Logo weiterlesen.de
Maddrax - Folge 332

Inhalt

  1. Cover
  2. Impressum
  3. Was bisher geschah
  4. Der vergessene Tod
  5. Leserseite
  6. Zeittafel
  7. Cartoon
  8. Vorschau

was-bisher-50.jpg

Am 8. Februar 2012 trifft der Komet „Christopher-Floyd“ die Erde. In der Folge verschiebt sich die Erdachse und ein Leichentuch aus Staub legt sich für Jahrhunderte um den Planeten. Nach der Eiszeit bevölkern Mutationen die Länder und die Menschheit ist – bis auf die Bunkerbewohner – auf rätselhafte Weise degeneriert. In dieses Szenario verschlägt es den Piloten Matthew Drax, dessen Staffel beim Einschlag durch ein Zeitphänomen ins Jahr 2516 gerät. Nach dem Absturz wird er von Barbaren gerettet, die ihn „Maddrax“ nennen. Zusammen mit der telepathisch begabten Kriegerin Aruula findet er heraus, dass Außerirdische mit dem Kometen – dem Wandler – zur Erde gelangt sind und schuld an der veränderten Flora und Fauna sind. Nach langen Kämpfen mit den gestaltwandlerischen Daa’muren und Matts Abstecher zum Mars entpuppt sich der Wandler als lebendes Wesen, das jetzt erwacht, sein Dienervolk in die Schranken weist und weiterzieht. Es flieht vor einem kosmischen Jäger, dem Streiter, der bereits seine Spur zur Erde aufgenommen hat!

Als der Streiter zur Erde kommt, versetzen die Gefährten einen Teil eines Steinflözes, der allem Lebendigen die Energie entzieht und es versteinert, mit dem Flächenräumer in die Masse des Streiters. Im Flächenräumer, einer Waffe der Hydriten am Südpol, entsteht alle 1000 Jahre durch die unkontrollierte Entladung der Energiespeicher eine Zeitblase.

Das Team nimmt den Kampf auf: Matt Drax, Xij Hamlet, die in sich die Geister unzähliger früherer Leben trägt, die Hydriten Gilam’esh und Quart’ol, der geniale Erfinder Meinhart Steintrieb und der Android Miki Takeo. Dazu stößt noch Grao’sil’aana, einer der letzten Daa’muren auf der Erde. Er hatte auf den 13 Inseln die Macht übernommen und die frisch gekrönte Königin Aruula in einer Höhle eingesperrt. Doch sie kommt frei und reist mit ihrem Freund Rulfan zum Südpol, um Matt zu warnen. Dabei sind die beiden entzweit: Im Kampf gegen Mutter, einem winzigen Teil des lebenden Flözes, kam durch ihre Schuld Matts Tochter Ann ums Leben.

Zunächst gelingt es den Gefährten nicht, den Streiter zu vernichten: Der Flächenräumer ist nicht ganz geladen, als sie den Schuss auslösen. Er krepiert und erschafft eine neue Zeitblase! Durch die Schockwelle ist der Streiter nur für drei Stunden paralysiert, dann setzt er seinen Weg zur Erde fort. Unter seinem Einfluss regieren weltweit Tod und Wahnsinn. Auch Aruula und Rulfan sterben. Als die kosmische Entität die Oberfläche des Planeten auf der Suche nach dem Wandler, dessen Essenz sie wie ein Drogensüchtiger braucht, vernichtet, bleibt Matt, Xij und Grao nur die Flucht durch die neue Zeitblase.

Sie stellen bald fest, dass sie durch Parallelwelten reisen. Wann immer eine Zeitblase entstand, hat sie eine neue Zeitlinie eröffnet. Bei einem dieser Sprünge geraten sie in den zeitlosen Raum zwischen den Welten, in dem Archivare technische Errungenschaften aller Epochen sammeln. Sie geben ihnen ein Gerät mit, das den Flächenräumer binnen Minuten aufladen kann. Sie kommen in jenem Augenblick wieder an ihrem Aufbruchsort an, in dem die Zeitblase entstand: drei Stunden, bevor sich der Streiter vom Mond löst! Als der frühere Matt auf die Ladestandanzeige des Flächenräumers aufmerksam wird, löst er einen weiteren Schuss aus, und diesmal gelingt es, einen Teil des Flözes in den Streiter zu versetzen. Der versteinert – doch im Todeskampf reißt er den Mond auf und schleudert die Trümmerstücke Richtung Erde.

Durch die Änderung im Zeitablauf sind auch Aruula und Rulfan gerettet und die Kriegerin will mit Grao abrechnen. Matt erreicht, dass er nur verbannt und in die Eiswüste geschickt wird.

Mit dem Mondshuttle fliegen Matt Drax und Miki Takeo einem 500 m durchmessenden Mondmeteoriten entgegen – und der AKINA, einem marsianischen Raumschiff, das offenbar führerlos auf die Erde zukommt. Der Schrei des sterbenden Streiters hat die Besatzung getötet, aber Matt will das Schiff nutzen, um das Trümmerstück vom Erdkurs abzubringen. Doch da rast von der Erde eine Atomrakete heran, verfehlt die AKINA nur knapp und zerlegt den Brocken. Woher kam sie? Takeo errechnet als Ausgangspunkt Kourou in Französisch-Guayana. Doch bevor sie dorthin fliegen, muss Matt noch eine Entscheidung treffen: zwischen Aruula und seiner neuen Liebe Xij Hamlet. Als er sich für Letztere entscheidet, verlässt Aruula ihn und bleibt vorerst mit Rulfan und Vogler auf Canduly Castle.

In Kourou stoßen Matt, Xij und Miki Takeo auf eine Gesellschaft, die uralten Riten folgt und so den Weltraumbahnhof der ESA instand hält. Takeo gelingt es, weitere Abfangraketen zu starten und die meisten Trümmer abzuwehren. Unter denen, die durchkommen, ist ein Brocken, der neben Canduly Castle einschlägt und den Keller zum Einsturz bringt. Aruula wird beinahe gelähmt, als sie Rulfans Familie mit ihrem Körper abschirmt.

Gleichzeitig wird auch Matt verletzt, von einer Schlange. Indios mit Totemtieren um den Hals überfallen Kourou, um Waffen zu erbeuten. Miki Takeo bringt einen Peilsender an einem der Gewehre an. Das Signal führt sie nach Mexiko – erst nach Cancún an der Nordostküste, wo sie auf Roboter treffen, die die Schlangenmenschen überfallen, um deren Too’tems zu rauben, und dann auf deren Fährte zur Westküste nach Campeche – wo das Mondshuttle von einer EMP-Welle getroffen wird und abstürzt!

Auf der Flucht, bei der sie Takeo in einem Schlammloch zurücklassen, geraten Matt und Xij in die Gewalt eines Indiostammes, deren Mitglieder ebenso verzerrt sind wie die Umgebung. Ein sprechender Teddybär ist dort das Gesetz. Als die beiden endlich fliehen können, ist das Shuttle verschwunden und sie werden von den wartenden Robotern eines mysteriösen „Großen Herrn“ geschnappt, der einer der Archivare aus dem zeitlosen Raum ist, der 2521 in dieser Zeit strandete und das Schlangengift zum Überleben braucht, obwohl es ihn verändert.

Der vergessene Tod

von Ansgar Back und Michelle Stern

14. September 2527

Die Wellen schlugen über Jennys Kopf zusammen. Myriaden von Luftblasen zogen vor ihren Augen vorüber, als sie in die Tiefe des Meeres sank. Der gewaltige Schatten der EIBREX IV legte sich über die Wasseroberfläche. Von einem gleichmäßigen Rauschen abgesehen, umgab sie herrliche Stille. Sehnsucht nach endlosem Schlaf breitete sich in der ehemaligen Pilotin aus. Wie leicht es doch ist, zu sterben,dachte sie.

Ein dumpfes Platschen störte die Ruhe. Schemenhaft schwebte plötzlich Pieroos Silhouette über ihr.

Pieroo, nein! Was tust du?

In diesem Moment legte sich etwas um ihr Fußgelenk. Und zog sie ruckartig in die Tiefe.

Jenny Jensen fühlte sich, als zöge man ihr das Gehirn aus dem Kopf. Das Etwas umklammerte ihre Fessel kraftvoll, riss sie nach unten. Ihre Atemluft stieg in glitzernden Wirbeln auf. Das Wasser rauschte einem flüssigen Smaragd gleich an ihren Augen vorbei.

Reflexartig öffnete Jenny den Mund. Salzwasser drang über ihre Lippen. Sie wollte schreien, Panik flammte in ihr hoch. Obwohl sie vor Sekunden noch hatte sterben wollen.

Eine weitere glitschige Berührung, diesmal am anderen Bein! Jenny trat um sich, wollte sich gegen die Griffe wehren, doch es gelang ihr nicht. Sie stand kurz davor zu ersticken, ihr Herz pochte überlaut in den Ohren, ihre Lungen verlangten nach Sauerstoff.

Ein Schatten zuckte unter ihr heran. Jennys Blick wurde trübe. Die Sinne drohten ihr zu schwinden. Ihre Arme bewegten sich fahrig, ein Zucken durchlief ihren Körper.

Der Schatten kam näher. Er war nicht sehr groß, glich einem halbwüchsigen Jungen.

Hier gibt es keine Menschen!

War er ein Engel, der sie ins Jenseits geleiten wollte? Aber wo waren dann seine Flügel?

Zwei Augen starrten sie aus der Tiefe an. Etwas Zackiges wuchs oben aus dem Schädel des Wesens.

Nein, das ist kein Engel. Das ist der Teufel persönlich!

Anns Gesicht erschien plötzlich vor Jennys geistigem Auge. Dunkelblonde Locken lagen um die Schläfen ihrer Tochter, sie lächelte.

Nach allem, was ich ihr angetan habe, lächelt sie mich an!

Wieder sah sie Ann sterben, getötet durch das Schwert, das Aruula geworfen hatte. Und das Ann nur traf, weil sie, Jenny, die Kriegerin zum Stolpern brachte.

Ein gequälter Schrei hallte durch ihr Hirn, und sie wusste nicht, ob es ihr eigener oder der von Ann war. Dann wurde sie von zwei Händen an den Armen gepackt und verlor das Bewusstsein.

Indischer Ozean, 1436 vor Christus

Ein Dreizack wirbelte auf Gilam’esh zu und verfehlte ihn um Schuppenbreite. Das Wasser teilte sich rauschend. Eine Bläschenwolke stob in sein Gesicht. Ich bin zu alt für die Schlacht, dachte Gilam’esh. Schwerfällig schwamm er seitwärts, eine primitive Waffe aus Walknochen vor sich haltend.

Um ihn herum lieferten sich vierhundert Mar’os-Jünger erbitterte Kämpfe mit mindestens fünfhundert Ei’don-Anhängern. Viele von ihnen benutzten Reitfische. Während die Mar’osianer Sord’finns ritten, deren spitzer Kopfdorn Gegner aufspießen konnte, trieben die Verteidiger Delfine in die Schlacht. Das Blut von Fischen und Hydriten wogte im Wasser und schmeckte metallisch auf der Zunge.

Der Angreifer zog die Waffe an sich, um sie erneut vorzustoßen. Die Spitzen zuckten auf Gilam’eshs Hals zu. Er wich zurück – zu langsam. Der alte Körper hatte nicht die Kraft, dem Mar’os-Krieger zu entkommen. Gilam’eshs Körper zitterte, doch seine Gedanken waren ruhig. Er hatte Angst vor dem Schmerz, aber der Tod an sich schreckte ihn nicht. Es gab genug Freunde um ihn herum, die seinen Geist im Notfall aufnehmen würden. Er war ein Quan’rill. Wenn er starb, konnte er seinen Leib verlassen und weiterwandern. Mental machte er sich auf das Ende seines Körpers gefasst.

„Verschwinde!“, klackte eine zornige Stimme neben Gilam’esh. Chal’fir schloss zu ihm auf und verlor dabei keine Zeit. Aus einem armbrustähnlichen Gerät schossen zwei Pfeile und bohrten sich in den Mar’osianer. Einer blieb im knochigen Schutzpanzer stecken, doch der zweite drang ihm in den Hals. Der Angreifer trudelte zurück und verlor sich innerhalb weniger Sekunden zwischen den wogenden Leibern der Kämpfenden.

„Was machst du!“, herrschte Chal’fir Gilam’esh an, während sie ihn zurückzog. „Du sollst nicht mitkämpfen! Du bist zu alt!“

Gilam’esh fühlte sich zu schwach, um sofort zu antworten. Seine Kiemen arbeiteten hektisch. „Ich … ich wollte dabei sein …“

„Alter Narr!“ Chal’fir brachte ihn aus dem Kampfgebiet. „Nur weil du geistwandern kannst, musst du nicht dein Leben riskieren! Was denkst du dir eigentlich?“

Gilam’esh dachte daran zurück, wie er Chal’fir das erste Mal gesehen hatte, als sie in Ei’don’lot in sein Mentorium eingeschwommen war, höchstens halb so groß wie jetzt. Aber vorlaut war sie auch damals schon gewesen.

Er sah sich um. Sar’tus und Qual’pur kamen in Sicht, da konnte Ei’don nicht weit sein.

Es ist diese Schlacht, dachte Gilam’esh bei sich, ohne auf Chal’firs Frage zu antworten. Diese Schlacht wird darüber entscheiden, ob sie Ei’don zum Herrscher der Meere krönen oder nicht. Ich schwimme mitten in lebendiger Geschichte. Bin ein Teil davon.

Gilam’esh hatte nicht vergessen, dass es nicht seine Zeit war, in der er sich befand, und auch nicht seine Welt. Durch die Zeitblase im Flächenräumer waren er und Quart’ol weit in die Vergangenheit geraten. Außerdem befanden sie sich in einer Parallelwelt, in der die Entwicklungen nicht zwangsläufig so verlaufen mussten wie in der ihm vertrauten Realität. Trotzdem war es ein erhabenes Gefühl. Ei’don war eine Lichtgestalt in seinem Volk. Sein Wirken würde nach Jahrtausenden noch in der Erinnerung sein.

„Er kommt!“, klackte hinter ihm eine aufgeregte Stimme. Weitere Stimmen fielen ein. „Ei’don! Ei’don!“ Die Rufe wurden rhythmischer und lauter. Wie ein Chor schnalzten die Verteidiger den Namen. Man konnte sehen, wie der Ausruf die Anstrengungen der Ei’don-Anhänger sprunghaft anwachsen ließ. Sie kämpften mit neuer Kraft.

In Chal’firs Augen trat ein ehrfürchtiger Glanz. Sie richtete den Körper auf, drehte sich im Wasser nach Ei’don um. Auch Sar’tus und Qual’pur fuhren herum. Sie waren ein ungleiches Paar. Während Sar’tus vor Muskeln und Kraft strotzte, seine Augen hell und wach wirkten, war Qual’pur beinahe doppelt so dick, wirkte wie ein Träumer und schien nie wirklich bei der Sache zu sein.

Gilam’esh wusste, dass dieser Eindruck trog. Qual’pur gehörte zu den vorsichtigen Hydriten innerhalb Ei’dons Anhängerschar, aber er besaß einen scharfen Verstand und wartete oft mit außergewöhnlichen Ideen auf. Darüber hinaus besaß er mehr Mut, als man ihm zutraute. Ohne diesen Mut wäre er nicht auf dem Schlachtfeld.

Chal’fir schlug sich auf die Rüstung. „Ei’don!“, brüllte auch sie.

Gilam’eshs Scheitelkamm zitterte in den Wellen. Er fand die Ähnlichkeit zwischen den Ei’don-Anhängern und den Mar’os-Kriegern in diesem Augenblick erschreckend. Sicher, die Ei’dons trugen andere Rüstungen, die feiner gearbeitet waren und zu leuchten schienen, wenn Lichtstrahlen sie trafen. Doch in ihrem Fanatismus waren beide Seiten gleich stark.

Ei’don und Mar’os. Weiß und Schwarz. Nur dass Mar’os nicht selbst über dem Schelf schwamm. Er hatte einen Vertreter, der von seinen Jüngern verehrt wurde.

„Kar’oste!“, klackte und schnalzte es von der anderen Seite. Die Kämpfenden trennten sich. Es bildeten sich zwei Heere zurück. Tote und Verletzte trieben in der Gezeitenströmung. Hydriten mit geflochtenen Pflanzenbinden am Arm kümmerten sich um Blutende. Sie halfen den Ei’don-Hydriten, zu denen sie gehörten. Die Mar’osianer überließen ihre Krieger dem Meer. Wer es nicht aus eigener Kraft zurück in die sicheren Reihen schaffte, hatte keine Heilung verdient.

Auf beiden Seiten bildeten sich Tunnel im Wasser. Die beiden Anführer schwammen hervor und zielstrebig aufeinander zu, bis sie mit drei Längen Abstand voreinander verhielten.

Gespenstische Stille legte sich über das Schelf. Selbst die Schreie der Verwundeten erschienen leiser als zuvor. Gilam’esh erhaschte einen Blick auf den Boden unter ihnen. In vier Metern Tiefe blitzten Speerspitzen, Dreizacke und Rüstungsteile auf. Dort versank die Ausrüstung, die die Toten nicht mehr brauchten. Sand wirbelte auf und machte die Sicht trüb.

Ei’don blickte Kar’oste furchtlos entgegen. Seine Gestalt wirkte schmächtig, wie die eines Junghydriten. Dabei hatte er das Alter zur Erwachsenenwerdung bereits überschritten. Die Haltung seines Körpers drückte Entschlossenheit und Ruhe aus. Gilam’esh atmete unwillkürlich langsamer. Das war eine Wirkung, die Ei’dons Auftauchen auf viele hatte. Frieden zog in sein Herz ein. Am liebsten hätte er seine Waffe losgelassen. Und damit war er nicht der Einzige. Auf beiden Seiten ließen Hydriten ihre Speere und Dreizacke los.

Kar’oste stieß ein herrisches Klacken aus. „Behaltet eure Waffen!“ Er schwamm vor und fixierte Ei’don grimmig. „Deine Tricks sind bekannt, Wunderheiler. Aber dieses Mal wirst du damit nicht durchkommen!“ Der Mar’os-Krieger war sowohl in seiner Unbeherrschtheit als auch in seinem Auftreten das genaue Gegenteil von Ei’don. Er trug eine plumpe Rüstung aus roten Hummerschalen und hielt in der Linken einen Dreizack, der ihn um eine Kopflänge überragte. Zahlreiche Narben zeichneten sein Gesicht. Der Scheitelkamm wies in der Mitte einen Riss auf. Dennoch war Kar’oste kein typischer Mar’osianer.

Gilam’esh schauderte, als er daran dachte, dass Kar’oste den großen Nar’dir nach dessen Tod abgelöst und damit eine neue Welle des Schreckens über die Meere gebracht hatte. Denn Kar’oste kämpfte erstmals mit einem Mittel, dass er nie und nimmer selbst entwickelt hatte: Bionetik. Gilam’esh konnte sich einfach nicht vorstellen, dass die in Höhlen lebenden Mar’os-Jünger dazu fähig waren. Jemand musste ihnen geholfen haben. Und er ahnte auch, wer das war.

Ei’dons Scheitelkamm stand aufrecht. Er breitete die Arme aus. „Kar’oste, lass uns diesen Wahnsinn beenden. Viele sind gestorben. Dein Mar’os durfte genug Blut trinken. Nimm nun deine Krieger und geh!“

„Nein.“ Kar’oste zeigte mit dem Dreizack auf seinen Widersacher. „Ich kenne dich, Ei’don. Als Kind hast du mir einmal in Ei’don’lot befohlen, mich zurückzuziehen. Du sprachst vier Worte und ich musste gehen. Ich habe es nicht vergessen. Man sagt dir und deinem innersten Kreis großartige Fähigkeiten nach. Doch auch jeder andere Hydrit kann sie erlangen. Es ist der Wille, der das Fleisch bezwingt!“

Ei’don senkte den Kopf. „Weise Worte, Kar’oste. Aber warum nutzt du deinen Willen zum Krieg?“

„Ich bin nicht gekommen, um zu reden, Ei’don!“ Kar’oste wandte sich um. „Befreit die Kraken!“

Qual’pur stieß einen klackenden Schrei aus. Er war nicht der Einzige. Die Anhänger Ei’dons gerieten in helle Aufregung. Verwirbelungen entstanden im Wasser.

„Bei allen Meeren“, brachte Chal’fir heraus, die Armbrust mit den kurzen Pfeilen anhebend. „Was ist das?“

Gilam’esh schluckte. Die Mar’os-Jünger wichen zur Seite. Sie flohen regelrecht. Einzig Kar’oste trieb aufrecht im Wasser, völlig regungslos. Sein Gesicht zeigte grimmigen Triumph.

Hinter Kar’oste schossen vier Wesen heran. Jedes war groß wie eine Transportqualle. Sie besaßen lange Tentakel, wie Kraken. Aber es waren keine Kraken, sondern Kampfmaschinen.

„Bionetik!“, stieß Sar’tus aus. „Die kann Ei’don nicht mental beeinflussen!“

Die Reihen der Ei’don-Anhänger gerieten ins Wanken. Keiner wusste, wie er auf diesen Angriff reagieren sollte. Schon wollten einige an vorderster Front fliehen. Ei’don selbst sah den Kraken mit starrem Blick entgegen. Er gab keine Anweisungen.

Gilam’esh streckte seine mentalen Fühler aus. Er war in den vergangenen Jahren unter Ei’dons Anleitung stärker geworden und konnte dessen Versuch spüren, der Bionetik zu befehlen. Es war vergeblich.

Die Kraken kamen rasch näher. An den Spitzen ihrer langen Arme saßen tödliche Dornen. Der Erste würde Ei’don in wenigen Sekunden erreichen und zerreißen. Jetzt zogen alle vier Bionetikgeschöpfe mit peitschenden Tentakeln an Kar’oste vorbei, der selbstzufrieden im Wasser aufragte.

Ei’don ließ die Arme hängen. Er wirkte, als habe er aufgegeben.

„Mein Leben für dich!“, klackte Chal’fir. Sie schwamm vor.

„Mein Leben für dich!“, wiederholte Qual’pur den Ruf.

Plötzlich kam wieder Bewegung ins Wasser. Aus der Fluchtbewegung wurde ein Angriff. Gilam’esh selbst schwamm mit Chal’fir und Qual’pur voran, während Ei’don von den Brüdern Ho’tan und Zar’kir nach hinten gerissen wurde.

Kar’oste wich mit einem zornigen Klacken zurück. Mit einer so schnellen Reaktion hatte er nicht gerechnet.

Beeinflusst Ei’don uns?, dachte Gilam’esh. Er besaß die Macht, ihnen mit wenigen Worten zu befehlen. Aber konnte er sie auch stumm dazu bringen, ein Schutzschild aus Leibern zu bilden?

Der erste Krake kam heran und packte Qual’pur. Der dicke Hydrit hob seinen Speer und rammte ihn tief in die Kreatur, ehe er mit einem hässlich knackenden Geräusch davongewirbelt wurde. Chal’fir gab mehrere Doppelschüsse ab. Die Bolzen ragten aus der weißgrauen Masse des künstlichen Körpers.

Gilam’esh verspürte den Impuls, zu warten. Verwirrt hielt er inne und betrachte halb entsetzt, halb verwundert das Schauspiel vor sich. Jemand nimmt auf mich Einfluss. Aber es ist nicht Ei’don. Was geht da vor sich?

Während die Ei’don-Anhänger sich wie ein Mann auf die vier Kraken stürzten, blieb Gilam’esh als Beobachter außen vor. Er spürte die Erschütterungen im Wasser, hörte das Klacken und Brechen von Knochen, schmeckte das Blut. Sein Blick fiel auf Ei’don, der langsam aus seiner Starre erwachte und die Hände der beiden Brüder abstreifte.

Ei’don schwamm vor, wurde immer schneller. Er stieß an den kämpfenden Kraken vorbei auf Kar’oste zu.

Wollen Sie wissen, wie es weiter geht?

Hier können Sie "Maddrax - Folge 332" sofort kaufen und weiterlesen:

Amazon

Apple iBookstore

ebook.de

Thalia

Weltbild

Viel Spaß!



Kaufen






Teilen