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Maddrax - Folge 327

Inhalt

  1. Cover
  2. Impressum
  3. Was bisher geschah
  4. Mit eisernem Willen
  5. Leserseite
  6. Zeittafel
  7. Vorschau

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Am 8. Februar 2012 trifft der Komet „Christopher-Floyd“ die Erde. In der Folge verschiebt sich die Erdachse und ein Leichentuch aus Staub legt sich für Jahrhunderte um den Planeten. Nach der Eiszeit bevölkern Mutationen die Länder und die Menschheit ist – bis auf die Bunkerbewohner – auf rätselhafte Weise degeneriert. In dieses Szenario verschlägt es den Piloten Matthew Drax, dessen Staffel beim Einschlag durch ein Zeitphänomen ins Jahr 2516 gerät. Nach dem Absturz wird er von Barbaren gerettet, die ihn „Maddrax“ nennen. Zusammen mit der telepathisch begabten Kriegerin Aruula findet er heraus, dass Außerirdische mit dem Kometen – dem Wandler – zur Erde gelangt sind und schuld an der veränderten Flora und Fauna sind. Nach langen Kämpfen mit den gestaltwandlerischen Daa’muren und Matts Abstecher zum Mars entpuppt sich der Wandler als lebendes Wesen, das jetzt erwacht, sein Dienervolk in die Schranken weist und weiterzieht. Es flieht vor einem kosmischen Jäger, dem Streiter, der bereits seine Spur zur Erde aufgenommen hat!

Als der Streiter zur Erde kommt, versuchen die Gefährten, ihn zu vernichten, indem sie ein Teil eines Steinflözes, der allem Lebendigen die Energie entzieht und es versteinert, mit dem Flächenräumer in die Masse des Streiters wollen. Der Flächenräumer, eine Waffe der Hydriten am Südpol, lag lange brach, und alle tausend Jahre entstand in ihm durch die unkontrollierte Entladung der Energiespeicher eine Zeitblase.

Das Team nimmt den Kampf gegen die Zeit auf: Matthew Drax, die junge Xij, die in sich die Geister unzähliger früherer Leben trägt, die Hydriten Gilam’esh und Quart’ol, der geniale Erfinder Meinhart Steintrieb und der Android Miki Takeo. Dazu stößt noch Grao’sil’aana, einer der wenigen Daa’muren, die beim Abflug des Wandlers auf der Erde blieben. Er hatte auf den 13 Inseln, Aruulas Heimat, die Macht übernommen und die frisch gekrönte Königin Aruula in einer Höhle eingesperrt.

Doch Aruula kommt frei und kommt mit ihrem alten Freund Rulfan zum Südpol, um Matt zu warnen. Dabei hatte sie sich mit ihrem Gefährten entzweit: Im Kampf gegen Mutter, einem winzigen Teil des lebenden Flözes, kam durch ihre Schuld Matts Tochter Ann ums Leben. Das hat er ihr nicht verziehen.

Zunächst gelingt es den Gefährten nicht, den Streiter zu vernichten: Der Flächenräumer ist nicht ganz geladen, als sie den Schuss auslösen müssen. Er krepiert und erschafft eine neue Zeitblase! Erst scheint der Streiter getroffen, doch es war nur eine Schockwelle, die ihn für drei Stunden paralysiert. Dann setzt er seinen Weg zur Erde fort. Unter seinem Einfluss regieren weltweit Tod und Wahnsinn. Auch Aruula und Rulfan sterben. Als die kosmische Entität die Oberfläche des Planeten auf der Suche nach dem Wandler, dessen Essenz sie wie ein Drogensüchtiger braucht, vernichtet, bleibt Matt, Xij und Grao nur die Flucht durch die neue Zeitblase.

Sie stellen bald fest, dass sie durch Parallelwelten reisen. Wann immer eine Zeitblase entstanden ist, hat sie eine neue Zeitlinie eröffnet, in der die Geschichte unterschiedlich weiterläuft. Bei einem dieser Zeitsprünge geraten sie in den Zeitlosen Raum zwischen den Welten, in dem Archivare technische Errungenschaften aller Epochen sammeln. Sie geben ihnen ein Gerät mit, das die Energiewaben des Flächenräumers in Minutenschnelle aufladen kann. Als sie endlich wieder an ihrem Aufbruchsort landen, kommen sie in jenem Augenblick an, in dem die Zeitblase entstanden ist: drei Stunden, bevor sich der Streiter vom Mond löst! Doch sie können zu ihren früheren Ichs keinen Kontakt aufnehmen und auch nichts berühren, da die Zeit selbst es verhindert. Als der frühere Matt auf die Ladestandanzeige des Flächenräumers aufmerksam wird, löst er einen weiteren Schuss aus, und diesmal gelingt der Plan: Sie versetzen einen kugelförmigen Teil des Flözes direkt in den Streiter hinein. Der versteinert – doch im Todeskampf reißt er den Mond auf und schleudert Hunderte von Trümmerstücken in Richtung Erde.

Durch die Änderung im Zeitablauf sind auch Aruula und Rulfan gerettet, und die Kriegerin will mit Grao abrechnen. Matt erreicht, dass er nur verbannt und in die Eiswüste geschickt wird, wo er Antarktis-Bewohnern in die Hände fällt und in Sanktuarium gerät, eine Hohlkugel aus der Zukunft, die in ferner Vergangenheit beim ersten Schuss des Flächenräumers entstand.

Mit dem Mondshuttle fliegen Matt Drax und Miki Takeo einem 500 km durchmessenden Mondmeteoriten entgegen – und der AKINA, einem marsianischen Raumschiff, das offenbar führerlos auf die Erde zukommt. Der Schrei des sterbenden Streiters hat die Besatzung getötet, aber Matt will das Schiff nutzen, um das Trümmerstück vom Erdkurs abzubringen. Doch da rast von der Erde eine Atomrakete heran, verfehlt die AKINA nur knapp und zerlegt den Brocken. Von wem kam sie? Takeo errechnet als Ausgangspunkt Kourou in Französisch-Guayana. Doch bevor sie dorthin fliegen, muss Matt noch eine Entscheidung treffen: zwischen Aruula und seiner neuen Liebe Xij Hamlet. Als er sich für Letztere entscheidet, verlässt Aruula ihn und bleibt vorerst auf Canduly Castle, als sie Rulfan und Vogler dort absetzen.

In Kourou stoßen Matt, Xij und Miki Takeo auf eine Gesellschaft, die uralten Riten folgt und so den Weltraumbahnhof der ESA instand hält. Takeo gelingt es, weitere Abfangraketen zu starten und die meisten Trümmer abzuwehren. Unter denen, die durchkommen, ist ein Brocken, der beinahe Canduly Castle trifft und den Keller zum Einsturz bringt. Aruula wird beinahe gelähmt, als sie Rulfans Familie mit ihrem Körper abschirmt.

Gleichzeitig wird auch Matt verletzt, von einer Schlange. Indios mit Totemtieren um den Hals überfallen Kourou, um Waffen zu erbeuten. Miki Takeo bringt einen Peilsender an einem der Gewehre an. Sobald Matt genesen ist, wollen sie dem Signal folgen …

Mit eisernem Willen

von Michelle Stern und Ansgar Back

Amraka, Kourou, März 2528

Hunapee spähte zwischen den Zweigen des Macuuja-Strauchs hervor. Die Sonne warf erste Strahlen auf das Haupt der Sonnenköpfigen. Es schien im Morgenlicht von einer Aureole umgeben. Noch nie hatte Hunapee so helle Haare gesehen. Aufgeregt packte der Unsichtbare seinen Speer fester. Jede Faser seines Körpers vibrierte.

Es ist wahr! Die Legende wird sich erfüllen.

Auf dem staubigen Platz vor ihm wirbelte die Auserwählte einen Kampfstab herum, direkt auf das Gesicht ihrer Feindin zu. Holz krachte auf Holz. Die dunkelhaarige Feindin erzitterte unter der Wucht des Schlags und wich zurück.

Hunapee nickte erfreut. Die Sonnenköpfige ist stark, mutig und schön. Das perfekte Opfer. Die Götter werden zufrieden sein.

Xij Hamlet ließ den Kampfstab fliegen und auf Merles Gesicht zurasen. Die dunkelhäutige Amrakanerin parierte, wich zurück und startete ihrerseits einen Angriff. Sie war kleiner als Xij, aber wendig und schnell. In Sachen Gerissenheit stand die Gegnerin ihr in nichts nach, doch sie besaß weniger Erfahrung. Trotzdem dauerte der Kampf bereits mehrere Minuten, ohne dass ein eindeutiger Treffer vorlag.

Mit Finten lockte Xij Merle aus der Reserve. Sie zuckte an, hart und schnell, um dann auf der anderen Seite zuzustoßen. Der Angriff gelang. Merle stolperte zurück, drohte zu stürzen. Auf ihrer Stirn lagen Schweißtröpfchen, die Augen waren grimmig gegen das Licht zusammengekniffen.

Sie will sich nicht die Blöße geben, gegen mich zu verlieren, dachte Xij anerkennend. Merle gibt wirklich alles, dabei ist der Kampfstab nicht ihre bevorzugte Waffe.

Schon flog Merles Stock heran. Xij wich aus und blockte.

Ein Stück entfernt hörte sie zwei Männer klatschen, die stehengeblieben waren, um das Training zu beobachten. Die beiden Legionäre standen im Schatten einer Buritii-Palme und betrachteten die kämpfenden Frauen aufmerksam. Das Grinsen auf ihren Gesichtern gefiel Xij nicht.

Fehlt nur noch, dass sie Buritii-Schnaps trinken und uns auffordern, uns auszuziehen.

Xij ignorierte die Schaulustigen, um sich nicht ablenken zu lassen. Sie ging tiefer und hämmerte den Stab nach Merles Knie, änderte aber die Richtung, als sie sah, dass Merle nicht rechtzeitig wegkam, und traf den weniger verletzlichen Oberschenkel. Unterdrückt stöhnend ließ sich Merle fallen. Das Ende von Xijs Stab fuhr herum und zielte auf Merles Schläfe. Es verharrte vor einer Tätowierung, die dem Tatzenmuster eines Panthaas nachempfunden war.

Mit einem Lächeln machte Xij einen Schritt zurück und pflanzte ihren Stock im Staub auf. „Nicht übel, Merle. Besonders weil der Stab nicht zu den Waffen gehört, mit denen du sonst kämpfst.“

Merle atmete heftig. Einen Augenblick sah sie wütend zu Xij auf, dann entspannten sich ihre Züge. „Du bist einfach besser. Du musst gute Lehrmeister gehabt haben.“

Obwohl sie französisch mit starkem Akzent sprach, verstand Xij sie dank des eingepflanzten Translators problemlos. Ihr Lächeln erstarb, ihr Gesicht wurde ernst. Sie hatte hervorragende Lehrmeister gehabt, und das nicht nur in diesem Leben. Als auf dem Mars geborene Geistwanderin war sie Merle gegenüber um einige Tausend Leben im Vorteil. Aber dieses Geheimnis kannten die Herren von Kourou nicht, und Xij sah auch keinen Grund, das zu ändern.

Sie reichte Merle die Hand und zog sie auf die Füße. „Hast du in deinem Stamm so zu kämpfen gelernt?“

Merle nickte. Sie lebte erst seit ein paar Monaten in der BASTILLE; ihre Mutter gehörte einem Stamm in der Nähe an, ihr Vater war ein Legionär aus dem Raumhafen. „Und du? Wer hat dir beigebracht zu kämpfen?“

„Viele Lehrmeister“, antwortete Xij vage. Sie schob den Stab, den sie in den letzten Tagen selbst gefertigt hatte, zusammen und befestigte ihn an ihrem Gürtel. Aus den Augenwinkeln sah sie, wie die beiden Legionäre weitergingen. „Ein schönes Stück“, sagte sie mit der Hand auf dem Kampfstock, um vom Thema abzulenken. „Danke, dass du mir bei der Auswahl des Holzes und beim Bau geholfen hast. Er ersetzt meine alte Waffe in jeder Hinsicht.“

„Keine Ursache.“ Merle griff nach einer Karaffe mit Wasser und einem Tuch. Sie hielt Xij beides entgegen.

Xij trank und wischte sich den Schweiß von der Stirn. „Wir sollten das am Abend wiederholen“, schlug sie vor. „Falls du eine Revanche willst.“

„Du vergisst die Moskitoos. Sie würden uns bei lebendigem Leib auffressen.“ Merle lächelte bereits wieder. Sie war eine gute Verliererin. „Wie wäre es morgen Vormittag, mit stumpfen Eskabaas?“ Ihre Hand legte sich auf einen gekrümmten Dolch, den sie am Gürtel in einer ledernen Scheide trug. Der Eskabaa war die traditionelle Waffe einiger Dschungelstämme.

Xij zögerte. „Ich muss zuerst zu Chevalier. Vielleicht beginnt die Expedition schon morgen.“ Sie gab Merle die halb volle Karaffe und bewunderte die Disziplin, mit der ihre Trainingspartnerin trank. Merle nahm nur kleine Schlucke, obwohl sie nach dem Kampf sicher ebenso durstig war wie Xij.

Mit einer anmutigen Geste wischte sich Merle über den Mund. Sie sah Xij intensiv an. „Wenn Capitaine Chevalier eine Expedition unternimmt, werde ich mitkommen. Einem weiteren Trainingskampf steht nichts im Weg. Wir können ihn unterwegs austragen.“

Xij spürte, wie sie unter Merles Blick unruhig wurde. Die dunkelbraunen Augen des Halbbluts betrachteten sie eine Spur zu intensiv. Merle machte kein Geheimnis daraus, dass sie Xij interessant fand. Sicher war sie für mehr zu haben als nur für einen Kampf.

Mit einem Grinsen dachte Xij an die beiden Legionäre, die weitergegangen waren. Bestimmt würden sie das gerne sehen: Merle und mich beim Schlammcatchen. Ob der Anblick auch Matt aufheitern würde? Ich habe ihn schon lange nicht mehr lachen hören.

Matthew Drax’ Heilung ging nur langsam voran. Das machte ihn unleidlich. Bei einem Überfall auf den Raumhafen vor einer Woche hatte ihn eine geflügelte Schlange gebissen. Trotz medikamentöser Behandlung hatte sich die Wunde entzündet.1)

„Gut“, sagte Xij knapp. Sie wollte zu Chevalier. Der Gedanke an Matts schlechten Zustand ließ Zorn in ihr aufsteigen. Noch immer war unklar, wer hinter dem Anschlag gesteckt hatte. Sicher war nur, dass die Indios gefiederte Reptilien um den Hals getragen und auf Waffen aus gewesen waren. Und sich jetzt auf dem offenen Meer befanden, auf dem Rückweg in ihre Heimat – wo immer die lag. Miki Takeo hatte ihnen einen Peilsender untergejubelt. Sie würde ihnen mit dem Shuttle folgen, sobald sie irgendwo an Land gingen. Bis dahin konnte es aber noch einige Tage dauern. Um der Langeweile zu entkommen, hatte Xij sich für eine Exkursion ins Landesinnere gemeldet, die Capitaine Chevalier leiten würde.

Xij marschierte in Richtung der Lagerhallen, bei denen sie Chevalier vermutete. Mit langen Schritten ging sie an einem Gebüsch vorbei, als ein Knacken sie aufschreckte. Sie blieb stehen und starrte auf das grüne Dickicht, die Finger um den Stab gekrampft. Nichts regte sich in den Blättern. Langsam ließ Xij den Arm sinken. Vielleicht hatte ein Vogel an den Macuuja-Früchten gefressen.

Sie drehte sich um und setzte ihren Weg fort.

Hunapee schob die Blätter des Macuuja-Strauchs beiseite. Er sah zu, wie die beiden Frauen ihren Kampf beendeten. Kleine Staubfahnen wehten über den Platz, die Morgensonne ließ einzelne Sandkörner funkeln.

Hunapee war zufrieden. Die Nachricht hatte sich als wahr erwiesen. Als man seinem Stamm Kunde von der Sonnenköpfigen brachte, konnte Kuxetlan es kaum glauben. Der Medizinmann hatte Hunapee losgeschickt, um es zu überprüfen.

Einige daumengroße Feuchtfleggen, unbeeindruckt von der morgendlichen Kühle, umschwirrten Hunapee. Er verjagte sie mit einer unwirschen Handbewegung. Erregt beobachtete er, wie die Sonnenköpfige den Kampfplatz verließ.

Da plötzlich knackte es links von ihm im Gebüsch.

Hunapee duckte sich. Die Sonnenköpfige blieb stehen und starrte herüber. Der Kundschafter wagte kaum zu atmen. Wenn sie ihn entdeckte, war alles aus; Kuxetlan würde ihn hart bestrafen.

Aber sie ging weiter. Hunapee suchte mit Blicken den Buschwald ab. Woher war das Geräusch gekommen? Vor seinen Augen surrten Moskitoos, ein Legguan streckte seinen Kopf aus dem Farn. Weiter konnte Hunapee nichts Außergewöhnliches entdecken.

Er schlich durch den Urwald, folgte der Sonnenköpfigen in sicherem Abstand. Sie schlenderte zu einem der großen steinernen Häuser. Hunapee entdeckte eine Gruppe von Soldaten, die sich davor versammelt hatte. Die Sonnenköpfige erreichte die Gruppe und unterhielt sich mit einem der Männer. Der Soldat wies mit dem Finger auf den Steinbau.

Gebannt verharrte der Kundschafter zwischen den Palmwedeln. Ein Mann kam aus dem Bau, die Sonnenköpfige sprach ihn an.

Irgendwo hinter Hunapee erklang ein gedehntes Schaben. Er drehte sich in der Hocke und sah sich lauernd um. Der Buschwald lag unberührt da. Breite Sonnenstrahlen bahnten sich ihren Weg durch das Kronendach des Waldes und beschienen den herabrieselnden Morgendunst.

Ein mulmiges Gefühl überkam Hunapee. Vielleicht schlich ja einer der Soldaten durch den Busch. Er beschloss, sich den Rücken freizuhalten, und lehnte sich gegen einen breiten Stamm. Die Sonnenköpfige war von seiner Position aus gut zu erkennen. Sie unterhielt sich immer noch angeregt mit dem Soldaten.

Ein einzelner Mann kam auf die beiden zu. Sein Haar schimmerte ebenfalls hell. Wie viele der Hellhäutigen war er groß, und breit in den Schultern. Allerdings machte er einen geschwächten Eindruck, als litte er am Sumpffieber.

Über Hunapee raschelte das Laub. Ruckartig hob er den Kopf – und seine Augen weiteten sich.

Auf einem der Äste saß ein Groyl und fixierte ihn! Ein Schauer rann Hunapee über den Rücken. Er hasste diese widerwärtigen Vögel. Wenn sie im Schwarm angriffen, konnten sie ein ganzes Dorf verheeren. Das Tier plusterte sich auf, sein schwarzes Gefieder zitterte, die kräftigen, verkürzten Schwingen flatterten nervös.

Langsam hob Hunapee seinen Speer. Angstvoll betrachtete er die gewaltigen Krallen des Vogels, die durch menschliche Haut schnitten wie ein Eskabaa durch frischen Brotteig. Der messerscharfe Hackschnabel klappte langsam auf. Die Augen schienen rot zu leuchten, ein Zeichen für Hunger und Angriffslust.

Seitwärts bewegte sich Hunapee ins Gebüsch, doch der Groyl wollte ihn nicht mehr entkommen lassen. Er legte die Flügel an und stieß herab! Ein helles Krächzen kam aus seinem Schnabel.

Hunapee riss den Speer hoch und wich zurück. Im nächsten Moment spürte er, wie seine Fersen gegen einen Widerstand stießen. Eine Luftwurzel!

Bei Pachamama2), nein!

Der Kundschafter verlor das Gleichgewicht und krachte hart mit dem Hinterkopf zu Boden, den Speer fest umklammert. Der Groyl sauste herab. Der Vogel stieß einen Schrei aus, sein Schnabel zielte auf Hunapees Kehle. Der rollte sich zur Seite, entging der Attacke knapp und robbte auf den Ellbogen zurück. Panik loderte in ihm auf.

Am Boden bin ich wehrlos!

Das Tier erwischte ihn am Bein und riss einen Streifen Haut von seiner Wade. Hunapee schrie auf. Noch im Liegen nahm er den Speer in beide Hände, und bevor der Groyl seine Absicht erkannte, rammte er ihm die Spitze in den Leib.

Ein Röhren drang aus dem Schnabel des Vogels. Er zappelte und schlug mit den Flügeln, während sein Blut spritzte. Hunapee erhob sich keuchend und drückte fester zu. Die Bewegungen des Groyls erlahmten, schließlich lag er still.

Der Kundschafter zog den Speer aus dem Vogelkadaver. Er brauchte einen Augenblick, um sich zu beruhigen. Dabei sah er sich besorgt um, konnte aber keine weiteren Groyls entdecken. Was einerseits gut, andererseits aber seltsam war. Groyls kamen fast immer in Schwärmen; Einzelgänger gab es kaum.

Auch davon würde er Kuxetlan berichten.

Jetzt aber musste er fort von hier. Vielleicht hatten die Soldaten den Kampf bemerkt und würden kommen, um nachzusehen. Er packte den toten Vogel am Genick und schleifte ihn mit sich. Der Groyl würde seinen Hunger stillen und seine Federn ihn schmücken.

Kourou, Weltraumbahnhof

Matthew Drax schwang die Beine von der Liege und stand auf. Sofort erfasste ihn Schwindel. Leicht wankend steckte er den Schlüssel des Superior Magtrons unter sein Hemd und schloss die Jacke aus marsianischer Spinnenseide.

„Ich sagte Ihnen ja“, meinte Doktor Ledroux lakonisch, „dass es noch ein Weilchen dauern wird.“ Er kramte in einem Hängeschrank herum und brachte ein Tablettenröhrchen zum Vorschein, das er Matt in die Hand drückte. „Hiervon nehmen Sie ab sofort eine am Tag. Eine, hören Sie?“

Matt wischte sich das schweißnasse Haar aus der Stirn, atmete tief durch. „Und das hilft?“

„Schaden wird es jedenfalls nicht. Hoffe ich.“ Ledroux zwinkerte ihm zu.

Matt grinste schwach. Der Arzt schenkte ihm ein Glas Wasser ein und er nahm eine der Tabletten zu sich. Sie schmeckte säuerlich und ließ ihn aufstoßen. „Wie lange wird es dauern, bis ich wieder auf dem Damm bin, Doc?“

Ledroux zeigte sich skeptisch. „Schwer zu sagen. Ein paar Tage. Eine Woche.“ Er wusch sich die Hände und trocknete sie mit einem Handtuch ab, das seine besten Zeiten längst hinter sich hatte.

Matt verließ die Krankenstation und überquerte den ehemaligen Weltraumbahnhof der ESA. Er wollte zu Miki Takeo. Van Zant, einer der Inschers, wie die Nachfahren der Ingenieure heute genannt wurden, hatte ihnen eine Hinterlassenschaft seiner Vorfahren gezeigt, die der Android sofort zu seinem Projekt gemacht hatte: ein uralter militärischer Transporthubschrauber, erstaunlich gut erhalten, den Matt als NH903) identifiziert hatte, ein Projekt einiger europäischer NATO-Mitglieder, der damals in Frankreich produziert worden war. Miki glaubte ihn instand setzen zu können und arbeitete bereits seit Tagen daran.

Die Morgenluft tat Matt gut. Er umrundete eine der verrußten Startrampen, von denen eine Woche zuvor Abfangraketen mit atomaren Köpfen gen Himmel gestartet waren, um die größten Mondtrümmer zu vernichten, bevor diese die Erdoberfläche erreichten.

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