwar konnte er Aiko seinen verlorenen Originalkörper nicht zurückgeben, aber einen künstlichen zu erschaffen war ja quasi sein Fachgebiet – als erster Wissenschaftler der Unsterblichen, der damals seine letzte biologische Komponente aufgegeben und somit zum Android geworden war.

Ein Signal seiner Sensoren unterbrach Mikis Gedankengang. An einer der Hausfassaden blinkte eine rote Bereitschaftsdiode unter der Linse einer Überwachungskamera! Und das bedeutete Elektrizität – auf einem Areal, das seit Jahren verlassen sein sollte!

Miki stoppte seine Vorwärtsbewegung. Mittels seiner optischen Zoomfunktion vergrößerte er den betreffenden Bereich der Hausfassade und weitete seine Sensorensuche aus. Tatsächlich: Es handelte sich um eine intakte Überwachungskamera, von der ein Datenstrom ausgesandt wurde. Jemand musste die alte Überwachungstechnik wieder in Gang gesetzt haben.

Es kostete Miki lediglich eine Rekalibrierung seiner Interlink-Sensoren, um festzustellen, dass es noch mehr Kameras gab, die einen konstanten Strom an Daten versendeten. Ihre Ports waren aktiv. Das Überwachungsnetzwerk war wieder in Funktion.

Aber wer verfügte über ein so umfangreiches Wissen in Sachen moderner Technik, um das zu bewerkstelligen? Es gab keine Bunkerzivilisation im Umland, General Arthur Crow war tot – dieses Mal endgültig –, und nach der „Säuberungsaktion“ der amoklaufenden Androiden im Jahr 2517 lebten auch keine Barbaren mehr in Amarillo.

Miki setzte sich erneut in Bewegung. Hier würde er keine Antworten erhalten. Vom Medical Science Center aus würde er mehr Möglichkeiten haben.

Als er eine Kreuzung überquerte, erkannte er, dass ein rechteckiger Bereich des Bodens um einige Millimeter tiefer lag als der Rest der Straße. Miki blieb stehen. Noch während er eine Abtastung vornahm, bemerkte er den Temperaturunterschied. Eine externe Quelle führte der Platte Energie zu. Seine Sensoren identifizierten Abstrahlpole unter einer lackierten Schicht aus Eisen und Platin.

Im nächsten Moment stieg das Energieniveau drastisch an.

Bevor Miki reagieren konnte, löste sich ein verästelter Blitz von der Platte und schlug in seinen Körper ein. Innerhalb von Sekunden wurden seine Systeme überlastet und fielen aus. Sein Geist versank im Nichts.

El’ay, 2518 (vor zehn Jahren)

Mürrisch löffelte Keran seine Suppe. Es gefiel ihm nicht, dass Meg ausgerechnet in einer Suppenküche der Jellos arbeitete. Doch was sollte er tun? Seine Schwester besaß einen Dickschädel, der es mit jedem Wakudabullen aufnehmen konnte. Nein, eher mit zwei Wakudabullen. Ach was, mit einer ganzen Herde!

Dass sie ihn mit ihrer Arbeit vor seinen Freunden blamierte, interessierte sie nicht. Im Gegenteil. „Mum und Dad hätten nicht gewollt, dass du auf der Straße rumhängst“, sagte sie immer. „Mach dich lieber nützlich.“

Ein fettes Weib aus Mechico quetschte ihren Wanst so dicht an ihm vorbei, dass er ihren ätzenden Schweißgeruch ertragen musste. Keran würgte den letzten Rest Suppe hinunter, bevor er die abgewetzte Holzschale zur Seite schob. Konnten diese Weiber nicht wenigstens Wasser und Seife benutzen?

Meg schlängelte sich an der Dicken vorbei und stellte zwei prall gefüllte Suppenschüsseln vor zwei Blax ab, bevor sie schwungvoll neben ihm auf die Bank sank.

„Ich weiß nicht, was heute hier los ist“, sagte sie. Mit einer flinken Handbewegung schob sie eine blonde Haarsträhne aus der Stirn. „Überall sitzen Blax neben Mechicos oder Jellos und schwatzen, obwohl sie sich doch eigentlich nicht ausstehen können.5) Angeblich gab es gestern ein Feuer in Downtoon. Seitdem kennt hier jeder nur noch dieses Thema.“ Nach einem Blick auf seine Schüssel seufzte Meg auf. Klar, was daraufhin folgte: „Du hast ja schon wieder kaum etwas gegessen.“

„Hab keinen Appetit“, murrte Keran, bevor sie zu einer längeren Tirade ansetzen konnte. „Diese Umgebung schlägt mir auf den Magen.“

„Red nicht so. Die Jellos sind genau wie wir: Vertriebene. Warst du wieder bei deinen Freunden? Nur weil dieser Kurrt alle Menschen anderer Hautfarbe nicht leiden kann, macht das die Leute aus Nipoo nicht schlechter.“

Keran biss die Zähne zusammen, um seine Schwester nicht anzuknurren. Die Art, wie sie das Wort „Freunde“ betonte, machte erneut deutlich, was sie von Kurrt, Trefor und Sam hielt. „Ich muss los“, sagte er daher nur.

„Komm bitte nicht zu spät zurück“, bat Meg. „Du weißt, heute wollen Jil und Zev den Downtoon Buulewaa besuchen. Verdirb ihnen nicht die Freude.“

Wie könnte er das vergessen? Seit Tagen sprach Meg von nichts anderem. Sie wollte für einen Abend die Arbeit ausblenden und vergnügt durch die Straßen tanzen. Zusammen mit ihrem Onkel Zev und ihrer Tante Jil, die Meg und Keran nach der Flucht aus Amarillo vor einem Winter aufgenommen hatten.

„Schon klar, ich bin bald zurück“, versprach er. Er schenkte der dicken Mechica einen letzten bösen Blick, bevor er davonstapfte.

Natürlich war er Meg für alles dankbar, was sie seit dem Tod von Mum und Dad leistete. Doch nur weil sie mit ihren siebzehn Wintern fünf älter war als er, durfte sie trotzdem nicht über seine Freunde entscheiden. Kurrt, Trevor und Sam lebten in den Baracken am Rande des Jello-Gebietes. Manch einer sagte auch „Slums“ zu den Fabriken und engen Gassen, die aneinandergereiht ein eigenes Viertel bildeten.

Zielstrebig lief Keran Richtung Downtoon. Kurrt und die anderen saßen bestimmt längst im Hauptquartier der Gang und beratschlagten das weitere Vorgehen. Meg hatte schon recht, seit dem großen Feuer war alles anders.

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