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Maddrax - Folge 324

Inhalt

  1. Cover
  2. Impressum
  3. Was bisher geschah
  4. Eine neue Chance
  5. Kapitel II
  6. Kapitel III
  7. Leserseite
  8. Die MADDRAX-Galerie
  9. Zeittafel
  10. Cartoon
  11. Vorschau

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Am 8. Februar 2012 trifft der Komet „Christopher-Floyd“ die Erde. In der Folge verschiebt sich die Erdachse und ein Leichentuch aus Staub legt sich für Jahrhunderte um den Planeten. Nach der Eiszeit bevölkern Mutationen die Länder und die Menschheit ist – bis auf die Bunkerbewohner – auf rätselhafte Weise degeneriert. In dieses Szenario verschlägt es den Piloten Matthew Drax, dessen Staffel beim Einschlag durch ein Zeitphänomen ins Jahr 2516 gerät. Nach dem Absturz wird er von Barbaren gerettet, die ihn „Maddrax“ nennen. Zusammen mit der telepathisch begabten Kriegerin Aruula findet er heraus, dass Außerirdische mit dem Kometen – dem Wandler – zur Erde gelangt sind und schuld an der veränderten Flora und Fauna sind. Nach langen Kämpfen mit den gestaltwandlerischen Daa’muren und Matts Abstecher zum Mars entpuppt sich der Wandler als lebendes Wesen, das jetzt erwacht, sein Dienervolk in die Schranken weist und weiterzieht. Es flieht vor einem kosmischen Jäger, dem Streiter, der bereits seine Spur zur Erde aufgenommen hat!

Die Marsianer entdecken den Streiter am Rand des Sonnensystems. Sie stellen den Magnetfeld-Konverter für die einzige Waffe fertig, die den Streiter vernichten könnte: den Flächenräumer am Südpol der Erde. Dort nimmt ein Team den Kampf gegen die Zeit auf: Matthew Drax, die junge Xij, die in sich die Geister unzähliger früherer Leben trägt, die Hydriten Gilam’esh und Quart’ol, der geniale Erfinder Meinhart Steintrieb und der Android Miki Takeo. Dazu stößt noch der Daa’mure Grao, der auf den 13 Inseln die Macht übernommen und Aruula in einer Höhle eingesperrt hatte. Die überredet ihren alten Freund Rulfan, sie mit seinem Luftschiff zum Südpol zu bringen, um Matt zu warnen. Dort hat der Streiter Grao als Diener des Wandlers erkannt und übernommen. Man legt ihn auf Eis und macht den Flächenräumer für den entscheidenden Schuss klar. Doch die Aufladung durch das Erdmagnetfeld geht nur schleppend voran.

Die Hydriten werden ebenfalls beeinflusst und Matt schickt sie durch eine der Zeitblasen in die Vergangenheit. Auch Steintrieb geht – nach Atlantis. Doch keinem von ihnen gelingt es, die Gegenwart zu ändern. Inzwischen wirkt sich der Einfluss des Streiters auch auf Manil’bud aus, Xijs erste Existenz. Das Bewusstsein der hydritischen Geistwanderin beeinflusst Xij, Grao aufzutauen. Er greift an, doch Takeo schlägt ihn nieder.

Als sich der Streiter über den Mond senkt, muss Matt feuern, obwohl die Energieladung erst bei 70% steht … und der Schuss krepiert! Dafür werden alle Zeitblasen im Flächenräumer von einer neuen, größeren gelöscht, in der sich die Zeiten rasant abwechseln. Der Streiter setzt seinen Weg zur Erde fort. Unter seinem Einfluss regieren Tod und Wahnsinn; auch Aruula und Rulfan sterben.

Als die kosmische Entität die Oberfläche des Planeten auf der Suche nach dem Wandler, dessen Essenz er wie ein Drogensüchtiger braucht, vernichtet, bleibt Matt, Xij und Grao nur die Flucht durch das neue Zeitportal. Von nun an sind sie Schiffbrüchige der Zeit …

Eine neue Chance

von Michelle Stern

I.

„Der Flächenräumer!“ Matthew Drax sah zu Xij Hamlet und Grao’sil’aana, die gemeinsam mit ihm nach einer Odyssee quer durch die Zeiten endlich am Ziel angelangt waren. Im Kreis um sie herum erhoben sich die Wände des hydritischen Bauwerks. Der charakteristische Geruch trockengelegter Bionetik stieg in seine Nase. Die Luft war kühl.

Sie befanden sich unverkennbar unter der Abstrahlschüssel des Flächenräumers, einer mächtigen Waffenanlage, die ein Gebiet von fünf Kilometern Durchmesser in der Zeit versetzen konnte. Keine zwei Schritte hinter ihnen schwebte die schillernde Zeitblase, die sich beim missglückten Abschuss der ultimativen Waffe gebildet hatte. „Wir haben es geschafft! Wir sind zurück!“

An Matts Seite stand Xij langsam auf und ging auf das flirrende Gebilde zu. Im Zentrum des Zeitportals sah sie schnell wechselnde Szenen aus allen möglichen – und unmöglichen! – Epochen der Erdgeschichte. Inzwischen wussten sie, dass der Schritt durch das Portal in Parallelwelten führte, die sich oft nur in kleinen Details von der hiesigen unterschieden.

In einigen davon waren sie gewesen. Sie waren der Pest in Venedig und dem Untergang von Sodom entkommen, hatten ein New York und Paris der Zukunft, die alten Ägypter und Wikinger erlebt, waren zuletzt mit knapper Not der Atombomben-Katastrophe von Hiroshima entgangen – und in einen Raum zwischen den Zeiten und Welten geraten, in dem mysteriöse „Archivare“ das Rätsel um die Zeittore und Parallelwelten gelüftet hatten. Dort im „zeitlosen Raum“ und durch die Hilfe des Archäologen Tom Ericson hatten sie auch jenes Gerät erhalten, das es ihnen ermöglichen konnte, das Schicksal der Erde zu wenden: das Superior Magtron.

Matt sah sich um, doch wie schon erwartet war keiner der japanischen Flüchtlinge bei ihnen, auch nicht Mahó und ihre Brüder. Die Besonderheit dieses Portals bestand darin, mit allen anderen in den verschiedenen Welten verknüpft zu sein. Eigentlich war es ein Wunder, dass sie schon nach relativ kurzer Zeit zu ihrem Ausgangspunkt zurückgefunden hatten; sie hätten auch noch Jahre und Jahrzehnte durch die Zeiten irren können.

Dass sie in ihrer Zeit und Welt gelandet waren, daran bestand kein Zweifel; schließlich war dies das letzte entstandene Tor. Und offensichtlich hatte es sich eben erst etabliert, nach dem missglückten Schuss auf den Streiter. Ansonsten befände es sich nicht mehr hier unter der Abstrahlschüssel, sondern wäre bereits in den inneren Rundgang gewandert.

Dies wiederum bedeutete, dass sie vor ihrem Aufbruch hier angelangt waren, also zweimal vorhanden sein mussten! Welche Auswirkungen das hatte, musste sich erst noch zeigen. Ließ die Zeit sich betrügen? Oder würden sie ein Paradoxon auslösen?

Matt Drax schüttelte den Kopf. Darüber durfte er sich jetzt keine Gedanken machen. Vor ihnen lag eine Aufgabe, so groß wie ein Drittel des Mondes. Die Zeit arbeitete gegen sie. Jede verlorene Sekunde konnte Hunderte von Leben kosten.

„Mefju’drex!“ Grao’sil’aana trat auf ihn zu, verschob die Schuppenhaut an seiner Seite – und zog das x-förmige Superior Magtron und die Kette mit dem sternförmigen Schlüssel aus seinem Körper hervor. Nur so hatten sie beides über die Zeitschwellen transportieren können. „Wir müssen uns beeilen!“

Der Daa’mure dachte wie immer logisch und ohne störende Emotionen und brachte ihre Situation auf den Punkt. Gerade eben hatte Matts zweites Ich den Schuss auf den Streiter ausgelöst, doch weil die Energiebänke erst zu siebzig Prozent gefüllt waren, war der Schuss verreckt. Dank dem unglaublich starken Magnetfeld des Magtrons hatten sie nun die Chance, die Speicherwaben in Minutenschnelle neu aufzuladen. Es musste gelingen, bevor der Streiter sich vom Mond löste und somit aus der Zielortung geriet.

„Danke.“ Matt hängte sich die Kette um den Hals und nahm das Magtron an sich. Dabei fühlte er eine nervenaufreibende Mischung aus Erleichterung und Spannung, die seine Hände schwitzen ließ. Sie hatten es bis hierher geschafft – nun brauchten sie nur noch ein zweites Wunder, um die Vernichtung der Erde abzuwenden. Die Karten waren neu gemischt. Sie hatten eine neue Chance.

Hart presste Matt die Zähne aufeinander, als er an den Streiter dachte, der nur wenige Stunden nach dem missglückten Schuss den Mond verlassen würde, um sich auf die Erde zu stürzen. Seine vernichtende Schwärze, die alles zu verschlingen drohte, stand vor seinem inneren Auge.

Du bekommst die Erde nicht, schwor sich Matt.

Xij meldete sich zu Wort. „Weiß jemand, wie spät es genau ist? Wie viel Zeit bleibt uns noch?“

„Ich denke, der Schuss wurde gerade erst abgefeuert“, tat Matt seine Vermutung kund. „Wie lange hat es gedauert, bis sich der Streiter in Bewegung gesetzt hat? Drei Stunden ab jetzt?“

Sie hatten versucht, einen kreisrunden Ausschnitt des Ursprungs, jenes lebenden Flözes im Boden Ostdeutschlands, in den Streiter zu versetzen und ihn so zu versteinern. Das war zwar nicht gelungen, aber die Ausläufer des Schusses mussten die kosmische Entität dennoch erreicht haben, denn für eben diese drei Stunden war sie wie paralysiert gewesen.

Xij nickte. „Stimmt. Wir sind ja auch immer zum Zeitpunkt ihrer Entstehung aus den Zeitblasen gekommen.“ Sie stockte kurz. „Aber das bedeutet auch …“

„… dass unsere vergangenen Ichs noch hier sind“, führte Matt den Satz zu Ende, und seine Hand krampfte sich um das Superior Magtron. „Die entscheidende Frage ist nun: Können wir den Zeitablauf ändern?“

Grao’sil’aana gab ein Grunzen von sich. „Bestimmt nicht, wenn wir hier weiter rumstehen und Reden schwingen“, sagte er. Seinen Missmut hatte er durch alle Zeitreisen hindurch bewahrt – vielleicht die einzige Konstante der zurückliegenden Abenteuer.

Trotzdem ist er menschlicher geworden, dachte Matt. Und er hat uns einige Male den Arsch gerettet. Ohne seine Hilfe wären wir nie so weit gekommen. Ob das allerdings aus humanitären Gründen oder bloßem Eigennutz geschehen war, konnte er nicht einschätzen. Auf ihrer Reise mussten sie zwangsläufig ein Team bilden, denn nur gemeinsam mit den anderen hatten sie die Portale passieren können.

„Dann los!“ Entschlossen ging Matt voran, Xij und Grao folgten ihm. Durch eine offene Luke verließen sie den Raum unter der Schüssel und traten in den inneren Kreisgang.

„Seht!“, zischte Xij plötzlich. „Das … das bin ich!“ Matt folgte ihrem ausgesteckten Finger mit Blicken – und sah eine zweite Xij, die gerade in einen Quergang zum äußeren Ring der Anlage einbog. Unter dem lumineszierenden Wand- und Deckenlicht schienen sich ihre Konturen aufzulösen … oder nein: Sie war tatsächlich halb durchsichtig! Eine Folge des drohenden Paradoxons? Matt lief es kalt den Rücken herunter. Was würde wohl passieren, wenn sie ihr Pendant dieser Zeit berührte?

„Du bist auf dem Weg zur Außenschleuse, um mich aufzutauen, oder?“, ließ sich Grao’sil’aana vernehmen.

Xij nickte fahrig, anscheinend immer noch beeindruckt von der plötzlichen Begegnung, und Matt folgerte: „Dann sind wir also tatsächlich vor der Zeit hier angekommen. Wir müssen schnellstens zu den Speicherwaben und … he, was soll das? Warte!“

Xij war unvermittelt losgelaufen, ihrem Ich aus der Zukunft hinterher. Was zum Teufel hatte sie vor?

„Xij!“ Matt zerquetschte einen Fluch zwischen den Zähnen. Was war los mit ihr?

Siedend heiß kam ihm zu Bewusstsein, dass Xij, bevor sie den Flächenräumer verließen, unter dem Einfluss von Manil’bud gestanden hatte, ihrer ersten Existenzform. Die wiederum war vom Streiter beeinflusst worden, der sie zur Saboteurin werden ließ. Hatte das auch Auswirkungen auf ihr anderes Ich?

„Xij! Bleib stehen!“ Matt rannte ihr nach. Hinter ihm fluchte nun auch Grao’sil’aana auf Daa’murisch. Was würde passieren, wenn Xij sich selbst berührte? Schreckliche Szenen spielten sich in Matts Fantasie ab, angefeuert von der Erinnerung an Science-Fiction-Romane, die er als Jugendlicher gelesen hatte. Das ging von einer Materie-Antimaterie-Reaktion über die Entstehung eines Schwarzen Lochs bis zur Implosion des Universums.

Xij hörte nicht auf ihn. Sie erreichte ihr zweites Ich – und packte es an der Schulter.

Ihre Finger glitten durch den anderen Körper hindurch. Verblüfft blieb sie stehen.

Matt hielt den Atem an. Nichts war geschehen. Die Zeit schützt sich selbst, schoss es ihm durch den Kopf. Sie verhindert, dass es zu einer Berührung kommt!

Die zweite, durchsichtig erscheinende Xij wurde langsamer und drehte sich um. Hatte sie die Berührung wahrgenommen? Sie suchte den Gang mit Blicken ab, schien aber nichts zu entdecken.

Matt erinnerte sich: Hatte er nicht vor ihrer Flucht den Eindruck gehabt, aus den Augenwinkeln schemenhafte Gestalten zu sehen, die verschwunden waren, wenn er hinschaute?

Ein neuerliches Schaudern überkam ihn. Was, wenn er damals – beziehungsweise in naher Zukunft – sich selbst, Xij und Grao gesehen hatte? Bedeutete das nicht, dass es schon damals passiert sein musste? Dass sie nun erlebten, was bereits Geschichte war?

Matt schüttelte die verwirrenden Gedanken ab und konzentrierte sich auf das Hier und Jetzt. Der Blick der Geistergestalt wandte sich von ihm ab. Xij musterte Xij. Beide verharrten, wie Statuen. Ein Zwillingspaar aus Stein.

Einen Augenblick stand für Matt die Welt still. Würde die andere Xij doch noch reagieren und damit vielleicht das Zeitparadoxon auslösen?

Sekunden verstrichen, dann wandte sich die durchscheinende Xij ab und setzte ihren Weg zu den äußeren Ringen fort.

Xij stand benommen vor ihm. Matt fasste nach ihrem Oberarm. Der anfängliche Ärger wich der Sorge. „Alles okay?“

Sie nickte und sah langsam zu ihm auf. „Tut mir leid. Ich … ich wollte mich aufhalten; ich weiß nicht, warum. Ist das nicht verrückt?“

Es war nicht die Zeit, ihr Vorwürfe zu machen. Matt beschäftigte eine andere Frage: „Kannst du dich an diese Begegnung erinnern? Ich meine, aus Sicht deines anderen Ich?“ Das wäre ein Beweis dafür gewesen, dass sich die Geschehnisse wiederholten.

Xij schüttelte langsam den Kopf. „Ich … ich weiß es nicht mehr“, sagte sie. „Ich stand unter Manil’buds Einfluss, meine Erinnerung ist verwaschen.“

„Ich hatte den Eindruck, als könnte sie uns wahrnehmen, solange wir uns bewegten“, sagte Grao.

Matt sah der davoneilenden Xij aus der anderen Zeitebene hinterher. Dann erzählte er von den Schemen, die er damals zu sehen geglaubt hatte.

„Aber warum sehen wir die anderen dann so deutlich?“, fragte Xij.

Matt zuckte die Achseln. „Vielleicht, weil wir es wissen“, vermutete er. „Damals hatten wir noch keine Ahnung von dieser zweiten Zeitebene, in der wir uns befinden.“

Sie setzten sich wieder in Richtung der Speicherzellen in Bewegung. „Je früher wir den zweiten Schuss abgeben, desto besser“, sagte Matt. „Denkt an die Hydriten und an Vogler, oder eben an Manil’bud: Schon die bloße Annäherung des Streiters hat verheerende Folgen auf telepathisch Begabte. Wenn es auf der ganzen Welt so ist – und davon müssen wir ausgehen –, sind die Auswirkungen jetzt schon katastrophal.“

Er dachte an Quart’ol und Gilam’esh zurück, seine Hydriten-Freunde. Sie hatten schließlich – noch vor dem Schuss – unter dem zunehmenden Druck des Streiters die Flucht durch ein Zeitportal angetreten, das in eine Unterwasserwelt führte. Ganz offensichtlich ebenfalls eine Parallelwelt, denn was immer sie dort erreicht und verändert hatten, es gab keine Auswirkungen auf diese Zeitlinie.

Auch der Marsianer Vogler hatte massiv unter dem Nahen des Streiters gelitten und war nicht mehr bei klarem Verstand gewesen. Zuletzt war er ohne Ausrüstung hinaus ins ewige Eis gerannt, und Clarice Braxton war ihm gefolgt. Vielleicht lebten die beiden noch und konnten gerettet werden – wenn erst der Streiter vernichtet war.

„Daran habe ich noch gar nicht gedacht.“ Xijs Stimme klang gedrückt. „Es muss weltweit zu schlimmen Folgen gekommen sein, schon lange bevor der Streiter die Erde zerstört hat.“

„Zerstören wird“, korrigierte Matt. „Wenn wir es nicht verhindern …“

Sie erreichten die Energiespeicher des Flächenräumers. Matt setzte das Superior Magtron auf einem bionetischen Vorsprung der Wand ab und nahm sich die Kette mit dem Schlüssel vom Hals. Er sah zu Xij. „Trägst du irgendwelche metallischen Gegenstände bei dir? Dann leg sie jetzt besser ab.“

Xij tastete sich ab und schüttelte dann den Kopf. „Nichts. Das Gürtelschloss ist aus Alu, wenn ich mich nicht irre.“

Nachdem Matt den Schlüssel ins Schloss eingeführt und gedreht hatte, erwachte das unscheinbar wirkende Gerät zum Leben. Es summte kaum vernehmlich. Gebannt sah Matt zu, wie die Speicherzellen reagierten und ein bläulicher Schimmer darüber lief. Es schien zu funktionieren: Die Aufladung, die sich sonst aus dem Erdmagnetfeld speiste, war initiiert.

„Es klappt!“, stieß Xij erleichtert aus.

„Alles andere wäre extrem enttäuschend gewesen nach all der Mühe“, merkte Grao’sil’aana lakonisch an. „Aber wie lange wird der Ladeprozess dauern?“

Matt verzog den Mund. „Dazu gibt es noch keine Erfahrungswerte. Auf jeden Fall wesentlich kürzer als sonst.“

Im „Leerlauf“ des Flächenräumers hatte es bislang jeweils tausend Jahre gedauert, bis sich die gefüllten Waben auf einen Schlag entladen und dadurch jeweils eine Zeitblase erschaffen hatten. Und seitdem der Komet „Christopher-Floyd“ vor gut fünfhundert Jahren die Pole verschoben hatte, reichte das Erdmagnetfeld kaum noch bis hierher.

Im ersten Anlauf hatten sie das durch einen Konverter aus marsianischer Fertigung kompensiert, aber die Aufladung war zu langsam vonstattengegangen. Mit dem Magtron verfügten sie nun endlich über genügend Power. Hoffte Matt. Wenn sie die Waffe nicht in knapp drei Stunden schussbereit machen konnten, war auch dieser Versuch zum Scheitern verurteilt.

Matt rief sich in Erinnerung, wo genau sie sich vor der Flucht durch die Zeitblase aufgehalten hatten.

Xij war bei Grao in der Schleuse des Flächenräumers gewesen, Vogler und Clarice draußen im Eis, Takeo und er in dem Abschnitt, den sie die „Zentrale“ nannten: der Gang zwischen der leeren Koordinator-Mulde und dem Bildschirm der Zieloptik. Dort war Takeos massiger Androidenkörper über ein breites Kabel mit der Koordinatormulde verbunden gewesen. Der Maschinenmensch bildete die Schnittstelle und ersetzte den bionetischen Koordinator, der die Anlage früher verwaltet hatte.

Aber Takeo hat sich von der Schnittstelle gelöst, kurz bevor ich nach der neuen Zeitblase gesehen habe, fiel es Matt siedend heiß ein. Er stieß einen Fluch aus.

Xij fuhr erschrocken zu ihm herum. „Was ist? Macht das Ding Probleme?“ Sie sah auf das Superior Magtron.

„Nein, es ist Takeo“, stieß Matt aus. „Er löst sich jeden Moment von der Anlage. Die Zielkoordinaten sollten noch auf die Mondbasis eingestellt sein, aber ich bin nicht sicher, ob wir den Schuss ohne Takeos Ankopplung ausführen können. Wenn er die Energiezufuhr unterbricht und alles abschaltet, haben wir ein ernstes Problem. Es wird dauern, die Anlage wieder hochzufahren.“

„Verdammter Mist“, entfuhr es Xij. „Was machen wir?“

Matt sah zu Grao’sil’aana. „Wir teilen uns auf. Xij, du überwachst das Aufladen der Speicherwaben. Grao, du kommst mit mir. Wir versuchen, Takeo aufzuhalten.“ Er wartete die Zustimmung der beiden nicht ab und lief los.

Grao’sil’aana folgte ihm. Im Laufschritt machten sie sich auf den Weg durch die lange Bionetikröhre. Matthew beneidete den Daa’muren um seine Ausdauer. Die außerirdischen Invasoren hatten lange experimentiert und selektiert, bis ihre neuen Körper optimiert waren.

Außer Atem erreichten sie den Gang mit der Zieloptik. Matt sah sich selbst und den über zwei Meter großen Miki Takeo vor dem bionetischen Monitor stehen. Mensch und Android waren in ein intensives Gespräch verwickelt. In Matts Nacken kribbelte es eisig. Es war nicht der Anblick der martialisch und urgewaltig wirkenden Menschmaschine, der ihn befremdete, sondern sein eigener. Plötzlich verstand er, warum Xij aus einem Impuls heraus hinter sich selbst hergelaufen war. Das eigene Ich vor sich zu sehen war ein sonderbares Gefühl. Am liebsten hätte er sich gerufen, um zu sehen, wie er reagierte.

Der Matt aus der anderen Zeitebene drehte sich um und sah in seine Richtung. Sein Gesichtsausdruck zeigte Anspannung, die Lippen waren hart aufeinander gepresst, die Augen wirkten klein.

Matt erstarrte.

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