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Maddrax - Folge 333

Inhalt

  1. Cover
  2. Impressum
  3. Was bisher geschah
  4. Im Zentrum der Gewalten
  5. Leserseite
  6. Zeittafel
  7. Vorschau

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Am 8. Februar 2012 trifft der Komet „Christopher-Floyd“ die Erde. In der Folge verschiebt sich die Erdachse und ein Leichentuch aus Staub legt sich für Jahrhunderte um den Planeten. Nach der Eiszeit bevölkern Mutationen die Länder und die Menschheit ist – bis auf die Bunkerbewohner – auf rätselhafte Weise degeneriert. In dieses Szenario verschlägt es den Piloten Matthew Drax, dessen Staffel beim Einschlag durch ein Zeitphänomen ins Jahr 2516 gerät. Nach dem Absturz wird er von Barbaren gerettet, die ihn „Maddrax“ nennen. Zusammen mit der telepathisch begabten Kriegerin Aruula findet er heraus, dass Außerirdische mit dem Kometen – dem Wandler – zur Erde gelangt sind und schuld an der veränderten Flora und Fauna sind. Nach langen Kämpfen mit den gestaltwandlerischen Daa’muren und Matts Abstecher zum Mars entpuppt sich der Wandler als lebendes Wesen, das jetzt erwacht, sein Dienervolk in die Schranken weist und weiterzieht. Es flieht vor einem kosmischen Jäger, dem Streiter, der bereits seine Spur zur Erde aufgenommen hat!

Als der Streiter zur Erde kommt, versetzen die Gefährten einen Teil eines Steinflözes, der allem Lebendigen die Energie entzieht und es versteinert, mit dem Flächenräumer in die Masse des Streiters. Im Flächenräumer, einer Waffe der Hydriten am Südpol, entsteht alle 1000 Jahre durch die unkontrollierte Entladung der Energiespeicher eine Zeitblase.

Das Team nimmt den Kampf auf: Matt Drax, Xij Hamlet, die in sich die Geister unzähliger früherer Leben trägt, die Hydriten Gilam’esh und Quart’ol, der geniale Erfinder Meinhart Steintrieb und der Android Miki Takeo. Dazu stößt noch Grao’sil’aana, einer der letzten Daa’muren auf der Erde. Er hatte auf den 13 Inseln die Macht übernommen und die frisch gekrönte Königin Aruula in einer Höhle eingesperrt. Doch sie kommt frei und reist mit ihrem Freund Rulfan zum Südpol, um Matt zu warnen. Dabei sind die beiden entzweit: Im Kampf gegen Mutter, einem winzigen Teil des lebenden Flözes, kam durch ihre Schuld Matts Tochter Ann ums Leben.

Zunächst gelingt es den Gefährten nicht, den Streiter zu vernichten: Der Flächenräumer ist nicht ganz geladen, als sie den Schuss auslösen. Er krepiert und erschafft eine neue Zeitblase! Durch die Schockwelle ist der Streiter nur für drei Stunden paralysiert, dann setzt er seinen Weg zur Erde fort. Unter seinem Einfluss regieren weltweit Tod und Wahnsinn. Auch Aruula und Rulfan sterben. Als die kosmische Entität die Oberfläche des Planeten auf der Suche nach dem Wandler, dessen Essenz sie wie ein Drogensüchtiger braucht, vernichtet, bleibt Matt, Xij und Grao nur die Flucht durch die neue Zeitblase.

Sie stellen bald fest, dass sie durch Parallelwelten reisen. Wann immer eine Zeitblase entstand, hat sie eine neue Zeitlinie eröffnet. Bei einem dieser Sprünge geraten sie in den zeitlosen Raum zwischen den Welten, in dem Archivare technische Errungenschaften aller Epochen sammeln. Sie geben ihnen ein Gerät mit, das den Flächenräumer binnen Minuten aufladen kann. Sie kommen in jenem Augenblick wieder an ihrem Aufbruchsort an, in dem die Zeitblase entstand: drei Stunden, bevor sich der Streiter vom Mond löst! Als der frühere Matt auf die Ladestandanzeige des Flächenräumers aufmerksam wird, löst er einen weiteren Schuss aus, und diesmal gelingt es, einen Teil des Flözes in den Streiter zu versetzen. Der versteinert – doch im Todeskampf reißt er den Mond auf und schleudert die Trümmerstücke Richtung Erde.

Durch die Änderung im Zeitablauf sind auch Aruula und Rulfan gerettet und die Kriegerin will mit Grao abrechnen. Matt erreicht, dass er nur verbannt und in die Eiswüste geschickt wird.

Mit dem Mondshuttle fliegen Matt Drax und Miki Takeo einem 500 m durchmessenden Mondmeteoriten entgegen – und der AKINA, einem marsianischen Raumschiff, das offenbar führerlos auf die Erde zukommt. Der Schrei des sterbenden Streiters hat die Besatzung getötet, aber Matt will das Schiff nutzen, um das Trümmerstück vom Erdkurs abzubringen. Doch da rast von der Erde eine Atomrakete heran, verfehlt die AKINA nur knapp und zerlegt den Brocken. Woher kam sie? Takeo errechnet als Ausgangspunkt Kourou in Französisch-Guayana. Doch bevor sie dorthin fliegen, muss Matt noch eine Entscheidung treffen: zwischen Aruula und seiner neuen Liebe Xij Hamlet. Als er sich für Letztere entscheidet, verlässt Aruula ihn und bleibt vorerst mit Rulfan und Vogler auf Canduly Castle.

In Kourou stoßen Matt, Xij und Miki Takeo auf eine Gesellschaft, die uralten Riten folgt und so den Weltraumbahnhof der ESA instand hält. Takeo gelingt es, weitere Abfangraketen zu starten und die meisten Trümmer abzuwehren. Unter denen, die durchkommen, ist ein Brocken, der neben Canduly Castle einschlägt und den Keller zum Einsturz bringt. Aruula wird beinahe gelähmt, als sie Rulfans Familie mit ihrem Körper abschirmt.

Gleichzeitig wird auch Matt verletzt, von einer Schlange. Indios mit Totemtieren um den Hals überfallen Kourou, um Waffen zu erbeuten. Miki Takeo bringt einen Peilsender an einem der Gewehre an. Das Signal führt sie nach Mexiko – erst nach Cancún an der Nordostküste, wo sie auf Roboter treffen, die die Schlangenmenschen überfallen, um deren Too’tems zu rauben, und dann auf deren Fährte zur Westküste nach Campeche – wo das Mondshuttle von einer EMP-Welle getroffen wird und abstürzt!

Auf der Flucht, bei der sie Takeo in einem Schlammloch zurücklassen, geraten Matt und Xij in die Gewalt eines Indiostammes, deren Mitglieder ebenso verzerrt sind wie die Umgebung. Ein sprechender Teddybär ist dort das Gesetz. Als die beiden endlich fliehen können, ist das Shuttle verschwunden und sie werden von den wartenden Robotern eines mysteriösen „Großen Herrn“ geschnappt, der einer der Archivare aus dem zeitlosen Raum ist, der 2521 in dieser Zeit strandete und das Schlangengift zum Überleben braucht, obwohl es ihn verändert.

Im Zentrum der Gewalten

von Christian Schwarz

Die verzerrten Indios pirschten durch den ebenso verzerrten Dschungel. Bis ihr Anführer, einem bizarren Faultier nicht unähnlich, plötzlich vor einem spiralförmigen Baum stehen blieb und auf den Boden starrte. „Da lang!“, sagte er und deutete auf einen Fußabdruck. Zwei der Indios wollten an ihm vorbei, doch Faultier fuhr die haarigen Arme aus. „Chef“, grollte er und klopfte sich mit seinen unförmigen Pranken auf die Brust. Nur widerwillig hielten sich die anderen zurück. „Teddy kaputt. Nich mehr Chef“, erwiderte einer, der ein verkürztes linkes Bein hatte.

„Chef!“, brüllte Faultier und schlug Kurzbein auf den Kopf. Das brachte ihm feindselige Blicke ein. „Weiter“, befahl er dann. „Maddrax Teddy kaputtgemacht. Maddrax sterben!“

Nach diesen Worten bewegte Faultier seinen kleinen schnabelartigen Mund noch für einige Augenblicke lautlos, während sich Kurzbein stöhnend wieder aufrappelte und nach seinem blutenden Kopf tastete. Faultier focht das nicht weiter an. Abrupt drehte er sich um. „Schnell“, befahl er. „Beide nich weit.“

Dann setzte der Anführer seine massige Gestalt wieder in Bewegung. Um seine dünnen Beine schlotterte etwas, das einmal eine Armeehose gewesen war, jetzt aber hauptsächlich aus Fetzen bestand. Wie die anderen auch, trug er einen Köcher auf dem Rücken, in dem rotgrün gefiederte Pfeile steckten. Den dazugehörigen Bogen hatte er sich über Brust und Rücken gespannt. „Weiter, alle! Weiter! Weiter!“, befahl er gebetsmühlenartig, weil ihm die anderen nur noch zögerlich folgten, was ihm durchaus nicht entging. Aber sie folgten ihm schließlich doch, den kleinen Fluss entlang, der sich durch das Unterholz schlängelte. Daran entlang mussten auch die beiden Fliehenden, der große blonde Maddrax und die schmale blonde Xij, gegangen sein.

Faultier, dessen überlange Arme fast bis zum Boden reichten, zog seine Machete hinter sich her. „Beide sterben“, murmelte er. Dabei zuckte es in seinem langen asymmetrischen Gesicht, und gleich darauf wurden seine Augen feucht. „Oder machen Teddy ganz.“

Faultier verstand nicht, warum die Fremden geflohen waren und den Teddybär zerstört hatten. Seine Leute hatten sie doch vor dem Jaguar gerettet. Zudem hatte er sie an den herrlichen Spielen teilhaben lassen, die Teddy ihnen befahl. Befohlen hatte. Denn der böse Maddrax hatte ihn zertreten, weil er nicht mehr spielen wollte. Dabei waren Xij und Maddrax gute Spieler gewesen. Sehr gute Spieler sogar. Das musste der böse Maddrax büßen.1)

Nachdem der Schock über die Freveltat abgeklungen war, hatte sich Faultier mit den besten Kriegern des Stammes an die Verfolgung gemacht. Es war nicht schwierig, denn sie hatten jede Menge Spuren hinterlassen. Sie schienen es nicht gewöhnt zu sein, sich im Dschungel zu bewegen. Deswegen war Faultier zuversichtlich, den Vorsprung der beiden bald aufgeholt zu haben.

Der Trupp erreichte eine feuchte Uferstelle. Kurzbein, der sich mit einigen anderen an Faultier vorbeigeschoben hatte, fand hier die nächsten Fußabdrücke. Sie führten plötzlich weg vom Fluss, den steilen, bewaldeten Hügel empor, der sich zu ihrer Rechten erhob.

In der Ferne brüllte ein Jaguar. Die Indios zuckten zusammen. Nachts war ihnen der grausame Jäger des Dschungels überlegen. Aber noch war es nicht so weit. Eben erst brach die Dämmerung herein.

Faultier kämpfte sich wieder an die Spitze durch, indem er einige Spieler rüde beiseite stieß. „Weiter! Sind nich weit“, sagte er.

Oben auf dem Hügel angelangt, hörten sie plötzlich Lärm. Faultier hob den Arm. Doch anstatt hinter ihm stehen zu bleiben, bildeten die Indios eine Linie.

Vor ihnen fiel der Berghang fast genauso steil ab, wie er angestiegen war. Auf der ungefähren Hälfte war eine größere Fläche plattgedrückt, die Bäume einfach umgeknickt, als hätte ein Riese seinen Fuß dort aufgesetzt. Vor einem umgestürzten Baum standen die Verfolgten: Maddrax und Xij. Grund zur Freude gab es dennoch nicht, denn sie waren von Metallmännern umringt! Es waren weit mehr als Faultiers Leute und ihnen ohnehin überlegen. Enttäuscht schnaubte er.

„Falschvogel is Chef“, flüsterte Kurzbein. Er drückte ein großes Blatt auf seine Kopfwunde und zeigte auf einen Roboter mit Geiermaske, aus dessen Sehschlitzen unheimliches blaues Licht strahlte. Es hüllte den Kopf von Maddrax ein.

„Chef“, wiederholte Faultier, schlug sich erneut die Krallen gegen die Brust und hob drohend die Machete.

„Falschvogel gefährlich“, sagte Kurzbein störrisch und wandte sich dabei von Faultier ab.

In diesem Moment erklang ein schnell anschwellendes Brausen am dunkel werdenden Himmel. Die verzerrten Indios wussten, was ein Gewitter war und wie es klang, aber so etwas hatten sie noch nie gehört. Sie duckten sich und starrten entgeistert zum Horizont, wo ein fliegendes Etwas auftauchte – kein Vogel, sondern auch aus Metall. Es rauschte über sie und den Dschungel hinweg und verschwand schließlich am anderen Horizont. Das Heulen wurde leiser und ebbte schließlich ganz ab.

Kurz darauf setzten sich die Eisenmänner mit ihren Gefangenen in Bewegung und verschwanden seitwärts zwischen den Bäumen.

Faultier ließ eine kurze Zeitspanne vergehen, dann stieg er behände den Hügel hinunter. Dort, wo die Stählernen ihnen die Beute weggeschnappt hatten, blieb er stehen und schaute sich um. Kurzbein und die anderen traten hinter ihm zwischen die umgestürzten Bäume.

„Maddrax holen. Dann töten“, sagte Faultier und blickte den vom letzten Regen noch feuchten Hang hinunter, an dessen Fuß sich ein großes Schlammloch erstreckte.

„Nein!“, widersprach Kurzbein und starrte Faultier feindselig an. „Eisenmänner gefährlich. Falschvogel gefährlich, ja, ja. Tötet uns!“

„Chef“, zischte Faultier fast schon verzweifelt und präsentierte sein Gebiss, um etwas mehr Eindruck zu schinden. „Maddrax holen. Hat Teddy kaputtgemacht!“ Er hob die Machete zum Schlag.

Der Angriff kam nicht von Kurzbeins Seite. Ein Indio, dessen linkes Auge grotesk in die Länge gezogen war, sprang Faultier an und rempelte ihn weg. Der Anführer ließ die Machete fallen, versuchte sich zu halten, geriet aber auf dem feuchten Untergrund ins Rutschen. Auf dem Bauch sauste er nach unten. Und tauchte mit einem gurgelnden Schrei in das Schlammloch ein. Meterhoch spritzte der Dreck, während die Indios oben lachten.

„Spielen“, grunzte Kurzbein glücklich. „Spielen.“

„Nich spielen. Teddy kaputt“, wies ihn Großauge zurecht.

„Teddy kaputt“, erwiderte Kurzbein zerknirscht. „Gehen heim.“

„Chef nich mehr Chef. Teddy weg, Chef blöde“, radebrechte Großauge im Brustton der Überzeugung.

Faultier drehte sich derweil verzweifelt im Schlammloch, bis er schließlich Halt fand. „Eisenmann“, keuchte er zwischen den Hustern, mit denen er die konsumierte Schlammbrühe wieder ausspie. Er stand bis zu den Knien in der braunen Brühe und wedelte mit den Armen. „Eisenmann!“ Unverhohlene Panik lag in seiner Stimme. Er machte einen Schritt nach vorne und sank bis zur Brust ein.

Mit Ruderbewegungen seiner Arme kämpfte er sich zum Ufer vor und stieg schließlich an Land. „Eisenmann!“, schrie er fast kläglich und versuchte sich den schlammigen Hang hochzuarbeiten. Dabei schaute er immer wieder nach hinten.

„Hä?“, machte Großauge und starrte Kurzbein an. „Wo Eisenmann?“

„Chef blöde“, sagte Kurzbein debil grinsend. „Nich mehr Chef. Ich jetzt Chef.“

Ich jetzt Chef“, erwiderte Großauge drohend.

Im Schlammloch, dessen Wellengang sich gerade beruhigte, stiegen plötzlich Blasen auf. Es blubberte, als sie an der Oberfläche zerplatzten. Die Indios erstarrten. In der nun immer rascher fortschreitenden Dämmerung schob sich etwas hinter den Blasen her aus dem Schlamm, wurde immer größer. Ein metallener Schädel, von dem das Brackwasser in Strömen lief, und ein gewaltiger Oberkörper wuchsen in die Höhe. Der Stahlmensch wirkte noch bedrohlicher als seine Genossen.

„Schießt!“, brüllte Kurzbein.

Eine halbe Stunde zuvor

Langsam tauchte Miki Takeos elektronisches Bewusstsein aus dem Daten-Nirwana auf. Zuerst rief der Android die Protokoll-Routine, eine Art Blackbox, ab. Er erkannte, dass sein internes Reparaturprogramm schon vor Stunden plötzlich und unvermittelt angelaufen war, nach einem Impuls, der von außen gekommen und es reaktiviert hatte.

Das Schadensprotokoll zeigte an, dass relativ schwere Beschädigungen, vor allem in der Elektronik, zu beheben waren. Den Außensensoren zufolge befand er sich unter Wasser in einer schlammigen Brühe die Analyse ergab ein Boden-Wasser-Algen-Gemisch, durchsetzt mit organischen Kleinorganismen –, die ihn vollständig umgab. Da Takeo momentan in relativer Sicherheit und keiner akuten Gefahr ausgesetzt war, ließ er seine restlichen Systeme inaktiv, um den Reparatur-Nanobots schnellere Erfolge zu ermöglichen. Derart angeschlagen wäre er ohnehin keine große Hilfe gewesen – für wen auch immer.

Was mit Matthew Drax und Xij geschehen war, entzog sich seiner Kenntnis. Der Logik nach hatten sie ihn aber noch in diesem Schlammloch versenken können, bevor sie sich zurückzogen; ansonsten hätte er an Bord des Shuttles erwachen müssen. Es war also ratsam, sich vorerst nicht zu rühren.

Die Schäden, die offenbar von einem EMP2) verursacht worden waren, schienen nicht so schwerwiegend, als dass das Reparaturprogramm sie nicht würde beheben können. Vom Diagnose-Check las er eine in Aussicht gestellte 99-prozentige Schadensbehebung ab. In rund vierzehn Minuten würde er wieder hergestellt sein.

Doch was war während seiner Inaktivität geschehen? Er ging das Protokoll durch. Die letzte Aufzeichnung vor seinem Blackout besagte, dass während des Fluges sämtliche elektrischen Systeme im Mondshuttle ausgefallen waren – auch seine eigenen.

Wie lange Takeo schon in dem Sumpfloch lag, konnte er der Protokoll-Routine aufgrund des Komplettausfalls nicht entnehmen. Sie setzte erst mit dem neuerlichen Impuls ein, dessen Signatur er nicht identifizieren konnte, die aber offenbar den EMP gespiegelt hatte.

Dieser Impuls hat meine Reparatursysteme reaktiviert, dachte Takeo. Aber warum hat sein Auslöser danach nicht nach mir gesucht? Einzige Erklärung: Der Impuls hatte nicht ihm gegolten …

Eine Erklärung ergab sich, als vier Komma fünf acht Stunden nach dem Anlaufen der Reparatur ein plötzliches Summen aufgezeichnet wurde, das auch durch die schalldämpfende Brühe drang. Takeos Außensensoren nahmen es deutlich wahr.

Zu diesem Zeitpunkt ist das Mondshuttle gestartet, erkannte er. Ihm muss der fremdenergetische Impuls gegolten haben. Meine Reaktivierung war höchstens ein unbeabsichtigter Nebeneffekt, weil ich mich in Reichweite des Signals befand.

Die Nanobots in Miki Takeos Systemen gingen weiter unbeirrt ihrer Arbeit nach. Sie setzten Reinigungsflüssigkeiten frei, die in winzigen, über den ganzen Körper verteilten Depots gelagert wurden.

Gesamtstatus bei 93,4 Prozent. Verbleibende Zeit bis Einsatzstatus 99 Prozent: neun Minuten, dreiunddreißig Sekunden …

Nächste Frage: Wer flog das Shuttle? Matt und Xij? Vermutlich nicht, denn sie hätten ihn zuvor geborgen. Zudem konnte der fremde Reaktivierungsimpuls nicht von ihnen kommen. Nein: Wer immer das Shuttle repariert hatte, war auch damit abgeflogen.

Dass dieser Jemand in der Lage war, ein Raumschiff zu bedienen, festigte die Annahme einer hoch entwickelten, technisch versierten, möglicherweise sogar künstlichen Intelligenz, die noch viel mehr konnte, als funktionierende Roboter zu bauen.

Weitere Stunden des Reparaturprozesses vergingen, die Takeo im Schnelldurchlauf überprüfte. In dieser Zeit war ein angeknickter Baumstamm in die Schlammgrube gestürzt, und ein nicht identifizierbarer Vogel war kurz auf der Wasseroberfläche gelandet, aber bald weitergeflogen. Niemand hatte Miki Takeos Ruhe gestört. Als die Reparatur-Nanobots 90 Prozent ihrer Arbeit absolviert hatten, waren schließlich auch Mikis Hauptsystem und sein Gedächtnisspeicher hochgefahren worden – er war erwacht.

Und jetzt endlich meldeten seine internen Sensoren: Gesamtstatus bei 99 Prozent. Minimale Schäden an den Servos des linken Arms und am Kühlsystem.

Sofort begann Miki Takeo damit, seine Umgebung zu scannen. Dabei registrierte er fast zwei Dutzend Metallos, die sich in der Nähe des Schlammlochs aufhielten.

Warum? Das Shuttle war doch längst weg.

Suchten sie nach ihm? Oder nach Matt und Xij?

Er beglückwünschte sich zu seiner Maßnahme, sich bislang nicht gerührt zu haben. Gegen einen Feind, der über einen EMP-Strahler verfügte, hatte er ohnehin nur im Vollbesitz seiner Kräfte eine Chance.

Doch er hatte auch nicht vor, anzugreifen. Da er nicht wusste, ob die Metallos vor Ort über den Strahler verfügten, verhielt er sich weiterhin ruhig. Und behielt auch die verbrauchten Reinigungsflüssigkeiten zunächst im Körper, um durch deren Aufsteigen keine verräterischen Blasen zu produzieren.

Dann jedoch wurde seine Entscheidung auf eine harte Probe gestellt: als er nämlich zwei biologische Muster unter den Signaturen der Metallos ortete.

Waren das Matthew Drax und Xij? Die Ortung war nicht eindeutig.

Einen Menschen hätten die Ungewissheit und das drängende Gefühl, den Freunden helfen zu müssen, schier in den Wahnsinn getrieben. Miki Takeo dagegen traf seine Entscheidung mit kühler Logik.

Punkt 1: Gegen über zwanzig Roboter waren seine Chancen gering; sie könnten ihn allein durch ihre Masse überwältigen.

Punkt 2: Selbst wenn sein Vorstoß anfangs erfolgreich wäre, befanden sich Matt und Xij in deren Gewalt; sie konnten ihn allein schon mit der Drohung, die beiden zu töten, aufhalten.

Punkt 3: Wenn sich der EMP-Strahler im Besitz der Metallos befand, würden sie ihn in Sekundenschnelle ausschalten können – und diesmal gab es vielleicht kein Signal mehr, das ihn reaktivieren würde.

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