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Maddrax - Folge 329

Inhalt

  1. Cover
  2. Impressum
  3. Was bisher geschah
  4. Die Fährte der Roboter
  5. Leserseite
  6. Zeittafel
  7. Vorschau

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Am 8. Februar 2012 trifft der Komet „Christopher-Floyd“ die Erde. In der Folge verschiebt sich die Erdachse und ein Leichentuch aus Staub legt sich für Jahrhunderte um den Planeten. Nach der Eiszeit bevölkern Mutationen die Länder und die Menschheit ist – bis auf die Bunkerbewohner – auf rätselhafte Weise degeneriert. In dieses Szenario verschlägt es den Piloten Matthew Drax, dessen Staffel beim Einschlag durch ein Zeitphänomen ins Jahr 2516 gerät. Nach dem Absturz wird er von Barbaren gerettet, die ihn „Maddrax“ nennen. Zusammen mit der telepathisch begabten Kriegerin Aruula findet er heraus, dass Außerirdische mit dem Kometen – dem Wandler – zur Erde gelangt sind und schuld an der veränderten Flora und Fauna sind. Nach langen Kämpfen mit den gestaltwandlerischen Daa’muren und Matts Abstecher zum Mars entpuppt sich der Wandler als lebendes Wesen, das jetzt erwacht, sein Dienervolk in die Schranken weist und weiterzieht. Es flieht vor einem kosmischen Jäger, dem Streiter, der bereits seine Spur zur Erde aufgenommen hat!

Als der Streiter zur Erde kommt, versuchen die Gefährten, ihn zu vernichten, indem sie ein Teil eines Steinflözes, der allem Lebendigen die Energie entzieht und es versteinert, mit dem Flächenräumer in die Masse des Streiters versetzen wollen. Der Flächenräumer, eine Waffe der Hydriten am Südpol, lag lange brach, und alle tausend Jahre entstand durch die unkontrollierte Entladung der Energiespeicher eine Zeitblase in ihm.

Das Team nimmt den Kampf gegen die Zeit auf: Matthew Drax, Xij Hamlet, die in sich die Geister unzähliger früherer Leben trägt, die Hydriten Gilam’esh und Quart’ol, der geniale Erfinder Meinhart Steintrieb und der Android Miki Takeo. Dazu stößt noch Grao’sil’aana, einer der wenigen Daa’muren, die beim Abflug des Wandlers auf der Erde blieben. Er hatte auf den 13 Inseln, Aruulas Heimat, die Macht übernommen und die frisch gekrönte Königin Aruula in einer Höhle eingesperrt.

Doch Aruula kommt frei und reist mit ihrem alten Freund Rulfan zum Südpol, um Matt zu warnen. Dabei sind die beiden entzweit: Im Kampf gegen Mutter, einem winzigen Teil des lebenden Flözes, kam durch ihre Schuld Matts Tochter Ann ums Leben. Das hat er ihr nicht verziehen.

Zunächst gelingt es den Gefährten nicht, den Streiter zu vernichten: Der Flächenräumer ist nicht ganz geladen, als sie den Schuss auslösen müssen. Er krepiert und erschafft eine neue Zeitblase! Erst scheint der Streiter getroffen, doch es war nur eine Schockwelle, die ihn für drei Stunden paralysiert. Dann setzt er seinen Weg zur Erde fort. Unter seinem Einfluss regieren weltweit Tod und Wahnsinn. Auch Aruula und Rulfan sterben. Als die kosmische Entität die Oberfläche des Planeten auf der Suche nach dem Wandler, dessen Essenz sie wie ein Drogensüchtiger braucht, vernichtet, bleibt Matt, Xij und Grao nur die Flucht durch die neue Zeitblase.

Sie stellen bald fest, dass sie durch Parallelwelten reisen. Wann immer eine Zeitblase entstand, hat sie eine neue Zeitlinie eröffnet, in der die Geschichte unterschiedlich weiterläuft. Bei einem dieser Zeitsprünge geraten sie in den zeitlosen Raum zwischen den Welten, in dem Archivare technische Errungenschaften aller Epochen sammeln. Sie geben ihnen ein Gerät mit, das die Energiewaben des Flächenräumers in Minutenschnelle aufladen kann. Als sie endlich wieder an ihrem Aufbruchsort landen, kommen sie in jenem Augenblick an, in dem die Zeitblase entstanden ist: drei Stunden, bevor sich der Streiter vom Mond löst! Doch sie können zu ihren früheren Ichs keinen Kontakt aufnehmen und auch nichts berühren. Als der frühere Matt auf die Ladestandanzeige des Flächenräumers aufmerksam wird, löst er einen weiteren Schuss aus, und diesmal gelingt es, einen Teil des Flözes in den Streiter hinein zu versetzen. Der versteinert – doch im Todeskampf reißt er den Mond auf und schleudert Hunderte von Trümmerstücke in Richtung Erde.

Durch die Änderung im Zeitablauf sind auch Aruula und Rulfan gerettet und die Kriegerin will mit Grao abrechnen. Matt erreicht, dass er nur verbannt und in die Eiswüste geschickt wird, wo er Antarktis-Bewohnern in die Hände fällt und ins Sanktuarium gerät, eine Hohlkugel aus der Zukunft, die in ferner Vergangenheit beim ersten Schuss des Flächenräumers entstand. Nach einigen Abenteuern kann er daraus entkommen und setzt seinen Weg nach Norden fort.

Mit dem Mondshuttle fliegen Matt Drax und Miki Takeo einem 500 m durchmessenden Mondmeteoriten entgegen – und der AKINA, einem marsianischen Raumschiff, das offenbar führerlos auf die Erde zukommt. Der Schrei des sterbenden Streiters hat die Besatzung getötet, aber Matt will das Schiff nutzen, um das Trümmerstück vom Erdkurs abzubringen. Doch da rast von der Erde eine Atomrakete heran, verfehlt die AKINA nur knapp und zerlegt den Brocken. Von wem kam sie? Takeo errechnet als Ausgangspunkt Kourou in Französisch-Guayana. Doch bevor sie dorthin fliegen, muss Matt noch eine Entscheidung treffen: zwischen Aruula und seiner neuen Liebe Xij Hamlet. Als er sich für Letztere entscheidet, verlässt Aruula ihn und bleibt vorerst mit Rulfan und Vogler auf Canduly Castle.

In Kourou stoßen Matt, Xij und Miki Takeo auf eine Gesellschaft, die uralten Riten folgt und so den Weltraumbahnhof der ESA instand hält. Takeo gelingt es, weitere Abfangraketen zu starten und die meisten Trümmer abzuwehren. Unter denen, die durchkommen, ist ein Brocken, der neben Canduly Castle einschlägt und den Keller zum Einsturz bringt. Aruula wird beinahe gelähmt, als sie Rulfans Familie mit ihrem Körper abschirmt.

Gleichzeitig wird auch Matt verletzt, von einer Schlange. Indios mit Totemtieren um den Hals überfallen Kourou, um Waffen zu erbeuten. Miki Takeo bringt einen Peilsender an einem der Gewehre an. Nachdem Matt genesen ist, folgen sie dem Signal im Mondshuttle. Es führt sie nach Mexiko …

Die Fährte der Roboter

von Sascha Vennemann

Cancún, Meeko

Itzel wusste nicht genau, was sie geweckt hatte. Ein Sonnenstrahl, der sie durch die geschlossenen Lider blendete und den sie wegzublinzeln versuchte? Oder das Schreien ihrer kleinen Tochter im Raum nebenan? Jedenfalls registrierte sie beides, als sie nun allmählich aus den Tiefen des nächtlichen Schlafes auftauchte, der selten lange währte, seit sie Kinder hatte.

Itzel setzte sich auf und strich sanft über die Flügel der gefiederten Schlange, die sich eng um ihren Hals gewunden hatte. Sie lauschte. Schrie der Säugling, weil er Hunger hatte, oder war etwas nicht in Ordnung?

Nein, das klang nicht danach, als täte Noorita etwas weh. Diese Mischung aus gepresstem Glucksen und flehendem Wimmern brachte sie nur hervor, wenn es Zeit für ihre Milch wurde.

„Dann will ich dich nicht länger warten lassen“, flüsterte Itzel leise und schwang die Beine aus dem Bett. In einer beiläufigen Bewegung zupfte sie ihre langen schwarzen Haare im Nacken unter den Windungen der Schlange hervor.

Als sie aufstand und die Liege kurz schaukelte, brummte Diandro, ihr Mann, leise protestierend. Auch er bekam nicht genug Schlaf, seit ihr zweites Kind so unerwartet und viele Jahre nach dem Erstgeborenen das Licht der Welt erblickt hatte.

Itzel schlüpfte in ihre Sandalen aus geflochtenem Bast und entfernte sich lautlos. Diandro brummte noch einmal und drehte sich zur anderen Seite. Seine Hand baumelte aus dem Bett und streifte das zusammengeringelte Tier, das dort lag. Die Schlange regte sich nicht, also würde auch Diandro noch liegen bleiben.

Die wenigen Schritte zur Krippe im Nebenraum nutzte Itzel, um sich zu strecken und noch einmal herzhaft zu gähnen. Der Helligkeit nach war es früher Morgen. Die Nachtvögel zirpten noch vereinzelt, aber schon mischten sich die Laute der tagaktiven Dschungelbewohner darunter. Itzel hörte das Klappern von Holzgeschirr und das Plätschern von Wasser. Gedämpfte Stimmen aus der Nachbarhütte.

Noorita plärrte immer noch, beruhigte sich aber sofort, als die spürte, wie die Hände der Mutter sie umfassten und in die Höhe hoben. „Schhhhh“, machte Itzel. „Ist ja gut. Gleich gibt’s Frühstück.“

Das Kind hin und her wiegend, ging sie zum Tisch und setzte sich auf einen der drei Holzstühle. Sie lächelte ihre Tochter an. „Wenn du größer bist, wird Papa dir einen eigenen Stuhl bauen.“ Itzel schob den Träger ihres Schlafgewands aus Leinen über die Schulter und entblößte ihre linke Brust. Gierig begann das Baby zu saugen, schloss die Augen und genoss die Wärme und Nähe seiner Mutter.

Itzel streichelte über das dichte dunkle Haar ihrer Tochter. Diese kleinen Wesen waren so verletzlich in den ersten Wochen ihres Lebens. Kaum vorstellbar, dass aus ihnen eines Tages Erwachsene wurden. Krieger, Bauern, Too’tem-Träger. Und doch war es so. Itzels Sohn, der nun schon zwölf Regenzeiten gesehen hatte, war das beste Beispiel dafür.

Gilbeeto … wo war er eigentlich? So früh am Morgen verließ er nur selten das Haus. Itzel wechselte das Kind von der einen Brust zur anderen und stand auf. Sie befühlte das zerwühlte Lager ihres Sohnes, aber die Decken waren kalt.

Ihr Blick ging zur Tür, und da sah sie es: Die Angel fehlte. Der Junge war wohl zum Hafen gelaufen, um einen Fisch zum Frühstück zu fangen. Das tat er hin und wieder, vor allem in letzter Zeit: Genau wie seine Eltern konnte Gilbeeto wegen seiner kleinen Schwester selten durchschlafen.

Nooritas Schlucke wurden langsamer und träger. Sie öffnete die Augen. Ein seliger Ausdruck lag auf ihrem Gesicht. Dann nieste sie einmal kräftig.

„Du kleines Ferkel!“, schimpfte Itzel belustigt und wischte das Gesicht ihrer Tochter und ihre Brust trocken. Die kleinen Hände griffen in die Höhe und bekamen die Schlange zu fassen, die wie eine Kette um Itzels Hals hing. Reflexartig zog Noorita an einem der Flügel und ein Zittern durchlief das Tier.

„Hey!“, rief Itzel überrascht. „So geht das aber nicht!“ Sanft löste sie die kleinen Finger. „Mit einem Too’tem spielt man nicht, und man darf ihm auch nicht wehtun! Es beschützt uns doch.“ Sie stand auf und legte Noorita zurück in Wiege. „Du wirst sehen, die Zeit, bis du dein eigenes Too’tem bekommst, vergeht wie im Fluge.“ Sie streichelte die Schlange beruhigend. „Ich kann mich gar nicht an die Zeit erinnern, als ich noch keines trug …“

Noorita gluckste müde und zufrieden. Sie lag auf dem Rücken, strampelte kurz, aber dann fielen ihr auch schon die Augen zu und sie wurde ganz still.

Itzel lächelte. Sie hätte nicht glücklicher sein können über ihre bildhübsche Tochter. Diandro und sie hatten gar nicht mehr damit gerechnet, noch ein weiteres Kind zu bekommen, schließlich hatte sie die dreißig Regenzeiten bereits überschritten.

Sie wollte eben zurück zu ihrem Mann auf die Liege, als sich in die morgendliche Idylle aufgeregte Rufe mischten. Auf dem Weg vor der Hütte hörte sie einige Männer laut miteinander sprechen und das Platschen von nackten Fußsohlen auf festgetretenem Boden. Aus der Ferne erklang ein Grollen wie von Gewitterdonner.

Mit einer Mischung aus Neugierde und Besorgnis ging Itzel zur Tür der Hütte und warf einen Blick nach draußen. In der Nacht hatte es geregnet, die Erde war feucht und schlammig. Dreck und Matschklumpen flogen auf, als eine Gruppe von bewaffneten Männern vorbeirannte, auf eines der westlichen Stadttore zu.

Itzel trat zwei Schritte unter dem Dach aus geflochtenen Palmenwedeln hervor und sah hinüber zur wenige Speerwürfe entfernten Stadtpalisade. Dunkle Rauchschwaden stiegen dort auf.

„Was …?“, entfuhr es ihr, als ein weiteres Grollen erklang und gleichzeitig eine große dunkle Wolke in den Himmel wallte, dort, wohin die Männer augenscheinlich liefen.

Erschrocken dachte sie an Gilbeeto, der sich irgendwo in der Stadt oder am Hafen herumtrieb. Wenn Cancuun angegriffen wurde, dann war er in Gefahr!

Voller Sorge rannte Itzel zurück in die Hütte, um ihren Mann zu wecken.

Über dem Atlantik vor der Küste Mittelamerikas

Piep … Piep … Piep …

Matthew Drax starrte auf die schematische Karte, die ihm auf dem Bildschirm des Mondshuttles angezeigt wurde. Der Ausschnitt zeigte die mittelamerikanische Küstenlinie links und den Ozean rechts. Ein kleines Symbol in der Mitte stellte das Raumschiff dar, mit dem sie unterwegs waren. Als wäre es der Mittelpunkt der Welt.

„Hast du gehört, was ich gesagt habe?“, erklang eine genervte Stimme neben ihm. Gleich darauf knuffte ihn jemand an die Schulter.

„Hmm?“ Matt sah auf und musste blinzeln, als die über dem Horizont aufgehende Sonne ihn blendete. Mit einem geübten Handgriff drückte er den Knopf für die Polarisation und dunkelte so die Frontscheiben ab.

„Ob du gehört hast“, stöhnte Xij Hamlet vom Copiloten-Sitz aus. „Ich sagte: Wie kannst du dich eigentlich konzentrieren bei dem ständigen Gepiepse? Mir geht es auf den Keks!“

„Ach das …“ Matthew winkte ab. Seine Begleiterin – nun ja, seit einiger Zeit war sie mehr als das – meinte das Peilsignal, dem sie hinterher flogen. „Das höre ich schon gar nicht mehr …“

„Ich aber!“, ereiferte sich Xij. „Und es nervt mich, seit du es eingeschaltet hast, um die Entfernung zum Ziel zu bestimmen.“ Sie beugte sich vor und strich ihm über die Wange. „Mach es aus. Orientieren wir uns an der optischen Peilung, ja?“

„Aber klar, sorry.“ Matt deaktivierte das akustische Signal, streckte sich im Pilotensessel und überprüfte den Kurs. Er korrigierte ihn um einige Grad nach Backbord, weiter auf das Festland zu.

Sie flogen in einer geringen Höhe von zweihundert Metern über den Ozean, die Küstenlinie immer in Sichtweite. Von Jamaika aus, ihrer letzten Station, folgten sie dem Peilsender, den Miki Takeo an einer der Waffen angebracht hatte, die die Schlangenmenschen in Kourou erbeutet hatten. Sie wollten herauszufinden, woher die Indios kamen und was sie mit den Schnellfeuergewehren vorhatten.1)

Immer weiter nach Westen führte sie der Kurs, an den Küsten von Honduras, Guatemala und Belize entlang, bis sie vor Kurzem das Terrain des ehemaligen Mexiko – heute Meeko genannt – erreicht hatten.

Und auch hier bot sich ihnen überall ein Bild der Verwüstung. Die Trümmerstücke des Mondes, die in den vergangenen Wochen auf das Land und ins Meer gestürzt waren, hatten Krater hinterlassen und Tsunamis ausgelöst.

Matt, Xij und Miki Takeo hatten erlebt, was die Wassermassen, durch den jüngsten Meteoriten in Bewegung gesetzt, auf Jamaika angerichtet hatten. Durch die Lücke zwischen Nord- und Südamerika, die damals „Christopher-Floyd“ geschlagen hatte – dabei waren Panama, Costa Rica und Teile Nicaraguas im Meer versunken – war der Tsunami fast ungehindert auf Jamaikas Süden getroffen. Kilometerweit erstreckte sich der Streifen der Zerstörung ins Landesinnere. Die tropische Vegetation war zum Großteil weggespült worden. Abgeknickte, von Schlamm überzogene Palmen dominierten die Szenerie, sahen aus wie grotesk verformte Dinosaurierskelette.

Matt verscheuchte das Bild aus seinem Kopf. Wenigstens hatten sie es geschafft, die Bevölkerung von Kingston und Umgebung rechtzeitig zu warnen, sodass sich ein Großteil in die Blue Mountains hatte retten können.

Die Ostküste, an der sie jetzt entlangflogen, war dagegen geschützt gewesen vor dem Monster-Tsunami; trotzdem sah man auch hier deutlich die Folgen des Bombardements aus Mondbrocken, das der sterbende Streiter über die Erde gebracht hatte. Ein tödlicher Regen, der in den letzten Tagen jedoch immer mehr nachgelassen hatte. Matt hoffte, dass der Hundertzwanzig-Meter-Meteorit, der im Pazifik eingeschlagen war, den Schlusspunkt darstellte.

Er spürte Xijs Hände an seinem Nacken. Sie war aufgestanden und hinter ihn getreten, massierte seine verspannten Halsmuskeln. Es fühlte sich warm und wunderbar an.

„Woran denkst du?“, wollte sie wissen. „Ich merke doch, dass du dich nicht wirklich aufs Fliegen konzentrierst.“

Matthew gab ein wohliges Brummen von sich, als Xijs geschickte Finger die Sehnen in seinem Schulterbereich lockerten. „Es ist vielleicht müßig, darüber nachzudenken, aber …“ Er stockte. „Das Ausmaß an Zerstörung, das der Streiter verursacht hat, selbst nachdem wir ihn aufhalten konnten … Es ist unfassbar. Wenn ich bedenke, wie viele Menschen wohl hier an den Stränden ums Leben gekommen sind …“

Xij nickte zustimmend. „Das erinnert mich an den Tsunami Weihnachten 2004, der die Küsten von Sri Lanka und Thailand verwüstet hat.“

Vage Erinnerungen an verwackelte Fernsehbilder kamen in Matt hoch, in denen Lawinen aus dunklem Wasser alles wegspülten: Häuser, Autos, Menschen und Palmen. Es war schon seltsam, dass Xij Hamlet sich daran erinnerte, war sie doch erst vor etwa neunzehn Jahren in Hamburg geboren worden. Es war die Erinnerung eines früheren Lebens vor über fünfhundert Jahren. Wer war sie damals gewesen? Und was – Mann oder Frau?

Matt schauderte. Daran würde er sich wohl nie ganz gewöhnen können. Obwohl Xijs erste Existenz weiblich gewesen war – die hydritische Geistwanderin Manil’bud –, hatte sich ihr Geist bei jedem Ableben der leiblichen Hülle wahllos einen Fötus irgendwo auf der Welt gesucht, in den er überwechseln konnte, der gerade, in dieser Sekunde, sein Bewusstsein erlangte. Der letzte Wechsel hatte sie in Xijs Körper geführt. Oder nein, auch das war falsch: Ihr jetziger Xij-Körper war ein Klon, in der Hydritenstadt Gilam’esh’gad gezüchtet, nachdem ihr Originalkörper vergiftet worden und gestorben war.2)

„Ja, du hast recht“, antwortete er verspätet auf ihre Bemerkung. „Damals sah es an den Stränden genauso aus.“ Er schluckte. „Und fast eine Viertelmillion Menschen fand den Tod.“

Die zierliche Frau mit dem knabenhaften Körper und der Kurzhaarfrisur gab ihm einen Kuss auf den Hinterkopf und setzte sich wieder neben ihn. „So viele Opfer gab es diesmal sicher nicht“, meinte sie. „Die Küsten waren lange nicht so dicht besiedelt wie damals in Südasien.“

Matthew schnaufte. „Ein schwacher Trost. Hätten wir den Streiter nicht zum Mond gelockt …“

„Sieh es mal so: Wir haben das Ende der Welt verhindert. Wir haben die Bevölkerung eines ganzen Planeten vor dem Untergang bewahrt. Was sind dagegen schon ein paar Tausend Opfer? Die Erde hat ‚Christopher-Floyd‘ überlebt, Matt. Sie wird auch ein paar Mondbrocken überleben.“

Matt starrte wieder auf die elektronische Karte und nickte stumm. „Du hast ja recht“, murmelte er und erschrak, weil er es irgendwie wirklich so empfand. Wenn das der Preis für das Überleben der Erde gewesen war, dann hatten sie wirklich noch großes Glück gehabt. Egal, wie sehr das Leid und das Schicksal jeden Einzelnen getroffen haben mochten.

Die Daten der Karte aktualisierten sich. Von oben links schob sich eine Landzunge ins Bild, und dort blinkte still ein roter Punkt. Dort befand sich der Peilsender! Sie hatten ihn gefunden.

Xij bemerkte seine Aufregung und beugte sich zu ihm hinüber. „Sind wir da?“

Matthew nickte. „Ich denke, ja.“ Er programmierte den neuen Kurs, direkt zur Küste, wo sich das Signal nur wenige hundert Meter im Landesinneren zu befinden schien. „Geh bitte nach hinten und sag Miki, dass wir unser Ziel erreicht haben.“

Die Stadt, die dort auf der Landzunge unter ihnen in die karibische See hineinragte, sah von oben aus wie eine riesige Festung.

Ein hoher Palisadenzaun umgab das Areal, ein Bollwerk aus acht Meter hoch aufgeschichtetem Holz. Zur Dschungelseite hin war es komplett geschlossen, lediglich zur Seeseite stand die Umzäunung offen – das aber erst, nachdem die Palisaden noch gut fünfzig Meter zu jeder Seite in das Hafenbecken hineinragten.

„Da bekommt wohl jemand nicht gerne Besuch“, beurteilte Xij das Bild, das sich ihnen beim ersten Rundflug über das Gelände bot.

Das Innere der Siedlung bestand aus dicht beieinanderstehenden Hütten, durchzogen von einer wabenförmigen Straßenstruktur, deren Hauptadern sich auf einem kleinen zentralen Platz trafen.

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