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Maddrax - Folge 334

Inhalt

  1. Cover
  2. Impressum
  3. Was bisher geschah
  4. Die Beute des Archivars
  5. Leserseite
  6. Zeittafel
  7. Cartoon
  8. Vorschau

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Am 8. Februar 2012 trifft der Komet „Christopher-Floyd“ die Erde. Die Erdachse verschiebt sich und ein Leichentuch aus Staub legt sich für Jahrhunderte um den Planeten. Nach der Eiszeit bevölkern Mutationen die Länder und die Menschheit ist – bis auf die Bunkerbewohner – auf rätselhafte Weise degeneriert. In dieses Szenario verschlägt es den Piloten Matthew Drax, dessen Staffel beim Einschlag durch ein Zeitphänomen ins Jahr 2516 gerät. Nach dem Absturz wird er von Barbaren gerettet, die ihn „Maddrax“ nennen. Zusammen mit der telepathisch begabten Kriegerin Aruula findet er heraus, dass Außerirdische mit dem Kometen – dem Wandler – zur Erde gelangt sind und schuld an der veränderten Flora und Fauna sind. Nach langen Kämpfen mit den gestaltwandlerischen Daa’muren und Matts Abstecher zum Mars entpuppt sich der Wandler als lebendes Wesen, das jetzt erwacht, sein Dienervolk in die Schranken weist und weiterzieht. Es flieht vor einem kosmischen Jäger, dem Streiter, der bereits die Spur zur Erde aufgenommen hat!

Als der Streiter ankommt, versetzen die Gefährten einen Teil eines Steinflözes, der allem Lebendigen die Energie entzieht und es versteinert, mit dem Flächenräumer, einer Waffe der Hydriten am Südpol, in die Masse des Streiters. Im Flächenräumer entsteht alle 1000 Jahre durch die unkontrollierte Entladung der Energiespeicher eine Zeitblase.

Das Team nimmt den Kampf auf: Matt Drax, Xij Hamlet, die in sich die Geister unzähliger früherer Leben trägt, die Hydriten Gilam’esh und Quart’ol, der geniale Erfinder Meinhart Steintrieb und der Android Miki Takeo. Dazu stößt noch Grao’sil’aana, einer der letzten Daa’muren auf der Erde. Er hatte auf den 13 Inseln die Macht übernommen und die frisch gekrönte Königin Aruula in einer Höhle eingesperrt. Doch sie kommt frei und reist mit ihrem Freund Rulfan zum Südpol, um Matt zu warnen. Dabei sind die beiden entzweit: Im Kampf gegen Mutter, ein winziger Teil des lebenden Flözes, kam durch ihre Schuld Matts Tochter Ann ums Leben.

Zunächst gelingt es den Gefährten nicht, den Streiter zu vernichten: Der Flächenräumer ist nicht ganz aufgeladen. Der Schuss krepiert und erschafft eine neue Zeitblase! Durch die Schockwelle ist der Streiter für drei Stunden paralysiert, dann setzt er seinen Weg zur Erde fort. Unter seinem Einfluss regieren weltweit Tod und Wahnsinn. Auch Aruula und Rulfan sterben. Als die kosmische Entität die Oberfläche des Planeten auf der Suche nach dem Wandler, dessen Essenz sie wie ein Drogensüchtiger braucht, vernichtet, bleibt Matt, Xij und Grao nur die Flucht durch die neue Zeitblase.

Sie stellen bald fest, dass sie durch Parallelwelten reisen. Wann immer eine Zeitblase entstand, hat sie eine neue Zeitlinie eröffnet. Bei einem dieser Sprünge geraten sie in den zeitlosen Raum zwischen den Welten, in dem Archivare technische Errungenschaften aller Epochen sammeln. Sie geben ihnen ein Gerät mit, das den Flächenräumer binnen Minuten aufladen kann: das Magtron. Sie kommen in jenem Augenblick wieder an ihrem Aufbruchsort an, in dem die Zeitblase entstand: drei Stunden, bevor sich der Streiter vom Mond löst! Diesmal gelingt es, einen Teil des Flözes in den Streiter zu versetzen. Der versteinert – doch im Todeskampf schleudert er Mondtrümmer Richtung Erde.

Durch die Änderung im Zeitablauf sind auch Aruula und Rulfan gerettet und die Kriegerin will mit Grao abrechnen. Matt erreicht, dass er nur verbannt und in die Eiswüste geschickt wird.

Mit dem Mondshuttle fliegen Drax und Takeo einem riesigen Mondmeteoriten entgegen – und der AKINA, einem Mars-Raumschiff, das führerlos auf die Erde zuhält. Der Schrei des sterbenden Streiters hat die Besatzung getötet. Matt will mit dem Schiff das Trümmerstück vom Erdkurs abbringen. Doch da rast von der Erde eine Atomrakete heran und zerlegt den Brocken. Sie kam aus Kourou in Französisch-Guayana. Doch bevor sie dorthin fliegen, muss Matt noch eine Entscheidung treffen: zwischen Aruula und seiner neuen Liebe Xij Hamlet. Als er sich für Letztere entscheidet, verlässt Aruula ihn und bleibt vorerst mit Rulfan und Vogler auf Canduly Castle.

In Kourou stoßen Matt, Xij und Miki Takeo auf eine Gesellschaft, die dank uralten Riten den Weltraumbahnhof der ESA in Schuss hält. Sie starten weitere Raketen und wehren die meisten Trümmer ab. Doch einer schlägt neben Canduly Castle ein und bringt den Keller zum Einsturz. Aruula wird beinahe gelähmt, als sie Rulfans Familie mit ihrem Körper abschirmt. Gleichzeitig wird auch Matt verletzt, von einer Schlange. Indios mit Totemtieren um den Hals überfallen Kourou, um Waffen zu erbeuten. Takeo bringt einen Peilsender an einem der Gewehre an. Das Signal führt nach Mexiko – erst nach Cancún an der Nordostküste, wo sie auf Roboter treffen, die die Schlangenmenschen überfallen, um deren Too’tems zu rauben, und dann zur Westküste nach Campeche – wo das Mondshuttle von einer EMP-Ladung getroffen wird und abstürzt!

Auf der Flucht, bei der sie Takeo in einem Schlammloch zurücklassen, geraten Matt und Xij in die Gewalt eines Indiostammes, deren Mitglieder ebenso verzerrt sind wie die Umgebung. Ein sprechender Teddybär ist dort das Gesetz. Als die beiden fliehen können, ist das Shuttle verschwunden und sie werden von den Robotern eines mysteriösen „Großen Herrn“ geschnappt. Er ist einer der Archivare aus dem zeitlosen Raum, der 2521 hier strandete und das Schlangengift zum Überleben braucht, obwohl es sein Denken verändert. Durch einen Hirnscan bei Matt erfährt der Archivar vom Magtron. Das will er haben, um das Tor in seine Dimension zu öffnen! Er nimmt das Shuttle und fliegt nach Schottland, wo Rulfan das Magtron für Matt aufbewahrt. In der Zwischenzeit befreit der wieder erwachte Miki Takeo seine Gefährten und sie können sich absetzen, bevor der „Große Herr“ zurückkehrt.

Die Beute des Archivars

von Jo Zybell

McMeggan hatte nichts gegen Fremde, wirklich nicht. Er bereitete sogar den Fenstertisch vor, als er die beiden Gestalten den Hügel herauf steigen sah. Dass es Fremde sein mussten, schloss er daraus, dass sie nicht auf dem Weg von Süden her, sondern über den alten Pfad von Osten kamen. Seit hundert Wintern nutzte den keiner mehr. Der führte nämlich vom LakeBlack herauf zu McMeggans Schänke, und am Lake Black hausten fleischfressende Hexen. Das wusste eigentlich jeder, der noch all seine Sinne beisammenhatte. Nur halt Fremde nicht. Oder Idioten.

McMeggan stutzte. Und wenn die zwei Gestalten nun fleischfressende Hexen waren?

Er hob die beiden Stühle vom Tisch und knallte sie in die Bierpfütze, die sich unter dem Fenster gesammelt hatte, beugte sich dann über den Tisch und äugte zum Fenster hinaus. Plötzlich bekam er es ganz schön mit der Angst zu tun. Die beiden Fremden marschierten nur noch zweihundert Schritte entfernt auf seine Schänke zu. Ganz genau sah McMeggan hin – und atmete auf: keine Hexen. Zu groß, zu kräftig gebaut, nicht bleich genug, und rote Haare hatten sie auch nicht.

Andererseits: Es waren Weiber. Wann hatte er zuletzt Weibern Biir gezapft? Oder einen Uisge ausgeschenkt? Je länger McMeggan über diese Frage nachdachte, desto weniger wollten ihm die beiden Fremden da draußen gefallen.

Hinter ihm tat es einen dumpfen Schlag, und McMeggan fuhr erschrocken herum. Der Tisch neben dem Ofen war mit einem Mal verwaist. McMeggan lugte auf den Boden neben dem Ofen: Einer seiner letzten vier Gäste, die sich noch in der Schankstube aufhielten, lag dort und schnarchte. Wie die anderen auch.

Er fasste sich ans Herz, atmete tief durch und schüttelte den schweren Schädel. „Man hat’s nicht leicht als Schänkenwirt, verflucht noch eins.“

Hochgewachsen war er und breitschultrig, und ein dicker grauer Haarzopf lag auf seiner Schulter. Er wog ungefähr zweihundertzwanzig Pfund und sein Unterkiefer sah aus wie das Hufeisen eines Ackergauls. McMeggan liebte seine Heimat und er liebte die Menschen seiner Heimat, doch Hand aufs Herz: Es waren schon kauzige, wortkarge und abergläubische Gewächse, die sich da im scootischen Hochland am Leben erhielten. Und er, McMeggan, war eines dieser kauzigen, wortkargen und abergläubischen Gewächse.

Die Tür wurde aufgestoßen und er fuhr herum. Die Fremden! Da standen sie hintereinander auf der Schwelle – Weiber, wie er es schon vermutet hatte, aber immerhin keine Hexen. Eher Kriegerinnen. Die langen Griffe von Schwertern, die sie auf dem Rücken trugen, ragten ihnen über die Schultern! Fremdländische Weiber mit Beidhandschwertern? Das konnte Ärger bedeuten.

„Noch geöffnet?“ Die erste Kriegerin trat ein. Sie hatte kohlrabenschwarzes Haar, eine krumme Nase und eng zusammenstehende Augen. „Stinkt irgendwie säuerlich hier.“ Sie sprach ein gebrochenes, aber verständliches Englisch.

McMeggan starrte sie an, denn ihr schwarzer Pelzmantel fiel an den Knopfleisten auseinander und ihre Brüste wölbten sich darunter vollkommen unbedeckt. Und bei allen Göttern des Hochlandes, das waren … nun ja, sie waren nicht zu übersehen, wahrhaftig nicht. Und McMeggan sah genau hin.

„Die Tür war offen, Gorguuna“, sagte die Zweite hinter der Ersten, eine mit kräftiger tiefer Stimme. „Der Wirt steht noch im Laden herum, es stinkt nach Kotze und dem Zeug, das sie hierzulande trinken, also ist geöffnet. Geh schon rein jetzt.“

„Ich will doch nicht unhöflich sein, Helgaaja“, sagte die Erste. „Bin ja nur Gast hier und die meisten Hocker stehen schon auf den Tischen.“ Ihr Blick richtete sich auf McMeggan. „Bist du der Wirt?“ McMeggan nickte. „Kriegen wir noch etwas zu essen und zu trinken bei dir?“ McMeggan nickte wieder und deutete auf die beiden Stühle vor dem Fenstertisch.

Die hintere Kriegerin schob die Vordere in den Schankraum. „Sehr gesprächig ist der nicht.“ Sie war kleiner und sehniger und hatte dunkelblondes Lockenhaar, schulterlang. Wie das gesträubte Gefieder eines jungen Greifen sah es aus, und das Gesicht darunter war kantig, hohlwangig und schmaläugig. „Ich bin Helgaaja, das ist Gorguuna, und solltest du auch über deinen Namen nicht reden wollen, mach uns wenigstens was zu essen. Irgendwas.“ Sie bückte sich und äugte unter die Tische zu den Schnarchenden.

„Was hast du denn so zu trinken?“, wollte die Große namens Gorguuna wissen.

„Uisge, Biir, Gootmelk, Wasser.1) McMeggan.“

„McMeggan?“ Gorguuna runzelte ihre breite Stirn. „Was ist das denn für ein Gesöff?“

„Das bin ich. Mein Name.“

„Er heißt McMeggan, Gorguuna. Bei Wudan, bist du heute schwer von Begriff!“ Die Dürre namens Helgaaja besah sich noch immer die selig Schnarchenden. „Kerle. Und auch sonst ziemlich dreckig hier.“ Sie blickte sich um und deutete auf den runden Tisch in der Mitte. „Nimm die Stühle dort runter, McMeggan. Da will ich sitzen.“

McMeggan tat, was sie verlangte. Er hatte nichts gegen Fremde, wie gesagt. Nur die Riesenschwerter, die wollten ihm nicht gefallen. „Wasser“, verlangte Helgaaja, und Gorguuna: „Gootmelk.“ Eine ungewöhnliche Bestellung, aber warum nicht? McMeggan verschwand in seiner kleinen Küche, briet Fleisch an, machte Rübenbrei warm, schenkte Wasser und Ziegenmilch in Becher.

Zurück im Schankraum, deckte er auf. Sie hatten ihre Mäntel abgelegt und ihre Schwerter gegen den Nachbartisch gelehnt. Beide trugen nichts oben herum, gar nichts. Nicht üblich in dieser Gegend, aber irgendwie auch nicht unangenehm. Fand McMeggan.

„Danke“, tönte Helgaaja, die Kleinere, Dünnere mit ihrer dunklen rauen Stimme. „Und nun sag uns, wo Canduly Castle liegt.“

„Canduly Castle?“ Sie kamen ihm ziemlich neugierig vor, die Fremden. Das gefiel McMeggan nicht. „Weiß nicht.“

„McMeggan weiß es nicht“, hörte er auf dem Rückweg in die Küche Gorguuna sagen. „Soll ich die anderen wecken und sie fragen?“

„Ich mag keine besoffenen Kerle“, erwiderte Helgaaja.

Später, als er ihnen das Essen brachte, verlangten sie, dass er sich zu ihnen setzte. Helgaaja tippte ihm mit dem fettigen Finger an die Brust. „Also noch mal, McMeggan – Canduly Castle soll hier in der Gegend sein. Musst du doch kennen, bei Wudan!“

„Hier gibt es schon die eine oder andere Burg“, wich er aus.

„Wir suchen eine namens Canduly Castle, kapiert? Sie gehört einem gewissen Rulfan.“

„Rulfan, hm?“ Je neugieriger jemand sich gebärdete, desto weniger sollte man ihm verraten, so war es Sitte hier oben in den Highlands.

„Eine schöne Kriegerin von den Dreizehn Inseln ist bei ihm zu Gast“, sagte Gorguuna. „Aruula heißt sie. Hast du vielleicht von ihr gehört?“

„Oder vom Sohn des Burgbesitzers: Juefaan“, fügte Helgaaja an. „Kennst du den?“

McMeggan schüttelte stumm den Kopf.

„Na gut, muss ja nicht gleich sein“, winkte die Blonde ab. „Denk einfach darüber nach, bis wir mit dem Essen fertig sind, ja? Ich frage dich dann noch einmal.“

Sie aßen und tranken und begannen in einer Sprache miteinander zu reden, die McMeggan nicht kannte. Die Weiber kamen ihm immer unheimlicher vor. Andererseits hatten sie schöne Brüste. McMeggan stand trotzdem auf, um das Geschirr abzuwaschen und die Schänke auszukehren.

„Canduly Castle“, sagte Helgaaja und zog ihn wieder auf den Stuhl hinunter. „Sitzen bleiben und nachdenken.“

Weniger aus Furcht als mehr aus Verblüffung sank McMeggan wieder auf den Stuhl zurück. Weiber wie die hatte er noch nie erlebt. Er betrachtete sie und fragte sich, wo sie wohl herkommen mochten. Sie hatten nach einer Aruula von den Dreizehn Inseln gefragt. Kamen sie vielleicht auch von dort? Ihre Sprache klang irgendwie nordisch.

Dann waren sie mit den Essen fertig und Helgaaja beugte sich zu ihm herüber. Ihre Brüste wippten dabei aufreizend. „Also“, sagte sie. „Wie kommen wir denn nun nach Canduly Castle?“

„Canduly Castle, hm …“, druckste er herum. „Schwer zu sagen, ehrlich.“ Unter dem Tisch neben dem Ofen rülpste sein viertletzter Gast.

„Dann machen wir doch erst einmal ein Nickerchen, würde ich sagen.“ Die Große, Gorguuna, stand auf, packte ihn unter der Achsel und zog ihn vom Stuhl hoch. McMeggan wusste kaum, wie ihm geschah. „Bring uns zu einem Raum mit einem vernünftigen Schlaflager, McMeggan.“

Was sollte er tun? Frauen behandelt man höflich, hatte seine Mutter ihm beigebracht. Also nickte er, ließ sich von Gorguuna hinter die Theke schieben und führte sie durch die Küche zum Hinterzimmer und von dort hinauf in die Schlafkammern. Die andere, Helgaaja, folgte ihnen mit den Mänteln über dem Arm und den Schwertern über der Schulter.

In der Schlafkammer zogen sie sich dann vor seinen Augen aus – da gab es ja außer ihren Stiefeln und dem Lendenschurz nicht viel. Er wusste gar nicht, wo er zuerst hinsehen sollte.

Die große Gorguuna küsste ihn so stürmisch, als wollte sie ihn mit Haut und Haaren verschlingen, und die drahtige Helgaaja mit dem Wuschelkopf befummelte ihn nach allen Regeln der Kunst und schälte ihm die Kleider vom Leib.

McMeggan vergaß seine Verblüffung über ihre bisher so unweibliche Art, seinen Ärger über ihre Neugier und sein Misstrauen wegen der Riesenschwerter – er dachte nur noch an das Eine. Und zwar so intensiv, dass die beiden ihre Freude daran hatten und damit auch nicht hinter dem Berg hielten. Sie drückten ihn auf den Strohsack, und während Gorguuna es sich auf seinem besten Stück gemütlich machte und ihn zu reiten begann, spreizte Helgaaja ihre langen Schenkel über seinem bärtigen Mund.

Es ging laut zu und recht wild, und als es vorbei war, gab es nur strahlende Gesichter in der Schlafkammer. McMeggan beglückwünschte sich zu seinem abwechslungsreichen Beruf als scootischer Schänkenwirt.

Unten im Schankraum hörte er kurz darauf Gläser klirren und Korken knallen – das Lustgeschrei dieser außergewöhnlichen Weiber hatte seine letzten vier Gäste wieder aufgeweckt.

„Was ist jetzt mit Canduly Castle?“

Helgaaja fing schon wieder mit der verdammten Burg an. Na schön …

Hab schon gehört davon.“ McMeggan hielt nach seinen Hosen Ausschau. „Rulfan guckt manchmal hier vorbei.“

„Und wenn er dann nach Hause geritten ist: Welche Richtung hat er eingeschlagen?“, wollte Helgaaja wissen.

„Schwer zu sagen …“ McMeggan tastete nach seinen Hosen.

„Jetzt reicht es!“, schrie Helgaaja und schlug ihm ansatzlos den Handrücken ins Gesicht. „Antworten will ich! Antworten, mit denen ich etwas anfangen kann!“

Auf ihre knappe Kopfbewegung hin machte Gorguuna einen Satz und saß plötzlich auf McMeggans breiter, grauhaariger Brust. Weil ihm ihr Gewicht die Luft aus den Lungen presste, konnte er erst einmal gar nichts sagen. Doch plötzlich setzte Helgaaja ihm einen Scheibendolch an die Kehle, so eine kurze, dreieckige Klinge, sehr spitz. „Den Weg!“, zischte sie und begann auch schon zu ritzen.

McMeggans Zunge machte sich selbstständig – diesmal ohne jeden Anflug von Wollust; die reine Todesangst bewegte sie. Er sagte alles, was er wusste über Canduly Castle und über Rulfan und dessen Weib Myrial. Sogar, dass sein halbwüchsiger Sohn, den er mit einer anderen Frau hatte, seit einiger Zeit in der Burg wohnte.

„Na also“, sagte Helgaaja, leider ohne die verdammte Dreiecksklinge von seinem Hals zu nehmen. „Und jetzt will ich noch wissen, ob du Reittiere besitzt.“

„Zwei Horsays. Stehen unten im Stall.“

„Wie heißen sie?“

„Blood und Sweat.“

„Schön.“ Helgaaja feixte auf eine Weise, die McMeggan so bösartig vorkam, dass es ihm durch Mark und Bein ging. „Das passt sehr schön zu deinem Ende. Erst schwitzen, dann bluten. Gute Reise und beste Grüße an Orguudoo!“ Dann tat ihm der Hals weh und er bekam keine Luft mehr – und er begriff, dass sie ihm die Dreiecksklinge in die Kehle gestoßen hatte.

Stufe für Stufe, immer schön aufrecht – und die Hände weg vom Geländer. Aruula achtete darauf, das Kinn nach vorn zu schieben, den Kopf ein wenig in den Nacken zu legen und die Brüste herauszudrücken. So ist es gut, und jetzt die nächste Treppe. Von oben, aus den Speisesälen, hörte sie schon Stimmengewirr.

Sie hatte den ganzen Tag hinter der Burg trainiert – gehen, laufen, rennen, Steine werfen und das schwere Schwert so führen, dass ein möglicher Gegner sie wenigstens ernst nahm. Sogar eine Eiche war sie hinauf geklettert; aber nicht weit, und es gelang ihr auch nur, weil deren unterster Ast sehr tief hing.

Es war das erste Mal, dass sie einen ganzen Tag durchtrainiert hatte – so ein Vergnügen hatte seinen Preis: Vor Rückenschmerzen konnte sie sich kaum noch aufrecht halten.

Und jetzt die letzte Treppe – tapfer die Beine heben und dann schön eine Stufe nach der anderen. Aruula drückte das Kreuz durch. Sie konzentrierte sich auf ihre Gesichtszüge – weg mit der Verspannung in Mund- und Augenmuskulatur, bloß keine Schwäche zeigen!

Endlich die letzte Stufe, und dann schritt sie über die Schwelle zum ersten Speiseraum. Es gelang ihr tatsächlich zu lächeln.

Etwas mehr als ein Dutzend Männer und Frauen saßen hier an vier Tischen – Horsay-Knechte, Köchinnen, Handwerker, Jäger, Fischer und der alte Retrologe Sebastian „Basti“ Eisenmann. Alles Menschen, die den großen Haushalt auf Canduly Castle am Laufen hielten. Basti, den Rulfan als eine Art Hofmarschall eingesetzt hatte – manche nannten ihn auch so –, galt als Mädchen für alles. Und wirklich: Ein Problem in Burg und Haushalt, das er nicht lösen konnte, war schwer vorstellbar.

Freundlich lächelnd grüßte Aruula nach allen Seiten und trat in den nächsten, größeren Speisesaal.

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