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Maddrax - Folge 323

Inhalt

  1. Cover
  2. Impressum
  3. Was bisher geschah
  4. Die Hölle auf Erden
  5. Kapitel 1
  6. Kapitel 2
  7. Kapitel 3
  8. Kapitel 4
  9. Kapitel 5
  10. Kapitel 6
  11. Kapitel 7
  12. Kapitel 8
  13. Kapitel 9
  14. Kapitel 10
  15. Kapitel 11
  16. Leserseite
  17. Zeittafel
  18. Vorschau

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Am 8. Februar 2012 trifft der Komet „Christopher-Floyd“ die Erde. In der Folge verschiebt sich die Erdachse und ein Leichentuch aus Staub legt sich für Jahrhunderte um den Planeten. Nach der Eiszeit bevölkern Mutationen die Länder und die Menschheit ist – bis auf die Bunkerbewohner – auf rätselhafte Weise degeneriert. In dieses Szenario verschlägt es den Piloten Matthew Drax, dessen Staffel beim Einschlag durch ein Zeitphänomen ins Jahr 2516 gerät. Nach dem Absturz wird er von Barbaren gerettet, die ihn „Maddrax“ nennen. Zusammen mit der telepathisch begabten Kriegerin Aruula findet er heraus, dass Außerirdische mit dem Kometen – dem Wandler – zur Erde gelangt sind und schuld an der veränderten Flora und Fauna sind. Nach langen Kämpfen mit den gestaltwandlerischen Daa’muren und Matts Abstecher zum Mars entpuppt sich der Wandler als lebendes Wesen, das jetzt erwacht, sein Dienervolk in die Schranken weist und weiterzieht. Es flieht vor einem kosmischen Jäger, dem Streiter, der bereits seine Spur zur Erde aufgenommen hat!

Die Marsianer entdecken den Streiter am Rand des Sonnensystems. Sie stellen den Magnetfeld-Konverter für die einzige Waffe fertig, die den Streiter vernichten könnte: den Flächenräumer am Südpol der Erde. Dort nimmt ein Team den Kampf gegen die Zeit auf: Matthew Drax, die junge Xij, die in sich die Geister unzähliger früherer Leben trägt, die Hydriten Gilam’esh und Quart’ol, der geniale Erfinder Meinhart Steintrieb und der Android Miki Takeo. Dazu stößt noch der Daa’mure Grao, der auf den 13 Inseln die Macht übernommen und Aruula in einer Höhle eingesperrt hatte. Die überredet ihren alten Freund Rulfan, sie mit seinem Luftschiff zum Südpol zu bringen, um Matt zu warnen. Dort hat der Streiter Grao als Diener des Wandlers erkannt und übernommen. Man legt ihn auf Eis und macht den Flächenräumer für den entscheidenden Schuss klar. Doch die Aufladung durch das Erdmagnetfeld geht nur schleppend voran.

Die Hydriten werden ebenfalls beeinflusst und Matt schickt sie durch eine der Zeitblasen in die Vergangenheit. Auch Steintrieb geht – nach Atlantis. Doch keinem von ihnen gelingt es, die Gegenwart zu ändern. Inzwischen wirkt sich der Einfluss des Streiters auch auf Manil’bud aus, Xijs erste Existenz. Das Bewusstsein der hydritischen Geistwanderin beeinflusst Xij, Grao aufzutauen. Er greift an, doch Takeo schlägt ihn nieder.

Als sich der Streiter über den Mond senkt, muss Matt feuern, obwohl die Energieladung erst bei 70% steht … und der Schuss krepiert! Dafür werden alle Zeitblasen im Flächenräumer von einer neuen, größeren gelöscht, in der sich die Zeiten rasant abwechseln. Der Streiter setzt seinen Weg zur Erde fort. Unter seinem Einfluss regieren Tod und Wahnsinn; auch Aruula und Rulfan sterben.

Als die kosmische Entität die Oberfläche des Planeten auf der Suche nach dem Wandler, dessen Essenz er wie ein Drogensüchtiger braucht, vernichtet, bleibt Matt, Xij und Grao nur die Flucht durch das neue Zeitportal. Von nun an sind sie Schiffbrüchige der Zeit …

Die Hölle auf Erden

von Manfred Weinland

Der Eisensturm tobte bereits den siebten Tag in Folge, und ebenso lange hatte ich meine Stube nicht mehr verlassen.

„Kind, du brauchst keine Angst zu haben. Dein Vater und ich geben auf dich acht!“

Ich versuchte, mich auf die Worte meiner Mutter zu konzentrieren, doch das gelang mir nicht. Draußen heulte der Sturm unvermindert. Ich sah die winzigen Eisenspäne in der Luft tanzen. Meine Finger krallten sich fest um Mutters Handgelenke, die sich behutsam davon befreite und den Raum verließ. Kurz darauf hörte ich, wie sie sich im Nebenzimmer mit Vater unterhielt. Aber der Sturm übertönte das meiste. Ich verstand nicht, worüber sie sprachen.

Noch tiefer kroch ich unter meine Decke. Das Heulen des Eisensturms wiegte mich in den Schlaf.

(aus: Mahó – Schriften nach dem Fall)

Prolog

Tadamichi Ariaga, Generalleutnant und Kommandeur der Chukogu-Regionalarmee, maß den jungen Mann in der Mönchskluft, der ihm gegenüber saß, minutenlang mit stummer Strenge. Schließlich ergriff der Uniformierte das Wort. „Es war klug, meiner Einladung zu folgen, Kaito. Sehr klug. Und ich hoffe, du hast – wie ich in meinem kurzen Brief forderte – auch mit keiner Menschenseele darüber gesprochen oder eine Ausflucht benutzt, die deine Brüder keinen Verdacht schöpfen lässt.“

Der junge Mönch rutschte unruhig auf seinem Stuhl hin und her. „Herr – was wollt Ihr von mir? Ich bin gekommen, ja. Aber ich verstehe nicht –“

Ariagas Hand schoss förmlich in die Höhe und gebot seinem Gegenüber zu schweigen. „Ich bin ein Mann des Schwertes, nicht des Wortes. Und wir leben in Zeiten, in denen das Schwert zählt.“

Ein Ausdruck von Skepsis huschte über die Züge des Mönchs, aber er beherrschte sich und unterbrach den Kommandeur nicht.

„Du hast eine Schwester: Mahó“, fuhr der Generalleutnant fort. „Ihretwegen bist du hier.“

„Wegen meiner Schwester? Was hat sie damit zu tun, Herr? Ich bitte Euch, sie ist … sie ist …“

„Krank“, sagte Ariaga hart. „Schwer krank, wie mir zu Ohren gekommen ist.“

„Es ist keine ansteckende Krankheit, und sie tut keiner Fliege etwas zuleide, Herr. Ihr –“

Ein Lächeln, nicht wärmer als eine Schneeflocke, schmiegte sich unvermittelt um die Mundwinkel des Uniformierten. „Ich merke, du verstehst mich vollkommen falsch. Ich will deiner kleinen Schwester nichts zuleide tun, im Gegenteil. Im biete dir die einmalige Chance, ihr Gutes angedeihen zu lassen.“

„Wovon sprecht Ihr, Herr? Ich bin nur ein einfacher Shingon-Mönch. Wir leben einzig für unseren Glauben und –“

Ariaga unterbrach ihn grob. Das falsche Lächeln fiel von ihm ab. „Ja, ja, das beteuern du und deine Brüder unentwegt. Aber ich traue euch nicht. Mir ist euer Tempel ein Dorn im Auge, verstehst du? Ich sagte es schon, wir leben in unsicheren Zeiten. Es gibt den Feind von außen und es gibt den Feind von innen. Im Daishô-in-Tempel gehen Dinge vor, in die ich keinen Einblick habe.“

„Herr, ich versichere Euch –“

Ariaga schnitt ihm zum wiederholten Mal das Wort ab. Jeder noch so schwache Anstrich von Höflichkeit fiel von ihm ab. „Schweig! Hör einfach nur zu, was ich dir anzubieten habe! Ich bin kein Unmensch und bereit zu glauben – wenn es die Wahrheit ist. Und damit kommen wir wieder zu deiner bedauernswerten Schwester.“

Nicht nur die Miene des asketischen jungen Mönchs war versteinert, während er dem Generalleutnant zuhörte. Wie eine Statue saß er vor Ariaga und wartete darauf, was der höchste Soldat der Region ihm mitzuteilen hatte.

Endlich ließ Ariaga gegenüber dem Mönch, der in einem wochenlangen Auswahlverfahren bestimmt worden war, die Katze aus dem Sack: Er sollte für das Militär Spionagedienste leisten! Kaitos Empörung dämpfte er sogleich mit der Aussicht auf die Belohnung, die ihm für seine Tätigkeit zuteilwerden sollte. Einen Lohn, den er kaum abschlagen konnte:

„Die besten Ärzte werden sich deiner Schwester annehmen. Sie wird leben können wie ein ganz normales Mädchen. Sie wird heiraten und Kinder bekommen. Oder willst du zulassen, dass sie zeitlebens wie eine Ausgestoßene behandelt wird? Überleg es dir gut, hochgeschätzter Kaito. Ich bin ein Mann, der sein Wort zu halten pflegt. Also enttäusche mich nicht. Wenn wir uns das nächste Mal wiedersehen, will ich deine Entscheidung erfahren. Bis dahin – geh in Frieden!“

1.

Es würde niemals zur Routine werden.

Der Wechsel von einer Welt in die nächste war jedes Mal aufs Neue ein Akt, der der Psyche – und oft genug auch dem Körper – alles abverlangte. Wieder schien es Matthew Drax, als würde sich die Welt, in die sie von dem Zeitportal geworfen wurden, gegen ihre Ankunft wehren. Kein Wunder – sie bildeten Fremdkörper in dieser Epoche und Welt.

Sie – das waren seine Begleiterin Xij Hamlet und der Daa’mure Grao’sil’aana. Erstere eine Wiedergeborene, deren Geist schon durch Tausende Körper gegangen war, Letzterer ein Gestaltwandler, der mit einem lebenden Kometen zur Erde gelangt war. Nun, er selbst war auch nicht ungewöhnlicher als sie: ein Zeitreisender, der dank einer Tachyonenschicht für die nächsten fünfzig Jahre so gut wie nicht altern würde.

Das Gefühl des Nichtwillkommenseins erfuhr noch eine Steigerung, als Matt aus der Anomalie des Tores heraustaumelte und sich die Ereignisse, wie so oft, augenblicklich überschlugen.

Der ersten Erleichterung, dass er sich nicht, wie schon geschehen, übergangslos im freien Fall wiederfand, folgte die Erkenntnis, dass sie auch diesmal nicht der Gesetzmäßigkeit entrinnen konnten, die mit dem Entstehen jedes Portals einherging: einer heftigen Erschütterung des Raumzeitgefüges, die in einer Schockwelle gipfelte, die durch die Erdkruste raste.

Der Boden, auf den er seine Füße setzte, bäumte sich auf, als wäre Matt auf dem Rücken eines bockenden Bullen gelandet, der ihn abzuschütteln versuchte. Fluchend landete er auf allen Vieren. Seine Hände tasteten in der Dunkelheit – es war tiefe Nacht um sie herum – nach Halt, fanden aber nur dürftiges Gestrüpp und damit nichts, was den steten Abwärtsdrall beenden konnte.

Unweit ragte ein Baum auf, doch nicht nah genug, um ihn zu erreichen. Matt rutschte nur wenige Handbreit an einem ausladenden Ast vorbei.

Doch als das Beben verebbte, fand er allmählich in den Stand zurück. Seine Augen gewöhnten sich an die Finsternis, sodass er imstande war, schwache Konturen in der Umgebung auszumachen. Über ihm glitzerten Sterne, also befand er sich im Freien.

Und da war auch Bewegung!

Stimmen.

Fauchen.

Ah, wieder alle an Bord. Die Laute stammten unverkennbar von Xij und dem Daa’muren.

Im nächsten Moment schälten sich die Konturen seiner beiden Schicksalsgenossen aus dem Dunkel. Als Freundschaft konnte er sein Verhältnis zu Grao’sil’aana beim besten Willen nicht definieren. Zwar unterstützte der Daa’mure ihre Odyssee durch die Zeiten und half, wo er konnte – das aber aus purem Eigennutz. Denn nur gemeinsam konnten sie von dieser Parallelwelt in die nächste gelangen.

Und Xij … war bereits mehr als eine Freundin. Seine Geliebte. Seit sie sich in einer Wikingersiedlung näher gekommen waren. Sehr viel näher, als es bei Freunden üblich war.1)

In diesem Moment trat Xij neben ihn. Waffenlos wie er selbst. Und zunächst einmal einfach nur froh, den unmittelbaren Gefahren und der Eiseskälte der vorherigen Welt entronnen zu sein.

„Allmählich kommt es mir so vor, als würde jemand mit einem Hammer auf die Erde einschlagen, um unsere Ankunft zu verkünden“, sagte Xij.

Matt grinste. „Du meinst, Thor hat einen Nebenjob?“

„Blödmann!“ Sie stieß ihm mit dem Handballen gegen die Schulter, dass er beinahe das Gleichgewicht verlor.

„He!“, beschwerte er sich, immer wieder überrascht, wie viel Kraft in diesem knabenhaft schlanken Körper steckte. „Pass auf! Es geht ganz schön weit den Hang runter.“ Er zeigte in die Richtung, die er meinte.

Grao knurrte.

Zumindest hielt Matt es einen Moment lang für ein Knurren und den Daa’muren für die Quelle des Geräuschs. Das änderte sich aber rasch, als Grao tatsächlich einen warnenden Ruf ausstieß und in die entgegengesetzte Richtung zeigte: hangaufwärts.

Schattenhaft wogte von dort etwas heran.

Mit geweiteten Augen erkannte Matt die Gefahr, deren Geräuschkulisse innerhalb von Sekunden zu ohrenbetäubendem Lärm anstieg.

„Eine Steinlawine!“, keuchte er. „Weg hier!“

Es war eine Ironie des Schicksals. Eben noch auf einem Gletscher und von Schneebrettern bedroht, mussten sie nun vor einer Lawine aus Geröll fliehen, die noch tödlicher war.

Die Steinmassen rasten talwärts – genau auf die drei ungleichen Besucher aus einer anderen Welt zu.

Im Laufen blickte Matt hinter sich. Krachend erreichte die steinerne Woge die Stelle, wo Xij, Grao und er eben noch gestanden hatten. Er erkannte es anhand des Baumes, der dort aufragte. Der Stamm wankte unter dem Geröll, das er teilte, aber er fiel nicht.

Ausläufer der Lawine prasselten links und rechts an ihnen vorbei. Matt hob die Arme, um den Kopf vor Splittern zu schützen, die wie Geschosse abgesprengt wurden. Neben ihm schrie Xij auf, offenbar getroffen. Matt glitt neben sie und versuchte sie mit seinem Körper abzuschirmen.

„Schon gut“, wehrte sie ab. „Alles okay.“

Ein paar Atemzüge später war der Lärm verklungen und die Umgebung hatte sich beruhigt.

„Das gottverdammte Beben hat einen Steinschlag ausgelöst“, kommentierte Xij, die sich den Staub von der Kleidung klopfte.

„Dem wir mit knapper Not entgangen sind“, ergänzte Matt. „Ich fürchte, ein anderes Problem wiegt viel schwerer.“

Xij, die unablässig die Umgebung sondierte, stimmte ihm zu: „Grao ist verschwunden. Ich sehe ihn jedenfalls nirgends. Eben war er doch noch bei uns …“

Matt verzichtete der Dringlichkeit wegen auf den Hinweis, dass sich sein Hinweis nicht auf Grao bezogen hatte.

Mit Grao waren es zwei.

Er blickte zu dem Punkt hinüber, wo die Baumkrone aus dem zum Stillstand gekommenen Erdrutsch herausragte. Wenn er vorhin richtig geschätzt hatte, war der Stamm drei bis vier Meter hoch. So viel Gestein hatte sich nun über dem Zeitportal abgelagert.

Xij ließ ihren Blick über das Geröllfeld schweifen. „Denkst du, er wurde verschüttet? Scheiße, das wäre übel!“

„Um Grao mache ich mir eigentlich weniger Sorgen. Der wurde schon einmal lebendig begraben, damals auf einer Insel im Victoriasee, und hat es unverletzt überstanden. Mehr Sorgen macht mir …“

„… dass das Portal unter den Steinmassen liegt!“, erkannte nun auch Xij. „Scheiße hoch zwei!“

Matt nickte grimmig. „Wir werden Tage brauchen, um es wieder auszugraben. Zumal wir nur ungefähr wissen, wo es liegt: irgendwo oberhalb des Baumes.“

Da sie daran momentan nichts ändern konnten, suchten sie erst einmal gemeinsam das Geröllfeld nach Grao ab. Erfolglos. Ebenso blieben ihre Rufe ohne Antwort, mit denen sie die eigene Entdeckung riskierten. Solange sie nicht wussten, wo und wann sie gelandet waren, konnte das schwerwiegende Folgen haben.

„Was ist das?“, fragte Xij irgendwann und zeigte auf ein schwaches Glosen, das aus der Gipfelregion des Berges zu kommen schien.

Matt tippte auf Feuerschein.

„Könnte Grao dahinterstecken?“, fragte Xij.

„Um auf sich aufmerksam zu machen?“ Matt schüttelte den Kopf. „Unwahrscheinlich. Zu weit weg. Außerdem: Wäre er noch so mobil, würde er längst nach uns suchen.“

„Wo Feuer ist, dürften auch Menschen sein“, sagte Xij. „Und wo Menschen sind, lauert Ärger.“

„Du klingst wie ein Philosoph.“

„War ich ja auch. Ist nur schon ein paar Leben her.“ Sie grinste kurz. „Also, wie geht’s weiter?“

„Da Grao uns offenbar nicht hören kann, wird es das Vernünftigste sein, mit der weiteren Suche bis zum Anbruch des Tages zu warten. Bei Licht sehen wir hoffentlich klarer.“

„Oder wir nutzen die Zeit und schauen mal nach, was es mit dem Feuer auf sich hat“, warf Xij ein. „Vielleicht finden wir ja jemanden, der uns freundlich gesinnt ist und uns seine Hilfe anbietet.“

„Oder uns mit seiner Keule die Schädel zertrümmert.“

„Was wäre das Leben ohne Risiko?“, konterte Xij.

Matt verzog das Gesicht, stimmte ihr aber zu: Sie konnten die Zeit bis zum Sonnenaufgang tatsächlich besser nutzen, als sich hier zwischen dem Geröll zu verkriechen. Vor allem wollte er wissen, wohin es sie verschlagen hatte.

„Okay, dann los. Aber vorsichtig!“

Sie waren noch keine zehn Schritte gegangen, als Xij leise kicherte.

„Was?“, fragte Matt.

„Ich stell mir gerade vor, wie wir einen Neandertaler darum bitten, uns beim Ausgraben eines Zeitportals zu helfen – und bei der Suche nach einem verschütteten Echsenwesen.“

„Kommt ganz drauf an.“

Sie schaute ihn ratlos an. „Worauf?“

„Ob unsere Translatoren“, Matt tippte sich an den Nacken, „Neandertalisch beherrschen. Ansonsten wird er uns wohl doch eher die Schädel zertrümmern …“

2.

Genauso warnungslos, wie der Eisensturm aufgezogen war, flaute er auch wieder ab.

Es dauerte aber noch zwei volle Tage, bis Mahó sich ins Freie wagte.

„Es ist Nacht, mein Kind“, warnte ihre Mutter. „Du sollst doch nicht im Dunkeln draußen herumstreunen. Wann wirst du endlich auf die hören, die es gut mit dir meinen? Eines Tages wird dir ein Unglück geschehen, das spüre ich. Warte bis zum Morgen. Du wirst dich verlaufen, stürzen … Es kann so vieles passieren.“

Lächelnd nahm Mahó den Korb und huschte durch die Tür.

„Was sollen wir nur mit ihr machen?“, seufzte die Frau. „Ich kann sie doch nicht anbinden.“

„Aber einsperren“, sagte ihr Mann, der alles mit angehört hatte, aber nicht eingeschritten war. Das tat er nie.

Mahós Mutter senkte den Blick. „Das würde sie nicht verkraften.“

„Dann lass sie. Kinder haben einen besonderen Schutzengel.“ Für Mahós Vater schien die Angelegenheit damit erledigt.

Seine Frau weinte.

Dort, wo das Portal entstanden und die Steinlawine niedergegangen war, ragten weitere vereinzelte Äste in der Dunkelheit auf. Den Baum, der die Lage der verschütteten Anomalie verriet, hatte Matt markiert, indem er mit einem spitzen Stein ein Kreuz in seine Rinde ritzte.

Von hier oben aus hatten sie erkannt, dass sie sich in der Nähe eines größeren Gewässers befanden; man konnte eine Küstenlinie und dahinter eine Bucht sehen. Auf deren jenseitigem Ufer zog eine Unzahl von Lichtpunkten ihre Aufmerksamkeit auf sich. Offenbar handelte es sich um eine menschliche Ansiedlung von beeindruckender Größe. Um zu ihr zu gelangen, hätten sie jedoch entweder ausdauernd schwimmen oder sich ein Boot beschaffen müssen.

Das mochte der nächste oder übernächste Schritt sein; zunächst aber stand weiterer Erkenntnisgewinn ganz oben auf der To-do-Liste.

Nahe dem Geröllfeld erstreckte sich ein Wald bis fast zum Gipfel. Aufgrund des dichten Bewuchses geriet der zuvor gesichtete Feuerschein zeitweise aus ihrem Blickfeld, als Matt und Xij weiter vordrangen. Minutenlang arbeiteten sie sich den steilen Anstieg empor. Einen Weg oder auch nur Trampelpfad suchten sie vergebens. Die Stämme der Bäume boten ihnen immerhin Halt, und so hangelten sie sich förmlich den Berg hinauf. Zwischendurch mussten sie immer wieder Verschnaufpausen einlegen.

„Schon mal dran gedacht, dass wir hier stranden könnten?“, fragte Xij, als sie sich erneut gegen einen Baum lehnten.

Matts Puls hämmerte mit weit über hundert Schlägen in der Minute, während er sich die Antwort zurechtlegte. Außerdem schwitzte er und der kühle Nachtwind brachte ihn zum Frösteln. „Das hab ich mir bislang auf jeder Parallel-Erde ausgemalt. Und in fast allen Fällen war es keine schöne Vorstellung. Mal ganz davon abgesehen, dass unsere eigentliche Welt dann für immer verloren bliebe. Und das, nachdem wir mit dem Superior Magtron eine reelle Chance haben, sie zu retten.“

Xij schnaufte kurz. „Aber nur, wenn es uns gelingt, vor der Ankunft des Streiters dorthin zurückzukehren. Und dann bleibt immer noch die Frage, ob das nicht ein Zeitparadoxon auslöst.“

„Zeitparadoxen sind reine Theoreme; die halten nur solange, bis sie durch Praxis widerlegt sind.“ Matt hob abwehrend die Hände. „Aber lass uns darüber später diskutieren. Jetzt ist erst mal wichtig, dass wir Grao finden.“

Xij nickte. Der Daa’mure hatte dank seiner Gestaltwandler-Fähigkeiten den Supermagneten innerhalb seines Körpers durch das Portal transportiert. „Ohne Grao kein Magtron. Und ohne Magtron keine Möglichkeit, den Flächenräumer in Minutenschnelle aufzuladen, um dem Streiter den Garaus zu machen.“

Matt presste kurz die Lippen zusammen, dann stieß er sich vom Stamm des Baumes ab und setzte den Aufstieg fort. „Wir gehen vor, wie besprochen. Erst schauen wir uns an, was hinter dem Feuerschein steckt. Und bei Sonnenaufgang drehen wir jeden Stein im Bereich der Zeitblase nach ihm um. Es gibt keine Alternative. Wir müssen ihn finden.“

„Und was, wenn es ihn … erwischt hat?“, fragte Xij, während sie sich ihm anschloss.

„Dann hoffe ich, dass das Portal auch einen Toten als Teil unserer Gruppe akzeptiert.“ Matt hielt kurz inne. „Und dass das Superior Magtron trotzdem transportiert wird.“

Er schauderte selbst bei diesen Worten. Weil sie herzloser klangen, als er sie meinte. Grao’sil’aana mochte ein Mitglied der Rasse sein, die ihn jahrelang als Primärfeind erbarmungslos gejagt hatte, doch er war in den letzten Wochen zu einem wertvollen Verbündeten geworden, dem sie beide mehrfach ihr Leben verdankten.

Er und Grao würden nie Freunde werden, aber der alte Hass war längst verflogen. Sie waren beide Gestrandete – nicht nur in den verschiedenen Paralleluniversen.

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